Quellen der Menschheit

Sātvata Saṃhitā

Paṭala 8: Aṣṭamaḥ Paṭalaḥ Achter Paṭala – Das Geheimnis fester Hingabe: ausschließliche Kṛṣṇa-Verehrung und die Gemeinschaft der Hingebungsvollen

Śiva verkündet Nārada das 'Geheimnis' (rahasya) fester Hingabe: Aufgabe der Verehrung anderer Gottheiten und des Tieropfers zugunsten der ausschließlichen Kṛṣṇa-Verehrung (V.1-23), tägliche Praxis von Hören, Aussprechen und Gedenken des Namens (V.24-25), und – als zentrales Thema des Kapitels – die überragende Bedeutung der Gemeinschaft mit Hingebungsvollen (vaiṣṇava-saṅga, bhakta-saṅga) als notwendige Voraussetzung jeder spirituellen Vollkommenheit, wichtiger noch als Entsagung oder Wissen (V.26-38).

śrīśiva uvāca / atha te sampravakṣyāmi rahasyaṃ hy etad uttamam / yac chraddhayā tu tiṣṭhan vai harau bhaktir dṛḍhā bhavet //

Śrī Śiva sprach: Nun will ich dir dieses vortreffliche Geheimnis verkünden, durch das, wenn man mit Glauben darin verharrt, die Hingabe zu Hari fest wird:

Wort für Wort
śrī-śiva uvāca
Śrī Śiva sprach
atha te sampravakṣyāmi
nun will ich dir verkünden
rahasyaṃ hy etad uttamam
dieses vortreffliche Geheimnis
yac chraddhayā tu tiṣṭhan vai
durch das, wenn man mit Glauben darin verharrt
harau bhaktir dṛḍhā bhavet
wird die Hingabe zu Hari fest

deve tīrthe ca dharme ca viśvāsaṃ tāpatāraṇāt / taddhitvā kṛṣṇapādāmbuśaraṇaṃ praviśen mudā //

Das Vertrauen auf andere Gottheit, Pilgerstätte und rituelles Dharma zur Überwindung der Daseinsqual – dieses aufgebend, trete man mit Freude in die Zuflucht der Lotosfüße Kṛṣṇas ein.

Wort für Wort
deve tīrthe ca dharme ca
auf Gottheit, Pilgerstätte und Dharma
viśvāsaṃ tāpatāraṇāt
das Vertrauen zur Überwindung der Qual
taddhitvā
dieses aufgebend
kṛṣṇapādāmbuśaraṇaṃ praviśen mudā
trete man mit Freude in die Zuflucht der Lotosfüße Kṛṣṇas ein

śaraṇaṃ me jagannāthaḥ śrīkṛṣṇaḥ puruṣottamaḥ / tannāmni svagurau caiva brūyād etat samāhitaḥ //

'Meine Zuflucht ist der Weltenherr, Śrī Kṛṣṇa, der höchste Geist' – dies spreche man mit gesammeltem Sinn, im Namen jenes Kṛṣṇa wie auch vor dem eigenen Lehrer.

Wort für Wort
śaraṇaṃ me jagannāthaḥ
meine Zuflucht ist der Weltenherr
śrīkṛṣṇaḥ puruṣottamaḥ
Śrī Kṛṣṇa, der höchste Geist
tannāmni svagurau ca eva
in dessen Namen wie auch vor dem eigenen Lehrer
brūyād etat samāhitaḥ
spreche man dies mit gesammeltem Sinn

hitvānyadevatāpūjāṃ balidānādinā dvija / ekam eva yajet kṛṣṇaṃ sarvadevamayaṃ dhiyā //

Nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten mit Tieropfer u.ä. aufgegeben hat, o Zweifachgeborener, verehre man allein Kṛṣṇa, der im Sinn alle Götter in sich enthält.

Wort für Wort
hitvā anyadevatāpūjām
nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten aufgegeben hat
balidānādinā dvija
mit Tieropfer u.ä., o Zweifachgeborener
ekam eva yajet kṛṣṇam
verehre man allein Kṛṣṇa
sarvadevamayaṃ dhiyā
der im Sinn alle Götter enthält

nityaṃ naimitakaṃ kāryaṃ tathāvaśyakam eva ca / gṛhāśramī viṣṇubhaktaḥ kuryāt kṛṣṇaṃ dhiyā smaran //

Die täglichen, die gelegentlichen und ebenso die unumgänglichen rituellen Pflichten vollziehe der Hausvater, der Viṣṇu-Verehrer ist, indem er im Sinn stets Kṛṣṇas gedenkt.

