Quellen der Menschheit

Sātvata Saṃhitā

Paṭala 7: Saptamaḥ Paṭalaḥ Siebter Paṭala – Die Kraft des Namens und die Verfehlungen gegen Viṣṇu, den Namen und die Hingebungsvollen

Fortsetzung von Śivas Belehrung Nāradas: die überragende Kraft des bloßen Namens-Gedenkens (nāma) gegenüber Pilgerfahrt, Opfer, Askese und Yoga (V.1-27); die 32 rituellen Verfehlungen gegen Viṣṇu und die 10 Verfehlungen gegen den Namen (V.28-41); und schließlich die besonders schwerwiegenden, kaum sühnbaren Verfehlungen gegen Hingebungsvolle (bhakta) selbst, mit genauen Sühneregeln (V.42-57).

śṛṇvanti pratyahaṃ ye vai viṣṇor nāmasahasrakam / kīrtayanty athavā vipra saṃsmaranty ādareṇa vā // vā śataṃ vā viṃśatiṃ vāpi daśa vā pañca vā dvija / ekaṃ vā kāmato bhaktyā viṣṇupādāmbujāśrayāḥ //

Śrī Śiva sprach: Diejenigen, o Brahmane, die täglich das Tausend-Namen-Verzeichnis Viṣṇus hören oder preisen oder sich mit Ehrfurcht erinnern – sei es hundert, sei es zwanzig, sei es zehn, sei es fünf, o Zweifachgeborener, oder auch nur einen Namen, aus freiem Willen mit Hingabe, indem sie bei den Lotosfüßen Viṣṇus Zuflucht nehmen –

Wort für Wort
śṛṇvanti pratyahaṃ ye vai
die täglich hören, welche
viṣṇor nāmasahasrakam
das Tausend-Namen Viṣṇus
kīrtayanti athavā vipra
oder preisen, o Brahmane
saṃsmaranti ādareṇa vā
oder sich mit Ehrfurcht erinnern
vā śatam vā viṃśatim vāpi
sei es hundert, sei es zwanzig
daśa vā pañca vā dvija
zehn oder fünf, o Zweifachgeborener
ekaṃ vā kāmato bhaktyā
oder auch nur einen, aus freiem Willen mit Hingabe
viṣṇupādāmbujāśrayāḥ
die bei Viṣṇus Lotosfüßen Zuflucht nehmen

teṣāṃ phalasya puṇyānāṃ nāntaṃ paśyāmi nārada / yatas tair bhagavān eva parānando vaśīkṛtaḥ //

deren verdienstvoller Frucht Ende ich nicht sehe, o Nārada, da durch sie der Erhabene selbst, die höchste Wonne, bezwungen wird.

Wort für Wort
teṣāṃ phalasya puṇyānām
deren verdienstvoller Frucht
na antaṃ paśyāmi nārada
Ende sehe ich nicht, o Nārada
yataḥ taiḥ bhagavān eva
da durch sie der Erhabene selbst
parānandaḥ vaśīkṛtaḥ
die höchste Wonne, bezwungen wird

yato nāmaiva paramaṃ tīrthaṃ kṣetraṃ ca puṇyadam / nāmaiva paramaṃ daivaṃ nāmaiva paramaṃ tapaḥ //

Denn der Name allein ist die höchste Pilgerstätte und das verdienstspendende heilige Feld, der Name allein die höchste Gottheit, der Name allein die höchste Askese,

Wort für Wort
yataḥ nāma eva
denn der Name allein
paramaṃ tīrthaṃ kṣetraṃ ca puṇyadam
ist die höchste Pilgerstätte und das verdienstspendende Feld
nāma eva paramaṃ daivam
der Name allein die höchste Gottheit
nāma eva paramaṃ tapaḥ
der Name allein die höchste Askese

nāmaiva paramaṃ dānaṃ nāmaiva paramā kriyā / nāmaiva paramo dharmo nāmaivārthaḥ prakīrtitaḥ //

der Name allein die höchste Gabe, der Name allein die höchste rituelle Handlung, der Name allein das höchste Dharma, der Name allein wird als der höchste Nutzen (artha) verkündet,

Wort für Wort
nāma eva paramaṃ dānam
der Name allein die höchste Gabe
nāma eva paramā kriyā
der Name allein die höchste Handlung
nāma eva paramo dharmaḥ
der Name allein das höchste Dharma
nāma eva arthaḥ prakīrtitaḥ
der Name allein wird als (höchster) Nutzen verkündet

nāmaiva kāmo bhaktānāṃ mokṣo 'pi nāma kevalam / eṣāṃ ca sādhanaṃ nāma kāmināṃ dvijasattama //

der Name allein ist die Lust der Hingebungsvollen, allein der Name auch die Erlösung; und der Name ist das Mittel zu diesen Zielen für die Begehrenden, o bester Zweifachgeborener,

Wort für Wort
nāma eva kāmo bhaktānām
der Name allein ist die Lust der Hingebungsvollen
mokṣo 'pi nāma kevalam
allein der Name auch die Erlösung
eṣāṃ ca sādhanaṃ nāma
und der Name ist das Mittel zu diesen
kāmināṃ dvijasattama
für die Begehrenden, o bester Zweifachgeborener

nāmaiva paramā bhaktir nāmaiva paramā gatiḥ / nāmaiva paramaṃ jāpyaṃ nāmaiva prārthanaṃ param //

der Name allein die höchste Hingabe, der Name allein das höchste Ziel, der Name allein das höchste (zu murmelnde) Mantra, der Name allein das höchste Gebet,

