Quellen der Menschheit

Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda) · Kāṇḍa 1

Adhyāya 2 Vom Puroḍāśa zur Vedi: Ritus und Mythos des Neumondopfers

Brāhmaṇa 1 (Kaṇḍikā 1–22), „Vorbereitung von Feuerstelle, Scherben und Mahlsteinen für den Puroḍāśa“: Dieses Brāhmaṇa begleitet die handwerklichen Anfangsschritte des Darśapūrṇamāsa – Herrichtung von Feuerstelle, Scherben (kapāla), Reibsteinen (dṛṣad/upala) und das Mahlen des Opferkorns für den Puroḍāśa. Jede Einzelhandlung wird durch eine begleitende Opferformel (yajus) gedeutet und in dem für die Brāhmaṇa-Literatur typischen Homologie-Verfahren (X ist Y, weil Z) kosmologisch verankert, etwa wenn die drei Scherben mit Erde, Luftraum und Himmel gleichgesetzt werden. Zugleich dient das Kapitel der Abwehr der Rakṣas und der Sicherung von Kraft (vīrya) und Fülle (bhūman) durch begleitende Segensformeln. Brāhmaṇa 2 (Kaṇḍikā 1–18), „Bereitung von Schmalz und Opferkuchen beim Darśapūrṇamāsa“: Das zweite Brāhmaṇa führt die materielle Herstellung des Opfers zu Ende: das Mischen von Wasser und Mehl, das Backen des Puroḍāśa und die Bereitung des Ājya (Schmalz). Auch hier begründen zahlreiche Einzeldeutungen – etwa zur Kuchengröße, zum Umziehen mit Feuer, zum Bedecken – die genaue rituelle Praxis als Abwehr von Gefahr und Sicherung von Vollständigkeit. Der Schlussvers leitet mit dem Abwaschwasser für die Āptyas unmittelbar zum folgenden mythologischen Exkurs über. Brāhmaṇa 3 (Kaṇḍikā 1–9), „Der Āptya-Mythos: Trita, Dvita, Ekata und das fünffache Opfertier“: Dieses Brāhmaṇa enthält zwei der bekanntesten Mythen des Śatapatha: die Erzählung von den drei aus dem verborgenen Agni hervorgegangenen Āptya-Göttern Trita, Dvita und Ekata, denen die Blutschuld an Vṛtras Sohn Viśvarūpa übertragen wird, und die Erzählung von der ursprünglichen Opferung des Menschen, dessen Opferkraft (medha) nacheinander in Pferd, Rind, Schaf, Ziege und schließlich in Reis und Gerste überging. Beide Mythen begründen rituelle Einzelheiten – die Anvāhārya-Priestergabe bzw. die „fünffache“ Natur des vegetabilischen Opfertiers. Brāhmaṇa 4 (Kaṇḍikā 1–21), „Indras vierfacher Vajra, der Asura-Kampf und die vier Erdschollen“: Im Zentrum des vierten Brāhmaṇa steht der in vier Teile zersplitterte Vajra Indras, dessen Bruchstücke zu Sphya, Yūpa, Wagen und Pfeil wurden – eine Ätiologie, die Priestern und Kṣatriyas je zwei der vier Geräte zuordnet. Daran schließt sich der Mythos vom endgültigen Sieg der Götter über die immer wiederkehrenden Asuras durch Einschließung an, der die vier Würfe der Erdscholle beim Bau der Vedi begründet. Brāhmaṇa 5 (Kaṇḍikā 1–26), „Vāmana-Viṣṇu, die Vedi-Ätiologie und die Regeln ihrer Vermessung“: Das fünfte Brāhmaṇa erzählt, wie die Götter durch den zwergenhaften Viṣṇu den Asuras einen Anteil an der Erde abgewannen, so groß, wie er „bedeckt liegend“ einnahm – eine Ätiologie für Namen (von vid, „finden, gewinnen“) und Ausmaß der Vedi. Daran schließen sich genaue Bauvorschriften (Tiefe, Form, Ausrichtung, Vermessungsriten) sowie, am Schluss, die Erzählung an, warum korrektes, „unangetastetes“ Opfern (an-avamarśa) über Erfolg oder Misserfolg des Opfers entscheidet.

sa vai kapālānyevānyatara upadadhāti | dṛṣadupale anyatarastadvā etadubhayaṃ saha kriyate tadyadetadubhayaṃ saha kriyate

Die Scherben (kapāla) legt nämlich der eine Priester hin, die beiden Reibsteine (dṛṣad und upala) der andere. Dass beides zusammen geschieht – der Grund dafür, dass beides zusammen geschieht, folgt sogleich:

śiro ha vā etadyajñasya yatpuroḍāśaḥ sa gānyevemāni śīrṣṇaḥ kapālānyetānyevāsya kapālāni mastiṣka eva piṣṭāni tadvā etadekamaṅgamekaṃ saha karavāva samānaṃ karavāveti tasmādvā etadubhayaṃ saha kriyate

Das Haupt des Opfers ist ja dies, der Puroḍāśa; diese hier sind eben die Scherben seines Hauptes [Anm.: der überlieferte Wortlaut ist an dieser Stelle verderbt; die Übersetzung folgt der naheliegenden Konjektur „sa hyevemāni“], und das Gehirn ist eben das Mehl. Dies also meint: „Lasst uns dieses eine Glied, lasst uns es als eines, gemeinsam bilden, einander gleichmachen!“ – deshalb wird beides zusammen getan.

sa yaḥ kapālānyupadadhāti | sa upaveṣamādatte dhṛṣṭirasīti sa yadenenāgniṃ dhṛṣṇivopacarati tena dhṛṣṭiratha yadenena yajña upālabhata upeva vā enenaitadveṣṭi tasmādupaveṣo nāma

Wer die Scherben hinlegt, der nimmt das Upaveṣa-Gerät mit den Worten: „Du bist die Kühne (dhṛṣṭi)“ – denn indem er damit das Feuer kühn (dhṛṣṇu) angeht, heißt es „die Kühne“. Und da man damit beim Opfer das Gebäck berührt (upa-ā-labh-), umhüllt (ve-) man es damit gleichsam – daher der Name „Upaveṣa“.

tena prāco 'ṅgārānudūhati | apāgne agnimāmādaṃ jahi niṣkravyādaṃ sedhetyayaṃ vā āmādyenedam manuṣyāḥ paktvāśnantyatha yena puruṣaṃ dahanti sa kravyādetāvevaitadubhāvato 'pahanti

Damit schiebt er die glühenden Kohlen nach Osten fort: „Fort, o Agni! Erschlage den rohessenden (āmāda) Agni, vertreibe den leichenfressenden (kravyāda)!“ Amāda nämlich ist jener Agni, mit dem die Menschen ihre Speise kochen und essen; Kravyāda aber jener, mit dem man den Toten verbrennt. Eben diese beiden Erscheinungsformen des Feuers stößt er damit fort.

athāṅgāramāskauti | ā devayajaṃ vaheti yo devayāṭ tasmin havīṃṣi śrapayāma tasminyajñaṃ tanavāmahā iti tasmādvāāskauti

Dann fegt er die glühende Kohle heran [Anm.: „āskauti“ ist lexikalisch unsicher, hier als „heranscharren, heranfegen“ der Glut gedeutet] mit den Worten: „Fahre her, den Götter-Opfernden“ – das heißt: „In dem, der den Göttern opfert, wollen wir die Opferspeisen kochen, in ihm das Opfer ausbreiten.“ Deshalb fegt er die Kohle heran.

tam madhyamena kapālenābhyupadadhāti | devā ha vai yajñaṃtanvānāste 'surarakṣasebhya āsaṅgādbibhayāṃcakrurnenno 'dhastānnāṣṭrā rakṣāṃsyupottiṣṭhānityagnirhi rakṣasāmapahantā tasmādevamupadadhāti tadyadeṣa eva bhavati nānya eṣa hi yajuṣkṛto medhyastasmānmadhyamena kapālenābhyupadadhāti

Dieses Feuer belegt er mit dem mittleren Scherben. Als die Götter das Opfer ausbreiteten, fürchteten sie sich vor dem Ansturm der Asuras und Rakṣas: „Dass nicht von unten her, bei Nacht, die Rakṣas gegen uns aufstehen!“ – denn Agni ist der Vertreiber der Rakṣas; deshalb legt er den Scherben so hin. Dass es aber eben dieser Scherben ist und kein anderer: Er allein ist, vom Opferspruch bereitet, rein (medhya) – deshalb belegt er das Feuer mit dem mittleren Scherben.

sa upadadhāti | dhruvamasi pṛthivīṃ dṛṃheti pṛthivyā eva rūpeṇaitadeva dṛṃhatyetenaiva dviṣantam bhrātṛvyamavabādhate brahmavani tvā kṣatravani sajātavanyupadadhāmi bhrātṛvyasya vadhāyeti bahvī vai yajuḥsvāśīstadbrahma ca kṣatraṃ cāśāsta ubhe vīrya sajātavanīti bhūmā vai sajātāstadbhūmānamāśāsta upadadhāmi bhrātṛvyasya badhāyeti yadi nābhicaredyadya abhicaredamuṣya badhāyeti brūyādabhinihitameva savyasya pāṇeraṅgulyā bhavati

Er legt den Scherben hin mit den Worten: „Du bist der Feste (dhruva); befestige die Erde!“ – in Gestalt der Erde befestigt er damit eben diese Welt und drängt zugleich den hassenden Nebenbuhler ab. „Brahma-habend, Kṣatra-habend, Sippen-habend lege ich dich hin, zum Erschlagen des Nebenbuhlers“ – vielfältig ist der Segenswunsch (āśis) dieses Spruches: Mit „Brahma und Kṣatra“ erbittet er beide Formen der Heldenkraft (vīrya), mit „Sippen-habend“ – zahlreich sind ja die Sippenangehörigen (sajāta) – erbittet er Fülle (bhūman). „Ich lege dich hin zum Erschlagen des Nebenbuhlers“ spricht er, wenn er niemanden verfluchen will; will er aber verfluchen, so soll er sprechen: „zum Erschlagen des NN“ – dies geschieht beim Hinlegen, begleitet vom Finger der linken Hand.

