Paṭala 5: Pañcamaḥ Paṭalaḥ
Fünfter Paṭala – Die vier Weltzeitalter und ihre Verehrungsformen
Nārada erfragt, dem Zeitalter entsprechend, das jeweils angemessene Mittel zur Erlösung durch den Dienst an Viṣṇu (V.1-3). Śiva antwortet mit einer Vierteilung nach den yugas: im Kṛta-Zeitalter, wo die Menschen von Natur aus rein sind, ist die höchste Pflicht die dreifache Meditation (nirālamba/sāvalamba/sarvāntaryāmidhāraṇa), ausführlich als sechsgliedriger Yoga entfaltet (Yama mit 12 Selbstzügelungen, Niyama, Āsana, Prāṇāyāma, Pratyāhāra, Dhyāna mit detaillierter Kopf-zu-Fuß-Meditationsgestalt Haris, V.4-29); im Tretā-Zeitalter das vedische Opfer (V.29-32); im Dvāpara-Zeitalter die Bildnis-Verehrung (pūjā, V.33-36); im Kali-Zeitalter schließlich, wo die Menschen zu Askese und Ritual kaum mehr fähig sind, allein das Preisen des Namens Kṛṣṇas/Haris (kīrtana) – begründet mit Kṛṣṇas eigenem Erdenwirken zu Beginn des Kali-Zeitalters (V.38-41). Bemerkenswert ist die Umkehrung der traditionellen Yuga-Wertung: Kali wird, wegen der Leichtigkeit des bloßen Namens-Preisens, als das "beste" Zeitalter gepriesen, dem selbst die früheren Zeitalter neidisch nacheifern (V.42-53) – ein zentraler bhakti-Topos der Nāma-saṃkīrtana-Bewegungen.
Śrī-Nārada spricht: „Mir wurde von dir, o Guru der Götter, das Kennzeichen der Hingabe zum Erhabenen dargelegt, das in allen vier Zeitaltern anerkannt ist und allen Welten Glück verleiht.
Wort für Wort
śrīnārada uvāca
Śrī-Nārada spricht:
kathitaṃ me suraguro bhagavadbhaktilakṣaṇam
mir wurde von dir, o Guru der Götter, das Kennzeichen der Hingabe zum Erhabenen dargelegt
caturyuge 'py abhimataṃ sarvalokasukhāvaham
das in allen vier Zeitaltern anerkannt ist und allen Welten Glück verleiht
Eröffnet Paṭala 5: die vier Weltzeitalter (yuga) mit ihren jeweils angemessenen Verehrungsformen Viṣṇus.
adhunā vada deveśa janānāṃ hitakāmyayā / yugānurūpaṃ śrīviṣṇoḥ sevayā mokṣasādhanam
Sage mir jetzt, o Herr der Götter, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Menschen, das dem jeweiligen Zeitalter entsprechende Mittel zur Erlösung durch den Dienst an Śrī-Viṣṇu.
Wort für Wort
adhunā vada deveśa janānāṃ hitakāmyayā
sage mir jetzt, o Herr der Götter, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Menschen
yugānurūpaṃ śrīviṣṇoḥ sevayā mokṣasādhanam
das dem Zeitalter entsprechende Mittel zur Erlösung durch den Dienst an Śrī-Viṣṇu
prajānāṃ lakṣaṇaṃ viṣṇor bhūtir liṅgaṃ pṛthagvidham / dharmaṃ ca nāmasaṃkhyā ca samāsena sureśvara
Sage mir das Kennzeichen der Geschöpfe, die je verschiedene äußere Erscheinung Viṣṇus, die Pflicht und die Namensanzahl, kurz gefasst, o Gebieter der Götter.“
Śrī-Śiva spricht: „Im Kṛta-Zeitalter sind alle Geschöpfe rein, frei von Leidenschaft usw., durch angeborene Verbindung [mit dem Yoga] friedvoll, gelten als von gleichmütigem Blick.
