Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 30

Anuvāka 9 Deutung der Verse zur Freilassung des Opfertiers: Loskauf von Prajāpati und Rudra, Lösung der Fesseln, Reinigung des Opfers.

prajāpater vai paśavo 'jātāś ca jāyamānāś ca rudrasya jātās

Prajāpatis fürwahr sind die Tiere, die ungeborenen und die gerade geborenen werdenden; Rudras die (schon) geborenen.

vyṛddhena vā eṣa paśunā carati ya etayos santaṃ paśuṃ tam aniryācyaitayor ālabhate

Mit einem verfehlten Tier fürwahr verfährt der, der ein Tier, das diesen beiden gehört, ohne es von ihnen loszubitten, für diese beiden opfert.

yayor eva paśus tayor evainaṃ niryācya tenānumatena prasūtena

Von denen, deren Tier es ist, von eben denen erbittet er es los und opfert es, mit deren Zustimmung, von ihnen freigegeben;

jīvan paśus svargaṃ lokaṃ gamayitavya ity āhur na mṛtas svargaṃ lokaṃ gantum arhatīti

„Das lebende Tier ist in die Himmelswelt zu führen“, sagt man, „ein totes kann nicht in die Himmelswelt gelangen.“

prajānantaḥ pratigṛhṇanti pūrva iti

„Wissend nehmen die Früheren an“:

jīvantam evainam̐ svargaṃ lokaṃ gamayati

den Lebenden eben bringt er in die Himmelswelt.

ye ca vai grāmyāḥ paśavo ye cāraṇyās ta etam ālabhyamānam anudhyāyanti

Die Haustiere fürwahr und die Wildtiere, die sinnen dem, der da geopfert wird, nach.

sa īśvaro yajamāno 'paśuḥ parābhavitor

Der Opferherr könnte ohne Vieh zugrunde gehen.

ye badhyamānam anubadhyamānā ya āraṇyāḥ paśavo viśvarūpā iti

„Die dem Gebundenen mit(gebunden) folgend“ und „die Wildtiere, die vielgestaltigen“:

paśūnām evaiṣā saṃpramuktiḥ

dies ist eben die Freilassung der Tiere.

pāṅktāḥ paśavas

fünffach (pāṅkta) sind die Tiere;

yāvān eva paśus tam̐ svargaṃ lokaṃ gamayati ‖

das Tier, so ganz es ist, führt er in die Himmelswelt.

yad avaghrāpayati

Daß er (es) beriechen läßt [Anm.: avaghrāpayati, das Tier wird gewittert],

tam eva nirdiṣṭam ālabhate

eben das (dadurch) bezeichnete opfert er.

paśur vai yajño yajñāt sa yajamāna etat paśum ālabhata ity āhuḥ kvaitarhi yajamāno bhavatīti

„Das Tier fürwahr ist das Opfer; vom Opfer (getrennt) opfert der Opferherr dieses Tier“, sagt man; „wo ist dann der Opferherr?“

nānā prāṇo yajamānasya paśuneti

„Getrennt sei der Hauch des Opferherrn vom Tier“:

prāṇā evainayor vyāvartayati

die Hauche eben trennt er bei den beiden.

yajñena vā enam etad vyardhayati yan nānā prāṇa ity āha

Vom Opfer bringt er ihn fürwahr ab, wenn er „getrennt der Hauch“ sagt [?];

samyag āyur yajño yajñapatau dadhātv iti

„volles Leben lege das Opfer in den Opferherrn“:

yajñenaivainam̐ samardhayati

durch das Opfer eben stattet er ihn wieder aus.

adhirajjū vā etā amuṣmiṃl loke paśuś ca yajamānaś ca yayor etena pāśaṃ na pramuñcati

Zwei an einem Seil Angebundene fürwahr sind in jener Welt Tier und Opferherr, wenn man mit diesem (Vers) die Fessel nicht löst.

upeta śamitāro devānāṃ dasitam̐ haviḥ paśoḥ pāśaṃ pramuñcata pāśaṃ yajñapater adhīti

„Tretet herzu, ihr Schlachter … löst die Fessel des Tieres, die Fessel vom Herrn des Opfers“:

pāśam evainayoḥ pramuñcati varuṇapāśam

die Fessel eben löst er den beiden, die Fessel des Varuṇa.

sa ha tvā amuṣmiṃl loke 'parajjur yasyaivaṃ kriyate

Der ist in jener Welt „ohne Seil (Fessel)“ [?], für den es so gemacht wird.

yady abhicared yo no dveṣṭy adharas sa padīṣṭa tasmin pāśān pratimuñcāma etān iti stambhaṃ vā dāru vābhidadhyāt

Wenn er Schadenzauber üben will: „Wer uns haßt, der falle nieder; auf ihn legen wir diese Fesseln“ — so soll er (den Vers) einem Pfosten oder Holz zuwenden.

pāśam evāsmin pratimuñcati varuṇapāśam

Die Fessel eben legt er auf diesen, die Fessel des Varuṇa.

āhavanīyaṃ vā etad vyardhayati yat paśuśrapaṇaṃ karoti

Den Āhavanīya-Feuer verfehlt er fürwahr, wenn er das Tier(-Kochen) [Anm.: paśuśrapaṇa, Kochgerät oder -platz; Deutung unsicher] macht [?].

tvām u tye dadhire prathamaṃ vicakṣyam iti

„Dich haben jene als den ersten eingesetzt, den Schauenswerten“:

medhyam evainaṃ yajñiyaṃ karoti

rein und opfertauglich eben macht er es.

jātavedo vapayā gaccha devān iti

„Jātavedas, geh mit dem Netzfett zu den Göttern“:

svargam evainaṃ lokaṃ gamayati

in die Himmelswelt eben bringt er es.

yadyad vā ṛṣīṇāṃ ca devānāṃ ca yajñasyāpūtam āsīt tad etair apunata

Was immer den Sehern und den Göttern am Opfer unrein war, das reinigten sie damit.

yad evāsya yajñasyāpūtaṃ tad etaiḥ punīte

Was diesem Opfer unrein ist, das reinigt er damit.

āvyaṃ vā etais te 'pājayan

Das Āvya-(Unheil) [?] trieben sie damit fürwahr fort.

tad apāvyānām apāvyatvam

Darin liegt das Apāvya-Sein der Apāvya-(Verse) [Anm.: apāvya, Namensdeutung unsicher].

āvyam evaitair apajayati ‖

Das Āvya eben besiegt er damit fort.