Quellen der Menschheit

Sātvata Saṃhitā

Paṭala 5: Pañcamaḥ Paṭalaḥ Fünfter Paṭala – Die vier Weltzeitalter und ihre Verehrungsformen

Nārada erfragt, dem Zeitalter entsprechend, das jeweils angemessene Mittel zur Erlösung durch den Dienst an Viṣṇu (V.1-3). Śiva antwortet mit einer Vierteilung nach den yugas: im Kṛta-Zeitalter, wo die Menschen von Natur aus rein sind, ist die höchste Pflicht die dreifache Meditation (nirālamba/sāvalamba/sarvāntaryāmidhāraṇa), ausführlich als sechsgliedriger Yoga entfaltet (Yama mit 12 Selbstzügelungen, Niyama, Āsana, Prāṇāyāma, Pratyāhāra, Dhyāna mit detaillierter Kopf-zu-Fuß-Meditationsgestalt Haris, V.4-29); im Tretā-Zeitalter das vedische Opfer (V.29-32); im Dvāpara-Zeitalter die Bildnis-Verehrung (pūjā, V.33-36); im Kali-Zeitalter schließlich, wo die Menschen zu Askese und Ritual kaum mehr fähig sind, allein das Preisen des Namens Kṛṣṇas/Haris (kīrtana) – begründet mit Kṛṣṇas eigenem Erdenwirken zu Beginn des Kali-Zeitalters (V.38-41). Bemerkenswert ist die Umkehrung der traditionellen Yuga-Wertung: Kali wird, wegen der Leichtigkeit des bloßen Namens-Preisens, als das "beste" Zeitalter gepriesen, dem selbst die früheren Zeitalter neidisch nacheifern (V.42-53) – ein zentraler bhakti-Topos der Nāma-saṃkīrtana-Bewegungen.

śrīnārada uvāca / kathitaṃ me suraguro bhagavadbhaktilakṣaṇam / caturyuge 'py abhimataṃ sarvalokasukhāvaham

Śrī-Nārada spricht: „Mir wurde von dir, o Guru der Götter, das Kennzeichen der Hingabe zum Erhabenen dargelegt, das in allen vier Zeitaltern anerkannt ist und allen Welten Glück verleiht.

Wort für Wort
śrīnārada uvāca
Śrī-Nārada spricht:
kathitaṃ me suraguro bhagavadbhaktilakṣaṇam
mir wurde von dir, o Guru der Götter, das Kennzeichen der Hingabe zum Erhabenen dargelegt
caturyuge 'py abhimataṃ sarvalokasukhāvaham
das in allen vier Zeitaltern anerkannt ist und allen Welten Glück verleiht

Eröffnet Paṭala 5: die vier Weltzeitalter (yuga) mit ihren jeweils angemessenen Verehrungsformen Viṣṇus.

adhunā vada deveśa janānāṃ hitakāmyayā / yugānurūpaṃ śrīviṣṇoḥ sevayā mokṣasādhanam

Sage mir jetzt, o Herr der Götter, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Menschen, das dem jeweiligen Zeitalter entsprechende Mittel zur Erlösung durch den Dienst an Śrī-Viṣṇu.

Wort für Wort
adhunā vada deveśa janānāṃ hitakāmyayā
sage mir jetzt, o Herr der Götter, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Menschen
yugānurūpaṃ śrīviṣṇoḥ sevayā mokṣasādhanam
das dem Zeitalter entsprechende Mittel zur Erlösung durch den Dienst an Śrī-Viṣṇu

prajānāṃ lakṣaṇaṃ viṣṇor bhūtir liṅgaṃ pṛthagvidham / dharmaṃ ca nāmasaṃkhyā ca samāsena sureśvara

Sage mir das Kennzeichen der Geschöpfe, die je verschiedene äußere Erscheinung Viṣṇus, die Pflicht und die Namensanzahl, kurz gefasst, o Gebieter der Götter.“

Wort für Wort
prajānāṃ lakṣaṇaṃ viṣṇor bhūtir liṅgaṃ pṛthagvidham
das Kennzeichen der Geschöpfe, Viṣṇus je verschiedene äußere Erscheinung
dharmaṃ ca nāmasaṃkhyā ca samāsena sureśvara
die Pflicht und die Namensanzahl, kurz gefasst, o Gebieter der Götter

śrīśiva uvāca / kṛte yuge prajāḥ sarvāḥ śuddhā rāgādivarjitāḥ / autpattikena yogena śāntāḥ śamadṛśo matāḥ

Śrī-Śiva spricht: „Im Kṛta-Zeitalter sind alle Geschöpfe rein, frei von Leidenschaft usw., durch angeborene Verbindung [mit dem Yoga] friedvoll, gelten als von gleichmütigem Blick.

Wort für Wort
śrīśiva uvāca
Śrī-Śiva spricht:
kṛte yuge prajāḥ sarvāḥ śuddhā rāgādivarjitāḥ
im Kṛta-Zeitalter sind alle Geschöpfe rein, frei von Leidenschaft usw.
autpattikena yogena śāntāḥ śamadṛśo matāḥ
durch angeborene Verbindung friedvoll, gelten als von gleichmütigem Blick

teṣāṃ tu bhagavaddhyānaṃ saṃsārārṇavatārakam / tad eva paramo dharmas tadyugasya mahāmate

Ihre Meditation auf den Erhabenen führt über den Ozean des Weltenkreislaufs hinüber; eben dies ist die höchste Pflicht jenes Zeitalters, o Hochgesinnter.