Wort für Wort
śrīśiva uvāca
Śrī-Śiva spricht:
kṛte yuge prajāḥ sarvāḥ śuddhā rāgādivarjitāḥ
im Kṛta-Zeitalter sind alle Geschöpfe rein, frei von Leidenschaft usw.
autpattikena yogena śāntāḥ śamadṛśo matāḥ
durch angeborene Verbindung friedvoll, gelten als von gleichmütigem Blick
teṣāṃ tu bhagavaddhyānaṃ saṃsārārṇavatārakam / tad eva paramo dharmas tadyugasya mahāmate
Ihre Meditation auf den Erhabenen führt über den Ozean des Weltenkreislaufs hinüber; eben dies ist die höchste Pflicht jenes Zeitalters, o Hochgesinnter.
Wort für Wort
teṣāṃ tu bhagavaddhyānaṃ saṃsārārṇavatārakam
ihre Meditation auf den Erhabenen führt über den Ozean des Weltenkreislaufs hinüber
tad eva paramo dharmas tadyugasya mahāmate
eben dies ist die höchste Pflicht jenes Zeitalters, o Hochgesinnter
Jene Meditation wird als dreifach bezeichnet, [in ihren Teilaspekten] mit zehn Namen versehen [?]: die stützlose (nirālamba), die gestützte (sāvalamba) und die Fixierung auf den inneren Lenker in allem (sarvāntaryāmidhāraṇa).
jene Meditation wird als dreifach bezeichnet, mit zehn Namen versehen
nirālambaṃ sāvalambaṃ sarvāntaryāmidhāraṇam
die stützlose, die gestützte und die Fixierung auf den inneren Lenker in allem
[Anm.: 'mit zehn Namen versehen' bleibt unklar [?] – möglicherweise Vorverweis auf die zehn Namen der dritten Meditationsform (V.5.36 nennt 'zwölf Namen'; die genaue Zuordnung ist im Text nicht eindeutig aufgelöst).]
Man soll dies, mit sechs Gliedern (ṣaḍaṅga) versehen, bis zur höchsten Grenze des Samādhi ausüben; höre zuerst von der stützlosen [Meditation], die das Leid ergreift/aufhebt [?], o Bester.
Wort für Wort
tatṣaḍaṅgayutaṃ kuryāt samādhyavadhim uttamam
man soll dies, mit sechs Gliedern versehen, bis zur höchsten Grenze des Samādhi ausüben
duḥkhagrahaṃ nirālambaṃ prathamaṃ śṛṇu sattama
höre zuerst von der leiderfassenden, stützlosen [Meditation], o Bester
[Anm.: 'duḥkhagraham' unklar [?] – hier als 'das Leid ergreifend/aufhebend' gedeutet.]
dharme sthairyaṃ ca viśvāso yamā dvādaśa sattama / yamādyam aṅgaṃ prathamaṃ kuryād dhyātā hy atandritaḥ
— Standhaftigkeit in der Rechtschaffenheit und Vertrauen: das sind die zwölf Yamas (Selbstzügelungen), o Bester. Yama als das erste Glied soll der Meditierende zuerst unermüdlich ausüben.
Wort für Wort
dharme sthairyaṃ ca viśvāso yamā dvādaśa sattama
Standhaftigkeit in der Rechtschaffenheit und Vertrauen: das sind die zwölf Yamas, o Bester
yamādyam aṅgaṃ prathamaṃ kuryād dhyātā hy atandritaḥ
Yama als erstes Glied soll der Meditierende zuerst unermüdlich ausüben
parārthehāṃ guroḥ sevāṃ dviṣaṅniyamasaṃjñitam / kuryād dhyānaṃ dvitīyāṅgaṃ tṛtīyāṅgaṃ ca me śṛṇu
Streben um anderer willen, Dienst am Guru — dies sind die zwölf, 'Niyama' genannten [Glieder]. Man soll dies als das zweite Glied der Meditation üben; höre von mir das dritte Glied:
Wort für Wort
parārthehāṃ guroḥ sevāṃ dviṣaṅniyamasaṃjñitam
Streben um anderer willen, Dienst am Guru — die zwölf, Niyama genannten [Glieder]
kuryād dhyānaṃ dvitīyāṅgaṃ tṛtīyāṅgaṃ ca me śṛṇu
man soll dies als zweites Glied der Meditation üben; höre von mir das dritte Glied
[Anm.: Die Aufzählung V.5.10-11 nennt nur 11 Einzelbegriffe, obwohl 'dviṣaṭ' (zwölf) angekündigt wird [?] – ein Glied bleibt implizit oder in einem Kompositum verborgen.]