athāṅgāramāskauti | nediha purā nāṣṭrā rakṣāṃsyāviśāniti brāhmaṇo hi rakṣasāmapahantā tasmādabhinihitameva savyasya pāṇeraṅgulyā bhavati

Dann fegt er die glühende Kohle heran: „Dass nicht früher als ich hier, bei Nacht, die Rakṣas eindringen!“ – denn der Brahmane [Anm.: hier auffällig „brāhmaṇaḥ“ statt des sonst (1.6, 1.9) als Rakṣas-Vertreiber genannten Agni – möglicherweise Bezug auf den Brahman-Priester, möglicherweise Verschreibung] ist der Vertreiber der Rakṣas; deshalb geschieht es beim Hinlegen, mit dem Finger der linken Hand.

athāṅgāramadhyūhati | agne brahma gṛbhṇīṣveti nediha purā nāṣṭrā rakṣāṃsyāviśānityagnirhi rakṣasāmapahantā tasmādenamadhyūhati

Dann schiebt er die glühende Kohle in die Mitte: „O Agni, ergreife das Brahma!“ – „Dass nicht früher als ich hier, bei Nacht, die Rakṣas eindringen!“ – denn Agni ist der Vertreiber der Rakṣas; deshalb schiebt er sie in die Mitte.

atha yatpaścāttadupadadhāti | dharuṇamasyantarikṣaṃ dṛṃhetyantarikṣasyaiva rūpeṇaitadeva dṛṃhatyetenaiva dviṣantam bhrātṛvyamavabādhate brahmavani tvā kṣatravani sajātavanyupadadhāmi bhrātṛvyasya badhāyeti

Dann legt er den hinten liegenden Scherben hin: „Du bist der Träger (dharuṇa); befestige den Luftraum (antarikṣa)!“ – in Gestalt des Luftraums befestigt er damit eben diese Welt und drängt zugleich den hassenden Nebenbuhler ab. „Brahma-habend, Kṣatra-habend, Sippen-habend lege ich dich hin, zum Erschlagen des Nebenbuhlers.“

atha yatpurastāttadupadadhāti | dhartramasi divaṃ dṛṃheti diva eva rūpeṇaitadeva dṛṃhatyetenaiva ... badhāyeti

Dann legt er den vorn liegenden Scherben hin: „Du bist der Halter (dhartra); befestige den Himmel (div)!“ – in Gestalt des Himmels befestigt er damit eben diese Welt; eben dadurch […] [Anm.: die Ausgabe elidiert hier die wiederholte Formel] zum Erschlagen des Nebenbuhlers.

atha yaddakṣiṇatastadupapadhāti | viśvābhyastvāśābhya upadadhāmīti sa yadimāṃllokānati caturthamasti vā na vā tenaivaitaddviṣantam bhrātṛvyamavabādhate 'naddhā vai tadyadimāṃllokānati caturthamasti vā na vānaddho tadyadviśvā āśāstasmādāha viśvābhyastvāśābhya upadadhāmīti tūṣṇīṃ vaivetarāṇi kapālānyupadadhāti cita sthordhvacita iti vā

Dann legt er den im Süden liegenden Scherben hin: „Für alle Himmelsgegenden lege ich dich hin.“ Ob es nun über diese Welten hinaus ein Viertes gibt oder nicht – eben dadurch drängt er den hassenden Nebenbuhler ab. Ungewiss (anaddha) nämlich ist jenes, ob es über diese Welten hinaus ein Viertes gibt oder nicht; „alle Himmelsgegenden“ aber ist Feststehendes (naddha). Deshalb spricht er: „Für alle Himmelsgegenden lege ich dich hin.“ Die übrigen Scherben aber legt er schweigend hin, oder mit den Worten: „Ihr seid Aufgeschichtete (cita)“ bzw. „nach oben Aufgeschichtete (ūrdhvacita)“.

athāṅgārairabhyūhati | bhṛgūṇāmaṅgirasāṃ tapasā tapyadhvamityetadvai tejiṣṭhaṃ tejo yadbhṛgvaṅgirasāṃ sutaptānyasanniti tasmādenamabhyūhati

Dann häuft er glühende Kohlen darüber: „Werdet erhitzt mit der Glut der Bhṛgus und Aṅgiras'!“ – dies ist ja die glühendste Glut, dass die Scherben „von den Bhṛgus und Aṅgiras' wohlerhitzt worden sind“ – deshalb häuft er die Kohlen darüber.

atha yo dṛṣadupale upadadhāti | sa kṛṣṇājinamādatte śarmāsīti tadavadhūnotyavadhūtaṃ rakṣo 'vadhūtā arātaya iti so 'sāveva bandhustatpratīcīnagrīvamupastṛṇātyadityāstvagasi prati tvāditirvettviti so 'sāveva bandhuḥ

Wer aber die beiden Reibsteine (dṛṣad und upala) hinlegt, der nimmt das schwarze Antilopenfell mit den Worten: „Du bist der Schutz (śarman)“; er schüttelt es aus: „Abgeschüttelt ist der Unhold (rakṣas), abgeschüttelt sind die Missgünstigen (arātayaḥ)“ – das ist eben jene Entsprechung (bandhu). Dann breitet er es mit rückwärts gewandtem Nacken aus: „Du bist die Haut der Aditi; Aditi soll dich erkennen“ – auch das ist jene Entsprechung.

atha dṛṣadamupadadhāti | dhiṣaṇāsi parvatī prati tvādityāstvagvettviti dhiṣaṇā hi parvatī hi prati tvādityāstvagvettviti tatsaṃjñāmevaitatkṛṣṇājināya ca vadati nedanyo 'nyaṃ hinasāva itīyamevaiṣā pṛthivī rūpeṇa

Dann legt er den unteren Reibstein (dṛṣad) hin: „Du bist die Schale (dhiṣaṇā), die Bergige (parvatī); die Haut der Aditi soll dich erkennen“ – „die Schale nämlich, die Bergige, die Haut der Aditi soll dich erkennen“. Dies spricht er als gegenseitige Erkennungsformel (saṃjñā) auch zum schwarzen Antilopenfell hin, damit nicht eines das andere verletze – diese Steinplatte ist der Gestalt nach eben diese Erde.

atha śamyāmudīcīnāgrāmupadadhāti | diva skambhanīrasītyantarikṣameva rūpeṇāntarikṣeṇa hīme dyāvāpṛthivī viṣṭabdhe tasmādāha diva skambhanīrasīti

Dann legt er den Pflock (śamyā) mit nach Norden gerichteter Spitze hin: „Du bist die Stütze (skambhanī) des Himmels“ – in Gestalt eben des Luftraums; durch den Luftraum nämlich sind Himmel und Erde auseinandergestemmt. Deshalb spricht er: „Du bist die Stütze des Himmels.“

athopalāmupadadhāti | dhiṣaṇāsi pārvateyī prati tvā parvatī vettviti kanīyasī hyeṣā duhiteva bhavati tasmādāha pārvateyīti prati tvā parvatī vettviti prati hi svaḥ saṃjānīte tatsaṃjñāmevaitaddṛṣadupalābhyāṃ vadati nedanyo 'nyaṃ hinasāta iti dyaurevaiṣā rūpeṇa hanū eva dṛṣadupalejihvaiva śamyā tasmācamyayā samāhanti jihvayā hi vadati

Dann legt er den oberen Reibstein (upala) hin: „Du bist die Schale (dhiṣaṇā), die Bergestochter (pārvateyī); der Berg soll dich erkennen“ – denn diese kleinere Steinplatte ist gleichsam eine jüngere Tochter, deshalb „Bergestochter“, „der Berg soll dich erkennen“, denn das Eigene erkennt das Eigene (prati svaḥ saṃjānīte). Dies spricht er als gegenseitige Erkennungsformel für dṛṣad und upala, damit nicht eines das andere verletze. Der obere Stein ist der Gestalt nach der Himmel (dyaus), dṛṣad und upala sind die beiden Kiefer (hanū), der Pflock (śamyā) die Zunge; deshalb schlägt man mit dem Pflock dagegen – denn mit der Zunge spricht man.

atha haviradhivapati | dhānyamasi dhinuhi devāniti dhānyaṃ hi devāndhinavadityu hi havirgṛhyate

Dann schüttet er das Korn darauf: „Du bist das Korn (dhānya); erquicke die Götter!“ – denn das Korn erquickt ja die Götter; deshalb wird die Opfergabe so genommen.

atha pinaṣṭi | prāṇāya tvodānāya tvā vyānāya tvā dīrghāmanu prasitimāyuṣe dhāmiti prohati devo vaḥ savitā hiraṇyapāṇiḥ pratigṛbhṇātvacidreṇa pāṇinā cakṣuṣe tveti

Dann mahlt er: „Für den Einatem (prāṇa) dich, für den Aufatem (udāna) dich, für den Zwischenatem (vyāna) dich; entlang der langen Erstreckung (prasiti), für das Leben (āyus) setze ich dich.“ Er wirft es vor: „Der Gott Savitṛ mit der goldenen Hand empfange euch mit untrüglicher Hand – für das Sehvermögen (cakṣus), dich!“

tadyadevam pinaṣṭi | jīvaṃ vai devānāṃ haviramṛtamamṛtānāmathaitadulūkhalamusalābhyāṃ dṛṣadupalābhyāṃ haviryajñaṃ ghnanti

Dass er so mahlt: Lebendig nämlich ist die Opfergabe der Götter, unsterblich die der Unsterblichen – und dennoch erschlagen sie mit Mörser und Stößel, mit dṛṣad und upala, diese Opfergabe, das Opfer.

sa yadāha | prāṇāya tvodānāya tveti tatprāṇodānau dadhāti vyānāya tveti tadvyānaṃ dadhāti dīrghāmanu prasitimāyuṣe dhāmiti tadāyurdadhāti devo vaḥ savitā hiraṇyapāṇiḥ pratigṛbhṇātvacidreṇa pāṇinā supratigṛhītānyasanniti cakṣuṣe tveti taccakṣurdadhātyetāni vai jīvato bhavantyevamu haitajjīvameva devānāṃ havirbhavatyamṛtamamṛtānāṃ tasmādevam pinaṣṭi piṃṣanti piṣṭānyabhīndhate kapālāni

