Adhyāya 8
Die Flut des Manu und die Ordnung des Opfers
Brāhmaṇa 1 (Manu und der Fisch: Der Ursprung der Iḍā): Diese Erzählung von Manu und dem Fisch gehört zu den berühmtesten Passagen des gesamten Śatapatha-Brāhmaṇa: Sie überliefert die älteste vollständig erhaltene Fassung der indischen Sintflutsage und damit den Ursprung des später vielfach ausgestalteten Matsya-Avatāra-Mythos. Zugleich dient die Erzählung als ätiologische Begründung für die Iḍā, die personifizierte Opferspeise, die zwischen Vor- und Nachopfern verzehrt wird: Aus Manus Opfergüssen entsteht eine Frau, durch die er sein Geschlecht erneuert, und diese wird mit der beim Opfer dargebrachten Iḍā gleichgesetzt. Die anschließenden Kaṇḍikās erläutern detailliert den rituellen Vollzug des Iḍā-Abschnitts – das Abschneiden, Herbeirufen und Verzehren der Opferspeise – und verankern so den Mythos fest im praktischen Ritualvollzug. Brāhmaṇa 2 (Die Nachopfer (Anuyāja) und die Versmaße): Dieser Abschnitt behandelt die Anuyāja, die auf das Hauptopfer folgenden Nachopfer, und deutet sie als die Versmaße (chandas), die gleichsam als Zugtiere der Götter das Opfer zum Himmel befördern. Erklärt wird insbesondere die auffällige Reihenfolge der drei Nachopfer-Gottheiten – Barhis (Jagatī), Narāśaṃsa (Triṣṭubh) und Agni (Gāyatrī) –, die von der sonst üblichen Ordnung abweicht, weil die an sich kürzeste Gāyatrī hier bewusst an die letzte Stelle gesetzt wird, um eine als unpassend empfundene Reihenfolge zu vermeiden. Der Abschnitt schließt mit einer Bemerkung zum unterschiedlichen Wortlaut der Adhvaryu- und Hotṛ-Formeln bei den Anuyāja. Brāhmaṇa 3 (Das Auseinanderführen der Opferlöffel und der Sviṣṭakṛt): Der dritte Abschnitt beschreibt die abschließenden Handlungen des Opfers: das Auseinander- und wieder Zusammenführen der beiden Opferlöffel (Juhū und Upabhṛt), das Bestreichen und Fortwerfen der Umsteckhölzer (paridhi) und des Prastara-Bündels sowie die Formeln, mit denen der Opferherr und die göttlichen wie menschlichen Hotṛ-Priester zur Götterwelt geleitet werden. Zentral ist dabei die Vorstellung, dass das Opfer, zum Vogel geworden, zum Himmel auffliegt und von dort Regen bringt, sowie das Sviṣṭakṛt-Opfer, das den ordnungsgemäßen Abschluss der gesamten Zeremonie sicherstellt. Eingestreut sind mehrere kurze, Gleichförmigkeit (jāmitā) vermeidende Erläuterungen zur genauen Wortwahl der begleitenden Opferformeln.
manave ha vai prātaḥ | avanegyamudakamājahruryathedam pāṇibhyāmavanejanāyāharantyevaṃ tasyāvanenijānasya matsyaḥ pāṇī āpede
Dem Manu brachte man am Morgen Wasser zum Waschen, so wie man auch jetzt noch mit den Händen Wasser zum Waschen bringt; und während er sich so wusch, geriet ihm ein Fisch (matsya) in die Hände.
sa hāsmai vācamuvāda | bibhṛhi mā pārayiṣyāmi tveti kasmānmā pārayiṣyasītyaugha imāḥ sarvāḥ prajā nirvoḍhā tatastvā pārayitāsmīti kathaṃ te bhṛtiriti
Der sprach zu ihm ein Wort: „Ziehe mich auf, ich werde dich retten (pārayiṣyāmi).“ – „Wovor willst du mich retten?“ – „Eine Flut (augha) wird alle diese Geschöpfe hinwegtragen; davor werde ich dich retten.“ – „Wie soll deine Aufzucht geschehen?“
sa hovāca | yāvadvai kṣullakā bhavāmo bahvī vai nastāvannāṣṭrā bhavatyuta matsya eva matsyaṃ gilati kumbhyām māgre bibharāsi sa yadā tāmativardhā atha karṣūṃ khātvā tasyām mā bibharāsi sa yadā tāmativardhā atha mā samudramabhyavaharāsi tarhi vā atināṣṭro bhavitāsmīti
Er sprach: „Solange wir klein sind, gibt es für uns viel Verderben (nāṣṭra, von √naś, ‚zugrunde gehen‘); denn ein Fisch verschlingt den anderen Fisch. Du sollst mich zuerst in einem Krug aufziehen. Wenn ich diesem entwachsen bin, sollst du eine Grube graben und mich darin aufziehen. Wenn ich auch dieser entwachsen bin, sollst du mich zum Meer hinabtragen; dann werde ich dem Verderben entronnen (atināṣṭra) sein.“
śaśvaddha kaṣa āsa | sa hi jyeṣṭhaṃ vardhate 'thetithīṃ samāṃ tadaugha āgantā tanmā nāvamupakalpyopāsāsai sa augha utthite nāvamāpadyāsai tatastvā pārayitāsmīti
Im übrigen aber [Anm.: der Wortlaut ist an dieser Stelle unsicher überliefert] – er wächst nämlich am schnellsten heran (jyeṣṭham vardhate) –, und in dem und dem Jahr wird die Flut kommen. Da sollst du mir ein Schiff bereiten und meiner gewärtig sein; wenn die Flut sich erhebt, sollst du das Schiff besteigen – dann werde ich dich retten.“
tamevam bhṛtvā samudramabhyavajahāra | sa yatithīṃ tatsamām paridideṣa tatithīṃ samāṃ nāvamupakalpyopāsāṃ cakre sa augha utthite nāvamāpede taṃ sa matsya upanyāpupluve tasya śṛṅge nāvaḥ pāśam pratimumoca tenaitamuttaraṃ girimatidudrāva
Nachdem er ihn so aufgezogen hatte, trug er ihn zum Meer hinab. In dem Jahr, das jener (Fisch) angegeben hatte, in eben diesem Jahr bereitete er ein Schiff und wartete darauf; als die Flut sich erhob, bestieg er das Schiff. Da schwamm jener Fisch zu ihm heran; an dessen Horn band er das Seil des Schiffes fest, und mit dessen Hilfe fuhr er über jenen nördlichen Berg hinweg.
sa hovāca | apīparaṃ vai tvā vṛkṣe nāvam pratibaghnīṣva taṃ tu tvā mā girau santamudakamantaścaitsīdyāvadudakaṃ samavāyāttāvattāvadanvavasarpāsīti sa ha tāvattāvadevānvavasasarpa tadapyetaduttarasya girermanoravasarpaṇamityaugho ha tāḥ sarvāḥ prajā niruvāhātheha manurevaikaḥ pariśiśiṣe
Er sprach: „Ich habe dich nun hinübergerettet (apīparam). Binde das Schiff an einen Baum; doch soll dich, während du auf dem Berge bist, das Wasser nicht abschneiden – wie das Wasser (allmählich) zurückweicht, so sollst du mit ihm Schritt für Schritt hinabgleiten.“ Und er glitt tatsächlich Schritt für Schritt hinab. Das ist auch der Grund, weshalb man vom ‚Hinabgleiten des Manu von jenem nördlichen Berg‘ spricht. Die Flut (augha) aber trug alle jene Geschöpfe hinweg; einzig Manu blieb übrig.
sorcaṃcrāmyaṃścacāra prajākāmaḥ | tatrāpi pākayajñeneje sa ghṛtaṃ dadhi mastvāmikṣāmityapsu juhavāṃ cakāra tataḥ saṃvatsare yoṣitsambabhūva sā ha pibdamānevodeyāya tasyai ha sma ghṛtam pade saṃtiṣṭhate tayā mitrāvaruṇau saṃjagmāte
Nach Nachkommenschaft verlangend, zog er verehrend und sich abmühend umher. Dabei opferte er auch mit einem Kochopfer (pākayajña); er brachte Ghee (ghṛta), Dickmilch (dadhi), Molke (mastu) und saure Milch (āmikṣā) als Guss ins Wasser dar. Daraus entstand im Laufe eines Jahres eine Frau. Sie kam wie schlürfend empor; wo sie auftrat, blieb Ghee an ihrer Fußspur stehen. Mit ihr trafen Mitra und Varuṇa zusammen.