Wort für Wort
nityaṃ naimitakaṃ kāryam
die täglichen, gelegentlichen Pflichten
tathā avaśyakam eva ca
und ebenso die unumgänglichen
gṛhāśramī viṣṇubhaktaḥ kuryāt
vollziehe der Hausvater, der Viṣṇu-Verehrer
kṛṣṇaṃ dhiyā smaran
indem er im Sinn Kṛṣṇas gedenkt

eteṣu cānyadevānāṃ yā pūjā vidhinā smṛtā / sāpi kṛṣṇārcanāt paścāt kriyeta hṛdi taṃ smaran //

Und die bei diesen Pflichten überlieferte, vorschriftsmäßige Verehrung anderer Götter vollziehe man auch nach der Kṛṣṇa-Verehrung, indem man ihn im Herzen gedenkt,

Wort für Wort
eteṣu ca anyadevānāṃ yā pūjā vidhinā smṛtā
und die bei diesen überlieferte, vorschriftsmäßige Verehrung anderer Götter
sāpi kṛṣṇārcanāt paścāt kriyeta
vollziehe man auch nach der Kṛṣṇa-Verehrung
hṛdi taṃ smaran
indem man ihn im Herzen gedenkt

anyadā tv anyadevānāṃ pṛthakpūjāṃ na ca smaret / kāmyaṃ niṣiddhaṃ ca tathā naiva kuryāt kadācana //

zu anderer Zeit aber gedenke man nicht einer gesonderten Verehrung anderer Götter; ebenso vollziehe man niemals eine rein wunscherfüllungsorientierte oder verbotene Handlung.

Wort für Wort
anyadā tu anyadevānāṃ pṛthakpūjāṃ na ca smaret
zu anderer Zeit aber gedenke man nicht einer gesonderten Verehrung anderer Götter
kāmyaṃ niṣiddhaṃ ca tathā
eine wunschgebundene oder verbotene Handlung ebenso
na eva kuryāt kadācana
vollziehe man niemals

kalatraputramitrādīn hitvā kṛṣṇaṃ samāśritāḥ / harikīrtiratā ye ca teṣāṃ kṛtyaṃ na vidyate //

Wer Gattin, Sohn, Freunde u.ä. aufgegeben hat und bei Kṛṣṇa Zuflucht genommen hat, wer dem Preisen Haris ergeben ist – für diese gibt es keine weitere zu erfüllende Handlung mehr.

Wort für Wort
kalatraputramitrādīn hitvā
nachdem man Gattin, Sohn, Freunde u.ä. aufgegeben hat
kṛṣṇaṃ samāśritāḥ
die bei Kṛṣṇa Zuflucht genommen haben
harikīrtiratā ye ca
und die dem Preisen Haris ergeben sind
teṣāṃ kṛtyaṃ na vidyate
für diese gibt es keine (weitere) Pflichthandlung

kṛtvānyadevatāpūjāṃ sakāmāṃ balinā dvija / bhaktibhraṣṭo bhaved āśu saṃsārān na nivartate //

Wer die Verehrung anderer Gottheiten mit Wunschbegehren und Tieropfer vollzieht, o Zweifachgeborener, verfällt rasch aus der Hingabe und kehrt nicht aus dem Daseinskreislauf zurück.

Wort für Wort
kṛtvā anyadevatāpūjāṃ sakāmām
wer die Verehrung anderer Gottheiten mit Begehren vollzieht
balinā dvija
mit Tieropfer, o Zweifachgeborener
bhaktibhraṣṭo bhaved āśu
verfällt rasch aus der Hingabe
saṃsārān na nivartate
und kehrt aus dem Daseinskreislauf nicht zurück

kāmātmā niranukrośaḥ paśughātaṃ samācaran / paśulomasamaṃ varṣaṃ narake paripacyate //

Wer, von Begehren beseelt und ohne Mitleid, die Tötung eines Tieres vollzieht, wird für so viele Jahre in der Hölle gebraten, wie das Tier Haare hat.