Wenn er nun spricht: „Für den Einatem dich, für den Aufatem dich“, so legt er damit Ein- und Aufatem hinein; „für den Zwischenatem dich“ – damit legt er den Zwischenatem hinein; „entlang der langen Erstreckung, für das Leben setze ich dich“ – damit legt er das Leben hinein; „der Gott Savitṛ mit der goldenen Hand empfange euch mit untrüglicher Hand“, „wohlempfangen sind sie gewesen“ und „für das Sehvermögen, dich“ – damit legt er das Sehvermögen hinein. Diese Eigenschaften gehören ja dem Lebendigen an; so wird eben diese Speise zur lebendigen Opfergabe der Götter, zur unsterblichen der Unsterblichen. Deshalb mahlt er so. Sie mahlen es; die gemahlenen Körner legen sie um die Scherben und entzünden sie damit [Anm.: „abhīndhate“ ist lexikalisch unsicher; vermutlich wird das Mehl um die erhitzten Scherben verteilt, ehe der Kuchen gebacken wird].

athaika ājyaṃ nirvapati | yadvā ādiṣṭaṃ devatāyai havirgṛhyate yāvaddevatyaṃ tadbhavati taditareṇa yajuṣā gṛhṇāti na vā etatkasyai cana devatāyai havirgṛhṇannādiśati yadājyaṃ tasmādaniruktena yajuṣā gṛhṇāti mahīnām payo 'sīti mahya iti ha vā etāsāmeke nāma yadgavāṃ tāsāṃ vā etatpayo bhavati tasmādāha mahīnām payo 'sītyevamu hāsyaitatkhalu yajuṣaiva gṛhītam bhavati tasmādvevāha mahīnām payo 'sīti

Dann schöpft einer der Priester das Schmalz (ājya) aus. Wird nämlich eine für eine Gottheit bestimmte (ādiṣṭa) Opfergabe genommen, so gehört sie in dem Maße dieser Gottheit, wie sie dafür bestimmt ist; dafür nimmt man eine andere, eigens passende Opferformel. Für keinerlei Gottheit aber bestimmt er das Schmalz beim Nehmen der Opfergabe; deshalb nimmt er es mit einer unbenannten (anirukta) Formel: „Du bist die Milch der Großen (mahī)“ – „mahyaḥ“ nämlich ist ein Name eben der Kühe, und von diesen stammt ja diese Milch. Deshalb spricht er: „Du bist die Milch der Großen.“ So ist ihm dies durch die passende Formel doch genommen – deshalb spricht er eben: „Du bist die Milch der Großen.“

pavitravati samvapati | pātryām pavitre avadhāya devasya tvāsavituḥ prasave 'śvinorbāhubhyām pūṣṇo hastābhyāṃ samvapāmīti so 'sāvevaitasya yajuṣo bandhuḥ

In das mit dem Läuterungssieb (pavitra) versehene Gefäß schüttet er zusammen: Nachdem er die beiden Läuterungssiebe in die Schale (pātrī) gelegt hat, spricht er: „Im Antrieb des Gottes Savitṛ, mit den Armen der Aśvin, mit den Händen des Pūṣan schütte ich dich zusammen“ – das ist die Entsprechung (bandhu) dieses Spruches.

athāntarvedyupaviśati | athaika upasarjanībhiraiti tā ānayati tāḥ pavitrābhyām pratigṛhṇāti samāpa oṣadhībhiriti saṃhyetadāpa oṣadhībhiretābhiḥ piṣṭābhiḥ samgacante samoṣadhayo raseneti saṃhyetadoṣadhayo rasenaitāḥ piṣṭā adbhiḥ saṃgacanta āpo hyetāsāṃ rasaḥ saṃ revatīrjagatībhiḥ pṛcyantāmiti revatya āpo jagatya oṣadhayastā u hyetadubhayyaḥ sampṛcyante sam madhumatīrmadhumatībhiḥ pṛcyantāmiti saṃ rasavatyo rasavatībhiḥ pṛcyantāmityevaitadāha

Dann setzt er sich innerhalb der Vedi nieder. Ein Priester geht mit den Hilfswassern (upasarjanī) hin, holt sie herbei und nimmt sie mit den beiden Läuterungssieben in Empfang: „Zusammen mit den Pflanzen sind die Wasser“ – denn so vereinigen sich die Wasser tatsächlich mit den Pflanzen, nämlich mit den gemahlenen Körnern; „zusammen mit dem Saft sind die Pflanzen“ – denn so vereinigen sich die Pflanzen mit dem Saft: Die gemahlenen Körner vereinigen sich mit den Wassern, sind doch die Wasser ihr Saft. „Die Reichen (revatī, die Wasser) sollen sich mit den Weltlichen (jagatī, den Pflanzen) mischen“ – reich sind die Wasser, weltlich die Pflanzen, und diese beiden mischen sich ja. „Die Honigreichen sollen sich mit den Honigreichen mischen“, „die Saftreichen sollen sich mit den Saftreichen mischen“ – so spricht er.

atha saṃyauti | janayatyai tvā saṃyaumīti yathā vā adhivṛkto 'gneradhi jāyetaivaṃ vai tatsaṃyauti

Dann rührt er zusammen: „Zur Erzeugung (janayatyai) mische ich dich“ [Anm.: die Konstruktion ist unsicher; sinngemäß wird das Zusammenrühren mit einem Zeugungsakt verglichen, dessen „Geburt“ das spätere Backen am Feuer ist] – so, wie das auf das Feuer Gelegte am Feuer gleichsam geboren würde, ebenso rührt er dies zusammen.

atha dvedhā karoti | yadi dve haviṣī bhavataḥ paurṇamāsyāṃ vai dve haviṣī bhavataḥ sa yatra punarna saṃhaviṣyaṃtsyāttadabhimṛśatīdamagneridamagnīṣomayoriti nānā vā etadagre havirgṛhṇanti tatsahāvaghnanti tatsaha piṃṣanti tatpunarnānā karoti tasmādevamabhimṛśatyadhivṛṇaktyevaiṣa puroḍāśamadhiśrayatyasāvājyam

Dann macht er den Teig zu zwei Teilen, falls es zwei Opferspeisen gibt – beim Vollmondsopfer nämlich gibt es zwei. Wo er sie nicht wieder getrennt zu Opferspeisen machen würde, dort berührt er sie: „Dies für Agni, dies für Agni-und-Soma“ – denn getrennt nehmen sie die Opfergabenstoffe zunächst, zerstoßen und mahlen sie dann zusammen; also macht er sie wieder getrennt. Deshalb berührt er sie so und teilt sie damit wieder zu (adhivṛṇakti); den einen Teil legt er als Puroḍāśa auf das Feuer, den anderen bestimmt er als Schmalzopfer.

tadvā etat | ubhayaṃ saha kriyate tadyadetadubhayaṃ saha kriyate 'rdho ha vā eṣa ātmano yajñasya yadājyamardho yadiha havirbhavati sa yaścāsāvardho ya u cāyamardhastā ubhāvagniṃ gamayāveti tasmādvā etadubhayaṃ saha kriyata evamu haiṣa ātmā yajñasya saṃdhīyate

Dies erklärt, warum beides zusammen getan wird: Eine Hälfte des Leibes (ātman) des Opfers selbst ist das Schmalz, die andere die hier vorliegende Opferspeise. Jene Hälfte dort und diese Hälfte hier – beide sollen zu Agni gelangen, so der Gedanke; deshalb wird beides zusammen getan. So eben wird dieser Leib des Opfers zusammengefügt.

so 'sāvājyamadhiśrayati | iṣe tveti vṛṣṭyai tadāha yadāheṣe tveti tatpunarudvāsayatyūrje tveti yo vṛṣṭādūrgraso jāyate tasmai tadāha

Er legt das Schmalz auf das Feuer: „Für die Labung (iṣ) dich“ – damit spricht er im Hinblick auf den Regen. Sobald er „iṣe tvā“ gesagt hat, nimmt er es wieder herunter: „Für die Saftkraft (ūrj) dich“ – dem, was aus dem Regen als Saftkraft entsteht, gilt dieser Spruch.

atha puroḍāśamadhivṛṇakti | dharmo 'sīti yajñamevaitatkaroti yathā gharmam pravṛṃjyādevam pravṛṇakti viśvāyuriti tadāyurdadhāti

Dann teilt er den Puroḍāśa zu: „Du bist die Stütze (dharma)“ – dadurch macht er ihn eben zum Opfer selbst; wie man den Gharma zuteilen würde, so teilt er ihn zu. „Du bist Allleben (viśvāyus)“ – damit legt er Leben hinein.

tam prathayati | uruprathā uru prathasveti prathayatyevainametaduru te yajñapatiḥ prathatāmiti yajamāno vai yajñapatistadyajamānāyaivaitadāśiṣamāśāste

Er breitet ihn aus: „Breitausgebreitete, breite dich weit aus!“ – damit breitet er ihn eben aus; „weit soll sich dein Opferherr (yajñapati) ausbreiten“ – der Opferveranstalter (yajamāna) nämlich ist der Opferherr; damit erbittet er diesen Segenswunsch für den Opferveranstalter selbst.

taṃ na satrā pṛthu kuryāt | mānuṣaṃ ha kuryādyatpṛthuṃ kuryādvyṛddhaṃ vai tadyajñasya yanmānuṣaṃ nedvyṛddhaṃ yajño karavāṇīti tasmānna satrā pṛthuṃ kuryāt

Man soll ihn nicht durchweg breit machen, sondern menschengroß (mānuṣa). Würde man ihn zu breit machen, so wäre das ein Mangel für das Opfer [Anm.: die Konstruktion ist syntaktisch schwierig; sinngemäß als Warnung vor Überschreiten des menschlichen Normalmaßes wiedergegeben] – „dass ich das Opfer nicht aus dem rechten Maß bringe“; deshalb soll man ihn nicht durchweg breit machen.

aśvaśaphamātraṃ kuryādityu haika āhuḥ | kastadveda yāvānaśvaśapho yāvantameva svayam manasā na satrā pṛthum manyetaivaṃ kuryāt

„Man soll ihn von der Größe eines Pferdehufes machen“, sagen manche. Wer aber weiß, wie groß ein Pferdehuf ist? Wie groß er selbst mit eigenem Urteil entscheiden würde, dass es nicht durchweg zu breit sei, so groß soll man ihn machen.