Die Fußspitzen ans eigene Knie gelegt, die Unterschenkel wechselseitig verschränkt, beide Hände in der Mitte des Schoßes — diese Haltung gilt als 'Āsana' (Sitzhaltung), das dritte Glied.
Wort für Wort
svajānulagne pādāgre kuryāj jaṅghe 'ntarāntare
die Fußspitzen ans eigene Knie gelegt, die Unterschenkel wechselseitig verschränkt
utsaṅgamadhye hastau dvau tat sthānam āsanaṃ smṛtam
beide Hände in der Mitte des Schoßes — diese Haltung gilt als Āsana
Mit eben dem Mantra 'Praṇava' (Oṃ), durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen, oder in umgekehrter Reihenfolge, soll man das vierte Glied, die Atemzügelung (prāṇasaṃyama), ausüben.
Wort für Wort
praṇavenaiva mantreṇa pūrakumbhakarecakaiḥ
mit dem Mantra Praṇava, durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen
viparyayeṇa vā kuryāt turyāṅgaṃ prāṇasaṃyamam
oder umgekehrt soll man das vierte Glied, die Atemzügelung, ausüben
viṣayebhyas tv indriyāṇāṃ saṃyamaṃ manasā hṛdi / kuryād atandrito yogī pratyāhāraṃ tu pañcamam
Der unermüdliche Yogi soll die Zügelung der Sinnesorgane von ihren Objekten weg, mit dem Geist im Herzen, als das fünfte Glied, den Pratyāhāra (Zurückziehung), ausüben.
Wort für Wort
viṣayebhyas tv indriyāṇāṃ saṃyamaṃ manasā hṛdi
die Zügelung der Sinnesorgane von ihren Objekten weg, mit dem Geist im Herzen
kuryād atandrito yogī pratyāhāraṃ tu pañcamam
soll der unermüdliche Yogi als fünftes Glied, den Pratyāhāra, ausüben
Der gesammelte Yogi, auf die eigene Nasenspitze blickend, soll durch den Atem die unmittelbare Festigkeit des Geistes, das höchste Glied der Meditation (dhyāna), ausüben.
Indem er den Erhabenen als den aus Glanz bestehenden, selbstleuchtenden, für Rede und Geist unzugänglichen erkennt und zum Ziel seiner Betrachtung macht, soll er mit dem Verstand darin verharren, bis dieser sich ihm offenbart.
Wort für Wort
tejomayaṃ svaprakāśam avāṅmanasagocaram
den aus Glanz bestehenden, selbstleuchtenden, für Rede und Geist unzugänglichen
lakṣīkṛtya dhiyā tiṣṭhed yāvan naiva prakāśate
zum Ziel machend soll er mit dem Verstand verharren, bis er sich offenbart
Höre nun kurz gefasst, o Brahmane, von der 'gestützten' (sāvalamba) Meditation auf Hari, mit eben jener Methode verbunden, wie man ihn mit dem Geist bedenken soll:
Wort für Wort
sāvaśeṣaṃ harer dhyānaṃ śṛṇu vipra samāsataḥ
höre kurz gefasst, o Brahmane, von der gestützten Meditation auf Hari
tenaiva vidhinā yukto manasā cintayed yathā
mit eben jener Methode verbunden, wie man ihn mit dem Geist bedenken soll
In der Mitte der Fruchtknospe des Herzenslotos soll man Hari meditieren, dessen Körper aus reinem Sattva besteht, den vierarmigen Puruṣa, der reinem Bergkristall gleicht,
Wort für Wort
hṛtpadmakarṇikāmadhye śuddhasattvatanuṃ harim
in der Mitte der Fruchtknospe des Herzenslotos Hari, dessen Körper aus reinem Sattva besteht