Wort für Wort
nāma eva paramā bhaktiḥ
der Name allein die höchste Hingabe
nāma eva paramā gatiḥ
der Name allein das höchste Ziel
nāma eva paramaṃ jāpyam
der Name allein das höchste Mantra
nāma eva prārthanaṃ param
der Name allein das höchste Gebet

niṣkāmānāṃ dhanaṃ nāma muktibhuktisukhārthavat / nāma syāt paramaṃ saukhyaṃ nāmaiva vairāgyakāraṇam //

der Name ist der Reichtum der Wunschlosen, wertvoll für Erlösung, Genuss und Wonne; der Name sei das höchste Glück, der Name allein die Ursache der Entsagung,

Wort für Wort
niṣkāmānāṃ dhanaṃ nāma
der Name ist der Reichtum der Wunschlosen
muktibhuktisukhārthavat
wertvoll für Erlösung, Genuss und Wonne
nāma syāt paramaṃ saukhyam
der Name sei das höchste Glück
nāma eva vairāgyakāraṇam
der Name allein die Ursache der Entsagung

sattvaśuddhikaraṃ nāma nāma jñānapradaṃ smṛtam / mumukṣūṇāṃ muktipadaṃ kāmināṃ sarvakāmadam //

der Name reinigt das Wesen (sattva), der Name gilt überliefert als Wissensspender – für die nach Erlösung Strebenden die Stätte der Erlösung, für die Begehrenden Erfüller aller Wünsche,

Wort für Wort
sattvaśuddhikaraṃ nāma
der Name, der das Wesen reinigt
nāma jñānapradaṃ smṛtam
der Name gilt überliefert als Wissensspender
mumukṣūṇāṃ muktipadam
für die nach Erlösung Strebenden die Stätte der Erlösung
kāmināṃ sarvakāmadam
für die Begehrenden Erfüller aller Wünsche

vaiṣṇavānāṃ phalaṃ nāma tasmān nāma sadā smaret / saṃketitāt pārihāsyād dhelanājvaratāpataḥ //

der Name ist die Frucht der Viṣṇu-Verehrer; darum gedenke man des Namens stets – sei es aus Verabredung, im Scherz, aus Nachlässigkeit oder aus Fieberqual,

Wort für Wort
vaiṣṇavānāṃ phalaṃ nāma
der Name ist die Frucht der Viṣṇu-Verehrer
tasmān nāma sadā smaret
darum gedenke man des Namens stets
saṃketitāt pārihāsyāt
aus Verabredung, im Scherz
helanāt jvaratāpataḥ
aus Nachlässigkeit, aus Fieberqual

kīrtitaṃ bhagavannāma sarvapāpaharaṃ smṛtam / yāvatī pāpanirhāre śaktir nāmni hareḥ sthitā //

das gepriesene Name des Erhabenen gilt überliefert als aller Sünde nehmend; wie groß auch die Kraft ist, die zur Vernichtung der Sünde im Namen Haris ruht,

Wort für Wort
kīrtitaṃ bhagavannāma
das gepriesene Name des Erhabenen
sarvapāpaharaṃ smṛtam
gilt überliefert als aller Sünde nehmend
yāvatī pāpanirhāre śaktiḥ
wie groß die Kraft zur Vernichtung der Sünde
nāmni hareḥ sthitā
im Namen Haris ruht

tāvat pāpijanaḥ pāpaṃ kartuṃ śaknoti naiva hi / jñānājñānād dharer nāmakīrtanāt puruṣasya hi //

so groß ist sie, dass ein sündiger Mensch gar nicht mehr imstande ist, Sünde zu begehen – sei es wissend oder unwissend – durch das Preisen des Namens Haris für einen Menschen,

Wort für Wort
tāvat pāpijanaḥ pāpam
so groß, dass ein sündiger Mensch Sünde
kartuṃ śaknoti na eva hi
gar nicht mehr zu begehen imstande ist
jñānājñānāt hareḥ nāmakīrtanāt
durch das wissende oder unwissende Preisen des Namens Haris
puruṣasya hi
für einen Menschen

pāparāśiṃ dahaty āśu yathā tūlaṃ vibhāvasuḥ / saṃkīrtitaṃ harer nāma śraddhayā puruṣeṇa vai //

verbrennt es rasch den Berg der Sünde, wie Feuer Baumwolle – der von einem Menschen mit Glauben gepriesene Name Haris,

Wort für Wort
pāparāśiṃ dahati āśu
es verbrennt rasch den Berg der Sünde
yathā tūlaṃ vibhāvasuḥ
wie Feuer die Baumwolle
saṃkīrtitaṃ hareḥ nāma
der gepriesene Name Haris
śraddhayā puruṣeṇa vai
von einem Menschen mit Glauben

tasya satyaphalaṃ dhatte kramaśo dvijasattamaḥ / pāpanāśaṃ mahāpuṇyaṃ vairāgyaṃ ca caturvidham //

dieser Name trägt dessen wahre Frucht der Reihe nach, o bester Zweifachgeborener: Vernichtung der Sünde, großes Verdienst und vierfache Entsagung (vairāgya),

Wort für Wort
tasya satyaphalaṃ dhatte
dieser trägt dessen wahre Frucht
kramaśo dvijasattamaḥ
der Reihe nach, o bester Zweifachgeborener
pāpanāśaṃ mahāpuṇyam
Vernichtung der Sünde, großes Verdienst
vairāgyaṃ ca caturvidham
und vierfache Entsagung

gurusevām ātmabodhaṃ bhrāntināśam anantaram / sampūrṇānandabodhaṃ ca tatas tasmin labhet sthiram //

Dienst am Lehrer, Selbsterkenntnis, danach die Vernichtung des Irrtums, und schließlich erlangt man darin die vollkommene Erkenntnis der Wonne, fest gegründet.

