Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Kāṇḍa 1

Adhyāya 1 Die Einweihung des Opferherrn und die Weihung der Opfergeräte

Brāhmaṇa 1 (Kaṇḍikā 1–22), „Das Gelübde des Opferherrn: Wahrheit, Fasten und Wasserweihe“: Dieses erste Brāhmaṇa schildert das Antreten des dīkṣā-Gelübdes (vrata) durch den Opferherrn: die Berührung des Wassers als Reinigungsakt, die Anrufung Agnis als Herrn des Gelübdes und die Verpflichtung auf ausschließliche Wahrheitsrede, die den Menschen in die Sphäre der Götter erhebt. Es schließen sich die Regeln für Fasten und erlaubte Waldkost sowie die vorgeschriebene Schlafstätte an. Den Abschluss bildet die morgendliche erste Ritualhandlung, das Herbeiführen des Wassers, das kosmologisch als vajra-Waffe und als Paarungsakt von Wasser und Agni gedeutet wird und mit dem paarweisen Bereitstellen der Opfergeräte endet. Brāhmaṇa 2 (Kaṇḍikā 1–23), „Die Fahrt zum Wagen: Abholung und Weihung der Opfergeräte“: Das zweite Brāhmaṇa begleitet den Adhvaryu bei der Übernahme und dem Transport der Opfergeräte vom Wagen zum Opferplatz. Jede Einzelhandlung – das Berühren der Deichsel, das Voranschreiten, das Niedersetzen der Gefäße – wird durch mythologische Deutungen (Agni als Deichsel, Viṣṇus drei Schritte, die Furcht der Götter vor Asuras und Rakṣas) abgesichert. Den Abschluss bildet die sorgfältig bemessene Platzierung der Gefäße im „Nabel der Erde“ und im „Schoß der Aditi“, unter dem Schutz Agnis. Brāhmaṇa 3 (Kaṇḍikā 1–12), „Die Läuterung der Geräte: Das Pavitra und der Vṛtra-Mythos“: Im dritten, kürzeren Brāhmaṇa wird die rituelle Läuterung der Geräte und Wasser mittels der beiden pavitra-Siebe behandelt. Zentral ist der Vṛtra-Mythos: Das durch Indras Tötung Vṛtras verunreinigte Wasser muss gereinigt werden, bevor es zum Besprengen der Opfergegenstände verwendet werden kann. Die Zahl der Siebe wird kosmologisch mit Ein- und Ausatem des im Wind wirkenden Prāṇa begründet. Brāhmaṇa 4 (Kaṇḍikā 1–24), „Das schwarze Fell, der Mörser und die siegreiche Rede“: Das vierte Brāhmaṇa behandelt das schwarze Antilopenfell als Sitz des Opferherrn – Abbild des Dreifachen Wissens (Ṛc, Sāman, Yajus) – sowie Mörser und Stößel, mit denen die erste Opferspeise bereitet wird. Eingebettet ist die Erzählung von Manus Stier und seiner Frau Manāvī, in die eine asuratötende Rede eindringt, bevor sie sich endgültig in den Opfergeräten niederlässt – eine Ätiologie der schützenden Kraft der rituellen Rede. Den Abschluss bildet das Worfeln, Läutern und die endgültige, schweigend vorzunehmende Weihung des Opferkorns an seine bestimmte Gottheit.

vratamupaiṣyan | antareṇāhavanīyaṃ ca gārhapatyaṃ ca prāṅ tiṣṭhannapa upaspṛśati tadyadapa upaspṛśatyamedhyo vai puruṣo yadanṛtaṃ vadati tena pūtirantarato medhyā vā āpo medhyo bhūtvā vratamupāyānīti pavitraṃ vā āpaḥ pavitrapūto vratamupāyānīti tasmādvā apa upaspṛśati

Im Begriff, das Gelübde (vrata) anzutreten, berührt er Wasser, wobei er zwischen dem Āhavanīya- und dem Gārhapatya-Feuer nach Osten gewandt steht. Dass er dabei Wasser berührt, hat seinen Grund: Unrein ist der Mensch, weil er Unwahres redet, und dadurch innerlich verdorben; rein aber sind die Wasser. „Rein geworden will ich das Gelübde antreten“, so denkt er dabei. Die Wasser sind ja ein Reinigungsmittel (pavitram); „durch das Reinigungsmittel gereinigt will ich das Gelübde antreten“, so denkt er. Deshalb also berührt er Wasser.

so 'gnimevābhīkṣamāṇo vratamupaiti | agne vratapate vrataṃ cariṣyāmi tacakeyaṃ tanme rādhyatāmityagnirvai devānāṃ vratapatistasmā evaitatprāha vrataṃ cariṣyāmi taccakeyaṃ tanme rādhyatāmiti nātra tirohitamivāsti

Nur auf Agni blickend, tritt er das Gelübde an: „O Agni, Herr des Gelübdes, ich werde das Gelübde vollziehen; das möge ich vermögen, das möge mir gelingen.“ Agni nämlich ist der Gelübde-Herr der Götter, und ihm eben spricht er dies zu: „Ich werde das Gelübde vollziehen; das möge ich vermögen, das möge mir gelingen.“ Hierin ist nichts wie verborgen.

atha saṃsthite visṛjate | agne vratapate vratamacāriṣaṃ tādaśakam tanme rādhītyaśakadyetadyo yajñasya saṃsthāmagannarādhi hyasmai yo yajñasya saṃsthāmagannetena nveva bhūyiṣṭhā iva vratamupayantyanena tvevopeyāt

Wenn das Opfer abgeschlossen ist, entlässt er das Gelübde mit den Worten: „O Agni, Herr des Gelübdes, ich habe das Gelübde vollzogen; das habe ich vermocht, das ist mir gelungen.“ Vermocht hat es eben, wer zum Abschluss des Opfers gelangt ist; ihm ist es gelungen, der zum Abschluss des Opfers gelangt ist. Mit diesem Spruch treten die meisten das Gelübde gleichsam nur zum größten Teil an [Anm.: der Bezug der Pronomina „mit diesem“/„mit jenem“ auf die beiden zuvor genannten Entlassungsformeln ist im Sanskrit nicht eindeutig]; mit jenem anderen Spruch aber sollte man es ganz antreten.

dvayaṃ vā idaṃ na tṛtīyamasti | satyaṃ caivānṛtaṃ ca satyameva devā anṛtam manuṣyā idamahamanṛtātsatyamupaimīti tanmanuṣyebhyo devānupaiti

Zweifach ist dies, ein Drittes gibt es nicht: Wahrheit und Unwahrheit. Wahrheit sind die Götter, Unwahrheit die Menschen. „Ich gehe hiermit von der Unwahrheit zur Wahrheit über“, so denkt er; damit geht er von den Menschen zu den Göttern über.

sa vai satyameva vadet | etaddhavai devā vrataṃ caranti yatsatyaṃ tasmātte yaśo yaśo ha bhavati ya evaṃ vidvāṃtsatyaṃvadati

Er soll wahrlich nur die Wahrheit sprechen. Denn dies ist das Gelübde, das die Götter ausüben: die Wahrheit; deshalb kommt ihnen Ruhm zu. Ruhm erlangt, wer, so wissend, die Wahrheit spricht.

atha saṃsthite visṛjate | idamahaṃ ya evāsmi so 'smītyamānuṣa iva vā etadbhavati yadvratamupaiti na hi tadavakalpate yadbrūyādidamahaṃ satyādanṛtamupaimīti tadu khalu punarmānuṣo bhavati tasmādidamahaṃ ya evāsmi so 'smītyevaṃ vrataṃ visṛjeta

Wenn das Opfer abgeschlossen ist, entlässt er das Gelübde: „Ich bin hiermit eben der, der ich bin.“ Denn gleichsam übermenschlich wird er, wenn er das Gelübde antritt; es schickte sich daher nicht, dass er sagte: „Ich gehe hiermit von der Wahrheit zur Unwahrheit über“ – dadurch würde er ja wieder bloß menschlich. Deshalb soll er das Gelübde mit den Worten „Ich bin hiermit eben der, der ich bin“ entlassen.

athāto 'śanānaśanasyaiva | taduhāṣāḍhaḥ sāvayaso 'naśanameva vratam mene mano ha vai devā manuṣyasyājānanti ta enametadvratamupayantaṃ viduḥ prātarno yakṣyata iti te 'sya viśve devā gṛhānāgacanti te 'sya gṛheṣūpavasanti sa upavasathaḥ