tāṃ hocatuḥ kāsīti | manorduhitetyāvayorbrūṣveti neti hovāca ya eva māmajījanata tasyaivāhamasmīti tasyāmapitvamīṣāte tadvā jajñau tadvā na jajñāvati tveveyāya sā manumājagāma
Zu ihr sprachen die beiden: „Wer bist du?“ – „Ich bin die Tochter des Manu.“ – „Sage, du seist unsere Tochter!“ – „Nein“, sprach sie, „ich gehöre dem, der mich gezeugt hat.“ Sie begehrten von ihr Anteil (apitva); ob sie es nun wusste oder nicht wusste – sie ging jedenfalls fort und kam zu Manu.
tāṃ ha manuruvāca kāsīti | tava duhiteti katham bhagavati mama duhiteti yā amūrapsvāhutīrahauṣīrghṛtaṃ dadhi mastvāmikṣāṃ tato māmajījanathāḥ sāśīrasmi tām mā yajñe 'vakalpaya yajñe cedvai māvakalpayiṣyasi bahuḥ prajayā paśubhirbhaviṣyasi yāmamuyā kāṃ cāśiṣamāśāsiṣyase sā te sarvā samardhiṣyata iti tāmetanmadhye yajñasyāvākalpayanmadhyaṃ hyetadyajñasya yadantarā prayājānuyājān
Zu ihr sprach Manu: „Wer bist du?“ – „Deine Tochter.“ – „Wieso, Herrin (bhagavati), meine Tochter?“ – „Jene Gussopfer, die du ins Wasser dargebracht hast – Ghee, Dickmilch, Molke, saure Milch –, aus diesen hast du mich erzeugt. Ich bin der Segen (āśis, die ‚Segenshaltige‘). Setze mich beim Opfer ein (avakalpaya); wenn du mich beim Opfer einsetzt, wirst du reich an Nachkommenschaft und Vieh werden. Welchen Wunsch (āśis) du auch mit mir erflehen wirst, der wird sich dir ganz erfüllen (samardh-).“ Und man setzte sie eben in die Mitte des Opfers ein; denn dies ist die Mitte des Opfers, was zwischen den Vor- und Nachopfern (prayāja, anuyāja) liegt.
Mit ihr zog er, nach Nachkommenschaft verlangend, verehrend und sich abmühend umher. Durch sie erzeugte er jene Nachkommenschaft, welche die Nachkommenschaft des Manu ist; und welchen Wunsch er auch immer mit ihr erflehte, der ging ihm ganz in Erfüllung.
Das eben ist sie, nämlich der eigentliche Grund (nidāna), weshalb sie Iḍā heißt. Wer nun, dies wissend, mit Iḍā umgeht (das Iḍā-Ritual vollzieht), der erzeugt eben jene Nachkommenschaft, die Manu erzeugte; und welchen Wunsch er auch mit ihr erfleht, der geht ihm ganz in Erfüllung.
sā vai pañcāvattā bhavati | paśavo vā iḍā pāṅtā vai paśavastasmātpañcāvattā bhavati
Sie (die Iḍā) wird in fünf Teilen abgeschnitten (pañcāvattā). Iḍā nämlich ist das Vieh (paśu), und das Vieh ist fünffach (pāṅkta, von paṅkti, ‚Fünfergruppe‘); daher wird sie in fünf Teilen abgeschnitten.
Nachdem er die Iḍā abgeschnitten hat, zerbröckelt er die vordere Hälfte des Opferkuchens (puroḍāśa) und legt sie vor die Dhruvā-Schale hin. Nachdem er sie dem Hotṛ übergeben hat, geht er nach rechts.
sa hoturiha nilimpati | taddhotauṣṭhayornilimpate manasaspatinā te hutasyāśnāmīṣe prāṇāyeti
Er bestreicht hier den Mund des Hotṛ. Damit bestreicht er die Lippen des Hotṛ mit den Worten: „Durch den Herrn des Denkens (manasas pati) esse ich von dem dir Geopferten, zur Nahrungskraft (iṣe), zur Stärkung des Atems (prāṇa).“
atha hoturiha nilimpati | taddhotauṣṭhayornilimpate vācaspatinā te hutasyāśnāmyūrja udānāyeti
Dann bestreicht er wiederum den Mund des Hotṛ. Damit bestreicht er die Lippen des Hotṛ mit den Worten: „Durch den Herrn der Rede (vācas pati) esse ich, zur Kraft (ūrj), von dem dir Geopferten, zur Stärkung des Udāna (Aushauchs).“
etaddha vai manurbibhayāṃ cakāra | idaṃ vai me taniṣṭhaṃ yajñasya yadiyamiḍā pākayajñiyā yadvai ma iha rakṣāṃsi yajñaṃ na hiṃsyuriti tāmetatpurā rakṣobhyaḥ purā rakṣobhya ityeva prāpayata tatho evaināmeṣa etatpurā rakṣobhyaḥ purā rakṣobhya ityeva prāpayate 'tha yatpratyakṣaṃ na prāśnāti nedanupahūtām prāśnāmītyetadevaināṃ prāpayate yadoṣṭhayornilimpate
Deswegen fürchtete sich Manu: „Dies ist mir der zarteste (verletzlichste) Teil meines Opfers, nämlich diese Iḍā, die zum Kochopfer gehört; mögen mir hier nicht die bösen Geister (rakṣas) das Opfer schädigen!“ So ließ er sie eilends ‚vor den bösen Geistern, vor den bösen Geistern‘ vorankommen. Ebenso läßt auch dieser Opferpriester sie eilends ‚vor den bösen Geistern, vor den bösen Geistern‘ vorankommen. Und daß er sie nicht offen (unmittelbar) verzehrt, geschieht, damit er nicht denke: ‚Ich möge sie nicht ungerufen (anupahūta) verzehren‘ – ebendas bewirkt er dadurch, daß er die Lippen bestreicht.
Dann schneidet er ein Stück in die Hand des Hotṛ ab. Da sie nun bereits abgeschnitten ist, läßt er sie so unmittelbar auf den Hotṛ übergehen; mit diesem ihm selbst erwachsenen Anteil erfleht der Hotṛ für den Opferherrn einen Segen. Deshalb schneidet er das Stück in die Hand des Hotṛ ab.
athopāṃśūpahvayate | etaddha vai manurbibhayāṃ cakāredaṃ vai me taniṣṭhaṃ yajñasya yadiyamiḍā pākayajñiyā yadvai ma iha rakṣāṃsi yajñaṃ na hanyuriti tāmetatpurā rakṣobhyaḥ purā rakṣobhya ityevopāṃśūpāhvayata tatho evaināmeṣa etatpurā rakṣobhyaḥ purā rakṣobhya ityevopāṃśūpahvayate
Dann ruft er sie leise (upāṃśu) herbei. Deswegen nämlich fürchtete sich Manu: „Dies ist mir der zarteste Teil meines Opfers, nämlich diese Iḍā, die zum Kochopfer gehört; mögen mir hier nicht die bösen Geister das Opfer zerstören!“ So rief er sie leise herbei mit den Worten ‚vor den bösen Geistern, vor den bösen Geistern‘. Ebenso ruft auch dieser sie leise herbei mit denselben Worten.
sa upahvayate | upahūtaṃ rathantaraṃ saha pṛthivyopa māṃ rathantaraṃ saha pṛthivyā hvayatāmupahūtaṃ vāmadevyaṃ sahāntarikṣeṇopa māṃ vāmadevyaṃ sahāntarikṣeṇa hvayatāmupahūtam bṛhatsaha divopa mām bṛhatsaha divā hvayatāmiti tadetāmevaitadupahvayamāna imāṃśca lokānupahvayata etāni ca sāmāni
Er ruft folgendermaßen herbei: „Herbeigerufen ist das Rathantara-Sāman zusammen mit der Erde – es mögen mir das Rathantara zusammen mit der Erde herbeirufen; herbeigerufen ist das Vāmadevya-Sāman zusammen mit dem Luftraum – es mögen mir das Vāmadevya zusammen mit dem Luftraum herbeirufen; herbeigerufen ist das Bṛhat-Sāman zusammen mit dem Himmel – es mögen mir das Bṛhat zusammen mit dem Himmel herbeirufen.“ Damit ruft er, indem er sie (die Iḍā) herbeiruft, zugleich diese Welten und diese Sāman-Weisen herbei.
