Kapitel 12
Der Opfer-Leib: Fluchformeln, Zeugungsbilder und die Dhur-Verse
Die Silbenzahlen der großen Stomas werden mit Körperteilen und Zeitmaßen gleichgesetzt, und eine eindrückliche Reihe von Verwünschungen droht jedem Sänger, der an bestimmten Stellen des Bahiṣpavamāna einen Fehler macht, mit Blindheit, Taubheit oder Tod. Breiten Raum nimmt zudem die – unverblümt als Zeugungsvorgang gedeutete – Technik des Gesangs sowie der Kuru-Pañcāla-Streit um die 'Dhur-Verse' ein, der über das Verhältnis von Brahmanen, Kriegeradel, Bürgern und Dienern entscheidet.
pañcadaśāny ājyāni bhavanti pañcadaśāpūryamāṇasyārdhamāsasya rātrayaḥ. tad eva tenāpnoti. daśa hastyāhgulayaś catvāry ūrvaṣṭhīvāni yad ūrdhvaṃ nābhes tat pañcadaśam. tad evātropasaṃdadhāti. pañcadaśo mādhyaṃdinaḥ pañcadaśāpochato ’rdhamāsasya rātrayaḥ. tad eva tenāpnoti. daśa padyāṅgulayaś catvāry ūrvaṣṭhīvāni yad avācīnaṃ nābhes tat pañcadaśam. tad evātropasaṃdadhāti. saptadaśāni pṛṣṭhāni. dvādaśa māsāḥ pañcartavaḥ. tad eva tenāpnoti. daśa hastyāṅgulayas sapta śīrṣanprāṇāḥ. tat saptadaśam. tad evātropasaṃdadhāti. saptadaśārbhavaḥ. dvādaśa māsāḥ pañcartavaḥ. tad eva tenābhipūrvam āpnoti. daśa padyāṅgulayaś catvāry ūrvaṣṭhīvāni trayo ’vācaḥ prāṇāḥ. tat saptadaśam. tad evātropasaṃdadhāti. ekaviṃśam agniṣṭomasāma. dvādaśa māsāḥ pañcartavas yatra ime lokā asāv āditya ekaviṃśaḥ. tad eva tenāpnoti. daśa hastyāṅgulayo daśa padyā ātmaikaviṃśaḥ. tad evātropasaṃdadhāti
Fünfzehn sind die Ājya-Verse; fünfzehn sind die Nächte der zunehmenden Monatshälfte. Eben das erlangt er dadurch. Zehn sind die Fingerglieder der Hand, vier die Ūrvaṣṭhīva – was oberhalb des Nabels ist, das macht fünfzehn. Eben das fügt er hier zusammen.
Der Pañcadaśa gehört zur Mittagspressung; fünfzehn sind die Nächte der abnehmenden Monatshälfte. Eben das erlangt er dadurch. Zehn sind die Zehenglieder des Fußes, vier die Ūrvaṣṭhīva – was unterhalb des Nabels ist, das macht fünfzehn. Eben das fügt er hier zusammen.
Siebzehn sind die Pṛṣṭha-Sāmans. Zwölf sind die Monate, fünf die Jahreszeiten – das macht siebzehn. Eben das erlangt er dadurch. Zehn sind die Fingerglieder der Hand, sieben die Öffnungen des Kopfes – das macht siebzehn. Eben das fügt er hier zusammen.
Siebzehnfach ist der Ārbhava. Zwölf sind die Monate, fünf die Jahreszeiten. Eben das erlangt er dadurch, der Reihe nach. Zehn sind die Zehenglieder, vier die Ūrvaṣṭhīva, drei die unteren Atemöffnungen – das macht siebzehn. Eben das fügt er hier zusammen.
Einundzwanzigfach ist das Agniṣṭoma-Sāman. Zwölf sind die Monate, fünf die Jahreszeiten, dazu diese drei Welten, dazu jene Sonne – das macht einundzwanzig. Eben das erlangt er dadurch. Zehn sind die Fingerglieder der Hand, zehn die der Füße, dazu das Selbst – das macht einundzwanzig. Eben das fügt er hier zusammen.
