Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 30

Anuvāka 1 Über die Pātnīvata-Spende als Zeugungsmittel, die Herkunft von Stier und Pātnīvata-Ritus aus der Manu-Erzählung und die Frage, ob das Opfer abzuschließen sei.

prajananaṃ vai pātnīvatas

Zeugung (Fortpflanzungsmittel) fürwahr ist der Pātnīvata [Anm.: Abschnitt des Opfers mit den Gattinnen der Götter],

yad vai kiṃca yajñe pātnīvataṃ kriyate prajananam eva tat

was immer im Opfer zum Pātnīvata gehörig vollzogen wird, das ist eben Zeugung.

parāṅ vā etarhi yajñaḥ parācīr devatās

Abgewandt ist jetzt fürwahr das Opfer, abgewandt die Gottheiten,

tvāṣṭro bhavati

(daher) gehört (die Spende) dem Tvaṣṭṛ.

parācīṣv eva devatāsu tvaṣṭāraṃ vṛṣāṇam apisṛjati

Bei den abgewandten Gottheiten läßt er eben den Tvaṣṭṛ, den Stier [?], hinzukommen [?].

so 'smai mithunaṃ karoti

Der schafft ihm ein Paar (Begattung).

vajro vā eṣa purastāt saṃmīyate yad ekādaśinī

Eine Keule (vajra) fürwahr wird da vorn errichtet, nämlich die elfgliedrige Opferpfostenreihe (ekādaśinī),

sa īśvaraḥ pratyañcaṃ yajñam̐ saṃpuras

die vermag den Opfer, (der sich) zurückwendet, zu hemmen [?];

yat pātnīvato mīyate

daß der Pātnīvata (nach ihr) errichtet wird,

pratyuttabdhyai sayatvāya

(geschieht) zum Gegenstützen, zum Zusammenbinden [?].

manor vai kapālāny āsan

Des Manu fürwahr waren Opferschalen (kapāla).

tair yāvatoyāvato 'surān abhyupādhāt te parābhavan

Mit ihnen bedrängte er jeweils so viele Asuras, wie (er ihrer) traf; diese gingen zugrunde.

atha tarhi triṣṭāvarutrī āstām asurabrahmau

Da nun waren damals Triṣṭā und Varutrī, die beiden Brahmanen der Asuras [?].

tā asurā abruvann imāni manukapālāni yācethām iti

Zu ihnen sprachen die Asuras: „Erbittet diese Schalen des Manu!“

tau prātaritvānā abhiprāpadyetām

Die beiden gingen morgens früh zu ihm hin.

vāyave 'gnā3i vāyava indrā3 iti

„Für Vāyu, ho Agni! Für Vāyu, ho Indra!“ [Anm.: gedehnte Anrufung, Zuruf beim Nahen]

kiṃkāmau stha ity abravīt

„Was wünscht ihr beide?“ sprach er.

imāni nau kapālāni dehīti

„Gib uns diese Schalen!“

tāny araṇyaṃ parāhṛtya samapim̐ṣṭām

Sie trugen sie in den Wald hinaus und zerstampften sie.

tan manor gāvo 'bhivyatiṣṭhanta

Da stellten sich Manus Rinder dazu (auf, ordneten sich darüber).

tāny ṛṣabhas samaleṭ

Ein Stier leckte sie auf.

tasya ruvato yāvanto 'surā upāśṛṇvam̐s te parābhavan

Von den Asuras, die sein Brüllen hörten, gingen so viele zugrunde.

tau prātaritvānā abhiprāpadyetām

Die beiden gingen morgens früh (wieder) zu ihm hin.

vāyave 'gnā3i vāyava indrā3 iti

„Für Vāyu, ho Agni! Für Vāyu, ho Indra!“

kiṃkāmau stha ity abravīt

„Was wünscht ihr beide?“ sprach er.

anena tvarṣabheṇa yājayāveti

„Laß dich von uns durch diesen Stier zum Opfer führen!“ [?]

tat patnī yajur vadantī pratyapadyata

Da trat (seine) Gattin, den Opferspruch sprechend, ihnen entgegen.

tasyā dyāṃ vāg ātiṣṭhat

Ihre Stimme stieg zum Himmel empor [?].

tasyā vadantyā yāvanto 'surā upāśṛṇvam̐s te parābhavan

Von den Asuras, die sie sprechen hörten, gingen so viele zugrunde.

tasmān naktam̐ strī candrataraṃ vadati

Darum spricht die Frau nachts leuchtender (heller) [?].

