Paṭala 2: Dvitīyaḥ Paṭalaḥ
Zweiter Paṭala – Die Avatāras und Līlā-Gestalten Haris
Śiva setzt seine Lehrrede an Nārada fort und zählt, dem Versprechen aus Paṭala 1 folgend, die Avatāras und Līlā-Gestalten Haris einzeln auf – in gedrängter, kompositionsreicher Stotra-Sprache, zunächst im Präteritum, ab der Kṛṣṇa-Vorgeschichte (Vyāsa, Balarāma, Kṛṣṇa selbst und dessen Nachkommen sowie die künftigen Manvantara- und Kalki-Avatāras) im Futur, da Śiva dem noch in der Zukunft liegenden Kṛṣṇa-Avatāra vorausblickend erzählt. VOLLSTÄNDIG ÜBERSETZT (74 Verse, mehr als die ursprünglich angenommenen 58): von Hayaśīrṣa, den vier Sanas, Nārada/Pāñcarātra und Varāha über die kosmische Trägerkette Erde–Śeṣa–Kamaṭha, Dhruva, Kardama, Yajña, Kapila, Dattātreya, Nara-Nārāyaṇa, Ṛṣabha, Haṃsa, Pṛthu, eine Reihe von Manvantara-spezifischen Nebenavatāras, Kūrma, Dhanvantari, Mohinī, Matsya, Narasiṃha, Vāmana/Gadādhara und Paraśurāma bis zur vollständigen Rāma-Erzählung (inkl. Bharata, Lakṣmaṇa, Śatrughna), weiteren Teil-Avatāras (Mārkaṇḍeya-Vision, Vālakhilyas, Bharata/Śakuntalā, Vyāsa), Balarāma, der gesamten Kṛṣṇa-Biographie (Geburt, Kindheit, Govardhana, Mathurā, Rukmiṇī, Narakāsura, Bāṇāsura, Rājasūya/Mahābhārata-Andeutung, Parīkṣit-Rettung, Yadu-Untergang), Pradyumna, Aniruddha, dem Buddha-Avatāra, und schließlich einer Reihe künftiger Manvantara-Avatāras bis hin zu Kalki, endend mit einem an V.1.1 anklingenden Zufluchtsvers. Der Quelltext weist an zwei Stellen (V.2.63, V.2.69) Lücken auf; mehrere Nebenavatāras bleiben purāṇisch nicht sicher identifizierbar und sind entsprechend [?]-markiert.
Der erhabene Śiva sprach: In leibhaftiger Gestalt wurde der Erhabene, um die Veden vollständig zu beschützen, zu Beginn des Zeitalters zum Gebieter mit Namen Hayaśīrṣa („Pferdehaupt“); nachdem er die beiden vortrefflichen Nicht-Götter (Asuras) namens Madhu und Kaiṭabha erschlagen hatte, ließ er [die Veden] wieder, durch die Śrutis selbst auffindbar, berühmt werden. [?]
Wort für Wort
sākṣād babhūva bhagavān
in leibhaftiger Gestalt wurde der Erhabene
paripātum īśo vedān
um die Veden vollständig zu beschützen, [zum] Gebieter
yugādisamaye hayaśīrṣanāmā
zu Beginn des Zeitalters, mit Namen Hayaśīrṣa (Pferdehaupt)
hatvā suretaravarau madhukaiṭabhākhyau
nachdem er die beiden vortrefflichen Nicht-Götter namens Madhu und Kaiṭabha erschlagen hatte
nastaś cakāra viśrutīḥ śrutibhir vimṛgyaḥ
ließ er [die Veden], durch die Śrutis selbst auffindbar, [wieder] berühmt werden
[?] Der genaue Sinn von „nastaḥ“ und der Bezug von „vimṛgyaḥ“ (aufzuspüren) im Satzgefüge bleiben grammatisch nicht letztgültig gesichert; die Grundaussage – Hayaśīrṣa rettet nach der Tötung von Madhu und Kaiṭabha die Veden – ist jedoch klar (vgl. die verwandte Hayagrīva-Erzählung).
Die Welten der Weltabkehr zuführen wollend, verkündete der Erhabene, am Anfang zu den vier Sanas (Sanaka u.a.) geworden, zur Befreiung den reinen Yoga denen von klarer Gesinnung; die Loslösung von den Genüssen übte er selbst.
Wort für Wort
lokān nivṛttiparatāṃ pracikīrṣuḥ
die Welten der Weltabkehr zuzuführen wünschend
ādau bhūtvā catuḥsanatayā bhagavān
am Anfang, zu den vier Sanas geworden, der Erhabene
Unter den Göttern brachte der Erhabene in Gestalt Nāradas fürwahr den reinen Yoga der Handlungslosigkeit, das Pāñcarātra; ebenso die vom Erhabenen [ihm] verkündete Lehre brachte er seinen besonderen Schülern dar, höchste Wonne verleihend.
brachte fürwahr den reinen Yoga der Handlungslosigkeit, das Pāñcarātra
dharmaṃ tathā bhagavatā kathitam
ebenso die vom Erhabenen [ihm] verkündete Lehre
viśeṣaśiṣyeṣv asau paramanirvṛtim ādadhānam
brachte er seinen besonderen Schülern dar, höchste Wonne verleihend
[Anm.: Bezieht sich auf die traditionelle Herkunftserzählung des Pāñcarātra, wonach Nārada – selbst als Teil-Avatāra verstanden – die Lehre von Viṣṇu empfängt und an besondere Schüler weitergibt.]
Im Anfang trug er, um die Erde zu tragen, eben zur Zeit der Erfüllung des Befehls des Selbstentstandenen (Brahmā), Nārāyaṇa, der Lehrer von allem, einen Eberleib (wörtl. „Leib von der Eber-Sippe“); damit erschlug er den Sohn der Diti (Hiraṇyākṣa) mit Stößen seiner Stoßzahn-Spitzen.
Wort für Wort
ādau dadhāra dharaṇīdharaṇāya
im Anfang trug er, um die Erde zu tragen
dhātuḥ svāyambhuvoktiparipālakakāla eva
eben zur Zeit der Erfüllung des Befehls des Selbstentstandenen (Brahmā)
nārāyaṇo 'khilaguruḥ
Nārāyaṇa, der Lehrer von allem
gurukoladeham
einen Eberleib (kola = Eber)
tenāhanad ditisutaṃ daśanāgraghātaiḥ
damit erschlug er den Sohn der Diti mit Stößen seiner Stoßzahn-Spitzen
Unterhalb der Erde war die Erdscheibe der Unermessliche mit Namen Śeṣa, zur beständigen Erhaltung der Welt; in ihm erstrahlt diese [Welt], als Teil hineingesetzt, wie ein Gemälde – dessen Füße von den Schlangenfürsten und Scharen der Weisen verehrt werden.
Wort für Wort
bhūmer adho dharaṇimaṇḍalam
unterhalb der Erde die Erdscheibe
aprameyaḥ śeṣākhya āsa
war der Unermessliche, mit Namen Śeṣa
jagataḥ sthitaye nitāntam
zur beständigen Erhaltung der Welt
yasmin kalārpitam idaṃ likhivac cakāsti
in dem diese [Welt], als Teil hineingesetzt, wie ein Gemälde erstrahlt
nāgādhipair munigaṇaiḥ parisevitāṅghriḥ
dessen Füße von den Schlangenfürsten und Scharen der Weisen verehrt werden
Unterhalb davon war die Schildkröte (Kamaṭha), von gewaltiger Gestalt, deren göttlicher Leib das Gefäß des Welteneis umspannt; im Vergleich zu ihr erscheint sogar Śeṣa wie ein feiner Faden – die auch Aryaman, der Herr der Ahnen (Pitṛs), verehrt.
Wort für Wort
tasmād adhaḥ kamaṭha āsa
unterhalb davon war die Schildkröte (Kamaṭha)
viśālarūpī
von gewaltiger Gestalt
brahmāṇḍabhāṇḍaparivistṛtādivyakāyaḥ
dessen göttlicher Leib das Gefäß des Welteneis umspannt
śeṣo 'pi yatra paribhāti sutantutulyo
im Vergleich zu der sogar Śeṣa wie ein feiner Faden erscheint
yaṃ cāryamā pitṛpatiḥ samupāsate vai
die fürwahr auch Aryaman, der Herr der Ahnen, verehrt
[?] Nachdem er Dhruva erblickt hatte – der, obwohl im Alter eines halben Blickes [d.h. im zartesten Kindesalter], die Mutter(-obhut) verlassen hatte und im Madhuvana von Askese durchglüht war –, gab ihm der Erhabene, zu mitleidsvoller Gestalt geworden, seine eigene Welt; ihn preisen fürwahr auch Asketen und Weise.
Wort für Wort
dṛṣṭvā dṛśārdhavayasāpi
obwohl im Alter eines halben Blickes, [ihn] gesehen habend
vihāya mātur deham
nachdem er die Mutter(-obhut) verlassen hatte
dhruvaṃ madhuvane tapasābhitaptam
Dhruva, im Madhuvana von Askese durchglüht
bhūtvā kṛpāmayavapur bhagavān
der Erhabene, zu mitleidsvoller Gestalt geworden
svalokaṃ prādāt
gab [ihm] seine eigene Welt
stuvanti yatayo munayo 'pi yaṃ vai
den fürwahr auch Asketen und Weise preisen
[?] „dṛśārdhavayasā“ (wörtl. „mit dem Alter eines halben Blickes“) ist eine ungewöhnliche, vermutlich idiomatische Wendung für „im zartesten Kindesalter“; bezieht sich auf die bekannte Dhruva-Erzählung (kindlicher Büßer, der die Dhruva-Welt/den Polarstern erhält).
[?] Nachdem er Kardamas Askese erblickt hatte, erschien der Erhabene zu dessen Erhöhung mit gereinigtem, göttlichem, strahlend weißem Leib; ihm gab er als Gnadengabe die Gestalt eines Sohnes, [gleichsam] selbst vom Unentstandenen geboren, und mit den Wassertropfen der Wonne schuf er eine Pilgerstätte (Tīrtha).
Wort für Wort
ālokya kardamatapo bhagavān
nachdem er Kardamas Askese erblickt hatte, der Erhabene
vibhūtyai saṃśuddhadivyavapuṣā
zu [dessen] Erhöhung, mit gereinigtem, göttlichem Leib
āvirabhūt saśuklaḥ
erschien er, strahlend weiß
tasmā adād varam
ihm gab er als Gnadengabe
ajātmajaputrarūpam
die Gestalt eines Sohnes, [gleichsam] selbst vom Unentstandenen geboren
ānandabindupayasā ca cakāra tīrtham
und mit den Wassertropfen der Wonne schuf er eine Pilgerstätte
[?] „ajātmajaputrarūpam“ ist kompositionell mehrdeutig; hier als Ankündigung der Geburt Kapilas (Sohn Kardamas und Devahūtis, im nächsten Vers genannt) gedeutet.
yajñe sa eva rucinā manuputriputra āhūtisūtir asurāraṇivahnikalpaḥ / trailokyagopanavidhau suranātha īśa nāmnā suyajña iti viśrutakīrtir āśiḥ
[?] Er selbst [wurde], durch Ruci, als Yajña, der Sohn der Tochter des Manu (Ākūti), als Sohn der Āhuti geboren, gleich dem aus dem Reibholz gegen die Asuras entfachten Feuer; in der Aufgabe, die drei Welten zu behüten, [wurde er zum] Herrn der Götter, dem Gebieter mit Namen „Suyajña“, von berühmtem Ruhm, dem Segensspender.
