Kapitel 10: śāṅkhāyanāraṇyakam · daśamo 'dhyāyaḥ
Das innere Agnihotra: sechs kosmische Sättigungsketten und das zehnfache kosmische Opfer (ŚĀ 10,1–10,8)
Der zehnte Adhyāya (ŚĀ 10,1–10,8) ist hiermit vollständig übersetzt: die Lehre vom 'inneren Agnihotra' (āntaram agnihotram), das Essen und Trinken selbst als fortwährendes kosmisches Opfer deutet. Nach der Grundlegung (10,1: sechs Gottheiten im Menschen verankert) folgen sechs parallele Sättigungsketten, die je von einem gesättigten Sinnesvermögen über eine kosmische Kette bis zu 'allem, was davon umhüllt ist' reichen (10,2 Rede-Feuer-Erde; 10,3 Atem-Wind-Raum; 10,4 Auge-Sonne-Himmel; 10,5 Geist-Mond-Zeithierarchie bis zum Jahr; 10,6 Gehör-Richtungen-Zwischenrichtungen; 10,7 Same-Wasser-Flüsse-Meer), bevor der Adhyāya mit dem eindrücklichen Bild des zehnfachen kosmischen Agnihotra schließt, bei dem Atemarten, Geist, Zähne, Glaube, Rede, Wahrheit und Erkenntnis-Selbst die Opferfeuer und -utensilien bilden (10,8). Es folgt Adhyāya 11 (ŚĀ 11,1ff.) in einer künftigen Sitzung bzw. im täglichen automatisierten Lauf.
athāto 'dhyātmikam | āntaram agnihotram ity ācakṣate | etā ha vai devatāḥ puruṣa eva pratiṣṭhitā agnir vāci vāyuḥ prāṇa ādityaś cakṣuṣi candramā manasi diśaḥ śrotra āpo retasi | etāsu ha vai sarvāsu hutaṃ bhavati ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca so 'śnāti sa pibati sa tṛpyati sa tarpayati ||
Nun aber [die Lehre] in Bezug auf das Selbst: Man nennt es das 'innere Agnihotra'. Diese Gottheiten sind nämlich im Menschen selbst verankert: das Feuer in der Rede, der Wind im Atem, die Sonne im Auge, der Mond im Geist, die Himmelsrichtungen im Gehör, die Gewässer im Samen. In all diesen wird geopfert. Wer dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt, der isst, der trinkt, der wird gesättigt, der sättigt.
Wort für Wort
athāto 'dhyātmikam
nun in Bezug auf das Selbst
āntaram agnihotram
das innere Agnihotra
puruṣe pratiṣṭhitāḥ devatāḥ
im Menschen verankerte Gottheiten
agniḥ vāci
das Feuer in der Rede
vāyuḥ prāṇe
der Wind im Atem
ādityaḥ cakṣuṣi
die Sonne im Auge
candramāḥ manasi
der Mond im Geist
diśaḥ śrotre
die Himmelsrichtungen im Gehör
āpaḥ retasi
die Gewässer im Samen
etāsu sarvāsu hutaṃ bhavati
in all diesen wird geopfert
ya evaṃ vidvān
wer dies wissend
aśnāti ca pibati ca
isst und trinkt
āśayati ca pāyayati ca
[andere] essen und trinken lässt
saḥ aśnāti, saḥ pibati
der isst, der trinkt
sa tṛpyati sa tarpayati
der wird gesättigt, der sättigt
[Anm.: Eröffnet die berühmte Lehre vom 'inneren Agnihotra' (āntaram agnihotram), die das tägliche Feueropfer durch die Gleichsetzung von Gottheiten mit den eigenen Sinnesvermögen verinnerlicht (vgl. die verwandte prāṇāgnihotra-Lehre in Chāndogya-Upaniṣad 5,19–24). Essen und Trinken selbst werden so zum fortwährenden Opfer. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa tṛpto vācaṃ tarpayati | vāk tṛptāgniṃ tarpayati | agnis tṛptaḥ pṛthivīṃ tarpayati | pṛthivī tṛptā yat kiṃcit pṛthivyāpihitam bhavad bhaviṣyad bhūtaṃ tat sarvaṃ tarpayati | ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca so 'śnāti sa pibati sa tṛpyati sa tarpayati ||
Er, gesättigt, sättigt die Rede; die Rede, gesättigt, sättigt das Feuer; das Feuer, gesättigt, sättigt die Erde; die Erde, gesättigt, sättigt alles, was auch immer von der Erde umhüllt ist, was gewesen, sein wird und ist – das alles sättigt sie. Wer dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt, der isst, der trinkt, der wird gesättigt, der sättigt.
