Quellen der Menschheit

Sātvata Saṃhitā

Paṭala 9: Navamaḥ Paṭalaḥ Neunter Paṭala – Warum allein Kṛṣṇa? Die Ursprungserzählung des Tantras und die Frage der Opfergewalt

Der abschließende Paṭala der Sātvata-Saṃhitā: Śiva erzählt Nārada, wie er selbst einst aus Sorge um die verirrten, andere Götter mit Tieropfer verehrenden Menschen bei Kṛṣṇa Zuflucht suchte und eine ausführliche Vision samt Hymnus erhielt (V.1-24) – darin auch Śivas eigenes Bekenntnis, die Śaiva-Āgamas so gestaltet zu haben, dass sie Kṛṣṇa verhüllt enthalten (V.6-9). Es folgt die Rahmenerzählung der Entstehung des Tantras selbst aus dem Dialog zwischen Śiva und Pārvatī sowie den übrigen Göttern, niedergeschrieben von Gaṇeśa (V.25-31). Den zweiten Teil bildet Nāradas Frage nach dem Widerspruch zwischen dem im Tantra gelehrten Gewaltverbot und der vedisch vorgeschriebenen Opfertötung, sowie Śivas ausführliche Antwort über pravṛtti- und nivṛtti-Handeln, die bloß erlaubende (nicht gebietende) Natur der Opfergewalt-Vorschrift, und die besondere Gewaltlosigkeit der Viṣṇu-Verehrer (V.32-50). Ein zusammenfassender Rückblick auf den gesamten Inhalt der Sātvata-Saṃhitā (V.51-56) und ein abschließender Hymnus auf den bloßen Namen (V.57) beschließen das gesamte Werk.

śrīnārada uvāca / iyān guṇo 'sti deveśa bhagavatpādasevane / kuto bhajanti manujo anyadevaṃ kim icchayā //

Śrī Nārada sprach: Wenn ein solcher Vorzug im Dienst an den Füßen des Erhabenen liegt, o Gott der Götter, warum verehren dann die Menschen aus welchem Wunsch heraus überhaupt noch einen anderen Gott?

Wort für Wort
śrī-nārada uvāca
Śrī Nārada sprach
iyān guṇo 'sti deveśa
wenn ein solcher Vorzug besteht, o Gott der Götter
bhagavatpādasevane
im Dienst an den Füßen des Erhabenen
kuto bhajanti manujo anyadevaṃ kim icchayā
warum verehren die Menschen aus welchem Wunsch einen anderen Gott

śrīśiva uvāca / yadādisatye viprendra narā viṣṇuparāyaṇāḥ / na yajanti vinā viṣṇum anyadevaṃ kathaṃcana //

Śrī Śiva sprach: Als im Zeitalter der Ur-Wahrheit (Satya-Yuga), o Fürst der Brahmanen, die Menschen ganz auf Viṣṇu ausgerichtet waren, verehrten sie außer Viṣṇu auf keine Weise irgendeinen anderen Gott.

Wort für Wort
śrī-śiva uvāca
Śrī Śiva sprach
yadā ādisatye viprendra
als im Ur-Zeitalter der Wahrheit, o Fürst der Brahmanen
narā viṣṇuparāyaṇāḥ
die auf Viṣṇu ausgerichteten Menschen
na yajanti vinā viṣṇum anyadevaṃ kathaṃcana
verehrten außer Viṣṇu auf keine Weise einen anderen Gott

tadātmapūjāprāptyarthaṃ sarvadevamayaṃ ca vai / pūjayāmo hṛṣīkeśaṃ kāyavāṅmanasā dvija //

Da sprachen die Götter: 'Zum Zweck des Erlangens der Verehrung unser selbst verehren wir doch Hṛṣīkeśa, der alle Götter in sich enthält, mit Leib, Rede und Geist, o Zweifachgeborener.'

Wort für Wort
tadā ātmapūjāprāptyartham
da, zum Zweck des Erlangens der eigenen Verehrung
sarvadevamayaṃ ca vai
der alle Götter enthält
pūjayāmo hṛṣīkeśam
verehren wir Hṛṣīkeśa
kāyavāṅmanasā dvija
mit Leib, Rede und Geist, o Zweifachgeborener

[Anm.: Sprecher hier die Götter, in Śivas Erzählung eingebettet.]

tadā tuṣṭo vibhuḥ prāha devadevo rameśvaraḥ / avatīrya yajiṣyāmi yuṣmāṃl lokāṃś ca yājayan //

Da sprach zufrieden der Alldurchdringende, der Gott der Götter, der Herr der Ramā (Lakṣmī): 'Ich werde herabsteigen und opfern, indem ich euch und die Welten zum Opfern veranlasse.'

Wort für Wort
tadā tuṣṭo vibhuḥ prāha
da sprach zufrieden der Alldurchdringende
devadevo rameśvaraḥ
der Gott der Götter, der Herr der Ramā
avatīrya yajiṣyāmi
herabgestiegen werde ich opfern
yuṣmāṃl lokāṃś ca yājayan
indem ich euch und die Welten zum Opfern veranlasse

tataḥ sarve janā yuṣmān yajiṣyanti samāhitāḥ / anena pūjā yuṣmākaṃ bhaviṣyati sukhāvahā //

'Dann werden alle Menschen euch mit gesammeltem Sinn verehren; dadurch wird eure Verehrung wohltuend werden.'

Wort für Wort
tataḥ sarve janā yuṣmān yajiṣyanti samāhitāḥ
dann werden alle Menschen euch mit gesammeltem Sinn verehren
anena pūjā yuṣmākaṃ bhaviṣyati sukhāvahā
dadurch wird eure Verehrung wohltuend werden

ahaṃ coktaḥ pṛthak tena śrīnivāsena brāhmaṇa / kalpitair āgamair nityaṃ māṃ gopāya maheśvara //

Und mir wurde von ihm, dem Śrīnivāsa (Viṣṇu), gesondert gesagt, o Brahmane: 'Bewahre mich stets durch die von dir ersonnenen Āgamas, o großer Herr.'

Wort für Wort
ahaṃ ca uktaḥ pṛthak tena śrīnivāsena
und mir wurde von ihm, dem Śrīnivāsa, gesondert gesagt
brāhmaṇa
o Brahmane
kalpitair āgamair nityaṃ māṃ gopāya maheśvara
bewahre mich stets durch die ersonnenen Āgamas, o großer Herr

madavajñāpāpaharaṃ nāmnāṃ sahasram uttamam / paṭhiṣyasi sadā bhadraṃ prārthitena mayā punaḥ //

'Das die Sünde der Geringschätzung meiner nehmende, vortreffliche Tausend-Namen-Verzeichnis wirst du stets lesen, zum Heil, wie ich dich wiederum gebeten habe.'