[Anm.: Eine Zahlenkorrespondenz zwischen Körperteilen und Zeiteinheiten, aufgebaut um die Stoma-Zahlen 15 (Pañcadaśa), 17 (Saptadaśa) und 21 (Ekaviṃśa). Der Sanskrit-Begriff »ūrvaṣṭhīva« (etwa: bestimmte Gelenke, vermutlich Ellbogen und Knie) ist anatomisch nicht sicher zu bestimmen; ebenso sind die »sieben Öffnungen des Kopfes« (Augen, Ohren, Nase, Mund) und die »drei unteren Atemöffnungen« aus dem Kontext erschlossen, nicht im Text selbst benannt.]
sa haivaṃ vidvān ahorātrayor ardhamāsaśo māsaśa ṛtuśas saṃvatsaraśa etasmin sarvasminn ātmānam upasaṃdhāya taṃ mṛtyuṃ tarati yas svarge loke. na haivaṃvit punar mriyate. tasya harṅmayāny asthāni bhavanti sāmamayāni māṃsāni. sa eṣo ’pahatapāpmā dhūtaśarīro ’tītyaitaṃ mṛtyuṃ śarīraṃ dhūnute. athaite daivī ca mānuṣī ca virājau. tayor eva etad ādityo ’dhyūḍhas tapati. catasro diśas catvāro ’vāntaradeśā dvāv imau lokau. eṣā daivī virāṭ. atha mānuṣī. catvāro ’ttāraṣ ṣaḍ ādyāḥ. brāhmaṇaś ca rājanyaś ca vaiśyaś ca śūdraś caite ’ttāraḥ. gauś cāśvaś cājāś cāviś ca vrīhiś ca yavaś caita ādyāḥ. etayor eṣa etad ādityo ’dhyūḍhas tapati. tan na śoko na himo nāśanāyati na pipāsati nāsya kā canāvṛttir asti. na ha vā aśanāyati na pipāsati nāsya kā canāvṛttir bhavati ya evaṃ veda
Wer so weiß und dabei, tagundnachtweise, halbmonatsweise, monatsweise, jahreszeitweise, jahrweise, sein Selbst in dieses Ganze hineinfügt, überquert jenen Tod, der in der Himmelswelt ist. Ein solcher Wissender stirbt nicht wieder. Seine Knochen bestehen aus Ṛc-Versen, sein Fleisch aus Sāman-Weisen. Er, mit hinweggeschlagenem Übel, mit abgeschütteltem Leib, schüttelt, diesen Tod überschreitend, den Leib ab.
Nun sind dies die göttliche und die menschliche Virāj – auf beiden zugleich thront diese Sonne brennend. Die vier Himmelsrichtungen, die vier Zwischenrichtungen, diese beiden Welten – das ist die göttliche Virāj. Nun die menschliche: Vier sind die Esser, sechs die Speisen. Der Brahmane, der Adlige, der Vaiśya und der Śūdra – das sind die Esser. Die Kuh, das Pferd, die Ziege, das Schaf, der Reis und die Gerste – das sind die Speisen. Auf diesen beiden thront diese Sonne brennend.
Für den, der dies weiß, gibt es keinen Kummer, keine Kälte; er hungert nicht, er dürstet nicht, es gibt für ihn keinerlei Rückkehr. Er hungert nicht, er dürstet nicht, es gibt für ihn keinerlei Rückkehr, wer dies weiß.
[Anm.: Die göttliche Virāj setzt sich aus 4 Himmelsrichtungen + 4 Zwischenrichtungen + 2 Welten (Himmel, Erde) zusammen, macht also 10; die menschliche aus 4 Ständen (den ›Essern‹) + 6 Nahrungsarten, ebenfalls 10 – dieselben sechs ›wunscherfüllenden‹ Güter (Kuh, Pferd, Ziege, Schaf, Reis, Gerste) wie schon in 1.181. »Keine Rückkehr« meint keine Wiedergeburt in diese Welt.]