Wort für Wort
teṣāṃ tu bhagavaddhyānaṃ saṃsārārṇavatārakam
ihre Meditation auf den Erhabenen führt über den Ozean des Weltenkreislaufs hinüber
tad eva paramo dharmas tadyugasya mahāmate
eben dies ist die höchste Pflicht jenes Zeitalters, o Hochgesinnter

taddhyānaṃ trividhaṃ proktaṃ daśabhir nāmabhir yutam / nirālambaṃ sāvalambaṃ sarvāntaryāmidhāraṇam

Jene Meditation wird als dreifach bezeichnet, [in ihren Teilaspekten] mit zehn Namen versehen [?]: die stützlose (nirālamba), die gestützte (sāvalamba) und die Fixierung auf den inneren Lenker in allem (sarvāntaryāmidhāraṇa).

Wort für Wort
taddhyānaṃ trividhaṃ proktaṃ daśabhir nāmabhir yutam
jene Meditation wird als dreifach bezeichnet, mit zehn Namen versehen
nirālambaṃ sāvalambaṃ sarvāntaryāmidhāraṇam
die stützlose, die gestützte und die Fixierung auf den inneren Lenker in allem

[Anm.: 'mit zehn Namen versehen' bleibt unklar [?] – möglicherweise Vorverweis auf die zehn Namen der dritten Meditationsform (V.5.36 nennt 'zwölf Namen'; die genaue Zuordnung ist im Text nicht eindeutig aufgelöst).]

tatṣaḍaṅgayutaṃ kuryāt samādhyavadhim uttamam / duḥkhagrahaṃ nirālambaṃ prathamaṃ śṛṇu sattama

Man soll dies, mit sechs Gliedern (ṣaḍaṅga) versehen, bis zur höchsten Grenze des Samādhi ausüben; höre zuerst von der stützlosen [Meditation], die das Leid ergreift/aufhebt [?], o Bester.

Wort für Wort
tatṣaḍaṅgayutaṃ kuryāt samādhyavadhim uttamam
man soll dies, mit sechs Gliedern versehen, bis zur höchsten Grenze des Samādhi ausüben
duḥkhagrahaṃ nirālambaṃ prathamaṃ śṛṇu sattama
höre zuerst von der leiderfassenden, stützlosen [Meditation], o Bester

[Anm.: 'duḥkhagraham' unklar [?] – hier als 'das Leid ergreifend/aufhebend' gedeutet.]

ahiṃsā brahmacaryaṃ ca satyaṃ lajjā hy akāryataḥ / asteyo 'saṃcayo maunam asaṅgam abhayaṃ dayā

Gewaltlosigkeit, Keuschheit, Wahrhaftigkeit, Scham vor Unrechtem, Nicht-Stehlen, Besitzlosigkeit, Schweigen, Ungebundenheit, Furchtlosigkeit, Mitgefühl —

Wort für Wort
ahiṃsā brahmacaryaṃ ca satyaṃ lajjā hy akāryataḥ
Gewaltlosigkeit, Keuschheit, Wahrhaftigkeit, Scham vor Unrechtem
asteyo 'saṃcayo maunam asaṅgam abhayaṃ dayā
Nicht-Stehlen, Besitzlosigkeit, Schweigen, Ungebundenheit, Furchtlosigkeit, Mitgefühl

dharme sthairyaṃ ca viśvāso yamā dvādaśa sattama / yamādyam aṅgaṃ prathamaṃ kuryād dhyātā hy atandritaḥ

— Standhaftigkeit in der Rechtschaffenheit und Vertrauen: das sind die zwölf Yamas (Selbstzügelungen), o Bester. Yama als das erste Glied soll der Meditierende zuerst unermüdlich ausüben.

Wort für Wort
dharme sthairyaṃ ca viśvāso yamā dvādaśa sattama
Standhaftigkeit in der Rechtschaffenheit und Vertrauen: das sind die zwölf Yamas, o Bester
yamādyam aṅgaṃ prathamaṃ kuryād dhyātā hy atandritaḥ
Yama als erstes Glied soll der Meditierende zuerst unermüdlich ausüben

Zwölf Yamas: ahiṃsā, brahmacarya, satya, lajjā, asteya, asaṃcaya, mauna, asaṅga, abhaya, dayā, dharme sthairya, viśvāsa.

dehaśaucaṃ manaḥśaucaṃ jāpyaṃ homaṃ tapo vratam / śrāddham atithiśuśrūṣāṃ tīrthasevāṃ sutuṣṭidām

Körperreinheit, Geistesreinheit, Mantra-Wiederholung, Feueropfer, Askese, Gelübde, Ahnenopfer (śrāddha), Gastfreundschaft, Pilgerstättendienst, der wahre Zufriedenheit verleiht,

Wort für Wort
dehaśaucaṃ manaḥśaucaṃ jāpyaṃ homaṃ tapo vratam
Körperreinheit, Geistesreinheit, Mantra-Wiederholung, Feueropfer, Askese, Gelübde
śrāddham atithiśuśrūṣāṃ tīrthasevāṃ sutuṣṭidām
Ahnenopfer, Gastfreundschaft, Pilgerstättendienst, der wahre Zufriedenheit verleiht

parārthehāṃ guroḥ sevāṃ dviṣaṅniyamasaṃjñitam / kuryād dhyānaṃ dvitīyāṅgaṃ tṛtīyāṅgaṃ ca me śṛṇu

