Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 29

Anuvāka 8 Das Dreier-Opfer für Agni, Soma und Bṛhaspati bei der Ekādaśinī, Regeln zur Aufstellung und Vermessung der Opferpfähle, Zahl der Pfähle und Gürtelschnüre.

āgneyas saumyo bārhaspatyas te samānam ardham ālabhyante

Die (Tiere) für Agni, für Soma und für Bṛhaspati werden an derselben Hälfte (Seite) ergriffen.

teja eva tena purastād dhatte

Glanz legt er damit nach vorn in sich.

indriyam eva tena madhyato dhatte

Sinneskraft legt er damit in die Mitte.

brahma vai bṛhaspatir

Bṛhaspati ist das heilige Wort.

upariṣṭād eva tena brahmavarcasaṃ dhatte

Brahmavarcasa legt er damit nach oben in sich.

tejo vā agnir indriyam̐ somo brahma bṛhaspatis

Agni ist Glanz, Soma Sinneskraft, Bṛhaspati das heilige Wort.

tejasā caiva brahmavarcasena cendriyam ubhayata ātman parigṛhṇāti

Durch Glanz und Brahmavarcasa umfasst er die Sinneskraft beiderseits in sich selbst.

dakṣiṇato vai devānāṃ yajñaṃ rakṣām̐sy ajighām̐san

Von Süden her wollten die Rakṣas das Opfer der Götter schädigen.

yā devatā ojīyasīs tābhyo dakṣiṇata ālabhyante

Für die kräftigeren Gottheiten werden (Tiere) im Süden ergriffen.

kiṃ tad ekādaśinyāṃ kriyata ity āhur brahmavādino yasmād viṭ kṣatrasyopāśāram avasyatīti

„Was wird dabei an der Ekādaśinī getan?“, sagen die Brahmavādins, „weshalb der Vaiśya sich dem Kṣatriya unterordnet?“ [?] [Anm.: Ekādaśinī = Gruppe von elf (Opferpfählen/Opfertieren); Sinn von upāśāram avasyati unsicher]

yā devatā ojīyasīs tābhyo dakṣiṇata ālabhyante ‖

Für die kräftigeren Gottheiten werden (Tiere) im Süden ergriffen.

yā abalīyasīs tābhya uttarām

Für die schwächeren (im) Norden.

tasmād viṭ kṣatrasyopāśāram avasyati

Darum unterwirft sich die Vaiśya-Schicht dem Kṣatriya. [?]

dakṣiṇata udvanāṃ kuryāt

Im Süden soll er (eine Erhöhung) machen. [?]

devayajanasya rūpam

(Das ist) die Gestalt der Götter-Opferstätte.

tasmād dakṣiṇatas tīrthānāṃ gādham

Darum ist im Süden bei den Zugängen (tīrtha) eine Furt (gādha). [?]

ye 'gniṣṭhās trayas tān samān kuryāt

Die drei Agniṣṭha-Pfähle soll er gleich (lang) machen.

agniṃ vai paśavo 'nūpatiṣṭhante

Das Vieh geht dem Agni entgegen (hält sich nahe).

ātmā vā agniṣṭhas

Der Agniṣṭha ist der Leib (Selbst).

bhrātṛvyā asyetarau

Die beiden anderen sind seine Nebenbuhler.

tau kradhīyām̐sau kuryāt

Diese soll er kürzer machen. [?]

adharam eva bhrātṛvyaṃ kurute

So macht er den Nebenbuhler niedriger.

yau parau tā agniṣṭhena samau

Die beiden äußeren (fernen) sind dem Agniṣṭha gleich.

ā parārdhād evaṃ minuyāt

Bis zum entferntesten Teil soll er so messen.

pāpavasīyasasya vyāvṛttyai

Zur Abwendung des Übels, das Besseres verdrängt. [?]

atho adharam eva bhrātṛvyaṃ kurute

Zugleich macht er so den Nebenbuhler niedriger.

ye 'gniṣṭhād udīcīnaṃ tān varṣīyasaḥ kuryād yadi kāmayeta viṭ kṣatrād ojīyasī syād iti

Die (Pfähle) nördlich vom Agniṣṭha soll er länger machen, wenn er wünscht: „Die Vaiśya-Schicht soll kräftiger als die Kṣatriya-Schicht sein.“

viśam eva kṣatrād ojīyasīṃ karoti ‖

Die Vaiśya-Schicht macht er kräftiger als die Kṣatriya-Schicht.

ye 'gniṣṭhād dakṣiṇāt tān varṣīyasaḥ kuryād yadi kāmayeta kṣatraṃ viśa ojīyas syād iti

Die (Pfähle) südlich vom Agniṣṭha soll er länger machen, wenn er wünscht: „Die Kṣatriya-Schicht soll kräftiger als die Vaiśya-Schicht sein.“

kṣatram eva viśa ojīyaḥ karoti

Die Kṣatriya-Schicht macht er kräftiger als die Vaiśya-Schicht.

sarvān samān kuryād yadi kāmayeta pāpavasīyasam̐ syād iti

Alle soll er gleich machen, wenn er wünscht: „Es soll ein besserer Zustand sein (kein Übelstand).“ [?]

pāpavasīyasam eva karoti

Einen (besseren) Zustand macht er.

diśāṃ vidhṛtyai

zur Stützung der Himmelsrichtungen.

eṣāṃ lokānāṃ vidhṛtyai

zur Stützung dieser Welten.