Wort für Wort
madavajñāpāpaharam
das die Sünde der Geringschätzung meiner nehmende
nāmnāṃ sahasram uttamam
das vortreffliche Tausend-Namen
paṭhiṣyasi sadā bhadram
wirst du stets lesen, zum Heil
prārthitena mayā punaḥ
wie ich dich wiederum gebeten habe

tato me hy āgamaiḥ kṛṣṇam ācchādya na tu devatāḥ / yantrair mantraiś ca tantraiś ca darśitāḥ phaladā dvija //

Daraufhin wurden von mir, indem ich Kṛṣṇa durch die Āgamas verhüllte, nicht aber die anderen Gottheiten, mittels Ritualdiagrammen, Mantras und Verehrungsweisen die fruchtgewährenden (Gottheiten) gezeigt, o Zweifachgeborener.

Wort für Wort
tato me hi āgamaiḥ kṛṣṇam ācchādya
daraufhin wurde von mir, indem ich Kṛṣṇa durch die Āgamas verhüllte
na tu devatāḥ
nicht aber die Gottheiten
yantrair mantraiś ca tantraiś ca
mittels Diagrammen, Mantras und Verehrungsweisen
darśitāḥ phaladā dvija
gezeigt, die fruchtgewährenden, o Zweifachgeborener

[Anm.: Śiva erklärt, die Śaiva-/Śākta-Āgamas so gestaltet zu haben, dass sie Kṛṣṇa verhüllt enthalten, während oberflächlich andere Gottheiten im Zentrum stehen.]

tair āgamair mandadhiyā hitvā kṛṣṇaṃ jagadgurum / bhajanti devatā anyā balidānena nityaśaḥ //

Durch jene Āgamas verehren die Schwachsinnigen, nachdem sie Kṛṣṇa, den Weltenlehrer, verlassen haben, ständig andere Gottheiten mit Tieropfer.

Wort für Wort
tair āgamair mandadhiyā
durch jene Āgamas die Schwachsinnigen
hitvā kṛṣṇaṃ jagadgurum
nachdem sie Kṛṣṇa, den Weltenlehrer, verlassen haben
bhajanti devatā anyā
verehren andere Gottheiten
balidānena nityaśaḥ
mit Tieropfer ständig

nānā devān samārādhya nānākāmasukhecchayā / bhogāvasāne te yānti narakaṃ svatamomayam //

Nachdem sie verschiedene Götter aus dem Wunsch nach mancherlei Lust und Glück verehrt haben, gehen sie am Ende des Genusses in ihre eigene, aus Finsternis bestehende Hölle ein.

Wort für Wort
nānā devān samārādhya
nachdem sie verschiedene Götter verehrt haben
nānākāmasukhecchayā
aus dem Wunsch nach mancherlei Lust und Glück
bhogāvasāne te yānti
am Ende des Genusses gehen sie
narakaṃ svatamomayam
in ihre eigene, aus Finsternis bestehende Hölle

dṛṣṭvā tathāvidhāṃ lokān pāpāśaṅkitamānasaḥ / gato 'haṃ vāsudevasya caraṇe śaraṇaṃ dvija //

Als ich solcherart beschaffene Menschen sah, wurde mein Sinn von der Furcht vor Sünde ergriffen, und ich nahm, o Zweifachgeborener, Zuflucht bei den Füßen des Vāsudeva.

Wort für Wort
dṛṣṭvā tathāvidhāṃ lokān
als ich solcherart beschaffene Welten (Menschen) sah
pāpāśaṅkitamānasaḥ
mit von der Furcht vor Sünde ergriffenem Sinn
gato 'haṃ vāsudevasya caraṇe śaraṇaṃ
nahm ich Zuflucht bei den Füßen des Vāsudeva
dvija
o Zweifachgeborener

stutiṃ ca cakre praṇataḥ praśrayānatakaṃdharaḥ / samāhitamanā vipra prāñjaliḥ puruṣottamam //

Und ich verneigte mich und verfasste ein Lobpreis, den Nacken in Ehrerbietung gesenkt, mit gesammeltem Sinn, o Brahmane, die Hände gefaltet, an den höchsten Geist gerichtet:

Wort für Wort
stutiṃ ca cakre praṇataḥ
und ich verfasste, mich verneigend, ein Lobpreis
praśrayānatakaṃdharaḥ
den Nacken in Ehrerbietung gesenkt
samāhitamanā vipra
mit gesammeltem Sinn, o Brahmane
prāñjaliḥ puruṣottamam
die Hände gefaltet, an den höchsten Geist

oṃ namo 'stu kṛṣṇāya vikuṇṭhavedhase tvatpādalīlāśrayajīvabandhave / sadāptakāmāya mahārthahetave vijñānavidyānidhaye svayambhuve //

Oṃ, Verehrung sei Kṛṣṇa, dem ungetrübten Schöpfer, dem Verwandten der Lebewesen, die spielerisch Zuflucht bei deinen Füßen suchen, dem stets seine Wünsche Erlangten, der Ursache des großen Zwecks, dem Schatz von Erkenntnis und Wissen, dem Selbstentstandenen.

Wort für Wort
oṃ namo 'stu kṛṣṇāya
Oṃ, Verehrung sei Kṛṣṇa
vikuṇṭhavedhase
dem ungetrübten Schöpfer
tvatpādalīlāśrayajīvabandhave
dem Verwandten der Lebewesen, die spielerisch Zuflucht bei deinen Füßen suchen
sadāptakāmāya mahārthahetave
dem stets seine Wünsche Erlangten, der Ursache des großen Zwecks
vijñānavidyānidhaye svayambhuve
dem Schatz von Erkenntnis und Wissen, dem Selbstentstandenen

eko 'si sṛṣṭeḥ purato laye tathā yugādikāle ca vidāṃ samakṣataḥ / anyatra nānātanubhir virājate tasmā anantācaritāya te namaḥ //

Du bist einer vor der Schöpfung, ebenso bei der Auflösung und zu Beginn eines jeden Zeitalters, den Wissenden unmittelbar gegenwärtig; anderswo erstrahlst du in vielfältigen Körpern – darum sei dir, dessen Wirken unendlich ist, Verehrung.