Was nun das Essen betrifft, so gilt eben das Nicht-Essen als Gelübde. Dies hielt Āṣāḍha Sāvayasa für das eigentliche Gelübde: das Fasten. Die Götter nämlich kennen den Sinn des Menschen genau; sie wissen von dem, der dieses Gelübde antritt: „Morgen wird er uns opfern.“ Daraufhin kommen sie, alle Götter, zu seinen Häusern und halten sich dort fastend auf – das ist das Fasten (upavasatha).

tannvevānavakḷptam | yo manuṣyeṣvanaśnatsu pūrvo 'śnīyādatha kimu yo deveṣvanaśnatsu pūrvo 'śnīyāttasmādu naivāśnīyāt

Das aber ist eben nicht statthaft: Schon wenn einer äße, während Menschen nicht essen, wäre das unangemessen – wie viel mehr, wenn einer äße, während die Götter nicht essen! Deshalb soll er überhaupt nicht essen.

tadu hovāca yājñavalkyaḥ | yadi nāśnāti pitṛdevatyo bhavati yadyu aśnāti devānatyaśnātīti sa yadevāśitamanaśitaṃ tadaśnīyāditi yasya vai havirna gṛhṇanti tadaśitamanaśitaṃ sa yadaśnāti tenāpitṛdevatyo bhavati yadyu tadaśnāti yasya havirna gṛhṇanti teno devānnātyaśnāti

Dazu aber sprach Yājñavalkya: „Isst er nicht, so gilt er gleichsam als ein den Vätern Verfallener [ein Toter]; isst er aber, so übertrifft er die Götter im Essen.“ Er soll also nur das essen, was zugleich gegessen und ungegessen ist. Denn das, dessen Opferanteil (havis) man noch nicht rituell entnommen hat, gilt als „gegessen und ungegessen“: Isst er davon, so verfällt er dadurch nicht den Vätern [als ein Toter]; isst er aber das, dessen Opferanteil bereits entnommen wurde, so übertrifft er dadurch die Götter im Essen.

sa vā āraṇyamevāśnīyāt | yā vāraṇyā oṣadhayo yadvā vṛkṣyaṃ tadu ha smāhāpi barkurvārṣṇo māsānme pacata na vā etesāṃ havirgṛhṇantīti tadu tathā na kuryādvrīhiyavayorvā etadupajaṃ yacamīdhānyaṃ tadvrīhiyavāvevaitena bhūyāṃsau karoti tasmādāraṇyamevāśnīyāt

Er soll nur Waldkost (āraṇya) essen: welche wilden Kräuter es gibt oder was von Bäumen stammt. Dazu pflegte auch Barku Vārṣṇa zu sagen: „Kocht mir Bohnen (māṣa), denn von diesen nimmt man ja keinen Opferanteil.“ So aber soll er es nicht machen, denn die Bohne ist ein Abkömmling von Reis und Gerste [Anm.: die Textstelle, die die Bohne als „Nebenprodukt“ des Ackerbaus bezeichnet, ist sprachlich unsicher und möglicherweise verderbt], und dadurch würde er eben Reis und Gerste nur unnötig vermehren. Deshalb soll er nur Waldkost essen.

sa āhavanīyāgāre vaitāṃ rātrīṃ śayīta | gārhapatyāgāre vā devānvā eṣa upāvartate yo vratamupaiti sa yānevopāvarttate teṣāmevaitanmadhye śete 'dhaḥ śayītādhastādiva hi śreyasa upacāraḥ

Diese Nacht soll er im Āhavanīya-Feuerhaus schlafen, oder auch im Gārhapatya-Feuerhaus. Denn wer das Gelübde antritt, wendet sich den Göttern zu, und so schläft er eben inmitten derer, denen er sich zuwendet. Unten soll er liegen, denn unten zu liegen ist die angemessene Aufwartung gegenüber dem Höherstehenden.

sa vai prātarapa eva | prathamena karmaṇābhipadyate 'paḥ praṇayati yajñovā āpo yajñamevaitatprathamena karmaṇābhipadyate tāḥ praṇayati yajñamevaitadvitanoti

Am Morgen wendet er sich mit der ersten Handlung eben dem Wasser zu: Er führt Wasser herbei. Wasser nämlich ist das Opfer; eben dem Opfer wendet er sich damit in der ersten Handlung zu. Indem er das Wasser herbeiführt, breitet er eben das Opfer aus.

sa praṇayati | kastvā yunakti sa tvā yunakti kasmai tvā yunakti tasmai tvā yunaktītyetābhiraniruktābhirvyāhṛtibhiranirukto vai prajāpatih prajāpatiryajñastatprajāpatimevaitadyajñaṃ yunakti

Er führt das Wasser herbei: „Wer schirrt dich an? Er schirrt dich an. Für wen schirrt er dich an? Für ihn schirrt er dich an.“ Mit diesen unausgesprochenen, das heißt nicht ausdrücklich benannten Äußerungen – unausgesprochen nämlich ist Prajāpati, und Prajāpati ist das Opfer – schirrt er eben damit Prajāpati, das Opfer, an.

yadvevāpaḥ praṇayati | adbhirvā idaṃ sarvamāptaṃ tatprathamenaivaitatkarmaṇā sarvamāpnoti

Dass er nun Wasser herbeiführt, hat seinen Grund darin, dass durch Wasser (āpaḥ) dies alles erreicht (āpta) ist; damit erlangt er eben mit dieser ersten Handlung das Ganze.

yadvevāsyātra | hotā vādhvaryurvā brahmā vāgnīdhro vā svayaṃ vā yajamāno nābhyāpayati tadevāsyaitena sarvamāptam bhavati

Was ihn hierbei betrifft: Weder der Hotṛ noch der Adhvaryu noch der Brahman noch der Āgnīdhra noch der Opferherr selbst verschafft ihm darüber hinaus noch etwas [Anm.: die genaue Bedeutung von „verschafft nicht“ ist unsicher; gemeint ist wohl, dass keiner der übrigen Priester dem durch die erste Handlung bereits Erreichten noch etwas hinzufügen kann] – eben dadurch ist für ihn bereits alles erlangt.

yadvevāpaḥ praṇayati | devānha vai yajñena yajamānāṃstānasurarakṣasāni rarakṣurna yakṣyadhva iti tadyadarakṣaṃstasmādrakṣāṃsi

Dass er Wasser herbeiführt, hat noch einen weiteren Grund: Als die Götter mit dem Opfer opferten, hielten sie die Asuras und Rakṣas mit den Worten „ihr sollt nicht opfern“ ab; weil sie so abhielten (araksan), heißen diese Rakṣas.

tato devā etaṃ vajraṃ dadṛśuḥ | yadapo vajro vā āpo vajro hi vā āpastasmādyenaitā yanti nimnaṃ kurvanti yatropatiṣṭhante nirdahanti tata etaṃ vajramudayacaṃstasyābhaye 'nāṣṭre nivāte yajñamatanvata tatho evaisa etaṃ vajramudyacati tasyābhaye 'nāṣṭre nivāte yajñaṃ tanute tasmādapaḥ praṇayati

Da erblickten die Götter in diesem Wasser die Vajra, die Waffe – Wasser ist ja die Vajra. Deshalb machen die Wasser, wohin sie fließen, zur Niederung, und wo sie sich anhäufen, dort verbrennen sie. Darauf hoben die Götter diese Vajra empor und breiteten in deren Gefahrlosigkeit, Waffenlosigkeit [Anm.: das Wort für „waffenlos“ (anāṣṭra) ist philologisch unsicher gedeutet, wird hier aber, wie auch später im Text, in diesem Sinne wiedergegeben] und Windstille das Opfer aus. Ebenso hebt auch der Adhvaryu diese Vajra empor und breitet in deren Gefahrlosigkeit, Waffenlosigkeit und Windstille das Opfer aus. Deshalb führt er Wasser herbei.

tā utsicyottareṇa gārhapatyaṃ sādayati | yoṣā vā āpo vṛṣāgnirgṛhā vai gārhapatyastadgṛheṣvevaitanmithunam prajananaṃ kriyate vajraṃ vā eṣa udyacati yo 'paḥ praṇayati yo vā apratiṣṭhito vajramudyacati nainaṃ śaknotyudyantuṃ saṃ hainaṃ śṛṇāti

