Paṭala 8: Aṣṭamaḥ Paṭalaḥ
Achter Paṭala – Das Geheimnis fester Hingabe: ausschließliche Kṛṣṇa-Verehrung und die Gemeinschaft der Hingebungsvollen
Śiva verkündet Nārada das 'Geheimnis' (rahasya) fester Hingabe: Aufgabe der Verehrung anderer Gottheiten und des Tieropfers zugunsten der ausschließlichen Kṛṣṇa-Verehrung (V.1-23), tägliche Praxis von Hören, Aussprechen und Gedenken des Namens (V.24-25), und – als zentrales Thema des Kapitels – die überragende Bedeutung der Gemeinschaft mit Hingebungsvollen (vaiṣṇava-saṅga, bhakta-saṅga) als notwendige Voraussetzung jeder spirituellen Vollkommenheit, wichtiger noch als Entsagung oder Wissen (V.26-38).
śrīśiva uvāca / atha te sampravakṣyāmi rahasyaṃ hy etad uttamam / yac chraddhayā tu tiṣṭhan vai harau bhaktir dṛḍhā bhavet //
Śrī Śiva sprach: Nun will ich dir dieses vortreffliche Geheimnis verkünden, durch das, wenn man mit Glauben darin verharrt, die Hingabe zu Hari fest wird:
deve tīrthe ca dharme ca viśvāsaṃ tāpatāraṇāt / taddhitvā kṛṣṇapādāmbuśaraṇaṃ praviśen mudā //
Das Vertrauen auf andere Gottheit, Pilgerstätte und rituelles Dharma zur Überwindung der Daseinsqual – dieses aufgebend, trete man mit Freude in die Zuflucht der Lotosfüße Kṛṣṇas ein.
Wort für Wort
deve tīrthe ca dharme ca
auf Gottheit, Pilgerstätte und Dharma
viśvāsaṃ tāpatāraṇāt
das Vertrauen zur Überwindung der Qual
taddhitvā
dieses aufgebend
kṛṣṇapādāmbuśaraṇaṃ praviśen mudā
trete man mit Freude in die Zuflucht der Lotosfüße Kṛṣṇas ein
'Meine Zuflucht ist der Weltenherr, Śrī Kṛṣṇa, der höchste Geist' – dies spreche man mit gesammeltem Sinn, im Namen jenes Kṛṣṇa wie auch vor dem eigenen Lehrer.
Nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten mit Tieropfer u.ä. aufgegeben hat, o Zweifachgeborener, verehre man allein Kṛṣṇa, der im Sinn alle Götter in sich enthält.
Wort für Wort
hitvā anyadevatāpūjām
nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten aufgegeben hat
nityaṃ naimitakaṃ kāryaṃ tathāvaśyakam eva ca / gṛhāśramī viṣṇubhaktaḥ kuryāt kṛṣṇaṃ dhiyā smaran //
Die täglichen, die gelegentlichen und ebenso die unumgänglichen rituellen Pflichten vollziehe der Hausvater, der Viṣṇu-Verehrer ist, indem er im Sinn stets Kṛṣṇas gedenkt.
Und die bei diesen Pflichten überlieferte, vorschriftsmäßige Verehrung anderer Götter vollziehe man auch nach der Kṛṣṇa-Verehrung, indem man ihn im Herzen gedenkt,
Wort für Wort
eteṣu ca anyadevānāṃ yā pūjā vidhinā smṛtā
und die bei diesen überlieferte, vorschriftsmäßige Verehrung anderer Götter
anyadā tv anyadevānāṃ pṛthakpūjāṃ na ca smaret / kāmyaṃ niṣiddhaṃ ca tathā naiva kuryāt kadācana //
zu anderer Zeit aber gedenke man nicht einer gesonderten Verehrung anderer Götter; ebenso vollziehe man niemals eine rein wunscherfüllungsorientierte oder verbotene Handlung.
Wort für Wort
anyadā tu anyadevānāṃ pṛthakpūjāṃ na ca smaret
zu anderer Zeit aber gedenke man nicht einer gesonderten Verehrung anderer Götter
kāmyaṃ niṣiddhaṃ ca tathā
eine wunschgebundene oder verbotene Handlung ebenso
kalatraputramitrādīn hitvā kṛṣṇaṃ samāśritāḥ / harikīrtiratā ye ca teṣāṃ kṛtyaṃ na vidyate //
Wer Gattin, Sohn, Freunde u.ä. aufgegeben hat und bei Kṛṣṇa Zuflucht genommen hat, wer dem Preisen Haris ergeben ist – für diese gibt es keine weitere zu erfüllende Handlung mehr.
