Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Kāṇḍa 1

Adhyāya 4 Die Sāmidhenī-Verse, die Hotṛ-Anrufung und die Āghāra-Spende

Brāhmaṇa 1 (Der Hiṃkāra und die Sāmidhenī-Verse: die Sage von Videgha Māthava und Agni Vaiśvānara): Die erste Brāhmaṇa begründet den Hiṃkāra und die eigentümliche Formelsprache der Sāmidhenī-Rezitation (eti/preti) mit einer Reihe von Atem- und Nirukta-Deutungen, wie sie für die Śatapatha-Brāhmaṇa charakteristisch sind. Ihren Kern bildet die eingebettete Wandersage von Videgha Māthava und Agni Vaiśvānara, die häufig als Zeugnis einer ostwärts gerichteten vedischen Landnahme über die Sadānīrā – gemeinhin mit dem Gaṇḍakī-Fluss identifiziert – gelesen wird. Die anschließenden Verserläuterungen (Kaṇḍikās 20–40) legen einzelne Ṛg-Vers-Wörter der Sāmidhenī-Reihe Wort für Wort auf Agni und die mythische Erzählung hin aus. Brāhmaṇa 2 (Die Ārṣeya-Ansage und die Hotṛ-Anrufung des Agni): Die zweite Brāhmaṇa behandelt die Ārṣeya-Ansage, mit der der Hotṛ die Seherlinie des Sāmans bekanntgibt, sowie die anschließende, aus Ṛgveda-Sprache geschöpfte Invokationsformel, die Agni eine Fülle von Epitheta (Wagenlenker, Camasa, Göttergefäß u. a.) zuweist. Bezeichnend ist die abschließende Erklärung, warum die Anuvākyā im Stehen, die Yājyā aber im Sitzen gesprochen wird – eine kleine Ritualregel, die durch kosmologische Gleichsetzung von Himmel und Erde begründet wird. Brāhmaṇa 3 (Die Sāmidhenī-Verse als Atem und Leib: Entsprechungen und Sühneformeln bei Versprechern): Diese Brāhmaṇa überträgt die elf Sāmidhenī-Verse auf ebenso viele Organe bzw. Lebensfunktionen des menschlichen Körpers (Atemarten, Gehör, Stimme, Geist, Auge, Zeugungsglied) und folgert daraus Sühneformeln für den Fall, dass sich der Mitrezitierende bei einem bestimmten Vers verspricht. Die stereotype Formelstruktur wird in der Quelledition mehrfach elidiert, was die vorliegende Übersetzung durch eckige Klammern kenntlich macht. Das Kapitel ist ein Lehrstück für das bandhu-Denken der Brāhmaṇa-Literatur, das rituelle Handlung und kosmisch-physiologische Entsprechung systematisch aufeinander bezieht. Brāhmaṇa 4 (Der Beginn der Āghāra-Spende: Geist und Stimme als vereintes Paar): Die vierte Brāhmaṇa eröffnet die Beschreibung der Āghāra-Spende des Adhvaryu, bei der die erste, leise vollzogene Begießung dem Geist (manas), die zweite, mit Sprucheinlage begleitete, der Stimme (vāc) zugeordnet wird. Die Zuordnung von Sruva und Sruc, von Sitzen und Stehen sowie von Nord- und Südseite zu diesem Gegensatzpaar durchzieht das gesamte Kapitel und bereitet die in Brāhmaṇa 5 folgende Streit-Erzählung vor. Brāhmaṇa 5 (Die Vollendung der Āghāra-Spende und der Rangstreit zwischen Geist und Stimme): Die fünfte Brāhmaṇa schließt die Āghāra-Beschreibung mit begleitenden Sprüchen an Viṣṇu, Indra und die Dhruvā ab und mündet in die berühmte Erzählung vom Rangstreit zwischen Geist und Stimme, den Prajāpati zugunsten des Geistes entscheidet. Der Schlussabschnitt (5.13), der die Zurückweisung der Stimme mit einer Fehlgeburt und einer rituellen Verfehlungsvorstellung der Ātreyī-Frauen verknüpft, gehört zu den sprachlich und mythologisch dunkelsten Passagen dieses Adhyāya und ist nur mit Vorbehalt zu deuten.

hiṃkṛtyānvāha | nāsāmā yajño 'stīti vā āhurna vā ahiṃkṛtya sāma gīyate ma yaddhiṃkaroti taddhiṃkārasya rūpaṃ kriyate praṇavenaiva sāmno rūpamupagacatyo3ṃ o3mityeteno hāsyaiṣa sarva eva sasāmā yajño bhavati

Er rezitiert, nachdem er hiṃ gemacht hat. Manche sagen nämlich: „Ohne Sāman gibt es kein Opfer“ – oder: „Ohne hiṃ gemacht zu haben, wird das Sāman nicht gesungen.“ Macht er hiṃ, so wird dadurch die Form des Hiṃkāra hergestellt; durch die Praṇava-Silbe allein nähert er sich der Form des Sāman. Durch dieses „o3ṃ, o3m“ wird dieses ganze Opfer für ihn sāman-artig, das heißt: mit dem Sāman versehen.

yadveva hiṃkaroti | prāṇo vai hiṃkāraḥ prāṇo hi vai hiṃkārastasmādapigṛhya nāsike na hiṃkartuṃ śaknoti vācā vā ṛcamanvāha vākca vai prāṇaśca mithunaṃ tadetatpurastānmithunam prajananaṃ kriyate sāmidhenīnāṃ tasmādvai hiṃkṛtyānvāha

Und was das betrifft, dass er hiṃ macht: Der Hiṃkāra ist der Atem (prāṇa) – ja, der Hiṃkāra ist wahrhaftig der Atem; deshalb kann man, wenn man sich die Nase zuhält, nicht hiṃ machen. Mit der Stimme dagegen rezitiert er den [Ṛg-]Vers; Stimme und Atem aber bilden ein Paar. Damit wird hier, den Sāmidhenī-Versen vorausgehend, eben diese Paarung, diese Erzeugung, bewirkt. Deshalb rezitiert er, nachdem er hiṃ gemacht hat.

sa vā upāṃśu hiṃkaroti | atha yaduccairhiṃkuryādanyataradeva kuryādvācameva tasmādupāṃśu hiṃkaroti

Er macht das hiṃ leise, unhörbar (upāṃśu). Würde er es laut machen, ließe er nur eines von beiden walten, nämlich allein die Stimme. Deshalb macht er das hiṃ leise.

sa vā eti ca preti cānvāha | gāyatrīmevaitadarvācīṃ ca parācīṃ ca yunakti parācyaha devebhyo yajñaṃ vahatyarvācī manuṣyānavati tasmādvā eti ca preti cānvāha

Er rezitiert [die Verse] mit den Worten „eti“ (er kommt) und „preti“ (er geht fort). Damit verbindet er die Gāyatrī sowohl mit der Rückwärts- als auch mit der Vorwärtsrichtung: Die vorwärtsgewandte [Gāyatrī] trägt das Opfer zu den Göttern, die rückwärtsgewandte begünstigt die Menschen. Deshalb rezitiert er mit „eti“ und „preti“.

yadveveti ca preti cānvāha | preti vai prāṇa etyudānaḥ prāṇodānāvevaitaddadhāti tasmādvā eti ca preti cānvāha

Und was ferner das betrifft, dass er [die Verse] mit „eti“ und „preti“ rezitiert: „preti“ ist der Prāṇa-Atem, „eti“ der Udāna-Atem; damit legt er Prāṇa und Udāna [in ihn]. Deshalb rezitiert er mit „eti“ und „preti“.

yadveveti ca preti cānvāha | preti vai retaḥ sicyata eti prajāyate preti paśavo vitiṣṭanta eti samāvartante sarvaṃ vā idameti ca preti ca tasmādvā eti ca preti cānvāha

Und was ferner das betrifft, dass er [die Verse] mit „eti“ und „preti“ rezitiert: Bei „preti“ wird der Same ausgegossen, bei „eti“ gezeugt; bei „preti“ zerstreut sich das Vieh, bei „eti“ kommt es wieder zusammen – dieses All geht ja fort und kommt wieder. Deshalb rezitiert er mit „eti“ und „preti“.

so 'nvāha | pra vo vājā abhidyava iti tannu preti bhavatyagna āyāhivītaya iti tadveti bhavati

Er rezitiert den Vers „pra vo vājā abhidyavaḥ“ – das wird zu „preti“ (dem Fortgehen); und den Vers „agna āyāhi vītaye“ – das wird zu „eti“ (dem Kommen).

tadu haika āhuḥ | ubhayaṃ vā etatpreti sampadyata iti tadu tadātivijñānyamiva pra vo vājā abhidyava iti tannu pretyagna āyāhi vītaya iti tadveti

Dazu sagen manche: „Beides fällt eigentlich unter ‚preti‘“ – doch das ist eine allzu spitzfindige Unterscheidung; vielmehr gilt: „pra vo vājā abhidyavaḥ“ wird zu „preti“, „agna āyāhi vītaye“ zu „eti“.

so 'nvāha | pra vo vājā abhidyava iti tannu preti bhavati vājā ityannaṃ vai vājā annamevaitadabhyanūktamabhidyava ityardhamāsā vā abhidyavo 'rdhamāsānevaitadabhyanūktaṃ haviṣmanta iti paśavo vai haviṣmantaḥ paśūnevaitadabhyanūktam

Er rezitiert den Vers „pra vo vājā abhidyavaḥ“: Das wird zu „preti“. „Vājāḥ“ bedeutet Speise (anna) – damit wird die Speise mitbezeichnet; „abhidyavaḥ“ bedeutet die Halbmonate – damit werden die Halbmonate mitbezeichnet; „haviṣmantaḥ“ bedeutet das Vieh, denn das Vieh besitzt die Opfergabe – damit wird das Vieh mitbezeichnet.