Wort für Wort
yajñe sa eva rucinā
er selbst, durch Ruci, als Yajña
manuputriputra āhūtisūtiḥ
der Sohn der Tochter des Manu (Ākūti), als Sohn der Āhuti geboren
asurāraṇivahnikalpaḥ
gleich dem aus dem Reibholz gegen die Asuras entfachten Feuer
trailokyagopanavidhau suranātha īśaḥ
in der Aufgabe, die drei Welten zu behüten, der Herr der Götter, der Gebieter
nāmnā suyajña iti viśrutakīrtir āśiḥ
mit Namen „Suyajña“, von berühmtem Ruhm, der Segensspender
[?] Kompakte Anspielung auf den Yajña-Avatāra (Sohn von Ruci und Ākūti), der im Svāyambhuva-Manvantara als Indra/Suyajña über die drei Welten herrscht (vgl. Bhāgavata-Purāṇa 4.1).
Und es entstand der Herr der Siddhas, der Gebieter mit Namen Kapila, der Sohn der verehrten Devahūti; ihr entfaltete er den Yoga samt seinen [Wirk-]Kräften sowie die reine Sāṃkhya-Lehre mit der Unterscheidung von Bewusstem und Unbewusstem, [dies] verkündend denen, die ihm zugewandt waren.
Wort für Wort
siddheśvaraś ca samabhūt kapilākhya īśaḥ
und es entstand der Herr der Siddhas, der Gebieter mit Namen Kapila
śrīdevahūtitanayo
der Sohn der verehrten Devahūti
vitatāna tasyai yogaṃ svaśaktisahitam
er entfaltete ihr den Yoga samt seinen Kräften
cidacidvibhāgaṃ sāṃkhyaṃ tathā
sowie die Sāṃkhya-Lehre mit der Unterscheidung von Bewusstem und Unbewusstem
svabhimukheṣu jagāda śuddham
er verkündete [dies] rein denen, die ihm zugewandt waren
[?] Der Herr des Yoga, der Sohn Atris, der unendliche Erhabene, kam als „Datta“ (Dattātreya) zustande; er lehrte die Gleichmut als seine eigene Übungsweise, unter den sonst schutzlosen Schülern Prahlāda, Haihaya und den Yadus die gelernte Lehrrede verkündend, auch an [deren] Lehrer.
Wort für Wort
yogeśvaro 'tritanayo bhagavān anantaḥ
der Herr des Yoga, der Sohn Atris, der unendliche Erhabene
dattākhya āsa
kam als „Datta“ genannt zustande
samatāvavadat svacaryām
er lehrte die Gleichmut als seine eigene Übungsweise
prahlādahaihayayaduṣv aparāyaṇeṣu śiṣyeṣu
unter den Schülern Prahlāda, Haihaya und den Yadus, die sonst keine Zuflucht hatten
śikṣitakathāṃ kathayan gurubhyaḥ
die gelernte Lehrrede verkündend auch an [deren] Lehrer
[?] Der Bezug von „gurubhyaḥ“ (den Lehrern) am Versende bleibt syntaktisch unsicher – möglicherweise ein Hinweis darauf, dass Dattātreyas Schüler selbst zu Lehrern wurden.
Nārāyaṇa und Nara wurden zu den beiden vortrefflichen Weisen, [geboren] von Mūrti, der Tochter Dakṣas, der Gattin des Dharma; rein an Geist, Leib und der Gesinnung weiser Hilfsbereitschaft und Mitleids, übten die beiden heftige Askese – zur Beängstigung des Götterkönigs.
Wort für Wort
nārāyaṇo nara ṛṣipravarāvabhūtāṃ
Nārāyaṇa und Nara wurden zu den beiden vortrefflichen Weisen
dharmasya dakṣaduhitary adhimūrtipatnyām
[geboren] von Mūrti, der Tochter Dakṣas, der Gattin des Dharma
dhīropakārakaruṇāśayakāyaśuddhaṃ
rein an Geist, Leib und der Gesinnung weiser Hilfsbereitschaft und Mitleids
tīvraṃ tapaḥ pracaratāṃ surarājatāpam
die beiden übten heftige Askese, zur Beängstigung des Götterkönigs
Von Nābhi entstand der mit Namen Ṛṣabha, der stets [seine] Wünsche erlangt hatte, der Herr des Yoga; durch seine hundert Söhne verkündete er den Untertanen die Lehre; danach übte er selbst den Lebenswandel der höchsten Yogis, vor allem durch Handlungslosigkeit gekennzeichnet.
Wort für Wort
nābher abhūd ṛṣabhasaṃjñaḥ
von Nābhi entstand der mit Namen Ṛṣabha
sadāptakāmo yogeśvaraḥ
der stets [seine] Wünsche erlangt hatte, der Herr des Yoga
sutaśatair avadat prajābhyaḥ dharmam
durch seine hundert Söhne verkündete er den Untertanen die Lehre
tataḥ paramayogijanāvacaryāṃ
danach den Lebenswandel der höchsten Yogis
naiṣkarmyalakṣaṇaparāṃ svayam ācacāra
vor allem durch Handlungslosigkeit gekennzeichnet, übte er selbst
In der Nähe des Dhātṛ (Brahmā), von Sanaka und den anderen befragt, verkündete der Erhabene, als jener Haṃsa (Schwan), um die Eigenschaften des Herzens aufzulösen, mit von Mitleid erweichtem Herzen die reine Wahrheit, wodurch den Weisen die Unterscheidung von Qualifiziertem und Qualitätslosem zuteilwurde.
Wort für Wort
dhātrantike susanakādibhir īryamāṇe
in der Nähe des Dhātṛ, von Sanaka und den anderen befragt
cetoguṇān vigalituṃ
um die Eigenschaften des Denkens/Herzens aufzulösen
bhagavān sa haṃsaḥ
der Erhabene, jener als Haṃsa (Schwan)
provāca tattvam amalaṃ sadayārdracittā
verkündete die reine Wahrheit, mit von Mitleid erweichtem Herzen
yasmād guṇāguṇavibhāgam abhūn munīnām
wodurch den Weisen die Unterscheidung von Qualifiziertem und Qualitätslosem zuteilwurde
vene mṛte dvijajanair anu bāhuyugmaṃ saṃmathyamānasamaye pṛthurūpa āsīt / lokakṣudhāṃ praśamayan pṛthivīṃ dudoha sarvāṇi bhūtikaraṇāni ca sarvabhūtyai
Als Vena gestorben war, zur Zeit, da sein Armpaar von den Zweifachgeborenen [rituell] gerieben wurde, nahm [der Erhabene] die Gestalt des Pṛthu an; den Hunger der Welt(en) stillend, molk er die Erde [wie eine Kuh] aller Mittel des Wohlstands, zum Wohle aller Wesen.
Wort für Wort
vene mṛte
als Vena gestorben war
dvijajanair anu bāhuyugmaṃ saṃmathyamānasamaye
zur Zeit, als sein Armpaar von den Zweifachgeborenen gerieben wurde
pṛthurūpa āsīt
nahm er die Gestalt des Pṛthu an
lokakṣudhāṃ praśamayan
den Hunger der Welt(en) stillend
pṛthivīṃ dudoha sarvāṇi bhūtikaraṇāni
er molk die Erde [wie eine Kuh] aller Mittel des Wohlstands
[?] In dem von Dakṣa vollzogenen Opfer erlangte er, um der Macht Śivas willen, einen erhöhten Anteil an geklärter Butter, von Bhṛgu zugewiesen; dort wurde der Erhabene achtarmig, um Bhavas (Śivas) willen; auch ihm wurde Lobpreisung zuteil, von Göttern, Menschen und anderen dargebracht.
Wort für Wort
dakṣasya yajñavihite
in dem von Dakṣa vollzogenen Opfer
śivaśaktihetoḥ
um der Macht Śivas willen
prāptājyabhāmam adhikaṃ bhṛguṇābhidattam
erlangte er einen erhöhten Anteil an geklärter Butter, von Bhṛgu zugewiesen
tatrāṣṭabāhur abhavad bhagavān bhavāya
dort wurde der Erhabene achtarmig, um Bhavas (Śivas) willen
prāptā nutiḥ suranarādikṛtāpi tena
auch ihm wurde Lobpreisung zuteil, von Göttern, Menschen u.a. dargebracht
[?] Anspielung auf eine sonst wenig bekannte Episode innerhalb der Dakṣa-Opfer-Erzählung, in der Viṣṇu zugunsten Śivas eingreift; die genauen Umstände (Bhṛgus Rolle, „ājyabhāga“) bleiben unsicher rekonstruiert.
[?] Geboren in der Familie Priyavratas als Gaya, verbreitete der Erhabene erhabenen Ruhm durch Körper, Rede und Geist; auch durch diesen, in Opfer-Gestalt, wetteiferte der Gebieter in Indra-Gestalt, den Stolz der Großen hervorrufend.
Wort für Wort
jātaḥ priyavratakule gaya iti
geboren in der Familie Priyavratas, als Gaya
udārakīrtiṃ tatāna bhagavān
verbreitete der Erhabene erhabenen Ruhm
tanuvāṅmanobhiḥ
durch Körper, Rede und Geist
tenāpi yajñatanur īśvara indrarūpī
auch durch diesen, in Opfer-Gestalt, der Gebieter in Indra-Form
spardhāṃ cakāra mahatāṃ madam ādadhānaḥ
wetteiferte er, den Stolz der Großen hervorrufend
[?] Bezieht sich vermutlich auf König Gaya aus der Priyavrata-Linie, dessen überreiche Opfer den Hochmut großer Herrscher/Indras herausforderten (vgl. Bhāgavata-Purāṇa 5.15).
saṃvatsarasya tanayaḥ sa ha yāminīnām ālokanādivividhaṃ mudam ācikīrṣuḥ / śrīkāmadevavapuṣā hy avatīrya devo devyomayā madanakelibhir ārarāma
[?] Er, der Sohn des Saṃvatsara (Jahres), wünschend den Nächten [personifiziert als Frauen] mannigfaltige Freude zu bereiten – etwa durch [ihren] Anblick –, stieg fürwahr in der Gestalt des herrlichen Liebesgottes (Kāmadeva) herab und ergötzte sich, der Gott, mit den Liebesspielen mit der Göttin(-Gefährtin).
Wort für Wort
saṃvatsarasya tanayaḥ sa ha
er, der Sohn des Saṃvatsara (Jahres), fürwahr
yāminīnām ālokanādivividhaṃ mudam ācikīrṣuḥ
den Nächten mannigfaltige Freude, u.a. durch [ihren] Anblick, bereiten wollend
śrīkāmadevavapuṣā hy avatīrya devo
herabgestiegen in der Gestalt des herrlichen Kāmadeva, der Gott
devyomayā madanakelibhir ārarāma
ergötzte sich mit den Liebesspielen mit der Göttin(-Gefährtin)
[?] Stark verdichtete mythologische Anspielung (Kāmadeva als eine der Līlā-Gestalten Haris, verbunden mit der Personifikation der Nächte als „Frauen des Jahres“); im Einzelnen unsicher.
Nachdem er die von Askese durchglühten Söhne des Prācīnabarhis gesehen hatte, erschien der Unendliche mit seiner friedvollen Gestalt; er gewährte [ihnen], obwohl in Häusern wohnend, die Verehrung seiner Füße und wies ihnen, der Mitleidsvolle, auch die von einem Baum geborene Jungfrau zu.