Streben um anderer willen, Dienst am Guru — dies sind die zwölf, 'Niyama' genannten [Glieder]. Man soll dies als das zweite Glied der Meditation üben; höre von mir das dritte Glied:

Wort für Wort
parārthehāṃ guroḥ sevāṃ dviṣaṅniyamasaṃjñitam
Streben um anderer willen, Dienst am Guru — die zwölf, Niyama genannten [Glieder]
kuryād dhyānaṃ dvitīyāṅgaṃ tṛtīyāṅgaṃ ca me śṛṇu
man soll dies als zweites Glied der Meditation üben; höre von mir das dritte Glied

[Anm.: Die Aufzählung V.5.10-11 nennt nur 11 Einzelbegriffe, obwohl 'dviṣaṭ' (zwölf) angekündigt wird [?] – ein Glied bleibt implizit oder in einem Kompositum verborgen.]

svajānulagne pādāgre kuryāj jaṅghe 'ntarāntare / utsaṅgamadhye hastau dvau tat sthānam āsanaṃ smṛtam

Die Fußspitzen ans eigene Knie gelegt, die Unterschenkel wechselseitig verschränkt, beide Hände in der Mitte des Schoßes — diese Haltung gilt als 'Āsana' (Sitzhaltung), das dritte Glied.

Wort für Wort
svajānulagne pādāgre kuryāj jaṅghe 'ntarāntare
die Fußspitzen ans eigene Knie gelegt, die Unterschenkel wechselseitig verschränkt
utsaṅgamadhye hastau dvau tat sthānam āsanaṃ smṛtam
beide Hände in der Mitte des Schoßes — diese Haltung gilt als Āsana

praṇavenaiva mantreṇa pūrakumbhakarecakaiḥ / viparyayeṇa vā kuryāt turyāṅgaṃ prāṇasaṃyamam

Mit eben dem Mantra 'Praṇava' (Oṃ), durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen, oder in umgekehrter Reihenfolge, soll man das vierte Glied, die Atemzügelung (prāṇasaṃyama), ausüben.

Wort für Wort
praṇavenaiva mantreṇa pūrakumbhakarecakaiḥ
mit dem Mantra Praṇava, durch Einatmen, Anhalten und Ausatmen
viparyayeṇa vā kuryāt turyāṅgaṃ prāṇasaṃyamam
oder umgekehrt soll man das vierte Glied, die Atemzügelung, ausüben

viṣayebhyas tv indriyāṇāṃ saṃyamaṃ manasā hṛdi / kuryād atandrito yogī pratyāhāraṃ tu pañcamam

Der unermüdliche Yogi soll die Zügelung der Sinnesorgane von ihren Objekten weg, mit dem Geist im Herzen, als das fünfte Glied, den Pratyāhāra (Zurückziehung), ausüben.

Wort für Wort
viṣayebhyas tv indriyāṇāṃ saṃyamaṃ manasā hṛdi
die Zügelung der Sinnesorgane von ihren Objekten weg, mit dem Geist im Herzen
kuryād atandrito yogī pratyāhāraṃ tu pañcamam
soll der unermüdliche Yogi als fünftes Glied, den Pratyāhāra, ausüben

prāṇena manasaḥ sākṣāt sthairyaṃ dhyānāṅgam uttamam / kuryāt samāhito yogī svanāsāgrāvalokanaḥ

Der gesammelte Yogi, auf die eigene Nasenspitze blickend, soll durch den Atem die unmittelbare Festigkeit des Geistes, das höchste Glied der Meditation (dhyāna), ausüben.

Wort für Wort
prāṇena manasaḥ sākṣāt sthairyaṃ dhyānāṅgam uttamam
durch den Atem die unmittelbare Festigkeit des Geistes, das höchste Glied der Meditation
kuryāt samāhito yogī svanāsāgrāvalokanaḥ
soll der gesammelte, auf die eigene Nasenspitze blickende Yogi ausüben

tejomayaṃ svaprakāśam avāṅmanasagocaram / lakṣīkṛtya dhiyā tiṣṭhed yāvan naiva prakāśate

Indem er den Erhabenen als den aus Glanz bestehenden, selbstleuchtenden, für Rede und Geist unzugänglichen erkennt und zum Ziel seiner Betrachtung macht, soll er mit dem Verstand darin verharren, bis dieser sich ihm offenbart.

Wort für Wort
tejomayaṃ svaprakāśam avāṅmanasagocaram
den aus Glanz bestehenden, selbstleuchtenden, für Rede und Geist unzugänglichen
lakṣīkṛtya dhiyā tiṣṭhed yāvan naiva prakāśate
zum Ziel machend soll er mit dem Verstand verharren, bis er sich offenbart

evaṃ cāharahaḥ kurvan yogī saṃśuddhakilbiṣaḥ / cirāt prāpnoti paramāṃ samādhiṃ brahmaṇaḥ padam

So Tag für Tag übend, erlangt der Yogi, von Sünde völlig gereinigt, nach langer Zeit den höchsten Samādhi, den Zustand des Brahman.

