Kapitel 7: śāṅkhāyanāraṇyakam · saptamo 'dhyāyaḥ
Schüler-Invokation und die Saṃhitā-Lehre: kosmische und leibliche Verbindungen (ŚĀ 7,1–7,4, fortlaufend)
Der siebte Adhyāya (ŚĀ 7,1–7,23) ist hiermit vollständig übersetzt: die Schüler-Invokation (7,1) und die umfangreiche Saṃhitā-Upaniṣad-Lehre (7,2–7,23, parallel zu Taittirīya-Upaniṣad 1,3) mit rund zwanzig benannten Lehrer-Traditionen (u.a. Śauravīra Māṇḍūkeya, Māṇḍavya, Āgastya, Sākalya, Śakalya, Vaiśvāmitra, Sūryadatta, Rādheya, Pauṣkarasādi, Kauṇṭharavya, Bhārgava, Kāśyapa, Pañcālacaṇḍa, Tārkṣya, Jāratkārava Ārtabhāga, Vāliśikhāyani, Lauhikya) zum Thema der 'Verbindungen' (saṃhitā) zwischen kosmischen, lautlichen und leiblichen Größen, einschließlich der obskuren Nachsprüche über Ahnenreihen-Rezitation (7,9–7,10) und die Termini nirbhuja/pratṛṇṇa (7,11). Es folgt Adhyāya 8 (ŚĀ 8,1ff., Beginn mit weiteren Lehren des Śākalya und Kauṣṭharavya über Prāṇa, Saṃvatsara und die Weltordnung) in einer künftigen Sitzung bzw. im täglichen automatisierten Lauf.
om ṛtaṃ vadiṣyāmi | satyaṃ vadiṣyāmi | tan mām avatu tad vaktāram avatvavatu mām avatu vaktāram | mayi bhargo mayi mahaḥ | vāṅ me manasi pratiṣṭhitā | mano me vāci pratiṣṭhitam | āvir āvir mayy edhi | vedasya ma āṇīsthaḥ | ṛta mā mā hiṃsīḥ | anenādhītenāhorātrān saṃvasāmi | agne iḍā nama iḍā namaḥ | ṛṣibhyo mantrakṛdbhyo mantrapatibhyo namo 'stu devebhyaḥ | śivā naḥ śatamā bhava sumṛḍīkā sarasvatī mā te vyoma saṃdṛśi | adabdhaṃ mana iṣiraṃ cakṣuḥ sūryo jyotiṣāṃ śreṣṭhaḥ | dīkṣā mā mā hiṃsīḥ ||
Oṃ. Die kosmische Ordnung (ṛta) will ich verkünden. Die Wahrheit will ich verkünden. Diese [Wahrheit] möge mich schützen, möge den Sprecher schützen; sie möge mich schützen, möge den Sprecher schützen. In mir sei Glanz, in mir sei Größe. Meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist sei in der Rede gegründet. Erscheine, erscheine mir! Sei mir der rechte Angriffspunkt [?] des Wissens. Kosmische Ordnung, verletze mich nicht. Durch dieses Studierte wohne ich Tag und Nacht [in ihm]. O Agni, Verehrung der Iḍā, Verehrung der Iḍā! Verehrung sei den Ṛṣis, den Spruchschöpfern, den Spruch-Herren, den Göttern! Sei uns gütig, sehr gnädig, mitleidsvoll, Sarasvatī – nicht sei dein Anblick mir im Himmel entzogen [?]. Der unbetrogene, wache Geist, das Auge – die Sonne, die vorzüglichste der Lichter. Weihe (dīkṣā), verletze mich nicht.
Wort für Wort
om ṛtam vadiṣyāmi satyam vadiṣyāmi
Oṃ, ich will die Ordnung verkünden, ich will die Wahrheit verkünden
tat mām avatu tat vaktāram avatu
diese möge mich schützen, möge den Sprecher schützen
vāk me manasi pratiṣṭhitā manaḥ me vāci pratiṣṭhitam
meine Rede sei im Geist gegründet, mein Geist in der Rede
Verehrung den Ṛṣis, den Spruchschöpfern, Spruchherren, den Göttern
śivā naḥ śatamā bhava sumṛḍīkā sarasvatī
sei uns gütig, sehr gnädig, mitleidsvoll, Sarasvatī
sūryaḥ jyotiṣām śreṣṭhaḥ dīkṣā mā mā hiṃsīḥ
die Sonne, die vorzüglichste der Lichter; Weihe, verletze mich nicht
[Anm.: Mit Adhyāya 7 beginnt wieder reguläres Āraṇyaka-Material (nach Abschluss der eingebetteten Kauṣītaki-Upaniṣad in Adhyāya 3-6). Dies ist eine formelhafte Schüler-Invokation vor dem Vedastudium, wie sie ähnlich auch der Taittirīya-Upaniṣad vorangestellt ist; mehrere Wendungen ('vedasya ma āṇīsthaḥ', 'mā te vyoma saṃdṛśi') bleiben in der genauen wörtlichen Bedeutung unsicher [?] und wurden sinngemäß wiedergegeben. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
athātaḥ saṃhitāyā upaniṣat | pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhiteti | śauravīro māṇḍūkeyaḥ | ākāśaḥ saṃhitetyasya māṇḍavyo vedayāñ cakre - sa hāviparihṛto mene na me 'sya putreṇa samagād iti | parihṛto mena ity āgastyaḥ | samānaṃ hyatra pituśca putrasya ca vāyuś cākāśaś ca | ityadhidaivatam | athādhyātmam | vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ prāṇaḥ saṃhiteti | śauravīro māṇḍūkeyaḥ | atha ha smāsya putra āha dīrgho - manasā vā agre kīrtayati tad vācā vadati | tasmān mana eva pūrvarūpaṃ vāg uttararūpaṃ prāṇaḥ saṃhitīti | sa eṣo 'svarathaḥ praṣṭivāhano manovākprāṇasaṃhitaḥ svargaṃ lokaṃ gamayati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur etīti nu māṇḍūkeyānām ||
Und nun folgt die Geheimlehre der Saṃhitā (der lautlichen Verbindung). Die Erde ist die vordere Gestalt, der Himmel die hintere Gestalt, der Wind ist die Verbindung – so [lehrte es] Śauravīra Māṇḍūkeya. Der Raum sei die Verbindung – dies verkündete davon Māṇḍavya; er meinte nämlich, jener sei [von seinem Sohn] nicht widerlegt worden [?], [mit den Worten]: 'nicht ist er mit seinem Sohn übereingekommen'. 'Von der Meinung zurückgehalten' [?] – so [erwiderte] Āgastya, denn hierin ist die Lehre des Vaters und des Sohnes gleich: Wind und Raum [meinen dasselbe]. So [gilt es] in Bezug auf die Götter. Nun in Bezug auf das Selbst: Die Rede ist die vordere Gestalt, der Geist die hintere Gestalt, der Atem ist die Verbindung – so [lehrte es] Śauravīra Māṇḍūkeya. Dann aber sprach sein Sohn Dīrgha: 'Mit dem Geist nämlich denkt man zuerst, dann spricht man es mit der Rede aus; deshalb ist eben der Geist die vordere Gestalt, die Rede die hintere Gestalt, der Atem die Verbindung.' Dieser Atem nun, mit Geist und Rede verbunden, ist der Wagen ohne Pferde, mit Vorspann-Zugtieren [?], der zur himmlischen Welt führt. Wer diese Saṃhitā so kennt, wird verbunden mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, geistlicher Kraft, der himmlischen Welt; er erlangt sein volles Lebensalter – so [lehren es] fürwahr die Māṇḍūkeyas.