Wort für Wort
eko 'si sṛṣṭeḥ purato laye
du bist einer vor der Schöpfung, bei der Auflösung
tathā yugādikāle ca vidāṃ samakṣataḥ
ebenso zu Beginn des Zeitalters, den Wissenden gegenwärtig
anyatra nānātanubhir virājate
anderswo erstrahlst du in vielfältigen Körpern
tasmā anantācaritāya te namaḥ
darum sei dir, dessen Wirken unendlich ist, Verehrung

pradhānakālāśayakarmasākṣiṇe tatsaṃgrahāpāravihārakāriṇe / kṛṣṇāya nānātanum īyuṣe same kṛtānurāgāya namo namas te //

Dem Zeugen der Urmaterie, der Zeit, der karmischen Neigung und des Handelns; dem Bewirker eines grenzenlosen Spiels bei deren Zusammenfassung; Kṛṣṇa, der zu vielfältigen Körpern gelangt, dem Gleichmütigen, der dennoch Zuneigung übt – Verehrung, immer wieder Verehrung sei dir.

Wort für Wort
pradhānakālāśayakarmasākṣiṇe
dem Zeugen von Urmaterie, Zeit, Neigung und Handeln
tatsaṃgrahāpāravihārakāriṇe
dem Bewirker eines grenzenlosen Spiels bei deren Zusammenfassung
kṛṣṇāya nānātanum īyuṣe
Kṛṣṇa, der zu vielfältigen Körpern gelangt
same kṛtānurāgāya namo namas te
dem Gleichmütigen, der Zuneigung übt, Verehrung, immer wieder Verehrung sei dir

śṛṇvanti gāyanti gṛṇanti ye yaśo jagatpavitraṃ jagadīśitus tava / te 'nyaṃ na paśyanti sukhāya hy ātmano vinā bhavatpādaniṣevaṇād bahiḥ //

Die, welche deinen die Welt reinigenden Ruhm hören, singen und aussprechen, du Herrscher der Welt – sie sehen zu ihrer eigenen Wonne nichts anderes außerhalb des Dienstes an deinen Füßen.

Wort für Wort
śṛṇvanti gāyanti gṛṇanti ye
die hören, singen und aussprechen, welche
yaśo jagatpavitraṃ jagadīśitus tava
deinen die Welt reinigenden Ruhm, du Herrscher der Welt
te 'nyaṃ na paśyanti sukhāya hy ātmanaḥ
sie sehen zu ihrer eigenen Wonne nichts anderes
vinā bhavatpādaniṣevaṇād bahiḥ
außerhalb des Dienstes an deinen Füßen

niṣkiṃcanā ye tava pādasaṃśrayāḥ puṣṇanti te tat sukham ātmasambhavam / jānanti tattvena vidus tataḥ parāḥ kāmaiḥ samākṛṣṭadhiyo vicakṣaṇāḥ //

Die, welche besitzlos bei deinen Füßen Zuflucht genommen haben, nähren jene aus dem Selbst entstandene Wonne; sie erkennen sie der Wahrheit nach, und die Weisen kennen sie darüber hinaus noch tiefer, mögen ihre Sinne auch von Wünschen angezogen werden.

Wort für Wort
niṣkiṃcanā ye tava pādasaṃśrayāḥ
die, welche besitzlos bei deinen Füßen Zuflucht genommen haben
puṣṇanti te tat sukham ātmasambhavam
nähren jene aus dem Selbst entstandene Wonne
jānanti tattvena vidus tataḥ parāḥ
sie erkennen sie der Wahrheit nach, die Weisen darüber hinaus
kāmaiḥ samākṛṣṭadhiyo vicakṣaṇāḥ
die Weisen, deren Sinn von Wünschen angezogen wird

[Anm.: Vers philosophisch dicht, genaue Pointe des zweiten Halbverses unsicher.]

ahaṃ tu sākṣāt tava pādapaṅkajaṃ nityaṃ bhajāno 'pi pṛthaṅmatir vibho / purātmamānaṃ pracikīrṣur ātmanaḥ sakāśato 'py adya malaṃ nikṛntayan //

Ich aber, obwohl ich unmittelbar stets deinen Lotosfuß verehre, o Alldurchdringender, war dennoch andersartigen Sinnes – da ich früher meinen eigenen Ruhm zu erlangen suchte; heute aber schneide ich, sogar von deiner Gegenwart aus, den eigenen Makel ab.

Wort für Wort
ahaṃ tu sākṣāt tava pādapaṅkajaṃ nityaṃ bhajāno 'pi
ich aber, obwohl ich unmittelbar stets deinen Lotosfuß verehre
pṛthaṅmatir vibho
war andersartigen Sinnes, o Alldurchdringender
purātmamānaṃ pracikīrṣur ātmanaḥ
da ich früher meinen eigenen Ruhm zu erlangen suchte
sakāśato 'py adya malaṃ nikṛntayan
heute aber, sogar von deiner Gegenwart aus, den Makel abschneidend

athāpi te deva padāmbujadvayaṃ nikāmalābhāya sadāstu me hareḥ / yac cintanāt sarvamano'nukūlāt siddhir bhavaty eva kimu prakīrtanāt //

Dennoch, o Gott, sei mir dein Lotosfuß-Paar stets zum vollständigen Erlangen bestimmt, o Hari – durch dessen Gedenken, das allem Sinnen zuträglich ist, entsteht ja schon Vollkommenheit, wie viel mehr erst durch dessen Preisen!

Wort für Wort
athāpi te deva padāmbujadvayaṃ
dennoch, o Gott, dein Lotosfuß-Paar
nikāmalābhāya sadāstu me hareḥ
sei mir stets zum vollständigen Erlangen, o Hari
yac cintanāt sarvamano'nukūlāt
durch dessen Gedenken, das allem Sinnen zuträglich ist
siddhir bhavaty eva kimu prakīrtanāt
entsteht schon Vollkommenheit, wie viel mehr durch das Preisen

iti me saṃstutiṃ jñātvā bhagavān praṇatārtihā / mamākṣigocaraṃ rūpam akarot sa dayāparaḥ //

Nachdem der Erhabene, der die Not der sich Verneigenden nimmt, mein Lobpreis solcherart erkannt hatte, machte er, dem Mitleid ergeben, seine Gestalt für meine Augen sichtbar.

Wort für Wort
iti me saṃstutiṃ jñātvā
nachdem er mein Lobpreis solcherart erkannt hatte
bhagavān praṇatārtihā
der Erhabene, der die Not der sich Verneigenden nimmt
mamākṣigocaraṃ rūpam akarot
machte er seine Gestalt für meine Augen sichtbar
sa dayāparaḥ
er, dem Mitleid ergeben

sāndrānandamahendranīlamaṇivad dehodgataprollasatsvarṇair mauliṣu hārakuṇḍalayugaiḥ keyūrakāñcyaṅgadaiḥ / mañjīrair vilasatpiśaṅgavalayaṃ lakṣmyāṅkitaṃ śāśvatam sarveśaṃ karuṇākaraṃ suravarair bhaktaiḥ samāsevitam //

Ich sah ihn: dicht wie von Wonne durchdrungen wie ein großer Saphir, aus dessen Leib strahlendes Gold an der Krone hervortritt, mit Halskette und Ohrringpaar, mit Armreifen, Gürtel und Oberarmspangen, mit Fußglöckchen und glänzenden gelbbraunen Armreifen geschmückt, von Lakṣmī gezeichnet, den ewigen Allherrscher, den Mitleidsquell, von den besten Göttern und Hingebungsvollen zusammen verehrt.