Wort für Wort
kāmātmā niranukrośaḥ
von Begehren beseelt, ohne Mitleid
paśughātaṃ samācaran
der die Tötung eines Tieres vollzieht
paśulomasamaṃ varṣam
so viele Jahre, wie das Tier Haare hat
narake paripacyate
wird er in der Hölle gebraten

yajñe paśor ālabhane naiva doṣo 'sti yad vacaḥ / api pravṛttī rāgiṇāṃ nivṛttis tu garīyasī //

Dass es beim Opfertöten eines Tieres im vorgeschriebenen Opfer keine Schuld gebe – dieses Wort gilt zwar für die dem Handeln Zugeneigten; die Enthaltung aber ist erhabener.

Wort für Wort
yajñe paśor ālabhane
beim Opfertöten eines Tieres im Opfer
na eva doṣo 'sti yad vacaḥ
dass es keine Schuld gebe – dieses Wort
api pravṛttī rāgiṇām
gilt zwar für die dem Handeln Zugeneigten
nivṛttis tu garīyasī
die Enthaltung aber ist erhabener

kṛtvānyadevatāpūjāṃ paśuṃ hitvā narādhamāḥ / yadi te svargatiṃ yānti narakaṃ yānti ke tadā //

Wenn sogar die niedrigsten Menschen, die die Verehrung anderer Gottheiten unter Verzicht auf das Opfertier vollziehen, zum Himmel gelangen – wer gelangt dann überhaupt noch zur Hölle?

Wort für Wort
kṛtvā anyadevatāpūjām
die die Verehrung anderer Gottheiten vollziehen
paśuṃ hitvā narādhamāḥ
unter Verzicht auf das Tier, die niedrigsten Menschen
yadi te svargatiṃ yānti
wenn diese zum Himmel gelangen
narakaṃ yānti ke tadā
wer gelangt dann zur Hölle

[Anm.: rhetorischer Vers, dessen genaue argumentative Pointe unsicher bleibt.]

sa māṃ punar bhakṣayitā yasya māṃsam adāmy aham / iti māṃsaniruktaṃ vai varṇayanti manīṣiṇaḥ //

'Der wird mich dereinst wieder verzehren, dessen Fleisch ich jetzt esse' – so erklären die Weisen die Deutung des Wortes 'māṃsa' (Fleisch).

Wort für Wort
sa māṃ punar bhakṣayitā
der wird mich wiederum verzehren
yasya māṃsam adāmi aham
dessen Fleisch ich esse
iti māṃsaniruktaṃ vai
so lautet die Worterklärung von 'māṃsa'
varṇayanti manīṣiṇaḥ
erklären die Weisen

[Anm.: volksetymologisches Wortspiel māṃsa = mām ('mich') + sa ('er').]

viṣṇubhaktiṃ samāśritya paśughātaṃ samācaran / kṛtvānyadevatāpūjāṃ bhraṣṭo bhavati niścitam //

Wer sich der Viṣṇu-Hingabe angeschlossen hat und dennoch Tiertötung vollzieht und die Verehrung anderer Gottheiten übt, verfällt gewiss aus der Hingabe.

Wort für Wort
viṣṇubhaktiṃ samāśritya
nachdem er sich der Viṣṇu-Hingabe angeschlossen hat
paśughātaṃ samācaran
der Tiertötung vollzieht
kṛtvā anyadevatāpūjām
und die Verehrung anderer Gottheiten übt
bhraṣṭo bhavati niścitam
verfällt gewiss

mānuṣyaṃ prāpya ye jīvā na bhajanti hareḥ padam / te śocyā sthāvarādīnām apy ekaśaraṇā yadi //

Die Wesen, die das Menschsein erlangt haben und dennoch nicht die Füße Haris verehren, sind zu bedauern, mögen sie auch für unbewegliche Wesen u.ä. die einzige Zuflucht sein.

Wort für Wort
mānuṣyaṃ prāpya ye jīvāḥ
die Wesen, die das Menschsein erlangt haben
na bhajanti hareḥ padam
und die Füße Haris nicht verehren
te śocyāḥ
diese sind zu bedauern
sthāvarādīnām apy ekaśaraṇā yadi
mögen sie auch die einzige Zuflucht für unbewegliche Wesen u.ä. sein

[Anm.: genaue Pointe des zweiten Halbverses unsicher.]

ahaṃ brahmā surendrāś ca ye bhajāmo divāniśam / tato 'dhiko 'sti ko devaḥ śrīkṛṣṇāt puruṣottamāt //

Ich, Brahmā und die Götterfürsten, die wir Tag und Nacht ihn verehren – welcher Gott ist größer als jener, Śrī Kṛṣṇa, der höchste Geist?

