Adhyāya 5
Die Erwählung des Hotṛ und die fünf Prayājas
Brāhmaṇa 1 (Die Pravara: Erwählung des Hotṛ und Agnis mythisches Priestertum): Dieser Abschnitt beschreibt die Pravara, die feierliche Erwählung des menschlichen Hotṛ-Priesters, und deutet sie zugleich als Nachvollzug eines mythischen Urbilds: Ursprünglich war Agni selbst der Hotṛ der Götter, und der Erwählungsspruch verhüllt geschickt, dass eigentlich Agni – nicht der genannte Ahnenname – gemeint ist. Die genaue Reihenfolge der Nennungen (Gottheit, Ahnenreihe, Ārṣeya) wird durchgehend symbolisch gedeutet, wobei das Prinzip der Verhüllung (nihnute) – des Sagens einer Sache unter dem scheinbaren Bezug auf eine andere – eine zentrale hermeneutische Rolle spielt. Brāhmaṇa 2 (Der Ruf zum Hören: āśrāvayati und die Vyāhṛti-Formeln): Im Zentrum steht die minutiös geregelte Kette aus Aufruf (āśrāvayati) und Antwortruf (pratyāśrāvayati), mit der die Priester das Opfer von Adhvaryu über Agnīdh und Hotṛ bis zum Vaṣaṭ-Ruf weiterreichen; jede Abweichung von der festgelegten Sprechreihenfolge gilt als gefährlich. Die neun beziehungsweise fünf Vyāhṛti-Rufe werden kosmologisch mit den Atem-Kräften des Menschen, den Jahreszeiten und dem Melken der Erd-Virāj identifiziert, wodurch das rituelle Formular in ein umfassendes Analogiesystem eingebettet wird. Brāhmaṇa 3 (Die fünf Prayājas, die Jahreszeiten und der Streit zwischen Göttern und Asuras): Dieser Abschnitt entfaltet die Symbolik der fünf Prayājas (Voropfer) als Mittel, mit dem einst die Götter im mythischen Streit mit den Asuras die Jahreszeiten und damit das ganze Jahr für sich gewannen – ein Urbild, das der Opferer im Ritual wiederholt. Eine volksetymologische Deutung verbindet 'prayāja' klanglich mit 'prajayā' ('durch Nachkommenschaft'), ohne sprachhistorisch korrekt zu sein. Am Ende des Abschnitts steht die Vorstellung, dass das Opfer mit dem letzten Voropfer bereits als 'gewonnen' und vollendet gilt, während das darauf folgende rituelle Geschehen als bloße Wiederauffüllung (Verhinderung des 'Verbrauchtseins', ayātayāma) verstanden wird. Brāhmaṇa 4 (Die Prayājas, die Lebensatems und das Zahlenrätsel Indras): Hier werden dieselben fünf Prayājas ein zweites Mal gedeutet, diesmal in Bezug auf die Lebensatems (prāṇas) und die Zeugung von Nachkommenschaft. Den Abschluss bildet ein Brahmodya-artiges Zahlenrätsel: Im Wettstreit zwischen Göttern und Asuras steigert Indra die Zahl der von ihm beanspruchten Größen immer weiter, bis die Asuras bei 'fünf' kein Paar (mithuna) mehr finden können und den gesamten Streit verlieren – eine mythische Begründung dafür, dass es genau fünf Prayājas gibt.
sa vai pravarāyāśrāvayati | tadyatpravarāyāśrāvayati yajño vā āśrāvaṇaṃ yajñamabhivyāhṛtyātha hotāram pravṛṇā iti tasmātpravarāyāśrāvayati
Er ruft nämlich zum Hören auf, um damit die Erwählung (des Hotṛ) einzuleiten. Das geschieht aus folgendem Grund: Der Ruf zum Hören ist selbst schon das Opfer; erst nachdem er 'Opfer' ausgesprochen hat, heißt es 'nun wähle ich den Hotṛ' – deshalb ruft er zum Hören auf, um die Erwählung einzuleiten.
sa idhmasaṃnahanānyevābhipadyāśrāvayati | sa yadvānārabhya yajñamadhvaryurāśrāvayedvepano vā ha syādanyāṃ vārttimārcet
Er ergreift dabei nur die Bindfäden des Brennholzes und ruft dann zum Hören auf. Würde nämlich der Adhvaryu zum Hören aufrufen, ohne das Opfer auf diese Weise ergriffen (begonnen) zu haben, so geriete er entweder ins Zittern oder in ein anderes Missgeschick.
taddhaike | vede stīrṇāyai barhirabhipadyāśrāvayantīdhmasya vā śakalamapacidyābhipadyāśrāvayantīdaṃ vai kiṃcidyajñasyedaṃ yajñamabhipadyāśrāvayāma iti vadantastadu tathā na kuryādetadvai kiṃcidyajñasya yairidhmaḥ saṃnaddho bhavatyagniṃ sammṛjanti tadveva khalu yajñamabhipadyāśrāvayati tasmādidhmasaṃnahanānyevābhipadyāśrāvayet
Manche berühren dabei die ausgebreitete Opferstreu, bevor sie zum Hören aufrufen, oder sie nehmen einen Splitter des Brennholzes und rufen dann zum Hören auf, indem sie sagen: 'Dies ist ja etwas vom Opfer – dieses Stück des Opfers ergreifen wir, wenn wir zum Hören aufrufen.' So sollte man es aber nicht machen. Denn das, womit das Brennholz gebunden ist, ist wahrhaftig etwas vom Opfer – damit wischt (bereitet) man ja das Feuer; eben damit also ergreift er in Wahrheit das Opfer, wenn er zum Hören aufruft. Deshalb sollte man stets nur die Bindfäden des Brennholzes ergreifen und dabei zum Hören aufrufen.
sa āśrāvya | ya eva devānāṃ hotā tamevāgre pravṛṇite 'gnimeva tadagnaye caivaitaddevebhyaśca nihnute yadahāgre 'gnim pravṛṇīte tadagnaye nihnute 'tha yo devānāṃ hotā tamagre pravṛṇīte tadudevebhyo nihnute
Nachdem er zum Hören aufgerufen hat, erwählt er zunächst denjenigen, der der Hotṛ der Götter ist, nämlich Agni. Damit verhüllt er dies zugleich zugunsten Agnis wie zugunsten der Götter: Indem er scheinbar zuerst Agni erwählt, verhüllt er es zugunsten Agnis; indem er aber in Wahrheit zuerst den erwählt, der Hotṛ der Götter ist, verhüllt er es zugunsten der Götter.