ghṛtācyeti | videgho ha māthavo 'gniṃ vaiśvānaram mukhe babhāra tasya gotamo rāhūgaṇa ṛṣiḥ purohita āsa tasmai ha smāmantryamāṇo na pratiśṛṇoti nenme 'gnirvaiśvānaro mukhānniṣpadyātā iti

[Er rezitiert den mit] „ghṛtācī“ [beginnenden Vers]: Videgha Māthava trug den Agni Vaiśvānara im Munde. Sein Hauspriester (purohita) war der Seher Gotama Rāhūgaṇa. Wurde jener [Videgha] angeredet, so antwortete er nicht – aus Furcht: „Damit mir nicht der Agni Vaiśvānara aus dem Munde herausfahre.“

tamṛgbhirhvayituṃ dadhre | vītihotraṃ tvā kave dyumantaṃ samidhīmahi agne bṛhantamadhvare videgheti

Da beschloss Gotama, ihn mit [Ṛg-]Versen herbeizurufen: „Dich, o Seher, der du das Opfermahl empfängst, den glänzenden, entzünden wir, o Agni, den erhabenen, beim Opfer, o Videgha“ – so lautete der Vers.

sa na pratiśuśrāva | udagne śucayastava śukrā bhrājanta īrate tava jyotīṃṣyarcayo videghā3 iti

Er, Videgha, antwortete nicht: „Empor, o Agni, erheben sich deine reinen, hellen, glänzenden [Flammen]; deine Lichter, deine Flammenzungen, o Videgha“ – so lautete der Vers. [Anm.: Der Vers ist formal an Agni gerichtet, endet aber mit dem pluta-Vokativ „videghā3“, der zugleich Videgha Māthava selbst über die Ferne hinweg anzurufen scheint; die Deutung folgt hier dem Erzählzusammenhang.]

sa ha naiva pratiśuśrāva | taṃ tvā ghṛtasnavīmaha ityevābhivyāharadathāsya ghṛtakīrtāvevāgnirvaiśvānaro mukhādujjajvāla tam na śaśāka dhārayituṃ so 'sya mukhānniṣpede saimām pṛthivīm prāpādaḥ

Er, Videgha, antwortete dennoch nicht. Da sprach Gotama nur noch: „Dich, den mit Schmalz Besprengten, rufen wir herbei“ – und schon bei dieser Erwähnung des Schmalzes loderte der Agni Vaiśvānara aus seinem Munde empor. Videgha vermochte ihn nicht länger zu halten; da fuhr Agni aus seinem Munde heraus und fiel auf diese Erde.

tarhi videgho māthava āsa | sarasvatyāṃ sa tata eva prāṅdahannabhīyāyemām pṛthivīṃ taṃ gotamaśca rāhūgaṇo videghaśca māthavaḥ paścāddahantamanvīyatuḥ sa imāḥ sarvā nadīratidadāha sadānīretyuttarādgirernirghāvati tāṃ haiva nātidadāha tāṃ ha sma tām purā brāhmaṇā na tarantyanatidagdhāgninā vaiśvānareṇeti

Zu jener Zeit hielt sich Videgha Māthava an der Sarasvatī auf. Von dort zog Agni, nach Osten hin brennend, über diese Erde; Gotama Rāhūgaṇa und Videgha Māthava folgten ihm, während er brannte, von hinten nach. Er verbrannte alle diese Flüsse; nur die „Sadānīrā“ genannte, die vom nördlichen Gebirge herabströmt, verbrannte er nicht. Diese überschreiten die Brahmanen seit alters her nicht, [weil sie gilt als] „nicht vom Agni Vaiśvānara verbrannt“.

tata etarhi | prācīnam bahavo brāhmaṇāstaddhākṣetrataramivāsa srāvitaramivāsvaditamagninā vaiśvānareṇeti

Seitdem wohnen jetzt viele Brahmanen östlich [von der Sadānīrā]; das Land dahinter war nämlich noch gleichsam zu sehr Weideland, gleichsam zu sumpfig, [weil es] noch nicht vom Agni Vaiśvānara verzehrt, gereinigt, war. [Anm.: Die genaue Bedeutung der Komparative „kṣetratara“ und „srāvitara“ ist unsicher; die Übersetzung folgt sinngemäß dem Erzählzusammenhang – das Land jenseits der Sadānīrā gilt als noch ungeeignet zur Feldbestellung.]

tadu haitarhi | kṣetrataramiva brāhmaṇā u hi nūnamenadyajñairasiṣvadaṃtsāpi jaghanye naidāghe samivaiva kopayati tāvacītānatidagdhā hyagninā vaiśvānareṇa

Jetzt aber ist es gleichsam gutes Ackerland; die Brahmanen haben es inzwischen durch Opfer gleichsam „schmackhaft, verdaulich gemacht“. Doch selbst jetzt noch, am Ende des Hochsommers, gerät es an jenen Stellen gleichsam ins Wallen, die noch nicht vom Agni Vaiśvānara verbrannt sind. [Anm.: wie zu 1.4.1.15 bleibt die genaue Nuance von „kṣetratara“ unsicher.]

sa hovāca | videgho māthavaḥ kvāham bhavānītyata eva te prācīnam bhuvanamiti hovāca saiṣāpyetarhi kosalavidehānām maryādā te hi māthavāḥ

Da sprach Videgha Māthava: „Wo soll ich denn wohnen, Herr?“ – „Östlich von hier sei dein Wohnsitz“, sprach Agni. Das ist auch jetzt noch die Grenze zwischen den Kosala und den Videha; denn diese Länder sind die der Māthavas.

atha hovāca | gotamo rāhūgaṇaḥ kathaṃ nu na āmantryamāṇo na pratyaśrauṣīriti sa hovācāgnirme vaiśvānaro mukhe 'bhutsa nenme mukhānniṣpadyātai tasmātte na pratiśrauṣamiti

Da sprach Gotama Rāhūgaṇa: „Warum hast du, obwohl angeredet, nicht geantwortet?“ Da sprach Videgha: „Agni Vaiśvānara war in meinem Munde; ich schwieg, damit er mir nicht aus dem Munde herausfahre – deshalb habe ich dir nicht geantwortet.“

tadu kathamabhūditi | yatraiva tvaṃ ghṛtasnavīmaha ityabhivyāhārṣīstadeva me ghṛtakīrtāvagnirvaiśvānaro mukhādudajvālīttaṃ nāśakaṃ dhārayituṃ sa me mukhānnirapādīti

„Wie ist es denn nun geschehen?“ – „In dem Augenblick, als du eben aussprachst: ‚ghṛtasnavīmahe‘, da loderte mir bei jener Erwähnung des Schmalzes der Agni Vaiśvānara aus dem Munde empor; ich vermochte ihn nicht zu halten, und er fuhr mir aus dem Munde heraus.“

sa yatsāmidhenīṣu ghṛtavat | sāmidhenameva tatsamevainaṃ tenendhe vīryamevāsmindadhāti

Dass es unter den Sāmidhenī-Versen einen gibt, der „Schmalz“ erwähnt – das ist eben das eigentliche Entzündungswort (sāmidhena); damit entzündet man Agni recht und legt ihm dadurch Manneskraft (vīrya) ein.

tadu ghṛtācyeti | devāñjigāti sumnayuriti yajamāno vai sumnayuḥ sa hi devāñjigīṣati sa hi devāñjighāṃsati tasmādāha devāñjigāti sumnayuriti saiṣāgneyī satyaniruktā sarvaṃ vā aniruktaṃ sarveṇaivaitatpratipadyate

Ferner heißt es im mit „ghṛtācī“ beginnenden Vers: „der Gunstsuchende geht zu den Göttern“ – der Opferherr ist der Gunstsuchende, denn er sucht die Götter zu gewinnen, sucht sie zu erreichen; deshalb sagt er: „der Gunstsuchende geht zu den Göttern“. Dieser Vers ist wahrhaft und ausdrücklich auf Agni bezogen; alles Unausgesprochene aber erfasst man mit dem Ausgesprochenen zugleich. [Anm.: Das Verspaar „jigīṣati“ (wünscht zu gewinnen) und „jighāṃsati“ (wörtlich „wünscht zu schlagen“, hier wohl im Sinn von „zu erreichen suchen“) wirkt wie eine doppelte volksetymologische Anspielung auf „jigāti“ (er geht); die Übersetzung folgt sinngemäß.]

agna āyāhi vītaya iti | tadveti bhavati vītaya iti samantikamiva havā ime 'gre lokā āsurityunmṛśyā haiva dyaurāsa

„Agne āyāhi vītaye“ (Agni, komm zum Mahl) – das wird zu „eti“ (dem Kommen). „Vītaye“ deutet er gleichsam als „in die Nähe“: Denn am Anfang waren diese Welten gleichsam eng beieinander, der Himmel war ihnen gleichsam zum Greifen nahe. [Anm.: Der genaue Sinn von „unmṛśyā“ (etwa: greifbar, berührbar nahe) ist nicht ganz sicher.]

te devā akāmayanta | kathaṃ nu na ime lokā vitarāṃ syuḥ kathaṃ na idaṃ varīya iva syāditi tānetaireva tribhirakṣarairvyanayanvītaya iti ta ime viṭūraṃ lokāstato devebhyo varīyo 'bhavadvarīyo ha vā asya bhavati yasyaivaṃ viduṣa etāmanvāhurvītaya iti

Da wünschten die Götter: „Wie könnten doch diese Welten weiter voneinander entfernt sein? Wie könnte dies doch geräumiger werden?“ Da trennten sie sie mittels dieser drei Silben „vī-ta-ye“ voneinander; daher heißen diese Welten „viṭūra“ (auseinandergerückt). Dadurch wurde es für die Götter geräumiger. Geräumiger wird es auch für den, für den [der Hotṛ], der so weiß, diesen Vers mit „vītaye“ rezitiert.

