Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 28

Anuvāka 4 Über die Opferlöhne (dakṣiṇā): ihre Darbringung, ihre Verse, die rechte Empfängerwahl und die Gefahr zurückgewiesener Gaben.

mādhyandinād vai savanād devās svargaṃ lokam āyan

Von der Mittagspressung aus gingen die Götter zur Himmelswelt;

teṣām eta ākramās saṃkramā yad dakṣiṇās

deren Schritte und Übergänge sind diese, nämlich die Opferlöhne (dakṣiṇā).

setum eva kīrtvā svargaṃ lokam eti

damit geht er, nachdem er eine Brücke gebaut hat [?], zur Himmelswelt.

yāvad vā iha prāṇad dadāti tāvanto 'muṣmiṃl loke prāṇās

So viel er hier, solange er atmet, gibt, so viele Lebenshauche hat er in jener Welt.

tasmād iha bahu dattaṃ praśam̐santi

Darum preist man hier, was viel gegeben wurde.

jyāyām̐sam eva setuṃ kirate

Eine größere Brücke streut er auf [?].

etarhi vai devatā nediṣṭhān nyānamanti

Jetzt neigen sich die Gottheiten dem Nächsten zu [?].

tasmād eṣa etarhi tejiṣṭhaṃ tapati yāvan nediṣṭhād eva svargaṃ lokam ārohati

Darum brennt sie (die Sonne) jetzt am heißesten, weil er eben vom Nächsten aus zur Himmelswelt aufsteigt [?].

saurībhyāṃ juhoti

Mit zwei Saurī-Versen [Anm.: Sonnenversen] opfert er;

svargasya lokasya samaṣṭyai

zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt.

dvipād yajamānas

zweifüßig ist der Opferherr;

asyām evainam ākrāmayati

auf dieser (Erde) lässt er ihn Fuß fassen [schreiten],

yad āgneyyāgnīdhre juhoti

indem er im Āgnīdhra-Feuerraum mit einem Agni-Vers opfert;

antarikṣa evainam ākrāmayati ‖

im Luftraum lässt er ihn schreiten [?].

svargam evainaṃ lokaṃ gamayati

damit lässt er ihn zur Himmelswelt gelangen.

dyāṃ gaccha svar gaccheti

„Geh zum Himmel, geh zum Licht [Himmelswelt]“ (so der Spruch);

svargasya lokasya samaṣṭyai

zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt.

rūpaṃ vo rūpeṇābhyāgāṃ vayasā vaya iti

„Eure Gestalt habe ich mit (meiner) Gestalt erreicht, mit Lebenskraft die Lebenskraft“ (so der Spruch).

etad vai paśūnāṃ rūpaṃ yad ghṛtaṃ yad dhiraṇyam

Dies ist nämlich die Gestalt des Viehs: die Schmelzbutter (ghṛta) und das Gold;

rūpam evaiṣāṃ rupeṇābhyaiti vayasā vayas

ihre Gestalt erreicht er mit Gestalt, mit Lebenskraft die Lebenskraft.

tutho vo viśvavedā vibhajatv iti

„Tuthas, der Allwissende, soll euch verteilen“ (so der Spruch).

satyaṃ vai tutho viśvavedās

Die Wahrheit ist nämlich Tutha, der Allwissende [Anm.: tutha als Name des Verteilers, Deutung unsicher] [?];

satyenaivainān brahmaṇā vibhajati

durch die Wahrheit, durch das heilige Wort (brahman) verteilt er sie.

etat te agne rādha eti somacyutam iti

„Dies ist deine Gabe, Agni, sie kommt, vom Soma herabgeträufelt“ (so der Spruch).

tan mitrasya pathā nayeti

„Führe sie auf Mitras Pfad“ (so der Spruch);

mitrasyaivainān pathā nayati

auf Mitras Pfad führt er sie.

antarāgnīdhraṃ ca sadaś ca nayati

Er führt sie zwischen dem Āgnīdhra und dem Sadas hindurch.