„Herbeigerufen sind die Kühe samt den Stieren“ – Iḍā nämlich ist das Vieh; damit ruft er sie verhüllt (paro'kṣam, ‚jenseits des Auges‘, d.h. nicht offen beim Namen) herbei mit den Worten ‚samt den Stieren‘; damit ruft er sie eben als mit ihrem Gatten vereint (samithunā) herbei.
„Herbeigerufen ist die Siebenhotṛ-Opferhandlung (saptahotṛ)“ – damit ruft er sie mit dem aus sieben Hotṛ-Sprüchen bestehenden, dem Soma zugehörigen Opferwerk herbei.
„Herbeigerufen ist Iḍā, die Überwinderin (tatur)“ – damit ruft er sie unmittelbar beim Namen herbei, mit dem Wort ‚tatur‘ (die Hindurchdringende, von √tṝ, ‚überqueren, überwinden‘); denn sie überwindet (tarati) alles Übel. Deshalb sagt er ‚tatur‘.
„Herbeigerufen ist der Genuß (bhakṣa), der Freund (sakhā)“ – der Atem (prāṇa) nämlich ist der Genuß, der Freund; damit ruft er den Atem herbei. „Herbeigerufen ist der Leib“ [Anm.: der überlieferte Wortlaut dieser zweiten Formel ist an dieser Stelle unsicher; dem Sinn nach bezieht sie sich, wie der folgende Satz zeigt, auf den Leib (śarīra)] – damit ruft er den Leib (śarīra) herbei; so ruft er sie ganz und gar herbei.
atha pratipadyate | iḍopahūtopahūteḍopo asmāṃ iḍā hvayatāmiḍopahūteti tadupahūtāmevaināmetatsatīm pratyakṣamupahvayate yā vai sāsīdgorvai sāsīccatuṣpadī vai gaustasmāccaturupahvayate
Dann tritt er (mit der Antwort) heran: „Iḍā ist herbeigerufen, die Herbeigerufene; es mögen mir hier die Iḍā herbeirufen, o Iḍā, Herbeigerufene!“ Damit ruft er sie, die bereits herbeigerufen ist, nun unmittelbar beim Namen herbei. Sie war zugleich eine Kuh; die Kuh aber ist vierfüßig; deshalb wird sie viermal herbeigerufen.
sa vai caturupahvayamānaḥ | atha nānevopahvayate 'jāmitāyai jāmi ha kuryādyadiḍopahūteḍopahūtetyevopahvayetopahūteḍeti veḍopahūteti tadarvācīmupahvayata upahūteḍeti tatparācīmupo asmāṃ iḍā hvayatāmiti tadātmānaṃ caivaitannāntaretyanyatheva ca bhavatīḍopahūteti tatpunararvācīmupahvayate tadarvācīṃ caivaināmetatparācīṃ copahvayate
Indem er sie viermal herbeiruft, ruft er sie doch jedesmal mit einer anderen Formulierung herbei, um Gleichförmigkeit (jāmitā, ‚Verwandtschaft, Einförmigkeit‘) zu vermeiden; denn er würde Einförmigkeit begehen, wenn er immer nur ‚Iḍā ist herbeigerufen, Iḍā ist herbeigerufen‘ sagen würde. Er ruft daher einmal ‚herbeigerufen ist Iḍā‘ und einmal ‚Iḍā ist herbeigerufen‘: damit ruft er sie in der Wendung ‚herbeigerufen ist Iḍā‘ gleichsam zu sich her (arvācī, ‚herwärts gewandt‘); mit ‚es mögen mir hier die Iḍā herbeirufen‘ ruft er sie gleichsam von sich weg (parācī, ‚hinwärts gewandt‘) herbei. Damit vermeidet er es zugleich, immer bei sich selbst in derselben Form zu bleiben, und doch erscheint es jeweils verschieden. Mit ‚Iḍā ist herbeigerufen‘ ruft er sie wiederum zu sich her; so ruft er sie sowohl zu sich her als auch von sich weg herbei.
„Die zu Manu Gehörige (mānavī), die mit Ghee-Spur (ghṛtapadī)“ – denn Manu hatte sie zuerst erzeugt, deshalb sagt er ‚mānavī‘; und weil an ihrer Fußspur (pada) eben Ghee (ghṛta) stehen blieb, deshalb sagt er ‚ghṛtapadī‘.
uta maitrāvaruṇīti | yadeva mitrāvaruṇābhyāṃ samagacata sa eva maitrāvaruṇo nyaṅgo brahmā devakṛtopahūteti brahmā hyeṣāṃ devakṛtopahūtopahūtā daivyā adhvaryava upahūtā manuṣyā iti taddaivāṃścaivādhvaryūnupahvayate ye ca mānuṣā vatsā vai daivyā adhvaryavo 'tha ya itare te mānuṣāḥ
„Und auch die zu Mitra und Varuṇa Gehörige (maitrāvaruṇī)“ – weil sie eben mit Mitra und Varuṇa zusammentraf, ist sie eben die Maitrāvaruṇī [Anm.: das hier folgende Wort ‚nyaṅga‘ ist obskur und in seiner näheren Bestimmung des Maitrāvaruṇa-Priesters an dieser Stelle nicht mit Sicherheit zu deuten]. „Das von den Göttern geschaffene Brahman ist herbeigerufen“ – Brahman nämlich ist bei ihnen das von den Göttern Geschaffene. „Herbeigerufen sind die göttlichen Adhvaryu-Priester, herbeigerufen die menschlichen“ – damit ruft er sowohl die göttlichen Adhvaryu-Priester als auch die menschlichen herbei; die Kälber nämlich sind die göttlichen Adhvaryus, die übrigen aber sind die menschlichen.
ya imaṃ yajñamavānye ca yajñapatiṃ vardhāniti | ete vai yajñamavanti ye brāhmaṇāḥ śuśruvāṃso 'nūcānā ete hyenaṃ tanvata eta enaṃ janayanti tadu tebhyo nihnute vatsā u vai yajñapatiṃ vardhanti yasya hyete bhūyiṣṭhā bhavanti sa hi yajñapatirvardhate tasmādāha ye ca yajñapatiṃ vardhāniti
„Die dieses Opfer fördern (avanti), und die den Opferherrn stärken sollen (vardhān)“ – diejenigen fördern nämlich das Opfer, welche Brahmanen sind, gelehrt (śuśruvas) und studiert (anūcāna) haben; denn diese entfalten (tanvate) es, diese erzeugen es. Doch das verhüllt er vor ihnen (nihnute, ‚er verbirgt es‘). Die Kälber nämlich sind es, die den Opferherrn stärken; denn wessen Kälber am zahlreichsten sind, der Opferherr selbst gedeiht (wächst). Deshalb sagt er: „und die den Opferherrn stärken sollen“.
„Herbeigerufen sind Himmel und Erde, die Erstgeborenen, die Wahrhaftigen, die Göttinnen, die Mütter der Götter (wörtl. ‚die, deren Söhne die Götter sind‘)“ – damit ruft er diese beiden, Himmel und Erde, herbei, in denen dies alles enthalten ist. „Herbeigerufen ist dieser Opferherr“ – damit ruft er den Opferherrn herbei. Daß er hierbei dessen Namen nicht nennt, geschieht, weil hier der Segen (āśis) verhüllt (paro'kṣam) bleibt; würde er in der Iḍā-Formel den Namen nennen, so würde er etwas allzu Menschliches (mānuṣa) tun. Menschlich Allzumenschliches ist nämlich am Opfer ein Mißgriff (vyṛddha, ‚verkehrt, mangelhaft‘); ‚ich will nicht Menschliches beim Opfer verrichten, damit es nicht mißglückt‘ – deshalb nennt er den Namen nicht.
„Herbeigerufen bei dem folgenden Götteropfer“ – damit erfleht er ihm verhüllt eben Lebenskraft (jīvātu); denn nur am Leben (jīvan) kann er, nachdem er zuerst geopfert hat, danach ein weiteres Mal opfern.
Damit erfleht er ihm verhüllt eben Nachkommenschaft (prajā); denn wem Nachkommenschaft zuteil wird, der geht selbst in jene Welt ein, während seine Nachkommenschaft in dieser Welt weiter opfert. Deshalb ist die Nachkommenschaft das ‚Nachfolgende‘ (uttarā) des Götteropfers.