yajamānaṃ ha vā etad udgātā reto bhūtaṃ siñcati yad bahiṣpavamānaṃ gāyati. mana eva retasyayā samīrayati prāṇaṃ gāyatryā cakṣus triṣṭubhā śrotraṃ jagatyā vācam anuṣṭubhā. ātmānam eva paṃktyā pratyupadadhāti. atha yad etad uttamaṃ tṛcaṃ janmaiva tat. praiva tena janayati. yasmād etad ghoṣīvopabdimad iva gāyate tasmād ghoṣīvopabdimad iva garbhā jāyante. tad u vā āhur aghoṣam eva geyam. yadā vai vijāyamānā krarikurute ’tha sā ghoṣā- karoti. atho śanair iva vā aghoṣam iva māgāmṛṣṭid vijāyate. atho haitat satyaṃ yad gāyatram. tasya saṃpadaṃ lobhayed rathantaravarṇām abhyasyet. tasmād aghoṣam eva geyam iti. athāgneyam ājyam ekadevatyam. pretir eva sā. athaindrāgnaṃ dvidevatyam. pratiṣṭhitir eva sā. sā vā eṣā pretiś caiva pratiṣṭhitiś ca. pratitiṣṭhati ya evaṃ veda. trivṛtpañcadaśābhyāṃ puruṣo ’smin loke pratiṣṭhitaḥ. sa yam eva harati sa trivṛd yena pratitiṣṭhati sa pañcadaśaḥ. tau vā etāv ubhāv eva trivṛtāv ubhau pañcadaśau. tejo vai brahmavarcasaṃ trivṛt stoma ojo vīryaṃ pañcadaśaḥ. ojasaiva tad vīryeṇa pratiṣṭhāya tejo brahmavarcasaṃ harati ya evaṃ veda
Der Udgātṛ übergießt den Opferherrn, zu Samen geworden, wenn er das Bahiṣpavamāna singt. Mit dem Samen-Vers regt er eben den Geist an, mit der Gāyatrī den Atem, mit der Triṣṭubh das Auge, mit der Jagatī das Gehör, mit der Anuṣṭubh die Sprache. Mit der Paṅkti setzt er das Selbst selbst wieder ein.
Der letzte Tṛca nun ist die Geburt selbst; eben dadurch erzeugt er ihn. Weil dies gesungen wird wie mit lautem Schall, wie mit einem Geburtsschrei, deshalb werden Kinder geboren wie mit lautem Schall, wie mit einem Geburtsschrei. Dazu sagen manche jedoch: Man solle es lautlos singen. Denn wenn eine Gebärende vor Schmerz aufschreit, dann macht sie Lärm; gebiert sie aber gleichsam sacht, gleichsam lautlos, ohne Verletzung, so ist das die bessere Weise. Zudem ist das wahr, was gāyatrischer Natur ist: Man sollte nach dessen Vollendung streben, den Gesang von der Art des Rathantara üben. Deshalb solle man lautlos singen.
Nun ist der Āgneya-Ājya-Vers einer einzigen Gottheit geweiht. Er ist eben ein Fortschreiten. Der Aindrāgna-Ājya-Vers ist zwei Gottheiten geweiht. Er ist eben ein Feststehen. Dies ist zugleich Fortschreiten und Feststehen. Wer dies weiß, steht fest.
Durch den Trivṛt und den Pañcadaśa steht der Mensch fest in dieser Welt. Was ihn fortträgt, das ist der Trivṛt; wodurch er feststeht, das ist der Pañcadaśa. Diese beiden sind zugleich beide der Trivṛt, beide der Pañcadaśa. Der Trivṛt-Stoma ist Glanz und priesterliche Ausstrahlung, der Pañcadaśa ist Lebenskraft und Stärke. Durch Lebenskraft und Stärke fest geworden, trägt er Glanz und priesterliche Ausstrahlung davon, wer dies weiß.
[Anm.: Die Beschreibung des schmerzhaften und des sanften Gebärens (»krarikurute« – ein lautmalerisches Wort für einen Schmerzensschrei – gegenüber einer stillen Geburt) ist im Detail unsicher überliefert; ebenso die genaue Anweisung »rathantaravarṇām abhyasyet« (etwa: den Gesang von der klanglichen Art des Rathantara-Sāman üben). Die Übersetzung gibt den vermuteten Grundgedanken wieder: leises Singen soll ein schmerzloses Gebären bewirken.]
