Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 30

Anuvāka 3 Wahl der ersten Becher je nach Wunsch (Aindravāyava, Maitrāvaruṇa, Āśvina, Śukra, Manthin, Ukthya, Āgrāyaṇa, volle Becher).

aindravāyavāgrān gṛhṇīta yaḥ kāmayeta yathāpūrvaṃ prajābhyaḥ kalpeteti

Mit dem Aindravāyava zuerst soll er die Becher schöpfen, wer wünscht: „Es soll für die Nachkommen wie zuvor (in Ordnung) sein.“

yajñasya vai kḷptam anu prajābhyaḥ kalpate

Dem Geordneten des Opfers folgend wird es für die Nachkommen geordnet;

yajñasyākḷptam anu na kalpate

dem Ungeordneten folgend wird es nicht geordnet.

yathāpūrvam eva prajābhyaḥ kalpayati

Wie zuvor eben ordnet er es für die Nachkommen.

na kanīyāñ jyāyām̐sam atikrāmati

Nicht überschreitet der Geringere den Größeren.

aindravāyavāgrān gṛhṇīyād āmayāvinaḥ

Mit dem Aindravāyava zuerst soll er (die Becher) für einen Kranken schöpfen.

prāṇena vā eṣa vyṛdhyate yasyāmayati

Um den Hauch kommt der fürwahr, der erkrankt;

prāṇa aindravāyavaḥ

Hauch ist der Aindravāyava;

prāṇenaivainam̐ samardhayati

mit dem Hauch eben stattet er ihn wieder aus.

maitrāvaruṇāgrān gṛhṇīran yeṣāṃ dīkṣitānāṃ pramīyeta

Mit dem Maitrāvaruṇa zuerst sollen sie schöpfen, wenn von den zur Weihe Gegangenen jemandem (einer) stirbt.

prāṇāpānābhyāṃ vā ete vyṛdhyante yeṣāṃ dīkṣitānāṃ pramīyate

Um Einatmung und Ausatmung (prāṇa, apāna) kommen diese fürwahr, von deren Geweihten einer stirbt.

prāṇāpānau vai mitrāvaruṇau

Ein- und Ausatmung fürwahr sind Mitra und Varuṇa;

prāṇāpānā eva mukhataḥ pariharante

Ein- und Ausatmung eben nehmen sie vorn (am Mund) wieder auf [?].

tasmān mukhataḥ prāṇāpānau

Darum sind Ein- und Ausatmung am Mund.

āśvināgrān gṛhṇītānujāvaras

Mit dem Āśvina zuerst soll er schöpfen, wer ein Nachgeborener (anujāvara) ist [Anm.: jüngerer Bruder oder Nachkomme; Bedeutung unsicher].

aśvinau vai devānām ānujāvarau

Die Aśvins fürwahr sind unter den Göttern die Nachgeborenen.

tā agraṃ paryaitām

Die beiden gingen zur Spitze hin (umkreisten die Spitze).

aśvinā etasya devatā ya ānujāvaras

Die Aśvins sind die Gottheit dessen, der ein Nachgeborener ist.

tā evānvārabhate

Diese eben faßt er an (um ihre Hilfe).

tā enam agraṃ pariṇayataḥ

Die beiden führen ihn zur Spitze herum.

śukrāgrān gṛhṇīta gataśrīr

Mit dem Śukra zuerst soll er schöpfen, wessen Glück dahin ist.

asau vā ādityaś śukras

Jene Sonne (Āditya) fürwahr ist der Śukra;

antaṃ manuṣyaś śriyo gatvā nivartate

zum Ende des Glücks gelangt, kehrt der Mensch um.

antād evāntam ālabhate

Vom Ende her eben ergreift er das Ende.

na tataḥ pāpīyān bhavati yādṛṅ san yajate

Nicht wird er schlechter als der, als der er opfert [?].

manthyagrān gṛhṇītābhicaran

Mit dem Manthin zuerst soll er schöpfen, wenn er Schadenzauber (abhicāra) übt.

ārtapātraṃ vā etad yan manthipātram

Ein Gefäß des Unheils (ārta) fürwahr ist dies, das Manthin-Gefäß;

mṛtyunaivainaṃ grāhayati

durch den Tod eben läßt er ihn (den Feind) ergreifen.

ukthyāgrān gṛhṇītābhicaryamāṇas

Mit dem Ukthya zuerst soll er schöpfen, wenn gegen ihn Schadenzauber geübt wird.

sarveṣāṃ vā etat pātrāṇām indriyaṃ vīryaṃ yad ukthyapātram

Die Sinneskraft (indriya) und Manneskraft aller Gefäße fürwahr ist dies, das Ukthya-Gefäß;

sarveṇaivainam indriyeṇātiprayuṅkte ‖

mit der ganzen Sinneskraft eben rüstet er ihn aus [?].

mā tvat kṣetrāṇy araṇāni ganma māpaspharīḥ payasā mā na ādhak |

„Nicht mögen wir von dir aus zu fremden (öden) Gefilden gelangen, nicht laß uns entgleiten, mit Milch nicht uns versengen [?],

mā vayam eno 'nyakrṭaṃ bhujema

nicht möchten wir die von einem anderen begangene Schuld genießen (büßen);

sarasvaty abhi no neṣi vasyaḥ ‖

Sarasvatī, führe uns zum Besseren (zu Gütern) hin!“

mṛtyor vai kṣetrāṇy araṇāni

Des Todes fürwahr sind die fremden (öden) Gefilde;

tenaiva mṛtyoḥ kṣetrāṇi na gacchati

damit eben geht er nicht in die Gefilde des Todes.

āgrāyaṇāgrān gṛhṇīta yasya pitā pitāmahaḥ puṇyas syād atha tan na prāpnuyāt

Mit dem Āgrāyaṇa zuerst soll er schöpfen, wessen Vater und Großvater verdienstvoll (gepriesen) war, er selbst aber dies nicht erreichen sollte.

vācā vā eṣa indriyeṇa vyṛdhyate yasya pitā pitāmahaḥ puṇyo bhavaty atha tan na prāpnoti

Um die Rede, die Sinneskraft, kommt der fürwahr, dessen Vater und Großvater verdienstvoll ist, er aber dies nicht erreicht.

ura ivaitad yajñasya vāg iva yad āgrāyaṇas

Wie die Brust ist dies des Opfers, wie die Rede, nämlich der Āgrāyaṇa;

vācaivainam indriyeṇa samardhayati

mit der Rede, der Sinneskraft, eben stattet er ihn aus.

pūrṇān grahān gṛhṇīyād āmayāvinaḥ

Volle Becher soll er für einen Kranken schöpfen.

prāṇān vā etasya śug ṛcchati yasyāmayati

Dessen Hauche erreicht fürwahr Kummer (Schmerz), der erkrankt;

prāṇān evāsya śuco muñcati

die Hauche eben löst er ihm vom Kummer.

pūrṇān grahān gṛhṇīyād yarhi parjanyo na varṣet

Volle Becher soll er schöpfen, wenn Parjanya nicht regnet.

prāṇān vā etarhi prajānām̐ śug ṛcchati yarhi parjanyo na varṣati

Die Hauche der Geschöpfe erreicht fürwahr dann Kummer, wenn Parjanya nicht regnet;

prāṇān eva prajānām̐ śuco muñcati

die Hauche eben der Geschöpfe löst er vom Kummer.

tājak pravarṣati ‖

Sogleich (tājak) regnet es los.