„Herbeigerufen bei reichlicherem Opferbereiten (haviṣkaraṇa)“ – damit erfleht er ihm verhüllt eben Lebenskraft; denn nur am Leben kann er, nachdem er zuerst geopfert hat, immer wieder von neuem das Opfer bereiten.
Damit erfleht er ihm verhüllt eben Nachkommenschaft; denn wer keine Nachkommenschaft hat, ist mit seiner eigenen Person allein auf das Opfer angewiesen, wer aber Nachkommenschaft hat, für den wird durch sie zehnfach das Opfer bereitet. Deshalb ist die Nachkommenschaft das reichlichere Opferbereiten.
eṣā vā āśīḥ jīveyam prajā me syācriyaṃ gaceyamiti tadyatpaśūnāśāste tacriyamāśāste śrīrhi paśavastadetābhyāmevaitadāśīrbhyāṃ sarvamāptaṃ tasmādvā ete atra dve āśiṣau kriyate
Dies ist nämlich der Segenswunsch: „Möge ich leben, möge mir Nachkommenschaft zuteil werden, möge ich zu Glanz und Wohlstand (śrī) gelangen.“ Wenn er also Vieh erfleht, erfleht er eben Wohlstand (śrī); denn das Vieh ist der Wohlstand. Damit ist durch eben diese beiden Segenswünsche alles erreicht; deshalb werden hier eben diese zwei Segenswünsche vollzogen.
devā ma idaṃ havirjuṣantāmiti | tasminnupahūta iti tadyajñasyaivaitatsamṛddhimāśāste yaddhi devā havirjuṣante tena hi mahajjayati tasmādāha juṣantāmiti
„Die Götter mögen sich an dieser meiner Opfergabe erfreuen“ – dabei heißt es ‚herbeigerufen‘; damit erfleht er eben das Gedeihen (samṛddhi) des Opfers. Denn wenn die Götter sich an der Opfergabe erfreuen, dadurch gewinnt man Großes; deshalb sagt er ‚sie mögen sich erfreuen‘.
Sie (die Iḍā) verzehrt man nur; man opfert sie nicht ins Feuer. Iḍā nämlich ist das Vieh; „ich möge nicht Vieh ins Feuer werfen (verderben)“ – aus diesem Grund opfert man sie nicht ins Feuer.
prāṇeṣveva hūyate | hotari tvadyajamāne tvadadhvaryau tvadatha yatpūrvārdham puroḍāśasya praśīrya purastāddhruvāyai nidadhāti yajamāno vai dhruvā tadyajamānasya prāśitam bhavatyatha yatpratyakṣaṃ na prāśnāti nedasaṃsthite yajñe prāśnānītyetadevāsya prāśitam bhavati sarve prāśnanti sarveṣu me hutāsaditi pañca prāśnanti paśavo vā iḍā pāṅktā vai paśavastasmātpañca prāśnanti
Sie wird eben in die Lebenshauche (prāṇa) geopfert – in dich, o Hotṛ, in dich, o Opferherr, in dich, o Adhvaryu, in dich. Und daß er die vordere Hälfte des Opferkuchens zerbröckelt und vor die Dhruvā-Schale legt: der Opferherr ist die Dhruvā; damit wird sie zum Anteil (prāśita) des Opferherrn. Und daß er sie nicht offen verzehrt, geschieht, damit er nicht denke: ‚Ich möchte nicht verzehren, ehe das Opfer vollendet ist‘ – ebendas wird ihm dadurch zum Anteil. Alle verzehren davon, damit gilt: ‚für alle bin ich geopfert worden‘. Fünf verzehren davon; Iḍā nämlich ist das Vieh, und das Vieh ist fünffach (pāṅkta); deshalb verzehren fünf davon.
Und wenn er den Kuchen beim Erwidern (pratipad-) in Empfang nimmt: dort teilt er den Opferkuchen in vier Teile und macht davon den Anteil ‚auf dem Barhis Sitzenden‘ (barhiṣad, d.h. für die Väter/Ahnen). Dies geschieht hier zum Anteil der Väter (pitṛ); denn die Zwischenrichtungen sind vier, und die Väter sind die Zwischenrichtungen. Deshalb teilt er den Opferkuchen in vier Teile und macht davon den Anteil der auf dem Barhis Sitzenden.
Und wenn er sagt „herbeigerufen sind Himmel und Erde“: dann legt er ein Stück für den Āgnīdhra (den Feueranzünder-Priester) nieder, und der Agnīdh verzehrt es mit den Worten: „Herbeigerufen ist die Erde, die Mutter – es möge mir die Erde, die Mutter, herbeirufen: der Agni vom Āgnīdhra-Feuer, svāhā! Herbeigerufen ist der Himmel, der Vater – es möge mir der Himmel, der Vater, herbeirufen: der Agni vom Āgnīdhra-Feuer, svāhā!“ Denn dieser Āgnīdhra gehört eben zu Himmel und Erde; deshalb verzehrt er in dieser Weise.
Und wenn er einen Segenswunsch (āśis) erfleht: das murmelt er leise (japati): „Mir möge Indra hier die Indra-Kraft (indriya) verleihen; uns mögen die freigebigen Reichtümer (rayaḥ maghavānaḥ) zuteil werden; unsere Segenswünsche sollen sich erfüllen, wahr sollen uns die Segenswünsche sein.“ Dies ist eben die Entgegennahme der Segenswünsche; denn was die Opferpriester hier dem Opferherrn an Segenswünschen erflehen, das eignet er sich eben durch diese Entgegennahme selbst zu.
Dann reinigen sie sich mit den beiden Läuterungssieben (pavitra). Mit Iḍā nämlich, die dem Kochopfer zugehört, sind sie umgegangen; „durch das Läuterungssieb gereinigt wollen wir das, was von diesem Opfer noch übrig ist, weiter ausführen“ – deshalb reinigen sie sich mit den beiden Läuterungssieben.
atha te pavitre prastare 'pisṛjati | yajamāno vai prastaraḥ prāṇodānau pavitre yajamāne tatprāṇodānau dadhāti tasmātte pavitre prastare 'pisṛjati
Dann legt er die beiden Läuterungssiebe auf das Prastara-Bündel. Der Prastara nämlich ist der Opferherr; die beiden Läuterungssiebe sind Ein- und Ausatem (prāṇa, udāna); damit legt er dem Opferherrn Ein- und Ausatem bei. Deshalb legt er die beiden Läuterungssiebe auf das Prastara-Bündel.
te vā ete ulmuke udūhanti | anuyājebhyo yātayāmeva vā etadagnirbhavati devebhyo hi yajñamūhivānbhavatyayātayāmnyanuyājāṃstanavāmahā iti tasmādvā ete ulmuke udūhanti
Diese Priester nun tragen das Feuer auf einem Feuerbrand (ulmuka) heraus. Für die Nachopfer (anuyāja) nämlich wird das Feuer sozusagen ‚abgestanden‘ (yātayāma, seiner Kraft beraubt), da es den Göttern das Opfer schon zugetragen hat; „mit unverbrauchtem (ayātayāma) Feuer wollen wir die Nachopfer ausführen“ – deshalb tragen sie es auf einem Feuerbrand heraus.
Sie berühren es (das Feuer) danach wieder an. Damit stärken (āpyāyayanti) sie das Feuer aufs Neue, machen es unverbraucht; mit den Worten „mit unverbrauchtem Feuer wollen wir das, was von diesem Opfer noch übrig ist, ausführen“ – deshalb berühren sie es danach wieder an.
Dann legt er ein Brennscheit (samidh) daran (an das Feuer). Damit entzündet (saminddhe, von √indh, ‚entzünden‘, daher samidh) er es eben von neuem, mit den Worten „im entzündeten Feuer wollen wir das, was von diesem Opfer noch übrig ist, ausführen“ – deshalb legt er ein Brennscheit daran.
tāṃ hotānumantrayate | eṣā te agne samittayā vardhasva cā ca pyāyasva vardhiṣīmahi ca vayamā ca pyāsiṣīmahīti tadyathaivādaḥ samidhyamānāyānvāhaivamevaitadanvāha tadetaddhotuḥ karma sa yadi manyeta na hotā vedetyapi svayameva yajamāno 'numantrayeta
Der Hotṛ spricht dazu einen Segensspruch: „Dies ist dein Brennscheit, o Agni; wachse durch es und nimm zu; auch wir wollen wachsen und zunehmen.“ So wie er (der Adhvaryu) vorhin bei dem sich entzündenden Feuer nachsprach, so spricht er auch hier nach. Dies ist die Aufgabe des Hotṛ; sollte er aber meinen, der Hotṛ verstehe es nicht, so möge auch der Opferherr selbst den Segensspruch sprechen.
