Quellen der Menschheit

Kauṣītaki-/Śāṅkhāyana-Āraṇyaka

Kapitel 9: śāṅkhāyanāraṇyakam · navamo 'dhyāyaḥ Die Sāvitrī-/Gāyatrī-Formel und der Wettstreit der Sinnesvermögen um den Rang des Besten (ŚĀ 9,1–9,8)

Der neunte Adhyāya (ŚĀ 9,1–9,8) ist hiermit vollständig übersetzt: eine erweiterte Sāvitrī-/Gāyatrī-Formel als Eröffnung (9,1), Prajāpatis Kriterium für den 'Besten' unter den Sinnesvermögen (9,2), die Demonstrationsreihe des Fortgangs von Rede, Auge, Gehör und Geist ohne völligen Zusammenbruch (9,3–9,6), der dramatische Fortgang des Atems mit dem Sindh-Pferd-Gleichnis und der Zusage von Speise und Gewand (9,7, mit Bezug zum rituellen Ācamana), sowie ein abschließendes Wunscherfüllungsritual mit Kräuterbrei-Opfer (9,8). Es folgt Adhyāya 10 (ŚĀ 10,1ff., beginnend mit der Lehre vom 'inneren Agnihotra', bereits sichtbar auf PDF-Seite 24) in einer künftigen Sitzung bzw. im täglichen automatisierten Lauf.

om | tat savitur vṛṇīmahe | vayaṃ devasya bhojanam | śreṣṭhaṃ sarvadhātamam | turaṃ bhagasya dhīmahi | tat savitur vareṇyam | bhargo devasya dhīmahi | dhiyo yo naḥ pracodayāt || adabdhaṃ mana iṣiraṃ cakṣuḥ | sūryo jyotiṣāṃ śreṣṭho dīkṣe mā mā hiṃsīḥ ||

Om. Jenes [Erhabene] des Savitṛ erwählen wir, die Nahrung des Gottes, das Beste, das am meisten alles Verleihende; das rasche [Gut] des Bhaga wollen wir erlangen. Jenes begehrenswerte [Licht] des Savitṛ, den Glanz des Gottes, wollen wir erschauen, der unsere Einsichten anregen möge. Der untrügliche Geist, das kräftige Auge – die Sonne, die beste der Lichter: O Weihe (dīkṣā), schade mir, mir nicht!

Wort für Wort
om
Om
tat savitur vṛṇīmahe
jenes des Savitṛ erwählen wir
vayaṃ devasya bhojanam
wir [erwählen] die Nahrung des Gottes
śreṣṭhaṃ sarvadhātamam
das Beste, das meist Verleihende
turaṃ bhagasya dhīmahi
das rasche [Gut] des Bhaga wollen wir erlangen
tat savitur vareṇyam bhargo devasya dhīmahi
jenes begehrenswerte des Savitṛ, den Glanz des Gottes, wollen wir erschauen [Gāyatrī]
dhiyaḥ yaḥ naḥ pracodayāt
der unsere Einsichten anregen möge
adabdhaṃ manaḥ
der untrügliche Geist
iṣiram cakṣuḥ
das kräftige Auge
sūryaḥ jyotiṣāṃ śreṣṭhaḥ
die Sonne, die beste der Lichter
dīkṣe mā mā hiṃsīḥ
o Weihe, schade mir nicht

[Anm.: Eröffnet Adhyāya 9 mit einer erweiterten Sāvitrī-Formel: den ersten Zeilen ('tat savitur vṛṇīmahe...', bekannt auch aus Taittirīya-Brāhmaṇa/Maitrāyaṇī-Saṃhitā) folgt die berühmte Gāyatrī (Ṛgveda 3,62,10, 'tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi dhiyo yo naḥ pracodayāt') sowie eine Anrufung der Dīkṣā (rituellen Weihe) um Schutz. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