Wort für Wort
evaṃ cāharahaḥ kurvan yogī saṃśuddhakilbiṣaḥ
so Tag für Tag übend, erlangt der von Sünde gereinigte Yogi
cirāt prāpnoti paramāṃ samādhiṃ brahmaṇaḥ padam
nach langer Zeit den höchsten Samādhi, den Zustand des Brahman

Abschluss der 'stützlosen' (nirālamba) sechsgliedrigen Meditation (Yama-Niyama-Āsana-Prāṇāyāma-Pratyāhāra-Dhyāna, V.5.7–5.17).

sāvaśeṣaṃ harer dhyānaṃ śṛṇu vipra samāsataḥ / tenaiva vidhinā yukto manasā cintayed yathā

Höre nun kurz gefasst, o Brahmane, von der 'gestützten' (sāvalamba) Meditation auf Hari, mit eben jener Methode verbunden, wie man ihn mit dem Geist bedenken soll:

Wort für Wort
sāvaśeṣaṃ harer dhyānaṃ śṛṇu vipra samāsataḥ
höre kurz gefasst, o Brahmane, von der gestützten Meditation auf Hari
tenaiva vidhinā yukto manasā cintayed yathā
mit eben jener Methode verbunden, wie man ihn mit dem Geist bedenken soll

hṛtpadmakarṇikāmadhye śuddhasattvatanuṃ harim / puruṣaṃ caturbhujaṃ dhyāyec chuddhasphaṭikasaṃnibham

In der Mitte der Fruchtknospe des Herzenslotos soll man Hari meditieren, dessen Körper aus reinem Sattva besteht, den vierarmigen Puruṣa, der reinem Bergkristall gleicht,

Wort für Wort
hṛtpadmakarṇikāmadhye śuddhasattvatanuṃ harim
in der Mitte der Fruchtknospe des Herzenslotos Hari, dessen Körper aus reinem Sattva besteht
puruṣaṃ caturbhujaṃ dhyāyec chuddhasphaṭikasaṃnibham
soll man den vierarmigen Puruṣa meditieren, der reinem Bergkristall gleicht

jaṭādharaṃ valkalinaṃ kṛṣṇasārājinottaram / akṣamālāṃ yajñasūtraṃ tathā daṇḍakamaṇḍalum

der Jaṭā-Haartracht trägt, in Rindenkleidung, mit dem Fell der schwarzen Antilope als Obergewand bekleidet, eine Gebetskette (akṣamālā), die Opferschnur, ebenso Stab und Wasserkrug

Wort für Wort
jaṭādharaṃ valkalinaṃ kṛṣṇasārājinottaram
der Jaṭā-Haartracht trägt, in Rindenkleidung, mit dem Fell der schwarzen Antilope als Obergewand
akṣamālāṃ yajñasūtraṃ tathā daṇḍakamaṇḍalum
eine Gebetskette, die Opferschnur, ebenso Stab und Wasserkrug

bibhrāṇaṃ hṛdyugārādhyaṃ brahmacāriṇam avyayam / mukhāravindaṃ sunasaṃ subhruvaṃ sukapālinam

tragend, herzerfreuend, verehrungswürdig, den unvergänglichen Keuschheitsschüler (brahmacārin), mit einem Lotos-Gesicht, schöner Nase, schönen Brauen, schöner Stirn,

Wort für Wort
bibhrāṇaṃ hṛdyugārādhyaṃ brahmacāriṇam avyayam
tragend, herzerfreuend, verehrungswürdig, den unvergänglichen Keuschheitsschüler
mukhāravindaṃ sunasaṃ subhruvaṃ sukapālinam
mit Lotos-Gesicht, schöner Nase, schönen Brauen, schöner Stirn

suvarṇaśakalābhātaṃ sudvijaṃ kambukaṃdharam / dīrghāyatacaturbāhuṃ karapallavaśobhitam

von der Farbe eines Goldstücks glänzend, mit schönen Zähnen, muschelförmigem Hals, langgestreckten vier Armen, geschmückt mit sprossengleichen Händen,

Wort für Wort
suvarṇaśakalābhātaṃ sudvijaṃ kambukaṃdharam
von der Farbe eines Goldstücks glänzend, mit schönen Zähnen, muschelförmigem Hals
dīrghāyatacaturbāhuṃ karapallavaśobhitam
mit langgestreckten vier Armen, geschmückt mit sprossengleichen Händen

sucakṣuṣaṃ suhṛdayaṃ sūdaraṃ valibhir yutam / nimnanābhiṃ sucārūrujānujaṅghāpadaṃ śubham

mit schönen Augen, schönem Herzen, schönem, mit Hautfalten versehenem Bauch, tiefem Nabel, schönen Schenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen, glückverheißend,

Wort für Wort
sucakṣuṣaṃ suhṛdayaṃ sūdaraṃ valibhir yutam
mit schönen Augen, schönem Herzen, schönem, mit Hautfalten versehenem Bauch
nimnanābhiṃ sucārūrujānujaṅghāpadaṃ śubham
mit tiefem Nabel, schönen Schenkeln, Knien, Unterschenkeln und Füßen, glückverheißend

cārvaṅgulidalākāraṃ nakhacandradyutiprabham / evaṃ cintayato rūpaṃ viṣṇor lokamanoharam

mit schönen, blattförmigen Fingern, vom Glanz mondgleicher Nägel leuchtend — wer so über die weltbezaubernde Gestalt Viṣṇus nachdenkt,

Wort für Wort
cārvaṅgulidalākāraṃ nakhacandradyutiprabham
mit schönen, blattförmigen Fingern, vom Glanz mondgleicher Nägel leuchtend
evaṃ cintayato rūpaṃ viṣṇor lokamanoharam
wer so über die weltbezaubernde Gestalt Viṣṇus nachdenkt

Abschluss der Kopf-zu-Fuß-Beschreibung der sāvalamba-Meditationsgestalt (V.5.19–5.24).