gṛṇāno havyadātaya iti | yajamāno vai havyadātirgṛṇāno yajamanāyetyevaitadāha ni hotā satsi barhiṣītyagnirvai hotāyaṃ loko barhirasminnevaitalloke 'gniṃ dadhāti so 'yamasmiṃlloke 'gnirhitaḥ saiṣemameva lokamabhyanūktemamevaitayā lokaṃ jayati yasyaivaṃ viduṣa etāmanvāhuḥ

„gṛṇāno havyadātaye“ (gepriesen für den Opfergabenspender) – der Opferherr ist der Opfergabenspender; mit „gṛṇānaḥ“ (gepriesen) meint er „für den Opferherrn“. „ni hotā satsi barhiṣi“ (nieder setzest du dich, Hotṛ, auf das Barhis) – Agni ist der Hotṛ, diese [irdische] Welt ist das Barhis; damit legt er Agni in diese Welt – so ist Agni in dieser Welt niedergelegt. Dieser Vers ist also auf eben diese Welt bezogen; eben diese Welt gewinnt, für wen [der Hotṛ], der so weiß, diesen Vers rezitiert.

taṃ tvā samidbhiraṅgira iti | samidbhirhyetamaṅgirasa aindhatāṅgira ityaṅgirā u hyagnirghṛtena vardhayāmasīti tatsāmidhenam padaṃ samevainaṃ tenendhe vīryamevāsmindadhāti

„taṃ tvā samidbhir aṅgiraḥ“ (dich mit den Brennhölzern, o Aṅgiras) – mit Brennhölzern haben ihn die Aṅgiras entzündet; „aṅgiraḥ“ heißt er, denn Agni ist ja selbst auch ein Aṅgiras. „ghṛtena vardhayāmasi“ (wir mehren dich mit Schmalz) – das ist das eigentliche Entzündungswort; damit entzündet man ihn recht und legt ihm dadurch Manneskraft ein.

bṛhacocā yaviṣṭyeti | bṛhadu hyeṣa ṣocati samiddho yaviṣṭyeti yaviṣṭho hyagnistasmādāha yaviṣṭhyeti saiṣitameva lokamabhyanūktāntarikṣalokameva tasmādāgneyī satyaniruktānirukto hyeṣa loka etamevaitayā lokaṃ jayati yasyaivaṃ viduṣa etāmanvāhuḥ

„bṛhac chocā yaviṣṭhya“ (hoch aufflammend, o Jüngster) – hoch flammt er auf, wenn er entzündet ist; „yaviṣṭhya“ heißt er, denn Agni ist der Jüngste, deshalb sagt er „yaviṣṭhya“. Dieser Vers ist auf eben diese [Zwischen-]Welt bezogen, die Luftraum-Welt; deshalb ist er wahrhaft und ausdrücklich auf Agni bezogen, denn diese Welt ist darin ausdrücklich genannt. Eben diese Welt gewinnt, für wen [der Hotṛ], der so weiß, diesen Vers rezitiert.

sa naḥ pṛthu śravāyyamiti | ado vai pṛthu yasmindevā etacravāyyaṃ yasmindevā acā deva vivāsasītyaca deva vivāsasyetanno gamayetyevaitadāha

„sa naḥ pṛthu śravāyyam“ (er gebe uns weiten Ruhm) – jenes droben, der Himmel, ist das Weite, worin die Götter wohnen, das ist der zu rühmende Bereich; „acā deva vivāsasi“ (dort, o Gott, suchst du zu gewinnen) bedeutet: „führe uns dorthin“ – das meint er damit. [Anm.: Textstelle unsicher/schwer deutbar, evtl. doppelte Zitation eines Mantra-Fragments – die Textfolge wiederholt das Pratīka „acā deva vivāsasi“ auffällig doppelt; möglicherweise Dittographie im Quelltext, hier als einfaches Zitat mit anschließender Deutung verstanden.]

bṛhadagne suvīryāmiti | ado vai bṛhadyasmindevā etatsuvīryaṃ yasmindevāḥ saiṣitameva lokamabhyanūktā divamevaitamevaitayā lokaṃ jayati yasyaivaṃ viduṣa etāmanvāhuḥ

„bṛhad agne suvīryam“ (hohe, gute Manneskraft, o Agni, [gib uns]) – jenes droben ist das Hohe, worin die Götter wohnen, das ist die gute Manneskraft, worin die Götter sind. Dieser Vers ist auf eben diese [Himmels-]Welt bezogen, den Himmel; eben diese Welt gewinnt, für wen [der Hotṛ], der so weiß, diesen Vers rezitiert.

so nvāha | iḍenyo namasya itīḍenyo hyeṣa namasyo hyeṣatirastamāṃsi darṣata iti tira iva hyeṣa tamāṃsi samiddho dadṛśe samagniridhyate vṛṣeti saṃ hīdhyate vṛṣā vṛṣo agniḥ samidhyata iti saṃ hīdhyate

Er rezitiert weiter: „īḍenyo namasyaḥ“ (preiswürdig, verehrungswürdig) – preiswürdig ist er, verehrungswürdig ist er; „tiras tamāṃsi darśataḥ“ (durch die Finsternisse hindurch sichtbar) – gleichsam durch die Finsternisse hindurch erscheint er, wenn er entzündet ist. „sam agnir idhyate vṛṣā“ (der bullenhafte Agni wird entzündet) – er wird wirklich entzündet; „vṛṣā vṛṣo agniḥ samidhyate“ (der männliche, der Bulle Agni wird entzündet) – er wird wirklich entzündet.

aśvo na devavāhana iti | aśvo ha vā eṣa bhūtvā devebhyo yajñaṃ vahati yadvai netyṛcyomiti tattasmādāhāśvo na devavāhana iti

„aśvo na devavāhanaḥ“ (wie ein Ross, das die Götter herführt) – als Ross wird er zum Herführer der Götter zum Opfer. Dass es aber „na“ heißt: dies entspricht [in dieser Formel] dem bekräftigenden „oṃ“ des Verses [Anm.: die Gleichsetzung des „na“ mit dem bekräftigenden „om“ ist syntaktisch schwer greifbar; hier sinngemäß gedeutet]. Deshalb sagt er „aśvo na devavāhanaḥ“.

taṃ haviṣmanta īḍata iti | haviṣmanto hyetaṃ manuṣyā īḍate tasmādāha taṃ haviṣmanta īḍata iti

„taṃ haviṣmanta īḍate“ (ihn preisen die Opfergabenbesitzenden) – die Opfergabe besitzenden Menschen preisen ihn; deshalb sagt er „taṃ haviṣmanta īḍate“.

vṛṣaṇaṃ tvā vayaṃ vṛṣanvṛṣaṇaḥ samidhīmahīti | saṃ hyenamindhate 'gne dīdyataṃ bṛhaditi dīdayeva hyeṣa bṛhatsamiddhaḥ

„vṛṣaṇaṃ tvā vayaṃ vṛṣan vṛṣaṇaḥ samidhīmahi“ (dich, den Bullen, o Bulle, entzünden wir Bullen) – sie entzünden ihn wirklich. „agne dīdyatam bṛhat“ (Agni, leuchte hoch auf) – hoch leuchtet er gleichsam, wenn er entzündet ist.

taṃ vā etam | vṛṣaṇvantaṃ tricamanvāhāgneyyo vā etāḥ sarvāḥ sāmidhenyo bhavantīndro vai yajñasya devatendro vṛṣaiteno hāsyaitāḥ sendrāḥ sāmidhenyo bhavanti tasmādvṛṣaṇvantaṃ tricamanvāha

Diesen Agni rezitiert er mit dem „vṛṣaṇvant“-Dreivers; alle diese Sāmidhenī-Verse sind auf Agni bezogen. Indra aber ist die Gottheit des Opfers, Indra ist der Bulle – dadurch werden diese Verse für ihn zugleich indra-bezogen. Deshalb rezitiert er den „vṛṣaṇvant“-Dreivers.

so 'nvāha | agniṃ dūtaṃ vṛṇīmaha iti devāśca vā asurāścobhaye prājāpatyāḥ paspṛdhire tāṃtspardhamānāṅgāyatryantarā tasthau yā vai sā gāyatryāsīdiyaṃ vai sā pṛthivīyaṃ haiva tadantarā tasthau ta ubhaya eva vidāṃ cakruryatarānvai na iyamupāvartsyati te bhaviṣyanti paretare bhaviṣyantīti tāmubhaya evopamantrayāṃ cakrire 'gnireva devānāṃ dūta āsa saharakṣā ityasurarakṣasamasurāṇāṃ sāgnimevānupreyāya tasmādanvāhāgniṃ dūtaṃ vṛṇīmaha iti sa hi devānāṃ dūta āsīddhotāraṃ viśvavedasamiti

Er rezitiert weiter: „agniṃ dūtaṃ vṛṇīmahe“ (wir erwählen Agni zum Boten) – Götter und Asuras, beide Prajāpati-Nachkommen, stritten miteinander; während sie so miteinander stritten, stand die Gāyatrī zwischen ihnen. Was jene Gāyatrī war, ist eben diese Erde; eben diese stand zwischen ihnen. Da erkannten beide Parteien: „Wem von uns diese Erde sich zuwenden wird, die werden obsiegen, die anderen unterliegen.“ Da luden beide sie zu sich ein. Agni war der Bote der Götter, der „mit den Rakṣas Verbundene“ der Bote der Asuras; die Erde ging zu Agni über. Deshalb rezitiert er „agniṃ dūtaṃ vṛṇīmahe“, denn er, Agni, war der Bote der Götter im Vers „hotāraṃ viśvavedasam“ (den Hotṛ, den Allwissenden).

