Kapitel 10
Atirātra: Die Nachtwache und der Mythos der Apālā
Der Abschnitt widmet sich dem nächtlichen Zusatzritus Atirātra mit seinen eigenen Sāman-'Runden' und der Āśvina-Rezitation, deren Ursprung auf ein Wettrennen zwischen Agni, Uṣas und den Aśvin-Zwillingen zurückgeführt wird. Sein erzählerischer Höhepunkt ist die wörtlich aus dem Ṛgveda (8.91) übernommene Geschichte der hautkranken Apālā, die durch das Kauen von Soma und ein listiges Lied Indra selbst anlockt und von ihm geheilt und 'sonnenhäutig' gemacht wird.
ahno ’surā nuttā rātriṃ prāviśan. te devā etam anuṣṭupśīrṣāṇaṃ vajraṃ samabharan. tenainān abhyavāyan. vāg vā eṣā. vācā jyotiṣānvabhyavāyan. virāḍ vā eṣā. virājā jyotiṣānvabhyavāyan. na vai suyajña ivātirātraḥ. tad yat pāntaṃ bhavati tenaiva yajñaḥ kriyate. ahnaś ca sulambo rātreś ca saṃtatyā apyavacchedāya. yāni chandāṃsy ahar vahanti tāni rātriṃ vahanti. eṣā gāyatry eṣā virāḍ eṣā kakub eṣānuṣṭup. bṛhatīṣu stuvanti. tena bṛhatībhyo nayanti. tāsāṃ yad dvādaśākṣarāṇi padāni tena jagatībhyo nayanti. triṣṭubhā vaṣaṭkaroti. tena triṣṭubho nayanti. tān saṃdhinābhipalāyanta āśvine nāsaṃheyam agamayan. asaṃheyaṃ ha vai dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ gamayati ya evaṃ veda. eṣā vā agniṣṭomasya saṃmā yad rātriḥ. dvādaśa vā agniṣṭomasya stotrāṇi dvādaśa rātreḥ. eṣā vā ukthasya saṃmā yad rātriḥ. trīṇy ukthāni tridevatyas saṃdhiḥ. eṣā vā agniṣṭomasya ca saṃvatsarasya ca saṃmā yad rātriḥ. dvādaśa vā agniṣṭomasya stotrāṇi dvādaśa māsās saṃvatsaraḥ. rātryā tvāva trayodaśo māsa āpyate. eṣā vai vradhnasya viṣṭapaṃ yad rātriḥ. gacchati vradhnasya viṣṭapaṃ ya evaṃ veda
Von Tage vertrieben, zogen sich die Asuras in die Nacht zurück. Die Götter brachten diesen Vajra mit dem Haupt der Anuṣṭubh zusammen; mit ihm setzten sie ihnen nach. Diese [Anuṣṭubh] ist nämlich die Rede; mit Rede, mit Licht, setzten sie ihnen nach. Jene [andere] ist die Virāj; mit der Virāj, mit Licht, setzten sie ihnen nach.
Der Atirātra ist nicht wie ein gewöhnliches, wohlvollzogenes Opfer. Mit dem, was zum ›Trank‹ wird [den Andhasvatī-Versen], wird eben das Opfer vollzogen – zur guten Fortsetzung des Tages und zur Verknüpfung, ja zur Markierung der Nacht. Die Versmaße, die den Tag tragen, tragen auch die Nacht: Diese Nacht ist die Gāyatrī, diese die Virāj, diese der Kakubh, diese die Anuṣṭubh. Man singt in Bṛhatī-Versen; dadurch führt man mittels der Bṛhatīs. Da deren Verse zwölfsilbig sind, führt man dadurch mittels der Jagatīs. Mit einer Triṣṭubh lässt man den Vaṣaṭ-Ruf ertönen; dadurch führt man mittels der Triṣṭubhs. Fliehend, mittels der Verknüpfung, brachte man sie mit dem Āśvina an einen Ort ohne Rückkehr. Er bringt den hassenden Rivalen an einen Ort ohne Rückkehr, wer dies weiß.
Die Nacht ist das Gegenstück des Agniṣṭoma: zwölf sind die Stotras des Agniṣṭoma, zwölf [die Abschnitte] der Nacht. Die Nacht ist das Gegenstück des Uktha-Ritus: drei Ukthas, drei Gottheiten hat die Verknüpfung. Die Nacht ist das Gegenstück sowohl des Agniṣṭoma als auch des Jahres: zwölf sind die Stotras des Agniṣṭoma, zwölf Monate das Jahr – doch durch die Nacht wird der dreizehnte Monat gewonnen. Die Nacht ist die Ruhestätte des ›Vradhna‹, der Sonne. Wer dies weiß, gelangt zur Ruhestätte des Vradhna.
[Anm.: »Vradhna« ist ein seltenes, dunkles Sonnen-Epitheton, dessen genaue Bedeutung unsicher bleibt. Bemerkenswert ist die beiläufige Erklärung, dass der dreizehnte, den Sonnenlauf mit dem Mondjahr ausgleichende Schaltmonat eigens der Nacht zugerechnet wird.]
eṣa vāva sarvagāyatro yad atirātraḥ. na vai rātryā ṛte ’har na rātrir ṛte ’hnaḥ. naiṣā lokānām eka ekaḥ. ahorātre vā idaṃ sarvam ime lokāḥ. bhūtaṃ bhavyaṃ prajanayataḥ. tad āhur na prathamaṃ yajamāno ’tirātreṇa yajeteti. svaṃ ca hy atimanyate. dvau yajñakratū. brahma vā agniṣṭomaḥ. brahma vai brāhmaṇasya svam. agniṣṭomaṃ ca hy atimanyata ukthaṃ ca ṣoḍaśinam. tad u vā āhur agniṣṭomamātraṃ vāvāgniṣṭomenābhijayaty ukthamātram ukthena ṣoḍaśimātraṃ ṣoḍaśinā rātryā tvāva sarvam avarunddha iti. sa yo haivaṃ vidvān ekena yajñakratunā caturo yajñakratūn saṃtanoty āsya catvāro virājayante sarveṣu paśuṣu pratitiṣṭhati
Der Atirātra ist gänzlich gāyatra-haft. Es gibt keinen Tag ohne Nacht, keine Nacht ohne Tag; keine der Welten steht für sich allein. Tag und Nacht sind dieses Ganze, sind diese Welten; sie zeugen, was gewesen ist und was sein wird.
Dazu sagt man: Der Opferherr sollte nicht als Erstes mit dem Atirātra opfern, denn er würde damit sein Eigenes geringschätzen. Es gibt zwei Opferriten: Das Agniṣṭoma ist die heilige Macht, und die heilige Macht ist das Eigene des Brahmanen. Er würde sowohl das Agniṣṭoma als auch das Uktha und den Ṣoḍaśin geringschätzen.
Dazu sagt man aber auch: Mit dem Agniṣṭoma allein gewinnt man nur das Maß des Agniṣṭoma, mit dem Uktha nur das Maß des Uktha, mit dem Ṣoḍaśin nur das Maß des Ṣoḍaśin – doch mit der Nacht sichert man sich alles zugleich. Wer, dies wissend, mit einem einzigen Opferritus vier Opferriten ausdehnt, dem strahlen diese vier gleichsam königlich entgegen; er steht fest unter allem Vieh.
[Anm.: Die Passage verhandelt eine reale liturgische Streitfrage – ob der Atirātra als erstes eigenes Opfer angemessen ist – und löst sie, indem sie ihn als Zusammenfassung von Agniṣṭoma, Uktha und Ṣoḍaśin in einem einzigen Ritus deutet.]
ahno ’surā nuttā rātriṃ prāviśan. te devā etāni sāmāny apaśyann etān paryāyān. tair enān anvabhyavāyan. tān paryāyam aghnan. yat paryāyam aghnaṃs tat paryāyāṇāṃ paryāyatvam. paryāyam eva dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ hanti ya evaṃ veda. ye prathamarātreṇa channā āsaṃs tān prathamena paryāyeṇāghnan. yat prathamasya paryāyasya prathamāni padāni punarādīni bhavanti ye prathamarātreṇa channā bhavanti tān eva tena ghnanti. ye madhyarātreṇa channā āsaṃs tān madhyamena prayāyeṇāghnan. yan madhyamasya paryāyasya madhyamāni padāni punarādīni bhavanti ye madhyarātreṇa channā bhavanti tān eva tena ghnanti. ye ’pararātreṇa channā āsaṃs tān uttamena paryāyeṇāghnan. yad uttamasya paryāyasyottamāni padāni punarādīni bhavanti ye ’pararātreṇa channā bhavanti tān eva tena ghnanti. punarabhighātaṃ vāvaināṃs tad aghnan. yathā vai hatvā punar hanyāt tādṛk tat. punarabhighātam eva dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ hanti ya evaṃ veda
Von Tage vertrieben, zogen sich die Asuras in die Nacht zurück. Die Götter erschauten diese Sāmans, diese Runden (Paryāya); mit ihnen setzten sie ihnen nach. Sie schlugen sie Runde um Runde. Dass sie sie Runde um Runde schlugen, das ist das Runden-Sein der Runden. Er schlägt den hassenden Rivalen Runde um Runde, wer dies weiß.
Die im ersten Teil der Nacht verborgen waren, die schlugen sie mit der ersten Runde: Da die Anfangsworte der ersten Runde am Ende wiederkehren, schlagen sie damit eben jene, die im ersten Teil der Nacht verborgen sind. Die im mittleren Teil der Nacht verborgen waren, die schlugen sie mit der mittleren Runde – nach demselben Prinzip. Die im letzten Teil der Nacht verborgen waren, die schlugen sie mit der letzten Runde – ebenso.
Einen wiederholten Schlag versetzten sie ihnen damit. Es ist, wie wenn man jemanden erschlägt und dann noch einmal erschlägt. Er versetzt dem hassenden Rivalen einen wiederholten Schlag, wer dies weiß.
[Anm.: Das Prinzip, wonach die Anfangsworte jeder Runde am Ende der jeweiligen Runde wiederkehren, wird genutzt, um symbolisch genau jene Asuras zu treffen, die sich im entsprechenden Nachtabschnitt verborgen hielten – eine kunstvolle Verknüpfung von Rezitationsstruktur und Zeiteinteilung.]