Er spricht: 'Agni, der göttliche, himmlische Hotṛ' – denn Agni ist ja der Hotṛ der Götter, deshalb spricht er so. Auch damit verhüllt er es zugleich zugunsten Agnis und der Götter: Indem er scheinbar zuerst Agni nennt, verhüllt er es zugunsten Agnis; indem er aber in Wahrheit zuerst den nennt, der Hotṛ der Götter ist, verhüllt er es zugunsten der Götter.
devānyakṣadvidvāṃścikitvāniti | eṣa vai devānanuvidvānyadagniḥ sa enānanuvidvānanuṣṭhyā yakṣadityevaitadāha
'Er möge, wissend und kundig, den Göttern opfern' – dieser, nämlich Agni, kennt ja die Götter; gemeint ist: 'er möge, sie kennend, ihnen in der gehörigen Reihenfolge opfern' – eben das sagt er damit.
'Wie Manu, wie Bharata' – Manu hat als Erster mit dem Opfer geopfert; ihm nacheifernd opfern jetzt diese Geschöpfe; deshalb spricht er 'wie Manu'. Manche sagen auch, das Opfer gehöre Manu; auch deshalb spricht er 'wie Manu'.
bharatavaditi | eṣa hi devebhyo havyam bharati tasmādbharato 'gnirityāhureṣa u vā imāḥ prajāḥ prāṇo bhūtvā bibharti tasmādvevāha bharatavaditi
'Wie Bharata' – dieser (Agni) trägt den Göttern ja das Opfergut zu, deshalb nennt man Agni 'Bharata', den Träger. Oder auch: Er trägt, zum Lebenshauch geworden, diese Geschöpfe; auch deshalb spricht er 'wie Bharata'.
Dann nennt er den Ṛṣi-Namen (das Ārṣeya); damit meldet er den Erwählten sowohl den Ṛṣis als auch den Göttern: 'Dieser von großer Kraft ist es, der das Opfer erlangt hat' – deshalb nennt er das Ārṣeya.
parastādarvākpravṛṇīte | parastāddhyarvācyaḥ prajāḥ prajāyante jyāyasaspataya u caivaitannihnuta idaṃ hi pitaivāgre 'tha putro 'tha pautrastasmātparastādarvākpravṛṇite
Er nennt (die Ahnenreihe) vom Früheren zum Späteren hin. Denn aus dem Früheren gehen die späteren Geschöpfe hervor; und zugleich verhüllt er dies zugunsten der älteren Ahnen als der eigentlichen Herren: Hier steht ja zuerst der Vater, dann der Sohn, dann der Enkel – deshalb nennt er sie vom Früheren zum Späteren hin.
sa ārṣeyamuktvāha | brahmaṇvaditi brahma hyagnistasmādāha brahmaṇvadityā ca vakṣaditi tadyā evaitaddevatā āvoḍhavā āha tā evaitadāhā ca vakṣaditi
Nachdem er das Ārṣeya ausgesprochen hat, spricht er: 'brahmanhaltig' – denn Agni ist ja das Brahman, deshalb spricht er 'brahmanhaltig'. Und: 'er möge herbeifahren' [Anm.: die überlieferte Verbform weicht von der grammatisch erwarteten Gerundivform ab; die Übersetzung folgt dem naheliegenden Sinn] – damit nennt er eben die Gottheiten, die herbeizufahren sind: 'und er möge sie herbeifahren'.
brāhmaṇā asya yajñasya prāvitāra iti | ete vai brāhmaṇā yajñasyaprāvitāro ye 'nūcānā ete hyenaṃ tanvata eta enaṃ janayanti tadu tebhyo nihnute tasmādāha brāhmaṇā asya yajñasya prāvitāra iti
'Brahmanen seien die Förderer dieses Opfers' – diese Brahmanen, das heißt die im Rezitieren Kundigen, sind ja die Förderer des Opfers; denn sie sind es, die es ausbreiten, sie sind es, die es erzeugen; und das verhüllt er zu ihren Gunsten; deshalb spricht er: 'Brahmanen seien die Förderer dieses Opfers'.
sa pravṛto hotā | japati devatā upadhāvati yathānuṣṭhyā devebhyo vaṣaṭkuryādyathānuṣṭhyā devebhyo havyaṃ vahedyathā na hvaledevaṃ devatā upadhāvati
Der erwählte Hotṛ murmelt eine Formel und wendet sich an die Gottheit, damit er den Göttern in gehöriger Reihenfolge den Vaṣaṭ-Ruf spende, ihnen in gehöriger Reihenfolge das Opfergut zutrage und nicht fehlgehe – so wendet er sich an die Gottheit.
tatra japati etatattvā deva savitarvṛṇata iti tatsavitāram prasavāyopadhāvati sa hi devānām prasavitāgniṃ hotrāyeti tadagnaye caivaitaddevebhyaśca nihnute yadahāgre 'gnimāha tadagnaye nihnute 'tha yo devānāṃ hotā tamagra āha tadu devebhyo nihnute
Dabei murmelt er: 'Eben hierzu, o Gott Savitṛ, erwählen sie dich' – damit wendet er sich an Savitṛ um Antrieb, denn dieser ist der Antreiber der Götter. Mit 'Agni zum Hotṛ-Amt' verhüllt er es dabei zugleich zugunsten Agnis und der Götter: Indem er scheinbar zuerst Agni nennt, verhüllt er es zugunsten Agnis; indem er aber in Wahrheit zuerst den nennt, der Hotṛ der Götter ist, verhüllt er es zugunsten der Götter.
saha pitrā vaiśvānareṇeti | saṃvatsaro vai pitā vaiśvānaraḥ prajāpatistatsaṃvatsarāyaivaitatprajāpataye nihnute 'gne pūṣanbṛhaspate pra ca vada pra ca yajetyanuvakṣyanvā etadyakṣyanbhavati tadaitābhya evaitaddevatābhyo nihnute yūyamanubrūta yūyaṃ yajateti
'Zusammen mit dem Vater Vaiśvānara' – das Jahr ist ja der Vater, und Vaiśvānara ist Prajāpati; damit verhüllt er es zugunsten des Jahres, das heißt zugunsten Prajāpatis. 'O Agni, Pūṣan, Bṛhaspati, sprechet vor und opfert vor' – damit kündigt er an, [nunmehr] weiter zu rezitieren und zu opfern; auch das verhüllt er dabei zugunsten eben dieser Gottheiten: 'Ihr rezitiert, ihr opfert.'
'Wir möchten in der Gunst der Vasus stehen, in der Weite der Rudras, wir Eigenen den Ādityas und der Aditi zugehörig, frei von Bedrängnis' [Anm.: die Mantra-Syntax ist elliptisch, Wortstellung und Bezug bleiben im Einzelnen unsicher, die Übersetzung folgt der plausibelsten Lesart] – diese drei nämlich sind die Klassen der Götter: die Vasus, die Rudras, die Ādityas; gemeint ist: 'wir möchten unter deren Schutz stehen' – eben das sagt er damit.
'Eine den Göttern genehme Rede möchte ich heute erheben' – gemeint ist: 'ich möchte heute rezitieren, was den Göttern genehm ist' – eben das sagt er damit; denn gelungen ist es, wenn einer rezitiert, was den Göttern genehm ist.