tadu haike 'nvāhuḥ | hotā yo viśvavedasa iti nedaramityātmāna bravāṇīti tadu tathā na brūyānmānuṣaṃ ha te yajñe kurvanti vyṛddhaṃ vai tadyajñasya yanmānuṣaṃ nedvyṛddham yajñe karavāṇīti tasmādyathaivarcānūktamevānubrūyāddhotāraṃ viśvavedasamityevāsya yajñasya sukratumityeṣa hiyajñasyasukraturyadagnistasmādāhāsya yajñasya sukratumiti seyaṃ devānupāvavarta tato devā abhavanparāsurā bhavati ha vā ātmanā parāsya sapatnā bhavanti yasyaivaṃ viduṣa etāmanvāhuḥ

Manche rezitieren dazu den Vers „hotā yo viśvavedasaḥ“ mit der Maßgabe: „nicht ‚diesen‘ [Agni], sondern man spreche von sich selbst [dem Hotṛ]“ – so aber sollte man ihn nicht rezitieren, denn dadurch würde man ihn zu einem menschenbezogenen Vers im Opfer machen; das aber wäre ein Fehler im Opfer. „Damit ich keinen Fehler im Opfer begehe“ – deshalb soll man ihn genau so rezitieren, wie er als [Ṛg-]Vers überliefert ist: „hotāraṃ viśvavedasam … asya yajñasya sukratum“ (den Hotṛ, den Allwissenden … den Wohlwaltenden dieses Opfers); denn Agni ist der Wohlwaltende des Opfers, deshalb sagt er „asya yajñasya sukratum“. Diese Erde wandte sich den Göttern zu; daraufhin obsiegten die Götter, die Asuras unterlagen. Auch für den, der so weiß, unterliegen die eigenen Rivalen, wenn [der Hotṛ] diesen Vers rezitiert.

tāṃ vā aṣṭamīmanubrūyāt | gāyatrī vā eṣā nidānenāṣṭākṣarā vai gāyatrī tasmādaṣṭamīmanubrūyāt

Diesen Vers soll man als achten rezitieren; denn diese Gāyatrī gilt ihrem Grundmaß nach eben als dieser Vers, und die Gāyatrī hat acht Silben – deshalb soll man ihn als achten rezitieren.

taddhaike | purastāddhāyye dadhatyannaṃ dhāyye mukhata idamannādyaṃ dadhma iti vadantastadu tathā na kuryādanavakḷptātasyaiṣā bhavati yaḥ purastāddhāyye dadhāti daśamī vāhi tarhyekādaśī vā sampadyate tasyo haivaiṣāvakḷptā bhavati yasyaitāmaṣṭamīmanvāhustasmādupariṣṭādeva dhāyye dadhyāt

Dazu setzen manche ihn vor das Dhāyyā-Gebet, indem sie sagen: „Wir legen diese Speisenahrung an den Anfang, vor das Dhāyyā.“ So aber sollte man es nicht machen: Für den, der ihn vor das Dhāyyā setzt, wird die Zählung unpassend, denn dann wird er zum zehnten oder elften; passend dagegen wird sie für den, für den [der Hotṛ] diesen Vers als achten rezitiert. Deshalb soll man ihn erst nach dem Dhāyyā einfügen.

samidhyamāno adhvara iti | adhvaro vai yajñaḥ samidhyamāno yajña ityevaitadāhāgniḥ pāvaka īḍya iti pāvako hyeṣa īḍyo hyeṣa śociṣkeśastamīmaha iti śocantīva hyetasya keśāḥ samiddhasya samiddho agna āhutetyataḥ prācīnaṃ sarvamidhmamabhyādadhyādyadanyatsamidho 'pavṛṅkta iva hyetaddhotāyadvā anyatsamidha idhmasyātiricyate 'tiriktaṃ tadyadvai yajñasyātiriktaṃ dviṣantaṃ hāsya tadbhrātṛvyamabhyatiricyate tasmādataḥ prācīnaṃ sarvamidhmamabhyādadhyādyadanyatsamidhaḥ

„samidhyamāno adhvare“ (entzündet werdend beim Opfer) – „adhvara“ ist das Opfer; damit meint er „entzündet werdend beim Opfer“. „agniḥ pāvaka īḍyaḥ“ (der reine, preiswürdige Agni) – rein ist er, preiswürdig ist er. „śociṣkeśas tam īmahe“ (den flammenhaarigen bitten wir) – gleichsam flammend sind seine Haare, wenn er entzündet ist. Vom Vers „samiddho agna āhute“ (entzündet bei der Opferspende, o Agni) an soll man alles weitere Brennholz, das über das beim Vers verwendete hinausgeht, nur noch davor, weiter östlich, zulegen; [Anm.: der genaue Sinn von „apavṛṅkta iva“ ist unsicher, hier sinngemäß als „entzieht gleichsam“ gedeutet] denn das entzieht dem Hotṛ gleichsam [seinen Anteil]. Und was an Brennholz über das bei den Sāmidhenī-Versen verwendete hinausgeht, ist ritueller Überschuss; ein Überschuss beim Opfer aber fällt dem Rivalen zu, der den Opferherrn hasst. Deshalb soll man alles weitere Brennholz, das darüber hinausgeht, davor, weiter östlich, zulegen.

devānyakṣi svadhvareti | adhvaro vai yajño devānyakṣi suyajñiyetyevaitadāha tvāṃ hi havyavāḍasītyeṣa hi havyavāḍyadagnistasmādāha tvaṃ hi havyavāḍasītyā juhotā duvasyatāgnim prayatyadhvare vṛṇīdhvaṃ havyavāhanamiti sampreṣyatyevaitayājuhuta ca yajata ca yasmai kāmāya samaindhiḍhvaṃ tatkurutetyevaitadāhāgnim prayatyadhvara ityadhvaro vai yajño 'gnim prayati yajña ityevaitadāha vṛṇīdhvaṃ havyavāhanamityeṣa hi havyavāhano yadagnistasmādāha vṛṇīdhvaṃ havyavāhanamiti

„devān yakṣi svadhvare“ (verehre die Götter beim guten Opfer) – „adhvara“ ist das Opfer; damit meint er „verehre die Götter beim wohlvollzogenen Opfer“. „tvaṃ hi havyavāḍ asi“ (denn du bist der Opfergabenträger) – Agni ist dieser Opfergabenträger, deshalb sagt er so. „ā juhota duvasyata agnim prayati adhvare“ (opfert, verehret den Agni, wenn das Opfer fortschreitet) und „vṛṇīdhvaṃ havyavāhanam“ (erwählet den Opfer-Herführer) – damit erteilt er den Auftrag zu opfern: „Opfert und verehret ihn mit diesem Spruch; wozu ihr ihn entzündet habt, das führt aus“ – das meint er damit. „agnim prayati adhvare“ (wenn Agni beim Opfer fortschreitet) – „adhvara“ ist das Opfer; damit meint er „wenn Agni beim Opfer fortschreitet“. „vṛṇīdhvaṃ havyavāhanam“ – Agni ist dieser Opfer-Herführer, deshalb sagt er so.

taṃ vā etam | adhvaravantaṃ tricamanvāha devānha vai yajñena yajamānāṃtsapatnā asurā dudhūrṣāṃ cakruste dudhūrṣanta eva na śekurdhūrvituṃ te parābabhūvustasmādyajño 'dhvaro nāma dudhūrṣanha vā enaṃ sapatnaḥ parābhavati yasyaivaṃ viduṣo 'dhvaravantaṃ tricamanvāhuryāvadveva saumyenādhvareṇeṣṭvā jayati tāvajjayati

Diesen Agni rezitiert er mit dem „adhvara“-Dreivers. Die Asuras, die Rivalen, versuchten die Götter, die durch das Opfer opferten, zu schädigen; doch obwohl sie es versuchten, vermochten sie nicht zu schädigen – sie unterlagen. Deshalb heißt das Opfer „adhvara“ (unversehrbar). Auch für den, der so weiß, unterliegt der Rivale, der ihn zu schädigen versucht, wenn [der Hotṛ] den „adhvara“-Dreivers rezitiert; so weit er durch das mit Soma vollzogene Opfer siegt, so weit siegt er dann noch weiter.

etaddha vai devā agniṃ gariṣṭhe 'yuñjan | yaddhotṛtva idaṃ no havyaṃ vaheti tametadgariṣṭhe yuktvopāmadanvīryavānvai tvamasyalaṃ vai tvametasmā asīti vīrye samādadhato yathedamaṣyetarhi jñātīnāṃ yaṃ gariṣṭhe yuñjanti tamupamadanti vīryavānvai tvamasyalaṃ vai tvametasmā asīti vīrye samādadhataḥ sa yadamevāsmindadhāti

Diese Aufgabe eben haben die Götter dem Agni im schwersten Amt übertragen: „Als Hotṛ sollst du uns diese Opfergabe fahren.“ Indem sie ihn so ins schwerste Amt einsetzten, ermunterten sie ihn: „Kraftvoll bist du, wohl gewachsen bist du diesem Amt“ – damit verleihen sie ihm Kraft. So ist es auch jetzt bei den Sippenangehörigen: Wen sie ins schwerste Amt einsetzen, den ermuntern sie ebenso: „Kraftvoll bist du, wohl gewachsen bist du diesem Amt“ – damit verleihen sie ihm Kraft. [Anm.: der Bezug der Pronomina im Schlusssatz – ob auf den Hotṛ, den Opferherrn oder Agni – ist nicht ganz eindeutig; sinngemäß übersetzt.] Indem der Hotṛ eben dies in ihn hineinlegt, handelt er dementsprechend.

agne mahāṃ asi brāhmaṇa bhārateti | brahma hyagnistasmādāha brāhmaṇeti bhāratetyeṣa hi devebhyo havyaṃ bharati tasmādbharato 'gnirityāhureṣa u vā imāḥ prajāḥ prāṇo bhūtvā bibharti tasmādvevāha bhārateti

„agne mahāṃ asi brāhmaṇa bhārata“ (Agni, du bist groß, o Priester, o Bhārata) – Agni ist das Brahman (die heilige Macht), deshalb sagt er „brāhmaṇa“. „Bhārata“ heißt er, weil er den Göttern die Opfergabe bringt, trägt; deshalb sagt man: „Agni ist der Träger (Bharata)“ – trägt er doch auch diese Geschöpfe, indem er zum Atem (prāṇa) wird; deshalb sagt er auch „bhārata“.