Rede die vordere Gestalt, Geist die hintere, Atem die Verbindung
manasā vai agre kīrtayati tat vācā vadati
mit dem Geist denkt man zuerst, dann spricht man es mit der Rede
sa eṣaḥ aśvarathaḥ praṣṭivāhanaḥ manovākprāṇasaṃhitaḥ svargam lokam gamayati
dieser Atem, mit Geist und Rede verbunden, führt zur himmlischen Welt
sa yaḥ evam etām saṃhitām veda saṃdhīyate prajayā paśubhiḥ yaśasā
wer diese Verbindung so kennt, wird verbunden mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm
[Anm.: Diese berühmte 'Saṃhitā-Upaniṣad' über die lautliche/kosmische Verbindung von 'vorderer' und 'hinterer' Gestalt hat eine enge Parallele in Taittirīya-Upaniṣad 1,3. Die Kontroverse zwischen den Lehrern Śauravīra Māṇḍūkeya, seinem Sohn Māṇḍavya/Dīrgha und Āgastya ist im Quelltext knapp und an mehreren Stellen ('avipariḥṛto mene', 'parihṛto mena', 'aśvarathaḥ praṣṭivāhanaḥ') sprachlich unklar; diese Stellen sind mit [?] markiert und sinngemäß wiedergegeben. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
Nach Sākalya [gilt]: Erde [und] Feuer, Erde [und] Rede [sind] die Mit-Aussprüche [?]. Wenn dies unumschränkt [gilt] – wir [sind] fürwahr die Mittleren [?]: Rede durch den Atem, Mutter [und] Gattin, Erkenntnis [und] Rede – der weitreichende Gang, das Ganze, das Höchste [?].
Wort für Wort
sākalyasya pṛthivī agniḥ
nach Sākalya: Erde, Feuer [?]
pṛthivī vāk anuvyāhārāḥ
Erde, Rede, die Mit-Aussprüche [?]
vayam madhyamaḥ vāk prāṇena
wir die Mittleren, Rede durch den Atem [?]
mātā jāyā prajñā vāk
Mutter, Gattin, Erkenntnis, Rede [?]
[Anm.: Dieser Khaṇḍa ist im überlieferten Quelltext ungewöhnlich knapp und syntaktisch stark komprimiert (vermutlich mnemonisch verkürzt); eine sichere Übersetzung ist auf dieser Grundlage nicht mit Zuversicht möglich. Die hier gegebene Wiedergabe ist eine vorläufige, wörtliche Annäherung, durchgehend mit [?] zu versehen; sie soll in einer künftigen Sitzung anhand einer weiteren Quelle oder erneuter Lektüre überprüft werden. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
atha śakalyasya | pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhitā vṛṣṭiḥ saṃdhiḥ saṃdhātā | tad utāpi yatraitad balavad anugṛhṇan mahāmegho vṛṣṭiṃ varṣati | dyāvāpṛthivyau samadhātām ityadhidaivatam | athādhyātmam | puruṣo 'yaṃ sarvam āṇḍam | dve vidale bhavataḥ | tatredam eva pūrvarūpam idam uttararūpam | tatrāyam antareṇākāśaḥ | yathāsau dyāvāpṛthivyor antareṇākāśa etasminn ākāśe prāṇa āyatto bhavati yathāyam ākāśe vāyur āyatto bhavati | yathāmūnī trīṇi jyotīṃṣyevam imāni puruṣe trīṇi jyotīṃṣi | yathāsau divyāditya evam idaṃ śirasi cakṣuḥ | yathāsāvantarikṣe vidyud evam idam ātmani hṛdayam | yathāyam agniḥ pṛthivyām evam idam upasthe retaḥ | evamiva ha sma sarvata ātmānam anuvidhāyāha - idam eva pūrvarūpam idam uttararūpaṃ mano vāk prāṇas tveva saṃhiteti | sa eṣo 'svarathaḥ praṣṭivahano manovākprāṇasaṃhitaḥ svargaṃ lokaṃ gamayati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Und nun [die Lehre] des Śakalya: Die Erde ist die vordere Gestalt, der Himmel die hintere Gestalt, der Wind die Verbindung; der Regen die Zusammenfügung, der Verbinder. Dies [zeigt sich] auch darin, dass, wenn er dies mit Kraft ergreift, die große Regenwolke Regen ausgießt: 'Himmel und Erde haben sich vereinigt' – so [gilt es] in Bezug auf die Götter. Nun in Bezug auf das Selbst: Dieser Mensch [ist wie] ein ganzes Ei; zwei Hälften wird er [gedacht]. Dort ist dies [eine Hälfte] die vordere Gestalt, jenes die hintere Gestalt; dazwischen ist der Raum. Wie jener Raum zwischen Himmel und Erde ist, in diesem Raum ist der Atem verankert, wie in jenem [kosmischen] Raum der Wind verankert ist. Wie jene drei Lichter [Sonne, Blitz, Feuer], ebenso sind in diesem Menschen drei Lichter: Wie jene himmlische Sonne, so ist dies das Auge im Kopf; wie jener Blitz im Luftraum, so ist dies das Herz im Selbst; wie dieses Feuer auf der Erde, so ist dies der Same im Zeugungsglied. Ebenso nun, nachdem er das Selbst überall entsprechend zugeordnet hat, sprach er: 'Eben dies ist die vordere Gestalt, dies die hintere Gestalt, Geist und Rede aber sind der Atem als Verbindung.' Dieser Atem nun, mit Geist und Rede verbunden, ist der Wagen ohne Pferde, mit Vorspann-Zugtieren, der zur himmlischen Welt führt. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
wie jene drei Lichter, so drei Lichter im Menschen
yathā asau divi ādityaḥ evam idam śirasi cakṣuḥ
wie die Sonne am Himmel, so das Auge im Kopf
yathā asau antarikṣe vidyut evam idam ātmani hṛdayam
wie der Blitz im Luftraum, so das Herz im Selbst
yathā ayam agniḥ pṛthivyām evam idam upasthe retaḥ
wie das Feuer auf der Erde, so der Same im Zeugungsglied
sa eṣaḥ aśvarathaḥ praṣṭivāhanaḥ manovākprāṇasaṃhitaḥ svargam lokam gamayati
dieser Atem, mit Geist und Rede verbunden, führt zur himmlischen Welt
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Diese berühmte Makrokosmos-Mikrokosmos-Korrespondenz (Mensch als geteiltes Ei, Sonne-Auge, Blitz-Herz, Feuer-Same) ergänzt die vorangehende Saṃhitā-Lehre um die Perspektive des Lehrers Śakalya. Der Wagen-ohne-Pferde (asvarathaḥ) ist ein Bild für den Atem (prāṇa) als tragende Kraft, die – mit Geist und Rede verbunden – zur himmlischen Welt führt. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ vāyuḥ saṃhitā diśaḥ saṃdhir ādityaḥ saṃdhāteti vaiśvāmitraḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam | vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ prāṇaḥ saṃhitā śrotraṃ saṃdhiś cakṣuḥ saṃdhātā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Die Erde ist die vordere Gestalt, der Himmel die hintere Gestalt, der Wind die Verbindung, die Himmelsrichtungen die Zusammenfügung, die Sonne der Verbinder – so [lehrt] Vaiśvāmitra. Dies [gilt] in Bezug auf die Götter. Nun in Bezug auf das Selbst: Die Rede ist die vordere Gestalt, der Geist die hintere Gestalt, der Atem die Verbindung, das Gehör die Zusammenfügung, das Auge der Verbinder. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
pṛthivī pūrvarūpam
Erde = vordere Gestalt
dyauḥ uttararūpam
