Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 27

Anuvāka 4 Maitrāvaruṇa-Becher: Mitra und Varuṇa, Milch, Vṛtra; die Aśvin und ihre Heilkraft.

nānā vā etau purā somā agṛhṇan mitrāya ca varuṇāya ca

Früher schöpften wahrlich diese beiden (Götter) getrennte Somas, für Mitra und für Varuṇa.

tāḥ prajā aśāntā avidhṛtā anyānyāṃ ghnatīr acaran

Da gingen diese Geschöpfe ungestillt und ungeordnet einander erschlagend umher.

te devā abruvan sahemaṃ gṛhṇāma mitreṇa varuṇam̐ śamayāma varuṇena mitram iti

Die Götter sprachen: „Wir wollen diesen (Soma) gemeinsam schöpfen; durch Mitra besänftigen wir Varuṇa, durch Varuṇa Mitra.“

tato vā etam̐ sahāgṛhṇan

Darauf schöpften sie ihn gemeinsam.

te mitreṇaiva varuṇam aśamayan varuṇena mitram

Sie besänftigten Varuṇa durch Mitra, Mitra durch Varuṇa.

tā imāḥ prajā mitreṇa śāntā varuṇena vidhṛtās

Diese Geschöpfe sind (so) durch Mitra beruhigt, durch Varuṇa auseinandergehalten (geordnet).

yan maitrāvaruṇo gṛhyate

Dass der Maitrāvaruṇa geschöpft wird,

kḷptyā eva vidhṛtyai

(geschieht) eben zur Ordnung, zur Aufrechterhaltung.

devā vai mitram abruvan vṛtram̐ hanāmeti

Die Götter sprachen zu Mitra: „Wir wollen Vṛtra erschlagen.“

nety abravīn mitro 'ham asmi na hinasmīti

„Nein“, sprach er, „ich bin Mitra; ich verletze nicht.“

hanāmaivety abruvan

„Wir wollen (ihn) doch erschlagen“, sagten sie.

so 'bravīd vāryaṃ vṛṇai payasā me somam̐ śrīṇān iti

Er sprach: „Ich erwähle eine Wunschgabe: Mit Milch sollen sie meinen Soma mischen.“

tasmāt payasā maitrāvaruṇam̐ śrīṇanti

Darum mischt man den Maitrāvaruṇa mit Milch,

vāryavṛtam̐ hy asya

denn die Wunschgabe ist von ihm erwählt.

tasmād rājanyenādhyakṣeṇa vaiśyaṃ ghnanti

Darum erschlagen sie durch den Rājanya als Aufseher den Vaiśya [?].

taṃ mitras sann anṛtam akar iti varuṇo 'gṛhṇāt

„Mitra, der du (Mitra) bist, hast Unwahrheit getan“ – so ergriff Varuṇa ihn.

sa mitro varuṇa evānāthata

Mitra bat Varuṇa (um Hilfe).

so 'bravīt saha nā eṣa somo gṛhyatām atha tvāto mokṣyāmīti

Er sprach: „Dieser Soma soll uns beiden gemeinsam geschöpft werden; dann werde ich dich davon lösen [?].“

tato vā etam̐ sahāgṛhṇan

Darauf schöpften sie ihn gemeinsam.

tenainaṃ varuṇād amuñcat

Damit löste er ihn von Varuṇa.

yan maitrāvaruṇo gṛhyate

Dass der Maitrāvaruṇa geschöpft wird,

nirvaruṇatvāya

(geschieht) zur Befreiung von Varuṇa (von Varuṇas Fessel).

paśavo vai payaḥ

Das Vieh ist wahrlich die Milch,

paśūnām̐ hi payas

denn die Milch gehört dem Vieh.

yat payasā maitrāvaruṇam̐ śrīṇāti

Indem er den Maitrāvaruṇa mit Milch mischt,

paśubhir evainam̐ samardhayati

stattet er ihn mit Vieh aus.

asomo vā eṣa ity āhur oṣadhaya etāḥ paya eva soma iti

Man sagt: „Dies ist kein Soma; das sind Kräuter, die Milch selbst ist Soma.“ [?]

yat payasā maitrāvaruṇam̐ śrīṇāti

Indem er den Maitrāvaruṇa mit Milch mischt,

atho yad evāsyābhiṣṇvanto ghnanti yat krūraṃ kurvanti tac chamayati ‖

Zudem besänftigt er, was sie ihm beim Pressen (durch Schlagen) antun, was sie Grausames tun.