'(Sie sei) genehm den Brahmanen' – gemeint ist: 'ich möchte heute rezitieren, was den Brahmanen genehm ist' – eben das sagt er damit; denn gelungen ist es, wenn einer rezitiert, was den Brahmanen genehm ist.
juṣṭāṃ narāśaṃsāyeti | prajā vai narastatsarvābhyaḥ prajābhya āha taddhi samṛddhaṃ yaśca veda yaśca na sādhvanvavocatsādhvanvavocadityeva visṛjyante yadadya hotṛvarye jihmaṃcakṣuḥ parāpatat agniṣṭatpunarābhriyājjātavedā vicarṣaṇiriti yathā yānagre 'gnīnhotrāya prāvṛṇata te prādhanvannevaṃ yanme 'tra pravareṇāmāyi tanme punarāpyāyayetyevaitadāha tatho hāsyaitatpunarāpyāyate
'(Sie sei) genehm dem Narāśaṃsa' – die 'Naras', die Männer, sind ja die Geschöpfe; damit spricht er sie allen Geschöpfen zu; denn gelungen ist es so oder so – ob einer die Formel kennt oder nicht kennt: 'Gut hat er rezitiert' heißt es, 'gut hat er rezitiert' – so werden sie entlassen. Die Formel 'Welch schiefer Blick heute auf den Vorrang des Hotṛ-Amtes gefallen ist – den möge Agni Jātavedas, der Umsichtige, wieder zurückbringen' bedeutet: So wie jene Agnis, die man früher zum Hotṛ-Amt erwählte, davonliefen, so möge auch das, was mir hier durch die Wahl entzogen wurde, mir wieder aufgefüllt werden – eben das sagt er damit; und tatsächlich wird ihm dies dadurch wieder aufgefüllt.
athādhvaryuṃ cāgnīdhaṃ ca sammṛśati | mano vā adhvaryurvāgghotā tanmanaścaivaitadvācaṃ ca saṃdadhāti
Dann berührt er den Adhvaryu und den Agnīdh. Der Adhvaryu ist ja der Verstand (manas), die Rede (vāc) ist der Hotṛ [Anm.: die Deutung erfasst nur zwei der drei genannten Größen – Adhvaryu, Agnīdh, Hotṛ; der Agnīdh bleibt in der symbolischen Erklärung unberücksichtigt]; damit verbindet er Verstand und Rede miteinander.
tatra japati | ṣaṇmorvīraṃhasaspāntvagniśca pṛthivī cāpaśca vājaścāhaśca rātriścetyetā mā devatā ārttergopāyantvityevaitadāha tasyo hi na hvalāsti yametā devatā ārttergopāyeyuḥ
Dabei murmelt er: 'Es mögen mich die sechs Weiten vor Bedrängnis schützen: Agni und die Erde, die Gewässer und Vāja, der Tag und die Nacht' – gemeint ist: 'diese Gottheiten mögen mich vor Bedrängnis schützen' – eben das sagt er damit; denn wen diese Gottheiten vor Bedrängnis schützen, dem kann nichts fehlgehen.
atha hotṛṣadanamupāvartate | sa hotṛṣadanādekaṃ tṛṇaṃ nirasyati nirastaḥ parāvasuriti parāvasurha vai nāmāsurāṇāṃ hotā sa tamevaitaddhotṛṣadanānnirasyati
Dann begibt er sich zum Hotṛ-Sitz. Vom Hotṛ-Sitz wirft er einen Grashalm fort, indem er spricht: 'Hinausgeworfen ist Parāvasu' – denn Parāvasu ist ja der Name des Hotṛ der Asuras; eben diesen wirft er damit vom Hotṛ-Sitz fort.
Dann setzt er sich auf den Hotṛ-Sitz, indem er spricht: 'Hier setze ich mich auf den Sitz des Arvāvasu' – denn Arvāvasu ist ja der Name des Hotṛ der Götter; eben auf dessen Sitz setzt er sich damit.
tatra japati viśvakarmastanūpā asi mā mo doṣiṣṭam mā mā hiṃsiṣṭameṣa vāṃ loka ityudaṅṅejatyantarā vā etadāhavaniyaṃ ca gārhapatyaṃ cāste tadu tābhyāṃ nihnute mā mo doṣiṣṭam mā mā hiṃsiṣṭamiti tathā hainametau na hiṃstaḥ
Dabei murmelt er: 'Viśvakarman, du bist der Hüter des Leibes; schadet mir nicht, verletzt mich nicht, dies ist euer Ort' – dabei wendet er sich nach Norden. Er sitzt nämlich zwischen dem Āhavanīya- und dem Gārhapatya-Feuer; damit verhüllt er es zugunsten dieser beiden Feuer: 'Schadet mir nicht, verletzt mich nicht' – und so schaden ihm auch diese beiden nicht.
athāgnimīkṣamāṇo japati | viśve devāḥ śāstana mā yatheha hotā vṛto manavai yanniṣadya pra me brūta bhāgadheyaṃ yathā vo yena pathā havyamā vo vahānīti yathā yebhyaḥ pakvaṃ syāttānbrūyādvanu mā śāsta yathā va āhariṣyāmi yathā vaḥ parivekṣyāmītyevamevaitaddeveṣu praśāsanamicate 'nu mā śāsta yathā vo 'nuṣṭhyā vaṣaṭkuryāmanuṣṭyā havyaṃ vaheyamiti tasmādevaṃ japati
Dann murmelt er, auf Agni blickend: 'Ihr All-Götter, weiset mich an, so wie ich hier, als Hotṛ für Manus Nachkommenschaft erwählt, mich niedergesetzt habe – verkündet mir meinen Anteil, in welcher Weise, auf welchem Weg ich euch das Opfergut zubringen soll' – ähnlich wie man zu denen spräche, für die etwas gekocht ist: 'Weiset mich alle an, wie ich es euch zubringen, wie ich es euch zuteilen soll' – ebenso erbittet er hier Anweisung von den Göttern: 'Weiset mich an, wie ich euch in gehöriger Reihenfolge den Vaṣaṭ-Ruf spenden, in gehöriger Reihenfolge das Opfergut zutragen soll' – deshalb murmelt er so.
agnirhotā vettvagnerhotramiti agniridaṃ hotā vettvityevaitadāhāgnerhotramiti tasyo hi hotraṃ vettu prāvitramiti yajño vai prāvitraṃ vettu yajñamityevaitadāha sādhu te yajamāna devateti sādhu te yajamāna devatā yasya te 'gnirhotetyevaitadāha ghṛtavatīmadhvaryo srucamāsyasveti tadadhvaryu prasauti sa yadekāmivāha
'Agni als Hotṛ möge es wissen; Agnis Hotṛ-Amt' – gemeint ist: 'Agni möge hier als Hotṛ Bescheid wissen' – eben das sagt er damit. '(Es sei) Agnis Hotra' – gemeint ist: 'er möge dessen Hotra kennen'. '(Es sei) das Fördernde (prāvitra)' – das Opfer ist ja das Fördernde – gemeint ist: 'er möge das Opfer kennen' – eben das sagt er damit. 'Gut ist deine Gottheit, o Opferherr' – gemeint ist: 'gut ist deine Gottheit, o Opferherr, dessen Hotṛ Agni ist' – eben das sagt er damit. 'Nimm den mit Schmalz gefüllten Löffel auf, o Adhvaryu' – damit treibt er den Adhvaryu an. Dass er dies gleichsam als einen einzigen Ausspruch formuliert [Anm.: der volle Sinn dieser Bemerkung erschließt sich erst aus dem folgenden Abschnitt über Juhū und Upabhṛt], hat seinen besonderen Grund.