tamadbhirabhimṛśati | sakṛdvā trirvā tadyadevāsyātrāvaghnanto vā piṃṣanto vā kṣiṇvanti vā vi vā vṛhanti śāntirāpastadadbhiḥ śāntyā śamayati tadadbhiḥ saṃdadhāti tasmādadbhirabhimṛśati

Er berührt ihn mit Wasser, einmal oder dreimal. Was immer sie dabei durch Stoßen oder Mahlen an ihm mindern oder zerreißen – Wasser ist Beschwichtigung (śānti); damit beschwichtigt er ihn mit der Beschwichtigung des Wassers und fügt ihn mit Wasser wieder zusammen. Deshalb berührt er ihn mit Wasser.

so 'bhimṛśati | agniṣṭe tvacam mā hiṃ sīdityagninā vā enametadabhitapsyanbhavatyeṣa te tvacam mā hiṃsīdityevaitadāha

Er berührt ihn: „Agni soll deine Haut nicht verletzen“ – denn er wird ihn ja gleich mit Feuer gründlich erhitzen; „dieser [Agni] soll deine Haut nicht verletzen“ – so spricht er dies.

tam paryagniṃ karoti | acidramevainametadagninā parigṛhṇāti nedenaṃ nāṣṭrā rakṣāṃsi pramṛśānityagnirhi rakṣasāmapahantā tasmātparyagniṃ karoti

Er umzieht ihn mit Feuer (paryagni): Damit umfasst er ihn lückenlos (acidra) mit Feuer, „dass ihn nicht bei Nacht die Rakṣas berühren“ – denn Agni ist der Vertreiber der Rakṣas; deshalb umzieht er ihn mit Feuer.

taṃ śrapayati | devastvā savitā śrapayatviti na vā etasya manuṣyaḥ śrapayitā devo hyeṣa tadenaṃ deva eva savitā śrapayati varṣiṣṭe 'dhi nāka iti devatro etadāha yadāha varṣiṣṭe 'dhi nāka iti tamabhimṛśati pṛtaṃ vedānīti tasmādvā abhimṛśati

Er bäckt ihn: „Der Gott Savitṛ soll dich backen“ – denn kein Mensch ist ja sein Bäcker, ist dieser Kuchen doch ein Gott; deshalb bäckt ihn eben der Gott Savitṛ selbst. „Auf dem höchsten Himmelsgewölbe (nāka)“ – damit spricht er zum Göttlichen hin. Danach berührt er ihn: „Ich möchte ihn als gekocht erkennen“ – deshalb berührt er ihn.

so 'bhimṛśati | mā bhermā saṃvikthā iti mā tvam bheṣīrmāsaṃvikthā yattvāhamamānuṣaṃ santam mānuṣo 'bhimṛśāmītyevaitadāha

Er berührt ihn: „Fürchte dich nicht, zucke nicht zusammen“ – das heißt: „du sollst dich nicht fürchten, nicht zusammenzucken, dass ich, ein Mensch, dich, der du nicht-menschlich (amānuṣa) bist, berühre“ – so spricht er dies.

yadā śṛto 'thābhivāsayati | nedenamupariṣṭānnāṣṭrā rakṣāṃsyavapaśyāniti nedveva nagna iva muṣita iva śayātāityu caiva tasmādvā abhivāsayati

Sobald er gekocht ist, bedeckt er ihn mit einem Tuch – „dass nicht von oben her, bei Nacht, die Rakṣas auf ihn herabblicken“ und auch „dass er nicht gleichsam nackt, gleichsam beraubt daliege“ – deshalb bedeckt er ihn.

so 'bhivāsayati | atameruryajño 'tameruryajamānasya prajā bhūyāditi nedetadanu yajño vā yajamāno vā tāmyādyadidamabhivāsayāmīti tasmādevamabhivāsayati

Er bedeckt ihn: „Unermattend sei das Opfer, unermattend die Nachkommenschaft des Opferveranstalters!“ – „dass nicht danach das Opfer oder der Opferveranstalter ermatte, weil ich dies bedecke“ – deshalb bedeckt er ihn so.

atha pātrīnirṇejanam | aṅgulipraṇejanamāptyebhyo ninayati tadyadāptyebhyo ninayati

Dann gießt er das Abwaschwasser der Schale (pātrī), das Fingerabwaschwasser, für die Āptyas hinab. Weshalb er es für die Āptyas hinabgießt, wird im Folgenden erklärt.

caturdhāvihito ha vā agre 'gnirāsa | sa yamagre 'gniṃ hotrāya prāvṛṇata sa prādhanvadyaṃ dvitīyam prāvṛṇata sa praivādhanvadyaṃ tṛtīyam prāvṛṇata sa praivādhanvadatha yo 'yametarhyagniṃ sa bhīṣā nililye so 'paḥ praviveśa taṃ devā anuvidya sahasaivādbhya āninyuḥ so 'po 'bhitiṣṭhevāvaṣṭhyūtā stha yā aprapadanaṃ stha yābhyo vo māmakāmaṃ nayantīti tata āptyāḥ sambabhūvustrito dvita ekataḥ

Vierfach verteilt war im Anfang Agni. Den Agni, den man zuerst zum Hotṛ-Amt erwählte, lief davon; den zweiten, den man erwählte, lief ebenso davon; den dritten ebenso. Der aber, der jetzt der gegenwärtige Agni ist, verbarg sich aus Furcht und ging in die Gewässer ein. Die Götter, ihn aufspürend, holten ihn mit Gewalt aus den Gewässern zurück. Er stand gleichsam auf den Gewässern und sprach: „Ihr seid [Anm.: „avaṣṭhyūtāḥ“ ist lexikalisch unsicher] solche, in denen es keinen Fußhalt gibt, aus denen sie euch gegen meinen Willen fortführen.“ Daraus entstanden die Āptyas: Trita, Dvita, Ekata.

ta indreṇa saha ceruḥ | yathedam brāhmaṇo rājānamanucarati sa yatra triśīrṣāṇaṃ tvāṣṭraṃ viśvarūpaṃ jaghāna tasya haite 'pi badhyasya vidāñcakruḥ śaśvaddhainaṃ trita evajaghānātyaha tadindro 'mucyata devo hi saḥ

Diese gingen mit Indra um, wie hier ein Brahmane einem König folgt. Als Indra den dreiköpfigen Sohn des Tvaṣṭṛ, den Viśvarūpa, erschlug, erlangten eben diese Āptyas Mitwisserschaft an diesem Totschlag; in Wahrheit aber war es stets Trita allein, der ihn erschlug – so entkam Indra der Schuld, denn er ist ein Gott.

ta u haita ūcuḥ | upaivema eno gacantu ye 'sya badhyasyāvediṣuriti kimiti yajña evaiṣu mṛṣṭāmiti tadeṣvetadyajñomṛṣṭe yadebhyaḥ pātrīnirṇejanamaṅgulipraṇejanaṃ ninayanti

Da sprachen die Götter: „Zu denen soll die Sündenschuld (eno) gelangen, die von diesem Totschlag Kenntnis erlangt haben.“ – „Warum?“ – „Das Opfer selbst soll auf ihnen abgewischt werden.“ So wird eben auf diesen der Opfermakel abgewischt; deshalb gießt man für sie das Schalen-Abwaschwasser, das Fingerabwaschwasser, hinab.

ta u hāptyā ūcuḥ | atyeva vayamidamasmatparo nayāmeti kamabhīti ya evādakṣiṇena haviṣā yajātā 'iti tasmānnādakṣiṇena haviṣā yajetāptyeṣu ha yajño mṛṣṭa āptyā u ha tasminmṛjate yo 'dakṣiṇena haviṣā yajate

Die Āptyas aber sprachen: „Wir wollen diesen Makel doch weiter von uns tragen.“ – „Auf wen denn?“ – „Auf den, der mit einer Opfergabe ohne Priesterlohn (dakṣiṇā) opfert.“ Deshalb soll man nicht ohne dakṣiṇā opfern: Bei den Āptyas wird das Opfer abgewischt, die Āptyas aber wischen es wiederum auf dem ab, der ohne dakṣiṇā opfert.

tato devāḥ | etām darśapūrṇamāsayordakṣiṇāmakalpanyadanvāhāryaṃ nedadakṣiṇaṃ havirasaditi tannānā ninayati tathaibhyo 'samadaṃ karoti tadabhitapati tathaiṣāṃ śṛtam bhavati sa ninayati tritāya tvā dvitāya tvaikatāya tveti paśurha vā eṣa ālabhyate yatpuroḍāśaḥ

Da bestimmten die Götter diesen Priesterlohn für das Neumonds- und Vollmondsopfer, nämlich das Anvāhārya-Backwerk, „damit die Opfergabe nicht ohne dakṣiṇā sei“. Jenes Abwaschwasser gießt er gesondert hinab und macht es damit für die Āptyas zu etwas Eigenem [Anm.: „asamadam“ ist unsicher gedeutet, hier als „ein eigenes, gesondertes Teil“]; dann erhitzt er es gründlich, so dass es für sie gekocht wird. Er gießt es hinab: „Für Trita dich, für Dvita dich, für Ekata dich“ – wird doch dieser Opferkuchen gleichsam als Opfertier (paśu) dargebracht.

puruṣaṃ ha vai devāḥ | agre paśumālebhire tasyālabdhasya medho 'pacakrāma so 'śva praviveśa te 'śvamālabhanta tasyālabdhasya medho 'pacakrāma sa gām praviveśa te gāmā ... so 'vim praviveśa te 'vimā ... ma so 'jam praviveśa te 'jamālabhanta tasyālabdhasya medho 'pacakrāma

Den Menschen (puruṣa) nahmen die Götter zuerst als Opfertier. Als er dargebracht war, entwich ihm die Opferkraft (medha); sie ging in das Pferd ein. Sie nahmen das Pferd; als es dargebracht war, entwich ihm die Opferkraft; sie ging in das Rind ein. Sie nahmen das Rind […]; sie ging in das Schaf ein. Sie nahmen das Schaf […]; sie ging in die Ziege ein. Sie nahmen die Ziege; als sie dargebracht war, entwich ihr die Opferkraft.

sa imam pṛthivīm praviveśa | taṃ khanantaivānvīṣustamanvavindaṃstāvimau vrīhiyavau tasmādapyetāvetarhi khananta ivaivānuvindanti sa yāvadvīryavaddha vā asyaite sarve paśava ālabdhāḥ syustāvadvīryavaddhāsya havireva bhavati ya evametadvedātro sā sampadyadāhuḥ pāṅktaḥ paśuriti