śarvarī vai nāma rātriḥ. te devā abruvann api vai naś śarvaryām abhūd iti. tad evāpiśarvarāṇām apiśarvaratvam. api ha vā asya śarvaryāṃ bhavati ya evaṃ veda. asureṣu vā idam agra āsīt. tad devā abhijityābruvan kena nv ahorātre upariṣṭāt saṃdadhyāmeti. ta etad rāthantaraṃ saṃdhim apaśyan. tenāhorātre upariṣṭāt samadadhuḥ. yat samadadhus tat saṃdhes saṃdhitvam. āśvinaṃ ha khalu vai saṃdher uktham. mahati rātre sandhinā stuvanti. ā sūryasyodetor āśvinam anuśasyate ’horātrayor eva saṃtatyā ahorātrayos samārambhāya. ahorātre devā abhijitya te vajram eva paridhim akurvata paśūnāṃ guptyā asurāṇām anabhyavacārāya. tad yad etā uṣṇiho ’ntataḥ kriyante -- vajro vā uṣṇihaḥ - vajreṇaiva tat paśūn parigṛhṇāty aparā(vā)pāya. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda
›Śarvarī‹ ist ein Name der Nacht. Die Götter sprachen: »Auch von uns ist nun etwas in der Śarvarī!« Das eben ist das In-der-Śarvarī-Sein der ›Apiśarvaras‹. Auch von ihm ist etwas in der Śarvarī, wer dies weiß.
Unter den Asuras war dies zuerst. Da sprachen die Götter, nachdem sie es erobert hatten: »Womit nur könnten wir Tag und Nacht von oben her zusammenfügen?« Sie erschauten diese Rathantara-Verknüpfung; mit ihr fügten sie Tag und Nacht von oben her zusammen. Dass sie sie zusammenfügten, das ist das Verknüpfungs-Sein der Verknüpfung. Das Āśvina ist nämlich das Uktha der Verknüpfung; in der großen Nacht singt man mit der Verknüpfung. Bis zum Sonnenaufgang wird das Āśvina rezitiert, zur Fortsetzung von Tag und Nacht, zum [rechten] Beginn von Tag und Nacht.
Nachdem die Götter Tag und Nacht erobert hatten, machten sie den Vajra selbst zur Umzäunung, zum Schutz des Viehs, damit die Asuras nicht eindringen könnten. Dass diese Uṣṇih-Verse am Ende ausgeführt werden – die Uṣṇih ist ja der Vajra –, damit ergreift man eben mit dem Vajra das Vieh, damit es nicht wieder verloren geht. Sein Besitz wird nicht an einen anderen verschleudert, wer dies weiß.
[Anm.: Der Schlusssatz wiederholt wortgleich die Formel aus 1.201 – ein weiteres Beispiel für feste, wiederkehrende liturgische Schlussformeln in diesem Textabschnitt.]
asureṣu vā idam agra āsīt. tad devā abhijityābruvan vīdaṃ bhajāmahā iti. tasya vibhāge na samapādayan. te ’bruvann ājim asyāyāmeti. ta ājim āyan. agneḥ prathamo ratha āsīd athoṣaso ’thāśvinoḥ. tāv aśvināv aśvī aśvyām atyakurutām. tau dravantāv agniḥ paryudatiṣṭhat. tāv abrūtām ati nau sṛjasveti. nety abravīd anu nu mā bhajatam iti. tṛtīyaṃ ta ity abrūtām āvābhyāṃ tv evākhyāyatād iti. tatheti tāv atyārjata. tau dravantāv uṣāḥ paryudatiṣṭhat. tāv abrūtām ati nau sṛjasveti. nety abravīd anu nu mā bhajatam iti. tṛtīyaṃ ta ity abrūtām āvābhyāṃ tv evākhyāyatād iti. tatheti tāv atyārjata. tāv udajayetām. sa ya evam etām aśvinor ujjitiṃ veda yatra kāmayata ud iha jayeyam ity ut tatra jayati. ya u evaitām agneś coṣasaś cānvābhaktiṃ veda yatra kāmayate ’nvābhakta iha syām ity anvābhaktas tatra bhavati. tasmān nānādevatyās saṃstuvanti. athāśvinam ity evākhyāyate. vārevṛtaṃ hi tat tayoḥ
Unter den Asuras war dies zuerst. Da sprachen die Götter, nachdem sie es erobert hatten: »Lasst uns dieses Feste unter uns teilen!« Bei seiner Teilung kamen sie zu keiner Einigung. Sie sprachen: »Lasst uns darum ein Wettrennen austragen!« Sie fuhren zum Wettrennen. Agnis Wagen war zuerst, dann der der Uṣas, dann der der beiden Aśvins. Die beiden Aśvins, mit ihrem Pferdegespann, überholten im Pferderennen.
Als die beiden dahinjagten, erhob sich Agni und stellte sich ihnen in den Weg. Sie sprachen: »Lass uns vorbei!« – »Nein«, sprach er, »gebt mir vielmehr einen Anteil!« – »Ein Drittel sei dir«, sprachen die beiden, »doch soll es allein nach uns beiden benannt werden!« – »So sei es«, [sprach er]; die beiden zogen weiter voran. Als sie dahinjagten, erhob sich Uṣas und stellte sich ihnen in den Weg. Sie sprachen: »Lass uns vorbei!« – »Nein«, sprach sie, »gebt mir vielmehr einen Anteil!« – »Ein Drittel sei dir«, sprachen die beiden, »doch soll es allein nach uns beiden benannt werden!« – »So sei es«, [sprach sie]; die beiden zogen weiter voran.
Die beiden gewannen das Rennen restlos. Wer diesen restlosen Sieg der beiden Aśvins so kennt, gewinnt, wo immer er sich wünscht: »Möge ich hier restlos siegen«, dort restlos. Und wer diese nachträgliche Anteilnahme Agnis und der Uṣas so kennt, erhält, wo immer er sich wünscht: »Möge ich hier einen Anteil haben«, dort einen Anteil. Deshalb singt man [in diesem Ritus] Verse verschiedener Gottheiten. Dennoch wird es einfach ›Āśvina‹ genannt – denn jenes [der volle Sieg] fällt kraft der getroffenen Übereinkunft (vāra) ihnen, den beiden [Aśvins], allein zu.
[Anm.: Eine reizvolle ätiologische Wettrenn-Erzählung erklärt, warum die ›Āśvina‹ genannte Rezitation, obwohl sie auch Verse an Agni und Uṣas enthält, allein nach den Aśvin-Zwillingen benannt ist: Diese gewähren den beiden anderen je ein Drittel-Anteil, behalten sich selbst aber den Namen vor.]
ahorātrayor vai devāsurā adhisaṃyattā āsan. te devā ahar abhyajayan. athāsurā ṛcaṃ ca rātriṃ ca prāviśan. te devā abruvann ardhino vā asya bhuvanasyābhūma kathaṃ satrā rātrim abhijayema ratnair anvabhyavāyamiti. tava chandasety agnim abruvan. tava stomenetīndram. tava saṃpadeti prajāpatim. yuṣmākam āyatananeti viśvān devān. yad agnim abruvaṃs tava chandaseti tasmād gāyatrīṣu stuvanti. yad indram abruvaṃs tava stomeneti tasmāt pañcadaśastomo rātreḥ. yat prajāpatim abruvaṃs tava saṃpadeti tasmād anuṣṭubhaṃ saṃpadyate. yad viśvān devān abruvan yuṣmākam āyataneneti tasmāj jagatyo ’nuśaṃsyante. tān saṃdhinābhipalāyanta. āśvinenāsaṃheyam agamayan. asaṃheyaṃ ha vai dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ gamayati ya evaṃ veda
Um Tag und Nacht lagen Götter und Asuras im Streit. Die Götter eroberten den Tag; da drangen die Asuras in den Vers und in die Nacht ein. Die Götter sprachen: »Wir sind nur Herren der halben Welt geworden – wie könnten wir gemeinsam auch die Nacht erobern? Lasst uns ihnen mit unseren Kostbarkeiten nachsetzen!« – »Durch dein Versmaß«, sprachen sie zu Agni. – »Durch deinen Stoma«, zu Indra. – »Durch deine Fügung«, zu Prajāpati. – »Durch eure Grundlage«, zu den All-Göttern.
Weil sie zu Agni sprachen »durch dein Versmaß«, singt man deshalb in Gāyatrī-Versen. Weil sie zu Indra sprachen »durch deinen Stoma«, hat die Nacht deshalb einen fünfzehnfachen Stoma. Weil sie zu Prajāpati sprachen »durch deine Fügung«, gelangt sie deshalb zur Anuṣṭubh. Weil sie zu den All-Göttern sprachen »durch eure Grundlage«, werden deshalb Jagatī-Verse rezitiert. Fliehend, mittels der Verknüpfung, brachte man sie mit dem Āśvina an einen Ort ohne Rückkehr. Er bringt den hassenden Rivalen an einen Ort ohne Rückkehr, wer dies weiß.
[Anm.: Diese Variante des Tag-Nacht-Streit-Mythos ordnet jedem der vier angerufenen Götter – Agni, Indra, Prajāpati, die All-Götter – je ein technisches Versmerkmal der Nacht-Liturgie zu und endet mit derselben Formel wie 1.206.]
ahorātrābhyāṃ vai devā asurān nirhṛtya tāṃs trivṛtaiva vajreṇābhinyadadhuḥ. ime vai lokās trivṛtaḥ. ebhir evaināṃs tal lokair abhinyadadhuḥ. tasmād āhur naiva tāvad asurā anvābhavitāro yāvad ime lokā bhavitāra iti. ebhir hi lokair abhinihitāḥ. eṣā vā agniṣṭomasya ca saṃvatsarasya saṃmā yad rātriḥ. caturviṃśatyardhamāsas saṃvatsaraś caturviṃśati rātryā ukthāmadāni. trīṇi savanāni trayaḥ paryāyāḥ. rātrim eva tat triṣavaṇāṃ kurvanti. atho enāṃ tad ahna iva samutkalpayanti. ahorātre devā abhijitya te ’mum ādityaṃ savanair eva pratyañcam anayan. taṃ paryāyaiḥ punaḥ prāñcam. tam āśvinena purastād udastabhnuvan. tasmād āhur nodite sūrya āśvinam anuśasyam iti. vi hainaṃ gamayati. sa ya etad evaṃ veda nīto ’sya savanair asāv ādityaḥ pratyaṅ bhavaty ānītaḥ punaḥ paryāyaiḥ prāṅ uttabdhaḥ purastād āśvinena. ubhe ’syāhorātre spṛte avaruddhe bhavato bhogāyāsmā ādityā ketūṃś carati
Nachdem die Götter die Asuras mittels Tag und Nacht ausgetrieben hatten, vergruben sie sie mit eben dem dreifachen Vajra. Diese Welten sind nämlich dreifach; mit eben diesen Welten vergruben sie sie. Deshalb sagt man: »Die Asuras werden nicht wieder obsiegen, solange diese Welten bestehen werden« – denn sie sind ja mit diesen Welten niedergelegt.
