Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 30

Anuvāka 10 Ursprung des Parṇa-Zweiges aus der Soma-Raubgeschichte, Deutung der Mantras beim Herbeitreiben der Kühe mit dem Zweig und Schlußkolophon des dreißigsten Sthānaka.

tṛtīyasyāṃ vai divi soma āsīt

In der dritten Himmelswelt fürwahr war der Soma.

taṃ gāyatry āharat

Den holte die Gāyatrī herbei.

tasya parṇam acchidyata

Von ihm wurde ein Blatt (parṇa) abgetrennt.

tat parṇasya parṇatvam

Darin liegt des Parṇa Parṇa-Wesen.

tasmāt sarve vṛkṣāḥ parṇavantas

Deshalb haben alle Bäume Blätter.

athaiṣa eva parṇa ucyate

Nun wird nur dieser „Parṇa“ genannt,

yat parṇaśākhā bhavati

wenn es ein Parṇa-Zweig ist.

tam eva somam avarunddhe

Diesen Soma gewinnt er (damit) für sich.

devā vai brahman samavadanta

Die Götter fürwahr besprachen sich über das heilige Wort (brahman).

tat parṇa upāśṛṇot

Das hörte der Parṇa mit an.

suśravā vai nāmaiṣa

„Der gut Hörende“ (Suśravas) ist fürwahr sein Name.

na badhiro bhavati ya evaṃ veda

Nicht wird taub, wer dies so weiß.

yat parṇaśākhayā prārpayati

Daß er (die Kälber/Kühe) mit dem Parṇa-Zweig heranführt (heranrückt),

brahmaṇaivaināḥ prārpayati

geschieht durch das heilige Wort eben führt er sie heran.

prajāpatiḥ paśūn asṛjata

Prajāpati schuf die Tiere.

tān ayaṃ devo 'bhyamanyata

Auf diese zürnte (dachte gegen sie) dieser Gott [Anm.: Rudra];

tam̐ śamyāśamayat

den besänftigte die Śamī(-Pflanze) [Anm.: Śamī, Prosopis; Wortspiel mit śam, „beruhigen“].

tac chamyāś śamītvam

Darin liegt der Śamī das Śamī-Wesen.

yac chamīśākhayā prārpayati

Daß er mit dem Śamī-Zweig heranführt,

apāṃ vā etad oṣadhīnāṃ tejo yad darbhās

Der Glanz der Wasser und Pflanzen fürwahr ist dies, nämlich die Darbha-Gräser.

yad darbhapiñjūlaiḥ prārpayati

Daß er mit Darbha-Büscheln [?] heranführt,

apām evainā oṣadhīnāṃ tejasā prārpayati

geschieht so: mit dem Glanz der Wasser und Pflanzen eben führt er sie heran.

iṣe tvorja iti

„Für Saft dich, für Kraft“ (sagt er);

iṣam evorjaṃ yajñe dadhāti

Saft und Kraft eben legt er ins Opfer.

vāyur vā antarikṣasyādhyakṣas

Vāyu fürwahr ist der Aufseher des Luftraums;

antarikṣadevatyāḥ paśavas

dem Luftraum als Gottheit gehören die Tiere;

vāyur evainān antarikṣāya paridadāti

Vāyu eben übergibt sie dem Luftraum.

pra vā enān etad ākaroti yad vāyavas sthety āha

Er treibt sie fürwahr damit hinaus (in die Weite), wenn er sagt „ihr gehört Vāyu“ [?];

āraṇyasyeva hi vāyur

denn Vāyu ist gleichsam des Waldes.

upāyavas stheti

„Ihr seid Herbeikommende“ (upāyu) [?] (sagt er):

yajamānāyaiva paśūn apākaroti

dem Opferherrn eben führt er die Tiere zu [?].

devo vas savitā prārpayatv iti

„Der Gott Savitṛ führe euch heran“:

śreṣṭhatamāya karmaṇa iti

„Zum vorzüglichsten Werk“:

yajño vai śreṣṭhatamaṃ karma

das Opfer fürwahr ist das vorzüglichste Werk.

āpyāyadhvam aghnyā devabhāgam iti

„Schwellt an, ihr Unantastbaren, (für) den Götteranteil“:

vatsebhyaś ca vā etā manuṣyebhyaś ca purāpyāyante

Für die Kälber und für die Menschen schwellen diese sonst an;

athaitarhi devebhya evainā āpyāyayati

nun aber läßt er sie eben für die Götter anschwellen.

prajāvatīr anamīvā ayakṣmā iti

„Nachkommenreiche, krankheitsfreie, ohne Schwindsucht“:

prajāvatīr evainā amamīvā ayakṣmāḥ karoti ‖

nachkommenreich eben, krankheitsfrei, schwindsuchtsfrei macht er sie.

mā vas stena īśata māghaśam̐sa iti

„Nicht soll ein Dieb über euch verfügen, kein Übelwünscher“:

āśiṣam evāśāste

einen Segenswunsch eben spricht er aus.

pari vo rudrasya hetir vṛṇaktv iti

„Rudras Geschoß meide euch (gehe um euch herum)“:

rudram eva paśubhiḥ parivṛṇakti

Rudra eben läßt er um die Tiere herumgehen (sie meiden).

aghātuko 'sya rudraḥ paśūn bhavati yasyaivaṃ viduṣo yaś caivaṃ vidvān haviṣe gāḥ prārpayati

Nicht tötend wird dessen Rudra gegenüber den Tieren, der so wissend ist, und wer so wissend die Kühe für die Opferspeise heranführt.

dhruvā asmin gopatau syāteti

„Fest sollt ihr bei diesem Kuhherrn sein“:

bhūmānam evainā gamayati

zur Fülle eben bringt er sie.

yajamānasya paśūn pāhīti

„Schütze des Opferherrn Tiere!“:

yajamānasya paśūnāṃ gopīthāya

zum Schutz der Tiere des Opferherrn.

pratīcīm̐ śākhām upagūhati

Den Zweig birgt er nach Westen zu (mit der Spitze rückwärts) [?].

tasmād grāmyāḥ paśavas sāyam āraṇyād grāmam āyanti

Deshalb kommen die Haustiere abends aus dem Wald ins Dorf.

yat parācīm upagūhed araṇye hīyeran ‖

Wenn er ihn abgewandt (nach Osten) verbärge, würden sie im Wald zurückbleiben.

ity ekottaraśataśākhādhvaryuprabhedabhinne śrīmadyajurvede kāṭhake carakaśākhāyāṃ madhyamikāyāṃ pātnīvataṃ nāma triṃśaṃ sthānakaṃ paripūrṇam ‖ saṃpūrṇā ceyaṃ madhyamikā ‖ śubham astu ‖ śubham astu ‖ sarvajagatām ‖

Schlußvermerk: So ist im erlauchten Yajurveda, Kāṭhaka, in der Caraka-Schule, in der Madhyamikā, das Pātnīvata genannte dreißigste Sthānaka vollendet; vollständig ist diese Madhyamikā. Heil sei! Heil sei! Der ganzen Welt.