Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 30

Anuvāka 5 Die Becher der Jahresmitte (Prajāpati, Vanaspati, Sūrya, Viśvakarman, Aditi) und ihre Bedeutung als Verbindung der beiden Jahreshälften im Divākīrtya-Tag und im Mahāvrata.

upayāmagṛhīto 'si

Mit der Unterlage gefaßt bist du.

prajāpataye tvā prajābhyas

Für Prajāpati (fasse) ich dich, für die Geschöpfe.

prajāpataye tvā prajābhyas

Für Prajāpati (fasse) ich dich, für die Geschöpfe.

upayāmagṛhīto 'si

Mit der Unterlage gefaßt bist du.

prajābhyas tvā prajāpataye

Für die Geschöpfe (fasse) ich dich, für Prajāpati.

prajābhyas tvā prajāpataye

Für die Geschöpfe (fasse) ich dich, für Prajāpati.

upayāmagṛhīto 'si

Mit der Unterlage gefaßt bist du.

antarikṣāya tvā vanaspatibhyas

Für den Luftraum (fasse) ich dich, für die Bäume (Vanaspatis).

antarikṣāya tvā vanaspatibhyas

Für den Luftraum (fasse) ich dich, für die Bäume.

upayāmagṛhīto 'si

Mit der Unterlage gefaßt bist du.

vanaspatibhyas tvāntarikṣāya

Für die Bäume (fasse) ich dich, für den Luftraum.

vanaspatibhyas tvāntarikṣāya

Für die Bäume (fasse) ich dich, für den Luftraum.

upayāmagṛhīto 'si

Mit der Unterlage gefaßt bist du.

adbhyas tvauṣadhībhyas

Für die Wasser (fasse) ich dich, für die Pflanzen.

adbhyas tvauṣadhībhyas

Für die Wasser (fasse) ich dich, für die Pflanzen.

upayāmagṛhīto 'si

Mit der Unterlage gefaßt bist du.

oṣadhībhyas tvādbhyas

Für die Pflanzen (fasse) ich dich, für die Wasser.

oṣadhībhyas tvādbhyaḥ ‖

Für die Pflanzen (fasse) ich dich, für die Wasser.

ud u tyaṃ jātavedasaṃ devaṃ vahanti ketavaḥ |

Empor tragen jenen Jātavedas, den Gott, die Strahlen (Banner),

dṛśe viśvāya sūryam ‖

die Sonne, damit alle (sie) sehen.

vācaspatiṃ viśvakarmāṇam ūtaye manoyujaṃ vāje adyāhuvema |

Den Herrn der Rede, Viśvakarman, wollen wir heute zur Hilfe rufen, den Geistgeschirrten, im Wettkampf.

sa no nediṣṭham̐ havanāny āgamad viśvaśambhūr avase sādhukarmā ‖

Er komme unseren Anrufungen ganz nahe, der allen Heil Bringende, zur Hilfe, der Gutwerkende.

indrāya tvā viśva karmaṇe

Für Indra (fasse) ich dich, für Viśvakarman.

indrāya tvā viśvakarmaṇe ‖

Für Indra (fasse) ich dich, für Viśvakarman.

mahīm ū ṣu mātaram̐ suvratānām ṛtasya patnīm avase huvema |

Die große Mutter der Gutgesinnten, die Gattin der Ordnung, wollen wir zur Hilfe rufen,

tuvikṣatrām ajarantīm urūcīm̐ suśarmāṇam aditim̐ supraṇītim ‖

die Machtreiche, Unalternde, Weitreichende, Gutbeschirmende, Aditi, die gut Führende.

saṃtatir vā ete grahās

Ein Zusammenhang (saṃtati) fürwahr sind diese Becher.

yathā vai śālaivam̐ saṃvatsaras

Wie eine Halle, so fürwahr ist das Jahr;

yathā śālāyāḥ pakṣasī evam̐ saṃvatsarasya pakṣasī

wie die beiden Flügel der Halle, so sind die beiden Flügel (Hälften) des Jahres;

yathā madhyamo vam̐śa evaṃ divākīrtyam

wie der mittlere Firstbalken, so ist der Divākīrtya(-Tag) [Anm.: der Mitteltag des Jahresopfers, Tag der Sonnenwende].

yad ete na gṛhyeran viṣūcī saṃvatsarasya pakṣasī vyavasram̐seyātām ārtim ārcheyur

Wenn diese (Becher) nicht geschöpft würden, würden die beiden Jahreshälften auseinanderfallen, sie würden ins Unheil (ārti) geraten.