yajamāna eva juhūmanu | yo smā arātīyati sa upabhṛtamanu sa yaddve iva brūyādyajamānāya dviṣantam bhrātṛvyam pratyudyāminaṃ kuryādattaiva juhūmanvādya upabhṛtamanu sa yaddve iva brūyādattra ādyam pratyudyāminaṃ kuryāttasmādekāmivaivāha
Der Opferherr allein entspricht der Juhū; wer ihm feindlich gesinnt ist, entspricht der Upabhṛt. Würde man von beiden wie von zweien sprechen, so schüfe man dem Opferherrn gegenüber seinem hassenden Widersacher einen ebenbürtigen Gegenspieler [Anm.: 'pratyudyāmin' meint einen gleichrangigen Rivalen; die genaue Nuance ist nicht ganz eindeutig]. 'Das Gegessene' entspricht der Juhū, 'das noch zu Essende' entspricht der Upabhṛt; würde man auch hier von zweien sprechen, so schüfe man beim Essen selbst einen solchen Gegenspieler; deshalb spricht er gleichsam nur von einem Einzigen.
'Die mit den Göttern sich Vereinende, alle Wünsche Gewährende' – damit preist er sie (die Opferschale) gleichsam von unten her und erhöht sie eben dadurch, dass er spricht: 'die mit den Göttern sich Vereinende, alle Wünsche Gewährende'. 'Wir möchten die preiswürdigen Götter preisen, die verehrungswürdigen verehren, den opferwürdigen opfern' – gemeint ist: 'wir möchten diejenigen preisen, die preiswürdig sind, diejenigen verehren, die verehrungswürdig sind, denjenigen opfern, die opferwürdig sind'. Denn preiswürdig sind die Menschen, verehrungswürdig die Väter (Ahnen), opferwürdig die Götter.
yā vai prajā yajñe 'nanvābhaktāḥ | parābhūtā vai tā evamevaitadyā imāḥ prajā aparābhūtatstā yajña ābhajati manuṣyānanu paśavo devānanu vayāṃsyoṣadhayo vanaspatayo yadidaṃ kiñcaivamu tatsarvaṃ yajña ābhaktam
Die Geschöpfe, die am Opfer keinen Anteil erhalten haben, sind verloren, unterlegen; den Geschöpfen dagegen, die nicht verloren sind, teilt das Opfer einen Anteil zu: Den Menschen folgt das Vieh, den Göttern folgen die Vögel, die Pflanzen, die Bäume – was es hier sonst noch gibt, dem allen ist ebenso ein Anteil am Opfer zugeteilt.
tā vā etāḥ | nava vyāhṛtayo bhavanti naveme puruṣe prāṇā etānevāsminnetaddadhāti tasmānnava vyāhṛtayo bhavanti
Diese Rufe nun sind neun Ausrufungen (Vyāhṛtis); neun sind ja auch die Atem-Kräfte im Menschen; eben diese legt er ihm damit ein; deshalb gibt es neun Ausrufungen.
yajño ha devebhyo 'pacakrāma | taṃ devā anvamantrayantā naḥśṛṇūpa na āvartasveti so 'stu tathetyeva devānupāvavarta tenopāvṛttena devā ayajanta teneṣṭvaitadabhavanyadidaṃ devāḥ
Das Opfer entwich einst den Göttern. Ihm riefen die Götter nach: 'Höre uns, kehre zu uns zurück!' Es sprach: 'So sei es' und kehrte zu den Göttern zurück. Mit dem so Zurückgekehrten opferten die Götter; und weil sie damit geopfert hatten, wurden sie zu dem, was die Götter jetzt sind.
Wenn er zum Hören aufruft, spricht er damit zum Opfer selbst: 'Höre uns, kehre zu uns zurück'; und wenn er zurückruft, kehrt das Opfer damit selbst zurück: 'So sei es.' Mit diesem so zurückgekehrten, zu Samen gewordenen (Opfer) betreiben die Priester – dem Opferherrn unsichtbar, gleichsam hinter seinem Rücken – einen Tausch, so wie man mit einem vollen Gefäß einen Tausch betriebe. Diesen Tausch betreiben sie mittels der Rede; denn das Opfer ist Rede, und Rede ist Same; eben damit betreiben sie diesen Tausch.
so 'nubrūhītyevoktvādhvaryuḥ | nāpavyāharenno eva hotāpavyāharedāśrāvayatyadhvaryustadagnīdhaṃ yajña upāvartate
Sobald er 'rezitiere!' gesagt hat, sollte der Adhvaryu nichts Abweichendes mehr sprechen; auch der Hotṛ sollte nichts Abweichendes sprechen. Der Adhvaryu ruft zum Hören auf; damit wendet sich das Opfer zum Agnīdh.
sa hotā nāpavyāharet | ā vaṣaṭkārāttaṃ vaṣaṭkāreṇāgnāveva yonau reto bhūtaṃ siñcatyagnirvai yoniryajñasya sa tataḥ prajāyata iti nu haviryajñe 'tha saumye 'dhvare
Der Hotṛ sollte bis zum Vaṣaṭ-Ruf nichts Abweichendes sprechen; mit dem Vaṣaṭ-Ruf gießt er das zu Samen gewordene Opfer gleichsam in Agni als Mutterschoß; denn Agni ist ja der Mutterschoß des Opfers, aus ihm wird es geboren – so heißt es sowohl beim Haviropfer als auch beim Soma-Opfer.
sa vai grahaṃ gṛhītvādhvaryuḥ | nāpavyāharedopākaraṇādupāvartadhvamityevādhvaryurudgātṛbhyo yajñaṃ samprayacati
Sobald der Adhvaryu den Soma-Becher ergriffen hat, sollte er bis zum Upākaraṇa (der Aufforderung) nichts Abweichendes sprechen; mit 'wendet euch her!' übergibt er das Opfer den Udgātṛs.
sa hotā nāpavyāharet | ā vaṣaṭkārāttaṃ vaṣaṭkāreṇāgnāveva yonau reto bhūtaṃ siñcatyagnirvai yoniryajñasya sa tataḥ prajāyate
Der Hotṛ sollte bis zum Vaṣaṭ-Ruf nichts Abweichendes sprechen; mit dem Vaṣaṭ-Ruf gießt er das zu Samen gewordene Opfer in Agni als Mutterschoß; denn Agni ist ja der Mutterschoß des Opfers, aus ihm wird es geboren.
