Adhyāya 13
Der Ṣoḍaśin-Stotra und die Śakvarī-Tage
Langer Adhyāya über den Ṣoḍaśin (Sechzehner-Stotra), seine Herkunft aus Indra und Bṛhat, seine Verwendung bei Gāyatrī-Dvipadās, Śakvarīs, Anuṣṭubhs und Virāj, sowie Zahlen- und Silbenspekulationen. Mehrere Stellen (v.a. 11–12 Gaurīviti-Zitat, 26 Aśva kṛṣṇa, 32 Mantra) sind dunkel und mit [?] markiert.
indraś ca bṛhac ca samabhavatāṃ tam indraṃ bṛhad ekayā tanvāty aricyata tasyā abibhedanayā mābhibhaviṣyatīti so 'bravīt ṣoḍaśī te 'yaṃ yajñakratur astv iti sa ṣoḍaśy abhavat tad asya janma
Indra und das Bṛhat wurden zugleich. Von ihnen beiden blieb Indra, das Bṛhat, um einen Leib übrig [d.h. ‚das Bṛhat übertraf Indra um einen Körperteil‘ [?]]. Der fürchtete sich davor: „Dieser soll mich nicht überwältigen.“ Da sagte er: „Dies sei dein Opferwerk, der Ṣoḍaśin.“ So wurde er zum Ṣoḍaśin; das ist dessen Geburt.
indraḥ prajāpatim upādhāvad vṛtraṃ hanānīti tasmā etām anuṣṭubham apaharasaṃ prāyacchat tayā nāstṛṇuta yad astṛtā vyanadat tan nānadasya nānadatvam
Indra lief zu Prajāpati: „Ich möchte Vṛtra töten.“ Dem gab er diese Anuṣṭubh, die apaharasā [„ohne Haras“ (Glut/Fahlheit) [?]]. Damit konnte er nicht niederstrecken. Weil er, nicht niedergestreckt, aufbrüllte (vy-anadat), darum die Bezeichnung „nānada“ [Anm.: Deutung des Namens nānada, ‚Gebrüll‘].
Deshalb lobsingen sie bei Strophen mit „hari“ (harivatī), rezitieren sie harivatī-Strophen, wird bei harivatī-Strophen der Graha (Somaschale) geschöpft; denn er (Prajāpati) bildete ihm das Haras und gab es.
Aus einundzwanzig Standorten besteht dieser Ṣoḍaśin [ekaviṃśāyatana]: denn sieben Hotṛ-Rezitationen rufen beim Morgenpressen vaṣaṭ, sieben beim Mittagspressen, sieben beim dritten Pressen.
gaurīvitir vā etac chāktyo brahmaṇo 'tiriktam apaśyat tad gaurīvitam abhavad atiriktaṃ etad atiriktena stuvanti yad gaurīvitena ṣoḍaśinaṃ śvastanavān bhavaty api prajāyā upakḷptaḥ
Gaurīviti, der Śākti, sah dieses Überschüssige (atirikta) des Brahman; das wurde das Gaurīvita. Überschüssig ist dies; mit dem Überschüssigen lobsingt man, wenn man mit dem Gaurīvita den Ṣoḍaśin lobsingt. Er hat ein Morgen [śvastanavān = ‚hat Vorrat für morgen‘ [?]], er ist auch für Nachkommenschaft ausgerüstet.
viśālaṃ libjayā śrūtyābhyadhād iti hovācopoditir gopāleyo 'nuṣṭubhi nānadam akar gaurīvitena ṣoḍaśinam astoṣṭāñjasā śriyam upāgān na śriyā avapadyata iti
„Viśālaṃ libjayā śrūtyā abhyadhāt“ [Text unsicher: ‚breit … mit Libjā (Umschlingung?) [?] durch Hören/Ruhm [?] umfasste er‘], sagte Upoditi Gopāleya: „Bei den Anuṣṭubhs machte ich das Nānada; mit dem Gaurīvita lobte ich den Ṣoḍaśin; mühelos (añjasā) bin ich zu Glanz gelangt, nicht fiel ich vom Glanz ab.“
eṣa vai viśālaṃ libjayā bhūtyābhidadhāti yo 'nuṣṭubhi nānadaṃ kṛtvā gaurīvitena ṣoḍaśinā stute 'ñjasā śriyam upaiti na śriyā avapadyate
Der umfasst gleichsam das Weite mit Libjā und Gedeihen [?], der bei Anuṣṭubhs das Nānada machend mit dem Gaurīvita-Ṣoḍaśin lobsingt: mühelos gelangt er zu Glanz, nicht fällt er vom Glanz ab.