der Jaṭā-Haartracht trägt, in Rindenkleidung, mit dem Fell der schwarzen Antilope als Obergewand bekleidet, eine Gebetskette (akṣamālā), die Opferschnur, ebenso Stab und Wasserkrug
Wort für Wort
jaṭādharaṃ valkalinaṃ kṛṣṇasārājinottaram
der Jaṭā-Haartracht trägt, in Rindenkleidung, mit dem Fell der schwarzen Antilope als Obergewand
akṣamālāṃ yajñasūtraṃ tathā daṇḍakamaṇḍalum
eine Gebetskette, die Opferschnur, ebenso Stab und Wasserkrug
dem wird rasch die höchste Wonne, rasch der Reichtum zuteil. Deshalb sei nun von der raschen Vollendung bewirkenden Fixierung auf den inneren Lenker in allem gesprochen:
Wort für Wort
tasyāśu paramānandaḥ sampad āśu bhaviṣyati
dem wird rasch die höchste Wonne, rasch der Reichtum zuteil
āśusiddhikaraṃ cātaḥ sarvāntaryāmidhāraṇam
deshalb [nun] die rasche Vollendung bewirkende Fixierung auf den inneren Lenker in allem
Man soll dies mit Körper, Rede und Geist, frei von Hass, betrachten, o Zweifachgeborener; die Höherstehenden soll man mit Hingabe ehren, die Gleichgestellten mit Freundschaft, o Zweifachgeborener,
Wort für Wort
bhāvayed dveṣahīnena kāyavāṅmanasā dvija
man soll dies mit Körper, Rede und Geist, frei von Hass, betrachten
uttamān mānayed bhaktyā samān mitratayā dvija
die Höherstehenden mit Hingabe ehren, die Gleichgestellten mit Freundschaft
die Niedrigeren mit Mitgefühl; Feinde soll man, von Mitgefühl erfüllt, unbeachtet lassen. Wer so betrachtet, bis zur Schau der [einen] Seele in allem gelangt —
Wort für Wort
adhamān dayayā śatrūn upekṣeta dayānvitaḥ
die Niedrigeren mit Mitgefühl; Feinde soll man, von Mitgefühl erfüllt, unbeachtet lassen
evaṃ bhāvayatas tasya yāvat sarvātmadarśanam
wer so betrachtet, bis zur Schau der Seele in allem
suvinītāḥ sukhāvṛttā mahāśālā mahātmanaḥ / teṣāṃ tu bhagavadyāgo hy añjasā muktisādhakaḥ
wohlerzogen, in glücklichem Wandel lebend, aus großen Häusern, großmütig; für sie ist das Opfer an den Erhabenen das unmittelbar zur Erlösung führende Mittel.
Wort für Wort
suvinītāḥ sukhāvṛttā mahāśālā mahātmanaḥ
wohlerzogen, in glücklichem Wandel lebend, aus großen Häusern, großmütig
teṣāṃ tu bhagavadyāgo hy añjasā muktisādhakaḥ
für sie ist das Opfer an den Erhabenen das unmittelbar zur Erlösung führende Mittel
sa eva paramo dharmas tretāyāṃ dvijasattama / tasmin yajanti raktābhaṃ yajñamūrtiṃ jagadgurum
Eben dies ist die höchste Pflicht im Tretā-Zeitalter, o bester der Zweifachgeborenen; in ihm opfern sie dem rötlich glänzenden, die Opfer-Gestalt tragenden Guru der Welt,
Wort für Wort
sa eva paramo dharmas tretāyāṃ dvijasattama
eben dies ist die höchste Pflicht im Tretā-Zeitalter, o bester der Zweifachgeborenen
tasmin yajanti raktābhaṃ yajñamūrtiṃ jagadgurum
in ihm opfern sie dem rötlich glänzenden, die Opfer-Gestalt tragenden Guru der Welt
durch beständige und gelegentliche Opfer-Sitzungen, Opfer mit achtfachen Namensgruppen, nach der Methode der drei Veden ausgeführt; so gelangen die Menschen dann zur Erlösung.