Wort für Wort
sāndrānandamahendranīlamaṇivat
dicht wie von Wonne durchdrungen, wie ein großer Saphir
dehodgataprollasatsvarṇair mauliṣu
mit an der Krone aus dem Leib hervortretendem, strahlendem Gold
hārakuṇḍalayugaiḥ keyūrakāñcyaṅgadaiḥ
mit Halskette und Ohrringpaar, Armreifen, Gürtel und Oberarmspangen
mañjīrair vilasatpiśaṅgavalayam
mit Fußglöckchen, glänzenden gelbbraunen Armreifen
lakṣmyāṅkitaṃ śāśvatam sarveśaṃ karuṇākaraṃ
von Lakṣmī gezeichnet, den ewigen Allherrscher, den Mitleidsquell
suravarair bhaktaiḥ samāsevitam
von den besten Göttern und Hingebungsvollen verehrt

dṛṣṭvā tatpadapaṅkajaṃ hṛdi dadhe govindadāmodaraśrīkṛṣṇeti mukhair vadan trijagato bhartur mudāhaṃ tadā / netrair nirjharavāripūram iva me gātre ca harṣas tato vāṇyāṃ gadgadatāṃ vilokya bhagavān mām āha bhaktapriyaḥ //

Als ich seinen Lotosfuß erblickte, barg ich ihn im Herzen; 'Govinda, Dāmodara, Śrī Kṛṣṇa!' mit dem Mund sprechend, in Freude über den Herrn der drei Welten, da flossen mir aus den Augen wie eine Sturzbach-Wasserflut Tränen, und am Leib entstand Wonneschauer; als der Erhabene, der den Hingebungsvollen lieb ist, dann mein Stammeln in der Stimme wahrnahm, sprach er zu mir:

Wort für Wort
dṛṣṭvā tatpadapaṅkajaṃ hṛdi dadhe
als ich seinen Lotosfuß erblickte, barg ich ihn im Herzen
govindadāmodaraśrīkṛṣṇeti mukhair vadan
'Govinda, Dāmodara, Śrī Kṛṣṇa' mit dem Mund sprechend
trijagato bhartur mudā ahaṃ tadā
in Freude über den Herrn der drei Welten, da ich
netrair nirjharavāripūram iva me gātre ca harṣaḥ
aus den Augen wie eine Sturzbach-Wasserflut, und am Leib Wonneschauer
tato vāṇyāṃ gadgadatāṃ vilokya
als er dann das Stammeln in der Stimme wahrnahm
bhagavān mām āha bhaktapriyaḥ
sprach der Erhabene, dem die Hingebungsvollen lieb sind, zu mir

jñatāṃ me suravarya vāñchitatarāṃ madbhaktasaṅgāvaliṃ tat te 'haṃ pravadāmi te karuṇayā bhaktāya sākaṃ varaiḥ / mallīlāṃ gadato bhaviṣyati bhavatsarve janā vaiṣṇavāḥ / bhāryā cāpi tayānukūlasukhadā bhaktāgraṇīr me bhavān //

'Erkenne, o Bester der Götter, die sehr erwünschte Reihe der Gemeinschaft mit meinen Hingebungsvollen; dies verkünde ich dir mit Mitleid, dem Hingebungsvollen, zusammen mit Gaben: wer mein Spiel erzählt – alle Menschen an deinem Ort werden zu Viṣṇu-Verehrern werden; auch deine Gattin wird dir dadurch zuträgliches Glück schenken, du wirst mein bester Hingebungsvoller sein.'

Wort für Wort
jñatāṃ me suravarya vāñchitatarāṃ madbhaktasaṅgāvalim
erkenne, o Bester der Götter, die sehr erwünschte Reihe der Gemeinschaft mit meinen Hingebungsvollen
tat te 'haṃ pravadāmi te karuṇayā bhaktāya sākaṃ varaiḥ
dies verkünde ich dir mit Mitleid, dem Hingebungsvollen, zusammen mit Gaben
mallīlāṃ gadato bhaviṣyati bhavatsarve janā vaiṣṇavāḥ
dem, der mein Spiel erzählt, werden alle Menschen an seinem Ort zu Viṣṇu-Verehrern
bhāryā cāpi tayānukūlasukhadā bhaktāgraṇīr me bhavān
auch die Gattin wird zuträgliches Glück schenken, du wirst mein bester Hingebungsvoller sein

[Anm.: Vers metrisch und textlich unregelmäßig, möglicherweise verderbt; sinngemäße, unsichere Wiedergabe.]

etāvad uktvā bhagavān gato lokam alaukikam / ahaṃ ca tān varāṃl labdhvā kṛtārtho 'smi dvijarṣabha //

Nachdem der Erhabene so viel gesagt hatte, ging er in die überirdische Welt; und ich, nachdem ich jene Gaben erlangt hatte, bin erfüllten Zieles, o Stier unter den Zweifachgeborenen.

Wort für Wort
etāvad uktvā bhagavān gato lokam alaukikam
nachdem der Erhabene so viel gesagt hatte, ging er in die überirdische Welt
ahaṃ ca tān varāṃl labdhvā kṛtārtho 'smi
und ich, nachdem ich jene Gaben erlangt hatte, bin erfüllten Zieles
dvijarṣabha
o Stier unter den Zweifachgeborenen

atas tad dinam ārabhya pārvatī bhuvaneśvarī / matsaṅgād vaiṣṇavī bhūtvā mām āpṛcchat sureśvarī //

Seit jenem Tag an fragte mich Pārvatī, die Herrin der Welt, die Herrin der Götter, die durch meine Gemeinschaft zur Viṣṇu-Verehrerin geworden war,

Wort für Wort
atas tad dinam ārabhya
seit jenem Tag an
pārvatī bhuvaneśvarī
Pārvatī, die Herrin der Welt
matsaṅgād vaiṣṇavī bhūtvā
durch meine Gemeinschaft zur Viṣṇu-Verehrerin geworden
mām āpṛcchat sureśvarī
fragte mich, die Herrin der Götter

bhavān mahābhāgavataḥ kumārādyā maheśvarāḥ / kuberādyā devatāś ca nandīśādyāś ca me gaṇāḥ //

und ebenso du, der große Bhāgavata (Viṣṇu-Verehrer), die Kumāras u.a., die großen Herren, Kubera u.a. Gottheiten, und Nandin u.a., meine Gefolgsscharen,

