Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 30

Anuvāka 7 Deutung des unbetrügbaren (adābhya) Bechers, der Nigrābhya-Wasser und des Gaurivīta-Sāman.

devāś ca vā asurāś ca samāvad eva yajñe 'kurvata

Götter und Asuras taten im Opfer ganz das Gleiche.

yad eva devā akurvata tad asurā akurvata

Was immer die Götter taten, das taten die Asuras.

te devā etam adābhyam apaśyan

Die Götter sahen diesen Adābhya(-Becher);

agnaye tvā pravṛhāmi gāyatreṇa cchandaseti

mit „Für Agni reiße ich dich heraus mit dem Gāyatra-Metrum“.

devatāś caiva tac chandām̐si cāpnuvan

Damit erlangten sie die Gottheiten und die Metren.

agniḥ prātassavane pātv asmān iti

„Agni schütze uns bei der Morgenpressung“:

savanāny eva tad āpnuvan

damit erlangten sie die Pressungen.

śukraṃ te śukreṇa gṛhṇāmīti

„Dein Lichtes fasse ich mit dem Lichten“:

ahorātrayor eva tad rūpe āpnuvan

damit erlangten sie die beiden Gestalten von Tag und Nacht.

reśīnāṃ tvā patmann ādhūnomīti

„Der Reśī Flug entlang schüttle ich dich“:

apām eva tad rūpāṇy āpnuvan

damit erlangten sie die Gestalten der Wasser.

te devā yāvān eva yajñas taṃ parigṛhyājuhavus

Die Götter opferten, indem sie das Opfer so weit es reichte ganz umfaßten.

tam̐ hutam asurā anvabudhyanta

Als es geopfert war, wurden die Asuras dessen gewahr.

te 'bruvann adabhan na iti

Sie sprachen: „Man hat uns betrogen (dabh)!“

tad asyādābhyatvam

Darin liegt seine Unbetrügbarkeit (adābhyatva).

atho yad enān dabdhuṃ nāśaknuvan

Und ferner: daß sie sie nicht zu betrügen vermochten,

tad asyādābhyatvam

darin liegt seine Unbetrügbarkeit.

sa eṣa bhrātṛvyasyaiva dabdhyai gṛhyate ‖

Dieser wird eben zum Betrügen des Rivalen geschöpft.

nigrābhyāṇāṃ gṛhṇāti

Er schöpft von den Nigrābhya-Wassern [Anm.: Wasser zum Auspressen des Soma],

somo vai dadhno gṛhṇāti

den Soma nämlich schöpft er mit dem Sauermilch(-Zusatz);

catussrakti pātraṃ bhavati

Das Gefäß ist vierkantig (viereckig).

dikṣv eva pratitiṣṭhati

in den Himmelsrichtungen eben faßt er Stand.

ghnanti vā etat somaṃ yad abhiṣuṇvanti

Sie erschlagen fürwahr den Soma, wenn sie ihn auspressen.

tasyaiṣātimokṣiṇī tanūr yad ādābhyas

Seine Erlösungsgestalt (atimokṣiṇī tanū) ist der Adābhya.

tām evānv ahatām̐ hatas svaragaṃ lokam abhy atimucyate

Nach dieser eben, dem Unerschlagenen (der Gestalt) nach, wird der Erschlagene (Soma) zur himmlischen Welt hin befreit.

tad anu yajamāno yajñāt

Dieser folgend (wird) der Opferherr vom Opfer (befreit) [?].

sā hi yajamānas

Denn diese (Gestalt) ist der Opferherr.

sa ha tvā amuṣmiṃl loke sarvatanūr yasyaiṣa gṛhyate

Der wird in jener Welt „mit ganzem Leib“ (sarvatanū) [?], für den dieser (Becher) geschöpft wird.

vi vā etad yajñaṃ chinatti yat purābhiṣotos sam̐sthāṃ gamayati

Das Opfer zerschneidet er fürwahr, wenn er (es) vor dem Auspressen zum Abschluß bringt.

yad am̐śūn anabhiṣutān apisṛjati

Daß er die nicht ausgepreßten Soma-Stengel (aṃśu) hinzulegt [?],

yajñasya saṃtatyā avicchedāya ‖

(geschieht) zur Verknüpfung des Opfers, zum Nichtabbrechen.

na sāmānuktho 'graho 'stīty āhur anāyatanas sa iti

„Es gibt kein Sāman ohne Ukthya-Preisung, keinen Becher ohne (ihn)“, sagt man; „ohne Grundlage (āyatana) ist er (sonst)“.

trir vasubhyo avapathā iti

„Dreimal hast du dich für die Vasus verteilt“:

gaurivītam̐ sāma

das Gaurivīta-Sāman [Anm.: Sāman nach Gaurivīti, einem Sänger].

devā vai yad brahma vyabhajanta

Als die Götter fürwahr das heilige Wort (brahman) untereinander verteilten,

tato yad atyaricyata tad gaurivītam abhavat

da wurde, was davon übrigblieb, das Gaurivīta.

atiriktaṃ vai gaurivītam

Übrigbleibend (Überschuß) fürwahr ist das Gaurivīta;

atiriktā atigrāhyās

übrigbleibend sind die Atigrāhya-Becher;

atiriktenaivātiriktam āpnoti

durch Überschuß eben erlangt er Überschuß.

yatra gaurivītam̐ sāma syāt tad api bahūn atigrāhyān gṛhṇīyāt

Wo das Gaurivīta-Sāman sein soll, dort soll er auch viele Atigrāhya-Becher schöpfen.

tenaivainān sāmavata ukthavato nidānavata āyatanavataḥ karoti

Damit eben macht er sie (die Opfernden) mit Sāman, mit Ukthya-Preisung, mit Ursprung (nidāna) und mit Grundlage versehen.

nidānavān āyatanavān bhavati ya evaṃ veda ‖

Mit Ursprung und Grundlage versehen wird, wer dies so weiß.