sa yaddha so 'pavyāharet | yaṃ yajña upāvartate yathā pūrṇapātram parāsiñcedevaṃ ha sa yajamānam parāsiñcetsa yatra haivamṛtvijaḥ saṃvidānā yajñena caranti sarvameva tatra kalpate na muhyati tasmādevameva yajño bhartavyaḥ
Spräche derjenige, zu dem sich das Opfer gerade wendet, etwas Abweichendes, so schüttete er gleichsam, wie ein volles Gefäß, den Opferherrn aus. Wo aber die Priester so, in Übereinstimmung miteinander, mit dem Opfer verfahren, dort gelingt alles, und der Opferherr kommt nicht zu Schaden; deshalb muss das Opfer genau so durchgeführt werden.
tā vā etāḥ | pañca vyāhṛtayo bhavantyo śrāvayāstu śrauṣaḍyaja ye yajāmahe vauṣaḍiti pāṅkto yajñaḥ pāṅktaḥpaśuḥ pañcartavaḥ saṃvatsarasyaiṣaikā yajñasya mātraiṣā sampat
Diese Rufe nun sind fünf Ausrufungen: 'O, rufe zum Hören auf! – Es sei! Śrauṣaṭ! – Opfere! – Wir, die wir opfern – Vauṣaṭ!' Fünfteilig ist das Opfer, fünfteilig das Opfertier, fünf sind die Jahreszeiten des Jahres – dies ist ein Maß des Opfers, dies ist seine Vollkommenheit.
Diese Ausrufungen umfassen siebzehn Silben; siebzehnfach ist ja Prajāpati, und Prajāpati ist das Opfer – dies ist ein Maß des Opfers, dies ist seine Vollkommenheit.
o śrāvayeti vai devāḥ | purovātaṃ sasṛjire 'stu śrauṣaḍityabhrāṇi samaplāvayanyajeti vidyutaṃ ye yajāmaha iti stanayitnuṃ vaṣaṭkāreṇaiva prāvarṣayan
Mit 'o, rufe zum Hören auf!' entsandten die Götter den Vorwind, der dem Regen vorausgeht; mit 'es sei! Śrauṣaṭ!' ließen sie die Wolken sich zusammenballen; mit 'opfere!' schufen sie den Blitz; mit 'wir, die wir opfern' den Donner; und mit dem Vaṣaṭ-Ruf selbst ließen sie es regnen.
sa yadi vṛṣṭikāmaḥ syāt | yadīṣṭyā vā yajeta darśapūrṇamāsayorvaiva brūyādvṛṣṭikāmo vā asmīti tatro adhvaryuṃ brūyātpurovātaṃ ca vidyutaṃ ca manasā dhyāyetyabhrāṇi manasā dhyāyetyagnīdhaṃ stanayitnuṃ ca varṣaṃ ca manasā dhyāyeti hotāraṃ sarvāṇyetāni manasā dhyāyeti brahmāṇaṃ varṣati haiva tatra yatraivamṛtvijaḥ saṃvidānā yajñena caranti
Wenn jemand Regen wünschte – sei es, dass er eigens dazu eine Wunschopferung darbringe, oder dass er bei den Neu- und Vollmondopfern selbst sage 'ich wünsche Regen' –, so sollte er dabei zum Adhvaryu sagen: 'Denke im Geiste an den Vorwind und den Blitz', zum Agnīdh: 'Denke im Geiste an die Wolken', zum Hotṛ: 'Denke im Geiste an den Donner und den Regen', zum Brahman: 'Denke im Geiste an dies alles' – und es regnet dort tatsächlich, wo die Priester so, in Übereinstimmung miteinander, mit dem Opfer verfahren.
o śrāvayeti vai devāḥ | virājamabhyājuhuvurastu śrauṣaḍiti vatsamupāvāsṛjanyajetyudajayanye yajāmaha ityupāsīdanvaṣaṭkāreṇaiva virājamaduhateyaṃ vai virāḍasyai vā eṣa doha evaṃ ha vā asmā iyaṃ virāṭsarvāṅkāmānduhe ya evametaṃ virājo dohaṃ veda
Mit 'o, er möge hören lassen!' riefen die Götter die Virāj herbei; mit 'es sei! Śrauṣaṭ!' ließen sie das Kalb zu ihr los; mit 'opfere!' trieben sie sie an; mit 'wir, die wir opfern' traten sie an sie heran; und mit dem Vaṣaṭ-Ruf selbst molken sie die Virāj. Diese Erde hier ist die Virāj, und dies ist ihr Melken; ebenso melkt die Virāj demjenigen alle Wünsche heraus, der so dieses Melken der Virāj kennt.
Die Götter und die Asuras, beide Nachkommen Prajāpatis, stritten um dieses Opfer, das Prajāpati, der Vater, das Jahr ist: 'Dies wird uns gehören', 'dies wird uns gehören', sprach jede Seite.
tato devāḥ | arcantaḥ śrāmyantaścerurasta etānprayājāndadṛśustairayajanta tairṛtūntsaṃvatsaram prājayannṛtubhyaḥ saṃvatsarātsapatnānantarāyaṃstasmātprajayāḥ prajayā ha vai nāmaitadyatprayājā iti tatho evaiṣa etairṛtūntsaṃvatsaram prayajatyṛtubhyaḥ saṃvatsarātsapatnānantareti tasmātprayājairyajate
Da zogen die Götter singend und sich mühend umher; sie fanden diese Voropfer, opferten mit ihnen und gewannen dadurch die Jahreszeiten innerhalb des Jahres für sich, während sie die Nebenbuhler von den Jahreszeiten, vom Jahr, ausschlossen. Deshalb heißen sie 'durch Nachkommenschaft' (prajayā) [Anm.: hier liegt eine volksetymologische Anknüpfung von 'prayāja' an 'prajayā' – 'Nachkommenschaft' – über den Klang vor, keine tatsächliche sprachhistorische Ableitung] – 'durch Nachkommenschaft' ist nämlich der eigentliche Name dessen, was die Prayājas sind. Ebenso gewinnt auch der jetzige Opferer mit ihnen die Jahreszeiten innerhalb des Jahres für sich und schließt die Nebenbuhler von den Jahreszeiten, vom Jahr, aus; deshalb opfert er mit den Prayājas.
te vā ājyahaviṣo bhavanti | vajro vā ājyametena vai devā vajreṇājyenartūntsaṃvatsaram prājayannṛtubhyaḥ saṃvatsarātsapatnānantarāyaṃstatho evaiṣa etena vajreṇājyenartūntsaṃvatsaram prajayatyṛtubhyaḥ saṃvatsarātsapatnānantareti tasmādājyahaviṣo bhavanti
Diese Voropfer sind Schmalz-Opfergaben; das Schmalz ist ja die Keule (vajra). Mit dieser Keule, dem Schmalz, gewannen die Götter die Jahreszeiten innerhalb des Jahres für sich und schlossen die Nebenbuhler von den Jahreszeiten, vom Jahr, aus. Ebenso gewinnt auch der Opferer mit dieser Keule, dem Schmalz, die Jahreszeiten für sich und schließt die Nebenbuhler aus; deshalb sind sie Schmalz-Opfergaben.