Der Ṣoḍaśin ist der Vajra, die Rede ist die Anuṣṭubh; mit dem Vajra fügt er ihm die Rede bei; ihn übertrifft die Rede nicht [ativad = ‚übertönen, überreden‘ [?]].
Bei Virāj-Strophen möge, wer Nahrung (annādya) wünscht, mit dem Ṣoḍaśin lobsingen. Der Ṣoḍaśin ist der Vajra, die Virāj ist die Speise; mit dem Vajra fügt er ihm Speise bei; er wird ein Speiseesser.
Vierunddreißig Silben hat der Stotra [wörtl. ‚er ist zusammen gepriesen‘]; dreiunddreißig Götter gibt es, Prajāpati ist der vierunddreißigste der Götter; sie gehen zu Prajāpati hin, um unversehrt zu bleiben.
aśvaḥ kṛṣṇa upatiṣṭhati sāmyekṣayāya bhrātṛvyalokam eva sa vidhamaṃs tiṣṭhati
Ein schwarzes Pferd steht zur Verfügung (upatiṣṭhati) [Gabe an den Ṣoḍaśin?] [?]; zur Vernichtung (?) [sāmyekṣayāya: Text unsicher [?]] – er bleibt stehen, die Welt des Nebenbuhlers zerstreuend.
ekākṣaraṃ vai devānām avamaṃ chanda āsīt saptākṣaraṃ paramaṃ navākṣaram asurāṇām avamaṃ chanda āsīt pañcadaśākṣaraṃ paramaṃ devāś ca vā asurāś cāspardhanta tān prajāpatir ānuṣṭubho bhūtvāntarātiṣṭhat taṃ devāsurā vyahvayanta sa devān upāvartata tato devā abhavan parāsurāḥ
Einsilbig war das unterste Metrum der Götter, siebensilbig das höchste; neunsilbig war das unterste Metrum der Asuras, fünfzehnsilbig das höchste. Götter und Asuras stritten. Prajāpati trat zwischen sie, zur Anuṣṭubh geworden. Götter und Asuras riefen ihn an (vyahvayanta, ‚riefen ihn auseinander‘ [?]); er wandte sich den Göttern zu. Daraufhin wurden die Götter [erfolgreich], die Asuras unterlagen.
Diese Götter entzogen den Asuras mit den einsilbigen das fünfzehnsilbige, mit den zweisilbigen das vierzehnsilbige, mit den dreisilbigen das dreizehnsilbige, mit den viersilbigen das zwölfsilbige, mit den fünfsilbigen das elfsilbige, mit den sechssilbigen das zehnsilbige, mit den siebensilbigen das neunsilbige; mit den achtsilbigen entzogen sie achtsilbige.
aparuddhayajña iva vā eṣa yat ṣoḍaśī kanīyasvina iva vai tarhi devā āsan bhūyasvino 'surāḥ kanīyasvina bhūyasvinaṃ bhrātṛvyaṃ vṛṅkte ya evaṃ veda
Gleichsam ein Opfer mit Ausschluss ist dieser Ṣoḍaśin [aparuddhayajña [?]]. Damals hatten die Götter gleichsam weniger, die Asuras mehr; wer so weiß, entzieht dem mächtigeren Nebenbuhler [alles], er hat wenig.
''yasmād anyo na paro 'sti jāto ya ābabhūva bhuvanāni viśvā/ prajāpatiḥ prajayā samvidānas trīṇi jyotīṃ ṣi sacate sa ṣoḍaśī-'' ity udgātā graham avekṣate
„Als dessen Anderer/Höherer keiner geboren ist, der alle Wesen durchdrang; Prajāpati, mit der Nachkommenschaft einig, hält drei Lichter; er ist der Ṣoḍaśin“ [Anm.: Mantra, Wortlaut ‚jyotīṃṣi‘ getrennt geschrieben] – mit diesen Worten blickt der Udgātṛ auf die Somaschale (graha).