Nachdem er das Wasser ausgegossen hat, setzt er das Gefäß nördlich vom Gārhapatya nieder. Das Weibchen nämlich ist das Wasser, der Stier ist Agni, und das Haus ist der Gārhapatya; damit wird eben dieser Paarungs-Zeugungsakt im Haus vollzogen. Wer Wasser herbeiführt, hebt ja die Vajra empor; wer sie aber ohne festen Stand emporhebt, vermag sie nicht zu heben – sie zerschmettert ihn vielmehr.

sa yadgārhapatye sādayati | gṛhā vai gārhapatyo gṛhā vai pratiṣṭhāyām pratitiṣṭhati tatho hainameṣa vajro na hinasti tasmādgārhapatye sādayati

Dass er es beim Gārhapatya niedersetzt, hat seinen Grund: Haus nämlich ist der Gārhapatya, und im Haus steht man fest auf festem Grund; so verletzt ihn diese Vajra nicht. Deshalb setzt er es beim Gārhapatya nieder.

tā uttareṇāhavanīyam praṇayati | yoṣā vā āpo vṛbṣāgnirmithunamevaitatprajananaṃ kriyata evamiva hi mithunaṃ kḷptamuttarato hi strī pumāṃsamupaśete

Er führt das Wasser nördlich vom Āhavanīya hin. Das Weibchen nämlich ist das Wasser, der Stier ist Agni; damit wird eben dieser Paarungs-Zeugungsakt vollzogen, denn so eben ist das Paar eingerichtet: Von Norden her liegt die Frau beim Mann.

tā nāntareṇa saṃcareyuḥ | nenmithunaṃ caryamāṇamantareṇa saṃcarāniti tā nātihṛtya sādayenno anāptāḥ sādayetsa yadatihṛtya sādayedasti vā agneścāpāṃ ca vibhrātṛvyamiva sa yatheva ha tadagnerbhavati yatrāsyāpa upaspṛśantyagnau hādhi bhrātṛvyaṃ vardhayedyadatihṛtya sādayedyadya anāptāḥ sādayenno hābhistaṃ kāmamabhyāpayedyasmai kāmāya praṇīyante tasmādu sampratyevottareṇāhavanīyam praṇayati

Niemand soll zwischen den beiden hindurchgehen, damit nicht jemand mitten durch den sich vollziehenden Paarungsakt schreite. Er soll die Wassergefäße weder zu weit hinübertragend niedersetzen noch zu nahe. Setzte er sie zu weit hinübertragend nieder, so entstünde gleichsam eine Rivalität zwischen Agni und den Wassern [Anm.: die genaue Logik, wie ein zu großer Abstand vom Agni-Feuer eine solche Rivalität begründet, ist philologisch unsicher rekonstruiert] – denn dort, wo seine Wasser ihn berühren, gehört dies gleichsam schon zu Agni, und so ließe er dem Agni gleichsam einen Rivalen heranwachsen. Setzte er sie aber zu nahe nieder, so würde er jenen Wunsch, um dessentwillen sie herbeigeführt werden, nicht erlangen lassen. Deshalb führt er sie eben genau richtig nördlich vom Āhavanīya hin.

atha tṛṇaiḥ paristṛṇāti | dvandvam pātrāṇyudāharati śūrpaṃ cāgnihotrahavaṇīṃ ca sphyaṃ ca kapālānica śamyāṃ cakṛṣṇājinaṃ colūkhalamusale dṛṣadupala taddaśa daśākṣarā vai virāḍvirāḍvai yajñastadvirājamevaitadyajñamabhisampādayatyatha yaddvandvaṃ dvandvaṃ vai vīryaṃ yadā vai dvau saṃ rabhete atha tadvīryam bhavati dvandvaṃ vai mithunam prajananam mithunamevaitatprajananaṃ kriyate

Dann bestreut er den Opferplatz ringsum mit Streu. Paarweise trägt er die Geräte herbei: die Worfelschaufel und den Agnihotra-Schöpflöffel, das Schwertholz (sphya) und die beiden Scherben, den Pflock und das schwarze Fell, Mörser und Stößel, die beiden Reibsteine – das sind zehn. Zehnsilbig nämlich ist die Virāj, und Virāj ist das Opfer; damit bringt er eben das Opfer als Virāj zur Vollendung. Was aber das Paarweise betrifft: Paarweise ist Zeichen von Tüchtigkeit, denn wenn zwei sich zusammentun, entsteht Tüchtigkeit; paarweise aber ist auch der Paarungs-Zeugungsakt, und eben dieser wird damit vollzogen.

atha śūrpaṃ cāgnihotrahavaṇīṃ cādatte | karmaṇo vāṃ veṣāya vāmiti yajño vai karma yajñāya hi tasmādāha karmaṇo vāmiti veṣāya vāmiti veveṣṭīva hi yajñam

Dann nimmt er die Worfelschaufel und den Agnihotra-Schöpflöffel: „Für die Handlung euch beide, für den Dienst euch beide.“ Das Opfer nämlich ist die Handlung, denn dies geschieht für das Opfer; deshalb spricht er „für die Handlung euch beide, für den Dienst euch beide“ – denn er ist damit gleichsam eifrig dem Opfer zu Diensten.

atha vācaṃ yacati | vāgvai yajño 'vikṣubdho yajñaṃ tanavā ityatha pratapati pratyuṣṭaṃ rakṣaḥ pratyuṣṭā arātayo niṣṭaptaṃ rakṣo niṣṭaptā arātaya iti vā

Dann hält er die Rede zurück, denn die Rede ist das Opfer: „Ungestört will ich das Opfer ausbreiten“, so denkt er. Dann erhitzt er das Feuer weiter: „Verbrannt ist der Unhold, verbrannt sind die Missgunst-Dämonen; niedergesengt ist der Unhold, niedergesengt sind die Missgunst-Dämonen“, so spricht er auch.

devā ha vai yajñaṃ tanvānāḥ | te 'surarakṣasebhya āsaṅgādbibhayāñcakrustadyajñamukhādevaitannāṣṭrā rakṣāṃsyato 'pahanti

Die Götter fürchteten sich, als sie das Opfer ausbreiteten, wegen der Nähe der Asuras und Rakṣas. Deshalb schlägt er eben damit vom Anfang, dem „Mund“ des Opfers her, ohne Waffe die Unholde von hier fort.

atha praiti | urvantarikṣamanvemītyantarikṣaṃ vā anu rakṣaścaratyamūlamubhayataḥ paricinnaṃ yathāyam puruṣo 'mūla ubhayataḥ paricinno 'ntarikṣamanucarati tadbrahmaṇaivaitadantarikṣamabhayamanāṣṭraṃ kurute

Dann schreitet er vorwärts: „Ich gehe dem weiten Luftraum entlang.“ Im Luftraum nämlich wandelt der Unhold, wurzellos und auf beiden Seiten begrenzt – ebenso wie der Mensch, wurzellos und auf beiden Seiten begrenzt, den Luftraum durchwandert. Eben dadurch macht er ihn durch die heilige Formel zu einem gefahrlosen, waffenlosen Luftraum.

sa vā anasa eva gṛhṇīyāt | ano ha vā agre paśceva vā idaṃ yacālaṃ sa yadevāgre tatkaravāṇiti tasmādanasa eva gṛhṇīyāt

Er soll die Geräte vom Wagen nehmen. Der Wagen war nämlich zuerst da, später erst kam gleichsam das Übrige hinzu; „was zuerst da war, das will ich zuerst tun“, so denkt er, und deshalb soll er die Geräte eben vom Wagen nehmen.

bhūmā vā anaḥ | bhūmā hi vā anastasmādyadā bahu bhavatyanovāhyamabhūdityāhustadbhūmānamevaitadupaiti tasmādanasa eva gṛhṇīyāt

Fülle nämlich ist der Wagen, der Wagen ist ja Fülle; deshalb sagt man, wenn etwas reichlich wird, es sei „wagenladungsweise“ geworden. Damit gelangt er eben zur Fülle. Deshalb soll er die Geräte eben vom Wagen nehmen.

yajño vasanti na kauṣṭasya na kumbhyai bhastrāyai ha smarṣayo gṛhṇanti tadvṛṣīnprati bhastrāyai yajūṃṣyāsustānyetarhi prākṛtāni yajñādyajñaṃ nirmimā iti tasmādanasa evagṛhṇīyāt