yo ha vai jyeṣṭhaṃ ca śreṣṭhaṃ ca veda jyeṣṭhaś ca ha vai śreṣṭhaś ca svānāṃ bhavati | prāṇo vai jyeṣṭhaś ca śreṣṭhaś ca | yo ha vai vasiṣṭhāṃ veda vasiṣṭho ha svānāṃ bhavati | vāg vai vasiṣṭhā | yo ha vai pratiṣṭhāṃ veda prati ha tiṣṭhaty asmiṃś ca loke 'muṣmiṃś ca | cakṣur ha pratiṣṭhā | yo ha vai saṃpadaṃ veda saṃ hāsmai kāmāḥ saṃpadyante | śrotraṃ ha vā u saṃpat | yo ha vā āyatanaṃ vedāyatano ha svānāṃ bhavati | mano vā āyatanam | atha hemā devatāḥ prajāpatiṃ pitaram etyābruvan ko vai naḥ śreṣṭha iti | sa hovāca prajāpatir yasmin va utkrānte śarīraṃ pāpiṣṭham iva manyate sa vai śreṣṭha iti ||

Wer nämlich den Ältesten und Besten kennt, der wird zum Ältesten und Besten unter den Seinen. Der Atem ist nämlich der Älteste und Beste. Wer nämlich den Reichsten kennt, der wird zum Reichsten unter den Seinen. Die Rede ist nämlich die Reichste. Wer nämlich den Halt kennt, der steht fest in dieser und in jener Welt. Das Auge ist nämlich der Halt. Wer nämlich den Erfolg kennt, dem gelingen die Wünsche. Das Gehör ist nämlich der Erfolg. Wer nämlich die Wohnstätte kennt, der wird zur Wohnstätte der Seinen. Der Geist ist nämlich die Wohnstätte. Nun gingen diese Gottheiten [die Sinnesvermögen] zu ihrem Vater Prajāpati und sprachen: 'Wer von uns ist der Beste?' Da sprach Prajāpati: 'Bei wessen Weggang ihr den Körper wie den elendesten erachtet, der ist wahrlich der Beste.'

Wort für Wort
jyeṣṭhaṃ ca śreṣṭhaṃ ca veda
kennt den Ältesten und Besten
prāṇaḥ jyeṣṭhaḥ śreṣṭhaḥ
der Atem = der Älteste und Beste
vasiṣṭhām veda
kennt den Reichsten
vāk vasiṣṭhā
die Rede = die Reichste
pratiṣṭhāṃ veda, prati tiṣṭhati
kennt den Halt, steht fest
cakṣuḥ pratiṣṭhā
das Auge = der Halt
saṃpadaṃ veda, kāmāḥ saṃpadyante
kennt den Erfolg, Wünsche gelingen
śrotram saṃpat
das Gehör = der Erfolg
āyatanaṃ veda
kennt die Wohnstätte
manaḥ āyatanam
der Geist = die Wohnstätte
devatāḥ prajāpatiṃ pitaram etya abruvan
die Gottheiten gingen zu Vater Prajāpati und sprachen
ko naḥ śreṣṭhaḥ
wer von uns ist der Beste
yasmin utkrānte śarīram pāpiṣṭham manyate
bei wessen Weggang man den Körper für am elendesten hält

[Anm.: Einleitung zur 'Wettstreit-der-Sinnesvermögen'-Erzählung (vgl. bereits KU 2,14 = ŚĀ 4,15, sowie BĀU 6,1/ChU 5,1): Prajāpatis Kriterium – wessen Fortgang den Körper am elendesten zurücklässt – bereitet die folgende Demonstrationsreihe (9,3–9,7) vor, in der Rede, Auge, Gehör und Geist der Reihe nach entweichen, ohne den Körper völlig lahmzulegen, bis schließlich der Atem entweicht. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

sā ha vāg uccakrāma | yathā mūkā avadantaḥ prāṇantaḥ prāṇena paśyantaś cakṣuṣā śṛṇvantaḥ śrotreṇa dhyāyanto manasaivam ||

Da entwich nun die Rede. [Die Menschen lebten dann] wie Stumme, nicht redend, [aber weiter] atmend durch den Atem, sehend durch das Auge, hörend durch das Gehör, denkend durch den Geist – ebenso [ging es weiter].

