Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 29

Anuvāka 2 Regeln zu Yajus-Sprüchen und Saumya-Opfer beim dritten Pressen: Verzehr des Saumya-Rests, Anteil der Väter, Anblick des Soma und Ordnung der Gottheiten.

nīḍaṃ vā etad yajñasya kriyate yad yajuṣā kriyate

Wie ein Nest (nīḍa) des Opfers wird das hergestellt, was mit dem Opferspruch (yajus) getan wird,

uccair hy ṛcā ca sāmnā ca kriyate

denn mit Vers und Sāman wird laut verfahren.

yad ṛcaḥ puroruco bhavanti

Dass es Puroruc-Verse gibt,

draḍhimna eva pratyuttabdhyā aśithilatvāya

(geschieht) zur Festigkeit, zur Gegenstützung, damit nichts locker wird.

praivarcāha pra yajuṣā yacchati gamayati graheṇa

Mit dem Vers spricht er (den Anruf) aus, mit dem Opferspruch reicht er (ihn) dar und führt ihn hin mit dem Schöpfbecher (graha). [?]

ṛcā vai stotrāya gṛhyate yajuṣā śastrāya

Mit dem Vers wird (der Becher) für das Stotra geschöpft, mit dem Opferspruch für das Śastra.

tasmād ete sam̐hite

Darum sind diese beiden (Vers und Yajus) verbunden.

sam̐hite hi stotraṃ ca śastraṃ ca

Denn Stotra und Śastra sind verbunden.

parāṅ vā etarhi yajñaḥ parācīr devatās tṛtīyasavane yajamānāt

Abgewandt ist jetzt das Opfer, abgewandt sind die Gottheiten beim dritten Pressen vom Opferherrn.

āgneyyā purastāt saumyaṃ pariyajati vaiṣṇavyopariṣṭāt

Mit der Āgneyī-Gabe opfert er vorher, umschließt so die Saumya-Gabe, mit der Vaiṣṇavī hinterher.

agnir vai sarvā devatā viṣṇur yajñas

Agni ist alle Gottheiten, Viṣṇu das Opfer.

devatāś caiva yajñaṃ cālabhate

So ergreift er die Gottheiten und das Opfer.

ghnanti vā etat somaṃ yad abhiṣuṇvanti

Sie erschlagen ja den Soma, wenn sie ihn pressen.

tasyaiṣānustaraṇī yat saumyas

Dessen Sühnedecke (anustaraṇī) ist die Saumya-Gabe.

dakṣiṇārdhe 'gner juhoti

In der südlichen Hälfte des Feuers opfert er.

dakṣiṇā hi pitṝṇām

Denn der Süden gehört den Vätern.

sakṛdavattam̐ hi pitṝṇām

Denn nur einmal Abgeschnittenes gehört den Vätern.

yan mekṣaṇena dvitīyam avadyati

Dass er mit dem Rührlöffel ein zweites Mal abschneidet,

tenaiva sakṛdavattaṃ bhavati

dadurch ist es dennoch nur einmal abgeschnitten. [?]

udgātṛbhyo haranti

Sie tragen (den Rest) zu den Udgātṛs.

somadevatyaṃ vai sāma

Das Sāman hat den Soma zur Gottheit.

sāmnas savīryatvāya satanūtvāya

(Das geschieht) damit das Sāman Manneskraft und einen Leib habe.

prāśyā3 na prāśyā3 iti mīmām̐sante

„Soll man essen oder soll man nicht essen?“ – so erörtern sie.

yat prāśnīyāt prākārukas syāt

Äße er, würde er zum „Vorverzehrer“ [?].

yan na prāśnīyād ahavis syāt

Äße er nicht, wäre es ohne Opfergabe.

yo 'lam annādyāya sann annaṃ nādyāt sa prāśnīyāt

Wer, obwohl er zum Speiseessen imstande ist, keine Speise ißt, der soll (davon) essen.

