Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 6

Anuvāka 5 Die Brennholzscheite des Agnihotra, Rudras Gift, Sprüche bei Abend- und Morgenopfer und Verteilung der Spende.

idhmo vā eṣo 'gnihotrasya yat samit

Dieses Scheit ist wahrlich das Brennholz des Agnihotra.

yat samidham ādadhāti

Dass man ein Scheit auflegt,

idhmam evaitam agnihotrasya karoti

damit macht man eben dies zum Brennholz des Agnihotra.

rudra oṣadhīr viṣeṇālimpat

Rudra bestrich die Pflanzen mit Gift.

tāḥ paśavo nāliśanta

Die Tiere fraßen sie nicht.

tābhyo devāḥ prāyaścittim aicchan

Für sie suchten die Götter eine Sühne.

sa prajāpatir abravīd vāryaṃ vṛṇā ahaṃ va etās svadayiṣyāmīti

Prajāpati sprach: „Ich wähle eine Gabe (vārya); ich werde sie euch schmackhaft machen.“

sa etām̐ samidham avṛṇīta

Er wählte dieses Scheit.

eko hi prajāpatis tā agninopāsṛjat

Denn Prajāpati allein ließ sie mit Agni zusammen hervorgehen [?].

etasyāṃ vā āhitāyām agnihotriṇe vīrudhas svadanti

Ist dies (Scheit) aufgelegt, so werden dem Agnihotra-Opferer die Kräuter schmackhaft.

svaditam asyānnaṃ bhavati ya evaṃ veda

Schmackhaft gemacht wird seine Speise, wer so weiß.

bahur dvīkaroti

Mancher macht es zwei(fach) [?].

ubhe āhutī samiddhe juhavānīti

„Beide Spenden will ich im Entzündeten opfern“ (denkt er).

sakṛd dhy eva sarvasmai yajñāya samidhyate

Denn nur einmal wird (das Feuer) für das ganze Opfer entzündet.

āyur me yaccha varco me yaccha prajāṃ me yaccheti pura upasādayet

„Gib mir Leben, gib mir Glanz, gib mir Nachkommenschaft!“ – (so sprechend) soll man (das Gefäß) vorn herbeistellen.

sṛṣṭir vā etad yad agnihotram

Das Agnihotra ist wahrlich Schöpfung.

yan nopasādayet parācīḥ prajā iyur

Stellte man es nicht herbei, so gingen die Nachkommen (von uns) weg;

tasmād idaṃ prajā yatās tasmād upatiṣṭhante

deshalb sind diese Nachkommen gezügelt, deshalb gesellen sie sich (zu uns).

agnau jyotir jyotir agnā iti sāyam agnihotraṃ juhuyāt

Mit „Im Agni ist Licht, Licht im Agni“ soll man am Abend das Agnihotra opfern.

garbhiṇyā vācā garbhaṃ dadhāti

Mit trächtiger Rede legt man den Keim ein,

mithunayā vācā garbhaṃ dadhāti

mit paarweiser Rede legt man den Keim ein.

sūryo jyotir jyotis sūrya iti prātas

Mit „Sūrya ist Licht, Licht ist Sūrya“ am Morgen;

taṃ garbhiṇyā vācā mithunayā prajanayati

den lässt man mit trächtiger, paarweiser Rede gebären.

yan niruktaṃ cāniruktaṃ ca tan mithunam

Was ausgesprochen und nicht ausgesprochen ist, das ist ein Paar.

yad yajuṣā ca manasā ca tan mithunam

Was mit Opferspruch und Geist (geschieht), das ist ein Paar.

tad ajāmi

Das ist nicht Wiederholung (ajāmi) [Anm.: nicht bloß gleichartig].

āhutyor āgneyī sāyamāhutis

Von den beiden Spenden gehört die Abendspende Agni.

agniḥ pravāpayitā

Agni ist der, der (den Samen) einstreut;

sūryaḥ prajanayitā

Sūrya ist der, der gebären lässt.

amnas sūrye nimrukte sāyam agnihotraṃ juhuyāt

Wenn Sūrya untergegangen ist [?], soll man am Abend das Agnihotra opfern;

upodayam̐ sūryasya prātar

am Morgen bei Sūryas Aufgang.

agnir eva pravāpayitvā sūryaṃ rātryai garbhaṃ dadhāti

Agni, nachdem er eingestreut hat, legt Sūrya der Nacht als Keim ein.

taṃ garbhiṇyā vācā mithunayā prātaḥ prajanayati

Den lässt er am Morgen mit trächtiger, paarweiser Rede gebären.

etaṃ vai prajāyamānaṃ prajā anuprajāyante

Wenn dieser gezeugt wird, werden die Nachkommen nachgezeugt.

pra prajayā pra paśubhir jāyate yasyaivam agnihotram̐ hūyate

Mit Nachkommen, mit Vieh wird der geboren, für den das Agnihotra so geopfert wird.

eṣā vā agnihotrasya sthāṇus

Dies ist wahrlich der Pfosten (Stumpf) des Agnihotra:

yā pūrvāhutis tām atihāya juhuyāt

Wenn man die vorige Spende übergeht und opfert,

abhikrāmam̐ sāyam̐ hotavyam

Am Abend ist im Vorwärtsschreiten zu opfern;

pratikrāmaṃ prātaḥ

Am Morgen im Zurückschreiten;

abhikrāmam eva hotavyam

Nur im Vorwärtsschreiten ist zu opfern;

abhikrāntena hi yajñasyardhnoti

denn durch Vorwärtsschreiten gelingt man beim Opfer.

yaj juhoti tad devānām

Was man opfert, das gehört den Göttern.

yad uddiśati tena rudram̐ śamayati

Was man (Rudra) zuweist, damit besänftigt man Rudra.

yan nimārṣṭi tat pitṝṇām

Was man abwischt, das gehört den Vätern.

yat prāśnāti tan manuṣyāṇām

Was man verzehrt, das gehört den Menschen.

tasmād agnihotraṃ vaiśvadevam ucyate ‖

Deshalb heißt das Agnihotra „Allgötter-Opfer“ (vaiśvadeva).