Dieses Schmalz ist die eigene Milch(-Essenz) des Jahres; mit eben dieser seiner eigenen Milch machten die Götter das Jahr sich zu eigen; ebenso macht auch der Opferer es sich mit eben dieser eigenen Milch zu eigen; deshalb sind sie Schmalz-Opfergaben.
sa yatraiva tiṣṭhanprayājebhya āśrāvayet | tata eva nāpakrāmetsaṃgrāmo vā eṣa saṃnidhīyate yaḥ prayājairyajate yataro vai saṃyattayoḥ parājayate 'pa vai saṃkrāmatyabhitarāmu vai jayaṅkrāmati tasmādabhitarāmabhitarāmeva krāmedabhitarāmabhitarāmāhutīrjuhuyāt
Wo er, dort stehend, zu den Voropfern zum Hören aufruft, von dort sollte er nicht mehr weggehen; denn dies ist eine Schlacht, die sich zusammenzieht, bei dem, der mit den Voropfern opfert: Von zwei im Kampf Aneinandergeratenen weicht derjenige zurück, der unterliegt, während der Siegende weiter vorrückt; deshalb sollte er immer weiter vorrücken und dabei immer weiter vorrückend die Opfergüsse darbringen.
tadu tathā na kuryāt | yatraiva tiṣṭhanprayājebhya āśrāvayettata eva nāpakrāmedyatro eva samiddhatamam manyeta tadāhutīrjuhuyātsamiddhahomena hyeva samṛddhā āhutayaḥ
Das aber sollte man nicht so tun [Anm.: diese Anweisung widerruft ausdrücklich die zuvor in 1.5.3.6 gegebene Regel des ständigen Vorrückens]. Vielmehr: Wo er, dort stehend, zu den Voropfern zum Hören aufruft, von dort sollte er sich überhaupt nicht wegbewegen; wo er es aber für am stärksten entflammt hält, dort sollte er die Opfergüsse darbringen; denn nur durch das Opfern ins Entflammte gelingen die Opfergüsse.
sa āśrāvyāha | samidho yajeti tadvasantaṃ saminddhe sa vasantaḥ samiddho 'nyānṛtūntsaminddha ṛtavaḥ samiddhāḥ prajāśca prajanāyantyoṣadhīśca pacanti tadveva khalu sarvānṛtūnnirāhātha yajayajetyevottarānāhājāmitāyai jāmi ha kuryādyattanūnapātaṃ yajeḍo yajeti brūyāttasmādyajayajetyevottarānāha
Nachdem er zum Hören aufgerufen hat, spricht er: 'Opfere dem Samidh!' – damit entflammt er den Frühling; dieser entflammte Frühling entflammt die übrigen Jahreszeiten, und die entflammten Jahreszeiten bewirken, dass die Geschöpfe sich fortpflanzen und die Pflanzen reifen; eben damit ruft er in Wahrheit alle Jahreszeiten hervor. Die folgenden Voropfer aber nennt er nur mit 'opfere, opfere' – um der Vermeidung von Wiederholung willen; er schüfe nämlich eine Wiederholung, würde er sagen 'opfere dem Tanūnapāt', 'opfere der Iḍā' und dergleichen jeweils voll ausformuliert; deshalb nennt er die folgenden nur mit 'opfere, opfere'.
sa vai samidho yajati | vasanto vai samidvasantameva taddevā avṛñjata vasantātsapatnānantarāyanvasantamevaiṣa etadvṛṅkte vasantātsapatnānantareti tasmātsamidho yajati
Er opfert dem Samidh – der Frühling ist ja der Samidh; eben diesen Frühling gewannen die Götter damit für sich und schlossen die Nebenbuhler vom Frühling aus; ebenso gewinnt auch der Opferer eben diesen Frühling für sich und schließt die Nebenbuhler vom Frühling aus; deshalb opfert er dem Samidh.
Dann opfert er dem Tanūnapāt – der Sommer ist ja Tanūnapāt, denn der Sommer erhitzt die Leiber dieser Geschöpfe. Eben diesen Sommer gewannen die Götter damit für sich und schlossen die Nebenbuhler vom Sommer aus; ebenso gewinnt auch der Opferer eben diesen Sommer für sich und schließt die Nebenbuhler aus; deshalb opfert er dem Tanūnapāt.
Dann opfert er der Iḍā – die Regenzeit ist ja Iḍā; denn die Regenzeit ist Iḍā, weil das kleine kriechende Getier, das von Sommer und Winter verlassen ist, in der Regenzeit wie herbeigerufen (īḍita) nach Nahrung suchend umhergeht; deshalb ist die Regenzeit Iḍā. Eben diese Regenzeit gewannen die Götter damit für sich und schlossen die Nebenbuhler von der Regenzeit aus; ebenso gewinnt auch der Opferer diese Regenzeit für sich und schließt die Nebenbuhler aus; deshalb opfert er der Iḍā.
Dann opfert er dem Barhis – der Herbst ist ja Barhis; denn der Herbst ist Barhis, weil diese Pflanzen, die von Sommer und Winter verlassen sind, in der Regenzeit wachsen und im Herbst, in Gestalt der Opferstreu ausgebreitet, daliegen; deshalb ist der Herbst Barhis. Eben diesen Herbst gewannen die Götter damit für sich und schlossen die Nebenbuhler vom Herbst aus; ebenso gewinnt auch der Opferer diesen Herbst für sich und schließt die Nebenbuhler aus; deshalb opfert er dem Barhis.
Dann opfert er mit 'Svāhā, Svāhā' – der Svāhā-Ruf ist das Ende des Opfers, das Ende der Jahreszeiten; das ist der Winter, denn er bildet, vom Frühling an gerechnet, die zweite Hälfte. Durch eben dieses Ende gewannen die Götter dieses Ende für sich und schlossen durch das Ende die Nebenbuhler vom Ende aus; ebenso gewinnt auch der Opferer durch das Ende eben dieses Ende für sich und schließt die Nebenbuhler aus; deshalb opfert er mit 'Svāhā'.
tadvā etat | vasanta eva hemantātpunarasuretasmāddhyeṣa punarbhavati punarha vā asmiṃloke bhavati ya evametadveda
Dies ist so zu verstehen: Aus dem Winter wird der Frühling wieder zu Leben und Same; deshalb entsteht dieser Frühling von neuem, und wer dies so weiß, der wird ebenso wieder in dieser Welt geboren.
sa vai vyattu vetviti yajati | ajāmitāyai jāmi ha kuryādyadvyantuvyntviti vaiva yajedvetuvettviti vā vyantviti vai yoṣā vetviti vṛṣā mithunamevaitatprajananaṃ kriyate tasmādvyantu vetviti yajati
Er opfert nämlich mit '(sie) mögen eingehen (vyantu), er möge kommen (vetu)'. Er schüfe eine fehlerhafte Wiederholung, würde er stattdessen mit 'vyantu, vyantu' oder mit 'vetu, vetu' opfern [Anm.: diese doppelten Formen 'vyantu vyantu' und 'vetu vetu' werden hier eigens als Beispiele der falschen, 'inzestuösen' (jāmi) Rezitationsweise angeführt, nicht als korrekte Lesart]. Vielmehr gilt: 'vyantu' entspricht dem Weiblichen, 'vetu' entspricht dem Männlichen – eben dadurch wird ein Paar, das heißt Zeugung, hergestellt; deshalb opfert er mit 'vyantu, vetu'.