[Anm.: der Satzanfang ist im überlieferten Text grammatisch unklar und vermutlich verderbt; die Übersetzung folgt der plausibelsten Gesamtdeutung] Die Geräte sind weder für den Speicher noch für den Krug bestimmt – für den Ledersack pflegten die Ṛṣis sie zu nehmen. Dafür gab es, was die Opferstreu betrifft, Yajus-Sprüche für den Sack; diese sind heute freilich die alten, überkommenen Formen: „Aus dem Opfer forme ich immer wieder neu das Opfer“, so heißt es. Deshalb soll er die Geräte eben vom Wagen nehmen.

uto pātryai gṛāmu tarhyavastadupohya gṛhṇīyādyato yunajāma tato vimuñccanti

Auch für das Gefäß gilt: Er soll es, nachdem er es herangebracht hat, von unten her nehmen – denn: Von wo wir anschirren, von dort spannen sie auch wieder aus.

tasya vā etasyānasaḥ | agnireva dhūragnirhi vai dhūratha ya enadvahantyagnidagdhamivaiṣāṃ vaham bhavatyatha yajjaghanena kastambhīm pra ugaṃ vedirevāsya sā nīḍa eva havirdhānam

Von diesem Wagen gilt: Agni eben ist die Deichsel – Agni ist ja die Deichsel; für die aber, die ihn ziehen, wird das Ziehen dadurch gleichsam wie von Agni versengt. Was hinten den Stützpfosten und das Vorderjoch betrifft [Anm.: die genaue Bedeutung dieser Wagenteile und ihre Zuordnung zu Vedi und Havirdhāna sind philologisch unsicher], so ist eben dies die Vedi des Wagens; das Nest eben ist das Havirdhāna.

sa dhuramabhimṛśati | dhūrasi dhūrva dhūrvantaṃ dhūrva taṃ yo 'smāndhūrvati taṃ dhūrvayaṃ vayaṃ dhūrvāma ityagnirvā eṣa dhuryastametadatyeṣyanbhavati havirgrahiṣyaṃstasmāevaitānnihnute tatho haitameṣo 'tiyantamagnirdhuryo na hinasti

Er berührt die Deichsel: „Deichsel bist du; verletze den Schädiger, verletze den, der uns schädigt; den Schädiger wollen wir schädigen.“ Agni nämlich ist dieser Deichsel-Gott; ihn besänftigt er mit der Formel, im Begriff, an ihm vorbeizugehen, um die Opfergabe zu ergreifen – so verletzt dieser Deichsel-Agni ihn, den Vorübergehenden, nicht.

taddha smaitadāruṇirāha | adharmāsaśo vā ahaṃ sapatnāndhūrvāmītyetaddha sma sa tadabhyāha

Dies pflegte Āruṇi dazu zu sagen: „Als einer, der nicht gegen das Recht handelt, schädige ich meine Rivalen“ – das eben pflegte er hinzuzufügen.

atha jaghanena kastambhīmīṣāmabhimṛśya japati | devānāmasi vahnitamaṃ sasnitamam papritamaṃ juṣṭatamaṃ devahūtamam |ahrutamasi havirdhānaṃ dṛṃhasva mā hvārityana evaitadupastautyupastutādrātamanaso havirgṛhṇānīti mā te yajñapatirhvārṣīditi yajamāno vai yajñapatistadyajamānāyaivaitaduhvalāmāśāste

Dann, nachdem er hinten den Stützpfosten und die Deichselstange berührt hat, murmelt er leise: „Du bist der Götter bester Träger, bester Gewinner, bester Erfreuer, am meisten Geliebter, bester Anrufer der Götter; ungebeugt bist du, Havirdhāna – festige dich, weiche nicht!“ Damit eben lobpreist er den Wagen: „Vom gelobten, vom Wagen gegebenen Opfer will ich die Opfergabe nehmen“, so denkt er. „Dass dir nicht der Opferherr abweiche“, spricht er weiter – der Opferveranstalter nämlich ist der Opferherr, und damit wünscht er eben ihm Standhaftigkeit.

athākramate | viṣṇustvā kramatāmiti yajño vai viṣṇuḥ sa devebhya imāṃ vikrāntiṃ vicakrame yaiṣāmiyaṃ vikrāntiridameva prathamena padena paspārāthedamantarikṣaṃ dvitīyena divamuttamenaitāmvevaiṣa etasmai viṣṇuryajño vikrāntiṃ vikramate

Dann schreitet der Wagen voran: „Viṣṇu möge dich voranschreiten lassen.“ Das Opfer nämlich ist Viṣṇu; er schritt einst für die Götter dieses Ausschreiten aus: die Erde durchmaß er mit dem ersten Schritt, den Luftraum mit dem zweiten, den Himmel mit dem höchsten, dritten. Eben dieses Ausschreiten schreitet nun dieser Viṣṇu, das Opfer, für den Opferherrn aus.

atha prekṣate | uru vātāyeti prāṇo vai vātastadbrahmaṇaiv aitatprāṇāya vātāyorugāyaṃ kurute

Dann blickt er voraus: „Weite dem Wind!“ Atem nämlich ist der Wind; damit schafft er durch die heilige Formel eben dem Atem, dem Wind, weiten Raum.

athāpāsyati | apahataṃ rakṣa iti yadyatra kiñcidāpannam bhavati yadyu nābhyeva mṛśettannāṣṭrā evaitadrakṣāṃ syato 'pahanti

Dann wirft er Übel weg: „Fortgeschlagen ist der Unhold.“ Was auch immer sich irgendwo an Übel eingestellt hat – auch wenn er es nicht unmittelbar berührt –, so schlägt er eben damit ohne Waffe die Unholde von hier fort.

athābhipadyate | yacantām pañcati pañca vā imā aṅgulayaḥ pāṅkto vai yajñastadyajñamevaitadatra dadhāti

Dann tritt er heran: „Es sollen die fünf halten!“ Fünf nämlich sind diese Finger, und aus fünfteiligem Versmaß (pāṅkta) besteht ja das Opfer; damit legt er eben hierin das Opfer nieder.

atha gṛhṇāti | devasya tvā savituḥ prasave 'śvinorbāhubhyām pūṣṇo hastābhyām agnaye juṣṭaṃ gṛhṇāmīti savitā vai devānām prasavitā tatsavitṛprasūta evaitadgṛhṇātyaśvinorbāhubhyāmityaśvināvadhvaryū pūṣṇo hastābhyāmiti pūṣā bhāgadugho 'śanam pāṇibhyāmupanidhātā satyaṃ devā antammanuṣyāstatsatyenaivaitadgṛhṇāti

Dann ergreift er die Opfergabe: „Dich, auf Antrieb des Gottes Savitṛ, mit den Armen der Aśvins, mit den Händen des Pūṣan, ergreife ich, dem Agni willkommen.“ Savitṛ nämlich ist der Antreiber der Götter; damit ergreift er dies, von Savitṛ angetrieben. „Mit den Armen der Aśvins“ – die Aśvins sind die himmlischen Adhvaryu-Priester. „Mit den Händen des Pūṣan“ – Pūṣan ist der Anteil-Zuteiler, der die Speise mit den Händen Darreichende. Wahrheit sind die Götter, Unwahrheit die Menschen; damit ergreift er dies eben mit der Wahrheit.

atha devatāyā ādiśati | sarvā ha vai devatā adhvaryuṃ havirgṛhīṣyantamupatiṣṭhante mama nāma grahīṣyati mama nāma grahīṣyatīti tābhya evaitatsaha satībhyo 'samadaṃ karoti

Dann bezeichnet er die Gottheit, der die Opfergabe gilt. Alle Gottheiten nämlich nähern sich dem Adhvaryu, der im Begriff ist, die Opfergabe zu ergreifen, jede denkend: „Meinen Namen wird er nennen, meinen Namen wird er nennen.“ Ihnen, obwohl sie alle zusammen anwesend sind, schafft er eben dadurch eine Ungleichheit.

yadveva devatāyā ādiśati | yāvatībhyo ha vai devatābhyo havīṃṣi gṛhyanta ṝṇamu haiva tāstena manyante yadasmai taṃkāmaṃ samardhayeyuryatkāmyā gṛhṇ āti tasmādvai devatāyā 'ādiśatyevameva yathāpūrvaṃ havīṃṣi gṛhītvā

Dass er nun die Gottheit bezeichnet, hat seinen Grund: Welchen Gottheiten auch immer Opfergaben entnommen werden, ihnen erwächst dadurch gleichsam eine Schuld, nämlich ihm jenen Wunsch zu erfüllen, um dessentwillen er die Gabe ergreift. Deshalb bezeichnet er, wie schon zuvor, jeweils die Gottheit, nachdem er die Opfergaben genommen hat.