Wort für Wort
sa tṛptaḥ vācaṃ tarpayati
er, gesättigt, sättigt die Rede
vāk tṛptā agniṃ tarpayati
die Rede, gesättigt, sättigt das Feuer
agniḥ tṛptaḥ pṛthivīṃ tarpayati
das Feuer, gesättigt, sättigt die Erde
yat kiṃcit pṛthivyā apihitam
was auch immer von der Erde umhüllt ist
bhavat bhaviṣyat bhūtam
gewesen, sein werdend, seiend
ya evaṃ vidvān
wer dies wissend
aśnāti ca pibati ca
isst und trinkt
āśayati ca pāyayati ca
[andere] essen und trinken lässt
saḥ aśnāti, saḥ pibati
der isst, der trinkt
sa tṛpyati sa tarpayati
der wird gesättigt, der sättigt
[Anm.: Erste Sättigungskette: Selbst→Rede→Feuer→Erde→alles Irdische. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa tṛptaḥ prāṇaṃ tarpayati | prāṇas tṛpto vāyuṃ tarpayati | vāyus tṛpta ākāśaṃ tarpayati | ākāśas tṛpto yat kiṃcākāśenāpihitam bhavad bhaviṣyad bhūtaṃ tat sarvaṃ tarpayati | ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca so 'śnāti sa pibati sa tṛpyati sa tarpayati ||
Er, gesättigt, sättigt den Atem; der Atem, gesättigt, sättigt den Wind; der Wind, gesättigt, sättigt den Raum; der Raum, gesättigt, sättigt alles, was auch immer vom Raum umhüllt ist, was gewesen, sein wird und ist – das alles sättigt er. Wer dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt, der isst, der trinkt, der wird gesättigt, der sättigt.
Wort für Wort
sa tṛptaḥ prāṇaṃ tarpayati
er, gesättigt, sättigt den Atem
prāṇaḥ tṛptaḥ vāyuṃ tarpayati
der Atem, gesättigt, sättigt den Wind
vāyuḥ tṛptaḥ ākāśaṃ tarpayati
der Wind, gesättigt, sättigt den Raum
ya evaṃ vidvān
wer dies wissend
aśnāti ca pibati ca
isst und trinkt
āśayati ca pāyayati ca
[andere] essen und trinken lässt
saḥ aśnāti, saḥ pibati
der isst, der trinkt
sa tṛpyati sa tarpayati
der wird gesättigt, der sättigt
[Anm.: Zweite Sättigungskette: Selbst→Atem→Wind→Raum→alles Räumliche. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa tṛptaś cakṣus tarpayati | cakṣus tṛptam ādityaṃ tarpayati | ādityas tṛpto divaṃ tarpayati | dyaus tṛptā yat kiṃcid divi āpihitam bhavad bhaviṣyad bhūtaṃ tat sarvaṃ tarpayati | ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca so 'śnāti sa pibati sa tṛpyati sa tarpayati ||
Er, gesättigt, sättigt das Auge; das Auge, gesättigt, sättigt die Sonne; die Sonne, gesättigt, sättigt den Himmel; der Himmel, gesättigt, sättigt alles, was auch immer im Himmel umhüllt ist, was gewesen, sein wird und ist – das alles sättigt er. Wer dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt, der isst, der trinkt, der wird gesättigt, der sättigt.