Himmel = hintere Gestalt
vāyuḥ saṃhitā
Wind = Verbindung
diśaḥ saṃdhiḥ
Himmelsrichtungen = Zusammenfügung
ādityaḥ saṃdhātā
Sonne = Verbinder
iti vaiśvāmitraḥ
so Vaiśvāmitra
adhidaivatam
in Bezug auf die Götter
athādhyātmam
nun in Bezug auf das Selbst
vāk pūrvarūpam
Rede = vordere Gestalt
manaḥ uttararūpam
Geist = hintere Gestalt
prāṇaḥ saṃhitā
Atem = Verbindung
śrotram saṃdhiḥ
Gehör = Zusammenfügung
cakṣuḥ saṃdhātā
Auge = Verbinder
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Erste einer langen Reihe strukturgleicher Saṃhitā-Lehren verschiedener Lehrer (Vaiśvāmitra, Sūryadatta, Rādheya, Pauṣkarasādi u.a.), die jeweils ein Paar kosmischer bzw. leiblicher Größen als 'vordere'/'hintere Gestalt' einer Verbindung (saṃhitā) samt vermittelndem Zwischenglied (saṃdhi) deuten – eine Fortführung und Variation der Saṃhitā-Upaniṣad-Lehre von ŚĀ 7,2–7,4 (vgl. Taittirīya-Upaniṣad 1,3). Die Schlussformel (Phala-śruti) wiederholt sich identisch am Ende jedes Khaṇḍa. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
agniḥ pūrvarūpaṃ candramā uttararūpaṃ vidyut saṃhiteti sūryadattaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ satyaṃ saṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Das Feuer ist die vordere Gestalt, der Mond die hintere Gestalt, der Blitz die Verbindung – so [lehrt] Sūryadatta. Dies [gilt] in Bezug auf die Götter. Nun in Bezug auf das Selbst: Die Rede ist die vordere Gestalt, der Geist die hintere Gestalt, die Wahrheit (satyam) die Verbindung. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
agniḥ pūrvarūpam
Feuer = vordere Gestalt
candramāḥ uttararūpam
Mond = hintere Gestalt
vidyut saṃhitā
Blitz = Verbindung
iti sūryadattaḥ
so Sūryadatta
vāk pūrvarūpam
Rede = vordere Gestalt
manaḥ uttararūpam
Geist = hintere Gestalt
satyaṃ saṃhitā
Wahrheit = Verbindung
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Zweiter Khaṇḍa der Saṃhitā-Reihe; Feuer–Mond–Blitz und Rede–Geist–Wahrheit als Entsprechungspaare. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
pṛthivī pūrvarūpaṃ dyaur uttararūpaṃ kālaḥ saṃhiteti rādheyaḥ | ityadhidaivatam | athādhyātmam - vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpam ātmā saṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Die Erde ist die vordere Gestalt, der Himmel die hintere Gestalt, die Zeit die Verbindung – so [lehrt] Rādheya. Dies [gilt] in Bezug auf die Götter. Nun in Bezug auf das Selbst: Die Rede ist die vordere Gestalt, der Geist die hintere Gestalt, das Selbst (ātman) die Verbindung. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
pṛthivī pūrvarūpam
Erde = vordere Gestalt
dyauḥ uttararūpam
Himmel = hintere Gestalt
kālaḥ saṃhitā
Zeit = Verbindung
iti rādheyaḥ
so Rādheya
ātmā saṃhitā
Selbst = Verbindung
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Dritter Khaṇḍa der Saṃhitā-Reihe; hier tritt die Zeit (kāla) bzw. das Selbst (ātman) als Verbindungsglied auf. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
vāk pūrvarūpaṃ mana uttararūpaṃ vidyā saṃhiteti pauṣkarasādiḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Die Rede ist die vordere Gestalt, der Geist die hintere Gestalt, das Wissen (vidyā) die Verbindung – so [lehrt] Pauṣkarasādi. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
vāk pūrvarūpam
Rede = vordere Gestalt
manaḥ uttararūpam
Geist = hintere Gestalt
vidyā saṃhitā
Wissen = Verbindung
iti pauṣkarasādiḥ
so Pauṣkarasādi
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Kürzester Khaṇḍa der Reihe, nur die adhyātma-Ebene (Selbst-Bezug) nennend; das Wissen (vidyā) als Verbindung von Rede und Geist. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
athāto 'nuvyāhārāḥ | prāṇo vaṃśa iti vidyāt | sa ya enaṃ prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvan param upavadet śaknuvan kaścic cen manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhām prāṇaṃ vaṃśaṃ saṃdhitsitum na śaknoṣītyāha | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | atha ced aśaknuvan manyeta prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsīḥ taṃ nāśakat saṃdhātum prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | yathā nu kathā ca bruvan vābruvan vā brūyād abhyāsam eva yat tat tathā syāt | na tvevānyat kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna eva brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyān namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Nun aber die Nachsprüche (anuvyāhāra) [zur Rezitation der Atem-Genealogie]: Man soll wissen, dass der Atem die Ahnenreihe (vaṃśa) [der Lehrer] ist. Wer nun, indem er diese Atem-Ahnenreihe rezitiert, einen anderen [Rezitierenden] tadelt, wenn er meint, [jener,] obwohl er es vermöchte: 'Ich habe die Atem-Ahnenreihe zusammengefügt [?]' [aber in Wahrheit meint der Tadler:] 'Du vermagst nicht, die Atem-Ahnenreihe zusammenzufügen' – so spricht er; dem soll man dann sagen: 'Die Atem-Ahnenreihe wird dich verlassen.' Wenn er aber meint, [jener,] der es nicht vermöchte: 'Du wolltest die Atem-Ahnenreihe zusammenfügen, [aber] er vermochte sie nicht zusammenzufügen' – auch dem soll man ebenso sagen: 'Die Atem-Ahnenreihe wird dich verlassen.' Wie auch immer man redend oder nicht redend sprechen möge, es sei eben Übung/Annäherung [an die rechte Rezitation], so wie es eben ist. Man soll aber nichts anderes als [was] von einem Kundigen [überliefert ist] als Brāhmaṇa-Spruch sprechen; nur zu Atidyumna soll man den Brāhmaṇa-Spruch sprechen, nicht zu einem Nicht-Atidyumna soll man den Brāhmaṇa-Spruch nicht sprechen. 'Verehrung sei den Brahmanen!' – so [lehrt] Śauravīra Māṇḍūkeya. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
athāto 'nuvyāhārāḥ
nun die Nachsprüche
prāṇaḥ vaṃśaḥ iti vidyāt
man soll wissen: Atem = Ahnenreihe
enaṃ prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvan
diese Atem-Ahnenreihe rezitierend
param upavadet
tadelt einen anderen
śaknuvan
der es vermag
prāṇaṃ vaṃśaṃ saṃdhitsitum na śaknoṣi
du vermagst nicht, die Atem-Ahnenreihe zu verbinden
prāṇaḥ tvā vaṃśaḥ hāsyati
die Ahnenreihe wird dich verlassen (√hā, Fut.)