Wort für Wort
prācīnabarhitanayāṃs tapasā sutaptān dṛṣṭvā
nachdem er die von Askese durchglühten Söhne des Prācīnabarhis gesehen hatte
svaśāntavapuṣāvirabhūd anantaḥ
erschien der Unendliche mit seiner friedvollen Gestalt
dattvā svapādabhajanaṃ vasatāṃ gṛheṣu
er gewährte [ihnen], obwohl in Häusern wohnend, die Verehrung seiner Füße
kanyāṃ ca vṛkṣajanitām adiśad dayāluḥ
und wies, der Mitleidsvolle, die von einem Baum geborene Jungfrau zu
[Anm.: Bezieht sich auf die Prācīnabarhi-Söhne (die zehn Pracetas) und Māriṣā, die baumgeborene Jungfrau, die sie später heiraten (vgl. Bhāgavata-Purāṇa 4.30).]
[?] Im Svārociṣa-Manvantara, von Tuṣitā, aus dem Haupt des vedakundigen Brahmanen geboren, [erschien] der Allmächtige, der Vorzüglichste unter allen Dharma-Trägern; dessen Keuschheitsgelübde sogar die Weisen erlernten, da er selbst, unmittelbar als Weltenlehrer, die reinen [Regeln] übte.
Wort für Wort
svārociṣe tuṣitayā
im Svārociṣa-Manvantara, von/durch Tuṣitā
dvijavedaśīrṣāj jāto vibhuḥ
aus dem Haupt des vedakundigen Brahmanen geboren, der Allmächtige
sakaladharmabhṛtāṃ variṣṭhaḥ
der Vorzüglichste unter allen Dharma-Trägern
yad brahmacaryāniyamān ṛṣayo 'py aśikṣan
dessen Keuschheitsgelübde sogar die Weisen erlernten
sākṣāj jagadgurutayāvacacāra śuddhān
da er selbst, unmittelbar als Weltenlehrer, die reinen [Regeln] übte
[?] Bezug unsicher; vermutlich ein Avatāra des Svārociṣa-Manvantara mit besonderem Brahmacarya-Vorbild, dessen genaue purāṇische Identität hier nicht mit Sicherheit zu bestimmen ist.
Aus Dharma entstand, als Sohn, der Erhabene, im dritten Manvantara, zur Erhaltung der drei Welten, der Mitleidsvolle, mit Namen Satyasena; er, der Freund des Götterherrn, entriss jene bösen Yakṣas und Rākṣasas [den Menschen].
Wort für Wort
dharmād abhūt sutatayā bhagavāṃs
aus Dharma entstand, als Sohn, der Erhabene
tṛtīye manvantare trijagataḥ sthitaye kṛpāluḥ
im dritten Manvantara, zur Erhaltung der drei Welten, der Mitleidsvolle
Im vierten Manvantara zog, im See, ein überaus starkes Krokodil den König der Elefanten [hin und her]; als [dieser] „Nārāyaṇa!“ ausrief, rettete Hari ihn, der Götterkönig, sogar aus diesem Wasser des Daseinsozeans.
den König der Elefanten, von einem überaus starken Krokodil hin- und hergezogen
nārāyaṇety abhihite
als „Nārāyaṇa!“ ausgerufen wurde
harir uddadhāra tasmād bhavārṇavajalād api devarājaḥ
rettete Hari ihn sogar aus diesem Wasser des Daseinsozeans, der Götterkönig
[Anm.: Die bekannte Gajendra-Mokṣa-Erzählung (Elefantenkönig, vom Krokodil ergriffen, ruft Nārāyaṇa und wird gerettet), hier ins vierte Manvantara datiert.]
[?] Vaikuṇṭha war der Erhabene, o Bester der Zweifachgeborenen, durch die Göttin Māyā, mit dementsprechendem Sieg-Namen versehen; der Unermessliche bewirkte für sie die Vaikuṇṭha-Schau, berühmt zur Zeit des fünften Manu.
Wort für Wort
vaikuṇṭha āsa bhagavān dvijavarya
Vaikuṇṭha war der Erhabene, o Bester der Zweifachgeborenen
mudrā devyā mayā
durch die Göttin Māyā
tadanurūpajayābhidhānaḥ
mit dementsprechendem Sieg-Namen versehen
vaikuṇṭhadarśanam akārayad aprameyas
der Unermessliche bewirkte die Vaikuṇṭha-Schau
tasyāu pañcamamanoḥ samaye prasiddham
für sie, berühmt zur Zeit des fünften Manu
[?] Stark verdichteter Vers zum Vaikuṇṭha-Avatāra des fünften Manvantara; die genaue Rolle der „Māyā-Devī“ und die Bedeutung von „mudrā“ (Siegel/Geste) bleiben unsicher.
Im sechsten Manvantara aber, nachdem der Erhabene die von einem Brahmanenfluch erschöpften, sich verneigenden Götter erblickt hatte, wurde er, [selbst] ergriffen, als Sohn des Vairāja-Brahmanen [geboren], mit Namen Ajita, der Gebieter; mit Göttern und Asuren durchrührte er plötzlich den Milchozean.
devāsure jalanidher mathanād viṣaṣṇe hastāc cyute girivare sahasārdracittaḥ / bhūtvā tu kūrmavapur adbhutam uddadhāra mene ca parvatavivartanagātrakaṇḍūm
Als beim Quirlen des Milchozeans zwischen Göttern und Asuren der vorzügliche Berg, durch das Gift erschlafft, aus der Hand entglitt, wurde [der Erhabene], plötzlich weichherzig, zur wunderbaren Schildkröten-Gestalt und trug ihn empor; und er empfand das Drehen des Berges [auf seinem Rücken] wie ein wohltuendes Jucken am Leib.
Wort für Wort
devāsure jalanidher mathanād
beim Quirlen des Milchozeans zwischen Göttern und Asuren
viṣaṣṇe hastāc cyute girivare
als der vorzügliche Berg, durch das Gift erschlafft, aus der Hand entglitt
sahasārdracittaḥ bhūtvā tu kūrmavapur adbhutam
plötzlich weichherzig geworden, zur wunderbaren Schildkrötengestalt
uddadhāra
trug er [ihn] empor
mene ca parvatavivartanagātrakaṇḍūm
und er empfand das Drehen des Berges [auf dem Rücken] wie ein Körperjucken
[Anm.: Kūrma-Avatāra während der Milchozean-Quirlung; das Bild des „wohltuenden Juckens“ (kaṇḍū) für die Reibung des Berges auf dem Schildkrötenpanzer ist eine bekannte poetische Ausschmückung dieser Episode.]
Im Milchozean, für die schwer Leidenden wirken wollend, nahm der Gebieter einen randvoll mit Nektar gefüllten Krug an sich; fürwahr, als Genießer des Opfers, wurde der Erhabene für die Menschen zu Dhanvantari, [dem Bringer] der Vorschrift der Lebenslehre (Āyurveda).
Wort für Wort
dugdhāmbudhāv ururujāṃ pracikīrṣur īśa
im Milchozean, für die schwer Leidenden wirken wollend, der Gebieter
ādāya pūrṇakalaśaṃ sudhayā nitāntam
einen randvoll mit Nektar gefüllten Krug an sich nehmend
āyurvidhānanigamaṃ khalu yajñabhoktā
fürwahr, als Genießer des Opfers, [der Bringer] der Vorschrift der Lebenslehre (Āyurveda)
[?] Als um den mit Nektar gefüllten Krug des Dhanvantari die eigene [Götter-]Schar im Streit um die Unsterblichkeit bedrängt wurde [und] Zuflucht suchte, wurde er, der Erhabene, der stets [seine] Wünsche erlangt, zur Mohinī – zur Verwirrung der Asuras und zur Beendigung [ihrer] Qual.
Wort für Wort
dhanvantarer amṛtapūrṇaghaṭe
um den mit Nektar gefüllten Krug des Dhanvantari
svavārā cūrṇīyamāna amare
als die eigene Götter-Schar bedrängt wurde im Streit um die Unsterblichkeit
śaraṇaṃ praviṣṭe
als [diese] Zuflucht suchten
mohiny abhūt sa bhagavān
wurde er, der Erhabene, zur Mohinī
asurāsurāṇāṃ mohāya tāpaviramāya sadāptakāmaḥ
zur Verwirrung der Asuras und zur Beendigung [ihrer] Qual, er, der stets [seine] Wünsche erlangt
[?] Stark komprimierter, syntaktisch schwieriger Vers zur Mohinī-Episode (Streit um den Nektartopf nach der Milchozean-Quirlung); die genaue Konstruktion von „svavārā cūrṇīyamāna amare“ bleibt unsicher.
Für Satyavrata, zur Erquickung der Menschen, entfaltete er sogleich, aus großem Mitleid, seine eigene Fischgestalt; auch im Weltuntergangs-Ozean verkündete der Unfehlbare die Selbst-Wahrheit, sich in der Gestalt eines auf dem Erd-Schiff Wohnenden vergnügend, den Brahmanen [gegenüber].
Wort für Wort
satyavratāya janatarpaṇataḥ
für Satyavrata, zur Erquickung der Menschen
svarūpaṃ mātsyaṃ mahākaruṇayā pravitatya sadyaḥ
entfaltete er sogleich, aus großem Mitleid, seine eigene Fischgestalt
kalpārṇave 'py avadad acyuta ātmatattvaṃ
auch im Weltuntergangs-Ozean verkündete der Unfehlbare die Selbst-Wahrheit
bhūrūpanāvivasate viharan dvijebhyaḥ
sich vergnügend in der Gestalt eines auf dem Erd-Schiff Wohnenden, den Brahmanen [gegenüber]
[Anm.: Matsya-Avatāra-Erzählung: Satyavrata (Manu Vaivasvata) wird vor der Weltflut gewarnt und mit dem Schiff gerettet, während Viṣṇu als Fisch die Urlehre verkündet.]
Um das Leid der drei Welten zu zerteilen, nahm er die Gestalt eines Mannlöwen (Narasiṃha) an, um fürwahr mit [seinen] pflugschargleichen [Klauen] seinen eigenen Verehrer zu schützen; nachdem er den Asura-Fürsten gepackt hatte, zerriss er dessen breite, gewaltige Brust wie [festen] Erdboden mit den Spitzen seiner Nägel.
Wort für Wort
trailokyaduḥkhadalanāya
um das Leid der drei Welten zu zerteilen
nṛsiṃharūpaṃ kṛtvā
die Gestalt eines Mannlöwen annehmend
svabhaktam avituṃ kila lāṅgalāgraiḥ
um fürwahr mit [seinen] pflugscharartigen [Klauen] seinen eigenen Verehrer zu schützen
dhṛtvāsurendram
nachdem er den Asura-Fürsten gepackt hatte
asurendraviśālatīvravakṣaḥsthalaṃ
dessen breite, gewaltige Brust
sthalam ivāgranakhair dadāra
zerriss er wie [festen] Erdboden mit den Spitzen seiner Nägel
Während Bali, samt seinem Gefolge, [ihn] die drei Welten [durchschreiten] sah, nahm der Erhabene, dessen ungeachtet, eine Zwerggestalt (Vāmana) an; nachdem er von Bali drei bemessene Schritte [Land] erbeten hatte, machte er [die Welten] zu seinen eigenen und gab den Himmel den Söhnen der Aditi.
