Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 28

Anuvāka 6 Über den Āditya-Becher: Herkunft, Handhabung, Dadhigraha und Umgang mit dem Rest.

ādityā vā asurān hatvā vairadeyād īṣamāṇās te devān prāviśan

Die Ādityas, nachdem sie die Asuras erschlagen hatten, gingen aus Furcht vor der Vergeltung [?] in die (anderen) Götter ein.

dvidevatyān vāva tat prāviśan

Damals gingen sie in die Dvidevatya-Becher ein [Anm.: Becher mit zwei Gottheiten].

ete hi devānām̐ saha bhūyiṣṭhās

Denn diese sind unter den Göttern die zahlreichsten zusammen [?].

tasmād ādityo dvidevatyebhyo gṛhyate

Darum wird der Āditya-Becher nach den Dvidevatya-Bechern geschöpft.

ucchiṣṭād vā ādityā jātās

Aus dem Rest sind die Ādityas geboren;

tasmād eṣa ucchiṣṭas somo gṛhyate

darum wird dieser Soma als Rest geschöpft.

uccheṣaṇabhāgā vā ādityās

Die Ādityas sind Anteilhaber am Übriggebliebenen;

tasmād eṣa ucchiṣṭas somo gṛhyate

darum wird dieser Soma als Rest geschöpft.

pariśrite gṛhṇāti

Im Umhegten [Anm.: pariśrita, mit Vorhang/Wand umschlossener Raum] schöpft er.

rudro vā agniḥ paśava ādityaḥ

Rudra ist Agni, das Vieh ist Āditya;

rudraṃ vai devā yajñān nirabhajan

Rudra schlossen die Götter vom Opfer aus.

te samavādiśann eṣa te mātari bhāga ity ādityāntam etāvad āgamayityaitat prati yajñād antaradadhur

Sie einigten sich: „Dies ist dein Anteil an der Mutter“ [?] und ließen ihn bis zum Āditya-(Becher) so weit kommen, dann setzten sie ihn wieder vom Opfer weg [?] [Anm.: Satz unsicher; Wortlaut wohl verderbt].

yat pariśrita ādityaṃ gṛhṇāti

Dass er den Āditya im Umhegten schöpft,

rudram eva yajñād antardadhāti ‖

damit hält er Rudra vom Opfer fern.

yad eṣa bhūyiṣṭhas somo gṛhyate

Dass dieser Soma in größter Menge geschöpft wird,

tasmāt paśavo 'dyamānā na kṣīyante

darum nimmt das Vieh, obwohl gegessen, nicht ab.

yadā bahavo 'ntarvedi syur atha gṛhṇīyāt

Wenn viele (Leute) innerhalb der Vedi sind, dann soll er schöpfen;

tān evānnādyam avarunddhe

damit gewinnt er sie [?] als Speise.

yadāsya bhrātṛvyo 'ntarvedi syād atha gṛhṇīyāt

Wenn sein Feind innerhalb der Vedi ist, dann soll er schöpfen.

eṣa vai yajamānasya svo loko yad vediḥ

Dies ist des Opferherrn eigene Welt, nämlich die Vedi;

sva eva loke bhrātṛvyasya paśūn vṛṅkte

in der eigenen Welt schneidet er dem Feind das Vieh ab.

bṛhatīḥ puroruco bhavanti

Bṛhatī-Formeln sind die Vorformeln (puroruc) [Anm.: Einleitungsverse];

paśavo vai bṛhatīḥ

Das Vieh sind die Bṛhatīs,

paśuṣv eva paśūn dadhāti

in das Vieh legt er (so) das Vieh.

somam agre gṛhṇāty atha dadhy atha somam

Zuerst schöpft er Soma, dann saure Milch (dadhi), dann Soma.

ūrg vai dadhi paśava ādityas

Kraftnahrung ist die saure Milch, das Vieh ist der Āditya;

ūrjam eva paśuṣu madhyato dadhāti

die Kraftnahrung legt er in die Mitte des Viehs.

śṛtātaṅkyaṃ bhavati

Es ist Gekochtes [Anm.: śṛtātaṅkya, gekochte, geronnene Milch; Sinn unsicher] [?];

tasmād āmā pakvaṃ duhe

darum melkt die Rohe (Kuh) Gekochtes [d. h. gibt gare Milch].

yadi kāmayeta varṣed iti yā divyā vṛṣṭis tayā tvā śrīṇāmīti dadhnopariṣṭāc chrīṇīyāt

Wenn er wünscht: „Es möge regnen“, so soll er mit dem Spruch „Mit dem himmlischen Regen mische ich dich“ oben mit saurer Milch (den Soma) mischen.

paśavo vai dadhi paśava ādityaḥ

Das Vieh ist die saure Milch, das Vieh ist der Āditya;

paśubhya eva varṣati yarhi varṣati

dem Vieh zugute regnet es, wann immer es regnet;

paśubhya eva vṛṣṭiṃ ninayati

dem Vieh zugute leitet er den Regen hinab.

upām̐śusavanena mekṣayati

Mit dem Upāṃśusavana-Stein [Anm.: leise gebrauchter Presstein] rührt er um.

prāṇo vā upām̐śusavanaḥ paśava ādityaḥ

Der Lebenshauch ist der Upāṃśusavana, das Vieh ist der Āditya;

paśuṣv eva prāṇaṃ dadhāti

in das Vieh legt er den Lebenshauch.

vivasva ādityaiṣa te somapītha iti

„Vivasvat Āditya, dies ist dein Somatrunk“ (so der Spruch).

eṣa vāva sa upām̐śusavanas

Dies eben ist jener Upāṃśusavana;

sākṣād evainam̐ somapīthena samardhayati

unmittelbar stattet er ihn mit dem Somatrunk aus.

yady udgṛhītasya stoko 'vapadyate tājak pravarṣati

Wenn von dem Aufgenommenen ein Tropfen herabfällt, so regnet es alsbald.

gṛhītvāpidadhāti

Nachdem er geschöpft hat, deckt er (den Becher) zu,

garbhāṇāṃ dhṛtyā aprapādāya

zum Festhalten der Leibesfrüchte, damit sie nicht abfallen.

taṃ daśame stotre pracyāvayati

Ihn lässt er beim zehnten Stotra (Lobgesang) ausströmen [?];

tasmād daśame māsi garbhā hitāḥ prajāyante

darum werden im zehnten Monat die eingesetzten Leibesfrüchte geboren.

anyatrekṣamāṇo juhoti

Anderswohin blickend, opfert er.

rudro vā agniḥ paśava ādityaḥ

Rudra ist Agni, das Vieh ist Āditya;

yadīkṣeta brāḥmaṇa upadraṣṭā paśūn gṛhṇīyāt

Wenn er einen Brahmanen erblickt, der zuschaut, so soll er das Vieh (den Becher) schöpfen [?].

paśūnām eva pradīyamānānām anupadraṣṭā bhavati ‖

Er wird nicht zum Zuschauer des Viehs, das (als Opferlohn) gegeben wird [?].