Die Nacht ist das Gegenstück sowohl des Agniṣṭoma als auch des Jahres: Das Jahr hat vierundzwanzig Halbmonate, die Nacht vierundzwanzig ›Ukthāmada‹-Abschnitte. Drei Pressungen, drei Runden: Damit macht man die Nacht selbst zu einer Dreifach-Pressung und ordnet sie zugleich wie den Tag.
Nachdem die Götter Tag und Nacht erobert hatten, führten sie jene Sonne mit den Pressungen rückwärts; mit den Runden führten sie sie wieder vorwärts; mit dem Āśvina stützten sie sie von Osten her. Deshalb sagt man: Das Āśvina soll rezitiert werden, bevor die Sonne aufgegangen ist – sonst würde sie [die Sonne] verrückt. Wer dies weiß: für ihn wird jene Sonne, durch die Pressungen geführt, rückwärtig; durch die Runden wieder vorwärtig geführt; von Osten her durch das Āśvina gestützt. Beide, sein Tag und seine Nacht, werden, einmal erreicht, gesichert; zu seinem Genuss zieht die Sonne ihre Strahlenbanner.
[Anm.: Das Bild der Sonnenstrahlen als ›Banner‹ (ketu), die zum Genuss des Wissenden dahinziehen, ist eine besonders anschauliche Schlusswendung dieses kosmologisch-technischen Abschnitts.]
athaiṣa rāthantaras saṃdhir bhavati. prajāpatir uṣasaṃ svāṃ duhitaraṃ bṛhaspataye prāyacchat. tasyā etat sahasram āśvinaṃ vahatum anvākarot. sa devān abravīd iyam eva mama yuṣmākam etad itarad iti. tasmād yadānṛśaṃso jāyāṃ vindate vy eva vahatum ādiśati. te devā abruvan vīdaṃ bhajāmahā iti. tasya vibhāge na samapādayan. te ’bruvann ājim asyāyāmeti. ta ājim āyan. agneḥ prathamo ratha āsīd athoṣaso ’thāśvinoḥ. tāv aśvināv aśvī aśvīyām atyakurutām. tau devā abruvan vāro ’yaṃ vām atha nas sahāstv iti. tasmān nānādevatyās stuvanti. athāśvinam ity ākhyāyate. agnaye prathamāya stuvanty athoṣase ’thāśvibhyām. evaṃ hy eṣām etā ujjitayaḥ. ekaṃ sāma dve chandasī. dvipadam eva tac catuṣpātsu paśuṣv adhyūhati. tasmād dvipāc catuṣpadaḥ paśūn adhitiṣṭhati. anudite sūrye paridadhyād yaṃ kāmayeta pāpīyānsyād iti pāpīyān eva bhavati. vyuṣite paridadhyād yaṃ kāmayeta nārvāṅ na paras syād iti. naivārvāṅ na paro bhavati. bahuvarṣī ha tu parjanyo bhavati. udite paridadhyād yaṃ kāmayeta śreyān syād rucam aśnuvīteti. śreyān eva bhavati rucam aśnute
Nun wird dies zur Rathantara-Verknüpfung: Prajāpati gab Uṣas, seine eigene Tochter, dem Bṛhaspati [zur Frau]. Für sie fügte er dieses tausendfache Āśvina als Mitgift hinzu. Er sprach zu den Göttern: »Sie selbst ist mein; jenes andere aber ist euer.« Deshalb weist ein großzügiger Mann, wenn er eine Gattin gewinnt, die Mitgift eigens gesondert zu.
Die Götter sprachen: »Lasst uns dieses Feste unter uns teilen!« Bei seiner Teilung kamen sie zu keiner Einigung. Sie sprachen: »Lasst uns darum ein Wettrennen austragen!« Sie fuhren zum Wettrennen. Agnis Wagen war zuerst, dann der der Uṣas, dann der der beiden Aśvins. Die beiden Aśvins, mit ihrem Pferdegespann, überholten im Pferderennen. Da sprachen die Götter zu den beiden: »Dieser Preis ist euer – doch soll auch für uns ein Anteil dabei abfallen!« Deshalb singt man Verse verschiedener Gottheiten. Dennoch wird es einfach ›Āśvina‹ genannt. Man singt zuerst für Agni, dann für Uṣas, dann für die beiden Aśvins – denn so sind eben ihre Siege [der Reihe nach] gewesen.
Ein Sāman, zwei Versmaße: Damit fügt man ein Zweifüßiges unter vierfüßiges Vieh ein. Deshalb herrscht ein Zweifüßiger [der Mensch] über vierfüßiges Vieh.
Sollte man [das Umgewand] anlegen, bevor die Sonne aufgegangen ist, [mit dem Wunsch] für jemanden: »Möge er schlechter werden«, so wird er eben schlechter. Sollte man es anlegen, nachdem [die Nacht] verstrichen ist, [mit dem Wunsch]: »Möge er weder zurück- noch vorankommen«, so wird er weder das eine noch das andere – doch Parjanya beschert ihm viele Jahre Regen. Sollte man es anlegen, nachdem die Sonne aufgegangen ist, [mit dem Wunsch]: »Möge er besser werden, möge er zu Glanz gelangen«, so wird er eben besser und gelangt zu Glanz.
[Anm.: Diese Fassung derselben Wettrenn-Erzählung wie in 1.210 begründet zugleich eine reale Ehesitte – die gesonderte Zuweisung der Mitgift neben der Braut selbst. Die abschließende Dreiteilung nach der Tageszeit des Anlegens (vor, während, nach Sonnenaufgang) verknüpft astronomische Genauigkeit mit sozialem Schicksal.]
pāntam ā vo andhasaḥ ity andhasvatīr bhavanti. ahar vā andho rātriḥ pāntam. ahorātrayor eva saṃtatyā ahorātrayos samārambhāya. tāsv okonidhanaṃ vaitahavyam. okonidhanena vai vaitahavyena devā asurān okasaokaso ’nudanta. okasaokasa eva dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ nudate ya evaṃ veda. prāṇā ha khalu vā okaḥ. prāṇān evaitad dviṣato bhrātṛvyasya vṛṃkte prāṇān ātman dhatte. tad āhuḥ preva vā ete ’smāl lokāc cyavante ye ’tirātram upayantīti. tad yad okonidhanaṃ bhavati -- ayaṃ vau lokaḥ puruṣasyaukaḥ -- asminn evaital loke pratitiṣṭhati. vītahavya āśrāyaso jyog aparuddhaś caran. so ’kāmayatāva sva okasi gaccheyam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. sa okāya ity eva nidhanam upait. tato vai so ’va sva okasy agacchat. etat kāmasani sāma. etaṃ vai sa kāmam akāmayata. so ’smai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute sam asmai sa kāma ṛdhyate. yad u śrīr eva rājyaṃ vai sa tad agacchat. aśnute śriyaṃ gacchati rājyaṃ ya evaṃ veda. yad u vītahavya āśrāyaso ’paśyat tasmād okonidhanaṃ vaitahavyam ity ākhyāyate
»Der Trank eurer Somastängel« – so werden es die Andhasvatī-Verse. Der Tag ist nämlich der Somastängel, die Nacht der Trank; dies dient der Fortsetzung von Tag und Nacht, dem [rechten] Beginn von Tag und Nacht.
Unter diesen ist das Vaitahavya mit der ›Heim‹-Schlussformel. Mit diesem Vaitahavya, das die ›Heim‹-Schlussformel hat, vertrieben die Götter die Asuras, Heim um Heim. Er vertreibt den hassenden Rivalen, Heim um Heim, wer dies weiß. Die Atemkräfte nämlich sind das ›Heim‹; damit nimmt er dem hassenden Rivalen die Atemkräfte und legt sie sich selbst zu.
Dazu sagt man: Die, welche den Atirātra vollziehen, scheiden gleichsam aus dieser Welt. Dass es die ›Heim‹-Schlussformel gibt – diese Welt hier ist ja das Heim des Menschen –, dadurch steht man eben fest in dieser Welt.
Vītahavya Āśrāyasa, lange umherirrend, von seinem Heim ferngehalten, wünschte sich: »Möge ich zu meinem eigenen Heim gelangen!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm sang er. Er gelangte zur Schlussformel eben mit ›zum Heim‹. Daraufhin gelangte er zu seinem eigenen Heim. Dies ist das wunscherfüllende Sāman; eben diesen Wunsch hatte er sich gewünscht, und er wurde ihm erfüllt. Welchen Wunsch auch immer man hat, wenn man mit diesem Sāman singt, der wird einem erfüllt. Und damit gelangte er auch zu Glanz – denn das ist Königtum. Er erlangt Glanz, gelangt zum Königtum, wer dies weiß. Und weil Vītahavya Āśrāyasa es erschaute, deshalb heißt es das Vaitahavya mit der ›Heim‹-Schlussformel.
[Anm.: Die Bemerkung, wer den Atirātra vollziehe, scheide gleichsam aus dieser Welt, unterstreicht den liminalen, fast welttranszendierenden Charakter dieses Nachtrituals – dem die ›Heim‹-Schlussformel eigens entgegenwirkt, indem sie den Sänger in dieser Welt verankert.]
pra va indrāya mādanam iti madvatīr bhavanti. raso vai madaḥ. dhītevaiṣā yad rātriḥ pīḍiteva. nābhiṣuṇvanti. yad evādas tṛtīyasavanād ṛjīṣam atirecayanti tenāsyāṃ caranti. tad yad etā madvatīr bhavanti rasam evāsyām etad dadhaty eva. enām etenāpyāyayanti. tāsu śāktyam. śāktyena vai śāktyāḥ paśūn avārundhata. tac chāktyasya śāktyatvam. tad etat paśavyaṃ sāma. ava paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. śāktyā annādyakāmās tapo ’tapyanta. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai te ’nnādyam arundhata. tasya vā etasyāsti yathaiva gaurīvitasyaivam. annaṃ vai gaurīvitam. annam u vai śvastanam. annam u ha vā idaṃ sarvam atiririce. atiriktevaiṣā yad rātriḥ. atiriktaṃ rātryām annādyaṃ dadhati. tat svāraṃ bhavati. prāṇo vai svaraḥ. annam u vai prāṇāḥ. tad etad abhipūrvasyaivānnādyasyāvaruddhis sāma. avānnādyaṃ runddhe ’nnādaś śreṣṭhas svānāṃ bhavati ya evaṃ veda. yad u śāktyā apaśyaṃs tasmāc chāktyam ity ākhyāyate
»Für Indra hervor, den Berauschenden« – so werden es die Madvatī-Verse. Der [Soma-]Saft nämlich ist der Rausch. Diese Nacht ist gleichsam nachdenklich – wie etwas Bedrängtes. Man presst [nachts] keinen Soma. Was man aber vom dritten Pressungsrest als Überschuss übrig lässt, damit verfährt man in ihr. Dass es diese Madvatī-Verse gibt, legt man eben dadurch [Soma-]Saft in sie hinein; dadurch lässt man sie anschwellen.