Wort für Wort
gurusevām ātmabodham
Dienst am Lehrer, Selbsterkenntnis
bhrāntināśam anantaram
danach die Vernichtung des Irrtums
sampūrṇānandabodhaṃ ca
und die vollkommene Erkenntnis der Wonne
tatas tasmin labhet sthiram
erlangt man dann darin, fest gegründet

śrīnārada uvāca / caturvidhaṃ tvayā proktaṃ vairāgyaṃ surasattama / etad varṇaya lokasya hitāya jñānakāraṇam //

Śrī Nārada sprach: Die vierfache Entsagung, die du genannt hast, o bester der Götter – schildere sie zum Wohl der Welt, als Grund des Wissens.

Wort für Wort
śrī-nārada uvāca
Śrī Nārada sprach
caturvidhaṃ tvayā proktaṃ vairāgyam
die vierfache Entsagung, die du genannt hast
surasattama
o bester der Götter
etad varṇaya lokasya hitāya jñānakāraṇam
schildere dies zum Wohl der Welt, als Grund des Wissens

śrīśiva uvāca / asaṅgarahito bhogaḥ kriyate puruṣeṇa yat / viṣayāṇāṃ dvijaśreṣṭha tadamānaḥ prakīrtitaḥ //

Śrī Śiva sprach: Wenn ein Mensch den Genuss der Sinnesobjekte ohne Anhaftung vollzieht, o bester der Zweifachgeborenen, wird dies als die erste (Stufe der Entsagung) verkündet,

Wort für Wort
śrī-śiva uvāca
Śrī Śiva sprach
asaṅgarahito bhogaḥ
der Genuss ohne Anhaftung
kriyate puruṣeṇa yat viṣayāṇām
der von einem Menschen bei den Sinnesobjekten vollzogen wird
dvijaśreṣṭha tad amānaḥ prakīrtitaḥ
o bester der Zweifachgeborenen, dies wird als 'amāna' verkündet

[Anm.: Name der ersten Vairāgya-Stufe ('amāna', wörtlich 'ohne Dünkel') unsicher übersetzt.]

bhogye svāduvihīne 'pi kriyate vṛttir ātmanaḥ / dvitīyo vyatirekākhyas tad vijānīhi sattama //

Wenn auch beim Genussobjekt, das ohne Wohlgeschmack ist, dennoch eine Hinwendung des Selbst geschieht – das erkenne, o Bester, als den zweiten, 'vyatireka' (Unterscheidung) genannt,

Wort für Wort
bhogye svāduvihīne api
auch beim Genussobjekt ohne Wohlgeschmack
kriyate vṛttir ātmanaḥ
geschieht eine Hinwendung des Selbst
dvitīyo vyatirekākhyaḥ
der zweite, 'vyatireka' genannt
tad vijānīhi sattama
das erkenne, o Bester

manasaḥ prītirāhitye indriyair evaṃ bhujyate / bhogas tṛtīyaḥ puruṣair indriyākhyaḥ prakīrtitaḥ //

wenn ohne Freude des Geistes gleichwohl durch die Sinne genossen wird – dieser dritte Genuss wird von den Menschen als 'indriya' (sinnenhaft) benannt verkündet,

Wort für Wort
manasaḥ prītirāhitye
bei Fehlen der Freude des Geistes
indriyair evaṃ bhujyate
wird gleichwohl durch die Sinne genossen
bhogas tṛtīyaḥ puruṣaiḥ
dieser dritte Genuss wird von den Menschen
indriyākhyaḥ prakīrtitaḥ
als 'indriya' benannt verkündet

manasaś cendriyāṇāṃ ca rāgarāhityam uttamam / viṣayāharaṇaṃ vipra caturthaḥ parikīrtitaḥ //

die höchste Freiheit von Begierde bei Geist und Sinnen, das völlige Abziehen von den Sinnesobjekten, o Brahmane, wird als der vierte Grad verkündet.

Wort für Wort
manasaḥ ca indriyāṇāṃ ca
von Geist und Sinnen
rāgarāhityam uttamam
die höchste Freiheit von Begierde
viṣayāharaṇaṃ vipra
das Abziehen von den Sinnesobjekten, o Brahmane
caturthaḥ parikīrtitaḥ
wird als der vierte verkündet

eṣa nāma paraś cāśu jāyate dvijasattama / jñānaṃ ca paramaṃ śuddhaṃ brahmānandapradāyakam //

Eben dieser höchste Grad entsteht rasch durch den Namen allein, o bester Zweifachgeborener – und mit ihm das höchste reine Wissen, das die Wonne des Brahman schenkt.

Wort für Wort
eṣa nāma paraḥ ca āśu jāyate
eben dieser entsteht rasch durch den Namen
dvijasattama
o bester Zweifachgeborener
jñānaṃ ca paramaṃ śuddham
und das höchste reine Wissen
brahmānandapradāyakam
das die Wonne des Brahman schenkt

tīrthair dānais tapobhiś ca homair jātyair vratamaikhaiḥ / yogaiś ca vividhair vipra yad viṣṇoḥ paramaṃ padam // na yānti mānavās tad vai nāmakīrtanamātrataḥ / saṃyānty eva na saṃdehaṃ kuru vipra haripriyam //

Wohin die Menschen selbst durch Pilgerfahrten, Gaben, Askese, Feueropfer, rituelle Riten, Gelübde und mancherlei Yoga-Übungen nicht gelangen – zu jenem höchsten Ort Viṣṇus – dorthin gelangen sie eben allein durch das Preisen des Namens; hege keinen Zweifel, o Brahmane, dies ist Hari lieb.