tasyāśu paramānandaḥ sampad āśu bhaviṣyati / āśusiddhikaraṃ cātaḥ sarvāntaryāmidhāraṇam

dem wird rasch die höchste Wonne, rasch der Reichtum zuteil. Deshalb sei nun von der raschen Vollendung bewirkenden Fixierung auf den inneren Lenker in allem gesprochen:

Wort für Wort
tasyāśu paramānandaḥ sampad āśu bhaviṣyati
dem wird rasch die höchste Wonne, rasch der Reichtum zuteil
āśusiddhikaraṃ cātaḥ sarvāntaryāmidhāraṇam
deshalb [nun] die rasche Vollendung bewirkende Fixierung auf den inneren Lenker in allem

śṛṇu svavahito vipra mānastambhavivarjitam / sarvaṃ carācaram idaṃ bhagavadrūpādhiṣṭhitam

Höre aufmerksam, o Brahmane, frei von Stolz und Starrsinn: All dies Bewegliche und Unbewegliche ist von der Gestalt des Erhabenen durchwaltet.

Wort für Wort
śṛṇu svavahito vipra mānastambhavivarjitam
höre aufmerksam, o Brahmane, frei von Stolz und Starrsinn
sarvaṃ carācaram idaṃ bhagavadrūpādhiṣṭhitam
all dies Bewegliche und Unbewegliche ist von der Gestalt des Erhabenen durchwaltet

bhāvayed dveṣahīnena kāyavāṅmanasā dvija / uttamān mānayed bhaktyā samān mitratayā dvija

Man soll dies mit Körper, Rede und Geist, frei von Hass, betrachten, o Zweifachgeborener; die Höherstehenden soll man mit Hingabe ehren, die Gleichgestellten mit Freundschaft, o Zweifachgeborener,

Wort für Wort
bhāvayed dveṣahīnena kāyavāṅmanasā dvija
man soll dies mit Körper, Rede und Geist, frei von Hass, betrachten
uttamān mānayed bhaktyā samān mitratayā dvija
die Höherstehenden mit Hingabe ehren, die Gleichgestellten mit Freundschaft

adhamān dayayā śatrūn upekṣeta dayānvitaḥ / evaṃ bhāvayatas tasya yāvat sarvātmadarśanam

die Niedrigeren mit Mitgefühl; Feinde soll man, von Mitgefühl erfüllt, unbeachtet lassen. Wer so betrachtet, bis zur Schau der [einen] Seele in allem gelangt —

Wort für Wort
adhamān dayayā śatrūn upekṣeta dayānvitaḥ
die Niedrigeren mit Mitgefühl; Feinde soll man, von Mitgefühl erfüllt, unbeachtet lassen
evaṃ bhāvayatas tasya yāvat sarvātmadarśanam
wer so betrachtet, bis zur Schau der Seele in allem

acirāt paramānandasaṃdohaṃ manasāpnuyāt / tretāyāṃ prāṇinaḥ sarve japahomaparāyaṇāḥ

der erlangt bald mit dem Geist die volle Fülle der höchsten Wonne. Im Tretā-Zeitalter sind alle Lebewesen dem Wiederholen und Feueropfer ergeben,

Wort für Wort
acirāt paramānandasaṃdohaṃ manasāpnuyāt
der erlangt bald mit dem Geist die volle Fülle der höchsten Wonne
tretāyāṃ prāṇinaḥ sarve japahomaparāyaṇāḥ
im Tretā-Zeitalter sind alle Lebewesen dem Wiederholen und Feueropfer ergeben

Abschluss der dritten Meditationsform (sarvāntaryāmidhāraṇa, V.5.25–5.29) und Übergang zum Tretā-Zeitalter.

suvinītāḥ sukhāvṛttā mahāśālā mahātmanaḥ / teṣāṃ tu bhagavadyāgo hy añjasā muktisādhakaḥ

wohlerzogen, in glücklichem Wandel lebend, aus großen Häusern, großmütig; für sie ist das Opfer an den Erhabenen das unmittelbar zur Erlösung führende Mittel.

Wort für Wort
suvinītāḥ sukhāvṛttā mahāśālā mahātmanaḥ
wohlerzogen, in glücklichem Wandel lebend, aus großen Häusern, großmütig
teṣāṃ tu bhagavadyāgo hy añjasā muktisādhakaḥ
für sie ist das Opfer an den Erhabenen das unmittelbar zur Erlösung führende Mittel

sa eva paramo dharmas tretāyāṃ dvijasattama / tasmin yajanti raktābhaṃ yajñamūrtiṃ jagadgurum

Eben dies ist die höchste Pflicht im Tretā-Zeitalter, o bester der Zweifachgeborenen; in ihm opfern sie dem rötlich glänzenden, die Opfer-Gestalt tragenden Guru der Welt,

Wort für Wort
sa eva paramo dharmas tretāyāṃ dvijasattama
eben dies ist die höchste Pflicht im Tretā-Zeitalter, o bester der Zweifachgeborenen
tasmin yajanti raktābhaṃ yajñamūrtiṃ jagadgurum
in ihm opfern sie dem rötlich glänzenden, die Opfer-Gestalt tragenden Guru der Welt

nityanaimittikaiḥ sattrair yāgair nāmāṣṭakāyutaiḥ / traividyena vidhānena yānti muktiṃ tadā janāḥ

durch beständige und gelegentliche Opfer-Sitzungen, Opfer mit achtfachen Namensgruppen, nach der Methode der drei Veden ausgeführt; so gelangen die Menschen dann zur Erlösung.