Wort für Wort
ahaṃ brahmā surendrāś ca
ich, Brahmā und die Götterfürsten
ye bhajāmo divāniśam
die wir Tag und Nacht verehren
tato 'dhiko 'sti ko devaḥ
welcher Gott ist größer als jener
śrīkṛṣṇāt puruṣottamāt
als Śrī Kṛṣṇa, der höchste Geist

yatprasādaṃ pratīkṣante sarve lokāḥ sapālakāḥ / sāpi lakṣmīr yac caraṇaṃ sevate tadanādṛtā //

dessen Gnade alle Welten samt ihren Hütern erwarten; selbst jene Lakṣmī, die seinen Fuß bedient, bleibt dabei ohne besondere Bevorzugung.

Wort für Wort
yatprasādaṃ pratīkṣante
dessen Gnade erwarten
sarve lokāḥ sapālakāḥ
alle Welten samt ihren Hütern
sāpi lakṣmīḥ yac caraṇaṃ sevate
selbst jene Lakṣmī, die seinen Fuß bedient
tad anādṛtā
bleibt dabei ohne besondere Bevorzugung

[Anm.: 'tadanādṛtā' unsicher – evtl. Aussage über Kṛṣṇas Unparteilichkeit selbst gegenüber Lakṣmī.]

tato 'dhiko 'sti ko devo lakṣmīkāntāj janārdanāt / yan nāmni ke na saṃyānti puruṣāḥ paramaṃ padam //

Welcher Gott ist größer als jener, der Gemahl der Lakṣmī, Janārdana, durch dessen Namen die Menschen zum höchsten Ort gelangen?

Wort für Wort
tato 'dhiko 'sti ko devaḥ
welcher Gott ist größer als jener
lakṣmīkāntāj janārdanāt
als der Gemahl der Lakṣmī, Janārdana
yan nāmni ke na saṃyānti
durch dessen Namen (welche Menschen) nicht gelangen
puruṣāḥ paramaṃ padam
die Menschen zum höchsten Ort

dharmārthakāmamokṣāṇāṃ mūlaṃ yac caraṇārcanam / tato 'dhiko 'sti ko devaḥ kṛpāsindhor mahātmanaḥ //

dessen Fußverehrung die Wurzel von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa ist – welcher Gott ist größer als jener, der Ozean des Mitleids, die große Seele?

Wort für Wort
dharmārthakāmamokṣāṇāṃ mūlam
die Wurzel von Dharma, Artha, Kāma und Mokṣa
yac caraṇārcanam
dessen Fußverehrung
tato 'dhiko 'sti ko devaḥ
welcher Gott ist größer als jener
kṛpāsindhor mahātmanaḥ
als der Ozean des Mitleids, die große Seele

bhajanasyālpamātreṇa bahu manyeta yaḥ sadā / tato 'dhiko 'sti ko devaḥ sukhārādhyāj jagadguroḥ //

der selbst ein winziges Maß an Verehrung stets als viel erachtet – welcher Gott ist größer als jener, der mit Leichtigkeit zu verehrende Weltenlehrer?

Wort für Wort
bhajanasya alpamātreṇa
durch ein winziges Maß an Verehrung
bahu manyeta yaḥ sadā
der stets als viel erachtet
tato 'dhiko 'sti ko devaḥ
welcher Gott ist größer als jener
sukhārādhyāj jagadguroḥ
als der leicht zu verehrende Weltenlehrer

yena kenāpi bhāvena yo 'pi ko 'pi bhajan janaḥ / labhate 'bhīpsitāṃ siddhiṃ mokṣaṃ cāpy akutobhayam //

Durch welche Geisteshaltung auch immer, welcher Mensch auch immer ihn verehrt, erlangt die erwünschte Vollkommenheit und auch die von nirgendwoher mehr bedrohte Erlösung –

Wort für Wort
yena kenāpi bhāvena
durch welche Geisteshaltung auch immer
yo 'pi ko 'pi bhajan janaḥ
welcher Mensch auch immer verehrend
labhate 'bhīpsitāṃ siddhim
erlangt die erwünschte Vollkommenheit
mokṣaṃ ca api akutobhayam
und auch die von nirgendwoher bedrohte Erlösung

tato 'dhiko 'sti ko devaḥ devakīdevinandanāt / yo jaganmuktaye kīrtim avatīrya tatāna ha //

welcher Gott ist größer als jener, der Sohn der Göttin Devakī, der, herabgestiegen, seinen Ruhm zur Befreiung der Welt ausbreitete?