athābhimṛśati | bhūtāya tvā nārātaya iti tadyata eva gṛhṇāti tadevaitatpunarāpyāyayati

Dann berührt er nochmals: „Für das Gedeihen bist du, nicht für Not.“ Von wo aus er die Gabe genommen hat, das eben lässt er dadurch wieder anschwellen.

atha prāṅprekṣate | svarabhivikhyeṣamiti parivṛtamiva vā etadano bhavati tadasyaitaccakṣuḥ pāpmagṛhītamiva bhavati yajño vai svarahardevāḥ sūryastatsvarevaitadato bhivipaśyati

Dann blickt er nach Osten: „Das Himmelslicht will ich erblicken.“ Gleichsam verhüllt nämlich ist dieser Wagen, wodurch das Auge des Opferherrn gleichsam vom Übel ergriffen wird. Das Opfer nämlich ist das Himmelslicht, das ist der Tag, das sind die Götter, die Sonne; damit erblickt er eben von hier aus das Himmelslicht.

athāvarohati | dṛṃhantāṃ duryāḥ pṛthivyāmiti gṛhā vai duryāste heta īśvaro gṛhā yajamānasya yo 'syaiṣo 'dhvaryuryajñena carati tam prayantamanu pracyotostasyeśvaraḥ kulaṃ vikṣobdhostānevaitadasyām pṛthivyāṃ dṛṃhati tathā nānupracyavante tathā na vikṣobhante tasmādāha dṛṃhantāṃ duryāḥ pṛthivyāmityatha praityurvantarikṣamanvemīti so 'sāveva bandhuḥ

Dann steigt er herab: „Fest sollen die Häuser (duryāḥ) auf der Erde stehen.“ „Dur“ nämlich heißen die Häuser, und diese sind ja der Machtbereich, das Haus des Opferherrn. Diesem, der als sein Adhvaryu mit dem Opfer wirkt, soll, wenn er weiterzieht, kein Feind folgen, der die Macht hätte, sein Geschlecht zu erschüttern [Anm.: der Satz über den möglichen Verfolger ist im überlieferten Text an dieser Stelle offenbar gestört; die Übersetzung gibt den vermuteten Sinn wieder]. Eben diese Häuser festigt er auf der Erde, so dass sie nicht vom Platz weichen und nicht erschüttert werden. Deshalb spricht er „fest sollen die Häuser auf der Erde stehen.“ Und wenn er vorangeht mit den Worten „ich gehe dem weiten Luftraum entlang“, so ist dies eben jene entsprechende Handlung.

sa yasya gārhapatye havīṃṣi śrapayanti | gārhapatye tasya pātrāṇi saṃsādayanti jaghaneno tarhi gārhapatyaṃ sādayedyasyāhavanīye havīṃṣi śrapayantyāhavanīye tasya pātrāṇi saṃsādayanti jaghaneno tarhyāhavanīyaṃ sādayetpṛthivyāstvā nābhau sādayāmīti madhyaṃ vai nābhirmadhyamabhayaṃ tasmādāha pṛthivyāstvā nābhau sādayāmītyadityā upastha ityupastha ivainadabhārṣuriti vā āhuryatsuguptaṃ gopāyanti tasmādāhādityā upastha ityagne havyaṃ rakṣeti tadagnaye caivaitaddhaviḥ paridadāti guptyā asyai ca pṛthivyai tasmādāhāgne havyaṃ rakṣeti

Bei wessen Gārhapatya man die Opfergaben kocht, dessen Gefäße setzt man beim Gārhapatya nieder – dort soll er sie hinter dem Gārhapatya niedersetzen. Bei wessen Āhavanīya man die Opfergaben kocht, dessen Gefäße setzt man beim Āhavanīya nieder – dort soll er sie hinter dem Āhavanīya niedersetzen: „Ich setze dich in den Nabel der Erde.“ Mitte nämlich ist der Nabel, und die Mitte ist gefahrlos; deshalb spricht er „ich setze dich in den Nabel der Erde.“ „In den Schoß der Aditi“, spricht er weiter; „wie in einen Schoß haben sie dies gleichsam getragen“, sagt man auch, weil man das gut Behütete beschützt; deshalb spricht er „in den Schoß der Aditi.“ „O Agni, beschütze die Opfergabe“, spricht er schließlich; damit übergibt er die Opfergabe dem Agni, zum Schutz auch dieser Erde; deshalb spricht er „o Agni, beschütze die Opfergabe.“

pavitre karoti | pavitre stho vaiṣṇavyāviti yajño vai viṣṇuryajñiye stha ityevaitadāha

Er bereitet die beiden Reinigungssiebe (pavitra): „Reinigungsmittel seid ihr beide, zu Viṣṇu gehörig.“ Das Opfer nämlich ist Viṣṇu; „dem Opfer zugehörig seid ihr beide“ – eben das sagt er damit.

te vai dve bhavataḥ | ayaṃ vai pavitraṃ yo 'yam pavate so 'yameka ivaiva pavate so 'yam puruṣe 'ntaḥ praviṣṭaḥ prāṅca pratyaṅca tāvimau prāṇodānau tadetasyaivānu mātrāṃ tasmāddve bhavataḥ

Diese Siebe sind ja zwei an Zahl: Der Wind, der da weht, ist das eigentliche Reinigungsmittel, und er weht gleichsam als ein Einziger; doch in den Menschen eingedrungen, wirkt er vorwärts- und rückwärtsgehend als Einatem (prāṇa) und Aufwärtsatem (udāna). Dem Maß dieses Windes eben entsprechen die Siebe; deshalb sind es zwei.

atho api trīṇi syuḥ | vyāno hi tṛtīyo dve nveva bhavatastābhyāmetāḥ prokṣaṇīrutpūya tābhiḥ prokṣati tadyadetābhyāmutpunāti

Auch könnten es drei sein, denn der Vyāna, der Zwischenatem, wäre der dritte; in der Praxis sind es jedoch nur zwei. Mit diesen beiden läutert er die Besprengungswasser und besprengt dann mit ihnen den Opferplatz.

vṛtro ha vā idaṃ sarvaṃ vṛtvā śiśye | yadidamantareṇa dyāvāpṛthivī sa yadedaṃ sarvaṃ vṛtvā śiśye tasmādvṛtro nāma

Vṛtra lag einst da, nachdem er alles, was zwischen Himmel und Erde ist, umhüllt hatte. Weil er, so alles umhüllend, dalag, heißt er mit Namen Vṛtra.

tamindro jaghāna | sa hataḥ pūtiḥ sarvata evāpo 'bhipra susrāva sarvataiva hyayaṃ samudrastasmādu haikā āpo bībhatsāñcakrire tā uparyuparyatipupruvire 'ta ime darbhāstā haitā anāpūyitā āpo 'sti vā itarāsu saṃ sṛṣṭamiva yadenā vṛtraḥ pūtirabhiprāsravattadevāsāmetābhyām pavitrābhyāmapahantyatha medhyābhirevādbhiḥ prokṣati tasmādvā etābhyāmutpunāti

Ihn erschlug Indra. Erschlagen und faulig, floss er von überallher als Wasser fort, denn dieser Vṛtra ist ja von allen Seiten das Meer. Deshalb machten sich einige Wasser widerwärtig und schwammen aus Abscheu immer weiter nach oben – daraus entstanden die Darbha-Gräser; diese Wasser aber blieben unverunreinigt. In den anderen Wassern aber ist gleichsam etwas vermischt, weil der faulige Vṛtra in sie hineinfloss; eben dies entfernt er von ihnen mit den beiden Reinigungssieben. Dann besprengt er den Opferplatz mit diesen so gereinigten, reinen Wassern. Deshalb läutert er die Wasser mit diesen beiden Sieben.

sa utpunāti | saviturvaḥ prasava utpunāmyacidreṇa pavitreṇa sūryasya raśmibhiriti savitā vai devānām prasavitā tatsavitṛprasūta evaitadutpunātyacidreṇa pavitreṇeti yo vā ayam pavata eṣo 'cidram pavitrametenaitadāha sūryasya raśmibhirityete vā utpavitāro yatsūryasya raśmayastasmādāha sūryasya raśmibhiriti