atha mādhyaṃdinasya pavamānasya gāyatrī. yo ’yam avāṅ prāṇa eṣa eva saḥ. tasyāṃ dve sāmanī. tasmād etena dvayaṃ prāṇena karoti bhasma ca karoti vātaṃ ca. nānā prastāvo nānā nidhane hiṃkāro ’ntareṇa. tasmān netara itaram anuninardati netara itaram. etena hi tad vihṛtam. atha bṛhatī. yo ’yaṃ prāṅ prāṇa eṣa eva saḥ. tasyāṃ dve sāmanī. tasmād etena dvayaṃ prāṇena karoti retaś ca siñcati mehati ca. nānā prastāvo nānā nidhane hiṃkāro ’ntareṇa. tasmānn netara itaram anuninardati netara itaram. etena hi tad vihṛtam. atha triṣṭup. nābhir eva sā. tasyām ekaṃ sāma. tasmād etenaikam eva prāṇena karoti yad eva prāṇān udanato ’nūdaniti. atha pṛṣṭhāni. indriyaṃ vai vīryaṃ pṛṣṭhāni. tasmād ye ke cānūkabhājo gor aśvasya puruṣasya teṣām anūkam eva baliṣṭham. indriyaṃ hy etad vīryaṃ yat pṛṣṭhāni. tāni bṛhatīṣu bhavanti. tasmād imā bṛhatīr iva kīkasā bṛhatīr iva paśavaḥ pṛṣṭham abhisamāyanti. athārbhavasya pavamānasya gāyatrī. yo ’yaṃ prāṇa eṣa eva saḥ. tasyāṃ dve sāmanī. tasmād dvayaṃ prāṇena karoti prāṇyāpāniti. nānā prastāvo nānā nidhane hiṃkāro ’ntareṇa. tasmān netara itaram anuninardati netara itaram. etena hi tad vihṛtam. athoṣṇikkakubhau. cakṣuṣī te. samānaṃ chandaḥ. dve sāmanī. tasmād dve akṣyau samānaṃ paśyataḥ. tripador ṛcor bhavataḥ. tasmāt trivṛc cakṣuś śuklaṃ kṛṣṇaṃ kanīnikā. parovarīsyor ṛcor bhavataḥ. tasmāt parovarīyaḥ puruṣaḥ paśyati. nānā prastāvo nānā nidhane hiṃkāro ’ntareṇa. tasmān nānāvīrye cakṣuṣī. athānuṣṭup. vāg eva sā. tasyāṃ dve sāmanī. tasmād dvayaṃ vācā karoty annaṃ cainayātti vadati ca. nānā prastāvo nānā nidhane hiṃkāro ’ntareṇa. tasmān na sarvaṃ satyaṃ vācā vadati na sarvam anṛtam. etena hi tad vihṛtam. atha jagatī. śrotram eva tat. tasyām ekaṃ sāma. tasmād etenaikam eva śrotreṇa karoti yad eva śṛṇoti. catuṣpadāyām ṛci bhavati. tasmāt samānatra san sarvā anudiśaś śṛṇoti. api parāṅ yan paścād vadataś śṛṇoti. atha yajñāyajñīyam. śira eva tat. adhyūḍhaṃ vā etad anyeṣv aṅgeṣu yac chiraḥ. adhyūḍham anyeṣu stotreṣu yajñāyajñīyam. adhyūḍho ’nyeṣu sveṣu bhavati ya evaṃ veda. upari vā etad anyebhyo ’ṅgebhyo yac chiraḥ. upary anyebhyas stotrebhyo yajñāyajñīyam. upary anyebhyas svebhyo bhavati ya evaṃ veda. sa eṣo ’pahatapāpmā yajña eva pratyakṣam. tasya ha nopavadaṃś ca na pāpaṃ kartāsti. yady enaṃ bahiṣpavamāne ’nuvyāhared yajñasya retas siktam acīklṛpaṃ yajñamāro ’retaskā te prajā bhaviṣyatīty enaṃ brūyāt. yady enam ekadevatya ājye ’nuvyāhared yajñasya pretim acīklṛpaṃ yajñamār prety ajanayaṃ mariṣyasīty enaṃ brūyāt. yady enaṃ dvidevatya ājye ’nuvyāhared yajñasya pratiṣṭhām acīklṛpaṃ yajñamāro ’pratiṣṭhito bhaviṣyasīty enaṃ brūyāt. yady enaṃ mādhyaṃdinasya pavamānasya gāyatryām anuvyāhared yajñasyāvāñcaṃ prāṇam