Wort für Wort
vāk uccakrāma
die Rede entwich
yathā mūkāḥ avadantaḥ
wie Stumme, nicht redend
prāṇantaḥ prāṇena
atmend durch den Atem
paśyantaḥ cakṣuṣā
sehend durch das Auge
śṛṇvantaḥ śrotreṇa
hörend durch das Gehör
dhyāyantaḥ manasā
denkend durch den Geist

[Anm.: Erste Demonstration: ohne Rede leben die Menschen wie Stumme, aber die übrigen Funktionen bleiben erhalten. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

cakṣur hoccakrāma | yathāndhā apaśyantaḥ prāṇantaḥ prāṇena vadanto vācā śṛṇvantaḥ śrotreṇa dhyāyanto manasaivam ||

Da entwich das Auge. [Die Menschen lebten dann] wie Blinde, nicht sehend, [aber weiter] atmend durch den Atem, redend durch die Rede, hörend durch das Gehör, denkend durch den Geist – ebenso [ging es weiter].

Wort für Wort
cakṣuḥ uccakrāma
das Auge entwich
yathā andhāḥ apaśyantaḥ
wie Blinde, nicht sehend
vadantaḥ vācā
redend durch die Rede

[Anm.: Zweite Demonstration, spiegelbildlich zur ersten. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

śrotraṃ hoccakrāma | yathā badhirā aśṛṇvantaḥ prāṇantaḥ prāṇena vadanto vācā paśyantaḥ cakṣuṣā dhyāyanto manasaivam ||

Da entwich das Gehör. [Die Menschen lebten dann] wie Taube, nicht hörend, [aber weiter] atmend durch den Atem, redend durch die Rede, sehend durch das Auge, denkend durch den Geist – ebenso [ging es weiter].

Wort für Wort
śrotram uccakrāma
das Gehör entwich
yathā badhirāḥ aśṛṇvantaḥ
wie Taube, nicht hörend

[Anm.: Dritte Demonstration. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

mano hoccakrāma | yathā bālā amanasaḥ prāṇantaḥ prāṇena vadanto vācā paśyantaḥ cakṣuṣā śṛṇvantaḥ śrotreṇaivam ||

Da entwich der Geist. [Die Menschen lebten dann] wie Kinder, ohne Verstand, [aber weiter] atmend durch den Atem, redend durch die Rede, sehend durch das Auge, hörend durch das Gehör – ebenso [ging es weiter].

Wort für Wort
manaḥ uccakrāma
der Geist entwich
yathā bālāḥ amanasaḥ
wie Kinder, ohne Verstand

[Anm.: Vierte und letzte 'milde' Demonstration, bevor im folgenden Khaṇḍa der Atem selbst entweicht und dies zum völligen Kollaps führt. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

prāṇo hoccakrāma | tatas tad yatheha saindhavaḥ suhayaḥ paḍbīśaśaṅkūn saṃkhided evam asau prāṇān samakhidat | te ha sam etyocur bhagavan mā utkramīr iti | sa hovāca prāṇaḥ kiṃ me 'nnaṃ bhaviṣyatīti | yat kiṃcāśvebhya ivāśakunibhya iti | kiṃ me vāso bhaviṣyatīty āpa iti hocuḥ | tasmād vā ayam aśiṣyan purastāc coparíṣṭāc cādbhiḥ paridadhāti | lambhuko hāsya vāso bhavaty anagno hi bhavati | tad dha smaitat satyakāmo jābālo gośrute vaiyāghrapadyāyoktvovāca | apy evaṃ śuṣkasya sthāṇoḥ prabrūyāj jayerann asya śākhāḥ praroheyuḥ palāśanīti | vanaspate śatavalśo viroheti dyāṃ mā lekhīr antarikṣaṃ mā mā hiṃsīr iti ha yājñavalkyaḥ ||

