Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 28

Anuvāka 2 Über die Jahreszeiten-Schöpfbecher (ṛtugraha), den Aindrāgna- und den Vaiśvadeva-Graha.

devā vā asurān hatvā vairadeyād īṣamāṇās ta ṛtūn saṃvatsaram amohayan

Die Götter, nachdem sie die Asuras erschlagen hatten, fürchteten die Vergeltung [?] (vairadeya, Wergeld?) [Anm.: vairadeya, „Bußzahlung für Erschlagene“; Deutung unsicher] und verwirrten die Jahreszeiten und das Jahr [?].

tasya devāḥ kḷptim aicchan

Dessen Ordnung [Zurechtfügung] suchten die Götter.

tam ṛtugrahair evākalpayan

Ihn (den Jahreslauf) brachten sie durch die Jahreszeiten-Schöpfbecher in Ordnung.

yad ṛtugrahā gṛhyante

Dass die Jahreszeiten-Schöpfbecher geschöpft werden,

saṃvatsarasya kḷptyai

(geschieht) zur Ordnung des Jahres,

svargasya lokasya prajñātyai

zur Erkenntnis der Himmelswelt.

ubhau saha prathamaṃ gṛhṇāte

Die beiden ersten schöpfen sie zusammen;

ubhau hy etau saha saṃvatsaraṃ kalpayitum upapretas

denn diese beiden sind zusammen dazu gekommen, das Jahr zu ordnen.

ubhau sahottamam

Die beiden letzten (schöpfen sie) ebenso zusammen;

saṃvatsaram eva kalpayitvobhau saha vimucyete

nachdem sie das Jahr geordnet haben, werden beide zusammen (vom Werk) gelöst.

ubhayatomukhe ṛtupātre bhavatas

Zwei Jahreszeitenbecher mit Mündung nach beiden Seiten gibt es;

ubhayatomukhā hy ṛtavas

denn die Jahreszeiten haben Mündung nach beiden Seiten.

na hi tad vidma yatarata ṛtūnāṃ mukham

Wir wissen nämlich nicht, welche von den Jahreszeiten der Anfang (Mund) ist;

nānyo'nyam abhiprapadyeyātām

nicht sollen die beiden einander betreten [?].

yad abhiprapadyeyātām ṛtur ṛtum abhyāyukas syāt

Würden sie einander betreten, so würde eine Jahreszeit auf die andere stoßen;

yad vyatītas

wenn sie [jede] vorübergegangen ist (dann nicht mehr) [?].

tasmād āhur aśvā ivartū samaghrātām iti

Darum sagt man: „Wie Rosse haben die beiden Jahreszeiten einander beschnuppert [?].“

dvādaśaite gṛhyante

Zwölf sind es, die geschöpft werden;

dvādaśa māsās saṃvatsaras

zwölf Monate hat das Jahr;

saṃvatsarasya kḷptyai

zur Ordnung des Jahres (geschieht es).

saṃvatsaro vai svargo lokas

Das Jahr ist nämlich die Himmelswelt;

tasyaita ākramās saṃkramās

dessen Schritte und Übergänge sind diese,

yad ṛtugrahās

nämlich die Jahreszeiten-Schöpfbecher.

roham evaitai rohati

Den Aufstieg macht er durch sie.

svargasya lokasya samaṣṭyai

Zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt (geschieht es).

ṣaḍ anye bhavanti ṣaḍ anye

Sechs sind die einen, sechs die anderen.

asau vā āditya ṛtus

Jene Sonne ist nämlich die Jahreszeit;

tasmād eṣa ṣaṇ māsa udaṅṅ eti ṣaḍ dakṣiṇā

darum geht sie sechs Monate nach Norden, sechs nach Süden.