Wort für Wort
tīrthair dānais tapobhiḥ ca homair
durch Pilgerfahrten, Gaben, Askese, Feueropfer
jātyair vratamaikhaiḥ
durch rituelle Riten, Gelübde [?]
yogaiś ca vividhair vipra
und mancherlei Yoga-Übungen, o Brahmane
yad viṣṇoḥ paramaṃ padam na yānti mānavāḥ
wohin die Menschen nicht zum höchsten Ort Viṣṇus gelangen
tad vai nāmakīrtanamātrataḥ saṃyānti eva
dorthin gelangen sie eben allein durch das Preisen des Namens
na saṃdehaṃ kuru vipra haripriyam
hege keinen Zweifel, o Brahmane, dies ist Hari lieb

[Anm.: 'vratamaikhaiḥ' textlich unsicher.]

mahāpātakayukto 'pi kīrtayitvā jagadgurum / taraty eva na saṃdehaḥ satyam eva vadāmy aham //

Selbst wer mit großen Todsünden behaftet ist, überquert den Daseinsozean, sobald er den Weltenlehrer preist – kein Zweifel, ich spreche nur die Wahrheit.

Wort für Wort
mahāpātakayukto 'pi
selbst wer mit großen Todsünden behaftet ist
kīrtayitvā jagadgurum
sobald er den Weltenlehrer gepriesen hat
tarati eva na saṃdehaḥ
überquert er gewiss, kein Zweifel
satyam eva vadāmi aham
ich spreche nur die Wahrheit

kalikālamalaṃ cāpi sarvapātakam eva ca / hitvā nāmaparo vipra viṣṇulokaṃ sa gacchati //

Nachdem er die Verunreinigung des Kali-Zeitalters wie auch alle Sünde abgelegt hat, geht der, dem der Name das Höchste ist, o Brahmane, in die Welt Viṣṇus ein.

Wort für Wort
kalikālamalaṃ ca api
die Verunreinigung des Kali-Zeitalters auch
sarvapātakam eva ca hitvā
und nachdem er alle Sünde abgelegt hat
nāmaparo vipra
der, dem der Name das Höchste ist, o Brahmane
viṣṇulokaṃ sa gacchati
geht er in die Welt Viṣṇus ein

tasmān nāmaikamātreṇa taraty eva bhavārṇavam / pumān atra na saṃdeho vinā nāmāparādhataḥ //

Darum überquert der Mensch allein durch den Namen den Ozean des Daseins – hierin gibt es keinen Zweifel –, sofern er frei von Verfehlungen gegen den Namen ist.

Wort für Wort
tasmān nāmaikamātreṇa
darum allein durch den Namen
tarati eva bhavārṇavam
überquert er gewiss den Ozean des Daseins
pumān atra na saṃdehaḥ
der Mensch, hierin kein Zweifel
vinā nāmāparādhataḥ
sofern frei von Verfehlungen gegen den Namen

tadyatnenaiva puruṣaḥ śreyaskāmo dvijottamaḥ / viṣṇor na kuryān nāmnas tu daśapāpān kathaṃcana //

Deshalb möge der nach Heil verlangende Mensch, o bester Zweifachgeborener, mit Eifer die zehn Sünden gegen den Namen Viṣṇus auf keinen Fall begehen.

Wort für Wort
tad yatnena eva puruṣaḥ
deshalb möge der Mensch mit Eifer
śreyaskāmo dvijottamaḥ
der nach Heil verlangende, o bester Zweifachgeborener
viṣṇor nāmnas tu daśa pāpān
aber die zehn Sünden gegen den Namen Viṣṇus
na kuryāt kathaṃcana
auf keinen Fall begehen

śrīnārada uvāca / śruto bhagavato vaktrād dvāviṃśadaparādhakam / viṣṇor nāmnā daśa tathā etad varṇaya no prabho //

Śrī Nārada sprach: Ich habe aus dem Munde des Erhabenen von den zweiundzwanzig Verfehlungen gehört, ebenso von den zehn gegen den Namen Viṣṇus – schildere uns dies, o Herr.

Wort für Wort
śrī-nārada uvāca
Śrī Nārada sprach
śruto bhagavato vaktrāt
gehört aus dem Munde des Erhabenen
dvāviṃśat aparādhakam viṣṇor
die zweiundzwanzig Verfehlungen gegen Viṣṇu
nāmnā daśa tathā
ebenso zehn gegen den Namen
etad varṇaya no prabho
schildere uns dies, o Herr

śrīśiva uvāca / śrūyatām aparādhān vai viṣṇor vakṣyāmi nārada / yān kṛtvā narakaṃ yānti mānavāḥ satataṃ mune //

Śrī Śiva sprach: Höre, ich will die Verfehlungen gegen Viṣṇu verkünden, o Nārada – durch deren Begehen die Menschen stets in die Hölle gelangen, o Weiser.