Dann streicht er den Löffel ab (sammārj-). Damit spannt (yunakti) er es eben an: „angespannt sollst du, was von diesem Opfer noch übrig ist, weiterfahren“ – deshalb streicht er ab. Er streicht jedes Mal nur einmal ab; dreimal nämlich streichen sie zuvor für die Götter ab; „wir wollen es nicht ebenso machen wie für die Götter“ – deshalb streicht er jedes Mal nur einmal ab, um Gleichförmigkeit (jāmitā) zu vermeiden; er würde nämlich Gleichförmigkeit begehen, wenn es zuvor dreimal und danach wieder dreimal wäre. Deshalb streicht er jedes Mal nur einmal ab.
Er streicht ab mit den Worten: „O Agni, Kraftgewinner, dich, den Vāja, der gelaufen ist (sasṛvāṃsam), den Kraftgewinner streiche ich ab.“ Zuvor nämlich sagt er ‚den, der laufen wird‘ (sariṣyant), denn dort ist es gleichsam ein Erst-noch-Laufen-Werden; hier aber sagt er ‚den, der gelaufen ist‘ (sasṛvāṃsam), denn hier ist es gleichsam ein Bereits-Gelaufen-Sein. Deshalb sagt er ‚sasṛvāṃsam‘.
Dann opfert er die Nachopfer (anuyāja). Welche Gottheiten er durch dieses Opfer anruft, für welche dieses Opfer ausgebreitet (āyate) wird, all diese sind damit bereits beopfert (iṣṭa) worden. Daß er nun, nachdem all diese beopfert sind, danach noch gleichsam nachträglich opfert (anu-yajati) – deshalb heißen sie Anuyāja (‚Nachopfer‘, von anu + √yaj).
Und daß er die Nachopfer opfert: die Nachopfer sind die Versmaße (chandas); die Versmaße sind das Vieh der Götter. Wie hier angespannte Zugtiere für die Menschen Lasten fahren, so fahren die angespannten Versmaße den Göttern das Opfer zu. Als nun die Versmaße die Götter sättigten und die Götter dadurch die Versmaße sättigten, da geschah zuerst jenes, daß die angespannten Versmaße den Göttern das Opfer zufuhren, und danach jenes, daß sie die Versmaße sättigten.
Und daß er die Nachopfer opfert: die Nachopfer sind die Versmaße; damit sättigt er eben die Versmaße. Deshalb opfert er die Nachopfer. Deshalb sollte man auch, wenn man mit einem Zugtier gefahren ist, es ausspannen und sagen: „Tränkt es, macht es wohlversorgt (suhita)“ – dies ist eben die Verleugnung (apahnava, das Verbergen des Fehlverhaltens) gegenüber dem Zugtier.
Er opfert nun zuerst dem Barhis (dem personifizierten Opferstreu). Nun ist zwar die Gāyatrī das kleinste (kürzeste) Versmaß, und dennoch wird sie sonst als erste der Versmaße eingesetzt; eben durch deren Kraft (vīrya) holte einst der zum Adler (śyena) gewordene Gāyatrī-Vers den Soma vom Himmel herab. Man hält es daher für unpassend, daß die Gāyatrī, obwohl das kleinste Versmaß, als erste der Versmaße eingesetzt wird. Deshalb ordneten die Götter hier bei den Nachopfern die Versmaße der Reihe nach (yathāyatham) an, ‚damit nicht Unpassendes zusammenkomme‘.
sa vai khalu barhiḥ prathamaṃ yajati | ayaṃ vai loko barhiroṣadhayo barhirasminnevaitalloka oṣadhīrdadhāti tā imā asmiṃloka oṣadhayaḥ pratiṣṭhitāstadidaṃ sarvaṃ jagadasyāṃ teneyaṃ jagatī tajjagatīm prathamāmakurvan
Er opfert nun zuerst dem Barhis. Diese irdische Welt ist nämlich das Barhis, die Pflanzen sind das Barhis; damit legt er eben in diese Welt die Pflanzen. Diese Pflanzen sind in dieser Welt gegründet; alles, was sich bewegt (jagat), ist in ihr; daher ist sie die Jagatī. Deshalb machten sie die Jagatī zur ersten (bei den Nachopfern).
atha narāśaṃsaṃ dvitīyaṃ yajati | antarikṣaṃ vai narāśaṃsaḥ prajā vai narastā imā antarikṣamanu vāvadyamānāḥ prajāścaranti yadvai vadati śaṃsatīti vai tadāhustasmādantarikṣaṃ narāśaṃso 'ntarikṣamu vai triṣṭuptattriṣṭubhaṃ dvitīyāmakurvan
Dann opfert er als zweites dem Narāśaṃsa. Narāśaṃsa (der ‚von den Männern Gepriesene‘) ist der Luftraum; die Männer (naraḥ) sind die Geschöpfe (prajā); diese ziehen redend durch den Luftraum. Was einer redet (vadati), das nennt man ‚er preist‘ (śaṃsati); deshalb ist der Luftraum der Narāśaṃsa. Der Luftraum aber ist die Triṣṭubh; deshalb machten sie die Triṣṭubh zur zweiten.
Dann kommt Agni als letzter. Agni ist die Gāyatrī; deshalb machten sie die Gāyatrī zur letzten. So gründeten sie mit der der Reihe nach (yathāyatham) geordneten Anordnung die Versmaße fest; deshalb ist dies nun ‚ohne Unpassendes‘.
devānyajetyevādhvaryurāha | devaṃ-devamiti sarveṣu hotā devānāṃ vai devāḥ santi candāṃsyeva paśavo hyeṣāṃ gṛhā hi paśavaḥ pratiṣṭho hi gṛhāścandāṃsi vā anuyājāstasmāddevānyajetyevādhvaryurāha devaṃ-devamiti sarveṣu hotā
„Opfere den Göttern!“ – so allein spricht der Adhvaryu (bei den Nachopfern); „bei jedem einzelnen Gott“ – so spricht der Hotṛ bei allen drei. Denn die Versmaße sind eben das Vieh [der Götter]; sie sind gleichsam deren Häuser, denn Vieh ist Grundlage (pratiṣṭhā), und Häuser sind Grundlage; die Nachopfer aber sind die Versmaße. Deshalb sagt der Adhvaryu nur „opfere den Göttern“, während der Hotṛ bei allen Formeln „bei jedem einzelnen Gott“ sagt.
vasuvane vasudheyasyeti | devatāyā eva vaṣaṭkriyate devatāyai hūyate na vā atra devatāstyanuyājeṣu devam barhiriti tatra nāgnirnendro na somo devo narāśaṃsa iti ṛta ekaṃ cana yo vā atrāgnirgāyatrī sa nidānena
„Beim Gutgewinnenden (vasuvana), zum Erlangen von Gut (vasudheya)“ – hierbei wird tatsächlich für eine bestimmte Gottheit der Vaṣaṭ-Ruf vollzogen, für eine Gottheit geopfert; und doch gibt es hierbei streng genommen keine namentlich genannte Gottheit. Bei den Nachopfern heißt es nur „dem Gott Barhis“; dabei ist weder Agni, noch Indra, noch Soma, noch der Gott Narāśaṃsa ausdrücklich genannt – in Wahrheit keiner von ihnen einzeln; wer aber hier gemeint ist, das ist Agni bzw. die Gāyatrī, erkennbar nur mittelbar, aus dem eigentlichen Grund (nidāna) heraus. [Anm.: Diese Stelle ist im überlieferten Sanskrittext stark verdichtet und in ihrer genauen Aussage nicht restlos sicher zu bestimmen; der Grundgedanke – daß bei den Anuyāja keine der genannten Gottheiten ausdrücklich beim Namen genannt wird – ist jedoch klar.]
atha yadvasuvane vasudheyasyeti yajati | agnirvai vasuvanirindro vasudheyo 'sti vai candasāṃ devatendrāgnī evaivamu haitaddevatāyā eva vaṣaṭkriyate devatāyai hūyate
Und daß er opfert mit „beim Gutgewinnenden, zum Erlangen von Gut“: Agni ist der Gutgewinnende, Indra der, durch den Gut erlangt wird (vasudheya); es gibt nämlich auch eine Gottheit der Versmaße, nämlich Indra und Agni gemeinsam. So wird also auch hierbei tatsächlich für eine Gottheit der Vaṣaṭ-Ruf vollzogen, für eine Gottheit geopfert.