Unter diesen ist das Śāktya. Mit dem Śāktya sicherten sich die Śāktyas Vieh. Das ist das Śāktya-Sein des Śāktya. Dies ist das viehbezogene Sāman. Wer dies weiß, sichert sich Vieh und wird reich an Vieh.
Die Śāktyas, nach Speise verlangend, übten Askese. Sie erschauten dieses Sāman. Sie stimmten es an. Daraufhin sicherten sie sich Speise. Für dieses gilt genau dasselbe wie für das Gaurīvita: Speise nämlich ist das Gaurīvita, und Speise ist auch das, was für morgen bestimmt ist. Ja, Speise übertrifft dieses ganze All. Diese Nacht ist gleichsam ein Überschuss; einen Überschuss an Speise legt man in die Nacht. Das wird tonhaft. Der Atem nämlich ist der Ton, und die Atemkräfte sind ja Speise. Dies ist das Sāman zur Sicherung immer weiter wachsender Speise. Er sichert sich Speise und wird der beste Esser unter den Seinen, wer dies weiß. Und weil die Śāktyas es erschauten, deshalb heißt es Śāktya.
[Anm.: Der Satz »Speise übertrifft dieses ganze All« gehört zu den nachdrücklichsten Formulierungen der in der Brāhmaṇa-Literatur verbreiteten Speise-Theologie.]
vayam u tvā tvadidarthāḥ iti kāṇvam. kaṇvo vai nārṣado jyog apratiṣṭhitaś caran so ’kāmayata pratitiṣṭheyam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. sa rantāyā ity eva nidhanam upait. arata iva vā eṣa bhavati yo na pratitiṣṭhati. leleva vai rātrī ratir vā eṣā. tatas sa pratyatiṣṭhat. tad etat pratiṣṭhā sāma. pratitiṣṭhati ya evaṃ veda. yad u kaṇvo nārṣado ’paśyat tasmāt kāṇvam ity ākhyāyate. indrāya madvane sutam iti madvatīr bhavanti. raso vai madaḥ. dhītevaiṣā yad rātriḥ pīḍiteva. nābhiṣuṇvanti. yad evādas tṛtīyasavanād ṛjīṣam atirecayanti tenāsyāṃ caranti. tad yad etā madvatīr bhavanti rasam evāsyām etad dadhaty eva. etām etenāpyāyayanti
»Wir, dir eigens zugehörig« – dies ist das Kāṇva. Kaṇva Nārṣada, lange ohne festen Halt umherirrend, wünschte sich: »Möge ich festen Halt gewinnen!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm sang er. Er gelangte zur Schlussformel eben mit ›zur Freude‹. Wer nicht fest steht, ist gleichsam ohne Freude. Die Nacht ist flatterhaft, doch dies [Sāman] ist Freude. Daraufhin gewann er festen Halt. Dies ist das Sāman des festen Halts. Wer dies weiß, gewinnt festen Halt. Und weil Kaṇva Nārṣada es erschaute, deshalb heißt es Kāṇva.
»Für Indra gepresst, den Berauschten« – so werden es die Madvatī-Verse. Der Saft nämlich ist der Rausch. Diese Nacht ist gleichsam nachdenklich – wie etwas Bedrängtes. Man presst keinen Soma. Was man vom dritten Pressungsrest als Überschuss übrig lässt, damit verfährt man in ihr. Dass es diese Madvatī-Verse gibt, legt man eben dadurch Saft in sie hinein; dadurch lässt man sie anschwellen.
[Anm.: Die Erklärung der Madvatī-Verse wiederholt hier, bis auf ein einzelnes Pronomen, wortgleich den entsprechenden Passus aus 1.215 – wie schon mehrfach in diesem Textabschnitt (vgl. 1.89, 1.135, 1.197) wird eine solche Doppelung als vermutlich echtes Merkmal der Überlieferung beibehalten, hier erstmals als Übernahme eines ganzen Erklärungsabschnitts in einen neuen Kontext.]
tāsu śrautakakṣam. śrutakakṣaḥ kākṣīvataḥ paśukāmas tapo ’tapyata. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. sa etām iḷām upait. paśavo vā iḷā. tato vai sa paśūn avārunddha. tad etat paśavyaṃ sāma. ava paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. punarnitunnachando bhavati. yatrayatra vai devāś chandasāṃ rasam anvavindaṃs tat punarnitunnam akurvan. tat punar abhyāghnan. dhītavaiṣā yad rātriḥ. tad yat punarnitunnachando bhavati rasam evāsyām etad dadhati. rasasyaivaiṣānuvṛtti. yad u śrutakakṣaḥ kākṣīvato ’paśyat tasmāc chrautakakṣam ity ākhyāyate. tadaiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhati
Unter diesen ist das Śrautakakṣa. Śrutakakṣa Kākṣīvata, nach Vieh verlangend, übte Askese. Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm sang er. Er gelangte zu dieser Iḷā – Iḷā ist ja das Vieh –, und so sicherte er sich Vieh. Dies ist das viehbezogene Sāman. Wer dies weiß, sichert sich Vieh und wird reich an Vieh.
Es wird zum ›wiederholt-geschlagenen‹ Versmaß. Wo immer die Götter den Saft der Versmaße fanden, dort machten sie das ›Wiederholt-Geschlagene‹; darauf schlugen sie noch einmal ein. Diese Nacht ist gleichsam nachdenklich. Dass es dieses ›wiederholt-geschlagene‹ Versmaß gibt, legt man eben dadurch Saft in sie hinein; dies ist eine Fortsetzung eben dieses Saftes. Und weil Śrutakakṣa Kākṣīvata es erschaute, deshalb heißt es Śrautakakṣa. Das ist das iḷā-hafte Acchāvāka-Sāman – Iḷā ist ja das Vieh –; dadurch steht man fest unter dem Vieh.
[Anm.: Das Bild vom ›erneuten Einschlagen‹ auf eine bereits gefundene Versmaß-Essenz setzt die Reihe der Sāman-Erzählungen fort, die das Auffinden und Sichern kostbarer, verborgener ›Säfte‹ der Sprache thematisieren.]
ayaṃ ta indra somaḥ iti. punaḥproktir ha vā eṣā haviṣo yan nute. paro yajña iti ha vā etad indrāya prāhuḥ. dvitīyaṃ hy etad dhaviḥ kriyate yad rātriḥ. tāsv aurdhvasadmanam. aurdvasadmanena vai devā eṣu lokeṣūrdhvā asīdan. yad eṣu lokeṣūrdhvā asīdaṃs tad aurdhvasadmanasyaurdhvasadmanatvam. tad etat svargyaṃ sāma. ūrdhva evaitena svarge loke sīdati ya evaṃ veda. aurdhvasadmanena vai devā asurāṇāṃ suvṛktibhiḥ iti paśūn avṛñjata nṛmādanam iti vajraṃ prāharan bhareṣv ā iti svargaṃ lokam ārohan. aurdhvasadmanenaiva dviṣato bhrātṛvyasya suvṛktibhiḥ ity eva paśūn vṛṃkte nṛmādanam iti vajraṃ praharati bhareṣv ā iti svargaṃ lokam ārohati. tāny āhur nānopetyāni. nāneva vā ime lokā. eṣāṃ lokānāṃ vidhṛtyā iti. suvṛktibhiḥ iti vā ayaṃ lokaḥ nṛmādanam ity antarikṣaṃ bhareṣv ā ity asau. tasmān nānopetyāny eṣāṃ lokānāṃ vidhṛtyai
»Dies ist dein Soma, o Indra« – dies ist eine wiederholte Ansage der Opfergabe, insofern sie [erneut] verkündet wird. »Das weitere Opfer« – so hat man dies dem Indra zugesprochen; denn dies, die Nacht, wird als zweite Opfergabe dargebracht.
Unter diesen ist das Aurdhvasadmana. Mit dem Aurdhvasadmana saßen die Götter aufrecht in diesen Welten. Dass sie in diesen Welten aufrecht saßen, das ist das Aurdhvasadmana-Sein des Aurdhvasadmana. Dies ist das himmelbezogene Sāman. Wer dies weiß, sitzt damit aufrecht in der himmlischen Welt.
Mit dem Aurdhvasadmana nahmen die Götter – mit ›suvṛktibhiḥ‹ – den Asuras das Vieh; mit ›nṛmādanam‹ schleuderten sie den Vajra; mit ›bhareṣv ā‹ stiegen sie zur himmlischen Welt empor. Mit eben dem Aurdhvasadmana nimmt einer – mit ›suvṛktibhiḥ‹ – dem hassenden Rivalen das Vieh; mit ›nṛmādanam‹ schleudert er den Vajra; mit ›bhareṣv ā‹ steigt er zur himmlischen Welt empor.
Dazu sagt man: Diese [Formeln] sind getrennt anzuwenden – denn getrennt sind ja diese Welten –, zur [je eigenen] Stützung dieser Welten. ›Suvṛktibhiḥ‹ ist diese Welt hier, ›nṛmādanam‹ die Mittelluft, ›bhareṣv ā‹ jene Welt dort. Deshalb sind diese [Formeln] getrennt anzuwenden, zur Stützung dieser Welten.