Wort für Wort
bhavān mahābhāgavataḥ
du, der große Bhāgavata
kumārādyā maheśvarāḥ
die Kumāras u.a., die großen Herren
kuberādyā devatāś ca
Kubera u.a. Gottheiten
nandīśādyāś ca me gaṇāḥ
und Nandin u.a., meine Scharen

pṛthak pṛthag apṛcchan mā kṛṣṇapādāmbujāśrayāḥ / kathāḥ paramakalyāṇīḥ sarvalokaikapāvanīḥ //

einzeln, einzeln fragten sie mich, die bei den Lotosfüßen Kṛṣṇas Zuflucht genommen hatten, nach den höchst heilbringenden Geschichten, die die einzige Reinigung aller Welten sind.

Wort für Wort
pṛthak pṛthag apṛcchan mā
einzeln, einzeln fragten sie mich
kṛṣṇapādāmbujāśrayāḥ
die bei den Lotosfüßen Kṛṣṇas Zuflucht genommen hatten
kathāḥ paramakalyāṇīḥ
nach den höchst heilbringenden Geschichten
sarvalokaikapāvanīḥ
die die einzige Reinigung aller Welten sind

atha māṃ pṛcchatī vākyaṃ madvākyaṃ ca dvijottama / saṃlikhaty apramatto 'sau gaṇeśo matsuto 'ntike //

Und die Worte der mich Befragenden sowie meine eigenen Worte, o bester Zweifachgeborener, schrieb jener wachsame Gaṇeśa, mein Sohn, in meiner Nähe nieder.

Wort für Wort
atha māṃ pṛcchatī vākyaṃ madvākyaṃ ca
und die Worte der mich Befragenden sowie meine Worte
dvijottama
o bester Zweifachgeborener
saṃlikhaty apramatto 'sau gaṇeśo matsuto 'ntike
schrieb jener wachsame Gaṇeśa, mein Sohn, in meiner Nähe nieder

mama teṣāṃ ca saṃvādaṃ kalā lokamanoharāḥ / abhavaṃs tatra śāstrāṇi sarvalokahitāni vai //

Aus dem Dialog zwischen mir und ihnen entstanden dort die weltbezaubernden Wissenszweige – die Lehrschriften, die allen Welten zum Wohl gereichen.

Wort für Wort
mama teṣāṃ ca saṃvādaṃ
aus dem Dialog zwischen mir und ihnen
kalā lokamanoharāḥ
die weltbezaubernden Wissenszweige
abhavaṃs tatra śāstrāṇi
entstanden dort die Lehrschriften
sarvalokahitāni vai
die allen Welten zum Wohl gereichen

tāni tantrāṇi śrotāraḥ samānīya mahītale / sthāne sthāne muniśreṣṭha kathayiṣyanti bhūriśaḥ //

Diese Tantras werden die Hörer, nachdem sie sie auf die Erde gebracht haben, an Ort und Stelle, o bester der Weisen, vielfach verkünden.

Wort für Wort
tāni tantrāṇi śrotāraḥ samānīya mahītale
diese Tantras werden die Hörer, nachdem sie sie auf die Erde gebracht haben
sthāne sthāne muniśreṣṭha
an Ort und Stelle, o bester der Weisen
kathayiṣyanti bhūriśaḥ
vielfach verkünden

tvam apy enaṃ sātvatākhyaṃ tantraṃ bhagavataḥ priyam / naimiṣe śaunakādīnāṃ samakṣaṃ kathayiṣyasi //

Auch du wirst dieses Tantra namens 'Sātvata', das dem Erhabenen lieb ist, in Naimiṣa vor Śaunaka u.a. verkünden.

Wort für Wort
tvam apy enaṃ sātvatākhyaṃ tantraṃ bhagavataḥ priyam
auch du wirst dieses Tantra namens Sātvata, das dem Erhabenen lieb ist
naimiṣe śaunakādīnāṃ samakṣaṃ kathayiṣyasi
in Naimiṣa vor Śaunaka u.a. verkünden

śrīnārada uvāca / śrutaṃ bhagavato vaktrāt tantraṃ sātvatam uttamam / tasmin hiṃsāniṣedhaṃ ca śrutvā me saṃśayo 'bhavat //

Śrī Nārada sprach: Ich habe aus dem Munde des Erhabenen das vortreffliche Sātvata-Tantra gehört; und nachdem ich darin das Verbot der Gewalt gehört hatte, entstand mir ein Zweifel:

Wort für Wort
śrī-nārada uvāca
Śrī Nārada sprach
śrutaṃ bhagavato vaktrāt tantraṃ sātvatam uttamam
gehört aus dem Munde des Erhabenen das vortreffliche Sātvata-Tantra
tasmin hiṃsāniṣedhaṃ ca śrutvā
und nachdem ich darin das Verbot der Gewalt gehört hatte
me saṃśayo 'bhavat
entstand mir ein Zweifel

vedena vihitā hiṃsā paśūnāṃ yajñakarmaṇi / yajñe vadho 'vadhaś caiva vedavidbhir nirūpitaḥ //

Vom Veda ist die Tötung von Tieren im Opferwerk vorgeschrieben; im Opfer gilt das Töten zugleich als Nicht-Töten, wie es von den Vedakundigen dargelegt wird.

Wort für Wort
vedena vihitā hiṃsā paśūnāṃ yajñakarmaṇi
vom Veda ist die Tötung von Tieren im Opferwerk vorgeschrieben
yajñe vadho 'vadhaś ca eva
im Opfer gilt das Töten zugleich als Nicht-Töten
vedavidbhir nirūpitaḥ
dargelegt von den Vedakundigen

tanniṣedhe kathaṃ śrautaṃ smārtaṃ karma maheśvara / varteta sarvalokasya ihāmutraphalapradam //

Wie kann bei deren Verbot das im Veda und in der Smṛti gegründete Ritualwerk, das den Menschen hier und im Jenseits Frucht gewährt, bestehen bleiben, o großer Herr?

Wort für Wort
tanniṣedhe kathaṃ śrautaṃ smārtaṃ karma maheśvara
wie kann bei deren Verbot das vedische und smṛti-gegründete Werk, o großer Herr
varteta sarvalokasya
für alle Menschen bestehen bleiben
ihāmutraphalapradam
das hier und im Jenseits Frucht gewährt

śrīśiva uvāca / pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca dvividhaṃ karma varṇitam / śrutyā smṛtyā ca viprendra kāmyaṃ kāmijanāya vai //

Śrī Śiva sprach: Handeln wird zweifach geschildert – als hinwendendes und als abwendendes, durch Śruti und Smṛti, o Fürst der Brahmanen; das Wunsch-Handeln gilt für den Begehrenden.