Wort für Wort
śrī-śiva uvāca
Śrī Śiva sprach
śrūyatāṃ aparādhān vai viṣṇor vakṣyāmi nārada
höre, ich will die Verfehlungen gegen Viṣṇu verkünden, o Nārada
yān kṛtvā narakaṃ yānti mānavāḥ
durch deren Begehen die Menschen in die Hölle gelangen
satataṃ mune
stets, o Weiser

asnātvā sparśanaṃ viṣṇor vinā śaṅkhena snāpanam / aśauce sparśanaṃ sākṣād bhuktā pādodakagrahaḥ vā //

Die Berührung Viṣṇus ohne vorheriges Bad; das Baden des Bildnisses ohne die Muschel; die unmittelbare Berührung in Unreinheit; oder das Trinken des Fußwaschwassers nach dem Essen –

Wort für Wort
asnātvā sparśanaṃ viṣṇoḥ
die Berührung Viṣṇus ohne vorheriges Bad
vinā śaṅkhena snāpanam
das Baden ohne die Muschel
aśauce sparśanaṃ sākṣāt
die unmittelbare Berührung in Unreinheit
bhuktā pādodakagrahaḥ vā
oder das Trinken des Fußwaschwassers nach dem Essen

vinā śabdena pūjā ca vinā naivedyapūjanam / uccāsanasthapūjā ca śīte vyajanavātakam //

die Verehrung ohne Mantra-Klang; die Verehrung ohne Speiseopfer; die Verehrung, während man auf einem zu hohen Sitz thront; das Fächeln von Wind bei Kälte –

Wort für Wort
vinā śabdena pūjā ca
die Verehrung ohne Klang
vinā naivedyapūjanam
die Verehrung ohne Speiseopfer
uccāsanasthapūjā ca
die Verehrung auf zu hohem Sitz
śīte vyajanavātakam
das Fächeln von Wind bei Kälte

udakyādarśanaṃ caiva ghaṇṭāyā bhūniveśanam / pauṣe ca candanasparśo grīṣme cāsparśanaṃ tathā //

das Erblicken des Bildnisses durch eine menstruierende Frau; das Ablegen der Glocke auf dem Boden; die Berührung mit Sandelpaste im Monat Pauṣa (Winter); ebenso das Unterlassen dieser Berührung im Sommer –

Wort für Wort
udakyādarśanaṃ ca eva
das Erblicken durch eine menstruierende Frau
ghaṇṭāyā bhūniveśanam
das Ablegen der Glocke auf dem Boden
pauṣe ca candanasparśaḥ
die Sandelpasten-Berührung im Monat Pauṣa
grīṣme ca asparśanaṃ tathā
und ebenso das Unterlassen im Sommer

puṣpaṃ toyena saṃsparśaṃ vinā homaṃ mahotsavaḥ / pūjāṃ kṛtvā pṛṣṭhadarśam agre ca bhramaṇaṃ tathā //

das Benetzen der Blume mit Wasser; ein großes Fest ohne Feueropfer; nach vollzogener Verehrung das Zeigen des Rückens; ebenso das Herumgehen davor –

Wort für Wort
puṣpaṃ toyena saṃsparśam
das Benetzen der Blume mit Wasser
vinā homaṃ mahotsavaḥ
ein großes Fest ohne Feueropfer
pūjāṃ kṛtvā pṛṣṭhadarśam
nach vollzogener Verehrung das Zeigen des Rückens
agre ca bhramaṇaṃ tathā
und ebenso das Herumgehen davor

bhojanaṃ bhagavadvāre abhuktvā ca viṣādatā / pādukārohaṇaṃ viṣṇor gehe kambalaveśanam //

das Essen im Tor des Tempels; Missmut, ohne vorher gegessen zu haben; das Betreten mit Sandalen im Hause Viṣṇus; das Hineintragen einer Wolldecke –

Wort für Wort
bhojanaṃ bhagavadvāre
das Essen im Tor des Tempels
abhuktvā ca viṣādatā
und Missmut, ohne gegessen zu haben
pādukārohaṇaṃ viṣṇor gehe
das Betreten mit Sandalen im Hause Viṣṇus
kambalaveśanam
das Hineintragen einer Wolldecke

vāmapādapraveśaś ca kūrdanaṃ pākabhojanam / śleṣmaprakṣepaṇaṃ caiva tattṛṇair dantadhāvanam //

das Betreten mit dem linken Fuß zuerst; das Herumspringen; das Essen von gekochter Speise im Tempel; das Ausspucken von Schleim; das Zähneputzen mit dessen Gras –

Wort für Wort
vāmapādapraveśaś ca
das Betreten mit dem linken Fuß
kūrdanaṃ pākabhojanam
das Herumspringen, das Essen von gekochter Speise
śleṣmaprakṣepaṇaṃ ca eva
und das Ausspucken von Schleim
tattṛṇair dantadhāvanam
das Zähneputzen mit dessen Gras

devāgre vāhanāroho naivedye dravyabuddhitā / śālagrāme sthirāyāṃ ca śileti pratimeti ca //

das Besteigen eines Reittiers vor der Gottheit; die bloß materielle Wertschätzung des Speiseopfers; beim heiligen Śālagrāma-Stein wie beim unbeweglichen Bildnis der Gedanke 'es ist nur ein Stein' bzw. 'es ist nur ein Abbild' –