Wort für Wort
nityanaimittikaiḥ sattrair yāgair nāmāṣṭakāyutaiḥ
durch beständige und gelegentliche Opfer-Sitzungen, Opfer mit achtfachen Namensgruppen
traividyena vidhānena yānti muktiṃ tadā janāḥ
nach der Methode der drei Veden gelangen die Menschen dann zur Erlösung

dvāpare tu janā hṛṣṭāḥ puṣṭāḥ karmakṛtikṣamāḥ / bhogānuṣaktamanasaḥ sukhaduḥkhatvam āvṛtāḥ

Im Dvāpara-Zeitalter aber sind die Menschen fröhlich, wohlgenährt, zur Ausübung von rituellem Handeln fähig, an Genuss gebundenen Geistes, von Glück und Leid umfangen.

Wort für Wort
dvāpare tu janā hṛṣṭāḥ puṣṭāḥ karmakṛtikṣamāḥ
im Dvāpara-Zeitalter sind die Menschen fröhlich, wohlgenährt, zur Ausübung von Handeln fähig
bhogānuṣaktamanasaḥ sukhaduḥkhatvam āvṛtāḥ
an Genuss gebundenen Geistes, von Glück und Leid umfangen

bhagavatpūjanaṃ teṣāṃ mokṣasādhanam uttamam / sāṅgopāṅgaṃ kevalaṃ ca dvividhaṃ pūjanaṃ smṛtam

Für sie ist die Verehrung (pūjā) des Erhabenen das höchste Mittel zur Erlösung; die Verehrung gilt als zweifach: mit Neben- und Hilfsgliedern ausgeführt oder allein ohne diese.

Wort für Wort
bhagavatpūjanaṃ teṣāṃ mokṣasādhanam uttamam
für sie ist die Verehrung des Erhabenen das höchste Mittel zur Erlösung
sāṅgopāṅgaṃ kevalaṃ ca dvividhaṃ pūjanaṃ smṛtam
die Verehrung gilt als zweifach: mit Nebengliedern oder allein

tad eva paramo dharmo dvāparasya yugasya vai / tasmin yajanti puruṣā mahārājoktalakṣaṇam

Eben dies ist die höchste Pflicht des Dvāpara-Zeitalters; in ihm opfern die Menschen [ihm], dessen Merkmale von 'Mahārāja' verkündet wurden [?],

Wort für Wort
tad eva paramo dharmo dvāparasya yugasya vai
eben dies ist die höchste Pflicht des Dvāpara-Zeitalters
tasmin yajanti puruṣā mahārājoktalakṣaṇam
in ihm opfern die Menschen [ihm], dessen Merkmale von Mahārāja verkündet wurden

[Anm.: 'mahārājoktalakṣaṇam' unklar [?] – möglicherweise Bezug auf einen früheren (namentlich nicht genannten) königlichen Weisen als Lehrautorität dieser Verehrungsform.]

pītavarṇaṃ vedamantrair nāmnāṃ dvādaśabhiḥ samam / kalau prajā mandabhāgyā alasā duḥkhasaṃyutāḥ

dem gelbfarbenen, mit vedischen Mantras, zusammen mit den zwölf Namen. Im Kali-Zeitalter aber sind die Geschöpfe von geringem Glück, träge, mit Leid verbunden,

Wort für Wort
pītavarṇaṃ vedamantrair nāmnāṃ dvādaśabhiḥ samam
dem gelbfarbenen, mit vedischen Mantras, zusammen mit den zwölf Namen
kalau prajā mandabhāgyā alasā duḥkhasaṃyutāḥ
im Kali-Zeitalter sind die Geschöpfe von geringem Glück, träge, mit Leid verbunden

śiśnodaraparāḥ kṣudrā dīnā malinacetasaḥ / teṣām ekavidhaṃ proktam añjasā muktikāraṇam

dem Trieb der Genitalien und des Bauches ergeben, gemein, elend, befleckten Sinnes; für sie wird eine einzige Praxis als unmittelbare Ursache der Erlösung bezeichnet:

Wort für Wort
śiśnodaraparāḥ kṣudrā dīnā malinacetasaḥ
dem Trieb der Genitalien und des Bauches ergeben, gemein, elend, befleckten Sinnes
teṣām ekavidhaṃ proktam añjasā muktikāraṇam
für sie wird eine einzige Praxis als unmittelbare Ursache der Erlösung bezeichnet

sarvasaukhyakaraṃ cāpi kṛṣṇanāmānukīrtanam / yataḥ kaliyugasyādau bhagavān puruṣottamaḥ

das alles Glück bewirkende Wiederholen des Namens Kṛṣṇas. Denn zu Beginn des Kali-Zeitalters,

Wort für Wort
sarvasaukhyakaraṃ cāpi kṛṣṇanāmānukīrtanam
das alles Glück bewirkende Wiederholen des Namens Kṛṣṇas
yataḥ kaliyugasyādau bhagavān puruṣottamaḥ
denn zu Beginn des Kali-Zeitalters der erhabene höchste Puruṣa

avatīrya yaśas tene śuddhaṃ kalimalāpaham / dhyānayogakriyāḥ sarvāḥ sa saṃhatya dayāparaḥ

herabgestiegen, verbreitete er reinen, die Befleckung des Kali beseitigenden Ruhm; alle Praktiken von Meditation, Yoga und rituellem Handeln zusammenfassend, von Mitgefühl erfüllt,