Wort für Wort
yasmin prapaśyati baliḥ sagaṇaṃ trilokaṃ
während Bali, samt seinem Gefolge, die drei Welten [durchschritten] sah
tenāpi vāmanatanuṃ bhagavān gṛhītvā
nahm der Erhabene, dessen ungeachtet, eine Zwerggestalt an
saṃyācya sammitapadatritayaṃ baleḥ
nachdem er von Bali drei bemessene Schritte [Land] erbeten hatte
svaṃ kṛtvā triviṣṭapam adād aditeḥ sutebhyaḥ
machte er [die Welten] zu seinen eigenen und gab den Himmel den Söhnen der Aditi
„Ich folge [stets] meinen Verehrern“ – um dieses sein eigenes Wort gleichsam unmittelbar zu erfüllen, drang er in die Erdöffnung (Pātāla) ein; der Unermessliche bewachte, mit Namen Gadādhara, das Haus des Vairocani (Bali), der Mitleidsvolle, [die Zeit] verstreichen lassend.
Wort für Wort
bhaktān ahaṃ samanuvarta iti svavācaṃ
„Ich folge stets meinen Verehrern“ – dieses sein eigenes Wort
sākṣāt prakartum iva bhūvivare praviṣṭaḥ
gleichsam um es unmittelbar zu erfüllen, drang er in die Erdöffnung (Pātāla) ein
vairocaner gṛham arakṣayad aprameyo
der Unermessliche bewachte das Haus des Vairocani (Bali)
nāmnā gadādhara iti kṣapayan dayāvān
mit Namen Gadādhara, [die Zeit] verstreichen lassend, der Mitleidsvolle
[Anm.: Fortsetzung der Vāmana-Bali-Erzählung: Viṣṇu bewacht als Torhüter (Gadādhara) das Haus Balis in Pātāla, seinem Versprechen an den Bhakta treu.]
bhūtvā tu bhārgavakule nijatātanāśād rāmo mahāparaśukaṃ parigṛhya tīkṣṇam / kṣatraṃ nivārya kṣititalaṃ parihṛtya bhūyo dattvā dvijāya hy avasat sa mahendrapṛṣṭhe
In der Familie Bhṛgus geboren, ergriff Rāma, wegen der Tötung seines eigenen Vaters, die große, scharfe Axt; nachdem er die Kṣatriyas zurückgedrängt, die Erdoberfläche [erobert und] wieder aufgegeben und einem Brahmanen gegeben hatte, wohnte er fürwahr auf dem Rücken des [Berges] Mahendra.
Wort für Wort
bhūtvā tu bhārgavakule nijatātanāśād
in der Familie Bhṛgus geboren, wegen der Tötung seines eigenen Vaters
rāmo mahāparaśukaṃ parigṛhya tīkṣṇam
ergriff Rāma die große, scharfe Axt
kṣatraṃ nivārya kṣititalaṃ parihṛtya
nachdem er die Kṣatriyas zurückgedrängt, die Erdoberfläche [erobert und wieder] aufgegeben hatte
bhūyo dattvā dvijāya hy avasat sa mahendrapṛṣṭhe
und sie erneut einem Brahmanen gegeben hatte, wohnte er fürwahr auf dem Rücken des [Berges] Mahendra
Dessen Lotosfüße von den Göttern rings verehrt werden, er, mit Namen Śrīrāmacandra, geboren aus dem Ozean der Sonnendynastie – zur Vernichtung der Feinde der Götter von der Nachkommenschaft Kuśikas (Viśvāmitra) hergeführt, zerbrach er den Bogen des großen Herrn (Śiva), den [genannten] Ājagava.
Wort für Wort
vṛndārakaiḥ pariniṣevitapādapadmaḥ
dessen Lotosfüße von den Göttern rings verehrt werden
śrīrāmacandra iti sūryakulābdhijātaḥ
mit Namen Śrīrāmacandra, geboren aus dem Ozean der Sonnendynastie
devārināśanavidhau kuśikānvayena nītaḥ
zur Vernichtung der Feinde der Götter, von der Nachkommenschaft Kuśikas hergeführt
maheśadhanur ājagavaṃ babhañja
zerbrach er den Bogen des großen Herrn (Śiva), den Ājagava
[?] Nachdem [Paraśu-]Rāma, aus Bhṛgus Familie entsprossen, sodann die Standhaftigkeit des Helden [Rāmacandra] erkannt hatte, [zog er sich zurück]; [Rāma], nachdem er die von schönem, hellem Glanz seiende Sītā geheiratet hatte, in die Häuser [zurück]gegangen war [und] das Wort der [vom Vater, dem Hausherrn,] begünstigten Gemahlin [Kaikeyī] vernommen hatte, ging er, samt Gattin, in den Waldaufenthalt.
Wort für Wort
jñātvā tato bhṛgukulodbhavadhīravīraṃ rāmaṃ
nachdem [Paraśu-]Rāma sodann die Standhaftigkeit des Helden Rāma erkannt hatte
sugaurarucirāṃ pariṇīya sītām
nachdem er die von schönem hellen Glanz seiende Sītā geheiratet hatte
gatvā gṛhān gṛhapateḥ pitur
und in die Häuser des Vaters, des Hausherrn, gegangen war
āptajāyāvācaṃ niśamya
nachdem er das Wort der [vom Vater] begünstigten Gemahlin (Kaikeyī) vernommen hatte
vanavāsam agāt sabhāryaḥ
ging er, samt Gattin, in den Waldaufenthalt
[?] Verdichtete Darstellung mehrerer Rāmāyaṇa-Episoden (Begegnung mit Paraśurāma, Sītā-Svayaṃvara, Verbannung durch Kaikeyīs Wort) in einem Vers; die genaue Satzgliederung bleibt im Detail unsicher.
[?] Nachdem er das Gangeswasser überquert hatte und wegen des Nachfolgens des jüngeren Bruders den Berg Citrakūṭa verlassen hatte, den bösen Virādha bezwingend, eilend, den Bogen tragend; nachdem er den grausamen, dem Asura-Herrn befreundeten Dämon in Reh-Gestalt, mit Namen Mārīca, getötet hatte, wurde er, als dann Sītā vom Herrn Laṅkās entführt worden war, fürwahr wieder von solcherlei Blicken (d.h. Trennungsschmerz) erreicht.
Wort für Wort
tīrtvā gāṅgapayo 'nujānugamanāc
nachdem er das Gangeswasser überquert hatte, wegen des Nachfolgens des jüngeren Bruders
chrīcitrakūṭaṃ giriṃ tyaktvā
nachdem er den Berg Citrakūṭa verlassen hatte
duṣṭavirādharādhadamano dhāvan dhanur dhārayan
den bösen Virādha bezwingend, eilend, den Bogen tragend
hatvā krūrasurendravairihariṇaṃ mārīcasaṃjñaṃ
nachdem er den grausamen, dem Asura-Herrn befreundeten Dämon in Reh-Gestalt, mit Namen Mārīca, getötet hatte
tato laṅkeśāhṛtasītayā
als dann Sītā vom Herrn Laṅkās entführt worden war
khalu punaḥ prāpto dṛśām īdṛśām
wurde er fürwahr wieder von solcherlei Blicken/Anblicken erreicht
[?] Stark verdichtete Rāmāyaṇa-Zusammenfassung (Waldwanderung, Virādha, Mārīca als goldener Hirsch, Sītā-Raub); die genaue Bedeutung von „dṛśām īdṛśām“ am Versende bleibt unsicher – möglicherweise elliptische Anspielung auf Rāmas Trennungsschmerz.
[?] Den Mond hielt er für einen Ausstrahler heißer/grimmiger Strahlen, den heftigen Wind für einen sehr sanften Lufthauch, den Mālatī-Mallikā-Blütenkranz für eine reine Flamme, den Gesang für Funkensprühen – so [erschien alles] dem allein auf sein Weib bedachten Mann; der Bär(enfürst = Sugrīva), gleichsam lachend zuschauend, ergötzte sich, [selbst] von den Pfeilen des Liebesgottes das Herz geraubt, aus Sorge/Verdacht um die Geliebte.
Wort für Wort
candraṃ caṇḍakaraṃ mene
den Mond hielt er für einen Ausstrahler heißer/grimmiger Strahlen
pracaṇḍapavanaṃ sumandānilaṃ
den heftigen Wind für einen sehr sanften Lufthauch
mālāṃ mālatimallikāṃ śucikalāṃ
den Mālatī-Mallikā-Blütenkranz für eine reine Flamme
gītaṃ sphuliṅgāyitam
den Gesang für Funkensprühen
ity evaṃ vanitāparāyaṇanaraṃ
so [erschien alles] dem allein auf sein Weib bedachten Mann
hāsyann ivālokayan ṛkṣaṃ
der Bär(enfürst), gleichsam lachend zuschauend
manmathasāyakāhṛtamano reme priyāśaṅkayā
selbst von den Pfeilen des Liebesgottes das Herz geraubt, ergötzte er sich aus Sorge/Verdacht um die Geliebte
[?] Bezieht sich vermutlich auf die Kiṣkindhā-kāṇḍa-Episode: Während Rāma in Trennungsschmerz um Sītā leidet (klassische Viraha-Bildlichkeit: Mond als Glut, Wind als Feuer usw.), vergisst der bären-/affenfürstliche Sugrīva sein Versprechen, selbst in Liebe zu seiner eigenen Gattin versunken; „ṛkṣam“ (Bär) hier möglicherweise für Sugrīva oder metonymisch für dessen Reich.
[?] Nachdem er sich mit dem großen Verbündeten [im Umkreis] Vālins, des Affenkönigs, verbündet hatte, überquerte er sodann, nachdem eine Brücke gebaut worden war, den Ozean, äußerst rasch, zusammen mit den Affen, voller Freude; nachdem er die Unzahl der Rākṣasas und Yakṣas vernichtet hatte, wurde die makellose Sītā [wiedergewonnen], und der Herr Laṅkās samt Sohn und jüngerem Bruder [durch] den lodernden Feuerbrand des Erhabenen [vernichtet], und jene Stadt wieder erobert.
Wort für Wort
gatvā vānararājavālinamahāmitreṇa
nachdem er sich mit dem großen Verbündeten [im Umkreis] Vālins, des Affenkönigs, verbündet hatte
setuṃ tato baddhvā vāridhim ātarat
überquerte er sodann, nachdem eine Brücke gebaut worden war, den Ozean
taratamaṃ sākaṃ plavaṃgair mudā
äußerst rasch, zusammen mit den Affen, voller Freude
chittvā rākṣasayakṣalakṣam amalā sītā
nachdem er die Unzahl der Rākṣasas und Yakṣas vernichtet hatte, die makellose Sītā
saputrānujaṃ laṅkeśaṃ jvaladagninā bhagavatā ca
und den Herrn Laṅkās samt Sohn und jüngerem Bruder, durch den lodernden Feuerbrand des Erhabenen
āptā punaḥ sā purī
wurde [Sītā wiedergewonnen und] jene Stadt wieder erobert
[?] „vānararājavālinamahāmitreṇa“ (wörtl. „mit dem großen Freund [im Umkreis] des Affenkönigs Vālin“) bezieht sich vermutlich auf das Bündnis mit Sugrīva, Vālins Bruder und Nachfolger, nicht auf Vālin selbst, den Rāma zuvor tötet.