Wort für Wort
kalatraputramitrādīn hitvā
nachdem man Gattin, Sohn, Freunde u.ä. aufgegeben hat
Wer die Verehrung anderer Gottheiten mit Wunschbegehren und Tieropfer vollzieht, o Zweifachgeborener, verfällt rasch aus der Hingabe und kehrt nicht aus dem Daseinskreislauf zurück.
Wort für Wort
kṛtvā anyadevatāpūjāṃ sakāmām
wer die Verehrung anderer Gottheiten mit Begehren vollzieht
yajñe paśor ālabhane naiva doṣo 'sti yad vacaḥ / api pravṛttī rāgiṇāṃ nivṛttis tu garīyasī //
Dass es beim Opfertöten eines Tieres im vorgeschriebenen Opfer keine Schuld gebe – dieses Wort gilt zwar für die dem Handeln Zugeneigten; die Enthaltung aber ist erhabener.
kṛtvānyadevatāpūjāṃ paśuṃ hitvā narādhamāḥ / yadi te svargatiṃ yānti narakaṃ yānti ke tadā //
Wenn sogar die niedrigsten Menschen, die die Verehrung anderer Gottheiten unter Verzicht auf das Opfertier vollziehen, zum Himmel gelangen – wer gelangt dann überhaupt noch zur Hölle?
Wort für Wort
kṛtvā anyadevatāpūjām
die die Verehrung anderer Gottheiten vollziehen
paśuṃ hitvā narādhamāḥ
unter Verzicht auf das Tier, die niedrigsten Menschen
yadi te svargatiṃ yānti
wenn diese zum Himmel gelangen
narakaṃ yānti ke tadā
wer gelangt dann zur Hölle
[Anm.: rhetorischer Vers, dessen genaue argumentative Pointe unsicher bleibt.]
Wer sich der Viṣṇu-Hingabe angeschlossen hat und dennoch Tiertötung vollzieht und die Verehrung anderer Gottheiten übt, verfällt gewiss aus der Hingabe.
Wort für Wort
viṣṇubhaktiṃ samāśritya
nachdem er sich der Viṣṇu-Hingabe angeschlossen hat
mānuṣyaṃ prāpya ye jīvā na bhajanti hareḥ padam / te śocyā sthāvarādīnām apy ekaśaraṇā yadi //
Die Wesen, die das Menschsein erlangt haben und dennoch nicht die Füße Haris verehren, sind zu bedauern, mögen sie auch für unbewegliche Wesen u.ä. die einzige Zuflucht sein.
Wort für Wort
mānuṣyaṃ prāpya ye jīvāḥ
die Wesen, die das Menschsein erlangt haben
na bhajanti hareḥ padam
und die Füße Haris nicht verehren
te śocyāḥ
diese sind zu bedauern
sthāvarādīnām apy ekaśaraṇā yadi
mögen sie auch die einzige Zuflucht für unbewegliche Wesen u.ä. sein
[Anm.: genaue Pointe des zweiten Halbverses unsicher.]
yena kenāpi bhāvena yo 'pi ko 'pi bhajan janaḥ / labhate 'bhīpsitāṃ siddhiṃ mokṣaṃ cāpy akutobhayam //
Durch welche Geisteshaltung auch immer, welcher Mensch auch immer ihn verehrt, erlangt die erwünschte Vollkommenheit und auch die von nirgendwoher mehr bedrohte Erlösung –
ato 'nyadevatāpūjāṃ tyaktvā balividhānataḥ / sadguror upadeśena bhajet kṛṣṇapadadvayam //
Darum verehre man, nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten mitsamt der Opfervorschrift aufgegeben hat, durch die Belehrung eines guten Lehrers das Fußpaar Kṛṣṇas.
Wort für Wort
ato 'nyadevatāpūjāṃ tyaktvā
darum, nachdem man die Verehrung anderer Gottheiten aufgegeben hat
Man übe Zuneigung gegenüber den Viṣṇu-Verehrern, meide die Nicht-Hingebungsvollen; man genieße, was durch Fügung erlangt wird, und strebe nicht übermäßig nach Sinnesfreude.