Nachdem er das letzte Nachopfer geopfert hat, bringt er den Rest zusammen und opfert ihn. Diese, Vor- und Nachopfer (prayāja, anuyāja), sind ja ein zusammengehöriges Paar; und so wie er dort bei den Voropfern für den Opferherrn dem hassenden Nebenbuhler (bhrātṛvya) einen Anteil (bali) darbringen läßt, nämlich den ersten Anteil, ebenso läßt er hier bei den Nachopfern den letzten, gesammelten Anteil darbringen.
sa vai srucau vyūhati | agnīṣomayorujjitimanūjjeṣaṃ vājasya mā prasavena prohāmīti juhūm prācīṃ dakṣiṇena pāṇināgnīṣomau tamapanudatāṃ yo smāndveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmo vājasyainaṃ prasavenāpohāmītyupabhṛtam pratīcīṃ savyena pāṇinā yadi svayaṃ yajamānaḥ
Er trennt nun die beiden Opferlöffel (sruc, d.h. Juhū und Upabhṛt) auseinander (vyūh-): „Ich will dem Erfolg (ujjiti) von Agni und Soma nacherfolgen; durch den Antrieb der Kraft (vāja) will ich mich vorantragen (prohāmi)“ – dies spricht er, indem er die Juhū mit der rechten Hand nach Osten weist: „Agni und Soma sollen ihn hinwegstoßen, wer uns haßt und den wir hassen; durch den Antrieb der Kraft will ich ihn hinwegstoßen (apohāmi)“ – dies spricht er, indem er die Upabhṛt mit der linken Hand nach Westen weist – falls der Opferherr selbst diese Formel spricht.
Spricht sie aber der Adhvaryu: „Diesem Opferherrn möge er dem Erfolg von Agni und Soma nacherfolgen; durch den Antrieb der Kraft trage ich ihn voran. Agni und Soma sollen ihn hinwegstoßen, wen dieser Opferherr haßt und wer ihn haßt; durch den Antrieb der Kraft stoße ich ihn hinweg.“ Dies gilt bei der Vollmondsopferung; denn die Vollmondsopfergabe gehört Agni und Soma.
athāmāvāsyāyām | indrāgnyorujjitimanūjjeṣaṃ vājasya mā prasavena prohāmīndrāgnī tamapanudatāṃ yo 'smāndveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣmo vājasyainam prasavenāpohāmīti yadi svayaṃ yajamānaḥ
Bei der Neumondsopferung dagegen: „Ich will dem Erfolg von Indra und Agni nacherfolgen; durch den Antrieb der Kraft will ich mich vorantragen. Indra und Agni sollen ihn hinwegstoßen, wer uns haßt und den wir hassen; durch den Antrieb der Kraft will ich ihn hinwegstoßen“ – falls der Opferherr selbst spricht.
Spricht sie aber der Adhvaryu: „Diesem Opferherrn möge er dem Erfolg von Indra und Agni nacherfolgen; durch den Antrieb der Kraft trage ich ihn voran. Indra und Agni sollen ihn hinwegstoßen, wen dieser Opferherr haßt und wer ihn haßt; durch den Antrieb der Kraft stoße ich ihn hinweg.“ Dies gilt bei der Neumondsopferung; denn die Neumondsopfergabe gehört Indra und Agni. So trennt er also die Löffel jeweils nach der zuständigen Gottheit (yathādevatam) auseinander; daß er sie so trennt, geschieht aus diesem Grund.
yajamāna eva juhūmanu | yo 'smā arātīyati sa upabhṛtamanu prāñcamevaitadyajamānamudūhatyapāñcaṃ tamapohati yo 'smā arātīyatyattaiva juhūmanvādya upabhṛtamanu prāñcamevaitadattāramudūhatyapāñcamādyamapohati
Der Opferherr entspricht eben der Juhū, wer ihm übel will (arātīyati, der ‚Mißgünstige‘), entspricht der Upabhṛt. Damit zieht er den Opferherrn gleichsam nach vorn (prāñc), und den, der ihm übel will, stößt er gleichsam nach hinten (apāñc) fort. [Anm.: Der Text legt hier zwei verschiedene Deutungen über dieselben beiden Löffel, ohne dies eigens zu kennzeichnen.] Ebenso entspricht der Verzehrende (attā) der Juhū, die Speise (ādya, das zu Essende) der Upabhṛt. Damit zieht er den Verzehrenden gleichsam nach vorn, und die Speise stößt er gleichsam nach hinten fort.
tadvā etat | samāna eva karmanvyākriyate tasmādu samānādeva puruṣādattā cādyaśca jāyate idaṃ hi caturthe puruṣe tṛtīye saṃgacāmaha iti videvaṃ dīvyamānā jātyā āsata etasmādu tat
Dies eben geschieht so: Bei ein und derselben Handlung wird die Rolle unterschieden (vyākriyate); deshalb entstehen ja auch aus ein und demselben Menschen sowohl der Verzehrende als auch die Speise. Denn, wie man sagt: „Beim vierten Wurf, beim dritten treffen wir zusammen“ – so pflegten die Würfelspieler zu sprechen [Anm.: Der Sanskrittext dieses Sprichworts ist an dieser Stelle unsicher überliefert und schwer eindeutig zu deuten; offenbar spielt er auf eine Redensart aus dem Würfelspiel (dyūta) an, der zufolge sich die Rollen der Mitspieler noch innerhalb derselben Wurffolge wechselseitig bestimmen – als Analogie dazu, daß Verzehrender und Speise aus ein und demselben Menschen hervorgehen können]; daher rührt eben dies Prinzip.
Dann bestreicht er mit der Juhū die Umsteckhölzer (paridhi). Mit derselben Juhū, mit der er den Göttern geopfert hat, mit der er das Opfer aufgerichtet hat, mit eben dieser erfreut (prī-) er nun die Umsteckhölzer. Deshalb bestreicht er mit der Juhū die Umsteckhölzer.
sa samanakti vasubhyastvā rudrebhyastvādityebhyastvetyete vai trayā devā yadvasavo rudrā ādityā etebhyastvetyevaitadāha
Er bestreicht sie mit den Worten: „Dich für die Vasus, dich für die Rudras, dich für die Ādityas.“ Diese drei Gruppen von Göttern nämlich sind die Vasus, die Rudras und die Ādityas; „für diese dich“ – so spricht er eben.
Dann tritt er an das Umsteckholz heran und läßt den Āśrāvaṇa-Ruf ertönen. Denn diesen Ruf läßt er eigentlich für die Umsteckhölzer ertönen; der Āśrāvaṇa-Ruf ist ja das Opfer (yajña) selbst; mit dem Opfer selbst erfreut er hier unmittelbar die Umsteckhölzer. Deshalb tritt er an das Umsteckholz heran und läßt den Āśrāvaṇa-Ruf ertönen.