Wort für Wort
śrī-śiva uvāca
Śrī Śiva sprach
pravṛttaṃ ca nivṛttaṃ ca dvividhaṃ karma varṇitam
hinwendendes und abwendendes Handeln wird zweifach geschildert
śrutyā smṛtyā ca viprendra
durch Śruti und Smṛti, o Fürst der Brahmanen
kāmyaṃ kāmijanāya vai
das Wunsch-Handeln für den Begehrenden

pravṛttam avirodhena kurvan svar yāti mānavaḥ / puṇyāvaśeṣe bhūpṛṣṭhe karmasaṃjñiṣu jāyate //

Wer das hinwendende Handeln ohne Widerspruch zur Vorschrift vollzieht, gelangt als Mensch zum Himmel; bei verbliebenem Verdienstrest wird er auf der Erdoberfläche unter den 'karma-benannten' Menschen wiedergeboren.

Wort für Wort
pravṛttam avirodhena kurvan svar yāti mānavaḥ
wer das hinwendende Handeln ohne Widerspruch vollzieht, gelangt als Mensch zum Himmel
puṇyāvaśeṣe bhūpṛṣṭhe
bei verbliebenem Verdienstrest auf der Erdoberfläche
karmasaṃjñiṣu jāyate
wird er unter den 'karma-benannten' wiedergeboren

nivṛttam ācaran yogī bhogecchātyaktamānasaḥ / prayāti paramāṃ siddhiṃ yato nāvartate gataḥ //

Der Yogin aber, der das abwendende Handeln übt, dessen Sinn den Wunsch nach Genuss aufgegeben hat, gelangt zur höchsten Vollkommenheit, von wo aus er, einmal gegangen, nicht mehr zurückkehrt.

Wort für Wort
nivṛttam ācaran yogī
der Yogin, der das abwendende Handeln übt
bhogecchātyaktamānasaḥ
dessen Sinn den Wunsch nach Genuss aufgegeben hat
prayāti paramāṃ siddhim
gelangt zur höchsten Vollkommenheit
yato na āvartate gataḥ
von wo aus er, gegangen, nicht zurückkehrt

ataḥ pravṛttiniṣṭhasya nānākāmānurāgiṇaḥ / ṣaḍvidhair niyamair viprābhyanujñaiva pradarśitā //

Daher wurde für den, der im hinwendenden Handeln gegründet ist, der mancherlei Begierde zugetan ist, durch die sechsfachen Regeln der Brahmanen eben nur eine Erlaubnis, keine Vorschrift gezeigt,

Wort für Wort
ataḥ pravṛttiniṣṭhasya nānākāmānurāgiṇaḥ
daher für den im hinwendenden Handeln Gegründeten, mancherlei Begierde Zugetanen
ṣaḍvidhair niyamair viprā
durch die sechsfachen Regeln der Brahmanen
abhyanujñā eva pradarśitā
wurde eben nur eine Erlaubnis gezeigt

vidhir naivāsti hiṃsāyām abhyanujñā yataḥ kṛtā / ato nivṛttihiṃsāyāṃ yajñe 'pi kathitā budhaiḥ //

denn eine verpflichtende Vorschrift zur Gewalt gibt es gar nicht – da nur eine Erlaubnis erteilt wurde; darum wird von den Weisen selbst beim Opfer die Enthaltung von Gewalt gelehrt.

Wort für Wort
vidhir na eva asti hiṃsāyām
eine Vorschrift zur Gewalt gibt es gar nicht
abhyanujñā yataḥ kṛtā
da nur eine Erlaubnis erteilt wurde
ato nivṛttihiṃsāyāṃ yajñe 'pi kathitā budhaiḥ
darum wird selbst beim Opfer die Enthaltung von Gewalt von den Weisen gelehrt

ahiṃsā paramo dharmaḥ sarvavarṇāśramāditaḥ / sa ca ācārato nṇām abhīṣṭaphalado bhavet //

Gewaltlosigkeit ist das höchste Dharma für alle Kasten und Lebensstände; und diese wird, durch rechten Wandel geübt, den Menschen zur Gewährerin der erwünschten Frucht.

Wort für Wort
ahiṃsā paramo dharmaḥ
Gewaltlosigkeit ist das höchste Dharma
sarvavarṇāśramāditaḥ
für alle Kasten und Lebensstände
sa ca ācārato nṛṇām
und diese wird durch Wandel den Menschen
abhīṣṭaphalado bhavet
zur Gewährerin der erwünschten Frucht

viśeṣato viṣṇubhaktā hiṃsākarma tyajanti hi / ahiṃsayā hi bhūtānāṃ bhagavān āśu tuṣyati //

Besonders die Viṣṇu-Verehrer geben das Werk der Gewalt auf; denn durch Gewaltlosigkeit gegenüber den Lebewesen wird der Erhabene rasch zufrieden.

Wort für Wort
viśeṣato viṣṇubhaktā hiṃsākarma tyajanti hi
besonders die Viṣṇu-Verehrer geben das Werk der Gewalt auf
ahiṃsayā hi bhūtānāṃ
denn durch Gewaltlosigkeit gegenüber den Lebewesen
bhagavān āśu tuṣyati
wird der Erhabene rasch zufrieden

ataḥ sarveṣu bhūteṣu bhagavān akhileśvaraḥ / praviṣṭa īyate nānārūpaiḥ sthāvarajaṅgamaiḥ //

Darum gilt: der Erhabene, der Herr über alles, ist in alle Wesen eingegangen und erscheint in den vielfältigen Gestalten der unbeweglichen und beweglichen Geschöpfe.

Wort für Wort
ataḥ sarveṣu bhūteṣu bhagavān akhileśvaraḥ
darum ist der Erhabene, der Herr über alles, in alle Wesen
praviṣṭa īyate
eingegangen und erscheint
nānārūpaiḥ sthāvarajaṅgamaiḥ
in den vielfältigen Gestalten der unbeweglichen und beweglichen Geschöpfe

mayāpi hy āgame hiṃsā vihitā yā vidhānataḥ / sāpi kāmukalokānāṃ kāmitāphalasiddhaye / viṣṇubhaktā na vāñchanti matto 'pi kiyad eva hi / atas teṣāṃ vidhāne 'pi hiṃsā nindyā prakīrtitā //

Auch die von mir selbst im Āgama vorschriftsmäßig verordnete Gewalt dient nur den nach weltlichem Genuss verlangenden Menschen zur Erlangung ihrer erwünschten Frucht; die Viṣṇu-Verehrer begehren davon auch von mir nur allenfalls ein Geringes; darum wird selbst innerhalb der für sie geltenden Vorschrift die Gewalt als tadelnswert verkündet.