aśaknuvan
der es nicht vermag
abhyāsam
Übung/Wiederholung
kuśalāt brāhmaṇaṃ brūyāt
von einem Kundigen [her] soll man den Brāhmaṇa-Spruch sprechen
namaḥ astu brāhmaṇebhyaḥ
Verehrung sei den Brahmanen
iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ
so Śauravīra Māṇḍūkeya
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[?] [Anm.: Dieser Khaṇḍa und der folgende (ŚĀ 7,10) gehören zu den textlich schwierigsten und obskursten Passagen des Werks; sie behandeln offenbar die Rezitations-Etikette beim Vortrag einer Lehrer-Ahnenreihe (vaṃśa), die metaphorisch mit dem Atem (prāṇa) gleichgesetzt wird, sowie die Frage, wie man einen Rezitierenden korrekt tadelt oder korrigiert. Der Begriff 'atidyumna' bleibt unklar (möglicherweise ein Eigenname oder technischer Terminus für einen bestimmten Schülertyp); ebenso ist 'samadhām' (Wurzel sam-dhā) unsicher überliefert (im Text mit + markiert). Die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten grammatischen Deutung, bleibt aber an mehreren Stellen unsicher. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sa yadi prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvantam param upavadet śaknuvantaṃ cen manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsiṣaṃ prāṇaṃ vaṃśaṃ saṃdhitsitum na śaknoṣītyāttha | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | atha ced aśaknuvantaṃ manyeta - prāṇaṃ vaṃśaṃ samadhitsīs tan nāśakaḥ saṃdhātum | prāṇas tvā vaṃśo hāsyatītyevainaṃ brūyāt | yathā nu kathā ca bruvantaṃ vābruvantaṃ vā brūyād abhyāsam eva yat tat tathā syāt | na tvevānyat kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna eva brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyān namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Wenn er nun einen, der die Atem-Ahnenreihe rezitiert, tadelt, indem er meint, jener vermöchte es: '[Du sagst] ich habe die Atem-Ahnenreihe zusammenzufügen versucht, [aber] die Atem-Ahnenreihe zusammenzufügen vermagst du nicht' – so spricht er zu ihm; dem soll man sagen: 'Die Atem-Ahnenreihe wird dich verlassen.' Wenn er aber meint, jener vermöchte es nicht: 'Du wolltest die Atem-Ahnenreihe zusammenfügen, [aber] er vermochte sie nicht zusammenzufügen' – dem soll man ebenso sagen: 'Die Atem-Ahnenreihe wird dich verlassen.' Wie auch immer man, ihn redend oder nicht redend [antreffend], sprechen möge, es sei eben Übung, so wie es eben ist. Man soll aber nichts anderes als [was] von einem Kundigen [überliefert ist] als Brāhmaṇa-Spruch sprechen; nur zu Atidyumna soll man den Brāhmaṇa-Spruch sprechen, nicht zu einem Nicht-Atidyumna soll man den Brāhmaṇa-Spruch nicht sprechen. 'Verehrung sei den Brahmanen!' – so [lehrt] Śauravīra Māṇḍūkeya. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
prāṇaṃ vaṃśaṃ bruvantam
einen, der die Atem-Ahnenreihe rezitiert
param upavadet
tadelt einen anderen
śaknuvantam
der es vermag (Akk.)
aśaknuvantam
der es nicht vermag (Akk.)
abhyāsam eva
eben Übung
namaḥ astu brāhmaṇebhyaḥ
Verehrung sei den Brahmanen
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[?] [Anm.: Nahezu wörtliche Wiederholung von ŚĀ 7,9, nun aber mit dem Rezitierenden selbst (nicht der Rezitation) als direktem grammatischem Objekt (Akkusativ-Partizipien bruvantam/abruvantam, śaknuvantam/aśaknuvantam) – eine Variation derselben Etikette-Regel aus leicht verschobener Perspektive. Ebenso obskur wie der vorige Khaṇḍa. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
athāto nirbhujapravādāḥ | pṛthivyāyatanaṃ nirbhujaṃ divyāyatanaṃ pratṛṇṇam antarikṣāyatanam ubhayam antareṇa | sa ya enaṃ nirbhujaṃ bruvan param upavadet pṛthivīṃ devatām āraḥ pṛthivī tvā devatāriṣyatītyenaṃ brūyāt | atha yadi pratṛṇṇaṃ bruvan param upavaded divaṃ devatām āro dyaus tvā devatāriṣyatītyenaṃ brūyāt | atha yadyubhayam antareṇa bruvan param upavaded antarikṣaṃ devatām āra antarikṣaṃ tvā devatāriṣyatītiyenaṃ brūyāt | yad dhi saṃdhiṃ vivartayati tan nirbhujasya rūpam | atha yac chuddhe akṣare abhivyāharati tat pratṛṇṇasyāgra u eva | ubhayam antareṇobhayam vyāptaṃ bhavati | annādyakāmo nirbhujaṃ brūyāt svargakāmaḥ pratṛṇṇam ubhayakāma ubhayamantareṇa | sa ya enaṃ nirbhujaṃ bruvan param upavaded acyoṣṭhā avarābhyāṃ sthānābhyām ityenaṃ brūyāt | atha yadi pratṛṇṇaṃ bruvan param upavaded acyoṣṭhā uttarābhyāṃ sthānābhyām ityevainaṃ brūyāt | yastvevobhayam antareṇāha tasya tasya nāstyupavādaḥ | yathā nu kathā ca bruvan vābruvan vā brūyād abhyāśam kuśalād brāhmaṇaṃ brūyād atidyumna evaṃ brāhmaṇaṃ brūyān nātidyumne ca na brāhmaṇaṃ brūyāt | namo 'stu brāhmaṇebhya iti śauravīro māṇḍūkeyaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Nun aber die Lehrsätze über [den Ausdruck] 'nirbhuja': 'Nirbhuja' hat die Erde als Grundlage, 'pratṛṇṇa' hat den Himmel als Grundlage, '[beides] dazwischen' (ubhayam antareṇa) hat den Luftraum als Grundlage. Wer nun, 'nirbhuja' sprechend, einen anderen tadelt [mit den Worten]: 'Du hast [nur] die Erdgottheit erreicht' – dem soll man sagen: 'Die Erdgottheit wird dich schädigen.' Wenn er aber, 'pratṛṇṇa' sprechend, einen anderen tadelt: 'Du hast [nur] die Himmelsgottheit erreicht' – dem soll man sagen: 'Die Himmelsgottheit wird dich schädigen.' Wenn er aber, 'beides dazwischen' sprechend, einen anderen tadelt: 'Du hast [nur] die Luftraum-Gottheit erreicht' – dem soll man sagen: 'Die Luftraum-Gottheit wird dich schädigen.' Denn was die Verbindung [in ihrer Aussprache] verändert, das ist die Gestalt des 'nirbhuja'; was man aber bei reiner Silbe ausspricht, das ist eben der Anfang des 'pratṛṇṇa'. Durch '[beides] dazwischen' wird beides zugleich erfasst. Wer nach Speise verlangt, soll 'nirbhuja' sprechen; wer nach der Himmelswelt verlangt, [soll] 'pratṛṇṇa' [sprechen]; wer nach beidem verlangt, [soll] '[beides] dazwischen' [sprechen]. Wer nun, 'nirbhuja' sprechend, einen anderen tadelt, dem soll man sagen: '[Du sprichst] mit unbewegten Lippen von den unteren Artikulationsstellen aus [?].' Wenn er aber, 'pratṛṇṇa' sprechend, einen anderen tadelt, soll man ebenso sagen: '[Du sprichst] mit unbewegten Lippen von den oberen Artikulationsstellen aus.' Wer aber '[beides] dazwischen' spricht, für den gibt es keinen Tadel. Wie auch immer man redend oder nicht redend sprechen möge, es sei Annäherung [an die rechte Aussprache]; man soll [den Brāhmaṇa-Spruch] von einem Kundigen [her] sprechen; nur zu Atidyumna soll man den Brāhmaṇa-Spruch sprechen, nicht zu einem Nicht-Atidyumna soll man den Brāhmaṇa-Spruch nicht sprechen. 'Verehrung sei den Brahmanen!' – so [lehrt] Śauravīra Māṇḍūkeya. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