Wort für Wort
avatīrya yaśas tene śuddhaṃ kalimalāpaham
herabgestiegen, verbreitete er reinen, die Befleckung des Kali beseitigenden Ruhm
dhyānayogakriyāḥ sarvāḥ sa saṃhatya dayāparaḥ
alle Praktiken von Meditation, Yoga und Handeln zusammenfassend, von Mitgefühl erfüllt

svakīye yaśasi sthāpya gato vaikuṇṭham uttamam / sa tāta paramo devo devakīdevinandanaḥ

gründete er sie alle im eigenen Ruhm und ging zum höchsten Vaikuṇṭha — er, o Kind, der höchste Gott, der Sohn der göttlichen Devakī,

Wort für Wort
svakīye yaśasi sthāpya gato vaikuṇṭham uttamam
im eigenen Ruhm gegründet, ging er zum höchsten Vaikuṇṭha
sa tāta paramo devo devakīdevinandanaḥ
er, o Kind, der höchste Gott, der Sohn der göttlichen Devakī

indranīlasamaḥ śyāmas tantramantrair ya ijyate / tasmin kaliyuge vipra śrutvā hariyaśo 'malāḥ

dem Saphir gleich, dunkel, der mit den Mantras der Tantras verehrt wird. In jenem Kali-Zeitalter, o Brahmane, werden [die Menschen], nachdem sie den makellosen Ruhm Haris gehört haben,

Wort für Wort
indranīlasamaḥ śyāmas tantramantrair ya ijyate
dem Saphir gleich, dunkel, der mit den Mantras der Tantras verehrt wird
tasmin kaliyuge vipra śrutvā hariyaśo 'malāḥ
in jenem Kali-Zeitalter, o Brahmane, nachdem sie den makellosen Ruhm Haris gehört haben

prāyo bhaktā bhaviṣyanti tasmāc chreṣṭhayugaḥ kaliḥ / ataḥ kṛtādiṣu prajāḥ kalau sambhavam ātmanaḥ

größtenteils Ergebene werden; deshalb ist Kali das beste Zeitalter. Deshalb wünschen sich die Geschöpfe der früheren Zeitalter Kṛta usw., in Kali geboren zu werden [?],

Wort für Wort
prāyo bhaktā bhaviṣyanti tasmāc chreṣṭhayugaḥ kaliḥ
größtenteils werden sie Ergebene; deshalb ist Kali das beste Zeitalter
ataḥ kṛtādiṣu prajāḥ kalau sambhavam ātmanaḥ
deshalb [wünschen] die Geschöpfe der Zeitalter Kṛta usw. sich die eigene Geburt in Kali

[Anm.: Bemerkenswerte Umkehrung der üblichen Yuga-Wertung (Kṛta gilt traditionell als bestes Zeitalter) – hier wird Kali wegen der Leichtigkeit des Namens-Preisens als 'bestes Zeitalter' gepriesen, ein bekannter bhakti-Topos.]

vāñchanti dharmaparamā bhagavadbhaktikāraṇam / dhyāneneṣṭayā pūjanena yat phalaṃ labhyate janaiḥ

der Rechtschaffenheit ergeben, um der Hingabe zum Erhabenen willen. Welche Frucht die Menschen durch Meditation, Opfer und Verehrung erlangen,

Wort für Wort
vāñchanti dharmaparamā bhagavadbhaktikāraṇam
der Rechtschaffenheit ergeben wünschen sie es sich um der Hingabe zum Erhabenen willen
dhyāneneṣṭayā pūjanena yat phalaṃ labhyate janaiḥ
welche Frucht die Menschen durch Meditation, Opfer und Verehrung erlangen

kṛtādiṣu kalau tad vai kīrtanādiṣu labhyate / na deśakālakartṇāṃ niyamaḥ kīrtane smṛtaḥ

in den früheren Zeitaltern Kṛta usw. — eben diese wird im Kali-Zeitalter durch das Preisen usw. erlangt; beim Preisen gilt keine Einschränkung von Ort, Zeit oder Handelndem.

Wort für Wort
kṛtādiṣu kalau tad vai kīrtanādiṣu labhyate
in Kṛta usw. — eben diese wird in Kali durch das Preisen usw. erlangt
na deśakālakartṇāṃ niyamaḥ kīrtane smṛtaḥ
beim Preisen gilt keine Einschränkung von Ort, Zeit oder Handelndem

tasmāt kalau paro dharmo harikīrteḥ sukīrtanam / yataḥ kaliṃ praśasanti śiṣṭāstriyugavartinaḥ

Deshalb ist im Kali-Zeitalter die höchste Pflicht das rechte Preisen des Ruhmes Haris; deshalb loben die in den drei vorherigen Zeitaltern lebenden Gebildeten das Kali-Zeitalter,

Wort für Wort
tasmāt kalau paro dharmo harikīrteḥ sukīrtanam
deshalb ist im Kali-Zeitalter die höchste Pflicht das rechte Preisen des Ruhmes Haris
yataḥ kaliṃ praśasanti śiṣṭāstriyugavartinaḥ
deshalb loben die in den drei Zeitaltern lebenden Gebildeten das Kali-Zeitalter

yatra kīrtanamātreṇa prāpnoti paramaṃ padam / kṛtādāv api ye jīvā na muktā nijadharmataḥ

in dem man durch bloßes Preisen den höchsten Zustand erlangt. Selbst jene Seelen, die im Kṛta-Zeitalter usw. durch ihre eigene Zeitalter-Pflicht nicht befreit wurden,