[Anm.: Die dreiteilige Formel »suvṛktibhiḥ – nṛmādanam – bhareṣv ā« wird sowohl mythisch (Vieh, Vajra, Himmelsaufstieg) als auch kosmologisch (diese Welt, Mittelluft, jene Welt) doppelt gedeutet.]
tad u hovāca jānaśruteyo vīryaṃ vā etat sāmno yan nidhanam. tad vikṣubhṇuyus tad viyuñjyur yan nānopeyuḥ. sārdham evopetyāni sāmnas savīryatvāyeti. tāni caturakṣarāṇi bhavanti. yāś catasro diśo ’smin loke tāsu sarvāsu pratitiṣṭhāma yāś catasro diśo ’ntarikṣe loke tāsu sarvāsu pratitiṣṭhāma yāś catasro diśo ’muṣmin loke tāsu sarvāsu pratitiṣṭhāmeti. aurdhvasadmanena ha khalu vai rātriḥ pṛṣṭhinīdaṃ vai rathantaram antarikṣaṃ vāmadevyam ada eva bṛhat. ya u ha vā eṣāṃ lokānāṃ śreṣṭhās te pṛṣṭhāni. teṣām eko bhavati ya evaṃ veda. prajāpatir ha khalu vā ūrdhvasadma. aśnuta prajāpatitāṃ ya evaṃ veda
Dazu sagte Jānaśruteya: »Die Schlussformel ist die eigentliche Kraft dieses Sāman. Man würde sie erschüttern, man würde sie auseinanderreißen, wenn man [die drei Formeln] getrennt anwendete. Vielmehr sollten sie zusammen angewandt werden, damit das Sāman seine Kraft behält.«
Diese [Formeln] sind viersilbig: »Welche vier Richtungen es in dieser Welt gibt, in ihnen allen mögen wir feststehen; welche vier Richtungen es in der Mittelluft gibt, in ihnen allen mögen wir feststehen; welche vier Richtungen es in jener Welt gibt, in ihnen allen mögen wir feststehen.«
Durch das Aurdhvasadmana besitzt die Nacht in der Tat ein Rückenlied-Sāman: Diese Welt hier ist das Rathantara, die Mittelluft das Vāmadevya, jene Welt dort eben das Bṛhat. Welche dieser Welten die vortrefflichsten sind, das sind die ›Rückenlieder‹ (Pṛṣṭha). Wer dies weiß, wird eins von ihnen. Prajāpati ist ja der ›aufrecht Sitzende‹. Wer dies weiß, erlangt das Prajāpati-Sein.
[Anm.: Jānaśruteya widerspricht hier ausdrücklich der im vorangehenden Abschnitt 1.218 gelehrten Trennung der drei Formeln und fordert stattdessen ihre gemeinsame Anwendung – ein weiteres Beispiel für eine namentlich zugeschriebene Gegenmeinung innerhalb einer fortlaufenden Ritualdebatte, vergleichbar Śāṭyāyanis Widerspruch in 1.168.]
ā tū na indra kṣumantam iti vaiṇavam. veṇur vai vaiśvāmitro ’kāmayatāgryo mukhyo brahamavarcasī syām iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai so ’gryo mukhyo brahmavarcasy abhavat. agryo mukhyo brahmavarcasī bhavati ya evaṃ veda. yad veṇur vaiśvāmitro ’paśyat tasmād vaiṇavam ity ākhyāyate. tad v evācakṣata āpālam iti. apālā ha vā ātreyī tilakā vā ruchvasāpyāsa. sā kāmayatāpa pāpaṃ varṇaṃ hanīyeti. saitat sāmāpaśyat tenāstuta. sā tīrtham abhyavayatī somāṃśum avidant. taṃ samakhādat. tasyai ha grāvāṇa iva dantā ūduḥ. sa indra ādravad grāvāṇo vai vadantīti. sābhivyāharat kanyā vār avāyatī somam api srutāvidat. astaṃ bharanty abravīt indrāya sunavai tvā śakrāya sunavai tvā iti. asyai vā idaṃ grāvāṇa iva dantā vadantīti viditvendraḥ parāṅ āvartata. tam abravīt asau ya eṣi vīrako gṛhaṃgṛhaṃ vicākaśat. (ṛ. 8.91.2) imaṃ jambhasutaṃ piba dhānāvantaṃ karambhiṇam apūpavantam ukthinam. iti. anādriyamāṇaivaitam abravīt. ā cana tvā cikitsāmo ’dhi cana tvā nemasi. iti purā mā sarvayarcāpālā stautīty apaparyāvartata. śanair iva śanakair ivendrāyendo pari srava. ity evāsyai mukhāt somaṃ niradhayat. somapītha iva ha vā asya sa bhavati ya evaṃ vidvāṃs striyai mukham upajighrati(upājaghrati?)
»Komm nun zu uns, Indra, mit Fülle« – dies ist das Vaiṇava. Veṇu Vaiśvāmitra wünschte sich: »Möge ich der Erste, der Vornehmste, voller priesterlicher Glutkraft sein!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm sang er. Daraufhin wurde er der Erste, der Vornehmste, voller priesterlicher Glutkraft. Wer dies weiß, wird der Erste, der Vornehmste, voller priesterlicher Glutkraft. Und weil Veṇu Vaiśvāmitra es erschaute, deshalb heißt es Vaiṇava.
Dazu nennt man es auch das Āpāla. Apālā Ātreyī war fleckig, oder, wie manche sagen, von einem Hautleiden gezeichnet. Sie wünschte sich: »Möge ich die schlechte Färbung vertreiben!« Sie erschaute dieses Sāman. Mit ihm sang sie. Sie ging zu einer Furt hinab und fand einen Soma-Trieb. Den kaute sie. Ihre Zähne klangen dabei wie Presssteine. Da lief Indra herbei, [denkend]: »Das sind ja Presssteine, die da sprechen!« Sie aber rief: »Ein Mädchen, Wasser schöpfend, hat sogar in einem Rinnsal Soma gefunden!« Ihn nach Hause tragend, sprach sie: »Für Indra will ich dich pressen, für den mächtigen Śakra will ich dich pressen!« Als Indra erkannte: »Ihre Zähne hier klingen ja wie Presssteine«, wandte er sich ab und ging zurück.
Da sprach sie zu ihm: »Du, der du dahingehst, kleiner Held, von Haus zu Haus spähend (ṚV 8.91.2) – trink diesen von den Kiefern gepressten [Soma], reich an Körnern, an Brei, an Kuchen, an Lobliedern!« Ohne auf ihn zu achten, sprach sie weiter zu ihm: »Wir erkennen dich noch kaum, wir verneigen uns noch kaum vor dir – bevor Apālā dich nicht mit dem ganzen Lied besingt.« Da wandte er sich wieder um.
»Sachte, sachte, o Somatropfen, fließe rings für Indra!« – mit eben diesen Worten zog er ihr den Soma aus dem Mund. Ein Trinken von Soma ist es gleichsam für den, der, dies wissend, einer Frau am Gesicht riecht.
[Anm.: Dies ist eine unverkennbare Wiedergabe der berühmten Apālā-Erzählung aus Ṛgveda 8.91 (die Verse werden vom Text selbst mit »ṛ. 8.91.2« ausdrücklich zitiert), einem der ungewöhnlichsten Hymnen des Ṛgveda, der traditionell einer Dichterin, Apālā Ātreyī, zugeschrieben wird. Die genaue Bedeutung von »tilakā« und »ruchvasā«, die Apālās Hautleiden beschreiben, bleibt unsicher; die Übersetzung gibt den mutmaßlichen Sinn wieder. Die Schlussgleichung von Soma-Trinken und dem Riechen am Gesicht einer Frau wird, dem Grundsatz dieser Übersetzung folgend, ohne Beschönigung wiedergegeben; auch der Quelltext selbst vermerkt an dieser Stelle eine Leseunsicherheit (upajighrati/upājaghrati).]
tām abravīd apāle kiṃkāmāsīti. sābravīt imāni trīṇi viṣṭapā tānīndra virohaya. śiras tatasyorvarām ād idaṃ ma upodare. sarvā tā romaśā kṛdhi. iti. khalatir hāsyai pitāsa. taṃ hākhalatiṃ cakāra. urvarā hāsya na jajñe. so ha jajñe. upasthe hāsyai romāṇi nāsuḥ. tāny u ha jajñire. tāṃ khe rathasyātyabṛhat. sā godhābhavat. tāṃ khe ’naso ’tyabṛhat. sā kṛkalāsy abhavat. tāṃ khe yugasyātyabṛhat. sā saṃśliṣṭhikābhavat. tad eṣābhyanūcyate khe rathasya khe ’nasaḥ khe yugasya śatakrato. apālām indra triṣ pūtvy akṛṇos sūryatvacam. iti. tasyai ha yat kalyāṇatamaṃ rūpāṇāṃ tad rūpam āsa. tad etat kāmasani sāma. etaṃ vai sā kāmam akāmayata. so ’syai kāmas samārdhyata. yatkāma evaitena sāmnā stute sam asmai sa kāma ṛdhyate. yad v apālātreyy apaśyat tasmād āpālam ity ākhyāyate
Er sprach zu ihr: »Apālā, was wünschst du dir?« Sie sprach: »Diese drei kahlen Stellen, Indra, lass sie behaart werden: den Kopf, das Feld meines Vaters, und dieses hier, meinen Unterleib – mache sie alle behaart.« Ihr Vater nämlich war kahl; ihn machte er darauf unkahl. Sein Feld hatte noch nicht getragen; da trug es. An ihrem Schoß war noch kein Haar; da wuchs es.
Er zog sie durch das Loch des Wagens; was dabei [abfiel], wurde zum Waran. Er zog sie durch das Loch des Karrens; was dabei abfiel, wurde zum Chamäleon. Er zog sie durch das Loch des Jochs; was dabei abfiel, wurde zum Klammertier. Dazu wird dieser Vers rezitiert: »Durch das Loch des Wagens, durch das Loch des Karrens, durch das Loch des Jochs, o Hundertkräftiger – dreimal geläutert, machtest du, Indra, Apālā sonnenhäutig.« Sie erhielt darauf die schönste aller Gestalten.
Dies ist das wunscherfüllende Sāman. Eben diesen Wunsch hatte sie sich gewünscht, und er wurde ihr erfüllt. Welchen Wunsch auch immer man hat, wenn man mit diesem Sāman singt, der wird einem erfüllt. Und weil Apālā Ātreyī es erschaute, deshalb heißt es Āpāla.