yathā śālāyāḥ pakṣasī madhyamaṃ vam̐śam abhisamāyacchanty evam evaitat saṃvatsarasya pakṣasī divākīrtyam abhisaṃtanvanti

wie man die beiden Flügel der Halle gegen den mittleren Firstbalken hin zusammenspannt, so verbinden sie so die beiden Hälften des Jahres mit dem Divākīrtya.

te sarve saha divākīrtye gṛhyante

Diese alle werden zugleich am Divākīrtya geschöpft.

yathā vai madhyamo vam̐śa evaṃ divākīrtyam

Wie der mittlere Firstbalken, so ist der Divākīrtya.

yad vai saubalas syād avaśīryeta ‖

Wäre er gebrechlich (saubala) [?], so würde er zerbrechen [?].

yad ete na gṛhyante

(Daß) diese nicht (schon vorher) geschöpft werden,

draḍhimna evānunaddhyā aśithilatvāya

(geschieht) eben zur Festigkeit, zum Angebundensein, zum Nichtlockerwerden [?].

śukrāgrā etad ahar gṛhyante

Mit dem Śukra zuerst werden an diesem Tag die Becher geschöpft;

traiṣṭubho vai śukras

traiṣṭubh fürwahr ist der Śukra,

traiṣṭubham etad ahaḥ

traiṣṭubh ist dieser Tag;

pratyuttabdhyai sayatvāya

zum Gegenstützen, zum Zusammenbinden [?].

saurya etad ahaḥ paśur ālabhyate

An diesem Tag wird ein Opfertier für Sūrya geopfert;

sauryo graho gṛhyate

ein Becher für Sūrya wird geschöpft.

asau vā āditya etad ahas

Jene Sonne (Āditya) fürwahr ist dieser Tag;

tam eva pratyakṣam ṛdhnuvanti

sie eben gewinnen sie sichtbar (unmittelbar) für sich.

ṣaḍ etad ahar atigrāhyā gṛhyante

Sechs Atigrāhya-Becher [Anm.: „Überschöpfbecher“, Nebenbecher] werden an diesem Tag geschöpft;

asā ādityaś śiraḥ prajānām

Jene Sonne ist der Kopf der Geschöpfe;

sīrṣann eva prāṇān dadhāti

im Kopf eben setzt er die Hauche ein.

tasmāt sapta śīrṣaṇyāḥ prāṇās

Darum sind sieben Hauche im Kopf.

indro vai vṛtram̐ hatvā sa imāṃl lokān abhyajayat

Indra fürwahr besiegte, nachdem er den Vṛtra erschlagen hatte, diese Welten.

tasyāsau loko 'nabhijita āsīt

Ihm war jene (jenseitige) Welt unbesiegt.

taṃ viśvakarmā bhūtvābhyajayat

Diese besiegte er, indem er Viśvakarman wurde.

yad vaiśvakarmaṇo gṛhyate

Daß der Vaiśvakarmaṇa-Becher geschöpft wird,

amuṣya lokasyābhijityai

(geschieht) zum Besiegen jener Welt.

yanti vā ete 'smāl lokād ye vaiśvakarmaṇaṃ gṛhṇate

Sie scheiden fürwahr aus dieser Welt, die den Vaiśvakarmaṇa schöpfen;

ādityam̐ śvo gṛhṇīran

Den Āditya-Becher sollen sie tags darauf schöpfen.

asyām eva tena pratitiṣṭhanti

auf ihr eben fassen sie damit Stand.

ā parārdhāt saṃvatsarasyānyamanyaṃ gṛhṇīran

Bis zur jenseitigen Hälfte des Jahres sollen sie einen nach dem andern (der Becher) schöpfen [?].

viśvāny anyena karmāṇi kurvāṇā yanty asyām anyena pratitiṣṭhanti

Mit dem einen gehen sie, alle Werke verrichtend, (dorthin); mit dem anderen fassen sie auf dieser (Erde) Stand.

tā ubhau saha mahāvrate gṛhyete

Diese beiden werden zugleich am Mahāvrata [Anm.: Hauptfesttag des Jahresopfers] geschöpft;

antam evāgatyobhayor lokayor ṛdhnuvanti vaiśvakarmaṇenāmuṣminn ādityenāsmin

zum Ende eben gelangt, gedeihen sie in beiden Welten: durch den Vaiśvakarmaṇa in jener, durch den Āditya in dieser.

arkyam ukthaṃ bhavati

Ein Arkya-Ukthya [Anm.: Preislied „des Strahlenden“] findet statt;

annāda eva tena pratitiṣṭhanti ‖

als Speiseesser eben fassen sie damit Stand.