Wort für Wort
tato 'dhiko 'sti ko devaḥ
welcher Gott ist größer als jener
devakīdevinandanāt
als der Sohn der Göttin Devakī
yo jaganmuktaye kīrtim
der zur Befreiung der Welt seinen Ruhm
avatīrya tatāna ha
herabgestiegen, ausbreitete

ato 'nyadevatāpūjāṃ tyaktvā balividhānataḥ / sadguror upadeśena bhajet kṛṣṇapadadvayam //

Darum verehre man, nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten mitsamt der Opfervorschrift aufgegeben hat, durch die Belehrung eines guten Lehrers das Fußpaar Kṛṣṇas.

Wort für Wort
ato 'nyadevatāpūjāṃ tyaktvā
darum, nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten aufgegeben hat
balividhānataḥ
mitsamt der Opfervorschrift
sadguror upadeśena
durch die Belehrung eines guten Lehrers
bhajet kṛṣṇapadadvayam
verehre man das Fußpaar Kṛṣṇas

śṛṇuyāt pratyahaṃ viṣṇor yaśaḥ paramamaṅgalam / uccārayen mukhenaiva nāma cittena saṃsmaret //

Man höre täglich Viṣṇus höchst heilbringenden Ruhm, spreche mit dem Mund allein den Namen aus und gedenke seiner mit dem Geist.

Wort für Wort
śṛṇuyāt pratyahaṃ viṣṇor yaśaḥ paramamaṅgalam
man höre täglich Viṣṇus höchst heilbringenden Ruhm
uccārayen mukhena eva nāma
man spreche mit dem Mund den Namen aus
cittena saṃsmaret
und gedenke seiner mit dem Geist

prītiṃ kuryād vaiṣṇaveṣu abhakteṣu vivarjayet / daivopalabdhaṃ bhuñjāno nātiyatnaṃ caret sukhe //

Man übe Zuneigung gegenüber den Viṣṇu-Verehrern, meide die Nicht-Hingebungsvollen; man genieße, was durch Fügung erlangt wird, und strebe nicht übermäßig nach Sinnesfreude.

Wort für Wort
prītiṃ kuryād vaiṣṇaveṣu
man übe Zuneigung gegenüber den Viṣṇu-Verehrern
abhakteṣu vivarjayet
meide die Nicht-Hingebungsvollen
daivopalabdhaṃ bhuñjānaḥ
genießend, was durch Fügung erlangt wird
na atiyatnaṃ caret sukhe
strebe nicht übermäßig nach Sinnesfreude

gṛheṣv atithivat tiṣṭhed yady etān naiva bādhate / eṣāṃ bādhe pṛthak tiṣṭhed vaiṣṇaveṣu ca saṅgavān //

Man weile im Haus wie ein Gast, solange dies die Angehörigen nicht bedrängt; bedrängt es sie, so weile man gesondert, in Gemeinschaft mit den Viṣṇu-Verehrern.

Wort für Wort
gṛheṣv atithivat tiṣṭhet
man weile im Haus wie ein Gast
yadi etān na eva bādhate
solange es diese nicht bedrängt
eṣāṃ bādhe pṛthak tiṣṭhet
bedrängt es sie, weile man gesondert
vaiṣṇaveṣu ca saṅgavān
in Gemeinschaft mit den Viṣṇu-Verehrern

brahmacārī gṛhī vāpi vānaprastho yatiś ca vā / vinā vaiṣṇavasaṅgena naiva siddhiṃ labhej janaḥ //

Sei es der Schülerstand-Übende, der Hausvater, der Waldeinsiedler oder der Asket – ohne die Gemeinschaft der Viṣṇu-Verehrer erlangt kein Mensch Vollkommenheit.