Wort für Wort
devāgre vāhanārohaḥ
das Besteigen eines Reittiers vor der Gottheit
naivedye dravyabuddhitā
die materielle Wertschätzung des Speiseopfers
śālagrāme sthirāyāṃ ca
beim Śālagrāma-Stein und beim unbeweglichen Bildnis
śila iti pratima iti ca
der Gedanke 'es ist nur ein Stein', 'es ist nur ein Abbild'

harikīrter asaṃślāghā vaiṣṇave narasāmyatā / viṣṇau ca devatāsāmyam anyoddeśanivedanam //

das Nicht-Rühmen von Haris Ruhm; die Gleichsetzung eines Viṣṇu-Verehrers mit einem gewöhnlichen Menschen; die Gleichsetzung Viṣṇus mit anderen Gottheiten; das Darbringen einer Opfergabe mit Widmung an einen anderen Gott –

Wort für Wort
harikīrter asaṃślāghā
das Nicht-Rühmen von Haris Ruhm
vaiṣṇave narasāmyatā
die Gleichsetzung eines Viṣṇu-Verehrers mit einem gewöhnlichen Menschen
viṣṇau ca devatāsāmyam
die Gleichsetzung Viṣṇus mit anderen Gottheiten
anyoddeśanivedanam
das Darbringen mit Widmung an einen anderen

ete 'parādhā dvātriṃśad viṣṇor nāmnām atha śṛṇu / satāṃ nāmnā śive viṣṇau bhidācāryāvamānatā //

Dies sind die zweiunddreißig Verfehlungen (gegen Viṣṇu und den Namen zusammen). Höre nun die gegen den Namen selbst: das Sehen eines Unterschieds zwischen Śiva und Viṣṇu; die Geringschätzung des Lehrers –

Wort für Wort
ete 'parādhā dvātriṃśad
dies sind die zweiunddreißig Verfehlungen
viṣṇor nāmnām atha śṛṇu
gegen Viṣṇu; höre nun die gegen den Namen
satāṃ nāmnā śive viṣṇau bhidā
das Sehen eines Unterschieds zwischen Śiva und Viṣṇu bei den Guten durch den Namen
ācāryāvamānatā
die Geringschätzung des Lehrers

[Anm.: '32' = die Summe der 22 Verfehlungen gegen Viṣṇu (V.30-37, tatsächlich hier mehr aufgezählt) plus 10 gegen den Namen (V.39-40), gemäß Nāradas Frage in V.28; Zählung im Detail unsicher.]

vedanindā nāmni vādaḥ pāpecchā nāmasāhasāt / nāmno dharmaiḥ sāmyabuddhir dānaṃ śraddhāvivarjitaiḥ //

Verachtung des Veda; Streiten über den Namen; der Wunsch nach Sünde im Vertrauen auf die Vergebungskraft des Namens; die Gleichsetzung des Namens mit bloßen weltlichen Pflichten; die Weitergabe des Namens an Glaubenslose –

Wort für Wort
vedanindā
Verachtung des Veda
nāmni vādaḥ
Streiten über den Namen
pāpecchā nāmasāhasāt
der Wunsch nach Sünde im Vertrauen auf den Namen
nāmno dharmaiḥ sāmyabuddhiḥ
die Gleichsetzung des Namens mit weltlichen Pflichten
dānaṃ śraddhāvivarjitaiḥ
die Gabe an Glaubenslose

śrutvāpi śraddhārāhityaṃ kīrtane cāpy ahaṃmatiḥ / ete nāmnāṃ dvijaśreṣṭha hy aparādhā mayeritāḥ //

selbst nach dem Hören der Mangel an Glauben; und beim Preisen der Ich-Dünkel – dies sind, o bester Zweifachgeborener, die von mir genannten Verfehlungen gegen den Namen.

Wort für Wort
śrutvā api śraddhārāhityam
selbst nach dem Hören der Mangel an Glauben
kīrtane ca api ahaṃmatiḥ
und beim Preisen der Ich-Dünkel
ete nāmnāṃ dvijaśreṣṭha
dies sind, o bester Zweifachgeborener, gegen den Namen
hy aparādhā mayā īritāḥ
die von mir genannten Verfehlungen

varjanīyā nṛbhir yatnair yato narakakāraṇāḥ /

Sie sind von den Menschen mit Eifer zu meiden, da sie Ursache der Hölle sind.

Wort für Wort
varjanīyā nṛbhir yatnaiḥ
sie sind von den Menschen mit Eifer zu meiden
yato narakakāraṇāḥ
da sie Ursache der Hölle sind

śrīnārada uvāca / viṣayāsaktacittānāṃ prākṛtānāṃ nṛṇāṃ prabho / aparādhā harer āśu varjyā naiva bhavanti hi //

Śrī Nārada sprach: Für an die Sinnesobjekte gefesselte, weltliche Menschen, o Herr, sind die Verfehlungen gegen Hari nicht leicht zu meiden.

Wort für Wort
śrī-nārada uvāca
Śrī Nārada sprach
viṣayāsaktacittānāṃ prākṛtānāṃ nṛṇāṃ prabho
für an die Sinnesobjekte gefesselte weltliche Menschen, o Herr
aparādhā hareḥ āśu varjyā na eva bhavanti hi
sind die Verfehlungen gegen Hari nicht leicht zu meiden

ato yena prakāreṇa taranti prākṛtā api / aparādhān kṛtān deva tan mamākhyātum arhasi //

Darum mögest du mir erklären, auf welche Weise auch weltliche Menschen die begangenen Verfehlungen überwinden können, o Gott.