na yūpaṃ bahirvedi minuyāt

Den Opferpfahl soll er nicht außerhalb der Vedi messen.

na vedyā atirecayet

Er soll ihn nicht über die Vedi hinausragen lassen.

yajamāno vai yūpas

Der Opferpfahl ist der Opferherr.

etāvatī pṛthivī yāvatī vedir

So groß wie die Vedi ist die Erde.

yad yūpaṃ bahirvedi minuyāt pṛthivyā yajamānaṃ nirbhajet

Maße er den Pfahl außerhalb der Vedi, würde er den Opferherrn von der Erde ausschließen.

yad vedyā atirecayed bhrātṛvyāya lokam ucchim̐ṣet

Ließe er ihn über die Vedi hinausragen, würde er dem Nebenbuhler eine Welt übrig lassen.

samāṃ vedyantena minuyāt

Gleich (lang) mit dem Ende der Vedi soll er messen.

na pṛthivyā yajamānaṃ nirbhajati

So schließt er den Opferherrn nicht von der Erde aus.

na bhrātṛvyāya lokam ucchim̐ṣati

Er lässt dem Nebenbuhler keine Welt übrig.

uparasaṃmitāṃ minuyād yadi kāmayeta pitṛloka ṛdhnuyād iti

Nach dem Upara-Maß soll er messen, wenn er wünscht: „Ich möchte in der Vätewelt gedeihen.“ [?]

raśanāsaṃmitāṃ minuyād yadi kāmayeta manuṣyaloka ṛdhnuyād iti

Nach dem Gürtelschnur-Maß soll er messen, wenn er wünscht: „Ich möchte in der Menschenwelt gedeihen.“

caṣālasaṃmitāṃ minuyād yadi kāmayeta devaloka ṛdhnuyād iti

Nach dem Caṣāla-Maß (Kopfring des Pfahls) soll er messen, wenn er wünscht: „Ich möchte in der Götterwelt gedeihen.“

sarveṣv evaiṣu lokeṣv ṛdhnoti

In allen diesen Welten gedeiht er.

vajro vai yūpo vajro rathas

Der Opferpfahl ist eine Keule, der Wagen ist eine Keule.

sarve 'gniṣṭhāḥ kāryās

Alle sollen Agniṣṭhas sein (am Feuer stehen). [?]

yā agniṣṭhā aśrayas tā agnim abhiparyūhet

Die Kanten (aśri) der Agniṣṭhas soll er dem Feuer zu umschließen. [?]

tenaiva sarve 'gniṣṭhāḥ kriyante ‖

Dadurch werden alle zu Agniṣṭhas gemacht.

yad agniṣṭhād raśanā viharanti

Dass die Gürtelschnüre vom Agniṣṭha aus auseinandergeführt werden,

tenaiva sarve 'gniṣṭhāḥ kriyante

dadurch werden alle zu Agniṣṭhas gemacht.

dve raśane yūpam ṛcchatas

zwei Gürtelschnüre treffen den Pfahl.

tasmāt striyaḥ pum̐so 'tiriktās

Darum sind die Frauen dem Mann überschüssig (zahlreicher). [?]

tasmād utaiko bahvīr jāyā vindate

Darum erlangt einer viele Frauen,

upaśayo dvādaśo bhavati

Als zwölfter kommt der Upaśaya (Nebenpfahl?) hinzu. [Anm.: upaśaya = Liegendes/Beigelegtes, [?]]

dvādaśamāsas saṃvatsaras

Das Jahr hat zwölf Monate.

taṃ dakṣiṇataḥ parihṛtya nidadhati

Ihn tragen sie südlich herum und legen ihn nieder.

dakṣiṇato vai devānāṃ yajñaṃ rakṣām̐sy ajighām̐san

Von Süden her wollten die Rakṣas das Opfer der Götter schädigen.

yady abhicaret puruṣapaśuṃ kuryāt

Wenn er (einen Feind) verhexen will, soll er ein Menschen-Opfertier (Bild) machen.

idam aham amum āmuṣyāyaṇam amuṣyāḥ putraṃ niyunajmīti raśanāṃ yūpe 'dhinyasyet

Er soll die Gürtelschnur an den Pfahl legen (mit den Worten): „Diesen hier, den Sohn des Soundso und der Soundso, binde ich an.“ [?]

vajra evainaṃ niyunakti

Mit der Keule bindet er ihn fest.

tājak pradhanvati

Rasch eilt er (ins Verderben) dahin. [?]

yadi nābhicared āraṇyaṃ paśuṃ nirdiśet

Will er nicht verhexen, soll er ein wildes Tier (als Ersatz) bestimmen.

upaśayaṃ vā anv āraṇyāḥ paśava upatiṣṭhante

Zum Upaśaya hin stellen sich die wilden Tiere. [?]

ekādaśinīṃ grāmyās

Zur Ekādaśinī (die Tiere) des Dorfes.

yad ekādaśinyā vedir mīyate

Dass mit der Ekādaśinī die Vedi vermessen wird,

tasmād grāmyāḥ paśava āvir iva śāntā iva

darum sind die Dorftiere gleichsam offen, gleichsam friedlich.

yad upaśayo guheva śaye

Dass der Upaśaya gleichsam verborgen liegt,

tasmād āraṇyāḥ paśavo guheva nilāyam iva pralāyam iva caranti ‖

darum gehen die wilden Tiere gleichsam verborgen, wie sich verkriechend, wie sich verlierend umher.