Wort für Wort
brahmacārī gṛhī vāpi
der Schülerstand-Übende oder der Hausvater
vānaprastho yatiś ca vā
der Waldeinsiedler oder der Asket
vinā vaiṣṇavasaṅgena
ohne die Gemeinschaft der Viṣṇu-Verehrer
na eva siddhiṃ labhej janaḥ
erlangt kein Mensch Vollkommenheit

bhaktasaṅgaṃ vinā bhaktir naiva jāyeta kasyacit / bhaktiṃ vinā na vairāgyaṃ na jñānaṃ mokṣam aśnute //

Ohne die Gemeinschaft der Hingebungsvollen entsteht bei niemandem Hingabe; ohne Hingabe entsteht keine Entsagung, kein Wissen, und man erlangt keine Erlösung.

Wort für Wort
bhaktasaṅgaṃ vinā bhaktiḥ
ohne die Gemeinschaft der Hingebungsvollen die Hingabe
na eva jāyeta kasyacit
entsteht bei niemandem
bhaktiṃ vinā na vairāgyam
ohne Hingabe keine Entsagung
na jñānaṃ mokṣam aśnute
kein Wissen, keine erlangte Erlösung

ata āśramaliṅgāṃś ca hitvā bhakteḥ samaṃ vaset / yatsaṅgāc chrutikīrtibhyāṃ harau bhaktiḥ prajāyate //

Darum gebe man die Zeichen des Lebensstandes auf und weile in Gleichheit der Hingabe; denn aus deren Gemeinschaft, durch Hören und Preisen, entsteht Hingabe zu Hari.

Wort für Wort
ata āśramaliṅgāṃś ca hitvā
darum, nachdem man die Zeichen des Lebensstandes aufgegeben hat
bhakteḥ samaṃ vaset
weile man in Gleichheit der Hingabe
yatsaṅgāt śrutikīrtibhyām
aus deren Gemeinschaft, durch Hören und Preisen
harau bhaktiḥ prajāyate
entsteht Hingabe zu Hari

viṣṇubhaktaprasaṅgasya nimeṣeṇāpi nārada / svargāpavargau na sāmyaṃ kim utānyasukhādibhiḥ //

Der Gemeinschaft mit einem Viṣṇu-Verehrer, sei sie auch nur einen Augenblick lang, o Nārada, kommen Himmel und Erlösung nicht gleich – wie viel weniger erst andere weltliche Freuden!

Wort für Wort
viṣṇubhaktaprasaṅgasya nimeṣeṇāpi nārada
der Gemeinschaft mit einem Viṣṇu-Verehrer, sei sie auch nur einen Augenblick, o Nārada
svargāpavargau na sāmyam
kommen Himmel und Erlösung nicht gleich
kim uta anyasukhādibhiḥ
wie viel weniger erst andere Freuden u.ä.

ato yatnena puruṣaḥ kuryāt saṅgaṃ harer janaiḥ / tiryañco 'pi yato muktiṃ labhante kimu mānuṣāḥ //

Darum suche der Mensch mit Eifer die Gemeinschaft mit Haris Leuten; denn selbst Tiere erlangen dadurch Erlösung – wie viel mehr erst Menschen!

Wort für Wort
ato yatnena puruṣaḥ kuryāt saṅgaṃ harer janaiḥ
darum suche der Mensch mit Eifer die Gemeinschaft mit Haris Leuten
tiryañco 'pi yato muktiṃ labhante
denn selbst Tiere erlangen dadurch Erlösung
kimu mānuṣāḥ
wie viel mehr erst Menschen

tatsaṅgenaiva puruṣo viṣṇuṃ prāpnoti niścitam / vinā vairāgyajñānābhyāṃ yato viṣṇus tadantike //

Allein durch jene Gemeinschaft erlangt der Mensch gewiss Viṣṇu, auch ohne Entsagung und Wissen – denn Viṣṇu ist in deren Nähe.

Wort für Wort
tatsaṅgena eva puruṣo viṣṇuṃ prāpnoti niścitam
allein durch jene Gemeinschaft erlangt der Mensch gewiss Viṣṇu
vinā vairāgyajñānābhyām
auch ohne Entsagung und Wissen
yato viṣṇus tadantike
denn Viṣṇu ist in deren Nähe

yeṣāṃ saṅgāddhareḥ saṅgaṃ sakṛd ākarṇya mānavaḥ / parityaktuṃ na śaknoti yadi bhadrasarid bhavet //

Wenn ein Mensch, der durch deren Gemeinschaft auch nur einmal von der Gemeinschaft mit Hari gehört hat, sie nicht mehr aufgeben kann – so wird sein Leben zum heilbringenden Strom.