Sie ging in diese Erde ein. Grabend suchten sie ihr nach und fanden sie: Reis und Gerste (vrīhi und yava) waren es. Deshalb findet man diese beiden auch heute noch gleichsam grabend wieder. So viel Kraft (vīrya) alle jene Opfertiere gehabt hätten, wären sie dargebracht worden, ebenso viel Kraft hat für den, der dies weiß, seine Opfergabe allein. Hierauf bezieht sich der Ausspruch: „Fünffach (pāṅkta) ist das Opfertier.“

yadā piṣṭānyatha lomāni bhavanti | yadāpa ānayatyatha tvagbhavati yadā saṃyautyatha māṃsam bhavati saṃtata iva hi sa tarhi bhavati saṃtatamiva hi māṃsaṃ yadā śṛto 'thāsthi bhavati dāruṇa iva hi sa tarhi bhavati dāruṇamityasthyatha yadudvāsayiṣyannabhighārayati tam majjānaṃ dadhātyeṣo sā sampadyadāhuḥ pāṅktaḥ paśuriti

Sind die Körner gemahlen, werden sie zu Haaren; bringt er das Wasser heran, wird es zu Haut; rührt er zusammen, wird es zu Fleisch – ist er doch dann gleichsam zusammenhängend (saṃtata), wie auch das Fleisch zusammenhängend ist. Ist er gekocht, wird er zu Knochen – ist er doch dann gleichsam hart (dāruṇa), und „hart“ ist die Eigenschaft des Knochens. Besprengt er ihn schließlich, im Begriff ihn herabzunehmen, mit Schmalz, so legt er ihm damit das Mark (majjan) hinein. Auch hierauf bezieht sich der Ausspruch: „Fünffach ist das Opfertier.“

sa yam puruṣamālabhanta | sa kimpuruṣo 'bhavadyāvaśvaṃ ca gāṃ ca tau gauraśca gavayaścābhavatāṃ yamavimālabhanta sa uṣṭro 'bhavadyamajamālabhanta sa śarabho 'bhavattasmādeteṣām paśūnāṃ nāśitavyamapakrāntamedhā haite paśavaḥ

Der Mensch, den sie darbrachten, wurde zum Kiṃpuruṣa; Pferd und Rind wurden zum Gaura (Wildrind) und zum Gavaya (Wildbüffel); was sie als Schaf darbrachten, wurde zum Kamel (uṣṭra); was sie als Ziege darbrachten, wurde zum Śarabha (Fabeltier). Deshalb darf man von diesen Tieren nicht essen – der Opferkraft entwichen sind sie.

indro ha yatra vṛtrāya vajram prajahāra | sa prahṛtaścaturdhā 'bhavattasya sphyastṛtīyaṃ vā yāvadvā yūpastṛtīyaṃ vāyāvadvā rathastṛtīyaṃ vā yāvadvātha yatra prāharattacakalo 'śīryata sa patitvā śarā 'bhavattasmācaro nāma yadarśāryataivamu sa caturdhā vajro 'bhavat

Als Indra den Vajra gegen Vṛtra schleuderte, zerbrach er, geschleudert, in vier Teile. Ein Drittel davon war so groß wie der Sphya, ein Drittel so groß wie der Yūpa, ein Drittel so groß wie der Wagen (ratha) [Anm.: die „vā“-Partikeln im Original deuten wohl auf alternative Überlieferungen, welches Drittel welchem Gerät entspricht]; und wo er den Rest hinschleuderte, zersplitterte jener Splitter (cakala) und wurde, gefallen, zum Pfeil (śara). Daher der Name „śara“, weil er zersplitterte (aśāryata). So wurde der Vajra vierfach.

tato dvābhyām brāhmaṇā yajñe caranti dvābhyāṃ rājanyabandhavaḥ saṃvyādhe yūpena ca sphyena ca brāhmaṇā rathena ca śareṇa ca rājanyabandhavaḥ

Deshalb gehen die Brahmanen beim Opfer mit zwei Teilen um, die Rājanya-Verwandten (Kṣatriyas) im Kampf mit zwei: mit Yūpa und Sphya die Brahmanen, mit Wagen und Pfeil (śara) die Rājanya-Verwandten.

sa yatsphyamādatte | yathaiva tadindro vṛtrāya vajramudayacadevamevaiṣa etam pāpmane dviṣate bhrātṛvyāya vajramudyacati tasmādvai sphyamādatte

Ergreift er den Sphya: Wie damals Indra den Vajra gegen Vṛtra erhob, so erhebt der Priester diesen Vajra gegen das Böse, gegen den hassenden Nebenbuhler; deshalb ergreift er den Sphya.

tamādatte | devasya tvā savituḥ prasave 'śvinorbāhubhyām pūṣṇo hastābhyāmādade 'dhvarakṛtaṃ devebhya iti savitā vai devānām prasavitā tatsavitṛprasūta evainametadādatte 'śvinorbāhubhyāmityaśvināvadhvaryūtattayoreva bāhubhyāmādatte na svābhyāṃ vajro vā eṣa tasya na mamuṣyo bhartā tametābhirdevatābhirādatte

Er ergreift ihn: „Im Antrieb des Gottes Savitṛ, mit den Armen der Aśvin, mit den Händen des Pūṣan ergreife ich dich, den Opfervollbringer (adhvarakṛt), für die Götter.“ Savitṛ nämlich ist der Antreiber der Götter; von ihm angetrieben, ergreift er ihn. „Mit den Armen der Aśvin“ – sind doch die Aśvin die urbildlichen Adhvaryu-Priester; mit deren Armen, nicht mit den eigenen, ergreift er ihn. Ist dies doch ein Vajra, dessen rechtmäßiger Träger kein Mensch ist; deshalb ergreift er ihn mit Hilfe dieser Gottheiten.

ādade 'dhvarakṛtaṃ devebhya iti | adhvaro vai yajño yajñakṛtaṃ devebhya ityevaitadāha taṃ savye pāṇau kṛtvā dakṣiṇenābhimṛṣya japati saṃśyatyevainametadyajjapati

„Ich ergreife dich, den Opfervollbringer, für die Götter“ – adhvara nämlich ist das Opfer (yajña); „den Opfervollbringer für die Götter“ meint er damit. Nachdem er ihn in die linke Hand genommen und mit der rechten berührt hat, murmelt er einen Spruch – damit schärft er ihn (saṃśyati).

sa japati | indrasya bāhurasi dakṣiṇa ityeṣa vai vīryavattamo ya indrasya bāhurdakṣiṇastasmādāhendrasya bāhurasi dakṣiṇa iti sahasrabhṛṣṭiḥ śatatejā iti sahasrabhṛṣṭirvai sa vajra āsīcatatejā yaṃ taṃ vṛtrāya prāharattamevaitatkaroti

Er murmelt: „Du bist Indras rechter Arm“ – ist doch der rechte Arm Indras der kraftvollste, deshalb heißt es so. „Tausendzackig, hundertschneidig“ – tausendzackig und hundertschneidig war jener Vajra, den er gegen Vṛtra schleuderte; eben dazu macht er den Sphya damit.

vāyurasi tigmatejā iti | etadvai tejiṣṭhaṃ tejo yadayaṃ yo 'yam pavata eṣa hīmāṃllokāṃstiryaṅṅanupavate saṃśyatyevainametaddviṣato badha iti yadi nābhicaredyadyu abhicaredamuṣya badha iti brūyāttena saṃśitena nātmānamupaspṛśati na pṛthivīṃ nedanena vajreṇa saṃśitenātmānaṃ vā pṛthivīṃ vā hinasānīti tasmānnātmānamupaspṛśati na pṛthivīm

„Du bist Vāyu, scharfschneidig (tigmatejas)“ – dies ist die schärfste Schneide, dass dieser Wind quer (tiryañc) durch diese Welten weht; damit schärft er ihn. „Zum Erschlagen des Feindes“ spricht er, wenn er niemanden verfluchen will; will er verfluchen, so soll er sprechen: „zum Erschlagen des NN“. Mit diesem geschärften Gerät berührt er weder sich selbst noch die Erde – „dass ich nicht mit diesem geschärften Vajra mich selbst oder die Erde verletze“ – deshalb berührt er damit weder sich noch die Erde.

devāśca vā asurāśca | ubhaye prājāpatyāḥ paspṛdhire te ha sma yaddevā asurāñjayanti tato ha smaivainānpunarupottiṣṭhanti

Die Götter und die Asuras, beide von Prajāpati abstammend, stritten miteinander. Sooft die Götter die Asuras besiegten, so oft erhoben diese sich von dort wieder gegen sie.

te ha devā ūcuḥ | jayāmo vā asurāṃstatastveva naḥ punarupottiṣṭhanti kathaṃ nvenānanapajayyaṃ jayemeti

Da sprachen die Götter: „Wir besiegen die Asuras zwar, doch erheben sie sich immer wieder gegen uns; wie könnten wir sie so besiegen, dass es unwiderruflich (anapajayya) sei?“

sa hāgniruvāca | udañco vai naḥ palāyya mucyanta ityudañco ha smaivaiṣām palāyya mucyante

Da sprach Agni: „Sie entkommen uns, indem sie nach Norden fliehen“ – nach Norden nämlich entkamen sie stets fliehend.

sa hāgniruvāca | ahamuttarataḥ paryeṣyāmyatha yūyamita upasaṃrotsyatha tāntsaṃrudhyaibhiśca lokairabhinidhāsyāmo yadu cemāṃllokānati caturtha tataḥ punarna saṃhāsyanta iti

Da sprach Agni: „Ich werde von Norden her herumgehen; dann schließt ihr sie von hier ein. Haben wir sie eingeschlossen, umschließen wir sie samt diesen Welten; und was über diese Welten hinaus, als Viertes, ist – von dort sollen sie sich nicht wieder erheben können.“

so 'gniruttarataḥ paryait | athema ita upasamarundhaṃstāntsaṃrudhyaibhiśca lokairabhinyadadhuryadu cemāṃllokānati caturtha tataḥ punarna samajihata tadetannidānena yatstambayajuḥ