Wort für Wort
sa tṛptaḥ cakṣuḥ tarpayati
er, gesättigt, sättigt das Auge
cakṣuḥ tṛptam ādityaṃ tarpayati
das Auge, gesättigt, sättigt die Sonne
ādityaḥ tṛptaḥ divaṃ tarpayati
die Sonne, gesättigt, sättigt den Himmel
ya evaṃ vidvān
wer dies wissend
aśnāti ca pibati ca
isst und trinkt
āśayati ca pāyayati ca
[andere] essen und trinken lässt
saḥ aśnāti, saḥ pibati
der isst, der trinkt
sa tṛpyati sa tarpayati
der wird gesättigt, der sättigt
[Anm.: Dritte Sättigungskette: Selbst→Auge→Sonne→Himmel→alles Himmlische. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa tṛpto manas tarpayati | manas tṛptaṃ candramasaṃ tarpayati | candramās tṛpto nakṣatrāṇi tarpayati | nakṣatrāṇi tṛptāni māsāṃs tarpayanti | māsās tṛptā ardhamāsāṃs tarpayanti | ardhamāsās tṛptā ahorātre tarpayanti | ahorātre tṛpte ṛtūṃs tarpayataḥ | ṛtavas tṛptāḥ saṃvatsaraṃ tarpayanti | saṃvatsaras tṛpto yat kiṃcit saṃvatsareṇāpihitam bhavad bhaviṣyad bhūtaṃ tat sarvaṃ tarpayati | ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca so 'śnāti sa pibati sa tṛpyati sa tarpayati ||
Er, gesättigt, sättigt den Geist; der Geist, gesättigt, sättigt den Mond; der Mond, gesättigt, sättigt die Sternbilder; die Sternbilder, gesättigt, sättigen die Monate; die Monate, gesättigt, sättigen die Halbmonate; die Halbmonate, gesättigt, sättigen Tag und Nacht; Tag und Nacht, gesättigt, sättigen die Jahreszeiten; die Jahreszeiten, gesättigt, sättigen das Jahr; das Jahr, gesättigt, sättigt alles, was auch immer vom Jahr umhüllt ist, was gewesen, sein wird und ist – das alles sättigt es. Wer dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt, der isst, der trinkt, der wird gesättigt, der sättigt.
Wort für Wort
sa tṛptaḥ manaḥ tarpayati
er, gesättigt, sättigt den Geist
manaḥ tṛptaṃ candramasaṃ tarpayati
der Geist, gesättigt, sättigt den Mond
candramāḥ tṛptaḥ nakṣatrāṇi tarpayati
der Mond, gesättigt, sättigt die Sternbilder
nakṣatrāṇi māsān tarpayanti
die Sternbilder sättigen die Monate
māsāḥ ardhamāsān tarpayanti
die Monate sättigen die Halbmonate
ardhamāsāḥ ahorātre tarpayanti
die Halbmonate sättigen Tag und Nacht
ahorātre ṛtūn tarpayataḥ
Tag und Nacht sättigen die Jahreszeiten
ṛtavaḥ saṃvatsaraṃ tarpayanti
die Jahreszeiten sättigen das Jahr
ya evaṃ vidvān
wer dies wissend
aśnāti ca pibati ca
isst und trinkt
āśayati ca pāyayati ca
[andere] essen und trinken lässt
saḥ aśnāti, saḥ pibati
der isst, der trinkt
sa tṛpyati sa tarpayati
der wird gesättigt, der sättigt
[Anm.: Vierte, längste Sättigungskette entlang der Zeit-Hierarchie: Selbst→Geist→Mond→Sternbilder→Monate→Halbmonate→Tag-Nacht→Jahreszeiten→Jahr→alles Zeitliche. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa tṛptaḥ śrotraṃ tarpayati | śrotraṃ tṛptaṃ diśas tarpayati | diśas tṛptā avāntaradiśas tarpayanti | avāntaradiśas tṛptā yat kiṃcāvāntaradigbhir apihitam bhavad bhaviṣyad bhūtaṃ tat sarvaṃ tarpayati | ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca so 'śnāti sa pibati sa tṛpyati sa tarpayati ||
Er, gesättigt, sättigt das Gehör; das Gehör, gesättigt, sättigt die Himmelsrichtungen; die Himmelsrichtungen, gesättigt, sättigen die Zwischenrichtungen; die Zwischenrichtungen, gesättigt, sättigen alles, was auch immer von den Zwischenrichtungen umhüllt ist, was gewesen, sein wird und ist – das alles sättigen sie. Wer dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt, der isst, der trinkt, der wird gesättigt, der sättigt.