acīklṛpaṃ yajñamāro vīghātas tvā haniṣyatīty enaṃ brūyāt. atho ha brūyād avasnāvas tvā haniṣyatīti. yady enaṃ bṛhatyām anuvyāhared yajñasya śiśnam acīklṛpaṃ yajñamāro mūtragrāhas tvā haniṣyatīty enaṃ brūyāt. atho ha brūyād aretasko bhaviṣyasīti. yady enaṃ triṣṭubhy anuvyāhared yajñasya nābhim acīklṛpaṃ yajñamāra udāvartas tvā haniṣyatīty enaṃ brūyāt. yady enaṃ pṛṣṭheṣv anuvyāhared yajñasyendriyaṃ vīryam acīklṛpaṃ yajñamāro vajras tvā haniṣyatīty enaṃ brūyāt. atho ha brūyād anājñātavadhas tvā haniṣyatīti
Nun die Gāyatrī der Mittagspressung: Sie ist eben dieser abwärts gerichtete Atem. In ihr sind zwei Sāmans. Deshalb bewirkt er durch sie ein Zweifaches mit dem Atem: Er macht Kot, und er macht Wind. Getrennt ist der Prastāva, getrennt das Nidhana, der Hiṃkāra dazwischen. Deshalb hallt keiner von beiden dem anderen nach, keiner dem anderen. Eben dadurch ist jenes Zweifache auseinandergehalten.
Nun die Bṛhatī: Sie ist eben dieser aufwärts gerichtete Atem. In ihr sind zwei Sāmans. Deshalb bewirkt er durch sie ein Zweifaches mit dem Atem: Er ergießt Samen, und er uriniert. Getrennt ist der Prastāva, getrennt das Nidhana, der Hiṃkāra dazwischen. Deshalb hallt keiner von beiden dem anderen nach. Eben dadurch ist jenes auseinandergehalten.
Nun die Triṣṭubh: Sie ist eben der Nabel. In ihr ist nur ein Sāma. Deshalb bewirkt er durch sie nur ein Einziges mit dem Atem: dass er den aufwärtsgehenden Atemzügen folgend mitatmet.
Nun die Pṛṣṭhas: Die Pṛṣṭhas sind eben Vitalkraft und Stärke. Deshalb ist bei allem, was an einem Rückgrat teilhat – bei der Kuh, beim Pferd, beim Menschen –, eben das Rückgrat das Stärkste. Denn dies, die Pṛṣṭhas, ist ja jene Vitalkraft und Stärke. Sie beruhen auf den Bṛhatīs. Deshalb strömen diese, wie Wirbel der Bṛhatī-Art, wie Herdentiere der Bṛhatī-Art, am Rückgrat zusammen.
Nun die Gāyatrī des Ārbhava-Pavamāna: Sie ist eben dieser Atem. In ihr sind zwei Sāmans. Deshalb bewirkt er durch sie ein Zweifaches mit dem Atem: Er atmet ein, und er atmet aus. Getrennt ist der Prastāva, getrennt das Nidhana, der Hiṃkāra dazwischen. Deshalb hallt keiner von beiden dem anderen nach. Eben dadurch ist jenes auseinandergehalten.
Nun Uṣṇih und Kakubh: Sie sind die beiden Augen – obgleich zwei Verse, ein einziges Versmaß. Zwei Sāmans sind es. Deshalb sehen die beiden Augen dasselbe. Beide bestehen aus dreifüßigen Versen. Deshalb ist das Auge dreifach: das Weiße, das Dunkle, die Pupille. Beide bestehen aus abgestuften, ›fernen-und-nahen‹ Versen. Deshalb sieht der Mensch abgestuft, Fernes wie Nahes. Getrennt ist der Prastāva, getrennt das Nidhana, der Hiṃkāra dazwischen. Deshalb haben die beiden Augen je eigene Kraft.