Agni ging von Norden her herum. Da schlossen die anderen Götter sie von hier ein, umschlossen sie, nachdem sie sie eingeschlossen hatten, samt diesen Welten; und was über diese Welten hinaus, als Viertes, war – von dort erhoben sie sich nicht wieder. Dies ist der Ursprung (nidāna) für den Lähmungsspruch (stambhayajus).

sa yo 'sāvagnīduttarataḥ paryeti | agnirevaiṣa nidānena tānadhvaryureveta upasaṃruṇaddhi tāntsaṃrudhyaibhiśca lokairabhinidadhāti yadu cemāṃllokānati caturtha tataḥ punarna saṃjihate tasmādapyetarhyasurā na saṃjihate yena hyevaināndevā avābādhanta tenaivainānapyetarhi brahmaṇā yajñe 'vabādhante

Der Āgnīdh-Priester, der von Norden her herumgeht, ist dem Ursprung nach eben Agni selbst; der Adhvaryu schließt hier die Gegner ein, umschließt sie, nachdem er sie eingeschlossen hat, samt diesen Welten; und was über diese Welten hinaus, als Viertes, ist – von dort erheben sie sich nicht wieder. Deshalb erheben sich auch heute die Asuras nicht mehr gegen die Götter; mit demselben Mittel, mit dem die Götter sie damals wegdrängten, drängen sie eben auch heute noch, durch den Brahman (den Brahman-Priester, das heilige Wort), beim Opfer weg.

ya u eva yajamānāyārātīyati | yaścainaṃ dveṣṭi tamevaitadebhiśca lokairabhinidadhāti yadu cemāṃllokānati caturthamasyā eva sarvaṃ haratyasyāṃ hīme sarve lokāḥ pratiṣṭhitāḥ kiṃ hi haradyadantarikṣaṃ harāmi divaṃ harāmīti harettasmādasyā eva sarvaṃ harati

Wer dem Opferveranstalter feindlich gesinnt ist, wer ihn hasst, den umschließt er damit samt diesen Welten; und was über diese Welten hinaus, als Viertes, ist – er nimmt ihm alles eben von dieser Erde weg. Sind doch auf ihr alle Welten gegründet. Was nämlich würde er sonst wegnehmen, sagte er „ich nehme den Luftraum weg“, „ich nehme den Himmel weg“? Deshalb nimmt er alles eben von dieser Erde weg.

atha tṛṇamantardhāya praharati | nedanena vajreṇa saṃśitena pṛthivīṃ hinasānīti tasmāttṛṇamantardhāya praharati

Dann, nachdem er Gras dazwischengelegt hat, wirft er die Erdscholle: „Dass ich nicht mit diesem geschärften Vajra die Erde verletze“ – deshalb wirft er sie nach Unterlegen von Gras.

sa praharati | pṛthivi devayajanyoṣadhyāste mūlam mā hiṃsiṣamityuttaramūlāmiva vā enāmetatkarotyādadānastāmetadāhauṣadhīnāṃ te mūlāni mā hiṃsiṣamiti vrajaṃ gaca goṣṭhānamityabhinidhāsyannevaitadanapakrami kurute taddhyanapakrami yadvraje 'ntastasmādāha vrajaṃ gaca goṣṭhānamiti varṣatu te dyauriti yatra vā asyai khanantaḥ krūrīkurvantyapaghnanti śāntirāpastadadbhiḥ śāntyā śamayati tadadbhiḥ saṃdadhāti tasmādāha varṣatu te dyauriti badhāna deva savitaḥ paramasyām pṛthivyāmiti devamevaitatsavitāramāhāndhe tamasi badhāneti yadāha paramasyām pṛthivyāmiti ṣatena pāśairityamuce tadāha yo 'smāndveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmastamato mā maugiti yadi nābhicaredyadyu abhicaredamumato mā maugiti brūyāt

Er wirft die Scholle: „O Erde, o Gottopferstätte (devayajanī), o Pflanze, ich möchte deine Wurzel nicht verletzen“ – dabei behandelt er die Erde, als gäbe er ihr eine neue Wurzel (uttaramūlā), indem er sie aufnimmt; dazu sagt er: „Ich möchte die Wurzeln der Pflanzen nicht verletzen.“ „Geh in die Hürde, in den Kuhstall“ – indem er sie so ablegt, macht er dies zu einem bleibenden (anapakrami) Akt, ist doch das, was innerhalb der Hürde liegt, unweggehend; deshalb spricht er so. „Es regne der Himmel auf dich“ – denn wo immer man beim Graben die Erde roh macht und wegschlägt, ist Wasser Beschwichtigung (śānti); damit beschwichtigt er sie und fügt sie mit Wasser wieder zusammen. „Binde, o Gott Savitṛ, auf der äußersten Erde“ – damit spricht er zum Gott Savitṛ selbst; „in blinde Finsternis binden“ ist gemeint, wenn er „auf der äußersten Erde“ sagt – „mit hundert Fesseln“: „Wer uns hasst und wen wir hassen, der soll von dort nicht loskommen“, spricht er, wenn er niemanden verfluchen will; will er verfluchen, so soll er sagen: „der NN soll von dort nicht loskommen“.

atha dvitīyam praharati | apārarum pṛthivyai devayajanādbadhyāsamityararurha vai nāmāsurarakṣasamāsa taṃ devā asyā apāghnanta tatho evainametadeṣo 'syā apahate vrajaṃ gaca goṣṭhānaṃ varṣatu te dyaurbadhāna deva savitaḥ paramasyām pṛthivyāṃ śatena pāśairyo 'smāndveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmastamato mā maugiti

Dann wirft er die zweite Scholle: „Ich möchte den Araru von der Gottopferstätte der Erde forttreiben“ – Araru nämlich war der Name eines Asura-und-Rakṣas-Wesens, das die Götter von der Erde forttrieben; ebenso treibt auch der Priester ihn jetzt fort. „Geh in die Hürde, in den Kuhstall; es regne der Himmel auf dich; binde, o Gott Savitṛ, auf der äußersten Erde, mit hundert Fesseln, wer uns hasst und wen wir hassen, der soll von dort nicht loskommen.“

tamagnīdabhinidadhāti | araro divam mā papta iti yatra vai devā ararumasurarakṣasamapāghnata sa divamapipatiṣattamagnirabhinyadadhādararo divam mā papta iti sa na divamapattatho evainametadadhvaryurevāsmāllokādantareti divo 'dhyagnīttasmādevaṃ karoti

Diese Scholle legt der Āgnīdh-Priester nieder: „O Araru, fliege nicht zum Himmel auf!“ Als die Götter den Araru forttrieben, wollte er zum Himmel auffliegen; da trat ihm Agni entgegen: „O Araru, fliege nicht zum Himmel auf!“ – so gelangte er nicht zum Himmel. Ebenso tritt auch hier der Adhvaryu zwischen ihn und diese Welt, unterhalb des Himmels, beim Āgnīdh [Anm.: die Wendung „divo 'dhyagnīt“ ist knapp und unsicher konstruiert; sinngemäß auf die Position des Āgnīdh-Priesters bezogen]. Deshalb verfährt er so.

atha tṛtīyam praharati | drapsaste dyām mā skannityayaṃ vāasyai drapso yamasyā imaṃ rasa prajā upajīvantyeṣa te divam mā paptadityevaitadāha vrajaṃ gaca go ... maugiti

Dann wirft er die dritte Scholle: „Dein Tropfen (drapsa) soll nicht auf den Himmel spritzen!“ – dies nämlich ist der Tropfen der Erde, von dessen Saft (rasa) die Geschöpfe leben; „dieser dein Tropfen soll nicht zum Himmel auffliegen“ – so spricht er. „Geh in die Hürde […] soll nicht loskommen.“

sa vai triryajuṣā harati | trayo vā ime lokā ebhirevainame tallokairabhinidadhātyaddhā vai tadyadime lokā addho tadyadyajustasmāttriryajuṣā harati

Er wirft die Schollen dreimal mit dem Opferspruch: Drei sind diese Welten, mit eben diesen drei Würfen umschließt er ihn mit den Welten. Wahr (addha) nämlich sind diese Welten, wahr auch der Opferspruch; deshalb wirft er dreimal mit dem Opferspruch.

tūṣṇīṃ caturtham | sa yadimāṃllokānati caturthamasti vā na vā tenaivaitaddviṣantam bhrātṛvyamavabādhate 'naddhā vai tadyadimāṃllokānati caturthamasti vā na vānaddho tadyattūṣṇīṃ tasmāttūṣṇīṃ caturtham

Die vierte Scholle wirft er schweigend. Ob es über diese Welten hinaus ein Viertes gibt oder nicht – eben dadurch drängt er den hassenden Nebenbuhler ab. Ungewiss (anaddha) nämlich ist, ob es über diese Welten hinaus ein Viertes gibt oder nicht, und ungewiss auch das Schweigen. Deshalb wirft er die vierte Scholle schweigend.

devāśca vā asurāśca | ubhaye prājāpatyāḥ paspṛdhire tato devā anuvyamivāsuratha hāsurā menire 'smākamevedaṃ khalu bhuvanamiti

Die Götter und die Asuras, beide von Prajāpati abstammend, stritten miteinander. Da wurden die Götter gleichsam unterlegen [Anm.: die Lesart ist an dieser Stelle unsicher überliefert]; die Asuras aber dachten: „Diese Welt hier ist doch allein die unsrige.“

te hocuḥ | hantemām pṛthivīṃ vibhajāmahai tāṃ vibhajyopajīvāmeti tāmaukṣṇaiścarmabhiḥ paścātprāñco vibhajamānā abhīyuḥ

Diese sprachen: „Wohlan, lasst uns diese Erde verteilen; haben wir sie verteilt, wollen wir von ihr leben.“ Sie gingen daran, sie mit Rinderhäuten von Westen nach Osten fortschreitend zu verteilen (auszumessen).

tadvai devāḥ śuśruvuḥ | vibhajante ha vā imāmasurāḥ pṛthivīm preta tadeṣyāmo yatremāmasurā vibhajante ke tataḥ syāma yadasyai na bhajemahīti te yajñameva viṣṇum puraskṛtyeyuḥ