śṛtena śrīṇāti

Mit gekochter Milch mischt er.

maitraṃ vai śṛtaṃ vāruṇaṃ pratidhuk

Das Gekochte gehört wahrlich Mitra, die frisch Gemolkene (pratidhuk) Varuṇa.

svenaivainau bhāgadheyena samardhayati

Mit ihrem eigenen Anteil stattet er beide aus.

maitro brāhmaṇo vāruṇo rājanyas

Der Brahmane gehört zu Mitra, der Rājanya zu Varuṇa.

yad eṣa maitrāvaruṇo gṛhyate

Dass dieser Maitrāvaruṇa geschöpft wird,

tasmād brahmapurohitaṃ kṣatram

darum hat die Kriegerherrschaft den Brahmanen (das heilige Wort) zum Vorsteher (Hauspriester).

yajñasya vai śiro 'cchidyata

Des Opfers Kopf wurde abgeschnitten.

atha tarhy aśvinā asomapau bhiṣajau devānām āstām

Damals waren die beiden Aśvin, ohne Somatrunk, die Ärzte der Götter.

tau devā abruvan bhiṣajau vai stha idaṃ yajñasya śiraḥ paridhattam iti

Die Götter sprachen zu ihnen: „Ihr seid Ärzte; setzt diesen Kopf des Opfers (wieder) an.“

tā abruvatāṃ vāryaṃ vṛṇāvahai somapītho nau deveṣv astu graho nau gṛhyatām iti

Die beiden sprachen: „Wir wählen eine Wunschgabe: Bei den Göttern soll uns Somatrunk sein; ein Becher soll uns geschöpft werden.“

tau devā bahiṣpavamānena pāvayitvā tābhyām̐ śucibhyāṃ medhyābhyāṃ bhūtābhyāṃ graham agṛhṇan

Die Götter läuterten sie mit dem Bahiṣpavamāna(-Gesang) und schöpften ihnen, den Reinen, Opferfähigen Gewordenen, einen Becher.

tasmāt stute bahiṣpavamāna āśvino gṛhyate

Darum wird, wenn der Bahiṣpavamāna gepriesen ist, der Āśvina(-Becher) geschöpft.

tasmād brāhmaṇo bahiṣpavamānam āsīta

Darum soll ein Brahmane beim Bahiṣpavamāna dasitzen (teilnehmen).

tasmād yam̐ dviṣyāt taṃ bahiṣpavamānāt paribādheta

Darum soll man den, den man hasst, vom Bahiṣpavamāna ausschließen;

pavitrād evainaṃ paribādhate

von der Läuterung eben schließt man ihn aus.

tau devān upāvartamānau tayor yā bhiṣajyā tanūr āsīt

Als die beiden sich zu den Göttern zurückwandten, war da ihr heilender Leib (ihre Heilkraft).

tāṃ tredhā vinyadadhātām agnau tṛtīyaṃ brāhmaṇe tṛtīyam apsu tṛtīyam

Diese teilten sie dreifach: ein Drittel im Feuer, ein Drittel im Brahmanen, ein Drittel im Wasser.

yaṃ kāmayetāmayāvinaṃ jīved ity agner ante brāhmaṇāya procyāpaḥ paribrūyāt

Von wem er wünscht: „Der Kranke soll leben“, für den soll er am Ende (Rand) des Feuers einem Brahmanen (den Spruch) vortragen und (dann) über (ihn) die Wasser sprechen [?].

etāvad vai bheṣajam

Das ist wahrlich die ganze Arznei;

yāvad eva bheṣajaṃ tad asmai karoti

die Arznei, wie viel es gibt, die schafft er ihm.

jīvati sarvam āyur eti na purāyuṣaḥ pramīyate ‖

Er lebt, erreicht das volle Alter und stirbt nicht vor seiner Lebenszeit.