Wort für Wort
ato yena prakāreṇa
darum auf welche Weise
taranti prākṛtā api
auch weltliche Menschen überwinden
aparādhān kṛtān deva
die begangenen Verfehlungen, o Gott
tan mama ākhyātum arhasi
dies mögest du mir erklären

śrīśiva uvāca / pradakṣiṇaśataṃ kṛtvā daṇḍavat praṇamed bhuvi / aparādhaśataṃ tasya kṣamate svasya keśavaḥ //

Śrī Śiva sprach: Wer hundert Umwandlungen vollzieht und sich stabartig zu Boden verneigt, dessen hundert Verfehlungen vergibt Keśava von sich aus.

Wort für Wort
śrī-śiva uvāca
Śrī Śiva sprach
pradakṣiṇaśataṃ kṛtvā
wer hundert Umwandlungen vollzieht
daṇḍavat praṇamed bhuvi
und sich stabartig zu Boden verneigt
aparādhaśataṃ tasya kṣamate svasya keśavaḥ
dessen hundert Verfehlungen vergibt Keśava von sich aus

pradakṣiṇaṃ sakṛt kṛtvā yo na jānuśiraṃ namet / niṣphalaṃ tad bhavet tasya tasmāt pratyekaśo namet //

Wer eine Umwandlung vollzieht, ohne sich mit Knie und Haupt zu verneigen, dessen Handlung bleibt fruchtlos; darum verneige man sich bei jeder einzelnen Umwandlung.

Wort für Wort
pradakṣiṇaṃ sakṛt kṛtvā
wer eine Umwandlung vollzieht
yo na jānuśiraṃ namet
ohne sich mit Knie und Haupt zu verneigen
niṣphalaṃ tad bhavet tasya
dessen Handlung bleibt fruchtlos
tasmāt pratyekaśo namet
darum verneige man sich bei jeder einzelnen

jagannātheti te nāma vyāhariṣyanti te yadi / aparādhaśataṃ teṣāṃ kṣamate nātra saṃśayaḥ //

Wenn sie deinen Namen 'Jagannātha' aussprechen werden, vergibt er ihnen hundert Verfehlungen – hieran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
jagannātha iti te nāma
deinen Namen 'Jagannātha'
vyāhariṣyanti te yadi
wenn sie aussprechen werden
aparādhaśataṃ teṣāṃ kṣamate
vergibt er ihnen hundert Verfehlungen
na atra saṃśayaḥ
hieran kein Zweifel

nāmno 'parādhās tarati nāmna eva sadā japāt / vinā bhaktāparādhena tatprasādavivarjitaḥ //

Die Verfehlungen gegen den Namen überwindet man stets allein durch das wiederholte Murmeln des Namens – ausgenommen die Verfehlung gegen einen Hingebungsvollen, die von seiner Gnade ausgeschlossen bleibt.

Wort für Wort
nāmno 'parādhāḥ tarati
die Verfehlungen gegen den Namen überwindet man
nāmna eva sadā japāt
stets allein durch das Murmeln des Namens
vinā bhaktāparādhena
ausgenommen die Verfehlung gegen einen Hingebungsvollen
tatprasādavivarjitaḥ
die von dessen Gnade ausgeschlossen bleibt

sarvāparādhāṃs tarati viṣṇupādāmbujāśrayaḥ / viṣṇor apy aparādhān vai nāmasaṃkīrtanāt taret //

Wer bei den Lotosfüßen Viṣṇus Zuflucht genommen hat, überwindet alle Verfehlungen; selbst die Verfehlungen gegen Viṣṇu überwinde man durch das Preisen des Namens.

Wort für Wort
sarvāparādhān tarati
er überwindet alle Verfehlungen
viṣṇupādāmbujāśrayaḥ
wer bei Viṣṇus Lotosfüßen Zuflucht genommen hat
viṣṇor api aparādhān vai
selbst die Verfehlungen gegen Viṣṇu
nāmasaṃkīrtanāt taret
überwinde man durch das Preisen des Namens

viṣṇubhaktāparādhānāṃ naivāsty anyā pratikriyā / śrīnārada uvāca / bhaktāparādhān me brūhi yathā teṣāṃ pratikriyā / anugrahāya lokānāṃ bhagavan mama cāpi hi //

Für Verfehlungen gegen einen Viṣṇu-Verehrer aber gibt es kein anderes Heilmittel. – Śrī Nārada sprach: Nenne mir die Verfehlungen gegen Hingebungsvolle, und wie deren Heilmittel beschaffen ist, zur Gnade für die Welten und auch für mich, o Erhabener.

Wort für Wort
viṣṇubhaktāparādhānāṃ na eva asti anyā pratikriyā
für Verfehlungen gegen einen Viṣṇu-Verehrer gibt es kein anderes Heilmittel
śrī-nārada uvāca
Śrī Nārada sprach
bhaktāparādhān me brūhi
nenne mir die Verfehlungen gegen Hingebungsvolle
yathā teṣāṃ pratikriyā
und wie deren Heilmittel beschaffen ist
anugrahāya lokānāṃ bhagavan mama ca api hi
zur Gnade für die Welten und auch für mich, o Erhabener

[Anm.: Sprecherwechsel zu Nārada innerhalb des Verses.]