Wort für Wort
nityanaimittikaiḥ sattrair yāgair nāmāṣṭakāyutaiḥ
durch beständige und gelegentliche Opfer-Sitzungen, Opfer mit achtfachen Namensgruppen
traividyena vidhānena yānti muktiṃ tadā janāḥ
nach der Methode der drei Veden gelangen die Menschen dann zur Erlösung
dvāpare tu janā hṛṣṭāḥ puṣṭāḥ karmakṛtikṣamāḥ / bhogānuṣaktamanasaḥ sukhaduḥkhatvam āvṛtāḥ
Im Dvāpara-Zeitalter aber sind die Menschen fröhlich, wohlgenährt, zur Ausübung von rituellem Handeln fähig, an Genuss gebundenen Geistes, von Glück und Leid umfangen.
Wort für Wort
dvāpare tu janā hṛṣṭāḥ puṣṭāḥ karmakṛtikṣamāḥ
im Dvāpara-Zeitalter sind die Menschen fröhlich, wohlgenährt, zur Ausübung von Handeln fähig
bhogānuṣaktamanasaḥ sukhaduḥkhatvam āvṛtāḥ
an Genuss gebundenen Geistes, von Glück und Leid umfangen
Für sie ist die Verehrung (pūjā) des Erhabenen das höchste Mittel zur Erlösung; die Verehrung gilt als zweifach: mit Neben- und Hilfsgliedern ausgeführt oder allein ohne diese.
Wort für Wort
bhagavatpūjanaṃ teṣāṃ mokṣasādhanam uttamam
für sie ist die Verehrung des Erhabenen das höchste Mittel zur Erlösung
sāṅgopāṅgaṃ kevalaṃ ca dvividhaṃ pūjanaṃ smṛtam
die Verehrung gilt als zweifach: mit Nebengliedern oder allein
tad eva paramo dharmo dvāparasya yugasya vai / tasmin yajanti puruṣā mahārājoktalakṣaṇam
Eben dies ist die höchste Pflicht des Dvāpara-Zeitalters; in ihm opfern die Menschen [ihm], dessen Merkmale von 'Mahārāja' verkündet wurden [?],
Wort für Wort
tad eva paramo dharmo dvāparasya yugasya vai
eben dies ist die höchste Pflicht des Dvāpara-Zeitalters
tasmin yajanti puruṣā mahārājoktalakṣaṇam
in ihm opfern die Menschen [ihm], dessen Merkmale von Mahārāja verkündet wurden
[Anm.: 'mahārājoktalakṣaṇam' unklar [?] – möglicherweise Bezug auf einen früheren (namentlich nicht genannten) königlichen Weisen als Lehrautorität dieser Verehrungsform.]
dem gelbfarbenen, mit vedischen Mantras, zusammen mit den zwölf Namen. Im Kali-Zeitalter aber sind die Geschöpfe von geringem Glück, träge, mit Leid verbunden,
Wort für Wort
pītavarṇaṃ vedamantrair nāmnāṃ dvādaśabhiḥ samam
dem gelbfarbenen, mit vedischen Mantras, zusammen mit den zwölf Namen
kalau prajā mandabhāgyā alasā duḥkhasaṃyutāḥ
im Kali-Zeitalter sind die Geschöpfe von geringem Glück, träge, mit Leid verbunden
dem Trieb der Genitalien und des Bauches ergeben, gemein, elend, befleckten Sinnes; für sie wird eine einzige Praxis als unmittelbare Ursache der Erlösung bezeichnet:
Wort für Wort
śiśnodaraparāḥ kṣudrā dīnā malinacetasaḥ
dem Trieb der Genitalien und des Bauches ergeben, gemein, elend, befleckten Sinnes
teṣām ekavidhaṃ proktam añjasā muktikāraṇam
für sie wird eine einzige Praxis als unmittelbare Ursache der Erlösung bezeichnet
avatīrya yaśas tene śuddhaṃ kalimalāpaham / dhyānayogakriyāḥ sarvāḥ sa saṃhatya dayāparaḥ