Dies hörten die Götter: „Die Asuras verteilen ja diese Erde“ – „Wohlan, lasst uns dorthin gehen, wo die Asuras diese Erde verteilen; was wären wir denn, hätten wir keinen Anteil daran?“ Sie gingen und stellten das Opfer selbst, in Gestalt des Viṣṇu, voran.

te hocuḥ | anu no 'syām pṛthivyāmābhajatāstveva no 'pyasyām bhāga iti te hāsurā asūyanta ivocuryāvadevaiṣa viṣnurabhiśete tāvadvo dadma iti

Diese sprachen: „Gebt auch uns Anteil an dieser Erde, es sei auch für uns ein Teil an ihr.“ Die Asuras aber sprachen, gleichsam missgünstig: „Soviel eben dieser Viṣṇu bedeckt liegt, so viel geben wir euch.“

vāmano ha viṣnurāsa | taddevā na jihīḍire mahadvai no 'durye no yajñasaṃmitamaduriti

Viṣṇu war damals ein Zwerg (vāmana). Daran nahmen die Götter keinen Anstoß; sie dachten: „Viel fürwahr haben sie uns gegeben, da sie uns etwas dem Opfer Gleichgemessenes gegeben haben.“

te prāñcaṃ viṣṇuṃ nipādya | candobhirabhitaḥ paryagṛhṇangāyatreṇa tvā candasā parigṛhṇāmīti dakṣiṇatastraiṣṭubhena tvā candasā parigṛhṇāmīti paścājjāgatena tvā candasā parigṛhṇāmītyuttarataḥ

Nachdem sie Viṣṇu nach Osten gewandt niedergelegt hatten, umgaben sie ihn ringsum mit den Versmaßen: „Mit dem Gāyatrī-Versmaß umgebe ich dich“ – im Osten; „mit dem Triṣṭubh-Versmaß umgebe ich dich“ – im Süden; „mit dem Jagatī-Versmaß umgebe ich dich“ – im Westen; und entsprechend im Norden [Anm.: die vierte, dem Muster folgende Formel für den Norden ist im überlieferten Text nicht ausgeschrieben; hier ohne Ergänzung wiedergegeben].

taṃ candobhirabhitaḥ parigṛhya | agnim purastātsamādhāya tenārcantaḥ śrāmyantaścerustenemāṃ sarvām pṛthivīṃ samavindanta tadyadenenemāṃ sarvāṃ samavindanta tasmādvedirnāma tasmādāhuryāvatī vedistāvatī pṛthivītyetayā hīmāṃ sarvāṃ samavindantaivaṃ ha vā imāṃ sarvāṃ sapatnānāṃ samvṛṅkte nirbhajatyasyai sapatnānya evametadveda

Nachdem sie ihn so mit den Versmaßen umgeben hatten, legten sie Agni nach vorn (Osten) und gingen damit umher, Lieder singend und sich abmühend; damit gewannen sie diese ganze Erde. Weil sie damit diese ganze Erde gewannen (sam-vid-), heißt dieser abgesteckte Opferplatz „Vedi“. Deshalb sagt man: „So groß die Vedi ist, so groß ist die Erde“ – gewannen sie doch mit ihr diese ganze Erde. Ebenso gewinnt, wer dies weiß, diese ganze Erde den Nebenbuhlern ab und enterbt sie daran.

so 'yaṃ viṣṇurglānaḥ | candobhirabhitaḥ parigṛhīto 'gniḥpurastānnāpakramaṇamāsa sa tata evauṣadhīnām mūlānyupamumloca

Dieser Viṣṇu, erschöpft, ringsum von den Versmaßen umgeben, mit Agni voran, hatte keine Möglichkeit zum Fortgehen; er nagte von dort aus an den Wurzeln der Pflanzen.

te ha devā ūcuḥ | kva nu viṣṇurabhūtkva nu yajño 'bhūditi te hocuścandobhirabhitaḥ parigṛhīto 'gniḥ purastānnāpakramaṇamastyatraivānvicateti taṃ khananta ivānvīṣustaṃtryaṅgule 'nvavindaṃstammāttryaṅgulā vediḥ syāttadu hāpi pāñcistryaṅgulāmeva saumyasyadhvarasya vediṃ cakre

Da sprachen die Götter: „Wo ist nun Viṣṇu geblieben, wo das Opfer?“ Die anderen sprachen: „Ringsum von den Versmaßen umgeben, mit Agni voran, gibt es keine Möglichkeit zum Fortgehen – sucht eben hier.“ Gleichsam grabend suchten sie ihn und fanden ihn in drei Fingerbreiten Tiefe; deshalb soll die Vedi seinetwegen drei Fingerbreiten tief sein. So machte auch Pāñci die Vedi des Soma-Opfers genau drei Fingerbreiten tief.

tadu tatha na kuryāt | oṣadhīnāṃ vai sa mūlānyupāṃlocattasmādoṣadhīnāmeva mūlānyucettavai brūyādyannvevātra viṣṇumanvavindaṃstasmādvedirnāma

Man sollte dies aber nicht so begründen: Er habe an den Wurzeln der Pflanzen genagt, deshalb schneide man eben deshalb die Pflanzenwurzeln so tief ab. Vielmehr sollte man sagen: Weil man eben dort den Viṣṇu fand, deshalb der Name „Vedi“.

tamanuvidyottareṇa parigraheṇa paryagṛhṇan | sukṣmā cāsi śivā cāsīti dakṣiṇata imāmevaitatpṛthivīṃ saṃvidya sukṣmāṃ śivāmakurvata syonā cāsi suṣadā cāsīti paścādimāmevaitatpṛthivīṃ saṃvidya syonāṃ suṣadāmakurvatorjasvatī cāsi payasvatī cetyuttarata imāmevaitatpṛthivīṃ saṃvidya rasavatīmupajīvanīyāmakurvata

Nachdem sie ihn gefunden hatten, umgaben sie ihn mit einer zweiten Umfassung (parigraha): „Du bist schlank und heilsam“ – im Süden; damit machten sie, nachdem sie diese Erde gefunden hatten, sie schlank und heilsam. „Du bist behaglich und gut zu sitzen“ – im Westen; damit machten sie sie behaglich und gut zu sitzen. „Du bist kraftvoll und milchreich“ – im Norden; damit machten sie sie saftreich und zum Leben tauglich (wovon man sich nähren kann).

sa vai triḥ pūrvam parigraham parigṛhṇāti | triruttaraṃ tatṣaṭ kṛtvaḥ ṣaḍvā ṛtavaḥ saṃvatsarasya saṃvatsaro yajñaḥ prajāpatiḥ sa yāvāneva yajño yāvatyasya mātrā tāvatamevaitatparigṛhṇāti

Er umfasst die vordere Umfassung dreimal, die hintere dreimal – das macht sechsmal; sechs nämlich sind die Jahreszeiten des Jahres, das Jahr ist das Opfer, ist Prajāpati. So groß das Opfer ist, so groß sein Maß ist, so groß umfasst er es damit.

ṣaḍbhirvyāhṛtibhiḥ | pūrvam parigraha parigṛhṇāti ṣaḍbhiruttaraṃ taddvādaśa kṛtvo dvādaśa vai māsāḥ saṃvatsarasya saṃvatsaro yajñaḥ prajāpatiḥ sa yāvāneva yajño yāvatyasya mātrā tāvatamevaitatparigṛhṇāti

Mit sechs Vyāhṛti-Formeln umfasst er die vordere Umfassung, mit sechs die hintere – das macht zwölfmal; zwölf nämlich sind die Monate des Jahres, das Jahr ist das Opfer, ist Prajāpati. So groß das Opfer ist, so groß sein Maß ist, so groß umfasst er es damit.

vyāmamātrī paścātsyādityāhuḥ | etāvānvai puruṣaḥ puruṣasaṃmita hi tryaratniḥ prācī trivṛddhi yajño nātra mātrāsti yāvatīmeva svayam manasā manyeta tāvatīṃ kuryāt

„Eine Klafterlänge (vyāma) soll sie hinten [im Westen] sein“, sagen sie – so groß nämlich ist der Mensch (puruṣa), menschenmäßig ist das Maß bemessen. Drei Ellen soll die vordere, östliche Seite sein; dreifach anwachsend ist das Opfer. Ein festes Maß gibt es hierbei nicht: Wie groß er selbst mit eigenem Urteil entscheiden würde, so groß soll er sie machen.

abhito 'gnimaṃsā unnayati | yoṣā vai vedirvṛṣāgniḥ parigṛhya vai yoṣā vṛṣāṇaṃ śete mithunamevaitatprajananaṃ kriyate tasmādabhito 'gnimaṃsā unnayati

Auf beiden Seiten des Feuers häuft er mit der Schulterschaufel (aṃsa) Erde auf: Die Vedi ist das Weibliche, Agni der Stier, das Männliche; umfangend liegt ja das Weibliche beim Stier, eben damit wird eine Paarung (mithuna), ein Zeugungsakt, vollzogen. Deshalb häuft er beiderseits des Feuers mit der Schulterschaufel auf.

sā vai paścādvarīyasī syāt | madhye saṃhvāritā punaḥ purastādurvyevamiva hi yoṣām praśaṃsanti pṛthuśroṇirvimṛṣṭāntarāṃsā madhye saṃgrāḥyeti juṣṭāmevaināmetaddevebhyaḥ karoti

Sie soll hinten [im Westen] breiter sein, in der Mitte eingezogen (saṃhvārita), vorn [im Osten] wieder breit – preist man doch ebenso eine Frau: „breithüftig, mit wohlgeformter Taille, in der Mitte zu umfassen“. Damit macht er sie den Göttern wohlgefällig.

sā vai prākpravaṇā syāt | prācī hi devānāṃ digatho udakpravaṇodīcī hi manuṣyāṇāṃ digdakṣiṇataḥ purīṣam pratyudūhatyeṣā vai dikpitṝṇāṃ sā yaddakṣiṇāpravaṇā syāt kṣipre ha yajamāno 'muṃ lokamiyāttatho ha yajamāno jyogjīvati tasmāddakṣiṇataḥ purīṣam pratyudūhati purīṣavatīṃ kurvīta paśavo vai purīṣam paśumatīmevaināmetatkurute