Dann führt er beim vierten Voropfer die Löffel über der Opferstreu zusammen – das Schmalz ist der Same der Geschöpfe [Anm.: Text an dieser Stelle unsicher überliefert, Lesung unsicher; vermutlich im Sinne von 'Same ist der Same der Geschöpfe, das ist das Schmalz']. Eben dieser Same wird damit in die Geschöpfe gegossen; durch diesen gegossenen Samen werden diese Geschöpfe immer wieder von neuem geboren; deshalb führt er beim vierten Voropfer die Löffel über der Opferstreu zusammen.
saṃgrāmo vā eṣa saṃnidhīyate | yaḥ prayājairyajate yataraṃ vai saṃyattayormitramāgacati sa jayati tadetadupabhṛto 'dhi juhūm mitramāgacati tena prajayati tasmāccaturthe prayāje samānayati barhiṣi
Dies nämlich ist eine Schlacht, die sich zusammenzieht, bei dem, der mit den Voropfern opfert: Wem von zwei im Kampf Aneinandergeratenen ein Verbündeter zukommt, der siegt; hier nun kommt von der Upabhṛt her ein Verbündeter zur Juhū; dadurch siegt er und mehrt sich [Anm.: 'prajayati' meint hier zugleich 'er siegt/setzt sich durch' und wörtlich 'er pflanzt sich fort'; beide Bedeutungsnuancen sind mitgemeint]; deshalb führt er beim vierten Voropfer die Löffel über der Opferstreu zusammen.
yajamāna eva juhūmanu | yo smā arātīyati sa upabhṛtamanuyajamānāyaivaitaddviṣantam bhrātṛvyam baliṃ hārayatyattaiva juhūmanvādya upabhṛtamanvattra evaitadādyam baliṃ hārayati tasmāccaturthe prayāje samānayati
Der Opferherr allein entspricht der Juhū; wer ihm feindlich gesinnt ist, entspricht der Upabhṛt; damit lässt er den hassenden Widersacher dem Opferherrn Tribut entrichten. 'Das Gegessene' entspricht der Juhū, 'das noch zu Essende' entspricht der Upabhṛt; eben beim Essen selbst lässt er ihn Tribut entrichten; deshalb führt er beim vierten Voropfer die Löffel zusammen.
sa vā anavamṛśantsamānayati | sa yaddhāvamṛṣedyajamānaṃ dviṣatā bhrātṛvyenāvamṛśedattāramādyenāvamṛśettasmādanavamṛśantsamānayati
Er führt die Löffel zusammen, ohne sie zu berühren oder aneinanderzureiben; würde er sie nämlich aneinanderreiben, so ließe er den Opferherrn durch den hassenden Widersacher, den Essenden durch das zu Essende Schaden nehmen; deshalb führt er sie zusammen, ohne sie zu berühren.
Dann hebt er die Juhū danach darüber hinaus – damit hebt er den Opferherrn über den hassenden Widersacher hinaus, hebt den Essenden über das zu Essende hinaus; deshalb hebt er die Juhū danach darüber hinaus.
devā ha vā ūcuḥ | hanta vijitamevānu sarvaṃ yajñaṃ saṃsthāpayāma yadi no 'surarakṣasānyāsajeyuḥ saṃsthita eva no yajñaṃ syāditi
Die Götter sprachen: 'Wohlan, lasst uns, im Anschluss an den bereits errungenen Sieg, das ganze Opfer vollenden, damit unser Opfer schon vollendet sei, falls die Asuras und Rakṣas uns noch etwas anhängen sollten.'
Beim letzten Voropfer vollendeten sie das ganze Opfer eben durch den Svāhā-Ruf: Mit 'Svāhā dem Agni' vollendeten sie den Agni gehörigen Schmalzanteil; mit 'Svāhā dem Soma' den Soma gehörigen Schmalzanteil; mit 'Svāhā dem Agni' den Agni gehörigen Opferkuchen, der bei beiden Anlässen – Neu- und Vollmond – unverändert bleibt.
Dann, entsprechend jeder einzelnen Gottheit: Mit 'Svāhā den Schmalz trinkenden Göttern' vollendeten sie die Vor- und Nachopfer, denn die Vor- und Nachopfer sind ja eben diese Schmalz trinkenden Götter; mit 'Agni, sich erfreuend, möge vom Schmalz trinken' vollendeten sie Agni Sviṣṭakṛt, denn Agni ist ja der Sviṣṭakṛt. Auch heute noch vollendet der Opferer das Opfer auf genau dieselbe Weise, wie die Götter es damals vollendeten; deshalb opfert er beim letzten Voropfer mit 'Svāhā, Svāhā' – für so viele Opfergaben, wie es noch gibt; eben damit vollendet er, im Anschluss an den Sieg, das ganze Opfer. Deshalb sollte man, was danach noch in verkehrter Reihenfolge im Opfer vollzogen würde, nicht mehr beachten; man sollte wissen: 'mein Opfer ist vollendet.' Dieses Opfer wäre nämlich bei nochmaliger Wiederholung gleichsam schon verbraucht, so wie ein bereits mit Vaṣaṭ Dargebrachtes, wenn man es noch einmal mit Svāhā darbrächte.
Die Götter wünschten: 'Wie könnten wir dieses Opfer wieder auffüllen, wie es unverbraucht (ayātayāma) machen, damit wir mit diesem Unverbrauchten fortfahren könnten?'
sa yajjuhvāmājyam pariśiṣṭamāsīt | yena yajñaṃ samasthāpayaṃstenaiva yathāpūrvaṃ havīṃṣyabhyaghārayanpunarevaināni tadāpyāyayannayātayāmānyakurvannayātayāma hyājyaṃ tasmāduttamam prayājamiṣṭvā yathāpūrvaṃ havīṃṣyabhighārayati punarevaināni tadāpyāyayatyayātayāmāni karotyayātayāma hyājyaṃ tasmādyasya kasya ca haviṣo 'vadyati punareva tadabhighārayati sviṣṭakṛta eva tatpunarāpyāyatyayātayāma karotyatha yadā sviṣṭakṛte 'vadyati na tataḥ punarabhighārayati no hi tataḥ kāṃ cana haviṣo 'gnāvāhutiṃ hoṣyanbhavati
Das Schmalz, das in der Juhū übriggeblieben war – mit eben diesem, mit dem sie das Opfer vollendet hatten, begossen sie wie zuvor die Opfergaben und füllten sie damit wieder auf, machten sie unverbraucht; denn Schmalz ist von Natur aus unverbraucht. Ebenso begießt auch der Opferer, nachdem er das letzte Voropfer dargebracht hat, wie zuvor die Opfergaben, füllt sie damit wieder auf und macht sie unverbraucht – denn Schmalz ist unverbraucht; deshalb begießt er, von welcher Opfergabe auch immer er ein Stück abschneidet, damit den Rest wieder. Nur bis zum Sviṣṭakṛt hin bewirkt dies die Wiederauffüllung, macht es unverbraucht; schneidet er aber beim Sviṣṭakṛt ein Stück ab, begießt er danach nicht mehr, denn danach bringt er keine Opfergabe mehr ins Feuer dar.