athārṣeyam pravaṇīte | ṛṣibhyaścaivainametaddevebhyaśca nivedayatyayam mahāvīryo yo yajñam prāpaditi tasmādārṣeyam pravṛṇīte

Dann kündigt er die Ṛṣi-Abstammung (ārṣeya) an: Damit teilt er sowohl den Ṛṣis als auch den Göttern mit: „Dies ist der große, kraftvolle [Agni], der zum Opfer gelangt ist“ – deshalb kündigt er die Ṛṣi-Abstammung an.

parastādarvākpravṛṇīte | parastāddhyarvācyaḥ prajāḥ prajāyante jyāyasaspataya u caivaitaṃ nihnuta idaṃ hi pitaivāgre 'tha putro 'tha pautrastasmātparastādarvākpravṛṇīte

Er wählt die Ahnenreihe von weiter oben nach unten, das heißt in absteigender Folge: Von oben nach unten entstehen die Geschöpfe, die Nachkommen; und damit wehrt er zugleich [eine Verkehrung des Vorrangs] gegenüber dem älteren Herrn ab [Anm.: der Satzteil ist syntaktisch schwer zu fassen, wörtlich „und damit verbirgt/verleugnet er dies dem älteren Herrn gegenüber“ – hier als Abwehr einer Rangverkehrung gedeutet], denn zuerst ist ja der Vater, dann der Sohn, dann der Enkel. Deshalb wählt er die Reihe von oben nach unten aus.

sa ārṣeyamuktvāha | deveddho manviddha iti devā hyetamagra aindhata tasmādāha deveddha iti manviddha iti manurhyetamagra ainddha tasmādāha manviddha iti

Nachdem er die Ṛṣi-Abstammung genannt hat, spricht er: „von den Göttern entzündet, von Manu entzündet“ – die Götter haben ihn am Anfang entzündet, deshalb sagt er „von den Göttern entzündet“; Manu hat ihn am Anfang entzündet, deshalb sagt er „von Manu entzündet“.

ṛṣiṣṭuta iti | ṛṣayo hyetamagre stuvaṃstasmādāharṣiṣṭuta iti

„von den Ṛṣis gepriesen“ – die Ṛṣis haben ihn am Anfang gepriesen, deshalb sagt er „von den Ṛṣis gepriesen“.

viprānumadita iti | ete vai viprā yadṛṣaya ete hyetamanvamadaṃstasmādāha viprānumadita iti

„von den Weisen (vipra) bejubelt“ – eben diese Ṛṣis sind die Weisen; sie haben ihn bejubelt, deshalb sagt er „von den Weisen bejubelt“.

kaviśasta iti | ete vai kavayo yadṛṣaya ete hyetamaśaṃsaṃstasmādāha kaviśasta iti

„von den Sehern (kavi) gepriesen“ – eben diese Ṛṣis sind die Seher; sie haben ihn gepriesen, deshalb sagt er „von den Sehern gepriesen“.

brahmasaṃśita iti brahmasaṃśito hyeṣa ghṛtāhavana iti ghṛtāhavano hyeṣaḥ

„durch das Brahman (die heilige Macht) geschärft“ – geschärft durch das Brahman ist er. „mit Schmalz begossen“ – mit Schmalz begossen ist er.

praṇīryajñānāṃ rathīradhvarāṇāmiti | etena vai sarvānyajñānpraṇayanti ye ca pākayajñā ye cetare tasmādāha praṇīryajñānāmiti

„der Leiter der Opfer, der Wagenlenker der Opferhandlungen“ – mit diesem Agni leiten sie alle Opfer, sowohl die einfachen Speiseopfer (pākayajña) als auch die anderen; deshalb sagt er „der Leiter der Opfer“.

rathīradhvarāṇāmiti | ratho ha vā eṣa bhūtvā devebhyo yajñaṃ vahati tasmādāha rathīradhvarāṇāmiti

„der Wagenlenker der Opferhandlungen“ – als Wagen wird er zum Herführer des Opfers zu den Göttern; deshalb sagt er „der Wagenlenker der Opferhandlungen“.

atūrto hotā tūrṇirhavyavāḍiti | na hyetaṃ rakṣāṃsi taranti tasmādāhātūrto hoteti tūrṇirhavyavāḍiti sarvaṃ hyeṣa pāpmānaṃ tarati tasmādāha tūrṇirhavyavāḍiti

„der unüberholte Hotṛ, der eilige Opfergabenträger“ – ihn überwinden die Rakṣas nicht, deshalb sagt er „der unüberholte Hotṛ“; er überwindet alles Böse, deshalb sagt er „der eilige Opfergabenträger“.

āspātraṃ juhūrdevānāmiti | devapātraṃ vā eṣa yadagnistasmādagnau sarvebhyo devebhyo juhvati devapātraṃ hyeṣa prāpnoti ha vai tasya pātraṃ yasya pātram prepsyati ya evametadveda

„das Gefäß, die Opferkelle der Götter“ – Agni ist das Göttergefäß; deshalb opfert man im Agni allen Göttern, denn er ist ja das Göttergefäß. Wer so weiß, der erlangt fürwahr das Gefäß, dessen Erlangung er wünscht.

camaso devapāna iti | camasena ha vā etena bhūtena devā bhakṣayanti tasmādāha camaso devapāna iti

„der Camasa (die Trinkschale), der Göttertrank“ – mit diesem zum Camasa gewordenen Agni trinken die Götter; deshalb sagt er „der Camasa, der Göttertrank“.

arāṃ ivāgne nemirdevāṃstvaṃ paribhūrasīti | yathārānnemiḥ sarvataḥ paribhūrevaṃ tvaṃ devāṃtsarvataḥ paribhūrasītyevaitadāha

„wie die Radfelge die Speichen, so umgreifst du, Agni, die Götter ringsum“ – wie die Felge die Speichen ringsum umgreift, so umgreifst du die Götter ringsum – das meint er damit.

āvaha devānyajamānāyeti | tadasmai yajñāya devānāvoḍhavā āhāgnimagna āvaheti tadāgneyāyājyabhāgāyāgnimāvoḍhvā āha somamāvaheti tatsaumyāyājyabhāgāya somamāvoḍhavā āhāgnimāvaheti tadya eṣa ubhayatrācyuta āgneyaḥ puroḍāśo bhavati tasmā agnimāvoḍhavā āha

„āvaha devān yajamānāya“ (führe die Götter herbei, für den Opferherrn) – damit sagt er, dass für dieses Opfer die Götter herbeigeführt werden sollen. „āvaha agnim“ (führe Agni her) – damit sagt er, dass Agni für den ihm zugehörigen Ājya-Anteil herbeigeführt werden soll. „āvaha somam“ (führe Soma her) – damit sagt er, dass Soma für den ihm zugehörigen Ājya-Anteil herbeigeführt werden soll. Weil nun eben dieser Opferkuchen an beiden Stellen unverrückt der dem Agni gehörige ist, sagt er, dass Agni herbeigeführt werden soll.

atha yathādevatam | devāṃ ājyapāṃ āvaheti tatprayājānuyājānāvoḍhavā āha prayājānuyājā vai devā ājyapā agniṃ hotrāyāvaheti tadagniṃ hotrāyāvoḍhavā āha svaṃ mahimānamāvaheti tatsvam mahimānamāvoḍhavā āha vāgvā asya svo mahimā tadvācamāvoḍhavā āhā ca vaha jātavedaḥ suyajā ca yajeti tadyā evaitaddevatā āvoḍhavā āha tā evaitadāhā cainā vahānuṣṭhyā ca yajeti yadāha suyajā ca yajeti

Dann, entsprechend den jeweiligen Gottheiten: „āvaha devān ājyapān“ (führe die Ājya-trinkenden Götter her) – damit sagt er, dass die Prayāja- und Anuyāja-Opfer, deren Götter die Ājya-Trinker sind, herbeigeführt werden sollen. „āvaha agnim hotrāya“ (führe Agni für das Hotṛ-Amt her) – damit sagt er, dass Agni für das Hotṛ-Amt herbeigeführt werden soll. „āvaha svam mahimānam“ (führe deine eigene Größe her) – damit sagt er, dass seine eigene Größe herbeigeführt werden soll; die Stimme (vāc) ist ja seine eigene Größe – damit sagt er, dass die Stimme herbeigeführt werden soll. „ā ca vaha jātavedaḥ suyajā ca yaja“ (führe her, o Jātavedas, und opfere gut) – damit sagt er, dass eben diese genannten Gottheiten herbeigeführt werden sollen; „führe sie her und opfere ihnen ordnungsgemäß“ – das meint er, wenn er „suyajā ca yaja“ sagt.

sa vai tiṣṭhannanvāha | anvāha hyetadasau hyanuvākyā tadasāvevaitadbhūtvānvāha tasmāttiṣṭhannanvāha

Er rezitiert diesen Vers, die Anuvākyā, im Stehen: Er rezitiert sie im Anschluss an das Vorangehende – jenes droben, der Himmel, ist die Anuvākyā; damit wird er zu jenem Himmel und rezitiert so. Deshalb rezitiert er im Stehen.