tau prātaritvānā abhiprāpadyetām

Die beiden gingen morgens früh (wieder) zu ihm hin.

vāyave 'gnā3i vāyava indrā3 iti

„Für Vāyu, ho Agni! Für Vāyu, ho Indra!“

kiṃkāmau stha ity abravīt

„Was wünscht ihr beide?“ sprach er.

anayā tvā patnyā yājayāveti

„Laß dich durch diese Gattin von uns zum Opfer führen!“ [?]

sā paryagnikṛtāsīt

Sie war (schon) mit dem Feuer umkreist (paryagnikṛta) [Anm.: als Opfertier zur Schlachtung bestimmt].

manum̐ śraddhādevaṃ triṣṭāvarutrī asurabrahmau jāyayā vyardhayata iti

„Manu Śraddhādeva bringen Triṣṭā und Varutrī, die beiden Brahmanen der Asuras, durch seine Gattin um (sein Opfergut).“

so 'bravīd ābhyāṃ tvā yājayānīti

Er sprach: „Mit diesen beiden will ich dich zum Opfer führen.“

na vā aham anayor īśa iti

„Ich bin über diese beiden nicht Herr.“

atithipatir vāvātither īśa ity abravīt

„Der Gastgeber ist doch Herr über den Gast“, sprach er.

sa prativeśo vediṃ kurvann āsta

Der saß als Nachbar da und richtete den Altar her.

tā apṛcchatāṃ ko 'sīti

Die beiden fragten: „Wer bist du?“

katamo brāhmaṇa iti ‖

„was für ein Brāhmaṇa?“

kiṃ brāhmaṇasya pitaraṃ kim u pṛcchasi mātaram |

„Was fragst du nach des Brāhmaṇa Vater, was nach der Mutter?

śrutaṃ ced asmin vedyam̐ sa pitā sa pitāmahaḥ ‖

Ist an ihm Wissen (Gehörtes) zu finden, der ist Vater, der ist Großvater.“

indro vā iti

„Indra fürwahr (ist es)“ (dachten sie) —

tayor yāḥ prokṣaṇīr āpa āsam̐s tābhir anuvisṛjya śīrṣe acchinat

Mit dem Wasser, das von den beiden als Sprengwasser (prokṣaṇī) da war, (sie) besprengend [?], schlug er ihnen die Köpfe ab.

tau vṛṣaś ca yavāṣaś cābhavatām

Die beiden wurden zu Vṛṣa und Yavāṣa [Anm.: Pflanzennamen, wohl Justicia adhatoda und ein Dornstrauch; unsichere Deutung].

tasmāt tau varṣeṣu śuṣyatas

Deshalb verdorren die beiden in der Regenzeit,

tāṃ paryagnikṛtām udasṛjat

Jene mit Feuer umkreiste gab er frei (ließ er los).

tā imā manāvyāḥ prajās

Das sind diese Geschlechter der Manu-Nachkommen [?].

yat paryagnikṛtaṃ pātnīvatam utsṛjati

Daß man das mit Feuer umkreiste Pātnīvata(-Tier) freigibt,

yām eva manur ṛddhim ārdhnot tām ṛdhnoti

dadurch erlangt (der Opferherr) eben das Gedeihen, mit dem Manu gedieh.

saṃsthāpyā3 na sam̐sthāpyā3 iti mīmām̐sante

„Soll es abgeschlossen werden oder nicht abgeschlossen werden?“ so erwägen sie.

sravati vai yajño 'sam̐sthitas

Es rinnt fürwahr das Opfer, wenn es nicht abgeschlossen ist;

tam̐ sravantaṃ yajamāno 'nu parāsravati prajayā ca paśubhiś ca

dem Rinnenden rinnt der Opferherr nach, dahin, mit Nachkommen und Vieh.

yadi sam̐sthāpayed yāvanti paśor avadānāni tāvanty ājyasyāvadyet

Wenn er (es) abschließen will, so soll er so viele (Stücke) Opferschmalz abschneiden, wie es Abschnitte (avadāna) vom Opfertier gibt.

ayātayāmam̐ hy etat prājāpatyaṃ yad ājyam

Unverbraucht (ayātayāma) ist nämlich dies, das Prajāpati Gehörige, das Opferschmalz (ājya).

ayātayāmo devānāṃ prajāpatis

Unverbraucht ist unter den Göttern Prajāpati.

tad eva sam̐sthāpayati tad u na sam̐sthāpayati

Damit schließt er es eben ab, und damit schließt er es doch nicht ab;