Ohne die Macht selbst der Sonne u.a. [Götter] zu beeinträchtigen, beherrschte er die Erde, dessen gesamtes Dharma im Dienst an Kühen, Brahmanen und Weisen bestand; alle seine Untertanen, die sich in gesteigerter Hingabe verneigten [und] im Wald gewohnt hatten, führte er zu seinem eigenen, überaus friedvollen Wohnsitz.
Wort für Wort
sūryādiśaktim avihṛtya
ohne die Macht der Sonne u.a. zu beeinträchtigen
śaśāsa bhūmiṃ
beherrschte er die Erde
govipraprājñaparisevanasarvadharmaḥ
dessen gesamtes Dharma im Dienst an Kühen, Brahmanen und Weisen bestand
udriktabhaktinamitān
die sich in gesteigerter Hingabe verneigten
anayat svanāthān sarvān
führte er all seine Untertanen
vanādhivasataḥ svapadaṃ suśāntam
die im Wald gewohnt hatten, zu seinem eigenen, überaus friedvollen Wohnsitz
[Anm.: Beschreibt Rāmas gerechte Herrschaft (Rāma-rājya) nach der Rückkehr aus dem Exil.]
tasyānujo bharatasaṃjña udārabuddhī rāmājñayā nijagṛhe nivasann api śrīm / tyaktvā vanasthavratavān abhavat tato vai gandharvakoṭimathanaṃ viharaṃś cakāra
Dessen jüngerer Bruder, mit Namen Bharata, von edler Gesinnung, obwohl er auf Rāmas Geheiß im eigenen Haus wohnte [und königlichen] Glanz [inne hatte], diesen aufgebend, wurde er dann fürwahr zu einem Waldbewohner-Gelübdehalter; zum Vergnügen vollbrachte er die Zerschlagung von zahllosen Gandharvas.
Wort für Wort
tasyānujo bharatasaṃjña udārabuddhī
dessen jüngerer Bruder, mit Namen Bharata, von edler Gesinnung
rāmājñayā nijagṛhe nivasann api śrīm
obwohl er auf Rāmas Geheiß im eigenen Haus wohnte [und königlichen] Glanz [inne hatte]
tyaktvā vanasthavratavān abhavat tato vai
diesen aufgebend, wurde er dann fürwahr zu einem Waldbewohner-Gelübdehalter
gandharvakoṭimathanaṃ viharaṃś cakāra
zum Vergnügen vollbrachte er die Zerschlagung von zahllosen (koṭi) Gandharvas
[Anm.: Bezieht sich auf Bharatas asketischen Lebenswandel während Rāmas Abwesenheit sowie seinen späteren Feldzug gegen die Gandharvas (vgl. Rāmāyaṇa, Uttarakāṇḍa).]
[?] Der ehrwürdige Lakṣmaṇa, der Jüngste [der Brüder], in den Wald gehend, Rāma [und] Sītā dienend, war voller Mühsal; auch außerhalb [seines eigentlichen Auftrags], durch dessen (Rāmas) Wort in den Wald gehend, den Leib aufgebend, ging er zu jenem [höchsten] Zustand, er, das Feuer der feindlichen Heere.
Wort für Wort
śrīlakṣmaṇas tadavaro
der ehrwürdige Lakṣmaṇa, der Jüngste [der Brüder]
vanam etya rāmaṃ sītāṃ niṣecya bahukaṣṭa āsīt
in den Wald gehend, Rāma [und] Sītā dienend, war er voller Mühsal
bāhye 'pi cāsya vacasā vanam etya
auch außerhalb [seines eigentlichen Auftrags], durch dessen Wort, in den Wald gehend
dehaṃ saṃtyajya tatpadam agād arisainyavahniḥ
den Leib aufgebend, ging er zu jenem [höchsten] Zustand, er, das Feuer der feindlichen Heere
[Anm.: Bezieht sich auf Lakṣmaṇas Begleitung ins Exil und seinen später durch Rāmas Wort veranlassten Tod (Uttarakāṇḍa), sowie auf seine kriegerische Rolle.]
Der mit Namen Śatrughna, von großer Tapferkeit und reiner Gesinnung, durch Heldenkraft ein Zerbrecher des Feindesstolzes, mitleidsvoll gegen die Elenden, ein Vernichter des Dämons Lavaṇa, ein Diener der Edlen, gegenüber den Eigenen von Gleichmuts-Gesinnung, dem Volk [seines] Königreichs erfreulich.
Wort für Wort
śatrughnasaṃjña uruvikramaśuddhabuddhiḥ
der mit Namen Śatrughna, von großer Tapferkeit und reiner Gesinnung
śauryeṇa darpadalano dviṣatāṃ dayāluḥ
durch Heldenkraft ein Zerbrecher des Feindesstolzes, mitleidsvoll
dīneṣu daityalavaṇāntaka āryasevī
gegen die Elenden [mitleidsvoll], ein Vernichter des Dämons Lavaṇa, ein Diener der Edlen
svānyeṣu sāmyamatirājanatābhirāmaḥ
gegenüber den Eigenen von Gleichmuts-Gesinnung, dem Volk [seines] Königreichs erfreulich
[Anm.: Śatrughnas Tötung des Dämons Lavaṇa ist eine bekannte Episode des Uttarakāṇḍa.]
Um dem Weisen mit Namen Mārkaṇḍa die Welten zu zeigen, [erschien] Mukunda, im Sitz der Māyā, in [seinem eigenen] winzigen Bauch; auf einem Banyanblatt-Kelch liegend war er, ein unermesslicher Säugling, der höchstens [seinen eigenen] Daumen saugte.
Wort für Wort
mārkaṇḍanāmamunaye bhuvanāni deṣṭuṃ
um dem Weisen mit Namen Mārkaṇḍa die Welten zu zeigen
māyālaye tanutare jaṭhare mukundaḥ
Mukunda, im Sitz der Māyā, in [seinem eigenen] winzigen Bauch
nyagrodhapattrapuṭakośaśayāna āsīd
auf einem Banyanblatt-Kelch liegend war er
aṅguṣṭhapānaparamaḥ śiśur aprameyaḥ
ein unermesslicher Säugling, der höchstens seinen Daumen saugte
[Anm.: Die bekannte Mārkaṇḍeya-Vision: der Weise sieht innerhalb des Bauches des kindlichen, auf einem Banyanblatt treibenden Viṣṇu die gesamte Schöpfung.]
[?] Zum Schutz der von Vṛtras schrecklicher Gestalt im Kampf gequälten Unsterblichen (Götter) wurde der Erhabene, der Uranfängliche, dessen Ruhm von Garuḍas und Kiṃnaras besungen wird, [tätig] – von der Natur, deren überaus großes Leid, Furcht und Kummer zu vernichten.
Wort für Wort
vṛtrasya ghoravapuṣā paritāpitānāṃ
der von Vṛtras schrecklicher Gestalt gequälten
saṃrakṣaṇāya bhagavān yudhi nirjarāṇām
zum Schutz der Unsterblichen im Kampf, der Erhabene
ādyo hy abhūd garuḍakiṃnaragītakīrtis
wurde [tätig], der Uranfängliche, dessen Ruhm von Garuḍas und Kiṃnaras besungen wird
teṣāṃ suduḥkhabhayaśokavināśaśīlaḥ
von der Natur, deren überaus großes Leid, Furcht und Kummer zu vernichten
[?] Bezieht sich vermutlich auf Viṣṇus Unterstützung Indras im Vṛtra-Kampf; die genaue Form dieser Intervention bleibt hier unspezifiziert.
[?] Nachdem er die auf Daumengelenk-Größe [verkleinerten], asketischen, vorzüglichen Brahmanen gesehen hatte – deren ganzer Leib [nur] vom Wasser einer Kuh-Fußspur [genährt wurde], die Brahmanen-Freundlichen, von Indra Verspotteten, mit Brennholz-Bündeln in den Händen –, näherte er sich diesen, [die ihm] zur Verehrung des Lehrers Zuflucht suchten, aus Mitleid.
Wort für Wort
aṅguṣṭhaparvasumitān śramaṇān dvijāgryān dṛṣṭvā
nachdem er die auf Daumengelenk-Größe [verkleinerten], asketischen, vorzüglichen Brahmanen gesehen hatte
goṣpadapayogatasarvadehān
deren ganzer Leib [nur] vom Wasser einer Kuh-Fußspur [genährt wurde]
brahmaṇya indrahasitān samidaṃśuhastān
die Brahmanen-Freundlichen, von Indra Verspotteten, mit Brennholz-Bündeln in den Händen
gurvarcanāya kṛpayāvad amūn prapannān
näherte er sich diesen, [die ihm] zur Verehrung des Lehrers Zuflucht suchten, aus Mitleid
[?] Sehr wahrscheinlich Anspielung auf die Vālakhilya-Weisen (daumengroße Asketen, die von Indra verspottet wurden und mit der Garuḍa-Geburtserzählung verknüpft sind); die genaue Satzkonstruktion bleibt kompressionsbedingt unsicher.
duṣyantabījam adhigamya śakuntalāyāṃ jāto hy ajo 'pi bhagavān adhiyajñakartā / vismāpayan bahunṛpān bahuvājimedhān sākṣād iyāja bahu dānam adād ameyaḥ
Nachdem er den Samen Duṣyantas in Śakuntalā aufgenommen hatte, wurde der Erhabene, obwohl ungeboren, geboren, als Vollzieher des Über-Opfers; viele Könige in Erstaunen versetzend, vollzog er unmittelbar viele Pferdeopfer, und der Unermessliche gab viele Gaben.
Wort für Wort
duṣyantabījam adhigamya śakuntalāyāṃ
nachdem er den Samen Duṣyantas in Śakuntalā aufgenommen hatte
jāto hy ajo 'pi bhagavān adhiyajñakartā
wurde der Erhabene, obwohl ungeboren, geboren, als Vollzieher des Über-Opfers
vismāpayan bahunṛpān bahuvājimedhān
viele Könige in Erstaunen versetzend, viele Pferdeopfer
sākṣād iyāja bahu dānam adād ameyaḥ
vollzog er unmittelbar, und gab, der Unermessliche, viele Gaben
[Anm.: Bezieht sich auf König Bharata, Sohn von Duṣyanta und Śakuntalā, hier als Teil-Avatāra gedeutet.]
[Anm.] Nachdem er alle Menschen im Kali-Zeitalter als kraft- und einsichtslos erkannt hatte, wurde er, von Mitleid überwältigt, in der von Vasu[s Kraft] gezeugten Gattin (Satyavatī) geboren, aus der Nähe Parāśaras, der Uranfängliche; er wird die Veden mit gesammelter Sorgfalt einteilen.
Wort für Wort
sarvān janān kaliyuge balabuddhihīnān dṛṣṭvā
nachdem er alle Menschen im Kali-Zeitalter als kraft- und einsichtslos erkannt hatte
kṛpāparavaśo vasuvīryajāyām
von Mitleid überwältigt, in der von Vasu[s Kraft] gezeugten Gattin (Satyavatī)
jātaḥ parāśarasakāśata ādidevo
geboren, aus der Nähe Parāśaras, der Uranfängliche
vedān samāhitatayā vibhajiṣyati sma
er wird die Veden mit gesammelter Sorgfalt einteilen
[Anm.: Bezieht sich auf Vyāsa, Sohn Parāśaras und Satyavatīs (aus der Vasu-Linie), den Einteiler der Veden.]