[Anm.: Dies vervollständigt, unmittelbar an 1.220 anschließend, die berühmte Apālā-Erzählung aus Ṛgveda 8.91: Hautleiden, das Kauen des Soma, Indras Herbeikommen, und nun die Reinigung durch dreimaliges Hindurchziehen durch Wagen-, Karren- und Joch-Loch, mit dem wörtlich zitierten Schlussvers »apālām indra triṣ pūtvy akṛṇos sūryatvacam« (»sonnenhäutig«) – einem der bekanntesten Verse dieses ungewöhnlichen Hymnus.]
abhi tvā vṛṣabhā sute ity ārṣabham. indro vā akāmayatarṣabhas sarvāsāṃ prajānāṃ syām ṛṣabhatāṃ gaccheyam iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa ṛṣabhas sarvāsāṃ prajānām abhavad ṛṣabhatām agacchat. tad evārṣabhasyārṣabhatvam. ṛṣabha eva svānāṃ bhavaty ṛṣabhatāṃ gacchati ya evaṃ veda. tad v evācakṣate daivodāsam iti. divodāso vai vādhryaśvir akāmayatobhayaṃ brahma ca kṣatraṃ cāvarundhīya rājā sann ṛṣis syām iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta. tato vai sa ubhayaṃ brahma ca kṣatraṃ cāvārundha rājā sann ṛṣir abhavat. ubhayam eva brahma ca kṣatraṃ cāvarunddhe rājā sann ṛṣir bhavati ya evaṃ veda. yad u divodāso vādhryaśvir apaśyat tasmād daivodāsam ity ākhyāyate
»Zu dir, Stier, beim gepressten [Soma]« – dies ist das Ārṣabha. Indra wünschte sich: »Möge ich der Stier aller Geschöpfe sein, möge ich zur Stierhaftigkeit gelangen!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm sang er. Daraufhin wurde er der Stier aller Geschöpfe, gelangte zur Stierhaftigkeit. Das eben ist das Ārṣabha-Sein des Ārṣabha. Wer dies weiß, wird der Stier unter den Seinen und gelangt zur Stierhaftigkeit.
Dazu nennt man es auch das Daivodāsa. Divodāsa Vādhryaśvi wünschte sich: »Möge ich sowohl die heilige Macht als auch die königliche Macht zugleich sichern; möge ich, König seiend, [zugleich] ein Seher sein!« Er erschaute dieses Sāman. Mit ihm sang er. Daraufhin sicherte er sich beides, die heilige und die königliche Macht; König seiend, wurde er ein Seher. Wer dies weiß, sichert sich beides, die heilige und die königliche Macht; König seiend, wird er ein Seher. Und weil Divodāsa Vādhryaśvi es erschaute, deshalb heißt es Daivodāsa.
[Anm.: Dies ist eine zweite, eigenständige Herkunftserzählung für den Namen Daivodāsa – verschieden von der in 1.182 erzählten (dort über die Brahman-Kṣatra-Doppelnatur von Agni und Indra, hier über den historisch bezeugten König Divodāsa Vādhryaśvi, einen bekannten vedischen Gönnerfürsten, der mit dem Weisen Bharadvāja assoziiert wird). Solche parallelen, einander nicht widersprechenden Namensdeutungen für ein und dasselbe Sāman sind in diesem Text mehrfach zu beobachten.]
idaṃ vaso sutam andhaḥ iti gāram. devebhyo vā asurā garān prākiran. tān avidvāṃso ’girann annam eva manyamānāḥ. te garagiro ’manyanta. te ’kāmayantāpemān garān gīrṇān hanīmahīti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tenemān garān gīrṇān apāghnata. ta eveme girayo ’bhavan. tad yad garān gīrṇān apāghnata tad eva gārasya gāratvam. sa yo garagīr manyetāpratigṛhyasya pratigṛhya, anāśyānnasyānnam aśitvā sa etena stuvīta. apa haiva taṃ garaṃ gīrṇaṃ(gārṇaṃ?) hate. yad anena kiṃ ca pāpaṃ kṛtaṃ bhavati tad apahate. tad aiḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhati
»Dies, o Guter, der gepresste Trank« – dies ist das Gāra. Die Asuras streuten den Göttern Flüche (gara) entgegen. Diese, ohne es zu wissen, verschluckten sie, sie für bloße Speise haltend. Da erkannten sie sich als ›Fluch-Verschlucker‹. Sie wünschten sich: »Lasst uns diese verschluckten Flüche wieder herausschlagen!« Sie erschauten dieses Sāman. Sie stimmten es an. Damit schlugen sie die verschluckten Flüche heraus. Eben diese wurden zu den Bergen! Dass sie die verschluckten Flüche herausschlugen, das ist das Gāra-Sein des Gāra.
Wer sich für einen ›Fluch-Verschlucker‹ hält – weil er angenommen hat, was er nicht hätte annehmen sollen, oder Speise gegessen hat, die er nicht hätte essen sollen –, der soll mit diesem [Sāman] singen. Damit schlägt er eben jenen verschluckten Fluch heraus; was immer für ein Übel dadurch entstanden ist, das schlägt er damit heraus. Das wird das iḷā-hafte Acchāvāka-Sāman. Iḷā ist ja das Vieh; dadurch steht man fest unter dem Vieh.
[Anm.: Eine reizvolle Ätiologie: Die Berge entstehen als die von den Göttern versehentlich verschluckten, dann wieder herausgeschlagenen Flüche der Asuras – ein Wortspiel, das den Namen Gāra (Fluch/Gift) mit giri (Berg) über die gemeinsame Wurzel des ›Verschlingens‹ verknüpft.]
idaṃ hy anv ojasā iti ghṛtaścunnidhanam. ghṛtaścutā ca vai madhuścutā ca devā yatrayatraiṣāṃ yajñasyopādasyata tad āpyāyayanta. tasmād āhus somasyaivāṃśur āpyāyasveti. upadastevaiṣā yad rātriḥ. tad yad ghṛtaścunnidhanaṃ bhavaty aivaitam etena pyāyayanti. ghṛtaścuc ca vai madhuścuc āṅgirasāṃ svargaṃ lokaṃ yatām ahīyetām. tāv akāmayetām anūtpateva svargaṃ lokam iti. tau tapo ’tapyetām. tāv ete sāmanī apaśyatām. tābhyām astuvātām. tau stutvaiva ghṛtaścute madhuścuta ity eva svargaṃ lokam anūdapatatām. anto vai payasāṃ ghṛtam antas svargo lokānām. anto vai rasānāṃ madhv antas svargo lokānām. antyābhyāṃ vāva tau tat sāmabhyām antyaṃ svargaṃ lokam āśnuvātām. antyābhyām evaitat sāmabhyām antyaṃ svargaṃ lokam aśnute ya evaṃ veda. paśavo ha khalu vai ghṛtaścutaḥ paśavo madhuścutaḥ. paśūn vāva tau tad etābhyām avārundhātām. tair u paśubhir iṣṭvā svargam eva lokam agacchatām. te ete paśavye svargye sāmanī. ava paśūn runddhe gacchati svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda
»Dies gewiss, mit Kraft« – so hat es die Ghṛtaścut-Schlussformel [›Ghee-Träufelnde‹]. Das ›Ghee-Träufelnde‹ und das ›Honig-Träufelnde‹ [Sāman] – wo immer bei ihnen [den Göttern] etwas vom Opfer zurückblieb, das ließen sie damit anschwellen. Deshalb sagt man: »Schwill an, o Trieb des Soma!« Diese Nacht ist gleichsam etwas Danebengestelltes. Dass es die Ghṛtaścut-Schlussformel gibt, lässt man sie eben dadurch anschwellen.
Das Ghee-Träufelnde und das Honig-Träufelnde, zwei Āṅgiras-Weise, blieben, als sie zur himmlischen Welt gingen, zurück. Sie wünschten sich: »Lasst uns hinterherfliegen, zur himmlischen Welt!« Die beiden übten Askese. Sie erschauten diese beiden Sāmans. Mit ihnen sangen sie. Nach dem Gesang flogen sie, eben mit ›Ghee-Träufelndes‹ und ›Honig-Träufelndes‹ als Schlussworten, der himmlischen Welt hinterher.
Ghee ist das Ende der Milchspeisen, der Himmel das Ende der Welten; Honig ist das Ende der Säfte, der Himmel das Ende der Welten. Mit diesen beiden zum Ende führenden Sāmans erlangten die beiden eben das zum Ende führende, den Himmel. Wer dies weiß, erlangt mit diesen beiden zum Ende führenden Sāmans den zum Ende führenden Himmel.
Das Ghee-Träufelnde ist Vieh, das Honig-Träufelnde ist Vieh; mit diesen beiden sicherten sie sich Vieh, und mit diesem Vieh geopfert, gelangten sie zur himmlischen Welt. Dies sind die beiden viehbezogenen, himmelbezogenen Sāmans. Wer dies weiß, sichert sich Vieh und gelangt zur himmlischen Welt.
[Anm.: Ghee (geklärte Butter) als ›Ende der Milchspeisen‹ und Honig als ›Ende der Säfte‹ werden hier parallel zum Himmel als ›Ende der Welten‹ gesetzt – eine elegante Analogie zwischen kulinarischer und kosmischer Vollendung.]
yajñastanau vā ete sāmanī. etābhyāṃ vā indro yajñaṃ sarvān kāmān adugdha. duhe ha vai yajñaṃ sarvān kāmān ya evaṃ veda. yajurnidhanaṃ vā etayor anyatarat sāmanidhanam anyatarat. tad yad ghṛtaścunnidhanaṃ tad yajurnidhanam atha yan madhuścunnidhanaṃ tat sāmanidhanam. yā yajuṣaś ca sāmnaś cardhir ṛdhnoti tām ṛddhim āpnoti tān kāmān ya evaṃ veda. tad āhur yad ājyena divā caranty atha kenaiṣāṃ rātrir ājyavatī bhavatīti. ghṛtaścunnidhaneneti brūyāt. etena ha vai rātrir ājyavatī bhavati. yad u ghṛtaścuc ca madhuścuc cāṅgirasāv apaśyatāṃ tasmād evam ākhyāyate
Diese beiden Sāmans sind die zwei Zitzen des Opfers. Mit ihnen molk Indra das Opfer aller Wünsche. Wer dies weiß, melkt das Opfer aller Wünsche.
Das eine der beiden hat eine Yajus-Schlussformel, das andere eine Sāman-Schlussformel: Die Ghṛtaścut-Schlussformel ist die Yajus-Schlussformel, die Madhuścut-Schlussformel die Sāman-Schlussformel. Welches Gedeihen dem Yajus und dem Sāman zuteilwird, dieses Gedeihen erlangt, diese Wünsche erlangt, wer dies weiß.