Man weile im Haus wie ein Gast, solange dies die Angehörigen nicht bedrängt; bedrängt es sie, so weile man gesondert, in Gemeinschaft mit den Viṣṇu-Verehrern.
Sei es der Schülerstand-Übende, der Hausvater, der Waldeinsiedler oder der Asket – ohne die Gemeinschaft der Viṣṇu-Verehrer erlangt kein Mensch Vollkommenheit.
bhaktasaṅgaṃ vinā bhaktir naiva jāyeta kasyacit / bhaktiṃ vinā na vairāgyaṃ na jñānaṃ mokṣam aśnute //
Ohne die Gemeinschaft der Hingebungsvollen entsteht bei niemandem Hingabe; ohne Hingabe entsteht keine Entsagung, kein Wissen, und man erlangt keine Erlösung.
Wort für Wort
bhaktasaṅgaṃ vinā bhaktiḥ
ohne die Gemeinschaft der Hingebungsvollen die Hingabe
ata āśramaliṅgāṃś ca hitvā bhakteḥ samaṃ vaset / yatsaṅgāc chrutikīrtibhyāṃ harau bhaktiḥ prajāyate //
Darum gebe man die Zeichen des Lebensstandes auf und weile in Gleichheit der Hingabe; denn aus deren Gemeinschaft, durch Hören und Preisen, entsteht Hingabe zu Hari.
Wort für Wort
ata āśramaliṅgāṃś ca hitvā
darum, nachdem man die Zeichen des Lebensstandes aufgegeben hat
viṣṇubhaktaprasaṅgasya nimeṣeṇāpi nārada / svargāpavargau na sāmyaṃ kim utānyasukhādibhiḥ //
Der Gemeinschaft mit einem Viṣṇu-Verehrer, sei sie auch nur einen Augenblick lang, o Nārada, kommen Himmel und Erlösung nicht gleich – wie viel weniger erst andere weltliche Freuden!
Wort für Wort
viṣṇubhaktaprasaṅgasya nimeṣeṇāpi nārada
der Gemeinschaft mit einem Viṣṇu-Verehrer, sei sie auch nur einen Augenblick, o Nārada
Wenn ein Mensch, der durch deren Gemeinschaft auch nur einmal von der Gemeinschaft mit Hari gehört hat, sie nicht mehr aufgeben kann – so wird sein Leben zum heilbringenden Strom.
Wort für Wort
yeṣāṃ saṅgāt hareḥ saṅgaṃ sakṛd ākarṇya
der durch deren Gemeinschaft auch nur einmal von der Gemeinschaft mit Hari gehört hat
Selbst wer den spirituellen Genuss nicht kennt, wird, wenn er auf irgendeine Weise in jene Gemeinschaft gelangt, zum Kenner des Genusses, ja zu einem Großen, und wird von der Fessel des Karma befreit.
Wort für Wort
arasajño 'pi tatsaṅgaṃ yadi yāti kathaṃcana
selbst wer den Genuss nicht kennt, wenn er auf irgendeine Weise in jene Gemeinschaft gelangt
bhūtvā rasajño 'pi mahān
wird er zum Kenner des Genusses, ja zu einem Großen
Hat ein Mensch die Hingabe erkannt, so begehrt er keineswegs noch die Erlösung, auch nicht die Stufen wie Sālokya u.ä. – wie viel weniger erst andere weltliche Freude, o Zweifachgeborener!
Wort für Wort
bhaktiṃ viditvā puruṣo muktiṃ na icchati kaścana
hat ein Mensch die Hingabe erkannt, begehrt er keineswegs die Erlösung
sālokyādipadaṃ ca api
auch nicht die Stufen wie Sālokya u.ä.
kimu ca anyasukhaṃ dvija
wie viel weniger erst andere Freude, o Zweifachgeborener
Ohne nach Frucht zu streben, gelangen die Viṣṇu-Verehrer zur Erlösung, o bester Zweifachgeborener; eben deshalb kennen sie keine andere höchste, wonnevolle Wirklichkeit.
Wort für Wort
phalaṃ vinā viṣṇubhaktā muktiṃ yānti
ohne nach Frucht zu streben, gelangen die Viṣṇu-Verehrer zur Erlösung