Wort für Wort
sa tṛptaḥ śrotraṃ tarpayati
er, gesättigt, sättigt das Gehör
śrotram tṛptaṃ diśaḥ tarpayati
das Gehör, gesättigt, sättigt die Himmelsrichtungen
diśaḥ tṛptāḥ avāntaradiśaḥ tarpayanti
die Himmelsrichtungen sättigen die Zwischenrichtungen
ya evaṃ vidvān
wer dies wissend
aśnāti ca pibati ca
isst und trinkt
āśayati ca pāyayati ca
[andere] essen und trinken lässt
saḥ aśnāti, saḥ pibati
der isst, der trinkt
sa tṛpyati sa tarpayati
der wird gesättigt, der sättigt
[Anm.: Fünfte Sättigungskette: Selbst→Gehör→Himmelsrichtungen→Zwischenrichtungen→alles Räumlich-Orientierte. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa tṛpto retas tarpayati | retas tṛptam apas tarpayati | āpas tṛptā nadīs tarpayanti | nadyas tṛptāḥ samudraṃ tarpayanti | samudras tṛpto yat kiṃcit samudreṇāpihitam bhavad bhaviṣyad bhūtaṃ tat sarvaṃ tarpayati | ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca so 'śnāti sa pibati sa tṛpyati sa tarpayati ||
Er, gesättigt, sättigt den Samen; der Same, gesättigt, sättigt das Wasser; das Wasser, gesättigt, sättigt die Flüsse; die Flüsse, gesättigt, sättigen das Meer; das Meer, gesättigt, sättigt alles, was auch immer vom Meer umhüllt ist, was gewesen, sein wird und ist – das alles sättigt es. Wer dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt, der isst, der trinkt, der wird gesättigt, der sättigt.
Wort für Wort
sa tṛptaḥ retaḥ tarpayati
er, gesättigt, sättigt den Samen
retaḥ tṛptam apaḥ tarpayati
der Same, gesättigt, sättigt das Wasser
āpaḥ tṛptāḥ nadīḥ tarpayanti
das Wasser sättigt die Flüsse
nadyaḥ samudraṃ tarpayanti
die Flüsse sättigen das Meer
ya evaṃ vidvān
wer dies wissend
aśnāti ca pibati ca
isst und trinkt
āśayati ca pāyayati ca
[andere] essen und trinken lässt
saḥ aśnāti, saḥ pibati
der isst, der trinkt
sa tṛpyati sa tarpayati
der wird gesättigt, der sättigt
[Anm.: Sechste und letzte Sättigungskette: Selbst→Same→Wasser→Flüsse→Meer→alles Ozeanische. Mit dieser Reihe (10,2–10,7) sind alle sechs adhyātma-Gottheiten aus 10,1 (Feuer/Rede, Wind/Atem, Sonne/Auge, Mond/Geist, Richtungen/Gehör, Wasser/Same) der Reihe nach durchgespielt. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa tṛptas tad etad vairājaṃ daśavidham agnihotram bhavati | tasya prāṇa evāhavanīyaḥ | apāno gārhapatyo vyāno 'nvāhāryapacano mano dhūmo manyur arcir dantā aṅgārāḥ śraddhā payo vāk samit satyam āhutiḥ prajñātmā sa rasaḥ | tad etad vairājaṃ daśavidham agnihotraṃ hutaṃ bhavati | rohobhyāṃ rohobhyām abhyārūḷham abhi svargaṃ lokaṃ gamayati ya evaṃ vidvān aśnāti ca pibati cāśayati ca pāyayati ca | atha ya idam avidvān agnihotraṃ juhoti yathāṅgārān apohya bhasmani hutaṃ tādṛk tat syāt tādṛk tat syāt || iti śāṅkhāyanāraṇyake daśamo 'dhyāyaḥ ||