Dazu sagt man: Da man bei Tage mit dem Ājya-Guss verfährt, wodurch wird dann ihre Nacht ājya-versehen? Man sollte antworten: durch die Ghṛtaścut-Schlussformel. Durch sie eben wird die Nacht ājya-versehen. Und weil Ghṛtaścut und Madhuścut, die beiden Āṅgiras, es erschauten, deshalb heißen sie so.
atha maidhātitham. kāṇvāyanās sattrād utthāyāyanta āyuñjānāḥ. te hodgīthā iti kimudvatyaitaddhanām urvārubahupravṛttaṃ śayānam upeyuḥ. te ’kāmayantemān eva paśūn bhūtān utsṛjemahīti. sa etan medhātithiḥ kāṇvaḥ sāmāpaśyat. tenopanyaṣīdan ā tv etā niṣīdatendram abhi pra gāyata sakhāyas stomavāhasaḥ. purūtamaṃ purūṇām īśānaṃ vāryāṇām. indraṃ some sacā sute. sa ghā no yoga ā bhuvat sa rāye sa purandhyām. iti. paśavo vai rayiḥ. tato vai te tān paśūn bhūtān udasṛjanta. hiṃkāreṇa haivainān utsasṛjire. te haite ’tra paścād urvārupṛśnaya iti paśavaḥ. tad etat paśūnāma utsṛṣṭis sāma. ava paśūn runddhe bahupaśur bhavati ya evaṃ veda. yad u medhātithiḥ kāṇvo ’paśyat tasmān maidhātitham ity ākhyāyate
Nun das Maidhātitha: Die Kāṇvāyanas, von einem Sitzungsopfer aufbrechend, zogen, [ihre Tiere] anschirrend, dahin. Da kamen sie, »Udgītha« singend, an einem Hügel auf Tiere, die dort verborgen lagen, dicht von Gurkenranken überwuchert, jenen Schatz bergend. Sie wünschten sich: »Lasst uns diese verborgenen Tiere freigeben!« Medhātithi Kāṇva erschaute dieses Sāman. Damit setzten sie sich nieder und sangen: »Kommt nun her, setzt euch nieder, singt Indra zu, ihr Freunde, die ihr das Loblied tragt – dem Reichsten der Reichen, dem Herrscher über die kostbaren Dinge, Indra, zusammen mit dem gepressten Soma. Er sei uns beigestanden in unserem Streben, im Reichtum, in der Findigkeit.«
Reichtum ist ja Vieh. Daraufhin gaben sie jene verborgenen Tiere frei. Mit dem Hiṃkāra eben gaben sie sie frei. Diese wurden hernach zu den ›Gurken-gesprenkelten‹ Tieren. Dies ist das Sāman der Freigabe der Tiere. Wer dies weiß, sichert sich Vieh und wird reich an Vieh. Und weil Medhātithi Kāṇva es erschaute, deshalb heißt es Maidhātitha.
[Anm.: Die gesungenen Verse sind ein wörtliches Zitat von Ṛgveda 1.5.1–3, dem Beginn eines der bekanntesten Indra-Hymnen. Die genaue Szene – Tiere unter Gurkenranken an einem Hügel – bleibt im Einzelnen unklar, doch der Grundzug, eine Befreiung verborgener Tiere, ist deutlich.]
atha saumedham. devā vā asurān hatvāpūtā ivāmedhyā amanyanta. tai ’kāmayanta pūtā medhyās syāmeti. ta etat sāmāpaśyan. tenāstuvata. tato vai pūtā medhyā abhavan. te ’bruvan sumedhyā vā abhūmeti. tad eva saumedhasya saumedhatvam. pūto medhyo bhavati ya evaṃ veda. tad v evācakṣate paurvatitham iti. pūrvatithir vā ārcanānasaś śyāvāśvāt kanīyān. so ’kāmayatāva paśūn rundhīya bhūmānaṃ paśūnāṃ gaccheyam iti. sa etat sāmāpaśyat tenāstuta. ā ghā gamad yadi śravat sahasriṇībhir ūtibhiḥ. iti. sahasram eva paśūn avārunddha bhūmānaṃ paśūnām agacchat. tad etat paśavyaṃ sāma. ava paśūn runddhe bhūmānaṃ paśūnāṃ gacchati ya evaṃ veda. yad u pūrvatithir ārcanānaso ’paśyat tasmāt paurvatitham ity ākhyāyate. indra suteṣu someṣu ity uṣṇiho bhavanti. devapurā vā eṣā yad uṣṇihaḥ. tā yad antataḥ kriyante devapurām evaitad antataḥ pariharanti paśūnāṃ guptyā asurāṇām anabhyavacārāya
Nun das Saumedha: Die Götter, nachdem sie die Asuras erschlagen hatten, hielten sich für unrein, gleichsam untauglich zum Opfer. Sie wünschten sich: »Mögen wir rein, opfertauglich werden!« Sie erschauten dieses Sāman. Sie stimmten es an. Daraufhin wurden sie rein, opfertauglich. Sie sprachen: »Wir sind ja wohlgeeignet [sumedhya] geworden!« Das eben ist das Saumedha-Sein des Saumedha. Wer dies weiß, wird rein, opfertauglich.
Dazu nennt man es auch das Paurvatitha. Pūrvatithi Ārcanānasa war jünger als Śyāvāśva. Er wünschte sich: »Möge ich mir Vieh sichern, möge ich zu Viehfülle gelangen!« Er erschaute dieses Sāman; mit ihm sang er: »Er wird gewiss kommen, wenn er hört, mit seinen tausendfachen Hilfen.« Er sicherte sich ein Tausend Vieh, gelangte zu Viehfülle. Dies ist das viehbezogene Sāman. Wer dies weiß, sichert sich Vieh und gelangt zu Viehfülle. Und weil Pūrvatithi Ārcanānasa es erschaute, deshalb heißt es Paurvatitha.
»Indra, inmitten der gepressten Somas« – so werden es die Uṣṇih-Verse. Die Uṣṇih ist ja eine Götterburg. Dass diese am Ende ausgeführt werden, damit trägt man eben die Götterburg am Ende mit sich herum, zum Schutz des Viehs, damit die Asuras nicht eindringen können.
[Anm.: Pūrvatithi Ārcanānasa wird hier ausdrücklich als jünger als Śyāvāśva bezeichnet (vgl. 1.163) – eine Bestätigung dafür, dass die Träger des Beinamens ›Ārcanānasa‹ (Śyāvāśva, Taranta und Purumīḍha in 1.151, nun auch Pūrvatithi) als Angehörige derselben Sängersippe verstanden wurden.]
tāsu kautsam. kutsaś ca luśaś cendraṃ vyahvayetām. sa kutsasya havam āgacchat. taṃ śatena vārdhrībhir āṇḍayor abadhnāt. taṃ luśo ’bhyavadat svavṛjaṃ hi tvām aham indra śuśravānānudaṃ vṛṣabha radhracodanam. pra muñcasva pari kutsād ihāgahi kim u tvāvān muṣkayor baddha āsate. iti tās sarvās saṃlupya luśam abhi prādravat. taṃ kutsaḥ indra suteṣu someṣu ity anvāhvayat. tam abhyāvartata. taṃ luśaḥ indrā hoyī hāve hoyī iti. tāv antarātiṣṭhat. tāv abravīd aṃśam āharetām ātmanā vām anyatarasya pāsyāmi mahimnānyatarasyeti. tatheti. tāv aṃśam āharetām ātmānam anyatara udajayan mahimānam anyataraḥ. ātmānaṃ kutsa udajayan mahimānaṃ luśaḥ. ātmanānyatarasyāpiban mahimnānyatarasya. ātmanā kutsasyāpiban mahimnā luśasya. ubhā u ha tvāva tasya tāv ātmānau yad ātmā ca mahimā ca. tad etat sendraṃ sāma. sendro hāsya sadevo yajño bhavaty abhy asyendro yajñam āvartate nāsyendro yajñād apākrāmati ya evaṃ veda. yad u kutso apaśyat tasmāt kautsam ity ākhyāyate. tad eḷam acchāvākasāma bhavati. paśavo vā iḷā. paśuṣv evaitat pratitiṣṭhati
Unter diesen ist das Kautsa. Kutsa und Luśa riefen beide, in verschiedene Richtungen, nach Indra. Er kam zu Kutsas Ruf. Der band ihn mit hundert Lederriemen an den Hoden. Da rief ihm Luśa zu: »Ich habe von dir gehört, Indra, als einem, der sich selbst gehört, unbezwinglich, Stier, Bezwinger der Schwachen – mach dich los, komm weg von Kutsa hierher! Was sitzt einer wie du gebunden an den Hoden da?« Da zerriss er alle jene Riemen und lief zu Luśa hinüber.
Da rief ihm Kutsa nach: »Indra, inmitten der gepressten Somas!« Er wandte sich ihm wieder zu. Da [rief] ihm Luśa: »Indra – hoyī – zum Ruf – hoyī!« Er blieb zwischen den beiden stehen. Er sprach zu ihnen: »Bringt mir je einen Anteil; mit meinem Selbst werde ich den Anteil des einen von euch trinken, mit meiner Größe den des anderen.« – »So sei es«, [sagten sie]. Die beiden brachten je einen Anteil; der eine gewann sein Selbst, der andere seine Größe – Kutsa gewann das Selbst, Luśa die Größe. Mit dem Selbst trank er den Anteil des einen, mit der Größe den des anderen; mit dem Selbst den Kutsas, mit der Größe den Luśas. So waren beide, Selbst und Größe, gleichsam seine zwei [gleich echten] Ichs.
Dies ist das Indra-begleitete Sāman. Sein Opfer wird, mit Indra, mit allen Göttern begleitet; Indra wendet sich seinem Opfer zu, Indra weicht nicht von seinem Opfer – wer dies weiß. Und weil Kutsa es erschaute, deshalb heißt es Kautsa. Das wird das iḷā-hafte Acchāvāka-Sāman; Iḷā ist ja das Vieh; dadurch steht man fest unter dem Vieh.