Wort für Wort
yeṣāṃ saṅgāt hareḥ saṅgaṃ sakṛd ākarṇya
der durch deren Gemeinschaft auch nur einmal von der Gemeinschaft mit Hari gehört hat
mānavaḥ parityaktuṃ na śaknoti
und der Mensch sie nicht aufgeben kann
yadi bhadrasarid bhavet
so wird er zum heilbringenden Strom

[Anm.: 'bhadrasarid' wörtlich 'guter/heilbringender Fluss', Bildausdruck unsicher übertragen.]

arasajño 'pi tatsaṅgaṃ yadi yāti kathaṃcana / bhūtvā rasajño 'pi mahān karmabandhād vimucyate //

Selbst wer den spirituellen Genuss nicht kennt, wird, wenn er auf irgendeine Weise in jene Gemeinschaft gelangt, zum Kenner des Genusses, ja zu einem Großen, und wird von der Fessel des Karma befreit.

Wort für Wort
arasajño 'pi tatsaṅgaṃ yadi yāti kathaṃcana
selbst wer den Genuss nicht kennt, wenn er auf irgendeine Weise in jene Gemeinschaft gelangt
bhūtvā rasajño 'pi mahān
wird er zum Kenner des Genusses, ja zu einem Großen
karmabandhād vimucyate
und wird von der Fessel des Karma befreit

tatas taddharmanirato bhagavaty amalātmani / prāpnoti paramāṃ bhaktiṃ sarvakāmapradāyinīm //

Dann, jener frommen Pflicht ergeben, gegenüber dem makellosen Erhabenen, erlangt er die höchste Hingabe, die alle Wünsche gewährt.

Wort für Wort
tatas taddharmanirataḥ
dann, jener Pflicht ergeben
bhagavaty amalātmani
gegenüber dem makellosen Erhabenen
prāpnoti paramāṃ bhaktim
erlangt er die höchste Hingabe
sarvakāmapradāyinīm
die alle Wünsche gewährt

bhaktiṃ viditvā puruṣo muktiṃ necchati kaścana / sālokyādipadaṃ cāpi kimu cānyasukhaṃ dvija //

Hat ein Mensch die Hingabe erkannt, so begehrt er keineswegs noch die Erlösung, auch nicht die Stufen wie Sālokya u.ä. – wie viel weniger erst andere weltliche Freude, o Zweifachgeborener!

Wort für Wort
bhaktiṃ viditvā puruṣo muktiṃ na icchati kaścana
hat ein Mensch die Hingabe erkannt, begehrt er keineswegs die Erlösung
sālokyādipadaṃ ca api
auch nicht die Stufen wie Sālokya u.ä.
kimu ca anyasukhaṃ dvija
wie viel weniger erst andere Freude, o Zweifachgeborener

phalaṃ vinā viṣṇubhaktā muktiṃ yānti dvijottama / tata eva vidur nānya ānandamayam uttamam //

Ohne nach Frucht zu streben, gelangen die Viṣṇu-Verehrer zur Erlösung, o bester Zweifachgeborener; eben deshalb kennen sie keine andere höchste, wonnevolle Wirklichkeit.

Wort für Wort
phalaṃ vinā viṣṇubhaktā muktiṃ yānti
ohne nach Frucht zu streben, gelangen die Viṣṇu-Verehrer zur Erlösung
dvijottama
o bester Zweifachgeborener
tata eva vidur na anyam
eben deshalb kennen sie kein anderes
ānandamayam uttamam
höchstes, wonnevolles (Ziel)

yato harir likhitavat hṛdaye vartate sadā / teṣāṃ premalatābaddhaḥ paramānandavigrahaḥ //

Denn Hari weilt für sie stets wie eingeritzt im Herzen; an sie ist er, dessen Gestalt die höchste Wonne selbst ist, mit der Ranke der Liebe gebunden.

Wort für Wort
yato harir likhitavat hṛdaye vartate sadā
denn Hari weilt für sie stets wie eingeritzt im Herzen
teṣāṃ premalatābaddhaḥ
an sie mit der Ranke der Liebe gebunden
paramānandavigrahaḥ
dessen Gestalt die höchste Wonne selbst ist

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