paraṃ vā etad annaṃ yat pitaraḥ

Höchste Speise sind die Väter.

pareṇaivānnenāvaram annādyam avarunddhe

Mit der höheren Speise gewinnt er die niedrigere Speisekost.

bheṣajaṃ vā etad devā yajñāyākurvan

Ein Heilmittel machten die Götter dies für das Opfer.

yat saumyas tad eṣa bhiṣajyas

Was die Saumya-Gabe ist, ist dies Heilmittel.

tasmād āmayāvinā prāśyaḥ

Darum soll ein Kranker davon essen.

pitaro mandantām̐ somapratīkā mandantām

„Die Väter mögen sich erfreuen, die Soma zum Antlitz haben, sie mögen sich erfreuen.

vyaśema devahitaṃ yad āyur

Möchten wir die von den Göttern gesetzte Lebenszeit erreichen,

indrapīto vicakṣaṇas

von Indra getrunken, der Weitschauende!

vyaśema devahitaṃ yad āyur

Möchten wir die von den Göttern gesetzte Lebenszeit erreichen.

hṛdispṛk kratuspṛg varcodhā asi varco me dhehi ‖

Du berührst das Herz, berührst die Einsicht, bist Glanzspender; gib mir Glanz!

yan me mano yamaṃ gataṃ yad vā me aparāgatam |

Was von meinem Geist zu Yama gegangen oder fortgegangen ist,

rājñā somena tad vayam asmāsu dhārayāmasi ‖

das halten wir durch König Soma in uns fest.“

iti saumyam avekṣeta

Mit diesen (Sprüchen) soll er auf die Saumya-Gabe blicken.

yad vā iha prākaroti yasyātmano mīyate pitṝm̐s tad gacchati

Was hier an Wesen des Opferherrn verloren geht (wegstirbt), das geht zu den Vätern. [?]

yat saumyam avekṣate

Dass er auf die Saumya-Gabe blickt,

tad evātman yacchate

damit hält er eben dieses in sich fest.

ātmānam eva paripaśyati

damit sieht er sich selbst ringsum.

sa ha tvā amuṣmiṃl loke sarvatanūr ya evaṃ vidvān saumyam avekṣate

Der wird in jener Welt mit ganzem Leib sein, wer so wissend auf die Saumya-Gabe blickt.

vīryaṃ vā upasado nirvīryaṃ tṛtīyasavanam

Die Upasad-Tage sind Manneskraft, das dritte Pressen ist kraftlos.

tā bahiryajñaṃ kriyante

Jene (Upasad-Gottheiten) werden außerhalb des Opfers behandelt. [?]

yat saumyena tṛtīyasavane caranti

Dass sie beim dritten Pressen mit der Saumya-Gabe verfahren,

tṛtīyasavana eva vīryaṃ dadhati

damit legen sie Manneskraft eben ins dritte Pressen.

etā hi devatā upasatsv ijyante

Denn diese Gottheiten werden bei den Upasads verehrt.

āgneyyā purastāt saumyaṃ pariyajati hato ned yajñam abhiprapadyātā iti

Mit der Āgneyī vorher umschließt er die Saumya-Gabe, damit (Soma) als Erschlagener nicht ans Opfer herantrete. [?]

vaiṣṇavyopariṣṭād agniṣṭome net saumyam abhiprapadyātā iti

Mit der Vaiṣṇavī hinterher beim Agniṣṭoma, damit man nicht auf die Saumya-Gabe zutritt. [?]

ubhayata eva paristṛṇāti

Beiderseits breitet er eine Streu darum.

āgneyyā ghṛtasya yajati saumyā saumyasya vaiṣṇavyopariṣṭād ghṛtasya

Mit der Āgneyī opfert er vom Schmalz, mit der Saumī vom Soma-Anteil, mit der Vaiṣṇavī hinterher wieder vom Schmalz.

yathāpūrvam eva devatāḥ kalpayati ‖

So ordnet er die Gottheiten genau nach der Reihenfolge.