āsīno yājyāṃ yajati | iyaṃ hi yājyā tasmanna kaścana tiṣṭhanyājyāṃ yajatīyaṃ hi yājyā tadiyamevaitadbhūtvā yajati tasmādāsīnā yājyāṃ yajati

Im Sitzen opfert er den Yājyā-Spruch: Diese Erde ist die Yājyā; deshalb opfert niemand die Yājyā im Stehen – diese Erde ist ja die Yājyā; damit wird er zu dieser Erde und opfert so. Deshalb opfert er die Yājyā im Sitzen.

yo ha vā agniḥ sāmidhenībhiḥ samiddhaḥ | atitarāṃ ha vai sa itarasmādagnestapatyanavadhṛṣyo hi bhavatyanavamṛśyaḥ

Der Agni, der durch die Sāmidhenī-Verse entzündet ist, glüht stärker als ein anderes, nicht so entzündetes Feuer; denn er wird unangreifbar, unantastbar.

sa yathā haivāgniḥ | sāmidhenībhiḥ samiddhastapatyevaṃ haiva brāhmaṇaḥ sāmidhenīrvidvānanubruvaṃstapatyanavadhṛṣyo hi bhavatyanavamṛśyaḥ

So wie eben der durch die Sāmidhenī-Verse entzündete Agni glüht, ebenso glüht auch der Brahmane (Priester), der die Sāmidhenī-Verse kennend mitrezitiert; denn er wird unangreifbar, unantastbar.

so 'nvāha | prava iti prāṇo vai pravānprāṇamevaitayā saminddhe 'gna āyāhi vītaya ityapāno vā etavānapānamevaita saminddhe bṛhacocā yaviṣṭhyetyudāno vai bṛhacocā udānamevaitayā saminddhe

Er rezitiert: „pra vaḥ“ – „pra“ ist der Prāṇa-Atem; mit diesem Vers entzündet er den Prāṇa. „agna āyāhi vītaye“ – das ist der Apāna-Atem; mit diesem entzündet er den Apāna. „bṛhac chocā yaviṣṭhya“ – „bṛhac chocā“ ist der Udāna-Atem; mit diesem Vers entzündet er den Udāna.

sa naḥ pṛthu śravāyyamiti | śrotraṃ vai pṛthu śravāyyaṃ śrotreṇa hīdamuru pṛthu śṛṇoti śrotramevaitayā saminddhe

„sa naḥ pṛthu śravāyyam“ – das Gehör (śrotra) ist das Weite, Rühmenswerte, denn mit dem Gehör hört man dies Weite, Breite; mit diesem Vers entzündet er das Gehör.

īḍenyo namasya iti | vāgvā īḍenyā vāgghīdaṃ sarvamīṭṭe vācedaṃ sarvamīḍitaṃ vācamevaitayā saminddhe

„īḍenyo namasyaḥ“ – die Stimme (vāc) ist das Preiswürdige, denn die Stimme preist all dies, durch die Stimme wird all dies gepriesen; mit diesem Vers entzündet er die Stimme.

aśvo na devavāhana iti | mano vai devavāhanam mano hīdam manasvinaṃ bhūyiṣṭhaṃ vanīvāhyate mana evaitayā saminddhe

„aśvo na devavāhanaḥ“ – der Geist (manas) ist der Götterherführer, denn durch den Geist wird dies All, das zumeist geistgeleitet ist, gleichsam herangefahren; mit diesem Vers entzündet er den Geist.

agne dīdyatam bṛhaditi | cakṣurvai dīdayeva cakṣurevaitayā saminddhe

„agne dīdyatam bṛhat“ – das Auge (cakṣus) ist das, was gleichsam leuchtet; mit diesem Vers entzündet er das Auge.

agniṃ dūtaṃ vṛṇīmaha iti | ya evāyam madhyamaḥ prāṇaetamevaitayā samindhe sā haiṣāntasthā prāṇānāmato hyanya ūrdhvāḥprāṇā ato 'nye 'vāñco 'ntasthā ha bhavatyantastāmenam manyante ya evametāmantasthām prāṇānāṃ veda

„agniṃ dūtaṃ vṛṇīmahe“ – eben den mittleren Atem (madhyama prāṇa) entzündet er mit diesem Vers. Dieser Vers ist der zwischen den Atemwinden Befindliche (antasthā): Denn manche Atemwinde gehen von hier aufwärts, manche andere abwärts; dieser wird dabei zum Zwischenständigen. Als „inmitten befindlich“ betrachten diesen Atem diejenigen, die diesen Vers als den zwischen den Atemwinden Befindlichen kennen.

śociṣkeśastamīmaha iti | śiśnaṃ vai śociṣkeśaṃ śiśnaṃ hīdaṃ śiśnam bhūyiṣṭhaṃ śocayati śiśnamevaitayāsaminddhe

„śociṣkeśas tam īmahe“ – das Zeugungsglied (śiśna) ist das Flammenhaarige, denn durch das Zeugungsglied wird dies All, das zumeist geschlechtlich bestimmt ist, entflammt; mit diesem Vers entzündet er das Zeugungsglied.

samiddho agna āhuteti | ya evāyamavāṅprāṇa etamevaitayā saminddha ā juhotā duvasyateti sarvamātmānaṃ saminddha ā nakhebhyo 'tho lomabhyaḥ

„samiddho agna āhute“ – eben diesen abwärtsgerichteten Atem (avāṅ prāṇa) entzündet er mit diesem Vers. „ā juhota duvasyata“ – damit entzündet er das ganze Selbst (ātman), bis hin zu den Nägeln und den Haaren.

sa yadyenam prathamāyāṃ sāmidhenyāmanuvyāharet | tam prati brūyātprāṇaṃ vā etadātmano 'gnāvādhāḥ prāṇenātmana ārttimāriṣyasīti tathā haiva syāt

Verspricht er sich beim ersten Sāmidhenī-Vers, so soll man zu ihm sprechen: „Den Prāṇa deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch den Prāṇa wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen“ – so wird es dann eben eintreffen.

yadi dvitīyasyāmanuvyāharet | tam prati brūyādapānaṃ vā etadātmano 'gnāvādhā apānenātmana ārttimāriṣyasīti tathā haiva syāt

Verspricht er sich beim zweiten Vers, so soll man zu ihm sprechen: „Den Apāna deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch den Apāna wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen“ – so wird es dann eben eintreffen.

yadi tṛtīyasyāmanuvyāharet | tam prati brūyādudānaṃ vā ... udānenā ... syāt

Verspricht er sich beim dritten Vers, so soll man zu ihm sprechen: „Den Udāna deines Selbst hast du in das Feuer gelegt […] durch den Udāna […] [wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen]“ – so wird es dann [eben eintreffen]. [Anm.: die Ausgabe elidiert hier die wiederholte Formel]

yadi caturthyāmanuvyāharet | tam pratibrūyācrotraṃ vā etadātmano 'gnāvādhāḥ śrotreṇātmana ārttimāriṣyasi badhiro bhaviṣyasīti tathā haiva syāt

Verspricht er sich beim vierten Vers, so soll man zu ihm sprechen: „Das Gehör deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch das Gehör wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen, du wirst taub werden“ – so wird es dann eben eintreffen.

yadi pañcamyāmanuvyāharet | tam prati brūyādvācaṃ vā etadātmano 'gnāvādhā vācātmana ārttimāriṣyasi mūko bhavi ... syāt

Verspricht er sich beim fünften Vers, so soll man zu ihm sprechen: „Die Stimme deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch die Stimme wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen, du wirst stumm werden […]“ – so wird es dann [eben eintreffen].

yadi ṣaṣṭhyāmanuvyāharet | tam prati brūyānmano vā etadātmano 'gnāvādhā manasātmana ārttimāriṣyasi manomuṣigṛhīto momughaścariṣyasīti tathā haiva syāt

Verspricht er sich beim sechsten Vers, so soll man zu ihm sprechen: „Den Geist deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch den Geist wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen, von einem Geist-Räuber ergriffen wirst du geistlos, verwirrt, umherwandeln“ – so wird es dann eben eintreffen.

yadi saptamyāṃ ... yāccakṣurvā etadātmano 'gnāvādhāścakṣuṣātmana ārttimāriṣyasyandho bhavi ... syāt

Verspricht er sich beim siebten Vers, [so soll man zu ihm sprechen]: „Das Auge deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch das Auge wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen, du wirst blind werden […]“ – so wird es dann [eben eintreffen].

yadyaṣṭamyām ... yānmadhyaṃ vā etatprāṇamātmano 'gnāvādhā madhyena prāṇenātmana ārttimāriṣyasyuddhmāya mariṣyasīti tathā haiva syāt

Verspricht er sich beim achten Vers, [so soll man zu ihm sprechen]: „Diesen mittleren Atem deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch den mittleren Atem wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen, aufgebläht wirst du sterben“ – so wird es dann eben eintreffen.

yadi navamyāṃ ... yācśiśnaṃ vā etadātmano 'gnāvādhāḥ śiśnenātmana ārttimāriṣyasi klībo bhavi ... syāt

Verspricht er sich beim neunten Vers, [so soll man zu ihm sprechen]: „Das Zeugungsglied deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch das Zeugungsglied wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen, du wirst zeugungsunfähig werden […]“ – so wird es dann [eben eintreffen].

yadi daśamyāmanu ... yādavāñcaṃ vā etatprāṇamātmano 'gnāvādhā avācā prāṇenātmana ārttimāriṣyasyapinaddho mariṣyasīti tathā haiva syāt

Verspricht er sich beim zehnten Vers, so soll man zu ihm sprechen: „Diesen abwärtsgerichteten Atem deines Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch den abwärtsgerichteten Atem wirst du an deinem Selbst Schaden nehmen, verschlossen, verstopft, wirst du sterben“ – so wird es dann eben eintreffen.

yadyekādaśyāma ... | yātsarvaṃ vā etadātmānamagnāvādhāḥ sarveṇātmanārttirmāriṣyasi kṣipre 'muṃ lokameṣyasīti tathā haiva syāt

Verspricht er sich beim elften Vers, [so soll man zu ihm sprechen]: „Dieses ganze Selbst hast du in das Feuer gelegt; durch das ganze Selbst wird dir Schaden widerfahren – du wirst sterben, rasch wirst du in jene andere Welt gehen“ – so wird es dann eben eintreffen.

sa yathā haivāgnim | sāmidhenībiḥ samiddhamāpadyārttiṃ nyetyevaṃ haiva brāhmaṇaṃ sāmidhenīrvidvāṃsaṃ samanubruvantamanuvyāhṛtyārttiṃ nyeti