herabgestiegen, verbreitete er reinen, die Befleckung des Kali beseitigenden Ruhm; alle Praktiken von Meditation, Yoga und rituellem Handeln zusammenfassend, von Mitgefühl erfüllt,
Wort für Wort
avatīrya yaśas tene śuddhaṃ kalimalāpaham
herabgestiegen, verbreitete er reinen, die Befleckung des Kali beseitigenden Ruhm
dhyānayogakriyāḥ sarvāḥ sa saṃhatya dayāparaḥ
alle Praktiken von Meditation, Yoga und Handeln zusammenfassend, von Mitgefühl erfüllt
dem Saphir gleich, dunkel, der mit den Mantras der Tantras verehrt wird. In jenem Kali-Zeitalter, o Brahmane, werden [die Menschen], nachdem sie den makellosen Ruhm Haris gehört haben,
Wort für Wort
indranīlasamaḥ śyāmas tantramantrair ya ijyate
dem Saphir gleich, dunkel, der mit den Mantras der Tantras verehrt wird
tasmin kaliyuge vipra śrutvā hariyaśo 'malāḥ
in jenem Kali-Zeitalter, o Brahmane, nachdem sie den makellosen Ruhm Haris gehört haben
größtenteils Ergebene werden; deshalb ist Kali das beste Zeitalter. Deshalb wünschen sich die Geschöpfe der früheren Zeitalter Kṛta usw., in Kali geboren zu werden [?],
größtenteils werden sie Ergebene; deshalb ist Kali das beste Zeitalter
ataḥ kṛtādiṣu prajāḥ kalau sambhavam ātmanaḥ
deshalb [wünschen] die Geschöpfe der Zeitalter Kṛta usw. sich die eigene Geburt in Kali
[Anm.: Bemerkenswerte Umkehrung der üblichen Yuga-Wertung (Kṛta gilt traditionell als bestes Zeitalter) – hier wird Kali wegen der Leichtigkeit des Namens-Preisens als 'bestes Zeitalter' gepriesen, ein bekannter bhakti-Topos.]
kṛtādiṣu kalau tad vai kīrtanādiṣu labhyate / na deśakālakartṇāṃ niyamaḥ kīrtane smṛtaḥ
in den früheren Zeitaltern Kṛta usw. — eben diese wird im Kali-Zeitalter durch das Preisen usw. erlangt; beim Preisen gilt keine Einschränkung von Ort, Zeit oder Handelndem.
Wort für Wort
kṛtādiṣu kalau tad vai kīrtanādiṣu labhyate
in Kṛta usw. — eben diese wird in Kali durch das Preisen usw. erlangt
na deśakālakartṇāṃ niyamaḥ kīrtane smṛtaḥ
beim Preisen gilt keine Einschränkung von Ort, Zeit oder Handelndem
Deshalb ist im Kali-Zeitalter die höchste Pflicht das rechte Preisen des Ruhmes Haris; deshalb loben die in den drei vorherigen Zeitaltern lebenden Gebildeten das Kali-Zeitalter,
Wort für Wort
tasmāt kalau paro dharmo harikīrteḥ sukīrtanam
deshalb ist im Kali-Zeitalter die höchste Pflicht das rechte Preisen des Ruhmes Haris
yataḥ kaliṃ praśasanti śiṣṭāstriyugavartinaḥ
deshalb loben die in den drei Zeitaltern lebenden Gebildeten das Kali-Zeitalter
yatra kīrtanamātreṇa prāpnoti paramaṃ padam / kṛtādāv api ye jīvā na muktā nijadharmataḥ
in dem man durch bloßes Preisen den höchsten Zustand erlangt. Selbst jene Seelen, die im Kṛta-Zeitalter usw. durch ihre eigene Zeitalter-Pflicht nicht befreit wurden,
Wort für Wort
yatra kīrtanamātreṇa prāpnoti paramaṃ padam
in dem man durch bloßes Preisen den höchsten Zustand erlangt
kṛtādāv api ye jīvā na muktā nijadharmataḥ