[Anm.: Diese ungewöhnliche, drastische Erzählung – Indra an den Hoden gefesselt, dann zwischen zwei rivalisierenden Anrufern in ›Selbst‹ und ›Größe‹ gespalten, um beiden gerecht zu werden – gehört zu den eigenwilligsten Episoden dieses Textabschnitts und wird ohne Beschönigung wiedergegeben.]
tad āhū rathantaram eva prathame tṛce syād vāmadevyaṃ dvitīye bṛhat tṛtīya eṣāṃ lokānāṃ samārohāyeti. ime vai lokā etāni sāmāni. ayam eva loko rathantaram antarikṣaṃ vāmadevyam asāv eva bṛhat. tasmād evam eva kāryam eṣāṃ lokānāṃ samārohāyeti. prāṇavyānodānā ha khalu vā etāni sāmāni. prāṇa eva rathantaraṃ vyāno vāmadevyam udāno bṛhat. tasmād evam eva kāryaṃ prāṇavyānodānānāṃ saṃtatyā avyavacchedāyeti. atha yaḥ kāmayeta prajā me śreyasī syād iti rathantaram eva prathame tṛce kuryād vāmadevyam uttarayoḥ. prajāpatir vai vāmadevyam. prajāpatim eva tat svaram antata upayanti prajananāya. bṛhatā śrīkāmas svargakāmas stuvīta. śrīr vai svargo lokaḥ. bṛhad aśnute śriyaṃ gacchati svargaṃ lokaṃ ya evaṃ veda. atho ha bhrātṛvyalokam eva nāvajahāti. bhrātṛvyabhājanam iva hy eṣā yad rātriḥ. rathantareṇa pratiṣṭhākāmas stuvīta. pratiṣṭhā vai rathantaram. praty eva tiṣṭhati. gāyatrīṣu saṃdhinā brahmavarcasakāmas stuvīta. brahma vai gāyatrī. brahmavarcasy eva bhavati. kakupsu puruṣakāmaḥ. puruṣo vai kakup. puruṣavān eva bhavati. uṣṇikṣu paśukāmaḥ. paśavo vā uṣṇik. paśumān eva bhavati. virāṭsv annādyakāmaḥ. annaṃ vai virāṭ. annāda eva bhavati. anuṣṭupsu pratiṣṭhākāmaḥ. pratiṣṭhā vā anuṣṭup. praty eva tiṣṭhati. paṃktiṣu yajñakāmaḥ. yaḥ kāmayeta punar mā yajña upanamed iti. yajño vai paṃktiḥ punar evainaṃ yajña upanamati. triṣṭupsv ojaskāmaḥ vīryakāmaḥ. ojo vai vīryaṃ triṣṭup. ojasvy eva vīryavān bhavati. jagatīṣu paśukāmaḥ. paśavo vai jagatī. paśumān eva bhavati. tad āhur ekasmin vāvaitasya chandasy ekasmin kāme stutaṃ bhavati ya evaṃ stute. athaitasya sarveṣu chandassu sarveṣu kāmeṣu stutaṃ bhavati yo bṛhatīṣu stute. bṛhatī hy evaitāni sarvāṇi chandāṃsy abhisaṃpadyanta iti. gāyatrī ca jagatī ca te dve bṛhatyau. uṣṇik ca triṣṭup ca te dve bṛhatyau. anuṣṭup ca paṃktiś ca te dve bṛhatyau. bṛhaty eva bṛhatī. tasmād bṛhatīṣv eva stotavyam eteṣāṃ sarveṣāṃ chandasāṃ sarveṣāṃ kāmānām avāptyai
Dazu sagt man: Das Rathantara solle im ersten Dreivers stehen, das Vāmadevya im zweiten, das Bṛhat im dritten, zum gemeinsamen Aufstieg dieser Welten. Diese Welten sind eben diese Sāmans: Diese Welt hier ist das Rathantara, die Mittelluft das Vāmadevya, jene Welt dort eben das Bṛhat. Deshalb soll man genau so verfahren, zum gemeinsamen Aufstieg dieser Welten.
Diese Sāmans sind auch der Aus-, Zwischen- und Einatem: Der Ausatem ist das Rathantara, der Zwischenatem das Vāmadevya, der Einatem das Bṛhat. Deshalb soll man genau so verfahren, zur ununterbrochenen Fortsetzung von Aus-, Zwischen- und Einatem.
Wer sich wünscht: »Möge meine Nachkommenschaft die bessere sein«, der soll das Rathantara in den ersten Dreivers setzen, das Vāmadevya in die beiden folgenden. Das Vāmadevya ist ja Prajāpati; damit wendet man sich, im Ton, am Ende, eben Prajāpati selbst zu, zur Zeugung.
Wer Glanz oder den Himmel wünscht, soll mit dem Bṛhat singen. Glanz ist ja die himmlische Welt. Er erlangt das Bṛhat, gelangt zu Glanz, zur himmlischen Welt, wer dies weiß, und gibt zudem die Welt des Rivalen nicht auf – ist doch diese Nacht gleichsam der Anteil, der dem Rivalen zufällt.
Wer Festigung wünscht, soll mit dem Rathantara singen – das Rathantara ist ja Festigung, er steht eben fest. Wer priesterliche Glutkraft wünscht, soll unter den Gāyatrī-Versen, mit der Verknüpfung, singen – die Gāyatrī ist ja die heilige Macht, er wird eben voller priesterlicher Glutkraft. Wer sich Gefolgsleute wünscht, [singe] unter den Kakubh-Versen – der Kakubh ist ja der Mensch, er wird eben mit Gefolgsleuten versehen. Wer Vieh wünscht, [singe] unter den Uṣṇih-Versen – die Uṣṇih ist ja Vieh, er wird eben viehbesitzend. Wer Speise wünscht, [singe] unter den Virāj-Versen – die Virāj ist ja Speise, er wird eben ein Speiseesser. Wer Festigung wünscht, [singe] unter den Anuṣṭubh-Versen – die Anuṣṭubh ist ja Festigung, er steht eben fest. Wer das Opfer wünscht – nämlich wer sich wünscht: »Möge das Opfer wieder zu mir kommen« –, [singe] unter den Paṅkti-Versen – die Paṅkti ist ja das Opfer, das Opfer kommt eben wieder zu ihm. Wer Kraft, wer Manneskraft wünscht, [singe] unter den Triṣṭubh-Versen – die Triṣṭubh ist ja Kraft und Manneskraft, er wird eben kraftvoll und mannhaft. Wer Vieh wünscht, [singe] unter den Jagatī-Versen – die Jagatī ist ja Vieh, er wird eben viehbesitzend.
Dazu sagt man: Wer so singt, dessen Gesang gilt nur einem Versmaß, nur einem Wunsch. Wer aber unter den Bṛhatī-Versen singt, dessen Gesang gilt allen Versmaßen, allen Wünschen – denn in der Bṛhatī laufen ja alle diese Versmaße zusammen. Gāyatrī und Jagatī, diese beiden [zusammen] sind eine Bṛhatī. Uṣṇih und Triṣṭubh, diese beiden sind eine Bṛhatī. Anuṣṭubh und Paṅkti, diese beiden sind eine Bṛhatī. Die Bṛhatī selbst ist einfach die Bṛhatī. Deshalb soll man eben unter den Bṛhatī-Versen singen, zur Erlangung all dieser Versmaße, all dieser Wünsche.
[Anm.: Der abschließende Gedanke ist bemerkenswert elegant: Je zwei Versmaße – Gāyatrī/Jagatī, Uṣṇih/Triṣṭubh, Anuṣṭubh/Paṅkti – ergeben zusammengenommen rechnerisch eine Bṛhatī, sodass das Singen in Bṛhatī-Versen gleichsam alle Einzelwünsche der übrigen Versmaße in sich vereint.]
tad āhur yat trivṛd eva stomānāṃ laghiṣṭho rathantaraṃ sāmnām. āśvinam u vai śastrāṇāṃ gariṣṭham. atha kasmāt trivṛd eva stomānāṃ rathantaraṃ sāmnām āśvinasya śastraṃ pratyudyantum arhata iti. sa brūyāt prāṇo vai trivṛtaḥ prāṇeṣv idaṃ sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ prāṇā idaṃ sarvaṃ pratyudyacchanti prāṇā idaṃ sarvaṃ pratiprati. ime vai lokās trivṛtaḥ. eṣv idaṃ lokeṣu sarvaṃ pratiṣṭhitam. ima idaṃ lokās sarvaṃ pratyudyacchanti. ima idaṃ lokās sarvaṃ pratiprati. vāg vai rathantaram. vācīdaṃ sarvaṃ pratiṣṭhitam. vāg idaṃ sarvaṃ pratyudyacchati. vāg idaṃ sarvaṃ pratiprati. iyaṃ vai rathantaram. asyām idaṃ sarvaṃ pratiṣṭhitam. iyam idaṃ sarvaṃ pratyudyacchati. iyam idaṃ sarvaṃ pratiprati. tasmāt trivṛd eva stomānāṃ rathantaraṃ sāmnām āśvinasya śastraṃ pratyudyantum arhata iti
Dazu sagt man: Der Trivṛt ist der leichteste der Stomas, das Rathantara das leichteste der Sāmans; das Āśvina aber ist das gewichtigste der Śastras. Wie also kann der Trivṛt unter den Stomas, das Rathantara unter den Sāmans, dem Śastra des Āśvina die Waage halten?
Man sollte antworten: Der Trivṛt ist der Atem. In den Atemkräften ist dies Ganze gegründet; die Atemkräfte heben dieses Ganze empor; die Atemkräfte entsprechen diesem Ganzen Punkt für Punkt. Diese Welten sind der Trivṛt. In diesen Welten ist dies Ganze gegründet; diese Welten heben dieses Ganze empor; diese Welten entsprechen diesem Ganzen Punkt für Punkt.
Die Rede ist das Rathantara. In der Rede ist dies Ganze gegründet; die Rede hebt dieses Ganze empor; die Rede entspricht diesem Ganzen Punkt für Punkt. Diese Erde ist das Rathantara. In dieser Erde ist dies Ganze gegründet; diese Erde hebt dieses Ganze empor; diese Erde entspricht diesem Ganzen Punkt für Punkt. Deshalb kann der Trivṛt unter den Stomas, das Rathantara unter den Sāmans, dem Śastra des Āśvina die Waage halten.
[Anm.: Ein klares theologisches Argument: Atem, Rede und Erde sind je für sich unscheinbar-klein, tragen aber jeweils das Ganze der Welt – daher können auch die ›leichtesten‹ liturgischen Elemente dem ›gewichtigsten‹ die Waage halten.]