nirbhujapravādāḥ
Lehrsätze über 'nirbhuja'
pṛthivyāyatanaṃ nirbhujam
'nirbhuja' hat Erde als Grundlage
divyāyatanaṃ pratṛṇṇam
'pratṛṇṇa' hat Himmel als Grundlage
antarikṣāyatanam ubhayam antareṇa
'beides-dazwischen' hat Luftraum als Grundlage
pṛthivī tvā devatā ariṣyati
die Erdgottheit wird dich schädigen (√riṣ, Fut.)
saṃdhiṃ vivartayati
verändert/verdreht die Verbindung
śuddhe akṣare abhivyāharati
spricht bei reiner Silbe aus
annādyakāmaḥ
wer nach Speise verlangt
svargakāmaḥ
wer nach der Himmelswelt verlangt
ubhayakāmaḥ
wer nach beidem verlangt
nāsti upavādaḥ
es gibt keinen Tadel
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[?] [Anm.: Dritter obskurer Khaṇḍa dieser Gruppe (mit ŚĀ 7,9–7,10), diesmal über zwei rezitationstechnische Termini 'nirbhuja' ('gebogen/gebrochen') und 'pratṛṇṇa' ('durchtrennt'), vermutlich Bezeichnungen für bestimmte Betonungs- oder Aussprachetechniken an Wortverbindungen (saṃdhi), sowie einen dritten, vermittelnden Modus 'ubhayam antareṇa'. Der Begriff 'acyoṣṭhā' (etwa 'mit unbewegten Lippen') ist unsicher gedeutet. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
atha khalvāhur nirbhujavaktrāḥ | pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | yakāravakārāvantareṇa sā saṃhiteti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Nun aber sagen die 'Nirbhuja-Sprecher': Die vorangehende Silbe selbst ist die vordere Gestalt, die folgende die hintere Gestalt; der Laut 'y' und der Laut 'v' dazwischen, das ist die Verbindung. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
nirbhujavaktrāḥ
die 'Nirbhuja-Sprecher'
pūrvam akṣaram pūrvarūpam
vorangehende Silbe = vordere Gestalt
uttaram uttararūpam
folgende = hintere Gestalt
yakāra-vakārau antareṇa
y-Laut und v-Laut dazwischen
sā saṃhitā
das ist die Verbindung
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Bezieht sich auf die Sandhi-Erscheinung, bei der an Wortfugen Halbvokale y bzw. v eingeschoben werden (z.B. iti + uvāca → ity uvāca); die 'Nirbhuja-Sprecher' deuten dies als Modell der Saṃhitā-Lehre. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
atha vai vayaṃ brūmo nirbhujavaktrāḥ sma iti ha smāha vastro māṇḍūkeyaḥ | pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | tad yāsau mātrā pūrvarūpottararūpe antareṇa yena saṃdhiṃ vivartayati yena mātrāmātraṃ vibhajati yena svarāt svaraṃ vijñāpayati sā saṃhiteti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
'Wir aber, sagen wir, sind selbst Nirbhuja-Sprecher' – so sprach Vastra Māṇḍūkeya. Die vorangehende Silbe ist die vordere Gestalt, die folgende die hintere Gestalt; jenes Zeitmaß (mātrā) aber, das zwischen vorderer und hinterer Gestalt [liegt], durch das man die Verbindung moduliert, durch das man Zeitmaß von Zeitmaß abgrenzt, durch das man von einem Ton zum [nächsten] Ton übergehen lässt – das ist die Verbindung. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
vayam brūmaḥ nirbhujavaktrāḥ sma
wir, sagen wir, sind Nirbhuja-Sprecher
iti ha smāha vastro māṇḍūkeyaḥ
so sprach Vastra Māṇḍūkeya
mātrā
Zeitmaß (der Silbenlänge)
saṃdhiṃ vivartayati
moduliert die Verbindung
mātrāmātraṃ vibhajati
unterteilt Zeitmaß um Zeitmaß
svarāt svaraṃ vijñāpayati
zeigt von Ton zu Ton an
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Vastra Māṇḍūkeya präzisiert die Lehre von ŚĀ 7,12 phonetisch: nicht der Halbvokal selbst, sondern das ihn begleitende Zeitmaß (mātrā) sei die eigentliche Verbindung. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
atha ha smāsya putra āha madhyamaḥ prātiyodhīputro magadhavāsī pūrvam evākṣaraṃ pūrvarūpam uttaram uttararūpam | tad yāsau mātrā saṃdhivijñāpanī sāma tad bhavati sāmaihāvaṃ saṃhitāṃ manya iti | tad etad ṛcābhyuditam - mā naḥ stenebhyo ye abhi druhas pade nirāmiṇo ripavo 'nneṣu jāgṛdhuḥ | ā devānām ohate vi vrayo hṛdi bṛhaspate na paraḥ sāmno viduḥ || iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Nun aber sprach dessen [Vastras] Sohn, Madhyama, Sohn des Prātiyodhi, aus Magadha ansässig: Die vorangehende Silbe ist die vordere Gestalt, die folgende die hintere Gestalt; jenes Zeitmaß aber, das die Verbindung kundtut, das wird zum Sāman[-Gesang] – 'ich halte dies für die Sāman-Verbindung', [so spricht er]. Dazu wurde dieser Vers aufgesagt: '[Schütze uns] vor Dieben, die auf dem Pfad des Truges [wandeln], die schadlosen [?] Betrüger, die bei den Speisen gierig gewacht haben. Sie regen sich zu den Göttern hin, [ihre] Fessel [ist] im Herzen [?], oh Bṛhaspati; nichts Höheres als das Sāman kennen sie.' Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
madhyamaḥ prātiyodhīputraḥ magadhavāsī
Madhyama, Sohn des Prātiyodhi, aus Magadha
mātrā saṃdhivijñāpanī
das die Verbindung kundtuende Zeitmaß
sāma tad bhavati
das wird zum Sāman
tad etad ṛcābhyuditam
dazu wurde dieser Vers aufgesagt
mā naḥ stenebhyaḥ
[schütze] uns nicht [vor?] Dieben
druhaḥ pade
auf dem Pfad des Truges
ripavaḥ anneṣu jāgṛdhuḥ
die Betrüger wachten gierig bei den Speisen
bṛhaspate
oh Bṛhaspati (Vok.)