In der Familie Vṛṣṇis aber [wird geboren] der Erhabene mit Namen Baladeva, durch dessen Kraft er die überaus starken Feinde der Götter zerschmettern wird; durch dessen bloße Pflugschar-Spitzen-Berührung wird die Hauptstadt der Kurus, wie ein Kornhaufen samt Wohnstätten, überaus erschrocken wanken.
Wort für Wort
vṛṣṇeḥ kule tu bhagavān baladevanāmā
in der Familie Vṛṣṇis aber der Erhabene mit Namen Baladeva
yasmād balān atibalān adalat surārīn
durch dessen Kraft er die überaus starken Feinde der Götter zerschmettern wird
yal lāṅgalāgrakalanāt
durch dessen bloße Pflugschar-Spitzen-Berührung
kururājadhānī dhāneva dhāmasahitā calitātibhītā
wird die Hauptstadt der Kurus, wie ein Kornhaufen samt Wohnstätten, überaus erschrocken wanken
Balarāma-Avatāra; Anspielung auf seine Episode mit dem Pflug gegen Hastināpura (vgl. Bhāgavata-Purāṇa 10.68).
Der Erde, dem allein auf seine Füße bedachten Volk der Vṛṣṇis Glück verleihend, wird der Erhabene, obwohl ungeboren, geboren werden, um überreichen Ruhm zu erlangen, mit Namen Śrīkṛṣṇa genannt, von aller Macht erfüllt.
Wort für Wort
bhūmer janasya nijapādaparāyaṇasya vṛṣṇer
der Erde, dem allein auf seine Füße bedachten Volk der Vṛṣṇis
ajo 'pi bhagavān sukham ādadhānaḥ
der Erhabene, obwohl ungeboren, Glück verleihend
jāto bhaviṣyati yaśo vipulaṃ prakartuṃ
wird er geboren werden, um überreichen Ruhm zu erlangen
śrīkṛṣṇa ity abhihito 'khilaśaktipūrṇaḥ
mit Namen Śrīkṛṣṇa genannt, von aller Macht erfüllt
Mit seinem eigenen Leib im Haus Vasudevas geboren, dann nach Gokula gehend, sich sodann mit Spielen vergnügend, in Kindesgestalt, wird er durch reine Kindersprache und Kinderlachen den Kühen, Kuhhirten und Kuhhirtenfrauen rasch Freude bereiten.
Wort für Wort
jāto nijena vapuṣā vasudevagehe
mit seinem eigenen Leib im Haus Vasudevas geboren
gatvā tu gokulam atho viharan vinodaiḥ
dann nach Gokula gehend, sich sodann mit Spielen vergnügend
bālākṛtir viśadabālakabhāṣāhāsair
in Kindesgestalt, durch reine Kindersprache und Kinderlachen
gogopagopavanitāmudam āśu kartā
den Kühen, Kuhhirten und Kuhhirtenfrauen wird er rasch Freude bereiten
[?] Er wird die von Kaṃsa angestifteten Scharen von Götterfeinden, allen voran Ulūkī (Pūtanā), töten; zur Erhaltung Vrajas wird er den großen Berg, sieben Tage lang wie einen Pilz(-schirm) in der linken Hand ergriffen haltend, hochhalten und den Stolz des Götterherrn (Indra) auslöschen.
Wort für Wort
kaṃsānuśiṣṭasuraśatrugaṇān ulūkīmukhyān haniṣyati
er wird die von Kaṃsa angestifteten Scharen von Götterfeinden, allen voran Ulūkī, töten
sieben Tage lang wie einen Pilz(-schirm) hochhaltend, in der linken Hand ergriffen
suranāthamadaṃ pramārṣṭā
wird er den Stolz des Götterherrn (Indra) auslöschen
[?] „Ulūkī“ als Name für die Dämonin Pūtanā ist ungewöhnlich (wörtl. „Eulen[artige]“); hier als Beiname gedeutet. Bezieht sich auf die Govardhana-Episode.
dhātrā yadā sapaśugopaśiśau praṇīte buddher bhramo halabhṛto 'bhavad aprameyaḥ / tat saṃharan sapaśupālakulasvarūpaṃ kṛtvā vidhiṃ vividhamohamalāt sa dhartā
Als die Hirtenkinder samt Vieh von Brahmā (Dhātṛ) fortgeführt worden waren, entstand bei Halabhṛt (Baladeva) eine Verwirrung des Verstandes; der Unermessliche [Kṛṣṇa], diese [Verwirrung] auflösend, indem er selbst die Gestalt der Hirtenfamilie samt Vieh herstellte, wird er, der Träger, von der mannigfachen Täuschungs-Befleckung [erlösen].
Wort für Wort
dhātrā yadā sapaśugopaśiśau praṇīte
als die Hirtenkinder samt Vieh von Brahmā (Dhātṛ) fortgeführt worden waren
buddher bhramo halabhṛto 'bhavad
entstand eine Verwirrung des Verstandes bei Halabhṛt (Baladeva)
aprameyaḥ tat saṃharan
der Unermessliche [Kṛṣṇa], diese [Verwirrung] auflösend
sapaśupālakulasvarūpaṃ kṛtvā vidhiṃ
indem er die Gestalt der Hirtenfamilie samt Vieh [selbst] herstellte
vividhamohamalāt sa dhartā
wird er, der Träger, von der mannigfachen Täuschungs-Befleckung [erlösen]
[Anm.: Bezieht sich auf die Brahma-Vimohana-Līlā: Brahmā entführt die Hirtenkinder und Kälber, Kṛṣṇa erschafft illusionäre Duplikate, was Balarāma verwirrt.]
In Vṛndāvana, durch wohlklingende Musik und spielerische Lieder den Kuhhirtenfrauen die Regung der Liebe verleihend, wird er nachts, für die Nachtwandler und Himmelswandler, die staunenerregende Versammlung des großen Liebesspiels bereiten.
Wort für Wort
vṛndāvane surabhivādyavilāsagītair
in Vṛndāvana, durch wohlklingende Musik und spielerische Lieder
godhugvadhūjanamanojajavaṃ dadhānaḥ
den Kuhhirtenfrauen die Regung der Liebe verleihend
kartā mahāmadanakelivihāragoṣṭhīvismāpanaṃ
wird er die staunenerregende Versammlung des großen Liebesspiels bereiten
niśi niśācarakhecarāṇām
nachts, für die Nachtwandler und Himmelswandler
[Anm.: Bezieht sich auf den Rāsa-Līlā-Tanz Kṛṣṇas mit den Gopīs in Vṛndāvana, der auch Götter und Dämonen in Erstaunen versetzt.]
[?] Nachdem er, samt Balarāma, von Akrūra (Svāphalki) in die Kampfarena Kaṃsas geführt worden war und den [dort ausgestellten] Bogen mit Wucht zerbrochen hatte, wird er, nachdem er den Elefanten Kuvalayāpīḍa plötzlich getötet hat, im Kampf zugleich mit Kaṃsa die Bezwingung der Ringer Cāṇūra und Śūra bewirken.
Wort für Wort
kaṃsasya raṅgasadanaṃ sabale praṇīte
nachdem er, samt Balarāma (Bala), in Kaṃsas Kampfarena geführt worden war
svāphalkinā bhavadhanus tarasā vibhajya
von Akrūra (Svāphalki) geführt, den [dort ausgestellten] Bogen mit Wucht zerbrechend
cāṇūraśūraśamanaṃ sahakaṃsamājau kartā
wird er im Kampf zugleich mit Kaṃsa die Bezwingung der Ringer Cāṇūra und Śūra bewirken
dvipaṃ kuvalayaṃ sahasā nihatya
nachdem er den Elefanten Kuvalayāpīḍa plötzlich getötet hat
[?] „bhavadhanus“ (wörtl. „Bogen des Bhava/Śiva“) bezieht sich vermutlich auf den bei Kaṃsas Bogenopfer (Dhanuryajña) in Mathurā ausgestellten Bogen, dessen genaue Verbindung zu Śiva hier unklar bleibt.
sāṃdīpanaṃ mṛtasutaṃ gurudakṣiṇārthī dattvā jarāsutabalaṃ yavanaṃ ca hatvā / śrīrukmiṇīprabhṛtidāraśataṃ vivāhya tābhyaḥ sutān daśadaśānu janiṣyati sma
Als Lehrergabe-Begehrender wird er dem Lehrer Sāṃdīpani seinen toten Sohn zurückgeben, und die Streitmacht Jarāsutas (Jarāsandhas) sowie den Yavana töten; nachdem er die hundert Frauen, allen voran Rukmiṇī, geheiratet hat, wird er von diesen jeweils zehn Söhne zeugen.
Wort für Wort
sāṃdīpanaṃ mṛtasutaṃ gurudakṣiṇārthī dattvā
als Lehrergabe-Begehrender wird er dem Lehrer Sāṃdīpani seinen toten Sohn zurückgeben
jarāsutabalaṃ yavanaṃ ca hatvā
und die Streitmacht Jarāsutas (Jarāsandhas) sowie den Yavana töten
śrīrukmiṇīprabhṛtidāraśataṃ vivāhya
nachdem er die hundert Frauen, allen voran Rukmiṇī, geheiratet hat
bhaumaṃ nihatya sagaṇaṃ divi devamātur dātuṃ tadīyamaṇikuṇḍalam ādidevaḥ / gatvā surendratarurājavaraṃ priyāyāḥ prītau samuddharaṇato ditijān sa jetā
Nachdem er Bhauma (Narakāsura) samt Gefolge getötet hat, wird der Uranfängliche, um der Göttermutter (Aditi) deren Juwelen-Ohrring im Himmel zurückzugeben, [dorthin] zur Freude der Geliebten gehend, durch die Entwurzelung des vortrefflichen Baumkönigs der Götter (des Pārijāta) die Söhne Ditis besiegen.
Wort für Wort
bhaumaṃ nihatya sagaṇaṃ divi devamātur
nachdem er Bhauma (Narakāsura) samt Gefolge getötet hat, im Himmel, der Göttermutter (Aditi)
dātuṃ tadīyamaṇikuṇḍalam ādidevaḥ
um deren Juwelen-Ohrring zurückzugeben, der Uranfängliche
gatvā surendratarurājavaraṃ priyāyāḥ prītau
zur Freude der Geliebten [dorthin] gehend, zum vortrefflichen Baumkönig der Götter
samuddharaṇato ditijān sa jetā
durch [dessen] Entwurzelung wird er die Söhne Ditis besiegen
[Anm.: Bezieht sich auf die Erzählung von Narakāsuras Tod, der Rückgabe von Aditis Ohrringen und dem Raub des Pārijāta-Baumes für Satyabhāmā (vgl. Bhāgavata-Purāṇa 10.59).]
[?] Im Kampf gegen Bāṇāsura, wobei durch die Vernichtung meiner (Śivas) Kraft [dessen] erlangte erhöhte Unverwundbarkeit [zunichtegemacht wurde]; nachdem er im Krieg bei Yudhiṣṭhiras Königsopfer die verbündeten Könige besiegt hat, wird er, den Keim des Streits niederstreckend, den schwer lastenden [Bhārata-]Krieg entfachen.