ṣaḍ ṛtunā

Sechs (Becher) mit „ṛtunā“ (Formel: „durch die Jahreszeit“);

ṣaḍ vā ṛtavas

sechs Jahreszeiten gibt es nämlich;

ṛtuṣv eva pratitiṣṭhati

in den Jahreszeiten fasst er festen Stand.

catur ṛtubhis

Vier (Becher) mit „ṛtubhis“ (Formel: „mit den Jahreszeiten“);

saṃvatsaraṃ paśavo 'nuprajāyante

dem Jahr folgend werden die Tiere geboren.

saṃvatsarād evāsmai paśūn prajanayati

Aus dem Jahr heraus lässt er ihm Vieh entstehen.

dvir ṛtunā punar

Zweimal (Becher) mit „ṛtunā“ wiederum;

paśuṣv evopariṣṭāt pratitiṣṭhati ‖

oberhalb des Viehs fasst er festen Stand.

somapānā vā ete somapā indrasya sajātās

Somatrinker sind diese, Somatrinker, Verwandte Indras,

yad ṛtugrahās

nämlich die Jahreszeiten-Schöpfbecher.

ṛtunā somaṃ pibatv iti hy āha

Denn er sagt: „Mit der Jahreszeit trinke er den Soma“;

nartur iti

„nicht ohne die Jahreszeit“ (heißt es) [?],

teṣām ete sve pātre yābhyām enāñ juhvati

Deren eigene Gefäße sind diese, mit denen sie sie (die Jahreszeiten) opfern.

tasmāt sajātas svena pātreṇā balim̐ harati

Darum bringt der Verwandte mit dem eigenen Gefäß die Abgabe (bali) dar;

āsmai balim̐ haranti ya evaṃ veda

dem bringen sie Abgabe dar, der dies weiß.

vyavahāraṃ bhakṣayanti

Getrennt verzehren sie [den Rest] [?],

tasmād ṛtumṛtuṃ varṣati

Darum regnet es Jahreszeit für Jahreszeit.

tena devās saṃvatsaraṃ kalpayitvā svargaṃ lokaṃ prajñāya ta etad yajñasya jyotir upariṣṭād adadhur

Damit haben die Götter, nachdem sie das Jahr geordnet und die Himmelswelt erkannt hatten, dieses Licht des Opfers oben hingesetzt.

yad aindrāgno gṛhyate

Dass der Aindrāgna (Becher) geschöpft wird,

jyotir eva mukhato yajñasya dadhāti

damit setzt er das Licht an den Anfang (Mund) des Opfers.

svargasya lokasya prajñātyai ‖

zur Erkenntnis der Himmelswelt.

tasmāt saṃvatsaraṃ jyotir uparyupari carati

Darum wandelt das Licht immer über dem Jahr dahin.

ṛtupātreṇaindrāgnaṃ gṛhṇāti

Mit dem Jahreszeitenbecher schöpft er den Aindrāgna.

kṣatraṃ vā indrāgnī viḍ ṛtavas

Indra und Agni sind nämlich die Herrschaft (kṣatra), die Jahreszeiten das Volk (viś);

viśy eva kṣatram adhyūhati

so fügt er die Herrschaft in das Volk ein [?].

viśve vai devās tṛtīyasavanabhāgās santas te prātassavanam abhyakāmayanta

Die Viśvedevas, obwohl sie Anteilhaber der dritten Pressung waren, begehrten die Morgenpressung.

tān prajāpatir etasmin grahe tarpayitavyān apaśyat

Prajāpati sah, dass sie mit diesem Schöpfbecher zu sättigen seien.

yad vaiśvadevaḥ prātassavane gṛhyate

Dass der Vaiśvadeva bei der Morgenpressung geschöpft wird,

viśvān eva devān prātassavane tarpayati

damit sättigt er die Viśvedevas bei der Morgenpressung;

tān asya tṛptān prītān uttare savane abhivisṛjyete

sie, gesättigt und erfreut, werden ihm bei der späteren Pressung freigegeben [?].

śukrapātreṇa vaiśvadevaṃ gṛhṇāti

Mit dem Śukra-Gefäß schöpft er den Vaiśvadeva.

asau vā ādityaś śukro vaiśvadevīr imāḥ prajās

Jene Sonne ist nämlich der Śukra („der Leuchtende“); diese Geschöpfe gehören den Viśvedevas;

tasmād eṣa sarvāḥ prajāḥ pratyaṅ

darum ist sie allen Geschöpfen zugewandt.

mā3m prati mā3m pratīti hi manyante ‖

Denn sie meinen: „Mir zu, mir zu!“ (die Sonne wendet sich mir zu).