etena vai pathā devās svargam lokam āyan

Auf diesem Pfad gingen die Götter zur Himmelswelt;

tam evainā apipādayati ‖

eben auf ihn lässt er sie treten [?].

dakṣiṇato vai devānāṃ yajñaṃ rakṣām̐sy abhyajayan

Von rechts (Süden) her eroberten die Rakṣas das Opfer der Götter;

tam āgnīdhrāt punar apājayan

sie (die Götter) gewannen es vom Āgnīdhra aus wieder zurück [?].

yad āgnīdhrād dakṣiṇā dakṣiṇā nayanti

Dass sie die Opferlöhne vom Āgnīdhra aus nach Süden führen,

yajñasyābhijityai

(geschieht) zum Sieg über das Opfer [d. h. zu seiner Gewinnung],

āgneyyāgnīdhre juhoti

Er opfert im Āgnīdhra mit einem Agni-Vers;

paśūnāṃ niṣkrītyai

(so geschieht es) zum Loskauf des Viehs.

vāruṇyā dvitīyayā juhuyād yady aśvaṃ vāno vā rathaṃ vā dāsyan syāt

Mit einem zweiten, dem Varuṇa-Vers, soll er opfern, wenn er ein Ross oder einen Wagen zu geben im Begriff ist [?] [Anm.: vāno unklar].

vāruṇā hy aśvā vāruṇā vanaspatayas

Denn Rosse gehören Varuṇa, Bäume gehören Varuṇa;

etad vai chandasāṃ rūpam

dies ist nämlich die Gestalt der Metren;

rūpeṇaiva cchandām̐sy avarunddhe

durch die Gestalt gewinnt er die Metren für sich [?].

hiraṇyajyotiṣa evainās svargaṃ lokaṃ gamayati

mit goldenem Licht lässt er sie zur Himmelswelt gelangen.

asmadrātā madhumatī devatrā gaccheti

„Von uns geschenkt, honigsüß, geh zu den Göttern“ (so der Spruch);

svargam evainā lokaṃ gamayati ‖

zur Himmelswelt lässt er sie gelangen.

pra dātāram āviṣeti

„Tritt hervor zum Geber“ [?] (so der Spruch);

tasmād amuṣmiṃl loka āgāmukās

darum sind sie in jener Welt (dem Geber) zukommend [?].

ṛtasya pathā preta candradakṣiṇā iti

„Auf dem Pfad der Ordnung geht dahin, ihr mit glänzendem Opferlohn“ (so der Spruch).

yo vai yajñiyo medhyas sa ṛtasya panthās

Was opferwürdig und rein ist, das ist der Pfad der Ordnung (ṛta);

brāhmaṇam adyardhyāsaṃ pitṛmantaṃ paitṛmatyam iti

„Einen Brahmanen möchte ich heute gedeihen lassen [?], einen, der Väter hat, von väterlicher Abstammung“ (so der Spruch).

yo vai śrotriya ārṣeyas sa pitṛmān paitṛmatyas

Wer nämlich ein Vedakundiger (śrotriya) aus einem Ṛṣi-Geschlecht ist, der ist „vätertragend“ und „von väterlicher Abstammung“.

taṃ videyam ity evaitad āha

„Den möge ich finden“, das sagt er damit.

sa hi sudhātudakṣiṇas

Denn er ist einer, dessen Opferlohn gut angelegt ist [?] [Anm.: sudhātu, wörtl. „von guter Grundlage“].

yām abrāhmaṇāya dadāti vanaspatayas tayā prathante

Den Opferlohn, den er einem Nicht-Brahmanen gibt, mit dem breiten sich die Bäume aus [?];

yāṃ kaṇvakaśyapebhyo dadāti nīhāras tayā prathate

den er den Kaṇvas und Kaśyapas gibt, mit dem breitet sich der Nebel aus [?] [Anm.: Anspielung unsicher];

yāṃ brāhmaṇāyāśrotriyāya dadāti marīcayas tayā prathante

den er einem Brahmanen gibt, der nicht Vedakundiger ist, mit dem breiten sich die Lichtstrahlen [Flimmern] aus [?].