Wort für Wort
bāṇāsurasya samare
im Kampf gegen Bāṇāsura
mama vīryanāśāl labdhāmaratvam adhikaṃ
wobei durch die Vernichtung meiner (Śivas) Kraft [dessen] erlangte erhöhte Unverwundbarkeit [zunichtegemacht wurde]
yudhi bhūpabandhūn jitvā
nachdem er im Krieg die verbündeten Könige besiegt hat
yudhiṣṭhiranṛpakratunā
bei Yudhiṣṭhiras Königsopfer
vivāhabījaṃ nipātya
den Keim des Streits (Śiśupāla?) niederstreckend
gurubhārataraṃ prahartā
wird er den schwer lastenden Bhārata-Krieg entfachen
[?] Sehr dichter Vers: bezieht sich vermutlich auf die Bāṇāsura-Schlacht (in der laut diesem Text sogar Śivas eigene Kraft unterlag), Yudhiṣṭhiras Rājasūya-Opfer und die Tötung Śiśupālas als Auslöser des Mahābhārata-Krieges; „vivāhabījam“ (wörtl. „Heirats-Samen“) bleibt in der genauen Bedeutung unsicher, evtl. Schreibvariante zu „vivādabījam“ („Streit-Samen“).
Nachdem er der Welt vorzüglich die Verehrung von Brahmanen und Göttern vor Augen geführt hat, und seinen eigenen Dienern seine grenzenlose Barmherzigkeit [gezeigt hat]; nachdem er König Parīkṣit, vom höchsten Geschoss verbrannt, gerettet hat, wird er dem Pārtha (Arjuna) zuliebe, um der Brahmanen willen, [seine] Herrlichkeit erblicken lassen.
Wort für Wort
loke pradarśya sutarāṃ dvijadevapūjāṃ
nachdem er der Welt vorzüglich die Verehrung von Brahmanen und Göttern vor Augen geführt hat
svasyāpy apārakaruṇāṃ nijasevakebhyaḥ
und seinen eigenen Dienern seine grenzenlose Barmherzigkeit [gezeigt hat]
trātvā parīkṣitanṛpaṃ paramāstradagdhaṃ
nachdem er König Parīkṣit, vom höchsten Geschoss verbrannt, gerettet hat
pārthāya bhūtim avalokayitā dvijārthe
wird er dem Pārtha zuliebe, um der Brahmanen willen, [seine] Herrlichkeit erblicken lassen
[Anm.: Bezieht sich auf die Rettung Parīkṣits vor der Brahmāstra-Waffe Aśvatthāmans im Mutterleib Uttarās.]
kāmena snehabhayarāgakuṭubasaṃdhe yasmin mano nivasataḥ śamalaṃ nirasya / dātā svarūpam amalaṃ pariśuddhabhāvaḥ sākṣāt svarūpaniratasya ca kiṃ nu vakṣye
[?] Durch Kāma, Zuneigung, Furcht oder Leidenschaft verbunden – demjenigen, dessen Geist in [Kṛṣṇa] wohnt, wird er, die Befleckung entfernend, die eigene reine Gestalt geben, von völlig geläuterter Wesensart; von dem aber, der unmittelbar auf [seine] eigene Wesensform versessen ist, was soll ich [noch] sagen?
Wort für Wort
kāmena snehabhayarāgakuṭubasaṃdhe
durch Kāma (Begierde), Zuneigung, Furcht oder Leidenschaft verbunden
yasmin mano nivasataḥ śamalaṃ nirasya
demjenigen, dessen Geist in [Kṛṣṇa] wohnt, die Befleckung entfernend
dātā svarūpam amalaṃ pariśuddhabhāvaḥ
wird er die eigene reine Gestalt geben, von völlig geläuterter Wesensart
sākṣāt svarūpaniratasya ca kiṃ nu vakṣye
von dem aber, der unmittelbar auf [seine] eigene Wesensform versessen ist, was soll ich noch sagen
[?] Formuliert die bekannte Pāñcarātra-/Bhāgavata-Lehre, dass selbst Hass, Furcht oder Begierde gegenüber Kṛṣṇa (sofern der Geist ganz auf ihn gerichtet ist) zur Erlösung führen kann; die genaue Satzkonstruktion bleibt kompressionsbedingt unsicher.
yat pādapaṅkajaparāgaparāyaṇānām agre cakāsti na ca muktisukhaṃ nitāntam / kiṃ vānyadarpitabhayaṃ khalu kālavegaiḥ sākṣān mahāsukhasamudragatāntarāṇām
Denen, die dem Blütenstaub seiner Lotosfüße gänzlich ergeben sind, erstrahlt selbst die vollkommene Wonne der Erlösung nicht vorrangig [d.h. wird von ihrer Hingabe übertroffen]; was also könnte erst die von anderem dargebrachte Furcht durch die Wucht der Zeit ausrichten, für die, deren Inneres unmittelbar in den Ozean der höchsten Wonne eingegangen ist?
Wort für Wort
yat pādapaṅkajaparāgaparāyaṇānām
denen, die dem Blütenstaub seiner Lotosfüße gänzlich ergeben sind
agre cakāsti na ca muktisukhaṃ nitāntam
erstrahlt selbst die vollkommene Wonne der Erlösung nicht vorrangig
kiṃ vānyadarpitabhayaṃ khalu kālavegaiḥ
was könnte erst die von anderem dargebrachte Furcht durch die Wucht der Zeit ausrichten
sākṣān mahāsukhasamudragatāntarāṇām
für die, deren Inneres unmittelbar in den Ozean der höchsten Wonne eingegangen ist
[?] Nachdem er seinen eigenen, gegenüber Gaṅgā-Pilgerorten, Askese, Feueropfern, Gelübden usw. überlegenen Ruhm in der Welt verkündet hat; nachdem er, unter dem Vorwand eines Brahmanenfluchs, das überaus erhabene [eigene] Geschlecht vernichtet hat, wird er mit [seinem] Körper zu seiner eigenen makellosen Welt gelangen.
Wort für Wort
gaṅgāditīrthatapahomavratādikebhyaḥ
gegenüber Gaṅgā-Pilgerorten, Askese, Feueropfern, Gelübden usw.
kīrtiṃ svakīyam adhikāṃ samudīrya loke
nachdem er seinen eigenen, überlegenen Ruhm in der Welt verkündet hat
atyunnataṃ dvijakulaṃ dvijaśāpavyājād dhatvā
nachdem er, unter dem Vorwand eines Brahmanenfluchs, das überaus erhabene [eigene] Geschlecht vernichtet hat
svalokam amalaṃ tanunābhigantā
wird er mit [seinem] Körper zu seiner eigenen makellosen Welt gelangen
[?] Bezieht sich auf den Untergang der Yadu-/Vṛṣṇi-Sippe durch einen Ṛṣi-Fluch und Kṛṣṇas anschließende Rückkehr in seine himmlische Welt; „dvijakulam“ (Brahmanengeschlecht) steht hier vermutlich untechnisch für die eigene [edle] Sippe.
Von ihm wird ein Sohn geboren werden, ein Freudenspender für die Menschen, mit Namen Pradyumna, dessen Eigenschaften dem Vielbesungenen (Kṛṣṇa) entsprechen.
Wort für Wort
tasmād bhaviṣyati sutaḥ sukhado janānāṃ
von ihm wird ein Sohn geboren werden, ein Freudenspender für die Menschen
pradyumnasaṃjña urugāyaguṇānurūpaḥ
mit Namen Pradyumna, dessen Eigenschaften dem Vielbesungenen entsprechen
[?] Er wird mit fröhlichem Antlitz und schönen Gliedern Freude bereiten, die Menschen gleichsam mit Nektar-Wasser aus [entsprechenden] Gefäßen versorgend; auch dort, [selbst] ungeboren, wird der Gebieter, im Geiste [gegenwärtig], als Urheber des nach ihm benannten Aniruddha [wirken].
Wort für Wort
kartā mudaṃ muditavaktrasucārugātraiḥ
er wird mit fröhlichem Antlitz und schönen Gliedern Freude bereiten
pātrair ivāmṛtapayo manujān pracchan
die Menschen gleichsam mit Nektar-Wasser aus Gefäßen versorgend
tatrāpy ajo 'nujanitāpyaniruddhanāmānāmnāṃ
auch dort, ungeboren, [in Bezug auf] den nach ihm geborenen, mit Namen Aniruddha Genannten
pravartakatayā manasīśvaro 'pi
als Urheber, im Geiste gegenwärtig, der Gebieter
[?] Bezieht sich vermutlich auf Aniruddha, Enkel Kṛṣṇas (Sohn Pradyumnas); die genaue Satzkonstruktion und der Sinn von „pracchan“ bleiben unsicher.
yasmād uṣāharaṇato bhujavīryanāśād bāṇo bhaviṣyati śivānugaśāntadehaḥ / vyāsād bhaviṣyati [Lücke im Quelltext] bhagavān araṇyāṃ yogī janān prati gadiṣyati vedasāram
[?] Weil [Aniruddha] Uṣā entführen wird, wird Bāṇa, durch den Verlust der Kraft [seiner] Arme, zu einem Śivas Gefolge angehörigen, befriedeten Wesen werden. Von/nach Vyāsa wird der Erhabene, als Yogi in der Wildnis, [entstehen und] den Menschen die Essenz der Veden verkünden.
Wort für Wort
yasmād uṣāharaṇato bhujavīryanāśād
weil [Aniruddha] Uṣā entführen wird, und deshalb durch den Verlust der Kraft [seiner] Arme
bāṇo bhaviṣyati śivānugaśāntadehaḥ
wird Bāṇa zu einem Śivas Gefolge angehörigen, befriedeten Wesen werden
vyāsād bhaviṣyati [Lücke] bhagavān araṇyāṃ yogī
von/nach Vyāsa wird der Erhabene, als Yogi in der Wildnis, [entstehen]
janān prati gadiṣyati vedasāram
er wird den Menschen die Essenz der Veden verkünden
[?] Der Quelltext weist an dieser Stelle eine Lücke/unleserliche Passage auf (im GRETIL-Digitalisat markiert); die zweite Vershälfte bezieht sich vermutlich auf Śukadeva, Vyāsas Sohn, der als Yogi die Veden-Essenz lehrt, ist aber nicht mit Sicherheit zu rekonstruieren. Zur Bāṇa-Uṣā-Aniruddha-Erzählung vgl. Bhāgavata-Purāṇa 10.62-63.
śrīmatsuśāntam amalaṃ bhagavatpraṇītaṃ yac chraddhayā kalijanā api yānti śāntim / buddhāvatāram adhigamya kalāvalakṣair veṣair mater ativimohakaraṃ pralobham
[Diese] herrliche, überaus friedvolle, makellose, vom Erhabenen selbst dargelegte [Lehre], durch die auch die Menschen des Kali-Zeitalters mittels Glauben zum Frieden gelangen; und er wird den Buddha-Avatāra annehmen, durch dessen im Kali-Zeitalter auffällige Erscheinungsformen eine den Verstand überaus verwirrende Verlockung bewirkend.
Wort für Wort
śrīmatsuśāntam amalaṃ bhagavatpraṇītaṃ
diese herrliche, überaus friedvolle, makellose, vom Erhabenen selbst dargelegte Lehre
yac chraddhayā kalijanā api yānti śāntim
durch die auch die Menschen des Kali-Zeitalters mittels Glauben zum Frieden gelangen
buddhāvatāram adhigamya
und er wird den Buddha-Avatāra annehmen
kalāvalakṣair veṣair mater ativimohakaraṃ pralobham
durch dessen im Kali-Zeitalter auffällige Erscheinungsformen eine den Verstand überaus verwirrende Verlockung bewirkend
[Anm.: Der Buddha-Avatāra wird hier – wie in vielen Purāṇas – als List gedeutet, die im Kali-Zeitalter die vom Veda Abgefallenen in die Irre führt.]