Er, gesättigt, [vollzieht] dann dieses zehnfache kosmische (vairāja) Agnihotra. Von diesem ist der Einatem das Āhavanīya-Feuer, der Ausatem das Gārhapatya-Feuer, der Zwischenatem das Anvāhāryapacana-Feuer, der Geist der Rauch, der Zorn die Flamme, die Zähne die Kohlen, der Glaube die Milch, die Rede das Brennholz, die Wahrheit die Opfergabe, das Erkenntnis-Selbst die Essenz. Das ist dieses zehnfache kosmische Agnihotra, das geopfert wird. Stufe um Stufe emporgestiegen, führt es zur himmlischen Welt, für den, der dies wissend isst und trinkt und [andere] essen und trinken lässt. Wer aber, dies nicht wissend, das [äußere] Agnihotra darbringt, dessen [Opfer ist], wie wenn man die glühenden Kohlen wegwirft und [nur noch] in die Asche opfert – geradeso wäre es, geradeso wäre es. – So endet im Śāṅkhāyana-Āraṇyaka der zehnte Adhyāya.
Wort für Wort
tad etad vairājam daśavidham agnihotram
dieses zehnfache kosmische Agnihotra
prāṇaḥ āhavanīyaḥ
der Einatem = das Āhavanīya-Feuer
apānaḥ gārhapatyaḥ
der Ausatem = das Gārhapatya-Feuer
vyānaḥ anvāhāryapacanaḥ
der Zwischenatem = das Anvāhāryapacana-Feuer
manaḥ dhūmaḥ
der Geist = der Rauch
manyuḥ arciḥ
der Zorn = die Flamme
dantāḥ aṅgārāḥ
die Zähne = die Kohlen
śraddhā payaḥ
der Glaube = die Milch
vāk samit
die Rede = das Brennholz
satyam āhutiḥ
die Wahrheit = die Opfergabe
prajñātmā sa rasaḥ
das Erkenntnis-Selbst = die Essenz
rohobhyām abhyārūḷham
Stufe um Stufe emporgestiegen
abhi svargaṃ lokaṃ gamayati
führt zur himmlischen Welt
avidvān agnihotraṃ juhoti
wer, unwissend, das Agnihotra darbringt
aṅgārān apohya bhasmani hutam
wie wenn man Kohlen wegwirft und in Asche opfert
iti śāṅkhāyanāraṇyake daśamo 'dhyāyaḥ
so endet der zehnte Adhyāya
[Anm.: Kulminationspunkt der Lehre vom inneren Agnihotra: die drei rituellen Feuer (Āhavanīya, Gārhapatya, Anvāhāryapacana) und alle Opferutensilien werden mit Atemarten, Geist, Zähnen, Glaube, Rede, Wahrheit und dem Erkenntnis-Selbst gleichgesetzt. Das eindrückliche Schlussbild – wer das äußere Opfer ohne dieses Wissen vollzieht, opfert nur noch 'in die Asche', nachdem die glühenden Kohlen bereits entfernt wurden – markiert eine radikale Verinnerlichung des vedischen Opferkults, thematisch verwandt mit der prāṇāgnihotra-Lehre der Chāndogya-Upaniṣad. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]