Nachdem er den Āśrāvaṇa-Ruf hat ertönen lassen, spricht er: „In Bewegung gesetzt sind die göttlichen Hotṛ-Priester“ – die Umsteckhölzer nämlich, die Feuer, sind diese göttlichen Hotṛ-Priester; „in Bewegung gesetzt sind die göttlichen Hotṛ-Priester“ – eben das sagt er damit. Wenn er sagt „in Bewegung gesetzt sind die göttlichen Hotṛ-Priester, zu heilvoller Rede (bhadravācya)“: von selbst nämlich sind ihm dabei die Götter geneigt (yukta), auf daß sie Gutes reden, Gutes tun mögen; deshalb sagt er „zu heilvoller Rede“. „Angetrieben ist der menschliche Hotṛ, zum Sūktavāka“ – damit treibt er diesen menschlichen Hotṛ zum Sūktavāka (dem Lobspruch) an.
atha prastaramādatte | yajamāno vai prastarastadyatrāsya yajño 'gaṃstadevaitadyajamānaṃ svagākaroti devalokaṃ vā asya yajño 'gandevalokamevaitadyajamānamapinayati
Dann nimmt er das Prastara-Bündel auf. Der Opferherr ist ja das Prastara-Bündel; wohin nun sein Opfer gelangt ist, dorthin läßt er eben damit den Opferherrn gelangen (svagā karoti, ‚er läßt ihn wohl dahingehen‘). In die Götterwelt ist sein Opfer gelangt; eben in die Götterwelt führt er damit den Opferherrn hinein.
sa yadi vṛṣṭikāmaḥ syāt | etenaivādadīta saṃjānāthāṃ dyāvāpṛthivī iti yadā vai dyāvāpṛthivī saṃjānāthe atha varṣati tasmādāha saṃjānāthāṃ dyāvāpṛthivī iti mitrāvaruṇau tvā vṛṣṭyāvatāmiti tadyo varṣasyeṣṭe sa tvā vṛṣṭyāvatvityevaitadāhāyaṃ vai varṣasyeṣṭe yo 'yam pavate so 'yameka ivaiva pavate so 'yam puruṣe 'ntaḥ praviṣṭaḥ prāñca pratyañca tāvimau prāṇodānau prāṇodānau vai mitrāvaruṇau tadya eva varṣasyeṣṭe sa tvā vṛṣṭyāvatvityevaitadāha tametenaivādadīta yadā hyeva kadā ca vṛṣṭiḥ samiva tamanaktyāhutimevaitatkarotyāhutirbhūtvā devalokaṃgacāditi
Wenn er nach Regen verlangt, sollte er das Prastara-Bündel mit eben diesem Spruch aufnehmen: „Es mögen zusammenstimmen (saṃjānāthām) Himmel und Erde.“ Wenn nämlich Himmel und Erde zusammenstimmen, dann regnet es; deshalb spricht er „es mögen zusammenstimmen Himmel und Erde“. „Mitra und Varuṇa mögen dich mit Regen versehen“ – damit meint er: wer über den Regen gebietet, der möge dich mit Regen versehen. Dieser Wind, der da weht (pavate), gebietet nämlich über den Regen; er weht gleichsam als der Eine; er ist es, der, in den Menschen eingedrungen, als der nach vorn und der nach hinten Gehende auftritt – das sind eben Einatem und Ausatem (prāṇa, apāna); Einatem und Ausatem sind ja Mitra und Varuṇa. „Wer über den Regen gebietet, der möge dich mit Regen versehen“ – eben das sagt er damit. Dies sollte er also mit eben diesem Spruch aufnehmen, sooft es irgend regnen mag. Er bestreicht es damit; damit macht er es eben zu einer Opfergabe (āhuti), mit den Worten „als Opfergabe geworden, gehe zur Götterwelt“.
sa vā agraṃ juhvāmanakti | madhyamupabhṛti mūlaṃ dhruvāyāmagramiva hi juhūrmadhyamivopabhṛnmūlamiva dhruvā
Er bestreicht das Prastara-Bündel mit der Juhū an der Spitze, mit der Upabhṛt in der Mitte, mit der Dhruvā an der Wurzel; denn die Juhū gleicht gleichsam der Spitze, die Upabhṛt der Mitte, die Dhruvā der Wurzel.
so 'nakti | vyantu vayo 'ktaṃ rihāṇā iti vaya evainametadbhūtamasmānmanuṣyalokāddevalokamabhyutpātayati tannīcairiva harati dvayaṃ tadyasmānnīcairiva haredyajamāno vai prastaro 'syā evainametatpratiṣṭhāyai noddhantīho eva vṛṣṭiṃ niyacati
Er bestreicht es mit den Worten: „Es mögen die Vögel (vayas), das Bestrichene beleckend, auffliegen.“ Damit läßt er eben dieses Opfer, zu Vögeln geworden, aus dieser Menschenwelt zur Götterwelt emporfliegen. Doch trägt er es zugleich gleichsam niedrig (nīcaiḥ); dies hat eine doppelte Bedeutung, warum er es gleichsam niedrig trägt: der Opferherr ist ja das Prastara-Bündel; damit hebt man ihn eben nicht von seiner Grundlage (pratiṣṭhā) fort, und hier zugleich hält man den Regen zurück (niyacchati).
sa harati | marutām pṛṣatīrgaceti devalokaṃ gacetyevaitadāha yadāha marutām pṛṣatīrgaceti vaśā pṛśnirbhūtvā divaṃ gaca tato no vṛṣṭimāvahetīyaṃ vai vaśā pṛśniryadidamasyām mūli cāmūlaṃ cānnādyam pratiṣṭhitaṃ teneyaṃ vaśā pṛśniriyam bhūtvā divaṃ gacetyevaitadāha tato no vṛṣṭimāvaheti vṛṣṭādvā ūrgrasaḥ subhūtaṃ jāyate tasmādāha tato no vṛṣṭimāvaheti
Er trägt es mit den Worten: „Zu den scheckigen Kühen (pṛṣatī) der Marut gehe“ – damit meint er eben „zur Götterwelt gehe“. Wenn er sagt „zu den scheckigen Kühen der Marut gehe“: „als fruchtbare, gescheckte Kuh (vaśā pṛśni) geworden, gehe zum Himmel; von dort bringe uns Regen“ – diese Erde nämlich ist die fruchtbare, gescheckte Kuh, weil in ihr, in Wurzel wie Nicht-Wurzel, die Speise (annādya) gegründet ist. So spricht er: „Diese fruchtbare, gescheckte Kuh, zu dieser geworden, gehe zum Himmel“ – eben das sagt er damit. „Von dort bringe uns Regen“ – aus dem Regen nämlich entsteht Nahrungskraft (ūrj) und Speise (rasa), gutes Gedeihen; deshalb sagt er „von dort bringe uns Regen“.
athaikaṃ tṛṇamapagṛhṇāti | yajamāno vai prastaraḥ sa yatkṛtsnam prastaramanupraharetkṣipre ha yajamāno 'muṃ lokamiyāttatho ha yajamāno jyogjīvati yāvadvevāsyeha mānuṣamāyustasmā evaitadapagṛhṇāti
Dann nimmt er einen Halm davon heraus. Der Opferherr ist ja das Prastara-Bündel; würde er das ganze Prastara-Bündel nachwerfen, so würde der Opferherr rasch in jene Welt eingehen; so aber lebt der Opferherr lange, solange eben seine menschliche Lebenszeit (āyus) währt. Deshalb nimmt er eben einen Halm für ihn heraus.
Nachdem er dies (das Prastara-Bündel) einen Augenblick (muhūrta) gehalten hat, wirft er es nach. Wohin sein anderes Selbst (der übrige Teil, itara ātmā) gelangt ist, dorthin läßt er es eben damit gelangen. Würde er es aber nicht nachwerfen, so würde er den Opferherrn um seine Welt bringen; so aber bringt er den Opferherrn nicht um seine Welt.
tam prāñcamanusamasyati | prācī hi devānāṃ digatho udañcamudīcī hi manuṣyāṇāṃ diktamaṅgulibhireva yoyupyeranna kāṣṭhairdārubhirvā itaraṃ śavaṃ vyṛṣanti nettathā karavāma yathetaraṃ śavamiti tasmādaṅgulibhireva yoyupyeranna kāṣṭhairyadā hotā sūktavākamāha
Er legt es nach Osten gerichtet dazu. Osten nämlich ist die Richtung der Götter – anders als sonst, wo man es nach Norden richtet, der Richtung der Menschen. Man sollte es nur mit den Fingern zusammenfügen, nicht mit Hölzern oder Scheiten; einen anderen Leichnam (śava) zerstreut (verbrennt) man ja mit Hölzern; „wir wollen es nicht ebenso machen wie mit einem anderen Leichnam“ – deshalb sollte man es nur mit den Fingern zusammenfügen, nicht mit Hölzern, während der Hotṛ den Sūktavāka spricht.
Dann spricht er zum Āgnīdhra: „Wirf den Rest nach!“ – „Wohin sein anderes Selbst gelangt ist, dorthin lasse es gelangen“ – eben das sagt er damit. Nachdem er es schweigend nachgeworfen hat, berührt er sich selbst mit den Worten: „Als Augenhüter (cakṣuṣpā) bist du, o Agni; hüte mir das Auge!“ Damit entzieht er auch sich selbst nicht dem Opfer.