So wie man, tritt man an den durch die Sāmidhenī-Verse entzündeten Agni heran, Schaden nimmt, ebenso gerät, wer sich beim Mitrezitieren gegenüber dem die Sāmidhenī-Verse kennenden Brahmanen verspricht, in Schaden.

taṃ vā etamagniṃ samaindhiṣata | samiddhe devebhyo juhavāmeti tasminnete eva prathame āhutī juhotī manase caiva vāce ca manaśca haiva vākca yujau devebhyo yajñaṃ vahataḥ

Diesen Agni haben sie entzündet, in der Absicht: „Ist er entzündet, wollen wir den Göttern opfern.“ In ihn hinein macht der Adhvaryu die beiden ersten Opferspenden, dem Geist (manas) sowohl als auch der Stimme (vāc); denn Geist und Stimme sind ein verbundenes Paar, das den Göttern das Opfer zuträgt.

sa yadupāṃśu kriyate | tanmano devebhyo yajñaṃ vahatyatha yadvācā niruktaṃ kriyate tadvāgdevebhyo yajñaṃ vahatyetadvā idaṃ dvayaṃ kriyate tadete evaitatsaṃtarpayati tṛpte prīte devebhyo yajñaṃ vahāta iti

Was leise, unhörbar, geschieht, dadurch trägt der Geist den Göttern das Opfer zu; was aber mit der Stimme, ausdrücklich, geschieht, dadurch trägt die Stimme den Göttern das Opfer zu. Dieses Doppelte wird hier vollzogen; damit sättigt er beide, [in der Absicht]: „Gesättigt, zufrieden mögen sie den Göttern das Opfer zutragen.“

sruveṇa tamāghārayati | yaṃ manasa āghārayati vṛṣā hi mano vṛṣā hi sruvaḥ

Mit dem Sruva (kleinen Opferlöffel) begießt er den Teil, den er für den Geist begießt: Männlich, kraftvoll, ist der Geist, männlich ist auch der Sruva.

srucā tamāghārayati | yaṃ vāca āghārayati yoṣā hi vāgyoṣā hi sruk

Mit der Sruc (großen Opferkelle) begießt er den Teil, den er für die Stimme begießt: Weiblich ist die Stimme, weiblich ist auch die Sruc.

tūṣṇīṃ tamāghārayati | yaṃ manasa āghārayati na svāheti canāniruktaṃ hi mano 'niruktaṃ hyetadyattūṣṇīm

Schweigend begießt er den Teil, den er für den Geist begießt, ohne auch nur „svāhā“ zu sprechen: Unausgesprochen ist der Geist; unausgesprochen ist eben das, was schweigend geschieht.

mantreṇa tamāghārayati | yaṃ vāca āghārayati niruktā hi vāṅnirukto hi mantraḥ

Mit einem Spruch begießt er den Teil, den er für die Stimme begießt: Ausgesprochen ist die Stimme, ausgesprochen ist auch der Spruch.

āsīnastamāghārayati | yam manasa āghārayati tiṣṭhṃstaṃ yaṃ vāce manaśca ha vai vākca yujau devebhyo yajñaṃ vahato yataro vai yujorhrasīyānbhavatyupavahaṃ vai tasmai kurvanti vāgvai manaso hrasīyasyaparimitataramiva hi manaḥ parimitatareva hi vāktadvāca evaitadupavahaṃ karoti te sayujau devebhyo yajñaṃ vahatastasmāttiṣṭhanvāca āghārayati

Sitzend begießt er den Teil, den er für den Geist begießt, stehend den, den er für die Stimme begießt: Geist und Stimme nämlich sind das verbundene Paar, das den Göttern das Opfer zuträgt. Welcher von beiden im Paar der geringere ist, dem verschafft man einen Vorteil; die Stimme ist geringer als der Geist, denn gleichsam unbegrenzter ist der Geist, gleichsam begrenzter die Stimme; dadurch verschafft er der Stimme jenen Vorteil. So tragen beide gemeinsam den Göttern das Opfer zu. Deshalb begießt er stehend den Teil, der für die Stimme bestimmt ist.

devā ha vai yajñaṃ tanvānāḥ | te 'surarakṣasebhya āsaṅgādbibhayāṃ cakrusta etaddakṣiṇataḥ pratyudaśrayannucritamiva hi vīryaṃ tasmāddakṣiṇatastiṣṭhannāghārayati sa yadubhayata āghārayati tasmādidam manaśca vākca samānameva sannāneva śiro ha vai yajñasyaitayoranyatara āghārayormūlamanyataraḥ

Als die Götter das Opfer webten, vollzogen, fürchteten sie sich vor dem Angriff der Asuras und Rakṣas; da lehnten sie es nach Süden hin an, denn dort ist gleichsam die Manneskraft hochgehoben. Deshalb begießt er stehend auf der Südseite. Dass er es aber auf beiden Seiten begießt: Deshalb sind Geist und Stimme, obgleich einander gleich, doch zugleich ungleich. Kopf des Opfers ist die eine der beiden Begießungen, Wurzel die andere.

sruveṇa tamāghārayati | yo mūlaṃ yajñasya srucā tamāghārayati yaḥ śiro yajñasya

Mit dem Sruva begießt er den Teil, der die Wurzel des Opfers ist; mit der Sruc begießt er den, der der Kopf des Opfers ist.

tūṣṇīṃ tamāghārayati | yo mūlam yajñasya tūṣṇīmiva hīdaṃmūlaṃ no hyatra vāgvadati

Schweigend begießt er den Teil, der die Wurzel des Opfers ist: Schweigend gleichsam ist diese Wurzel, denn dort spricht die Stimme nicht.

mantreṇa tamāghārayati | yaḥ śiro yajñasya vāgghi mantraḥ śīrṣṇo hīyamadhi vāgvadati

Mit einem Spruch begießt er den Teil, der der Kopf des Opfers ist: Spruch ist Stimme, denn über den Kopf hin spricht diese Stimme.

āsīnastamāghārayati | yo mūlaṃ yajñasya niṣaṇamiva hīdam mūlaṃ tiṣṭhaṃstamāghārayati yaḥ śiro yajñasya tiṣṭhatīva hīdaṃ śiraḥ

Sitzend begießt er den Teil, der die Wurzel des Opfers ist: Gleichsam ruhend ist diese Wurzel. Stehend begießt er den, der der Kopf des Opfers ist: Gleichsam aufrecht stehend ist dieser Kopf.

sa sruveṇa pūrvamāghāramāghāryāha | agnimagnītsammṛḍhīti yathā dhuramadhyūhedevaṃ tadyatpūrvamāghāramāghāray3atyadhyuhya hi dhuraṃ yuñjanti

Nachdem er mit dem Sruva die erste Begießung vorgenommen hat, spricht er: „Agni, füge Agni gnädig zusammen“ [Anm.: die genaue Bedeutung von „sammṛḍhi“, etwa „sei gnädig vereint“, von der Wurzel mṛḍ, ist nicht ganz sicher] – wie man ein Joch an der Deichsel anlegt, ehe man anspannt, so tut er es, indem er die erste Begießung vollzieht; denn man legt das Joch erst an und spannt dann an.

atha sammārṣṭi | yunaktyevainametadyukto devebhyo yajñaṃ vahāditi tasmātsammārṣṭi parikrāmaṃ sammārṣṭi parikrāmaṃ hi yogyaṃ yuñjanti tristriḥ sammārṣṭi trivṛddhi yajñaḥ

Dann wischt er den Opferlöffel ringsum ab: Damit spannt er Agni an, in der Absicht: „Angespannt möge er den Göttern das Opfer zutragen.“ Deshalb wischt er ihn im Herumgehen ab: Im Herumgehen nämlich spannt man das Zugtier an. Dreimal wischt er ab: Dreifach ist das Anwachsen des Opfers.

sa sammārṣṭi | agne vājajidvājaṃ tvā sariṣyantaṃ tvā vājajitaṃ sammārjmīti yajñaṃ tvā vakṣyantaṃ yajñiyaṃ sammārjmītyevaitadāhāthopariṣṭāttūṣṇīṃ tristadyathā yuktvā prājetprehi vahetyevamevaitatkaśayopakṣipati prehi devebhyo yajñaṃ vaheti tasmādupariṣṭāttūṣṇīṃ tristadyadetadantareṇa karma kriyate tasmādidam manaśca vākca samānameva sannāneva

Er wischt ab mit den Worten: „Agni, Preisgewinner, dich, den Preis-Erringenden, den preisgewinnenden, wische ich ab“ – „das Opfer, das du fahren wirst, das opferwürdige, wische ich ab“ – das meint er damit. Dann wischt er darüber hinaus dreimal schweigend: So wie man, nachdem man angespannt hat, antreibt: „Fahr los, zieh!“, so versetzt er hier gleichsam einen Peitschenhieb, in der Absicht: „Zieh los, trage den Göttern das Opfer zu.“ Deshalb [wischt er] darüber hinaus dreimal schweigend, denn dies ist eine Handlung, die dazwischen, ohne Sprucheinlage, vollzogen wird. Deshalb sind Geist und Stimme, obgleich einander gleich, doch zugleich ungleich.

sa srucottaramāghāramāghārayiṣyan | pūrveṇa srucāvañjaliṃ nidadhāti namo devebhyaḥ svadhā pitṛbhya iti taddevebhyaścaivaitatpitṛbhyaścārtvijyaṃ kariṣyannihnute suyame me bhūyāstamiti srucāvādatte subhare me bhuyāstam bhartuṃ vāṃ śakeyamityevaitadāhāskannamadya devebhya ājyaṃ sambhriyāsamityavikṣubdhamadya devebhyo yajñaṃ tanavā ityevaitadāha