selbst jene Seelen, die im Kṛta-Zeitalter durch ihre eigene Pflicht nicht befreit wurden
werden auch sie im Kali-Zeitalter durch bloßes Preisen zur Erlösung gelangen; denn der Vorzug des sonst aus einem Ozean von Fehlern bestehenden Kali ist ein einziger, aber gewaltiger:
Wort für Wort
te 'pi muktiṃ prayāsyanti kalau kīrtanamātrataḥ
auch sie werden im Kali-Zeitalter durch bloßes Preisen zur Erlösung gelangen
kaler doṣasamudrasya guṇa eko mahān yataḥ
denn der Vorzug des sonst aus einem Ozean von Fehlern bestehenden Kali ist ein einziger, gewaltiger
nāmnāṃ saṃkīrtanenaiva cāturvargaṃ jano 'śnute / kṛtādiṣv api viprendra harināmānukīrtanam
Durch das gemeinsame Preisen der Namen allein erlangt der Mensch die vier Lebensziele. Selbst in den früheren Zeitaltern Kṛta usw., o Fürst der Brahmanen, war das Wiederholen des Namens Haris
Wort für Wort
nāmnāṃ saṃkīrtanenaiva cāturvargaṃ jano 'śnute
durch das gemeinsame Preisen der Namen allein erlangt der Mensch die vier Lebensziele
kṛtādiṣv api viprendra harināmānukīrtanam
selbst in Kṛta usw., o Fürst der Brahmanen, [war] das Wiederholen des Namens Haris
nur durch Askese usw. zu erreichen; im Kali-Zeitalter aber ist es beides zugleich geworden [d.h. sowohl Mittel als auch Ziel]. Deshalb ist im Kali-Zeitalter das Preisen des Namens Viṣṇus das Höchste,
Wort für Wort
tapādisādhyaṃ tad bhūyaḥ kalāv ubhayatāṃ gatam
nur durch Askese usw. zu erreichen; im Kali-Zeitalter aber ist es beides zugleich geworden
tasmāt kaliyuge viṣṇor nāmakīrtanam uttamam
deshalb ist im Kali-Zeitalter das Preisen des Namens Viṣṇus das Höchste
[Anm.: 'ubhayatāṃ gatam' als 'sowohl Mittel (sādhana) als auch Ziel (sādhya) zugleich' gedeutet, im Einklang mit V.5.50.]
als das Mittel der in der Hingabe Gefestigten und ebenso als das Ziel selbst gepriesen. Wer, in welcher Geisteshaltung auch immer, beständig Hari preist,
hitvā pāpaṃ gatiṃ yānti kim utacchraddhayā gṛṇan / kalau nāmaparā eva satataṃ dvijasattama
gelangt, die Sünde ablegend, zum höchsten Ziel — wieviel mehr, wer ihn mit Glauben rezitiert! Im Kali-Zeitalter sind stets eben dem Namen ergeben, o bester der Zweifachgeborenen,
Wort für Wort
hitvā pāpaṃ gatiṃ yānti kim utacchraddhayā gṛṇan
gelangt, die Sünde ablegend, zum Ziel — wieviel mehr, wer mit Glauben rezitiert
kalau nāmaparā eva satataṃ dvijasattama
im Kali-Zeitalter sind stets eben dem Namen ergeben, o bester der Zweifachgeborenen
uktā mahābhāgavatā bhagavatpriyakāriṇaḥ / tasmāt sarvātmanā vipra kuru śrīkṛṣṇakīrtanam
die als 'Große Bhāgavatas' bezeichneten, die den Erhabenen erfreuenden [Verehrer]. Deshalb übe, o Brahmane, mit deiner ganzen Seele das Preisen Śrī-Kṛṣṇas,
Wort für Wort
uktā mahābhāgavatā bhagavatpriyakāriṇaḥ
die als Große Bhāgavatas bezeichneten, den Erhabenen erfreuenden Verehrer
tasmāt sarvātmanā vipra kuru śrīkṛṣṇakīrtanam
deshalb übe, o Brahmane, mit deiner ganzen Seele das Preisen Śrī-Kṛṣṇas