Da entwich der Atem. Da geschah es, wie hier ein trefflicher Sindh-Hengst die Pflöcke der Fußfessel losreißt, so riss jener [Atem] die übrigen [Sinnes-Atem-Kräfte] mit sich fort. Da kamen sie zusammen und sprachen: 'Herr, entweiche nicht!' Da sprach der Atem: 'Was wird meine Speise sein?' 'Was auch immer, sei es für Pferde oder für Vögel [Speise ist]', sprachen sie. 'Was wird mein Gewand sein?' 'Das Wasser', sprachen sie. Deshalb umhüllt sich [der Essende], bevor er isst, vorn und hinten mit Wasser; sein Gewand wird [dadurch] erlangt, denn er wird [dadurch] nicht [wie] nackt. Dies pflegte Satyakāma Jābāla dem Gośruti Vaiyāghrapadya mitzuteilen, indem er sprach: 'Auch zu einem [schon] vertrockneten Baumstumpf könnte man so sprechen: Seine Zweige mögen [wieder] hervorwachsen, seine Blätter mögen sprießen.' 'O Baumherr, mit hundert Trieben mögest du wieder aufsprießen; den Himmel ritze nicht, dem Luftraum schade mir, mir nicht' – so [sprach] Yājñavalkya.

Wort für Wort
prāṇaḥ uccakrāma
der Atem entwich
saindhavaḥ suhayaḥ paḍbīśaśaṅkūn saṃkhidet
ein trefflicher Sindh-Hengst reißt die Fußfessel-Pflöcke los
prāṇān samakhidat
riss die [übrigen] Atem-Kräfte mit sich
bhagavan mā utkramīḥ
Herr, entweiche nicht
kiṃ me annaṃ bhaviṣyati
was wird meine Speise sein
kiṃ me vāsaḥ bhaviṣyati, āpaḥ
was wird mein Gewand sein? Das Wasser
purastāt uparíṣṭāt ca adbhiḥ paridadhāti
umhüllt sich vor und nach [der Mahlzeit] mit Wasser
satyakāmo jābālo gośrute vaiyāghrapadyāya uvāca
Satyakāma Jābāla sprach zu Gośruti Vaiyāghrapadya
śuṣkasya sthāṇoḥ śākhāḥ praroheyuḥ
die Zweige eines vertrockneten Stumpfes mögen sprießen
vanaspate śatavalśaḥ viroha
o Baumherr, mit hundert Trieben sprieße wieder
dyāṃ mā lekhīḥ, antarikṣaṃ mā mā hiṃsīḥ
ritze nicht den Himmel, schade nicht dem Luftraum, mir

[?] [Anm.: Höhepunkt der Wettstreit-Erzählung: erst beim Fortgang des Atems (prāṇa) selbst droht der völlige Zusammenbruch (Bild des sich losreißenden Sindh-Pferdes), woraufhin die anderen Vermögen um seinen Verbleib bitten und ihm Speise (alles, auch für Tiere Bestimmtes) und Kleidung (Wasser, daher der rituelle Brauch des Ācamana vor und nach dem Essen) zusichern. Der Übergang zur Baumstumpf-Formel Yājñavalkyas (Lebenskraft, die selbst Totes wieder ergrünen lässt) und deren kosmische Erweiterung ('Himmel nicht ritzen') bleibt in der Verknüpfung unsicher. Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

atha yadi mahaj jigamiṣet trirātraṃ dīkṣitvā māvāsyāyāṃ sarvauṣadhasya mantham dadhimadhubhyām upamanthyāgnim upasamādhāya parisamuhya paristīrya paryukṣya dakṣiṇaṃ jānv ācyottarato 'gneḥ kaṃse mantham kṛtvā hutvā homān manthe saṃpātam ānayet | jyeṣṭhāya śreṣṭhāya svāhety agnau hutvā manthe saṃpātam ānayet | pratiṣṭhāyai svāhety agnau hutvā manthe saṃpātam ānayet | sampade svāhety agnau hutvā manthe saṃpātam ānayet | tat savitur vareṇyam iti paccha prāsya tat savitur vṛṇīmaha iti paccha ācāmati mahāvyāhṛtibhiś caturthaṃ nirṇijya kāṃsyaṃ carmaṇi vā sthaṇḍile vā saṃviśati | sa yadi striyaṃ paśyet samṛddhaṃ karmeti vidyāt samṛddhaṃ karmeti vidyāt || iti śāṅkhāyanāraṇyake navamo 'dhyāyaḥ ||