Indem er eine ketzerische Lehre für die Götterfeinde ersinnt, wird der Erhabene, als Sohn des Jina, in Gayā [wirken] – wenn der eigene Vedapfad, überwuchert von zahlreichen ketzerischen Lehren, verloren ist und die Zweifachgeborenen auf schlechtem Pfad wandeln.
Wort für Wort
pākhaṇḍaśāstram adhikalpya suradviṣāṇāṃ kartā
indem er eine ketzerische Lehre für die Götterfeinde ersinnt
jinasya tanayo bhagavān gayāyām
der Erhabene, als Sohn des Jina, in Gayā
pākhaṇḍaśāstrabahule nijavedamārge naṣṭe
wenn der eigene Vedapfad, überwuchert von zahlreichen ketzerischen Lehren, verloren ist
dvijātibhir asatpathi vartamāne
und die Zweifachgeborenen auf schlechtem Pfad wandeln
[Anm.: Fortsetzung des Buddha-Avatāra-Motivs, hier mit besonderer, sonst seltener Verortung in Gayā und Zuschreibung als „Sohn des Jina“.]
[Anm.] Als Kalki-Avatāra, eine [aufgehende] Sonne, die die junger Finsternis gleichende Königsschar durchbohrt, [wird er zum] Beschützer des vollzogenen Dharma; unmittelbar wird er, aus der mit Namen Sarasvatī Bezeichneten, mit Namen Śrī-Sārvabhauma, als Veda-Beschützer, vom vorzüglichsten Brahmanen [gezeugt], erscheinen.
Wort für Wort
kalkyāvatārataraṇis
als Kalki-Avatāra, eine aufgehende Sonne
taruṇāndhakāratulyaṃ tudan nṛpagaṇaṃ
die junger Finsternis gleichende Königsschar durchbohrend
kṛtadharmagoptā
Beschützer des vollzogenen Dharma
sākṣād bhaviṣyati sarasvatisaṃjñitāyāṃ
unmittelbar wird er, aus der mit Namen Sarasvatī Bezeichneten, erscheinen
śrīsārvabhauma iti vedagupo dvijāgryāt
mit Namen Śrī-Sārvabhauma, als Veda-Beschützer, vom vorzüglichsten Brahmanen gezeugt
[Anm.: Der Kalki-Avatāra hier ungewöhnlich mit den Namen der Eltern „Sarasvatī“ (Mutter) und Beiname „Śrī-Sārvabhauma“ versehen, abweichend von der geläufigeren Bhāgavata-Purāṇa-Version (Viṣṇuyaśas/Sumati).]
[?] Nachdem er Balis Reichtum wie einst Purandaras (Indras) übergroßzügig [zurück]gegeben hat, wird er im achten Manu-Zeitalter, von bekannter Machtfülle, als Beschützer [wirken]; zur Zeit des neunten Manu wird er, den Menschen Lebenskraft verleihend, um Rechtsordnung zu stiften und zur Vernichtung der Götterfeinde [erscheinen].
Wort für Wort
kṛtvā puraṃdaraśriyaṃ balaye 'tidāsyan
nachdem er Balis Reichtum wie einst Purandaras (Indras) übergroßzügig zurückgegeben hat
goptāṣṭame manuyuge viditānubhāvaḥ
wird er im achten Manu-Zeitalter, von bekannter Machtfülle, als Beschützer wirken
āyuḥ karo navamanoḥ samaye janānāṃ
zur Zeit des neunten Manu, den Menschen Lebenskraft verleihend
nītiṃ vidhātum amarārivināśanāya
um Rechtsordnung zu stiften und zur Vernichtung der Götterfeinde
[?] Bezieht sich auf weitere Manvantara-spezifische Avatāras (achtes und neuntes Manu-Zeitalter); die genauen purāṇischen Identitäten bleiben unsicher.
[?] Er wird zum Beschützer werden, indem er die Welt und die Menschen trägt, der Erhabene, unermesslich, zusammen mit dem [dortigen] Śruta-Indra; im Hause des Viśūci, als Sohn des Brahmanenkönigs Śambhu geboren, wird er, im zehnten Manvantara, der Dichtkunst zugetan sein.
Wort für Wort
goptā bhaviṣyati jagajjanadhārayāsau
er wird zum Beschützer werden, indem er die Welt und die Menschen trägt
bhūtvā śrutendrasahito bhagavān apāraḥ
der Erhabene, unermesslich, zusammen mit dem Śruta-Indra
bhūtvā viśūcisadane dvijarājaśambhoḥ
im Hause des Viśūci, als Sohn des Brahmanenkönigs Śambhu geboren
sāhityakarmaparavān daśame 'ntare saḥ
wird er, im zehnten Manvantara, der Dichtkunst zugetan sein
[?] Weiterer Manvantara-Avatāra (10. Manvantara); Einzelheiten purāṇisch nicht sicher zu identifizieren.
pātāmarān [Lücke im Quelltext] viśvak [Lücke im Quelltext] senasaṃjño yat sainyapūgasamarād amarārināśaḥ / manvantaraikadaśame 'rthakariprapautraḥ śrīdharmasetur iti viśruta ādidevaḥ
[?, Quelltext lückenhaft] … die Unsterblichen beschützend … mit Namen Viśvaksena, durch den, im Kampf der Heeresscharen, die Vernichtung der Götterfeinde geschieht; im elften Manvantara, als Urenkel des Arthakara, wird der Uranfängliche, mit Namen Śrī-Dharmasetu bekannt, [erscheinen].
Wort für Wort
pātāmarān [Lücke] viśvak [Lücke] senasaṃjño
[Textlücke] die Unsterblichen beschützend, [Lücke], mit Namen Viśvaksena
yat sainyapūgasamarād amarārināśaḥ
durch den, im Kampf der Heeresscharen, die Vernichtung der Götterfeinde geschieht
manvantaraikadaśame 'rthakariprapautraḥ
im elften Manvantara, als Urenkel des Arthakara
śrīdharmasetur iti viśruta ādidevaḥ
wird der Uranfängliche, mit Namen Śrī-Dharmasetu bekannt, erscheinen
[?] Der Quelltext weist an dieser Stelle zwei Lücken/unleserliche Passagen auf (im Digitalisat entsprechend markiert); die Übersetzung rekonstruiert nur den lesbaren Rahmen.
[?] Nachdem er die Asuras getötet hat, wird der Erhabene, der Selbstentstandene, dem Nachkommen Vidhṛtis den dritten Himmel(-Wohnsitz) geben; im zwölften Manu-Zeitalter geboren, zur Erhaltung des Zeitalters, von einem Brahmanen gezeugt, wird er durch die Macht seiner eigenen Kraft fürwahr „Sunṛta“ genannt werden.
Wort für Wort
hatvāsurān surapatau vidhṛter apatye
nachdem er die Asuras getötet hat, dem Nachkommen Vidhṛtis
dātā tṛtīyabhavanaṃ bhagavān svayambhūḥ
wird der Erhabene, der Selbstentstandene, den dritten Himmel(-Wohnsitz) geben
jāto dviṣaṇmanuyuge yugapālanāya
im zwölften Manu-Zeitalter geboren, zur Erhaltung des Zeitalters
viprāt svaśaktimahasaḥ sunṛtākhyato vai
von einem Brahmanen, durch die Macht seiner eigenen Kraft, wird er fürwahr „Sunṛta“ genannt werden
[?] Weiterer Manvantara-Avatāra (12. Manvantara, Name „Sunṛta“); Details bleiben unsicher.
khyāto bhaviṣyati tato bhagavān svadhāmā yasmāj janā jagati saukhyam apāram āpuḥ / bhāvye trayodaśayuge bhavitādidevaḥ śrīdevahotratanayo bhagavān bṛhatyām
[?] Berühmt wird er dann sein, der Erhabene, von eigener Herrlichkeit, durch den die Menschen in der Welt grenzenloses Glück erlangen; im kommenden dreizehnten Zeitalter wird der Uranfängliche, der Erhabene, als Sohn des Devahotra, in [der Mutter] Bṛhatī [geboren] sein.
Wort für Wort
khyāto bhaviṣyati tato bhagavān svadhāmā
berühmt wird er dann sein, der Erhabene, von eigener Herrlichkeit
yasmāj janā jagati saukhyam apāram āpuḥ
durch den die Menschen in der Welt grenzenloses Glück erlangen
bhāvye trayodaśayuge bhavitādidevaḥ
im kommenden dreizehnten Zeitalter wird der Uranfängliche sein
śrīdevahotratanayo bhagavān bṛhatyām
der Erhabene, Sohn des Devahotra, in Bṛhatī geboren
yogeśvaro divi divaspatiśakramitro yogād ameyavapuṣā sa vitānatulyaḥ / satrāyaṇasya sadane bhagavān anādidevo 'pi devavanitātanayo 'bhijātaḥ
[?] Der Herr des Yoga, im Himmel Freund des Himmelsherrn Śakra (Indra), durch Yoga von unermesslicher, einem [Opfer-]Baldachin gleichender Gestalt; im Hause des Satrāyaṇa wird der Erhabene, obwohl ohne Anfang, als Sohn einer Götterfrau geboren.
Wort für Wort
yogeśvaro divi divaspatiśakramitro
der Herr des Yoga, im Himmel Freund des Himmelsherrn Śakra (Indra)
yogād ameyavapuṣā sa vitānatulyaḥ
durch Yoga von unermesslicher, einem Opfer-Baldachin gleichender Gestalt
satrāyaṇasya sadane bhagavān anādidevo 'pi
im Hause des Satrāyaṇa wird der Erhabene, obwohl ohne Anfang
Am Ende jedes Manvantara wird er, von der Natur, das Wohl der Welt zu wollen, die Fäden des [rituellen] Handlungsgewebes ausbreiten. Diese, o Zweifachgeborener, habe ich vom Erhabenen genannt – die Sammlung der reinen Avatāras, zum Wohl der Welt.
Wort für Wort
ante 'ntare karaṇakarmavitānatantūn vistārayiṣyati
am Ende jedes Manvantara wird er die Fäden des rituellen Handlungsgewebes ausbreiten
jagaddhitakāmaśīlaḥ
von der Natur, das Wohl der Welt zu wollen
ete mayā bhagavataḥ kathitā dvijāte
diese, o Zweifachgeborener, habe ich vom Erhabenen genannt
śuddhāvatāranicayā jagato hitārthāḥ
die Sammlung der reinen Avatāras, zum Wohl der Welt
Durch dessen Spielgestalten stets das Bewegliche und Unbewegliche behütet wird – zu ihm nehme ich meine Zuflucht, zu Kṛṣṇa, dem Herrn des Weltenbrahmāṇḍa.
Wort für Wort
yal līlātanubhir nityaṃ pālyate sacarācaram
durch dessen Spielgestalten stets das Bewegliche und Unbewegliche behütet wird
tam ahaṃ śaraṇaṃ yāmi kṛṣṇaṃ brahmāṇḍanāyakam
zu ihm nehme ich meine Zuflucht, zu Kṛṣṇa, dem Herrn des Weltenbrahmāṇḍa
Abschließender Vers, formal an V.1.1 anklingend (dort ebenfalls „tam ahaṃ śaraṇaṃ yāmi“) – rahmt Paṭala 2 mit einer Zuflucht-Formel. Mit diesem Vers endet Paṭala 2 (74 Verse insgesamt, mehr als die ursprünglich angenommenen 58).