na paraḥ sāmnaḥ viduḥ
sie kennen nichts Höheres als das Sāman
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[?] [Anm.: Der zitierte Vers ist textlich sehr schwierig und in dieser Form nicht als bekannter Ṛgveda-Vers identifizierbar; er scheint eine Bitte um Schutz vor 'Dieben am rechten Sāman-Wissen' auszudrücken, bleibt aber in mehreren Wortformen (nirāmiṇaḥ, ohate, vrayaḥ) unsicher und ist möglicherweise korrupt überliefert. Die Übersetzung ist entsprechend vorsichtig und tentativ. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
vāk prāṇena saṃdhīyata iti kauṇṭharavyaḥ | prāṇaḥ pavamānena pavamāno viśvair devair viśve devāḥ svargeṇa lokena svargo loko brahmaṇā saiṣāvaraparā saṃhitā | sa ya evam etām avaraparāṃ saṃhitāṃ veda evaṃ haiva sa prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena saṃdhīyate yathaiṣāvaraparā saṃhitā | sa yadi pareṇa vopasṛṣṭaḥ svena vārthenābhivyāhared abhivyāharann eva vidyāt - divaṃ saṃhitāgamad viduṣo devān abhivyāhārārtham evaṃ bhaviṣyatīti | etenāvaraparaṇa tathā haiva tad bhavati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
'Die Rede wird mit dem Atem verbunden' – so [lehrt] Kauṇṭharavya: der Atem mit dem Pavamāna[-Sāman], der Pavamāna mit allen Göttern, alle Götter mit der himmlischen Welt, die himmlische Welt mit dem Brahman – das ist diese aufsteigende Verbindung (von Niederem zu Höherem). Wer dies so weiß, diese aufsteigende Verbindung, der wird ebenso mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt verbunden, so wie diese aufsteigende Verbindung [selbst verläuft]. Wenn er aber von einem Stärkeren bedrängt wird, soll er mit seinem eigenen Anliegen [laut] aussprechen und, aussprechend, wissen: 'Die Verbindung ist zum Himmel gelangt, zu den kundigen Göttern, um der Aussprache willen; so wird es geschehen.' Durch diese aufsteigende [Verbindung] geschieht es ebenso. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
vāk prāṇena saṃdhīyate
Rede wird mit Atem verbunden
iti kauṇṭharavyaḥ
so Kauṇṭharavya
prāṇaḥ pavamānena
Atem mit dem Pavamāna[-Sāman]
pavamānaḥ viśvaiḥ devaiḥ
Pavamāna mit allen Göttern
viśve devāḥ svargeṇa lokena
alle Götter mit himmlischer Welt
svargaḥ lokaḥ brahmaṇā
himmlische Welt mit Brahman
avaraparā saṃhitā
aufsteigende Verbindung (Niederes-Höheres)
pareṇa upasṛṣṭaḥ
von einem Stärkeren bedrängt
svena vā arthena abhivyāharet
soll mit eigenem Anliegen aussprechen
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[?] [Anm.: 'Avaraparā saṃhitā' bezeichnet die aufsteigende Kette von Rede über Atem, Pavamāna-Gesang, Götter und Himmelswelt bis zum Brahman; der Schlussteil über das Verhalten bei Bedrängnis durch einen Stärkeren ist syntaktisch kompakt und bleibt in Details unsicher. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
mātā pūrvarūpaṃ pitottararūpaṃ prajā saṃhitiḥ bhārgavaḥ | tad etad ekam eva sarvam abhyanūktam | mātā ca hyevedaṃ pitā ca prajā ca sarvam | saiṣāditisaṃhitā | aditir hevedaṃ sarvaṃ yad idaṃ kiṃcid viśvabhūtam | tad etad ṛcābhyuditam - aditir dyaur aditir antarikṣam aditir mātā sā pitā sā putraḥ | viśve devā aditiḥ pañca janā aditir jātam aditir janitvam || iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
'Die Mutter ist die vordere Gestalt, der Vater die hintere Gestalt, die Nachkommenschaft die Verbindung' – so [lehrt] Bhārgava. Dies eine ist als das Ganze ausgesprochen worden: Mutter, Vater und Nachkommenschaft, das ist eben alles – das ist diese Aditi-Verbindung. Aditi ist ja dies alles, was hier irgend etwas Seiendes, das All-Wesen, ist. Dazu wurde dieser Vers aufgesagt: 'Aditi ist der Himmel, Aditi der Luftraum, Aditi die Mutter, sie der Vater, sie der Sohn; alle Götter [sind] Aditi, die fünf Stämme; Aditi ist das Geborene, Aditi das künftig zu Gebärende.' Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
mātā pūrvarūpam
Mutter = vordere Gestalt
pitā uttararūpam
Vater = hintere Gestalt
prajā saṃhitiḥ
Nachkommenschaft = Verbindung
iti bhārgavaḥ
so Bhārgava
aditisaṃhitā
Aditi-Verbindung
aditiḥ sarvam idam
Aditi ist dies alles
aditir dyauḥ
Aditi [ist] der Himmel
aditir antarikṣam
Aditi [ist] der Luftraum
pañca janāḥ
die fünf Stämme/Völker
aditir jātam aditir janitvam
Aditi das Geborene, Aditi das zu Gebärende
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Der zitierte Vers ist der berühmte Aditi-Vers Ṛgveda 1,89,10, der die Muttergöttin Aditi mit dem gesamten Kosmos identifiziert. 'Die fünf Stämme' (pañca janāḥ) ist eine feste vedische Bezeichnung für die Menschheit bzw. die fünf arischen Stämme. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
jāyā pūrvarūpaṃ patir uttararūpaṃ putraḥ saṃhitā retaḥ saṃdhiḥ prajananaṃ saṃdhānam iti sthaviraḥ śākalyaḥ | saiṣā prajāpatisaṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Die Gattin ist die vordere Gestalt, der Gatte die hintere Gestalt, der Sohn die Verbindung, der Same die Zusammenfügung, die Zeugung das Verbinden – so [lehrt] der Alte Śākalya. Das ist diese Prajāpati-Verbindung. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
jāyā pūrvarūpam
Gattin = vordere Gestalt
patiḥ uttararūpam
Gatte = hintere Gestalt
putraḥ saṃhitā
Sohn = Verbindung
retaḥ saṃdhiḥ
Same = Zusammenfügung
prajananaṃ saṃdhānam
Zeugung = Verbinden
iti sthaviraḥ śākalyaḥ
so der Alte Śākalya
prajāpatisaṃhitā
Prajāpati-Verbindung