Wort für Wort
mayāpi hy āgame hiṃsā vihitā yā vidhānataḥ
auch die von mir im Āgama vorschriftsmäßig verordnete Gewalt
sāpi kāmukalokānāṃ kāmitāphalasiddhaye
dient den nach Genuss verlangenden Menschen zur Erlangung ihrer Frucht
viṣṇubhaktā na vāñchanti matto 'pi kiyad eva hi
die Viṣṇu-Verehrer begehren auch von mir nur ein Geringes
atas teṣāṃ vidhāne 'pi hiṃsā nindyā prakīrtitā
darum wird selbst in der für sie geltenden Vorschrift die Gewalt als tadelnswert verkündet

atas tvaṃ kāmyakarmāṇi parityajya viśeṣataḥ / śrūyāḥ kṛṣṇakathāḥ puṇyāḥ sarvalokeṣṭasiddhidāḥ //

Darum sollst du, nachdem du die Wunsch-Handlungen besonders aufgegeben hast, die verdienstvollen Kṛṣṇa-Geschichten hören, die allen Welten die erwünschte Vollkommenheit gewähren.

Wort für Wort
atas tvaṃ kāmyakarmāṇi parityajya viśeṣataḥ
darum sollst du, nachdem du die Wunsch-Handlungen besonders aufgegeben hast
śrūyāḥ kṛṣṇakathāḥ puṇyāḥ
die verdienstvollen Kṛṣṇa-Geschichten hören
sarvalokeṣṭasiddhidāḥ
die allen Welten die erwünschte Vollkommenheit gewähren

pravṛttaśāstraṃ śṛṇuyād yac chrutvā tatparo bhavet / nivṛtte 'pi harer bhaktiyutaṃ mukhyaṃ prakīrtitam //

Man höre die Lehre des hinwendenden Handelns nur soweit, dass man danach dem abwendenden Handeln ergeben wird; als das Vorzüglichste aber wird selbst innerhalb des abwendenden Handelns die mit Hingabe zu Hari verbundene Praxis verkündet.

Wort für Wort
pravṛttaśāstraṃ śṛṇuyād yac chrutvā tatparo bhavet
man höre die Lehre des hinwendenden Handelns, wonach man ihm ergeben wird
nivṛtte 'pi harer bhaktiyutaṃ mukhyaṃ prakīrtitam
auch innerhalb des abwendenden wird die mit Hingabe verbundene Praxis als das Vorzüglichste verkündet

viśeṣataḥ kṛṣṇalīlākathā lokasumaṅgalāḥ / kīrtayasva dvijaśreṣṭha śrūyāś caiva nirantaram //

Besonders die Geschichten von Kṛṣṇas Spiel, die der Welt höchst heilbringend sind, preise, o bester Zweifachgeborener, und lass sie ununterbrochen hören.

Wort für Wort
viśeṣataḥ kṛṣṇalīlākathā lokasumaṅgalāḥ
besonders die Geschichten von Kṛṣṇas Spiel, die der Welt heilbringend sind
kīrtayasva dvijaśreṣṭha
preise, o bester Zweifachgeborener
śrūyāś caiva nirantaram
und lass sie ununterbrochen hören

hitvānyadevaśaraṇaṃ bhajanaṃ ca viśeṣataḥ / ye bhajanti hareḥ pādaṃ kṛṣṇaikaśaraṇaṃ narāḥ //

Die Menschen, die, nachdem sie die Zuflucht bei und Verehrung anderer Götter besonders aufgegeben haben, den Fuß Haris verehren, allein bei Kṛṣṇa Zuflucht nehmend,

Wort für Wort
hitvā anyadevaśaraṇaṃ bhajanaṃ ca viśeṣataḥ
nachdem sie die Zuflucht bei und Verehrung anderer Götter besonders aufgegeben haben
ye bhajanti hareḥ pādaṃ
die den Fuß Haris verehren
kṛṣṇaikaśaraṇaṃ narāḥ
die Menschen, die allein bei Kṛṣṇa Zuflucht nehmen

ihāmutra te nityaṃ kṛtārthā bhagavatpriyāḥ / paramānandasaṃdohaṃ prāpnuvanti nirantaram //

diese, hier und im Jenseits stets erfüllten Zieles, dem Erhabenen lieb, erlangen ununterbrochen die volle Fülle der höchsten Wonne.

Wort für Wort
ihāmutra te nityaṃ kṛtārthā bhagavatpriyāḥ
diese, hier und im Jenseits stets erfüllten Zieles, dem Erhabenen lieb
paramānandasaṃdohaṃ prāpnuvanti nirantaram
erlangen ununterbrochen die volle Fülle der höchsten Wonne

ye tu naivaṃvido 'śāntā mūḍhāḥ paṇḍitamāninaḥ / yajanty avirataṃ devān paśūn hatvā sukhecchayā //

Die aber, die dies nicht wissen, unruhig, verblendet, sich selbst für gelehrt haltend, unablässig Götter verehren, indem sie aus Verlangen nach Glück Tiere töten,

Wort für Wort
ye tu na evaṃvido 'śāntā mūḍhāḥ paṇḍitamāninaḥ
die aber, die dies nicht wissen, unruhig, verblendet, sich für gelehrt haltend
yajanty avirataṃ devān
unablässig Götter verehren
paśūn hatvā sukhecchayā
indem sie aus Verlangen nach Glück Tiere töten

kāmabhogāvasāne taṃ te cchetsyanti viniścitam / ity etat kathitaṃ vipra tantraṃ sātvatam uttamam //

diese werden am Ende ihres Lust-Genusses mit Gewissheit davon abgeschnitten werden. – So wurde dies, o Brahmane, verkündet: das vortreffliche Sātvata-Tantra,

Wort für Wort
kāmabhogāvasāne taṃ te cchetsyanti viniścitam
am Ende ihres Genusses werden sie davon mit Gewissheit abgeschnitten
ity etat kathitaṃ vipra
so wurde dies, o Brahmane, verkündet
tantraṃ sātvatam uttamam
das vortreffliche Sātvata-Tantra

[Anm.: 'taṃ te cchetsyanti' unsicher übersetzt – wörtlich 'sie werden ihn/es abschneiden', evtl. Bezug auf den Faden ihres Verdienstes oder Lebens.]

viṣṇubhaktajanājīvyaṃ sarvasiddhipradāyakam / śravaṇāt kīrtanād asya kṛṣṇe bhaktir hi jāyate //

das Lebensgrundlage der Viṣṇu-verehrenden Menschen ist, das alle Vollkommenheit gewährt; durch dessen Hören und Preisen entsteht Hingabe zu Kṛṣṇa.