sa vai samidho yajati | prāṇā vai samidhaḥ prāṇānevaitatsaminddhe prāṇairhyayam puruṣaḥ samiddhastasmādabhimṛṣeti brūyādyadyupatāpī syātsa yadyuṣṇaḥ syādaiva tāvacaṃseta samiddho hi sa tāvadbhavati yadyu śītaḥ syānnāśaṃseta tatprāṇānevāsminnetaddadhāti tasmātsamidho yajati
Er opfert dem Samidh – die Atem-Kräfte (prāṇas) sind ja die Samidh-Scheite; eben diese Atem-Kräfte entflammt er damit, denn durch die Atem-Kräfte ist dieser Mensch entflammt. Deshalb sollte man, wenn jemand leidend wäre, sagen: 'Berühre ihn!' – wäre er warm, so dürfe man insoweit noch Hoffnung hegen, denn insoweit ist er noch entflammt; wäre er aber kalt, so sollte man keine Hoffnung mehr hegen. Eben diese Atem-Kräfte legt er ihm damit ein; deshalb opfert er dem Samidh.
Dann opfert er der Iḍā – die Nachkommenschaft ist ja Iḍā; denn wenn der gegossene Same geboren wird, geht dieses Neugeborene wie herbeigerufen nach Nahrung suchend umher; eben diese Nachkommenschaft erzeugt er damit; deshalb opfert er der Iḍā.
Dann opfert er mit 'Svāhā, Svāhā' – der Winter ist unter den Jahreszeiten der Svāhā-Ruf, denn der Winter bringt diese Geschöpfe unter seine eigene Gewalt; deshalb welken im Winter die Pflanzen, fallen die Blätter der Bäume ab, werden die Vögel gleichsam übermäßig zurückgeworfen, fallen sie gleichsam übermäßig herab, und ein elender Mensch wird wie einer mit ausgefallenem Haar – denn der Winter bringt diese Geschöpfe unter seine eigene Gewalt. Svāhā aber macht diese Zeit zu jener Hälfte, in der derjenige, der dies so weiß, zu Glanz und Speisegenuss gelangt [Anm.: welche Hälfte genau – die des Jahres oder der Jahreszeit selbst – hier gemeint ist, bleibt nicht restlos eindeutig; die Übersetzung folgt der plausibelsten Deutung im Rahmen der Vorstellung von den beiden Jahreshälften].
devāśca vā asurāśca | ubhaye prājāpatyāḥ paspṛdhire te daṇḍairdhanurbhirna vyajayanta te hāvijayamānā ūcurhanta vācyeva brahmanvijigīṣāmahai sa yo no vācaṃ vyāhṛtām mithunena nānunikrāmātsa sarvam parājayātā atha sarvamitare jayāniti tatheti devā abruvaṃste devā indramabruvanvyāhareti
Die Götter und die Asuras, beide Nachkommen Prajāpatis, stritten miteinander; mit Stäben und Bogen kam es zu keiner Entscheidung. Da sie ohne Sieg blieben, sprachen sie: 'Wohlan, lasst uns, o Brahman, durch die Rede allein den Sieg zu erringen suchen! Wer von uns seiner ausgesprochenen Rede nicht mit einem Paar (mithuna) nachfolgt, der soll alles verlieren, die anderen aber sollen alles gewinnen.' 'So sei es', sprachen die Götter. Die Götter sprachen zu Indra: 'Sprich!'
sa indro 'bravīt | eko mamatyathāsmākameketītare 'bruvaṃstadu tanmithunamevāvindanmithunaṃ hyekaścaikā ca
Indra sprach: 'Einer ist mein.' 'Dann ist eine unser', sprachen die anderen. Und damit fanden sie ein Paar; denn ein Paar besteht aus einem Männlichen und einem Weiblichen.
dvau mametīndro 'bravīt | athāsmākaṃ dve itītare 'bruvaṃstadu tanmithunamevāvindanmithunaṃhi dvau ca dve ca
'Zwei sind mein', sprach Indra. 'Dann sind zwei unser', sprachen die anderen. Und damit fanden sie ein Paar; denn ein Paar besteht aus zwei männlichen und zwei weiblichen (Größen).
'Drei sind mein', sprach Indra. 'Dann sind drei unser', sprachen die anderen. Und damit fanden sie ein Paar; denn ein Paar besteht aus drei männlichen und drei weiblichen (Größen).
'Vier sind mein', sprach Indra. 'Dann sind vier unser', sprachen die anderen. Und damit fanden sie ein Paar; denn ein Paar besteht aus vier männlichen und vier weiblichen (Größen).
'Fünf sind mein', sprach Indra. Da fanden die anderen kein Paar mehr; denn darüber hinaus gibt es kein Paar mehr – 'fünf und fünf' wäre auf beiden Seiten dasselbe gewesen. Daraufhin verloren die Asuras alles; von allem besiegten die Götter die Asuras, von allem gänzlich schlossen sie die Asuras, ihre Nebenbuhler, aus.
tasmātprathame prayāja iṣṭe brūyāt | eko mametyekā tasya yamahaṃ dveṣmīti yadyu na dviṣyādyo 'smāndveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣma iti brūyāt
Deshalb sollte man, wenn das erste Voropfer dargebracht ist, sprechen: 'Einer ist mein; eine gehört dem, den ich hasse' – hätte man aber keinen persönlichen Feind, sollte man sprechen: '(eine ist die) dessen, der uns hasst, und den wir hassen.'
pañca mameti pañcame prayāje | na tasya kiṃ cana yo 'smāndveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣma iti sa pañca pañcetyeva bhavanparābhavati tathāsya sarvaṃ saṃvṛṅkte sarvasmātsapatnānnirbhajati ya evametadveda
'Fünf sind mein' – beim fünften Voropfer; 'nichts mehr bleibt dem, der uns hasst, und den wir hassen.' Denn indem er, der Feind, nur noch bei 'fünf und fünf', also ohne Vorsprung, verbleibt, unterliegt er; so gewinnt derjenige, der dies so weiß, alles für sich und schließt seinen Nebenbuhler gänzlich, von allem, aus.