Sie soll nach Osten hin geneigt sein – Osten ist die Richtung der Götter; nach manchen nach Norden – Norden ist die Richtung der Menschen. Nach Süden hin schiebt er die Aushuberde (purīṣa) zurück, ist dies doch die Richtung der Väter (Ahnen). Wäre sie nach Süden geneigt, so ginge der Opferveranstalter rasch in jene Welt (d. h. stürbe); so aber lebt er lange. Deshalb schiebt er die Aushuberde nach Süden zurück; man soll die Vedi reich an Aushuberde machen – entspricht doch die Aushuberde dem Vieh, und damit macht man sie viehreich.

tām pratimārṣṭi | devā ha vai saṃgrāmaṃ saṃnidhāsyanta ste hocurhanta yadasyai pṛthivyā anāmṛtaṃ devayajanaṃ taccandramasi nidadhāmahai sa yadi na ito 'surā jayeyustata evārcantaḥ śrāmyantaḥ punarabhibhavemeti sa yadasyai pṛthivyā anāmṛtaṃ devayajanamāsīttaccandramasi nyadadhata tadetaccandramasi kṛṣṇaṃ tasmādāhuścandramasyasyai pṛthivyai devayajanamityapi ha vā asyaitasmindevayajana iṣṭam bhavati tasmādvai pratimārṣṭi

Er wischt sie glatt. Als die Götter im Begriff waren, die Schlacht zu beginnen, sprachen sie: „Wohlan, welche unversehrte Gottopferstätte (devayajana) dieser Erde es gibt, die wollen wir im Mond niederlegen; siegen wir von hier aus nicht, so wollen wir von dort aus, singend und uns abmühend, wieder obsiegen.“ Was an unversehrter Gottopferstätte dieser Erde war, legten sie im Mond nieder – das ist jener dunkle Fleck am Mond. Deshalb sagt man: „Der Mond ist die Gottopferstätte dieser Erde.“ Und fürwahr, auch für den Opfernden wird es dann so, als würde auf dieser Gottopferstätte im Mond geopfert. Deshalb wischt er sie sauber.

sa pratimārṣṭi | purā krūrasya visṛpo virapśinniti saṃgrāmo vai krūraṃ saṃgrāme hi krūraṃ kriyate hataḥ puruṣo hato 'śvaḥ śete purā hyetatsaṃgrāmānnyadadhata tasmādāha purā krūrasya visṛpo virapśinnityudādāya pṛthivīṃ jīvadānumityudādāya hi yadasyai pṛthivyai jīvamāsīttaccandramasi nyadadhata tasmādāhodādāya pṛthivīṃ jīvadānumiti yāmairayaṃścandramasi svadhābhiriti yāṃ candramasi brahmaṇādadhurityevaitadāha tāmu dhīrāso anudiśya yajanta ityeteno ha tāmanudiśya yajante 'pi ha vā asyaitāsmindevayajana iṣṭam bhavati ya evametadveda

Er wischt sie sauber: „Vor dem Sich-Ausbreiten des Grausamen (krūra), o Rauschende (virapśin)“ [Anm.: die Mantra-Zeilen enthalten seltene, sprachlich unsichere Wörter wie virapśin und jīvadānu; die Übersetzung ist im Detail unsicher] – Schlacht nämlich ist „das Grausame“, wird doch in der Schlacht Grausames getan: erschlagen liegt der Mann, erschlagen das Pferd. Vor diesem Grausamen der Schlacht hatten sie jene Gottopferstätte niedergelegt; deshalb spricht er so. „Nachdem sie von der Erde die lebenspendende Gabe (jīvadānu) aufgehoben hatten“ – aufhebend nahmen sie, was an Lebenskraft dieser Erde eigen war, und legten es im Mond nieder. „Die sie mit eigener Kraft (svadhā) in den Mond entsandten“, „die sie durch das heilige Wort (brahman) im Mond niederlegten“ – so spricht er. „Diese, ihr zugewiesen, opfern die Weisen“ – mit eben dieser Formel, ihr zugewiesen, opfern sie ihr. Und fürwahr, auch für den, der dies weiß, wird es so, als würde auf dieser Gottopferstätte geopfert.

athāha prokṣaṇīrāsādayeti | vajro vai sphyo brāhmaṇaścemam purā yajñamabhyajūgupatāṃ vajro vā āpastadvajramevaitadabhiguptyā āsādayati sa vā uparyuparyeva prokṣaṇīṣu dhāryamāṇāsvatha sphyamudyacatyatha yannihita eva sphyo prokṣaṇīrāsādayedvajro ha samṛceyātāṃ tatho ha vajro na samṛcete tasmāduparyuparyeva prokṣanīṣu dhāryamāṇāsvatha sphyamudyacati

Dann spricht er: „Setzt die Besprengungswasser (prokṣaṇī) hin!“ – der Sphya ist ein Vajra, und der Brahman-Priester – diese beiden haben bislang dieses Opfer behütet; auch Wasser ist ein Vajra, damit setzt er es zum Schutz mit jenem Vajra hin. Während die Besprengungswasser noch in der Schwebe gehalten werden, erhebt er den Sphya; würde er die Besprengungswasser erst hinsetzen lassen, wenn der Sphya schon niedergelegt ist, so stießen die beiden Vajras aufeinander. Deshalb erhebt er den Sphya, während die Besprengungswasser noch gehalten werden.

athaitāṃ vācaṃ vadati | prokṣaṇīrāsādayedhmam barhirupasādaya srucaḥ sammṛḍḍhi patnīṃ saṃnahyājyenodehīti saṃpraiṣa evaiṣa sa yadi kāmayeta brūyādetadyadyu kāmayetāpi nādriyeta svayamu hyevaitadvededamataḥ karma kartavyamiti

Dann spricht er diese Weisung (saṃpraiṣa): „Setzt die Besprengungswasser hin, legt das Brennholz hin, bringt das Barhis herbei, reinigt die Opferlöffel, rüstet die Gattin, bringt das Schmalz herbei.“ Will er, kann er dies laut aussprechen; will er, kann er es auch unausgesprochen lassen – weiß er doch selbst ohnehin, was als Nächstes zu tun ist.

athodañcaṃ sphyam praharati | amuṣmai tvā vajram praharāmīti yadyabhicaredvajro vai sphya stṛṇute haivainena

Dann wirft er den Sphya nach Norden gerichtet: „Ich schleudere dich, den Vajra, gegen den NN“ – falls er verfluchen will. Der Sphya nämlich ist ein Vajra; damit streckt er den Feind nieder.

atha pāṇī avanenikte | yaddhyasyai krūramabhūttaddhyasyā etadahārṣīttasmātpāṇī avanenikte

Dann wäscht er sich die Hände. Was immer an Grausamem dabei geschah, hat er der Erde damit weggenommen; deshalb wäscht er sich die Hände.

sa ye hāgra ījire | te ha smāvamarśa yajante te pāpīyāṃsa āsuratha ye nejire te śreyāṃsa āsustato 'śraddhā manuṣyānviveda ye yajante pāpīyāṃsaste bhavanti ya u na yajante śreyāṃsaste bhavantīti tata ito devānhavirna jagāmetaḥ pradānāddhi devā upajīvanti

Die einst opferten, pflegten mit „Avamarśa“ [Anm.: wörtlich „Betasten“; hier als ritueller Fehler durch unruhiges, wiederholtes Berühren oder Nachbessern während der Opferhandlung gedeutet, ohne genaue deutsche Entsprechung] zu opfern und wurden dabei schlechter gestellt; die aber nicht so opferten, wurden besser gestellt. Daher ergriff der Unglaube (aśraddhā) die Menschen: „Wer opfert, wird schlechter, wer nicht opfert, wird besser gestellt.“ Daraufhin ging von hier keine Opfergabe mehr zu den Göttern – leben doch die Götter von dieser Gabe.

te ha devā ūcuḥ | bṛhaspatimāṅgirasamaśraddhā vai manuṣyānabidattebhyo vidhehi yajñamiti sa hetyovāca bṛhaspatirāṅgirasaḥ kathā na yajadhva iti te hocuḥ kiṃ kāmyā yajemahi ye yajante pāpīyāṃsaste bhavanti ya u na yajante śreyāṃsaste bhavantīti

Da sprachen die Götter zu Bṛhaspati Āṅgirasa: „Der Unglaube hat von den Menschen Besitz ergriffen; ordne ihnen das Opfer recht zu.“ Er sprach „So sei es“ und fragte: „Warum opfert ihr nicht?“ Sie, die Menschen, sprachen: „Wozu sollten wir freiwillig (kāmyā) opfern – wer opfert, wird schlechter, wer nicht opfert, wird besser gestellt?“

sa hovāca | bṛhaspatirāṅgiraso yadvai śuśruma devānām pariṣūtaṃ tadeṣa yajño bhavati yacūtāni havīṃṣi kḷptā vedistenāvamarśamacāriṣṭa tasmātpāpīyāṃso 'bhūt tenānavamarśa yajadhvaṃ tathā śreyāṃso bhaviṣyathetyā kiyata ityā barhiṣa staraṇāditi barhiṣā ha vai khalveṣā śāmyati sa yadi purā barhihṣa staraṇātkiṃcidāpadyeta barhireva tatstṛṇannapāsyedatha yadā barhi stṛṇantyapi padābhitiṣṭhanti sa yo haivaṃ vidvānanavamarśaṃ yajate śreyānhaiva bhavati tasmādanavamarśameva yajeta

Da sprach Bṛhaspati Āṅgirasa: „Was wir als Antrieb (pariṣūta) der Götter vernommen haben, das eben ist dieses Opfer: dass die Opfergaben unangetastet blieben, die Vedi ordnungsgemäß bereitet (klptā) war – ihr aber habt es mit Avamarśa vollzogen, deshalb seid ihr schlechter gestellt worden; opfert ohne Avamarśa, so werdet ihr besser gestellt.“ – „Bis wohin reicht diese Sorgfalt?“ – „Bis zum Ausstreuen des Barhis.“ Denn mit dem Barhis wird eben alles zur Ruhe gebracht (śāmyati). Sollte vor dem Ausstreuen des Barhis etwas Ungehöriges geschehen, so soll man es eben mit dem Barhis selbst, es ausstreuend, hinwegfegen; ist das Barhis aber schon ausgestreut, tritt man sogar mit dem Fuß darauf, ohne Schaden. Wer, dies wissend, ohne Avamarśa opfert, wird eben dadurch besser gestellt; deshalb soll man nur ohne Avamarśa opfern.

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