Wort für Wort
viṣṇubhaktajanājīvyaṃ sarvasiddhipradāyakam
das Lebensgrundlage der Viṣṇu-Verehrer ist, das alle Vollkommenheit gewährt
śravaṇāt kīrtanād asya kṛṣṇe bhaktir hi jāyate
durch dessen Hören und Preisen entsteht Hingabe zu Kṛṣṇa

bhaktiṃ labdhavataḥ sādho kim anyad avaśiṣyate / yato bhagavatā proktaṃ tasya bhaktivivardhanam //

Für den, der die Hingabe erlangt hat, o Frommer, was bleibt da noch anderes übrig? Denn vom Erhabenen selbst wurde verkündet, dass dies die Hingabe zu ihm mehrt.

Wort für Wort
bhaktiṃ labdhavataḥ sādho kim anyad avaśiṣyate
für den, der die Hingabe erlangt hat, o Frommer, was bleibt noch übrig
yato bhagavatā proktaṃ tasya bhaktivivardhanam
denn vom Erhabenen wurde verkündet, dass dies dessen Hingabe mehrt

tantre 'smin kathitaṃ vipra viśvasambhavam uttamam / avatārāś ca śrīviṣṇoḥ sampūrṇāṃśakalā bhidā //

In diesem Tantra wurde, o Brahmane, die vortreffliche Entstehung des Universums verkündet, sowie die Avatāras Śrī Viṣṇus in ihrer Unterscheidung als Vollheit, Anteil und Bruchteil,

Wort für Wort
tantre 'smin kathitaṃ vipra viśvasambhavam uttamam
in diesem Tantra wurde, o Brahmane, die vortreffliche Entstehung des Universums verkündet
avatārāś ca śrīviṣṇoḥ sampūrṇāṃśakalā bhidā
sowie die Avatāras Śrī Viṣṇus in ihrer Unterscheidung als Vollheit, Anteil und Bruchteil

bhaktibhedāś ca bhedānāṃ lakṣaṇaṃ ca pṛthagvidham / yugānurūpaṃ śrīviṣṇoḥ sevayā mokṣasādhanam //

die Unterscheidungen der Hingabe und das je gesonderte Kennzeichen dieser Unterscheidungen, sowie das den Weltzeitaltern gemäße Mittel der Erlösung durch den Dienst an Śrī Viṣṇu,

Wort für Wort
bhaktibhedāś ca bhedānāṃ lakṣaṇaṃ ca pṛthagvidham
die Unterscheidungen der Hingabe und ihr gesondertes Kennzeichen
yugānurūpaṃ śrīviṣṇoḥ sevayā mokṣasādhanam
das den Weltzeitaltern gemäße Mittel der Erlösung durch den Dienst an Śrī Viṣṇu

viṣṇor nāmasahasraṃ ca nāmamāhātmyam uttamam / viṣṇor nāmnā vaiṣṇavānām aparādhasya ca niṣkṛtiḥ //

das Tausend-Namen-Verzeichnis Viṣṇus und die vortreffliche Größe des Namens, sowie die Sühne der Verfehlung der Viṣṇu-Verehrer durch den Namen Viṣṇus,

Wort für Wort
viṣṇor nāmasahasraṃ ca nāmamāhātmyam uttamam
das Tausend-Namen Viṣṇus und die vortreffliche Größe des Namens
viṣṇor nāmnā vaiṣṇavānām aparādhasya ca niṣkṛtiḥ
die Sühne der Verfehlung der Viṣṇu-Verehrer durch den Namen Viṣṇus

sarvasārarahasyaṃ ca tantrotpatteś ca kāraṇam / hiṃsāvidhiniṣedhaṃ ca tava praśnānusārataḥ //

das Geheimnis alles Wesentlichen, sowie den Ursprung dieses Tantras, und das Gebot und Verbot der Gewalt – all dies habe ich gemäß deiner Frage dargelegt.

Wort für Wort
sarvasārarahasyaṃ ca
das Geheimnis alles Wesentlichen
tantrotpatteś ca kāraṇam
und den Ursprung dieses Tantras
hiṃsāvidhiniṣedhaṃ ca
und das Gebot und Verbot der Gewalt
tava praśnānusārataḥ
gemäß deiner Frage

yan nāmaikaṃ karṇamūlaṃ praviṣṭaṃ vācānviṣṭaṃ cetanāsu smṛtaṃ vā / dagdhvā pāpaṃ śuddhasattvāt taddehaṃ kṛtvā sākṣāt saṃvidhatte 'navadyam / tasmād anantāya janārdanāya vederitānantaguṇākarāya / mahānubhāvāya nirañjanāya nityātmalābhāya namo namas te //

Dessen einziger Name, sei er nur in die Ohrwurzel eingedrungen, mit der Stimme ausgesprochen oder im Bewusstsein gedacht, verbrennt die Sünde und gestaltet, aus reinem Sattva heraus, jenen Leib unmittelbar makellos – darum sei dir, dem Endlosen, dem Janārdana, der vom Veda als Fundgrube endloser Eigenschaften verkündet wird, dem von großer Erhabenheit, dem Makellosen, dem stets sein eigenes Selbst Erlangenden, Verehrung, immer wieder Verehrung!

Wort für Wort
yan nāmaikaṃ karṇamūlaṃ praviṣṭaṃ
dessen einziger Name, sei er in die Ohrwurzel eingedrungen
vācānviṣṭaṃ cetanāsu smṛtaṃ vā
mit der Stimme ausgesprochen oder im Bewusstsein gedacht
dagdhvā pāpaṃ śuddhasattvāt taddehaṃ kṛtvā sākṣāt saṃvidhatte 'navadyam
verbrennt die Sünde und gestaltet jenen Leib aus reinem Sattva unmittelbar makellos
tasmād anantāya janārdanāya
darum dem Endlosen, dem Janārdana
vederitānantaguṇākarāya
der vom Veda als Fundgrube endloser Eigenschaften verkündet wird
mahānubhāvāya nirañjanāya nityātmalābhāya namo namas te
dem von großer Erhabenheit, dem Makellosen, dem stets sein Selbst Erlangenden, Verehrung, immer wieder Verehrung

[Anm.: Schlusshymnus der gesamten Sātvata-Saṃhitā (Kolophon im Quelltext nicht mehr ausgeschrieben, Werk endet mit diesem Vers).]

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