Wort für Wort
yatra kīrtanamātreṇa prāpnoti paramaṃ padam
in dem man durch bloßes Preisen den höchsten Zustand erlangt
kṛtādāv api ye jīvā na muktā nijadharmataḥ
selbst jene Seelen, die im Kṛta-Zeitalter durch ihre eigene Pflicht nicht befreit wurden

te 'pi muktiṃ prayāsyanti kalau kīrtanamātrataḥ / kaler doṣasamudrasya guṇa eko mahān yataḥ

werden auch sie im Kali-Zeitalter durch bloßes Preisen zur Erlösung gelangen; denn der Vorzug des sonst aus einem Ozean von Fehlern bestehenden Kali ist ein einziger, aber gewaltiger:

Wort für Wort
te 'pi muktiṃ prayāsyanti kalau kīrtanamātrataḥ
auch sie werden im Kali-Zeitalter durch bloßes Preisen zur Erlösung gelangen
kaler doṣasamudrasya guṇa eko mahān yataḥ
denn der Vorzug des sonst aus einem Ozean von Fehlern bestehenden Kali ist ein einziger, gewaltiger

nāmnāṃ saṃkīrtanenaiva cāturvargaṃ jano 'śnute / kṛtādiṣv api viprendra harināmānukīrtanam

Durch das gemeinsame Preisen der Namen allein erlangt der Mensch die vier Lebensziele. Selbst in den früheren Zeitaltern Kṛta usw., o Fürst der Brahmanen, war das Wiederholen des Namens Haris

Wort für Wort
nāmnāṃ saṃkīrtanenaiva cāturvargaṃ jano 'śnute
durch das gemeinsame Preisen der Namen allein erlangt der Mensch die vier Lebensziele
kṛtādiṣv api viprendra harināmānukīrtanam
selbst in Kṛta usw., o Fürst der Brahmanen, [war] das Wiederholen des Namens Haris

tapādisādhyaṃ tad bhūyaḥ kalāv ubhayatāṃ gatam / tasmāt kaliyuge viṣṇor nāmakīrtanam uttamam

nur durch Askese usw. zu erreichen; im Kali-Zeitalter aber ist es beides zugleich geworden [d.h. sowohl Mittel als auch Ziel]. Deshalb ist im Kali-Zeitalter das Preisen des Namens Viṣṇus das Höchste,

Wort für Wort
tapādisādhyaṃ tad bhūyaḥ kalāv ubhayatāṃ gatam
nur durch Askese usw. zu erreichen; im Kali-Zeitalter aber ist es beides zugleich geworden
tasmāt kaliyuge viṣṇor nāmakīrtanam uttamam
deshalb ist im Kali-Zeitalter das Preisen des Namens Viṣṇus das Höchste

[Anm.: 'ubhayatāṃ gatam' als 'sowohl Mittel (sādhana) als auch Ziel (sādhya) zugleich' gedeutet, im Einklang mit V.5.50.]

sādhanaṃ bhaktiniṣṭhānāṃ sādhyaṃ caiva prakīrtitam / yena kenāpi bhāvena kīrtayan satataṃ harim

als das Mittel der in der Hingabe Gefestigten und ebenso als das Ziel selbst gepriesen. Wer, in welcher Geisteshaltung auch immer, beständig Hari preist,

Wort für Wort
sādhanaṃ bhaktiniṣṭhānāṃ sādhyaṃ caiva prakīrtitam
als das Mittel der in der Hingabe Gefestigten und ebenso als das Ziel selbst gepriesen
yena kenāpi bhāvena kīrtayan satataṃ harim
wer, in welcher Geisteshaltung auch immer, beständig Hari preist

hitvā pāpaṃ gatiṃ yānti kim utacchraddhayā gṛṇan / kalau nāmaparā eva satataṃ dvijasattama

gelangt, die Sünde ablegend, zum höchsten Ziel — wieviel mehr, wer ihn mit Glauben rezitiert! Im Kali-Zeitalter sind stets eben dem Namen ergeben, o bester der Zweifachgeborenen,

Wort für Wort
hitvā pāpaṃ gatiṃ yānti kim utacchraddhayā gṛṇan
gelangt, die Sünde ablegend, zum Ziel — wieviel mehr, wer mit Glauben rezitiert
kalau nāmaparā eva satataṃ dvijasattama
im Kali-Zeitalter sind stets eben dem Namen ergeben, o bester der Zweifachgeborenen

uktā mahābhāgavatā bhagavatpriyakāriṇaḥ / tasmāt sarvātmanā vipra kuru śrīkṛṣṇakīrtanam

die als 'Große Bhāgavatas' bezeichneten, die den Erhabenen erfreuenden [Verehrer]. Deshalb übe, o Brahmane, mit deiner ganzen Seele das Preisen Śrī-Kṛṣṇas,

Wort für Wort
uktā mahābhāgavatā bhagavatpriyakāriṇaḥ
die als Große Bhāgavatas bezeichneten, den Erhabenen erfreuenden Verehrer
tasmāt sarvātmanā vipra kuru śrīkṛṣṇakīrtanam
deshalb übe, o Brahmane, mit deiner ganzen Seele das Preisen Śrī-Kṛṣṇas

śraddhayā satataṃ yukta etad eva mahāphalam

stets mit Glauben verbunden — eben dies ist die große Frucht.“

Wort für Wort
śraddhayā satataṃ yukta etad eva mahāphalam
stets mit Glauben verbunden — eben dies ist die große Frucht

Abschlussvers des Paṭala. Paṭala 6 (Quelltext ab Zeile 779) beginnt mit Nāradas Bitte um die Tausend Namen Viṣṇus (sahasranāma).

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