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Übertragung des Saṃhitā-Schemas auf Ehe und Zeugung, mit Prajāpati als kosmischem Bezugspunkt. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
prajñā pūrvarūpaṃ śraddhottararūpaṃ karma saṃhitā satyaṃ saṃdhānam iti kāśyapaḥ | saiṣā satyasaṃhitā | tad āhur yat satyasaṃdhā devā iti | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
'Erkenntnis ist die vordere Gestalt, Glaube die hintere Gestalt, das [rituelle] Werk die Verbindung, die Wahrheit das Verbinden' – so [lehrt] Kāśyapa. Das ist diese Wahrheits-Verbindung. Dazu sagen sie: 'Die Götter sind wahrheitsverbunden.' Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
prajñā pūrvarūpam
Erkenntnis = vordere Gestalt
śraddhā uttararūpam
Glaube = hintere Gestalt
karma saṃhitā
[rituelles] Werk = Verbindung
satyaṃ saṃdhānam
Wahrheit = Verbinden
iti kāśyapaḥ
so Kāśyapa
satyasaṃdhāḥ devāḥ
die Götter [sind] wahrheitsverbunden
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Kāśyapas Lehre verlagert das Saṃhitā-Schema auf die ethisch-religiöse Ebene: Erkenntnis, Glaube, rituelles Werk und Wahrheit. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
vāk saṃhiteti pañcālacaṇḍaḥ | vācā vai vedāḥ saṃdhīyante vācā chandāṃsi vācā mitrāṇi saṃdadhati | tad yatraitad adhīte vā bhāṣate vā vāci tadā prāṇo bhavati | vāk tadā prāṇaṃ reḥi | atha yat svapiti vā tūṣṇīṃ vā bhavati prāṇe tadā vāg bhavati prāṇastadā vācaṃ reḥi | tāv anyonyaṃ rīḷhaḥ | tad etad ṛcābhyuditam - ekaḥ suparṇaḥ sa samudram āviveśa sa idaṃ viśvaṃ bhuvanaṃ vicaṣṭe | taṃ pākena manasāpaśyam antitas, taṃ mātā reḷhi sa u reḷhi mātaram || iti | vāg vai mātā prāṇo vatsaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
'Die Rede ist die Verbindung' – so [lehrt] Pāñcālacaṇḍa: Durch die Rede werden ja die Veden verbunden, durch die Rede die Versmaße, durch die Rede fügt man Bündnisse. Wenn man nun dies rezitiert oder spricht, dann geht der Atem in die Rede ein – die Rede berührt [dann gleichsam 'leckend'] den Atem. Wenn man aber schläft oder still ist, dann geht die Rede in den Atem ein – der Atem berührt dann die Rede. Die beiden berühren einander [wechselseitig, wörtl. 'lecken']. Dazu wurde dieser Vers aufgesagt: 'Ein einziger schönbeflügelter [Vogel] – er ist in das Meer eingegangen; er überschaut diese ganze Welt. Ihn sah ich mit schlichtem Geist aus der Nähe; ihn leckt die Mutter, und er leckt [auch] die Mutter.' Die Rede ist ja die Mutter, der Atem das Kalb. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
vāk saṃhitā
Rede = Verbindung
iti pañcālacaṇḍaḥ
so Pāñcālacaṇḍa
vācā vedāḥ saṃdhīyante
durch die Rede werden die Veden verbunden
vāk prāṇaṃ reḥi
die Rede 'leckt' den Atem (√rih)
prāṇaḥ vācaṃ reḥi
der Atem 'leckt' die Rede
tau anyonyam rīḷhaḥ
die beiden lecken einander
ekaḥ suparṇaḥ samudram āviveśa
ein Adler ist ins Meer eingegangen
viśvaṃ bhuvanaṃ vicaṣṭe
überschaut die ganze Welt
mātā reḷhi
die Mutter leckt
vāk mātā prāṇaḥ vatsaḥ
Rede = Mutter, Atem = Kalb
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Das Bild des 'Leckens' (√rih) für die wechselseitige Durchdringung von Rede und Atem im Wach- und Schlafzustand ist ungewöhnlich sinnlich-konkret; der zitierte Adler-Vers erinnert an ähnliche Vogel-Metaphern für das kosmische Prinzip (vgl. den 'zwei Vögel'-Vers in Ṛgveda 1,164,20 bzw. Muṇḍaka-Upaniṣad 3,1,1), ist hier aber eigenständig auf Mutter-Kalb-Bindung zwischen Rede und Atem bezogen. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
bṛhadrathaṃtareṇa rūpeṇa saṃhitā saṃdhīyata iti tārkṣyaḥ | vāg vai rathaṃtarasya rūpaṃ prāṇo bṛhataḥ | ubhābhyām u khalu saṃhitā saṃdhīyate vācā ca prāṇena ca | etasyāṃ ha smopaniṣadi saṃvatsaraṃ gā rakṣayata iti tārkṣyaḥ | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
'Durch die Gestalt von Bṛhat und Rathaṃtara [zwei Sāman-Melodien] wird die Verbindung verbunden' – so [lehrt] Tārkṣya. Die Rede ist ja die Gestalt des Rathaṃtara[-Sāman], der Atem die des Bṛhat[-Sāman]. Durch beide nun, wahrlich, wird die Verbindung verbunden, durch die Rede und durch den Atem. 'Um dieser Geheimlehre willen ließ [ein Schüler] ein Jahr lang Kühe hüten' – so [erzählt] Tārkṣya. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
bṛhadrathaṃtareṇa rūpeṇa
durch die Gestalt von Bṛhat und Rathaṃtara
iti tārkṣyaḥ
so Tārkṣya
vāk rathaṃtarasya rūpam
Rede = Gestalt des Rathaṃtara
prāṇaḥ bṛhataḥ [rūpam]
Atem = [Gestalt] des Bṛhat
ubhābhyām saṃhitā saṃdhīyate
durch beide wird die Verbindung verbunden
etasyām upaniṣadi
um dieser Geheimlehre willen
saṃvatsaraṃ gāḥ rakṣayata
ließ ein Jahr lang Kühe hüten
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Bṛhat und Rathaṃtara sind die beiden bedeutendsten Sāmans des Soma-Opfers; ihre Zuordnung zu Atem und Rede setzt die Reihe der Saṃhitā-Lehren fort. Der Schlusssatz über das einjährige Kühehüten deutet auf eine Art Bewährungs- oder Lehrzeit hin, die der Vermittlung dieser Geheimlehre (upaniṣad) vorausging – eine bei vedischen Schülern gängige Praxis. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