Er läutert die Wasser: „Auf Antrieb Savitṛs läutere ich euch mit dem lückenlosen Reinigungsmittel, mit den Strahlen der Sonne.“ Savitṛ nämlich ist der Antreiber der Götter; damit läutert er dies, von Savitṛ angetrieben. „Mit dem lückenlosen Reinigungsmittel“ – der Wind, der da weht, ist eben dieses lückenlose Reinigungsmittel. „Mit den Strahlen der Sonne“ – denn die Strahlen der Sonne sind ja die eigentlichen Läuterer; deshalb spricht er „mit den Strahlen der Sonne.“

tāḥ savye pāṇau kṛtvā | dakṣiṇenodiṅgayatyupastautyevainā etanmahayatyeva devīrāpo agreguvo agrepuva iti devyo hyāpastasmādāha devīrāpa ityagreguva iti tā yatsamudraṃ gacanti tenāgreguvo 'grepuva iti tā yatprathamāḥ somasya rājño bhakṣayanti tenāgrepuvo 'gra imamadya yajñaṃ nayatāgre yajñapatiṃ sudhātuṃ yajñapatiṃ devayuvamiti sādhu yajñaṃ sādhu yajamānamityevaitadāha

Nachdem er sie in die linke Hand genommen hat, bewegt er sie mit der Rechten hin und her, lobpreist und ehrt sie damit: „Göttliche Wasser, die ihr vorangeht, die ihr zuerst läutert.“ Göttlich sind ja die Wasser, deshalb spricht er „göttliche Wasser“. „Die vorangehen“ – weil sie zum Meer gehen, heißen sie so; „die zuerst läutern“ – weil sie zuerst vom König Soma kosten, heißen sie so. „Hierher führt heute dieses Opfer, voran den Opferherrn, den gut gestalteten, den mit den Göttern sich vereinenden Opferherrn“, spricht er weiter – „gelingendes Opfer, gelingenden Opferer“, eben das sagt er damit.

yuṣmā indro 'vṛṇīta vṛtratūrya iti | etā u hīndro 'vṛṇīta vṛtreṇa spardhamāna etābhirhyenamahaṃstasmādāha yuṣmā indro 'vṛṇīta vṛtratūrya iti

„Euch erwählte Indra zum Sieg über Vṛtra“, spricht er; diese Wasser nämlich erwählte Indra, als er mit Vṛtra wetteiferte, denn mit ihnen erschlug er ihn. Deshalb spricht er „euch erwählte Indra zum Sieg über Vṛtra.“

yūyamindramavṛṇīdhvaṃ vṛtratūrya iti | etā u hīndramavṛṇata vṛtreṇa spardhamānametābhirhyenamahaṃstasmādāha yūyamindramavṛṇīdhvaṃ vṛtratūrya 'iti

„Ihr erwähltet Indra zum Sieg über Vṛtra“, spricht er; diese Wasser nämlich erwählten Indra, als er mit Vṛtra wetteiferte, denn mit ihnen erschlug er ihn. Deshalb spricht er „ihr erwähltet Indra zum Sieg über Vṛtra.“

prokṣitā stheti | tadetābhyo nihnute 'tha haviḥ prokṣatyeko vai prokṣaṇasya bandhurmedhyamevaitatkaroti

„Besprengt seid ihr“, spricht er, und entschuldigt sich damit gleichsam für das vorherige, weniger reine Besprengen. Dann besprengt er die Opfergabe; eine einzige Formel bildet ja die Grundlage für das Besprengen, und eben dadurch macht er sie opfertauglich.

sa prokṣati agnaye tvā juṣṭam prokṣāmīti tadyasyai devatāyai havirbhavati tasyai medhyaṃ karotyevameva yathāpūrvaṃ havīṃṣi prokṣya

Er besprengt: „Dich, dem Agni willkommen, besprenge ich.“ Damit macht er die Gabe für die Gottheit, der sie gilt, opfertauglich – ebenso, wie er es zuvor mit den Opfergaben getan hat.

atha yajñapātrāṇi prokṣati | daivyāya karmaṇo śundhadhvaṃ devayajyāyā iti daivyāya hi karmaṇo śundhati devayajyāyai yadvo 'śuddhaḥ parājaghnuridaṃ vastacundhāmīti tadyadevaiṣāmatrāśuddhastakṣā vānyo vāmedhyaḥ kaścitparāhanti tadevaiṣāmetadadbhirmedhyaṃ karoti tasmādāha yadvo 'śuddhāḥ parājaghnuridaṃ vastacundhāmīti

Dann besprengt er die Opfergeräte: „Für die göttliche Handlung reinigt euch, für den Götteropferdienst.“ Denn für die göttliche Handlung, für den Götterdienst reinigt er sie. „Was an euch Unreines zurückgelassen wurde, dieses Unreine an euch reinige ich“, spricht er; denn was der Zimmermann oder sonst jemand, mag er auch selbst rein sein, an Unreinem an ihnen zurückgelassen hat, das macht er ihnen eben mit Wasser rein. Deshalb spricht er „was an euch Unreines zurückgelassen wurde, dieses Unreine an euch reinige ich.“

atha kṛṣṇājinamādatte | yajñasyaiva sarvatvāya yajño ha devebhyo 'pacakrāma sa kṛṣṇo bhūtvā cacāra tasya devā anuvidya tvacamevāvacāyājahruḥ

Dann nimmt er das schwarze Antilopenfell. Für die Vollständigkeit eben des Opfers geschah Folgendes: Das Opfer entwich den Göttern und wandelte, schwarz geworden, umher. Die Götter, nachdem sie es aufgespürt hatten, rissen nur die Haut davon ab [Anm.: die genaue Lesart des Verbs für „abreißen/einsammeln“ ist an dieser Stelle unsicher überliefert, der Sinn – man nahm dem Opfertier nur die Haut – ist jedoch eindeutig] und trugen sie fort.

tasya yāni śuklāni ca kṛṣṇāni ca lomāni | tānyṛcāṃ ca sāmnāṃ ca rūpaṃ yāni śuklāni tāni sāmnāṃ rūpaṃ yāni kṛṣṇāni tānyṛcāṃ yadi vetarathā yānyeva kṛṣṇāni tāni sāmnāṃ rūpaṃ yāni śuklāni tānyṛcāṃ yānyeva babhrūṇīva harīṇi tāni yajuṣāṃ rūpam

Die weißen und schwarzen Haare dieses Felles sind die Gestalt der Ṛc-Verse und der Sāman-Gesänge: Die weißen sind die Gestalt der Sāman, die schwarzen die der Ṛc – oder auch umgekehrt, die schwarzen die Gestalt der Sāman, die weißen die der Ṛc. Die bräunlich-gelblichen Haare aber sind die Gestalt der Yajus-Formeln.

saiṣā trayī vidyā yajñaḥ | tasyā etacilpameṣa varṇastadyatkṛṣṇājinam bhavati yajñasyaiva sarvatvāya tasmātkṛṣṇājinamadhi dīkṣante yajñasyaiva sarvatvāya tasmādadhyavahananamadhipeṣaṇam bhavatyaskannaṃ havirasaditi tadyadevātra taṇḍulo vā piṣṭaṃ vā skandāttadyajñe yajñaḥ pratitiṣṭhāditi tasmādadhyavahananamadhipeṣaṇam bhavati

Dies eben ist das Opfer, das Dreifache Wissen, und von diesem ist das Fell das Abbild, diese [schwarze] Farbe dessen Kennzeichen. Dass es gerade das schwarze Fell ist, geschieht für die Vollständigkeit des Opfers; deshalb weiht man sich auf dem schwarzen Fell, ebenfalls für die Vollständigkeit des Opfers. Deshalb gibt es auch das rituelle Aufschütten und Zermahlen: „Damit die Opfergabe nicht daneben falle“, so denkt man; denn fiele hierbei Reiskorn oder Mehl herab, so geriete dadurch im Opfer das Opfer selbst ins Wanken [Anm.: der Satz über die Folge des Verschüttens ist doppeldeutig und könnte statt einer befürchteten Gefährdung auch positiv als „das Opfer bliebe fest gegründet“ gemeint sein] – so meint man. Deshalb gibt es das rituelle Aufschütten und Zermahlen.

atha kṛṣṇājinamādatte | śarmāsīti carma vā etatkṛṣṇasya tadasya tanmānuṣaṃ śarma devatrā tasmādāha śarmāsīti tadavadhūnotyavadhūtaṃ rakṣo 'vadhūtā arātaya iti tannāṣṭrā evaitadrakṣaṃsyato 'pahantyatinatyeva pātrāṇyavadhūnoti yadyasyāmedhyamabhūttadyasyaitadavadhūnoti