yām̐ śrotriyāyārṣeyāya dadāti tayāmuṣmiṃl loka ṛdhnoty asmim̐ś cāsya loke punar bhogāya bhavati

Den er einem Vedakundigen aus einem Ṛṣi-Geschlecht gibt, mit dem gedeiht er in jener Welt, und in dieser Welt dient er ihm wieder zum Genuss.

tasmāt sa evaiṣṭavyas

Darum ist eben ein solcher aufzusuchen.

vi svaḥ paśya vy antarikṣam iti sadaḥ prekṣate ‖

„Schau den Himmel [das Licht], schau den Luftraum“ — mit diesem (Spruch) blickt er auf das Sadas.

somapā vā ete brāhmaṇās

Somatrinker sind diese Brahmanen;

teṣāṃ tejasvīni cakṣūm̐ṣi

glanzvoll sind ihre Augen.

arātīyanti vā ete dadate

Feindselig gesinnt sind diese [Empfänger], wenn sie nehmen [?];

ta enam īśvarāḥ pratinudas

sie vermögen ihn zurückzustoßen.

svarbhānur vā āsuras sūryaṃ tamasāvidhyat

Der Asura Svarbhānu durchbohrte die Sonne mit Finsternis;

tam atrir evāgre 'nvavindat

ihn (die Sonne) fand Atri zuerst wieder.

svargasya lokasya samaṣṭyai

(geschieht) zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt.

yady ātreyaṃ na vinded ya ārṣeyas sam̐hitas tasmai dadyāt

Wenn er keinen Ātreya findet, soll er (das Gold) einem geben, der ein Ārṣeya ist, ein Vedakundiger [?] [Anm.: sam̐hita, wohl „ausgebildet“].

asurā vai devebhyo dakṣiṇām anayan

Die Asuras führten den Göttern einen Opferlohn zu;

tāṃ pratyanudanta

sie [die Götter] stießen ihn zurück.

te 'bruvann asnihad eṣeti

Sie [die Asuras] sagten: „Diese ist zerflossen [ausgelaufen] [?].“

tebhyo 'parām anayan

Ihnen führten sie einen anderen zu;

te 'bruvan nṛmṇam eṣāgād iti

Sie sagten: „Männerkraft [?] ist diese gekommen.“

tebhyo 'parām anayan

Ihnen führten sie einen anderen zu;

te 'bruvann adrāpsīd eṣeti

Sie sagten: „Sie ist getropft [?].“

etā ha vai tad ṛṣir abhyanūvāca ‖

Auf diese [Vorgänge] hin sprach der Seher damals (den Vers) nach:

ava drapso am̐śumatīm atiṣṭhad iyānaḥ kṛṣṇo daśabhis sahasraiḥ |

„Der Tropfen stieg herab an die Am̐śumatī, der schwarze, ausziehend mit zehntausend,

āvat tam indraś śacyā dhamantam apa snehitīr nṛmaṇām adadhrām ‖ iti

ihn, der [in seiner Kraft] blies, unterstützte Indra mit seiner Macht; er (Indra) stieß die Feindseligen [?] (weg), die Männerkraft habende Unbezwinger“ [?] [Anm.: Ṛgveda-Vers, Deutung unsicher; hier nur so viel wie nötig].

sā sālāvṛkī saṃbhūyāsurān prāviśat

Sie [die zurückgewiesene Gabe] wurde zu einer Hyäne [Wölfin] (sālāvṛkī) und drang in die Asuras ein;

tasmād dakṣiṇā pratinuttā na pratigṛhyā

Darum darf ein zurückgestoßener Opferlohn nicht angenommen werden.

na goṣu cālayet

Nicht soll er sie unter die Kühe treiben [?].

sālāvṛky evainaṃ bhūtvā praviśati

Zur Sālāvṛkī geworden, dringt sie in ihn ein,