Bevor er mit der Sruc die zweite, obere Begießung vollzieht, legt er vor der Sruc die zusammengelegten Hände (añjali) nieder, mit den Worten: „Verehrung den Göttern, Labung (svadhā) den Vätern“ – damit wehrt er, indem er das priesterliche Amt sowohl für die Götter als auch für die Väter ausübt, eine mögliche Verfehlung ab. „Gut lenkbar möget ihr beide mir sein“, spricht er, während er die beiden Opferlöffel ergreift; „gut tragfähig möget ihr beide mir sein, damit ich euch beide zu tragen vermöge“ – das meint er damit. „Damit ich heute den Göttern das nicht verschüttete Schmalz zusammentragen möge“ – „damit ich heute den Göttern das Opfer ungestört vollziehen möge“ – das meint er damit.

aṅghraṇā viṣṇo mā tvāvakramiṣamiti | yajño vai viṣṇustasmā evaitannihnute mā tvāvakramiṣamiti vasumatīmagne te cāyāmupastheṣamiti sādhvīmagne te cāyāmupastheṣamityevaitadāha

„Mit dem Fuß, o Viṣṇu, möge ich dich nicht antreten“ – das Opfer ist Viṣṇu; damit wehrt er eben diesem Opfer gegenüber [ein mögliches Vergehen] ab, mit den Worten: „Damit ich dich nicht mit dem Fuße antrete.“ „Auf deinen gutgütervollen Schatten, o Agni, möge ich mich setzen“ – „damit ich mich auf deinen guten Schatten setze, o Agni“ – das meint er damit.

viṣṇo sthānamasīti | yajño vai viṣṇustasyeva hyetadantika tiṣṭhati tasmādāha viṣṇo sthānamasītīta indro vīryamakṛṇodityato hīndrastiṣṭhandakṣiṇato nāṣṭrā rakṣāṃsyapāhaṃstasmādāheta indro vīryamakṛṇodityūrdhvo 'dhvara āsthādityadhvaro vai yajña ūrdhvo yajña āsthādityevaitadāha

„Viṣṇu, du bist der Standort“ – das Opfer ist Viṣṇu, denn dicht neben diesem steht der Adhvaryu; deshalb sagt er „Viṣṇu, du bist der Standort“. „Von hier aus vollbrachte Indra seine Heldentat“ – von hier aus hat Indra, auf der Südseite stehend, mit der Peitsche die Rakṣas vertrieben; deshalb sagt er so. „Aufrecht stand das Opfer da“ – „adhvara“ ist das Opfer; „das Opfer stand aufrecht da“ – das meint er damit.

agne verhotraṃ verdūtyamiti | ubhayaṃ vā etadagnirdevānāṃ hotā ca dūtaśca tadubhayaṃ viddhi yaddevānāmasītyevaitadāhāvatāṃ tvāṃ dyāvāpṛthivī ava tvaṃ dyāvāpṛthivī iti nātra tirohitamivāsti sviṣṭakṛddevebhya indra ājyena haviṣābhūtsvāhetīndro vai yajñasya devatā tasmādāhendra ājyeneti vāce vā etamāghāramāghārayatīndro vāgityu vā āhustasmādvevāhendra ājyeneti

„Agni, erwähle das Hotṛ-Amt, erwähle das Botenamt“ – beides ist Agni zugleich: der Hotṛ der Götter und ihr Bote; „damit wisse dieses beide, was den Göttern zukommt“ – das meint er damit. „Himmel und Erde mögen dich schützen“ – hierin ist nichts Verborgenes. „Wohlgeopfert sei für die Götter Indra mit dem Schmalz-Opfer, svāhā!“ – Indra ist die Gottheit des Opfers, deshalb sagt er „Indra mit dem Schmalz“; er begießt diese Begießung für die Stimme – Indra, so sagen manche, ist ja die Stimme; deshalb sagt er auch „Indra mit dem Schmalz“.

athāsaṃsparśayantsrucau paryetya | dhruvayā samanakti śiro vai yajñasyottara āghāra ātmā vai dhruvā tadātmanyevaitaciraḥ pratidadhāti śiro vai yajñasyottara āghāraḥ śrīrvai śiraḥ śrīrhi vai śirastasmādyo 'rdhasya śreṣṭho bhavatyasāvamuṣyārdhasya śira ityāhuḥ

Dann, ohne die beiden Opferlöffel miteinander in Berührung zu bringen, umgeht er sie und vereinigt die obere Begießung mit der Dhruvā, dem beständigen Opferlöffel: Die obere Begießung ist der Kopf des Opfers, die Dhruvā aber das Selbst (ātman); damit legt er diesen Kopf in das Selbst zurück. Die obere Begießung ist der Kopf des Opfers; Glanz (śrī) ist der Kopf, denn der Kopf ist Glanz. Deshalb sagt man von dem, der der Vorzüglichste einer Hälfte [einer Versammlung] ist: „Dieser ist der Kopf jener Hälfte.“

yajamāna eva dhruvāmanu | yo 'smā arātīyati sa upabhṛtamanu sa yaddhopabhṛtā samaṇjyādyo yajamānāyārātīyati tasmiṃcriyaṃ dadhyāttadyajamāna evaitacriyaṃ dadhāti tasmāddhruvayā samanakti

Der Opferherr selbst entspricht der Dhruvā; wer ihm feindlich gesinnt ist, entspricht dem Upabhṛt, dem zweiten Opferlöffel. Würde er die Begießung mit dem Upabhṛt vereinigen, so würde er dem, der dem Opferherrn feindlich gesinnt ist, Glanz verleihen; so aber verleiht er eben dem Opferherrn selbst diesen Glanz. Deshalb vereinigt er die Begießung mit der Dhruvā.

sa samanakti | saṃ jyotiṣā jyotiriti jyotirvā itarasyāmājyam bhavati jyotiritarasyāṃ te hyetadubhe jyotiṣī saṃgacete tasmādevaṃ samanakti

Er vereinigt sie mit den Worten: „Licht mit Licht“ – Licht ist das Schmalz in der einen Kelle, Licht ist es in der anderen; diese beiden Lichter kommen dabei zusammen. Deshalb vereinigt er sie mit diesen Worten.

athāto manasaścaiva vācaśca | ahambhadra uditam manaśca ha vai vākcāhambhadra ūdāte

Nun aber folgt die Erzählung von Geist und Stimme: „Ich bin die Bessere“ – so haben Geist und Stimme gesprochen, jeweils: „Ich bin die Bessere.“

taddha mana uvāca | ahameva tvacreyo 'smi na vai mayā tvaṃ kiṃ canānabhigataṃ vadasi sā yanmama tvaṃ kṛtānukarānuvartmāsyahameva tvacreyo 'smīti

Da sprach der Geist: „Ich bin dir überlegen; denn ohne mich sprichst du nichts, was nicht zuvor von mir erfasst wurde; du bist die, die meinem Getanen nachfolgt, meine Nachahmerin – ich bin dir überlegen.“

atha ha vāguvāca | ahameva tvacreyasyasmi yadvai tvaṃ vetthāhaṃ tadvijñapayāmyahaṃ saṃjñapayāmīti

Da sprach die Stimme: „Ich bin dir überlegen; denn was du im Geiste weißt, das mache ich kund, das bringe ich zur Kenntnis.“

te prajāpatiṃ pratipraśnameyatuḥ | sa prajāpatirmanasa evānūvāca mana eva tvacreyo manaso vai tvaṃ kṛtānukarānuvartmāsi śreyaso vai pāpīyāṅkṛtānukaro 'nuvartmā bhavatīti

Beide gingen zu Prajāpati, um die Streitfrage entscheiden zu lassen. Da entschied Prajāpati zugunsten des Geistes: „Der Geist ist dir überlegen; du bist die Nachahmerin, die dem Getanen des Geistes nachfolgt, denn der Geringere ist der Nachahmer, der dem Getanen des Überlegenen nachfolgt.“

sā ha vākparoktā visiṣmiye | tasyai garbhaḥ papāta sā ha vākprajāpatimuvācāhavyavāḍevāhaṃ tubhyam bhūyāsaṃ yāṃ mā parāvoca iti tasmādyatkiṃ ca prājāpatyaṃ yajñe kriyata upāṃśveva tatkriyate havyavāḍhi vākprajāpataya āsīt

Da wurde die Stimme, so zurückgewiesen, erregt; ihr fiel dadurch die Leibesfrucht ab (Fehlgeburt). Da sprach die Stimme zu Prajāpati: „Als Opfergabenträgerin will ich dir dennoch dienen, obwohl du mich zurückgewiesen hast.“ Deshalb wird, was immer beim Opfer auf Prajāpati bezogen ist, leise, unhörbar (upāṃśu) vollzogen; die Stimme war ja Prajāpatis Opfergabenträgerin.

taddhaitaddevāḥ | retaścarmanvā yasminvā babhrustaddha smapṛcantyatreva tyāditi tato triḥ sambabhūva tasmādapyātreyyā yoṣitainasvyetasyai hi yoṣāyai vāco devatāyā ete sambhūtāḥ

Dies taten die Götter: Den Samen, geborgen in einer Haut oder worin auch immer sie ihn aufbewahrt hatten, vereinigten sie wieder, mit den Worten: „Gerade hier, o Atri“ – daraus entstand [die Fehlgeburt] dreifach. Deshalb haftet auch einer Frau vom Geschlecht der Ātreyī darin eine Verfehlung an; von dieser ersten Frau nämlich, der Gottheit der Stimme, sind diese drei entstanden. [Anm.: Dieser Abschnitt ist mythologisch und sprachlich sehr dunkel; die Wendung „smapṛcantyatreva tyāditi“ (hier gedeutet als sma apṛñcanti „atraiva tad“ iti, „sie vereinigten es, dabei sprechend: ‚eben hier‘“) sowie der Bezug zwischen „Atri“, der Dreiheit und der angeblichen Verfehlung der Ātreyī-Frauen bleiben unsicher; die Übersetzung ist stark sinngemäß und mit Vorbehalt zu verstehen.]

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