Dann nimmt er das schwarze Fell: „Schutzhülle bist du.“ Haut nämlich ist dies vom schwarzen Antilopenbock, und sie ist der menschliche Schutz des Opferers gegenüber den Göttern; deshalb spricht er „Schutzhülle bist du.“ Dann schüttelt er es aus: „Abgeschüttelt ist der Unhold, abgeschüttelt sind die Missgunst-Dämonen“, spricht er, und schlägt damit eben ohne Waffe die Unholde von hier fort. Sich gleichsam tief verneigend, schüttelt er auch die Gefäße aus; war an dem Fell etwas Unreines, so schüttelt er es damit ab.

tatpratīcīnagrīvamupastṛṇāti | adityāstvagasi prati tvāditirvettvitīyaṃ vai pṛthivyaditistasyā asyai tvagyadidamasyāmadhi kiñca tasmādāhādityāstvagasīti prati tvāditirvettviti prati hi svaḥ saṃ jānīte tatsaṃjñāmevaitatkṛṣṇājināya ca vadati nedanyo 'nyaṃ hinasāta ityabhinihitameva savyena pāṇinā bhavati

Er breitet das Fell aus, den Nacken nach Westen gerichtet: „Der Aditi Haut bist du. Dich möge Aditi erkennen“, spricht er. Diese Erde nämlich ist Aditi, und dies Fell ist ihre Haut, nämlich alles, was auf ihr wächst; deshalb spricht er „der Aditi Haut bist du.“ „Dich möge Aditi erkennen“, spricht er weiter, denn jeder erkennt ja das Eigene wieder; damit spricht er dies auch dem schwarzen Fell als Wiedererkennungsformel zu, „damit nicht einer den anderen verletze.“ Dabei wird es mit der linken Hand niedergelegt.

atha dakṣiṇenolūkhalamāharati | nediha purā nāṣṭrā rakṣāṃsyāviśāniti brāhmaṇo hi rakṣasāmapahantā tasmādabhinihitameva savyena pāṇinā bhavati

Dann bringt er mit der Rechten den Mörser herbei, denkend: „Damit hier nicht zuvor, ungehindert (durch keine Waffe), die Unholde eindringen“ – der Brahman-Priester nämlich ist der Vertreiber der Unholde. Deshalb wird das Fell eben mit der linken Hand niedergelegt.

atholūkhalaṃ nidadhāti | adrirasi vānaspatyo grāvāsi pṛthubuḍhna iti vā tadyathaivādaḥ somaṃ rājānaṃ grāvabhirabhiṣuṇvantyevamevaitadulūkhalamusalābhyāṃ dṛṣadupalābhyāṃ haviryajñamabhiṣuṇotyadraya iti vai teṣāmekaṃ nāma tasmādāhādrirasīti vānaspatya iti vānaspatyo hyeṣa grāvāsi pṛthubudhna iti grāvā hyeṣa pṛthubudhno hyeṣa prati tvādityāstvagvettviti tatsaṃjñāmevaitatkṛṣṇājināya ca vadati nedanyo 'nyaṃ hinasāta iti

Dann setzt er den Mörser nieder: „Fels bist du, vom Baumholz stammend; Presstein bist du, mit breiter Basis“, spricht er auch. So wie man den König Soma mit Presssteinen auspresst, so presst dieser Mörser mit den beiden Stößeln und den beiden Reibsteinen die Opfergabe, das Opfer, aus. „Steine“ (adri) – das ist nämlich einer ihrer Namen, deshalb spricht er „Fels bist du.“ „Vom Baumholz“ – denn er ist ja vom Baumholz. „Presstein bist du, breitbasig“ – denn er ist ja ein Presstein und breitbasig. „Dich möge der Aditi Haut erkennen“, spricht er schließlich; damit spricht er dies auch dem schwarzen Fell als Wiedererkennungsformel zu, „damit nicht einer den anderen verletze.“

atha havirāvapati | agnestanūrasi vāco visarjanamiti yajño hi tenāgnestanūrvāco visarjanamiti yāṃ vā amūṃ havirgrahīṣyanvācaṃ yacatyatra vai taṃ visṛjate tadyadetāmatra vācaṃ visṛjata eṣa hi yajña ulūkhale pratyaṣṭhādeṣa hi prāsāri tasmādāha vāco visarjanamiti

Dann schüttet er die Opfergabe in den Mörser: „Agnis Leib bist du, die Entlassung der Rede.“ Denn das Opfer ist damit Agnis Leib. „Die Entlassung der Rede“, spricht er: Die Rede nämlich, die er, im Begriff, die Opfergabe zu ergreifen, zurückgehalten hatte, entlässt er hier eben. Dass er die Rede gerade hier entlässt, hat seinen Grund darin, dass das Opfer erst jetzt im Mörser festen Stand gewonnen hat und in Gang gesetzt worden ist; deshalb spricht er „Entlassung der Rede.“

sa yadidam purā mānuṣīṃ vācaṃ vyāharet | tatro vaiṣṇāvīmṛcaṃ vā yajurvā japedyajño vai viṣṇustadyajñam punarārabhate tasyo haiṣā prāyaścittirdevavītaye tvā gṛhṇāmīti devānavadityu hi havirgṛhyate

Spräche er nun vorher versehentlich menschliche Rede aus, so soll er einen auf Viṣṇu bezogenen Ṛc-Vers oder eine Yajus-Formel leise murmeln – das Opfer nämlich ist Viṣṇu, und damit knüpft er wieder an das Opfer an. Dies eben ist dafür das Sühnemittel: „Zum Göttermahl ergreife ich dich“, spricht er; denn so wird die Opfergabe tadellos vor den Göttern ergriffen [Anm.: die Sanskrit-Wortfolge an dieser Stelle ist knapp und unsicher zu gliedern; die Übersetzung folgt der plausibelsten Deutung].

atha musalamādatte | bṛhadgrāvāsi vānaspatya iti bṛhadgrāvā hyeṣa vānaspatyo hyeṣa tadavadadhāti sa idaṃ devebhyo haviḥ śamīṣva suśami śamīṣveti sa idaṃ devebhyo haviḥ saṃskuru sādhusaṃskṛtaṃ saṃskurvityevaitadāha

Dann nimmt er den Stößel: „Großer Presstein bist du, vom Baumholz“ – denn dieser ist ja ein großer Presstein und vom Baumholz. Beim Hineinlegen spricht er: „Verrichte du dies Opfer für die Götter, verrichte es gut, o guter Verrichter!“ ... „Bereite du dies Opfer den Göttern zu, bereite es wohlbereitet zu“ – eben das sagt er damit.

atha haviṣkṛtamudvādayati | haviṣkṛdehi haviṣkṛdehīti vāgvai haviṣkṛdvācamevaitadvisṛjate vāgu vai yajñastadyajñamevaitatpunarupahvayate

Dann lässt er die Opferzurichterin (haviṣkṛt) durch Anschlagen ertönen: „Opferzurichterin, komm her! Opferzurichterin, komm her!“ Die Rede nämlich ist die Opferzurichterin, und eben die Rede entlässt er damit; die Rede aber ist das Opfer, und so ruft er eben das Opfer wieder herbei.

tāni vā etāni | catvāri vāca ehīti brāhmaṇasyāgahyādraveti vaiśyasya ca rājanyabandhoścādhāveti śūdrasya sa yadeva brāhmaṇasya tadāhaitaddhi yajñiyatamametadu ha vai vācaḥ śāntataṃ yadehīti tasmādehītyeva brūyāt

Diese Anredeformen sind ja vier: „Komm her!“ (ehi) für den Brahmanen; „komm heran, eile herbei!“ sowohl für den Vaiśya als auch für den Rājanya-Sprössling; „lauf!“ für den Śūdra. Eben das, was dem Brahmanen zukommt, spricht er, denn dies ist dem Opfer am angemessensten und zugleich das Sanfteste der Rede, nämlich „komm her!“ Deshalb soll man nur „komm her!“ sagen.

taddha smaitatpurā | jāyaiva haviṣkṛdupottiṣṭhati tadidamapyetarhi ya eva kaścopottiṣṭhati sa yatraiṣa haviṣkṛtamudvādayati tadeko dṛṣadupale samāhanti tadyadetāmatra vācam pratyudvādayanti

