Quellen der Menschheit

Kauṣītaki-/Śāṅkhāyana-Āraṇyaka

Kapitel 14: śāṅkhāyanāraṇyakam · caturdaśo 'dhyāyaḥ Das Rätsel vom 'Haupt der Veden': Sinnverständnis gegen bloßes Rezitieren (ŚĀ 14,1–14,2)

Der vierzehnte Adhyāya (ŚĀ 14,1–14,2) ist hiermit vollständig übersetzt: ein kurzer, aber pointierter Abschluss der eigentlichen Lehre des Werks in Versform, der das 'Haupt'-Rätsel der vier Veden (14,1) mit der klaren ethisch-didaktischen Mahnung verbindet, dass bloßes Rezitieren ohne Sinnverständnis den Menschen zu einem 'Pfosten' bzw. Lasttier macht, während echtes Verstehen zu Heil und Himmelswelt führt (14,2). Es folgt als letzter, fünfzehnter Adhyāya nur noch die traditionelle Lehrer-Ahnenreihe (vaṃśa) – mit ihr ist dann das GESAMTE Śāṅkhāyana-/Kauṣītaki-Āraṇyaka vollständig übersetzt.

ṛcāṃ mūrdhānaṃ yajuṣām uttamāṅgam | sāmnāṃ śiro 'tharvāṇāṃ muṇḍamuṇḍam | nādhīte 'dhīte vedam āhus tam ajñam | śiraś citvāsau kurute kabandham ||

Das Haupt der Ṛcs, das oberste Glied der Yajus, der Kopf der Sāmans, das ganz kahle [Haupt] der Atharvan-Sprüche [zu erkennen] – wer dies nicht erkennt, obwohl er den Veda rezitiert, den nennen sie unwissend; er macht sich selbst, obwohl [er] ein Haupt [besäße], zu einem kopflosen Rumpf (kabandha).

Wort für Wort
ṛcāṃ mūrdhānam
das Haupt der Ṛcs
yajuṣām uttamāṅgam
das oberste Glied der Yajus
sāmnāṃ śiraḥ
der Kopf der Sāmans
atharvāṇāṃ muṇḍamuṇḍam
das ganz kahle [Haupt] der Atharvan-Sprüche
na adhīte 'dhīte vedam
wer dies nicht erkennt, [obwohl er] den Veda rezitiert
āhuḥ tam ajñam
nennen ihn unwissend
śiraḥ citvā
obwohl er ein Haupt [besäße/erlangt hätte]
kurute kabandham
macht sich zu einem kopflosen Rumpf

[Anm.: Rätselhafter Vers, der die vier Veden (Ṛg-, Yajur-, Sāma-, Atharvaveda) als Teile eines 'Hauptes' deutet (vgl. die verwandte Kopf-Rätsel-Tradition in Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 5,13 und die 'Śiras-vidyā'). Wer den Veda nur äußerlich rezitiert, ohne dieses tiefere 'Haupt'-Wissen zu erlangen, bleibt trotz vorhandenen Kopfes ein 'kopfloser Rumpf' (kabandha) – ein eindrückliches Bild für bloß mechanisches Vedenlernen ohne Verständnis, das im folgenden Khaṇḍa (14,2) explizit gemacht wird. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

sthāṇur ayaṃ bhārahāraḥ kilābhūt | adhītya vedaṃ na vijānāti yo 'rtham | yo 'rthajña it sakalaṃ bhadram aśnute | nākam eti jñānavidhūtapāpmā || iti śāṅkhāyanāraṇyake caturdaśamo 'dhyāyaḥ ||

Ein bloßer [unbeweglicher] Pfosten, ein Lastenträger, ist der fürwahr geworden, der, den Veda rezitierend, dessen Sinn nicht erkennt. Wer aber den Sinn erkennt, der erlangt vollständiges Heil; er gelangt zum Firmament, durch Erkenntnis von Übel gereinigt. – So endet im Śāṅkhāyana-Āraṇyaka der vierzehnte Adhyāya.

Wort für Wort
sthāṇuḥ bhārahāraḥ kila abhūt
ist fürwahr ein [bloßer] Pfosten, ein Lastenträger geworden
adhītya vedaṃ na vijānāti artham
rezitiert den Veda, erkennt aber dessen Sinn nicht
yaḥ arthajñaḥ it
wer aber den Sinn erkennt
sakalaṃ bhadram aśnute
erlangt vollständiges Heil
nākam eti
gelangt zum Firmament
jñānavidhūtapāpmā
durch Erkenntnis von Übel gereinigt
iti śāṅkhāyanāraṇyake caturdaśamo 'dhyāyaḥ
so endet der vierzehnte Adhyāya

[Anm.: Löst das Rätselbild aus 14,1 explizit auf: bloßes Rezitieren ohne Sinnverständnis macht den Vedenkenner zu einem 'Pfosten' bzw. 'Lasttier', während wirkliches Sinnverständnis (arthajña) zu vollem Heil und zum Firmament führt. Mit diesem kurzen, aber programmatischen Adhyāya (nur 2 Khaṇḍas) endet die eigentliche Lehrsubstanz des Werks; es folgt als letzter, fünfzehnter Adhyāya nur noch die traditionelle Lehrer-Ahnenreihe (vaṃśa). Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

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