śrīśiva uvāca / viṣṇubhaktasya sarvasvaharaṇaṃ dvijasattama / bhartsanaṃ cottame bhakte svapne cāpi prahāraṇam //

Śrī Śiva sprach: Das Rauben des gesamten Besitzes eines Viṣṇu-Verehrers, o bester Zweifachgeborener; das Schmähen eines vortrefflichen Hingebungsvollen; und sogar im Traum ein Schlag gegen ihn –

Wort für Wort
śrī-śiva uvāca
Śrī Śiva sprach
viṣṇubhaktasya sarvasvaharaṇam
das Rauben des gesamten Besitzes eines Viṣṇu-Verehrers
dvijasattama
o bester Zweifachgeborener
bhartsanaṃ ca uttame bhakte
das Schmähen eines vortrefflichen Hingebungsvollen
svapne ca api prahāraṇam
und sogar im Traum ein Schlag

ete 'parādhā bhaktānāṃ śṛṇv eṣāṃ pratikriyā / taddhanaṃ dviguṇaṃ dattvā kṛtvā pādābhivandanam //

dies sind die Verfehlungen gegen die Hingebungsvollen; höre nun deren Heilmittel: man gebe dessen Besitz doppelt zurück und verneige sich zu seinen Füßen,

Wort für Wort
ete 'parādhā bhaktānām
dies sind die Verfehlungen gegen die Hingebungsvollen
śṛṇu eṣāṃ pratikriyā
höre nun deren Heilmittel
taddhanaṃ dviguṇaṃ dattvā
nachdem man dessen Besitz doppelt zurückgegeben hat
kṛtvā pādābhivandanam
und sich zu seinen Füßen verneigt hat

kathayen me kṣamasveti taddoṣaṃ dhanakarṣaṇam / yāvat tadbhartsanaṃ kṛtvā tāvan māsān samāhitaḥ //

und spreche zu ihm: 'Vergib mir diese Verfehlung des Raubes'; hat man ihn geschmäht, so diene man ihm ebenso viele Monate lang gesammelten Sinnes,

Wort für Wort
kathayen me kṣamasva iti
er spreche: 'vergib mir'
taddoṣaṃ dhanakarṣaṇam
diese Schuld des Raubes
yāvat tadbhartsanaṃ kṛtvā
so viel man geschmäht hat
tāvan māsān samāhitaḥ
ebenso viele Monate gesammelten Sinnes

nirmatsaraḥ paricaret tatprasādena śudhyati / yāvaj jīvaṃ prahāre tu paricaryed atandritaḥ //

frei von Missgunst diene man, und durch dessen Gnade wird man rein; bei einem Schlag aber diene man lebenslang unermüdlich,

Wort für Wort
nirmatsaraḥ paricaret
frei von Missgunst diene man
tatprasādena śudhyati
durch dessen Gnade wird man rein
yāvaj jīvaṃ prahāre tu
bei einem Schlag aber lebenslang
paricaryed atandritaḥ
diene man unermüdlich

tatprasādena tatpāpān niṣkṛtir nānyathā bhavet / akṛtvā niṣkṛtīn etān narakān nāsti niṣkṛtiḥ //

durch dessen Gnade allein gibt es Sühne für diese Sünde, nicht anders; ohne diese Sühnehandlungen zu vollziehen, gibt es keine Rettung aus den Höllen.

Wort für Wort
tatprasādena tatpāpān niṣkṛtiḥ
durch dessen Gnade gibt es Sühne für diese Sünde
na anyathā bhavet
nicht anders geschieht es
akṛtvā niṣkṛtīn etān
ohne diese Sühnehandlungen zu vollziehen
narakān na asti niṣkṛtiḥ
gibt es keine Rettung aus den Höllen

ajñānataḥ kṛte vipra tatprasādena naśyati / jñānāt tu dviguṇaṃ kuryād eṣa dharmaḥ sanātanaḥ //

Ist die Verfehlung aus Unwissenheit begangen, o Brahmane, so vergeht sie durch dessen Gnade; ist sie aber wissentlich begangen, so leiste man das Doppelte – dies ist die ewige Rechtsordnung.

Wort für Wort
ajñānataḥ kṛte vipra
aus Unwissenheit begangen, o Brahmane
tatprasādena naśyati
vergeht sie durch dessen Gnade
jñānāt tu dviguṇaṃ kuryāt
wissentlich aber leiste man das Doppelte
eṣa dharmaḥ sanātanaḥ
dies ist die ewige Rechtsordnung

putre śiṣye ca jāyāyāṃ śāsane nāsti dūṣaṇam / anyayā tu kṛte doṣo bhavaty eva na saṃśayaḥ //

Bei einem Sohn, einem Schüler oder einer Gattin liegt in einer zurechtweisenden Bestrafung kein Vergehen; wird sie aber ohne diese familiäre Beziehung verübt, so entsteht gewiss eine Schuld, ohne Zweifel.

Wort für Wort
putre śiṣye ca jāyāyām
bei Sohn, Schüler und Gattin
śāsane na asti dūṣaṇam
liegt in Bestrafung kein Vergehen
anyayā tu kṛte doṣaḥ
ohne diese Beziehung verübt aber entsteht Schuld
bhavati eva na saṃśayaḥ
gewiss, ohne Zweifel

keśākarṣe padāghāte mukhe ca carpaṭe kṛte / na niṣkṛtiṃ prapaśyāmi tasmāt tān na samācaret //

Beim Zerren an den Haaren, beim Fußtritt und beim Versetzen einer Ohrfeige ins Gesicht sehe ich keine Sühne mehr möglich; darum begehe man diese Taten nicht.

Wort für Wort
keśākarṣe padāghāte
beim Zerren an den Haaren, beim Fußtritt
mukhe ca carpaṭe kṛte
und beim Versetzen einer Ohrfeige ins Gesicht
na niṣkṛtiṃ prapaśyāmi
sehe ich keine Sühne
tasmāt tān na samācaret
darum begehe man diese nicht

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