Wenn man aber etwas Großes zu erlangen wünscht, soll man, nachdem man sich drei Nächte lang geweiht hat, an Neumond einen Brei aus allen Kräutern anrühren, [ihn] mit Sauermilch und Honig verquirlen, das Feuer [rituell] herrichten, [den Feuerplatz] rings bestreichen, [mit Gras] belegen, [mit Wasser] besprengen, das rechte Knie [zum Feuer] hinwendend, nördlich vom Feuer den Brei in einem Kupfergefäß bereiten, [ihn] darbringen und die Opferreste in den Brei zurückführen. 'Dem Ältesten, dem Besten – svāhā!' – so soll er ins Feuer opfern und [den Rest] in den Brei zurückführen. 'Dem Halt – svāhā!' – so ins Feuer opfern und in den Brei zurückführen. 'Dem Erfolg – svāhā!' – so ins Feuer opfern und in den Brei zurückführen. Die Gāyatrī rezitierend, [den Brei] darreichend; die erste Sāvitrī-Zeile rezitierend, nimmt er [ihn zu sich]; mit den großen [heiligen] Ausrufen (bhūr bhuvaḥ svaḥ) reinigt er sich zum vierten Mal, [und] legt sich auf dem Kupfergefäß, einem Fell oder blankem Boden nieder. Wenn er dann [im Traum] eine Frau sieht, soll er wissen: 'Das Werk ist gelungen', 'das Werk ist gelungen' soll er wissen. – So endet im Śāṅkhāyana-Āraṇyaka der neunte Adhyāya.

Wort für Wort
mahat jigamiṣet
wünscht Großes zu erlangen
trirātraṃ dīkṣitvā
nachdem er sich drei Nächte geweiht hat
amāvāsyāyām
an Neumond
sarvauṣadhasya mantham
Brei aus allen Kräutern
dadhimadhubhyām upamanthya
mit Sauermilch und Honig verquirlt
dakṣiṇaṃ jānu ācya
das rechte Knie hinwendend
jyeṣṭhāya śreṣṭhāya svāhā
dem Ältesten, dem Besten - svāhā
pratiṣṭhāyai svāhā, sampade svāhā
dem Halt - svāhā, dem Erfolg - svāhā
mahāvyāhṛtibhiḥ nirṇijya
mit den großen Ausrufen sich reinigend
carmaṇi vā sthaṇḍile vā saṃviśati
legt sich auf Fell oder blankem Boden nieder
striyaṃ paśyet samṛddhaṃ karma iti vidyāt
sieht er eine Frau, soll er wissen: das Werk ist gelungen
iti śāṅkhāyanāraṇyake navamo 'dhyāyaḥ
so endet der neunte Adhyāya

[Anm.: Abschließendes Ritual des Adhyāya: ein Wunscherfüllungsritus mit Kräuterbrei-Opfer unter Anrufung von 'Ältestem/Bestem', 'Halt' und 'Erfolg' (den in 9,2 genannten Eigenschaften von Atem, Auge, Gehör) samt Sāvitrī-Rezitation aus 9,1; ein Traumgesicht einer Frau gilt als Erfolgszeichen – ein bekanntes Motiv aus der vedischen Traumdeutung (vgl. ähnliche Traum-Omina in Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad). Übersetzung ohne Fremdübersetzung als Ausgangspunkt, aus dem Sanskrit-Original morphologisch erarbeitet.]

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