Früher geschah dies immer so, dass die Ehefrau selbst als Opferzurichterin heranträte; heute noch tritt hierbei nur irgendjemand heran. Während der Adhvaryu die Opferzurichterin durch Anschlagen ertönen lässt, schlägt da einer die beiden Reibsteine zusammen – so lässt man dieses Ruf-Wort im Gegenzug erschallen.

manorha vā ṝṣabha āsa | tasminnasuraghnī sapatnaghnī vākpraviṣṭāsa tasya ha sma śvasathādravathādasurarakṣasāni mṛdyamānāni yanti te hāsurāḥ samūdire pāpaṃ vata no 'yamṛṣabhaḥ sacate kathaṃ nvimaṃ dabhnuyāmeti kilātākulī iti hāsurabrahmāvāsatuḥ

Manu hatte nämlich einen Stier, in den die Asuras-tötende, Rivalen-tötende Rede eingedrungen war [Anm.: die grammatische Kongruenz des Ausdrucks für diese Rede an dieser Stelle des Sanskrit-Textes ist auffällig und philologisch nicht restlos geklärt]. Von seinem Schnauben und Laufen wurden die Asuras und Rakṣas zermalmt und dahingerafft. Da sprachen die Asuras zueinander: „Übles fürwahr fügt uns dieser Stier zu; wie könnte ich ihn wohl täuschen?“ Kilāta und Ākulī waren zwei Brahmanen-Priester der Asuras.

tau hocatuḥ | śraddhādevī vai manurāvaṃ nu vedāveti tau hāgatyocaturmano yājayāva tveti kenetyanenarṣabheṇeti tatheti tasyālabdhasya sa vāgapacakrāma

Die beiden sprachen: „Leichtgläubig ist ja Manu; er wird uns beide wohl kennenlernen wollen.“ Sie gingen zu ihm und sprachen: „Manu, lass uns für dich opfern!“ – „Womit?“ – „Mit diesem Stier.“ – „So sei es.“ Als der Stier berührt, das heißt zum Opfer ergriffen wurde, entwich jene Rede aus ihm.

sā manoreva jāyām manāvīm praviveśa | tasyai ha sma yatra vadantyai śṛṇvanti tato ha smaivāsurarakṣasāni mṛdyamānāni yanti te hāsurāḥ samūdira ito vai naḥ pāpīyaḥ sacate bhūyo hi mānuṣī vāgvadatīti kilātākulī haivocatuḥ śraddhādevo vai manurāvaṃ nveva vedāveti tau hāgatyocaturmano y ājayāva tveti kenetyanayaiva jāyayeti tatheti tasyā ālabdhāyai sā vāgapacakrāma

Sie, die Rede, drang darauf in Manus eigene Frau Manāvī ein. Wo immer man sie sprechen hörte, von dort gingen die Asuras und Rakṣas zermalmt dahin. Da sprachen die Asuras: „Von hier aus befällt uns nun noch Schlimmeres, denn menschliche Rede spricht ja noch mehr“, so meinten sie. Kilāta und Ākulī sprachen wiederum: „Leichtgläubig ist ja Manu; er wird uns beide wohl kennenlernen wollen.“ Sie gingen zu ihm und sprachen: „Manu, lass uns für dich opfern!“ – „Womit?“ – „Mit eben dieser deiner Ehefrau.“ – „So sei es.“ Als sie berührt, das heißt zum Opfer ergriffen wurde, entwich jene Rede auch aus ihr.

sā yajñameva yajñapātrāṇi praviveśa | tato haināṃ na śekaturnirhantuṃ saiṣāsuraghnī vāgudvadati sa yasya haivaṃviduṣa etāmatra vācam pratyudvādayanti pāpīyāṃso haivāsya sapatnā bhavanti

Darauf drang sie in das Opfer, eben in die Opfergeräte, ein. Von dort vermochten die beiden Asura-Priester sie nicht mehr auszutreiben. So erschallt nun diese Asuras-tötende Rede hervor: Wessen Rivalen unterliegen eben, für den, der so weiß, man diese Rede dort im Gegenzug erschallen lässt.

sa samāhanti | kukkuṭo 'si madhujihva iti madhujihvo vai sa devebhya āsīdviṣajihvo 'surebhyaḥ sa yo devebhya āsīḥ sana edhītye vaitadāheṣamūrjamāvada tvayā vayaṃ saṅghātaṃ saṅghātaṃ jeṣmeti nātra tirohitamivāsti

Er schlägt die Steine zusammen: „Hahn bist du, mit honigsüßer Zunge.“ Honigzüngig war er nämlich für die Götter, giftzüngig für die Asuras: „Der, welcher für die Götter honigzüngig war, der sei es auch für uns“ – eben das sagt er damit. „Sprich Labung, Kraft herbei; mit dir wollen wir jeden Zusammenstoß gewinnen“, spricht er weiter. Hierin ist nichts wie verborgen.

atha śūrpamādatte | varṣavṛddhamasīti varṣavṛddhaṃ hyetadyadi naḍānāṃ yadi veṇūnāṃ yadīṣīkāṇāṃ varṣamuhyevaitā vardhayati

Dann nimmt er die Worfelschaufel: „Durch Regen gewachsen bist du.“ Denn sie ist durch den Regen gewachsen, sei es von Schilfrohr, sei es von Bambus, sei es von Grashalmen; der Regen nämlich lässt diese wachsen.

atha havirnirvapati | prati tvā varṣavṛddhaṃ vettviti varṣavṛddhā u hyevaite yadi vrīhayo yadi yavā varṣamuhyevaitānvardhayati tatsaṃjñāmevaitacūrpāya ca vadati nedanyo 'nyaṃ hinasāta iti

Dann streut er die Opfergabe aus: „Dich möge das Regen-Gewachsene erkennen.“ Denn diese, seien es Reis- oder Gerstenkörner, sind ja durch Regen gewachsen; der Regen nämlich lässt sie wachsen. Damit spricht er dies auch der Worfelschaufel als Wiedererkennungsformel zu, „damit nicht einer den anderen verletze.“

atha niṣpunāti | parāpūtaṃ rakṣaḥ parāpūtā arātaya ityatha tuṣānprahantyapahataṃ rakṣa iti tannāṣṭrā evaitadrakṣāṃsyato 'pahanti

Dann worfelt er das Korn aus: „Fortgeworfelt ist der Unhold, fortgeworfelt sind die Missgunst-Dämonen.“ Dann schlägt er die Spreu weg: „Fortgeschlagen ist der Unhold“, spricht er, und schlägt damit eben ohne Waffe die Unholde von hier fort.

athāpavinakti | vāyurvo vivinaktvityayaṃ vai vāyuryo 'yam pavata eṣa vā idaṃ sarvaṃ vivinakti yadidaṃ kiṃca vivicyate tadenāneṣa evaitad vivinaktisa yadaita etatprāpnuvanti yatrainān adhyapavinakti

Dann sondert er die Spreu aus: „Vāyu möge euch aussondern.“ Dieser Vāyu nämlich ist es, der hier weht, und er sondert ja alles aus; was auch immer hier ausgesondert wird, das sondert eben er für die Körner aus. Und dort, wo er sie weiter reinigend aussondert, erlangen die Körner eben dies.

athānumantrayate | devo vaḥ savitā hiraṇyapāṇiḥ pratigṛbhṇātvācidreṇa pāṇinā supratigṛhītā asannityatha triḥ phalīkaroti trivṛddhi yajñaḥ

Dann spricht er über sie einen Segensspruch: „Der Gott Savitṛ mit der goldenen Hand ergreife euch mit lückenloser Hand; wohlergriffen sollt ihr sein.“ Dann teilt er die Hülsen dreimal ab, denn dreifach ist das Wachstum des Opfers.

taddhaike devebhyaḥ śundhadhvaṃ devebhyaḥ śundhadhvamiti phalīkurvanti tadu tathā na kuryādādiṣṭaṃ vā etaddevatāyai havirbhavatyathaitadvaiśvadevaṃ karoti yadāha devebhyaḥ śundhadhvamiti tatsamadaṃ karoti tasmādu tūṣṇīmeva phalīkuryāt

Dabei scheiden manche die Hülsen ab, indem sie sprechen: „Reinigt euch für die Götter, reinigt euch für die Götter.“ So aber soll er es nicht tun, denn diese Opfergabe ist bereits einer bestimmten Gottheit zugewiesen; spräche er hingegen „reinigt euch für die Götter“, so machte dies die Opfergabe zu einem undifferenzierten Allgötter-Opfer, ohne bestimmten Empfänger. Deshalb soll man die Hülsen schweigend abscheiden.

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