Dann spricht er: „Stimme dich ab (saṃvadasva)!“ – „Bringe ihn mit den Göttern in Einklang“ – eben das sagt er damit. „Gegangen (āgāt), o Āgnīdhra“ – „gegangen ist er wohl (khalu)“ – eben das sagt er damit; „gegangen ist er“, entgegnet der andere. „Laß es verkünden (śrāvaya)!“ – „verkünde ihn den Göttern, mache ihn ihnen bekannt (anubodhaya)“ – eben das sagt er damit. „Śrauṣaṭ – sie wissen es wohl, oder sie sind seiner gewahr geworden“ – eben das sagt er damit. So führen Adhvaryu und Agni gemeinsam den Opferherrn in die Götterwelt ein.
Dann spricht er: „Wohlgeleit (svagā) den göttlichen Hotṛ-Priestern!“ – die göttlichen Hotṛ-Priester nämlich sind die Umsteckhölzer, die Feuer; eben ihnen wünscht er damit Wohlgeleit. Deshalb spricht er „Wohlgeleit den göttlichen Hotṛ-Priestern“. „Heil (svasti) den menschlichen!“ – damit erfleht er für diesen menschlichen Hotṛ Heil. [Anm.: Der überlieferte Sanskrittext verwendet an dieser Stelle auffälligerweise eine Form von √hval, ‚straucheln, fehlgehen‘, was dem vorangehenden ‚svasti‘ (Heil) geradezu zu widersprechen scheint; vermutlich liegt eine Textverderbnis oder der Ausfall einer Verneinung vor. Dem Sinnzusammenhang nach ist zweifellos ‚Heil erflehen‘ gemeint.]
atha paridhīnanupraharati sa madhyamamevāgre paridhimanupraharati yam paridhiṃ paryadhatthā agne deva paṇibhirguhyamānaḥ taṃ ta etamanu joṣaṃ bharāmyeṣa nettvadapacetayātā ityagneḥ priyam pātho 'pītamitītarāvanusamasyati
Dann wirft er die Umsteckhölzer nach. Zuerst wirft er das mittlere Umsteckholz nach mit den Worten: „Das Umsteckholz, das du, o Agni, Gott, dir umgelegt hast, von den Paṇis (Geizigen, Dämonen) verborgen gehalten, dieses bringe ich dir nun nach Belieben (joṣam) dar; es möge dich nicht von deiner Wahrnehmung abbringen (apacetayat).“ – „Zum lieben Trank/Aufenthaltsort (pātha) Agnis gegangen (apīta)“ – damit legt er die beiden übrigen Umsteckhölzer dazu.
atha juhūṃ copabhṛtaṃ ca sampragṛhṇāti | ado haivāhutiṃ karoti yadanaktyāhutirbhūtvā devalokaṃ gacāditi tasmājjuhūṃ copabhṛtaṃ ca sampragṛhṇāti
Dann faßt er Juhū und Upabhṛt zusammen. Damit macht er eben jenes Prastara-Bündel zur Opfergabe (āhuti), das er zuvor bestrichen hat, mit den Worten „als Opfergabe geworden, gehe zur Götterwelt“. Deshalb faßt er Juhū und Upabhṛt zusammen.
sa vai viśvebhyo devebhyaḥ sampragṛhṇāti | yadvā anādiṣṭaṃ devatāyai havirgṛhyate sarvā vai tasmindevatā apitvinyo manyante na vā etatkasyai cana devatāyai havirgṛhṇannādiṣati yadājyaṃ tasmādviśvebhyo devebhyaḥ sampragṛhṇātyetadu vaiśvadevaṃ haviryajñe
Er faßt sie nun für die All-Götter (viśve devāḥ) zusammen. Denn wenn eine Opfergabe ergriffen wird, ohne einer bestimmten Gottheit zugewiesen zu sein, so meinen alle Gottheiten, an ihr Anteil zu haben; und indem er hier, das Ghee ergreifend, es keiner bestimmten Gottheit zuweist, deshalb faßt er es für die All-Götter zusammen. Dies ist eben die den All-Göttern gehörige Opfergabe im Opfer.
Er faßt sie zusammen mit den Worten: „Ihr habt Anteil am Zusammengeflossenen (saṃsrava), ihr Großen (bṛhant)“ – denn eben das Zusammengeflossene (der Rest an Ghee) ist es ja, was übrigbleibt. „Auf dem Prastara Stehende und mit den Umsteckhölzern Versehene, ihr Götter“ – denn das Prastara-Bündel wie auch die Umsteckhölzer sind ja bereits nachgeworfen worden. „Diese Rede mögen die All-Götter anerkennend vernehmen“ – damit macht er es eben zu einem den All-Göttern gehörigen Akt. „Setzt euch auf dieses Barhis, erfreut euch, svāhā, vāṭ!“ – so, als wäre der Vaṣaṭ-Ruf vollzogen worden, geopfert – ebenso verhält es sich hiermit.
sa yasyānaso havirgṛhṇanti | anasastasya dhuri vimuñcanti yato yunajāma tato vimuñcāmeti yato hyeva yuñjanti tato vimuñcanti yasyo pātryai sphye tasya yato yunajāma tato vimuñcāmeti yato hyevaṃ yuñjanti tato vimuñcanti
Von wessen Wagen (anas) man die Opfergabe herholt, dessen Wagen spannt man an der Deichsel (dhur) wieder aus mit den Worten: „Wovon wir angespannt haben, davon spannen wir aus“ – denn eben von dort, wovon man anspannt, dort spannt man wieder aus. Von wessen Wagen die beiden Opferschalen und der Opferspaten (sphya) stammen, für den gilt: „Wovon wir angespannt haben, davon spannen wir aus“ – denn eben von dort, wovon man so anspannt, dort spannt man wieder aus.
yujau ha vā ete yajñasya yatsrucau | te etadyuṅkte yatpracarati sa yaṃ nidhāyāvadyedyathā vāhanamavārcevaṃ tatte etatsviṣṭakṛti vimocanamāgacataste tatsādayati tadvimuñcati te etatpunaḥ prayuṅkte 'nuyājeṣu so 'nuyājaiścaritvaitadvimocanamāgacati te tatsādayati tadvimuñcati te etatpunaḥ prayuṅkte yatsampragṛhṇāti tadyāṃ gatimabhiyuṅkte tāṃ gatiṃ gatvā vimuñcate yajñaṃ vā anu prajāstasmādayam puruṣo yuṅkte 'tha vimuñcate 'tha yuṅkte tadyāṃ gatimabhiyuṅkte tāṃ gatiṃ gatvāntato vimuñcate sa sādayati ghṛtācī stho dhuryau pātaṃsumne sthaḥ sumne mā dhattamiti sādhvyau sthaḥ sādhau mā dhattamityevaitadāha
Ein angespanntes Gespann (yuja) sind ja diese beiden des Opfers, nämlich die beiden Opferlöffel (sruc). Diese spannt er an, wenn er mit ihnen fortschreitet. Wie man, nachdem man ein Zugtier irgendwo abgesetzt hat, es später losspannt, ebenso gelangen diese hier beim Sviṣṭakṛt-Opfer zur Ausspannung (vimocana); er läßt sie dort niedersetzen, das heißt: er spannt sie aus. Danach spannt er sie wieder an, bei den Nachopfern; nachdem er mit den Nachopfern fortgeschritten ist, gelangt er hier wieder zur Ausspannung; er läßt sie niedersetzen, das heißt: er spannt sie aus. Danach spannt er sie wieder an, nämlich wenn er die Löffel beim Zusammenfassen ergreift; und indem er sie so für die jeweils bevorstehende Bewegung (gati) anspannt, spannt er sie, nachdem er diese Bewegung vollzogen hat, wieder aus. Dem Opfer folgt ja die Nachkommenschaft (prajā); deshalb spannt dieser Mensch (der Priester) bald an, bald wieder aus, bald spannt er wieder an; und indem er sie so für die jeweilige Bewegung anspannt, spannt er sie, nachdem er diese Bewegung vollzogen hat, am Ende wieder aus. Er läßt sie niedersetzen mit den Worten: „Ihr beide, die ihr Ghee-triefend seid (ghṛtācī), seid die Zugtiere am Joch (dhuryau); ihr seid in Wohlgefallen (sumna), versetzt uns in Wohlgefallen!“ – „Ihr seid gütig (sādhvī), versetzt uns ins Gute!“ – eben das sagt er damit.