'Die Bewegung ist die vordere Gestalt, das Aufhören [der Bewegung] die hintere Gestalt, der Stillstand die Verbindung' – so [lehrt] Jāratkārava Ārtabhāga. In dieser Verbindung werden die Augenblicke, Wimpernschläge, Kāṣṭhās, Kalās, Momente, Muhūrtas, Tag-und-Nächte, Halbmonate, Monate, Jahreszeiten und Jahre miteinander verbunden. Eben diese Verbindung fügt diese Zeiteinheiten zusammen; die Zeit fügt Bewegung, Aufhören und Stillstand zusammen; durch Bewegung, Aufhören und Stillstand wird dies alles verbunden. Dies [gilt] in Bezug auf die Götter. Nun in Bezug auf das Selbst: Das Vergangene ist die vordere Gestalt, das Zukünftige die hintere Gestalt, das Gegenwärtige die Verbindung, die Zeit-Zusammenfügung. Dazu wurde dieser Vers aufgesagt: 'Groß ist jener geheime Name, vielberührend, durch den du das Vergangene erzeugt hast, durch den das Zukünftige [erzeugt wird]; uraltes Licht ist geboren, das ihm lieb ist – die fünf Geliebten sind [darin] eingegangen.' Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Tag-Nächte, Halbmonate, Monate, Jahreszeiten, Jahre
kālaḥ gatinivṛttisthitīḥ saṃdadhāti
die Zeit fügt Bewegung, Aufhören, Stillstand zusammen
bhūtaṃ pūrvarūpam
Vergangenes = vordere Gestalt
bhaviṣyat uttararūpam
Zukünftiges = hintere Gestalt
bhavat saṃhitiḥ
Gegenwärtiges = Verbindung
mahat tat nāma guhyam
groß [ist] jener geheime Name
pratnaṃ jātaṃ jyotiḥ
uraltes geborenes Licht
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[?] [Anm.: Erstreckt das Saṃhitā-Schema auf die Zeit (kāla) selbst, mit einer Aufzählung traditioneller vedischer Zeiteinheiten von Wimpernschlag bis Jahr. Der zitierte Vers ist obskur und lässt sich nicht sicher einem bekannten Ṛgveda-Vers zuordnen; 'die fünf Geliebten' (priyāḥ pañca) bleibt unklar (evtl. Anspielung auf die fünf Elemente oder fünf Sinne). Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
athāto vāliśikhāyaner vacaḥ | pañcemāni mahābhūtāni bhavantīti ha smāha vāliśikhāyaniḥ | pṛthivī vāyur ākāśam āpo jyautīṃṣi tāni mithaḥ saṃhitāni bhavanti | atha yānyanyāni kṣudrāṇi mahābhūtaiḥ saṃdhyante saiṣā sarvabhūtasaṃhitā | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
Nun aber das Wort des Vāliśikhāyani: 'Diese fünf Grundelemente gibt es' – so sprach Vāliśikhāyani: Erde, Wind, Raum, Wasser, Licht/Feuer – diese sind wechselseitig verbunden. Und was für andere, kleinere [Dinge] sich mit den Grundelementen verbinden, das ist diese All-Wesen-Verbindung. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
vāliśikhāyaner vacaḥ
das Wort des Vāliśikhāyani
pañca mahābhūtāni
die fünf Grundelemente
pṛthivī vāyuḥ ākāśam āpaḥ jyautīṃṣi
Erde, Wind, Raum, Wasser, Licht
mithaḥ saṃhitāni
wechselseitig verbunden
kṣudrāṇi mahābhūtaiḥ saṃdhyante
kleinere [Dinge] verbinden sich mit den Grundelementen
sarvabhūtasaṃhitā
All-Wesen-Verbindung
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Frühe Bezeugung der klassischen Fünf-Elemente-Lehre (pañca mahābhūtāni: Erde, Wasser, Feuer, Wind, Raum/Äther), die später zum Grundbestand von Sāṃkhya und Vaiśeṣika wird. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]
sarvā vāg brahmeti ha smāha lauhikyaḥ | ye tu kecana śabdā vācam eva tāṃ vidyāt | tad apyetad ṛṣir āha - ahaṃ rudrebhir vasubhiś carāmi | saiṣā vāk sarvaśabdā bhavati | sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti | yatā caitad brahma kāmarūpi kāmacāri bhavatyevaṃ haiva sa sarveṣu bhūteṣu kāmarūpī kāmacārī bhavati | ya evaṃ veda ya evaṃ veda || iti śāṅkhāyanāraṇyake saptamo 'dhyāyaḥ || sa ya evam etāṃ saṃhitāṃ veda saṃdhīyate prajayā paśubhir yaśasā brahmavarcasena svargeṇa lokena sarvam āyur eti ||
'Alle Rede ist Brahman' – so sprach Lauhikya: Welche Laute es auch immer [gibt], man soll sie eben als die Rede erkennen. Dazu sprach auch der Seher: 'Ich wandle mit den Rudras [und] den Vasus' – das ist diese Rede, [die] alle Laute [umfasst]. Wer dies so weiß, diese Verbindung, der wird verbunden mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter. Und wie dieses Brahman gestaltwandelnd nach Belieben [und] nach Belieben wandelnd ist, ebenso wird er selbst unter allen Wesen gestaltwandelnd und nach Belieben wandelnd. Wer dies so weiß, wer dies so weiß. – So endet im Śāṅkhāyana-Āraṇyaka der siebte Adhyāya. Wer dies so weiß, diese Verbindung (saṃhitā), der wird verbunden [ausgestattet] mit Nachkommenschaft, Vieh, Ruhm, brahmischem Glanz, der himmlischen Welt, [und] mit vollem Lebensalter.
Wort für Wort
sarvā vāk brahma
alle Rede [ist] Brahman
iti lauhikyaḥ
so Lauhikya
kecana śabdāḥ
irgendwelche Laute
vācam eva tāṃ vidyāt
man soll sie eben als Rede erkennen
ṛṣiḥ āha
der Seher sprach
ahaṃ rudrebhiḥ vasubhiḥ carāmi
ich wandle mit den Rudras und Vasus
sarvaśabdā vāk
die alle Laute umfassende Rede
kāmarūpī kāmacārī
gestaltwandelnd nach Belieben, nach Belieben wandelnd
sarveṣu bhūteṣu
unter allen Wesen
ya evaṃ veda ya evaṃ veda
wer dies so weiß, wer dies so weiß
iti śāṅkhāyanāraṇyake saptamo 'dhyāyaḥ
so endet im Śāṅkhāyana-Āraṇyaka der siebte Adhyāya
sa ya evam
wer so
etāṃ saṃhitāṃ veda
diese Verbindung weiß
saṃdhīyate
wird verbunden
prajayā paśubhiḥ
mit Nachkommenschaft, Vieh
yaśasā brahmavarcasena
mit Ruhm, brahmischem Glanz
svargeṇa lokena
mit himmlischer Welt
sarvam āyuḥ eti
erlangt volles Lebensalter
[Anm.: Abschlusslehre des Adhyāya: alle Laute/Rede als Brahman, gestützt durch ein Zitat aus dem berühmten Vāc-Hymnus (Devī-Sūkta, Ṛgveda 10,125,1: 'ahaṃ rudrebhir vasubhiś carāmi'), in dem die Göttin Vāc (Rede) von sich selbst spricht. Die doppelte Schlussformel 'ya evaṃ veda ya evaṃ veda' markiert traditionell das Ende eines größeren Lehrabschnitts. Mit diesem Adhyāya endet die Saṃhitā-Upaniṣad-Lehre (ŚĀ 7,2–7,23), die insgesamt rund zwanzig Lehrer-Traditionen zum Thema der 'Verbindungen' (saṃhitā) versammelt. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]