Nun die Anuṣṭubh: Sie ist eben die Sprache. In ihr sind zwei Sāmans. Deshalb bewirkt er durch die Sprache ein Zweifaches: Er isst damit Speise, und er spricht. Getrennt ist der Prastāva, getrennt das Nidhana, der Hiṃkāra dazwischen. Deshalb spricht man mit der Sprache nicht alles Wahre, aber auch nicht alles Falsche. Eben dadurch ist jenes auseinandergehalten.
Nun die Jagatī: Sie ist eben das Gehör. In ihr ist nur ein Sāma. Deshalb bewirkt er durch das Gehör nur ein Einziges: dass er hört. Sie besteht aus einem vierfüßigen Vers. Deshalb hört einer, an einem Ort befindlich, aus allen Zwischenrichtungen. Sogar wenn er sich abgewandt hat, hört er den, der hinter ihm spricht.
Nun das Yajñāyajñīya: Es ist eben der Kopf. Erhoben ist der Kopf ja über die anderen Glieder; erhoben ist das Yajñāyajñīya über die anderen Lobgesänge. Erhoben über die Seinigen wird, wer dies weiß. Oberhalb der anderen Glieder ist ja der Kopf; oberhalb der anderen Lobgesänge ist das Yajñāyajñīya. Oberhalb der Seinigen wird, wer dies weiß.
Dies ist, mit hinweggeschlagenem Übel, das Opfer selbst als sichtbare Gestalt. Für einen solchen Wissenden gibt es weder einen Tadler noch einen, der ihm Böses antun könnte.
Sollte einer beim Bahiṣpavamāna dazwischenreden und dadurch das ausgegossene Opfer-Samen nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, samenlos wird deine Nachkommenschaft sein!«
Sollte einer beim einer-Gottheit-geweihten Ājya-Vers dazwischenreden und dadurch das Fortschreiten des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, nur dir selbst ein Fortschreiten erzeugend, wirst du sterben!«
Sollte einer beim zwei-Gottheiten-geweihten Ājya-Vers dazwischenreden und dadurch das Feststehen des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, du wirst haltlos werden!«
Sollte einer bei der Gāyatrī der Mittagspressung dazwischenreden und dadurch den abwärts gerichteten Atem des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, ein tödlicher Schlag wird dich treffen!« Oder man sage: »Ein Leiden wird dich treffen!«
Sollte einer bei der Bṛhatī dazwischenreden und dadurch das Glied des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, Harnverhalt wird dich treffen!« Oder man sage: »Du wirst zeugungsunfähig werden!«
Sollte einer bei der Triṣṭubh dazwischenreden und dadurch den Nabel des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, tödliche Verstopfung wird dich treffen!«
Sollte einer bei den Pṛṣṭhas dazwischenreden und dadurch Vitalkraft und Stärke des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, der Vajra wird dich treffen!« Oder man sage: »Ein Tod unbekannter Ursache wird dich treffen!«
[Anm.: Die Körperfunktionen (Kot, Wind, Samenerguss, Wasserlassen) werden bewusst unverblümt benannt, wie es dem sachlich-physiologischen Stil dieser Textgattung entspricht. »Ein Leiden« gibt den unsicheren Ausdruck »avasnu« nur sinngemäß wieder. Ab »sollte einer beim Bahiṣpavamāna dazwischenreden« beginnt eine Reihe formelhafter Verwünschungen, die ein Lehrer/Kenner gegenüber einem Udgātṛ aussprechen soll, der an bestimmten Stellen des Gesangs einen Fehler macht; sie setzt sich in 1.255 fort.]
Sollte einer bei der Gāyatrī des Ārbhava-Pavamāna dazwischenreden und dadurch den Atem des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, der Atem wird dich verlassen!« Oder man sage: »Du wirst kurzlebig sein!«
Sollte einer bei Uṣṇih und Kakubh dazwischenreden und dadurch die beiden Augen des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, du wirst blind werden!«
Sollte einer bei der Anuṣṭubh dazwischenreden und dadurch die Sprache des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, die Sprache wird von dir weichen!« Oder man sage: »Du wirst vor Hunger sterben!«
Sollte einer bei der Jagatī dazwischenreden und dadurch das Gehör des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, du wirst taub werden!«
Sollte einer beim Yajñāyajñīya dazwischenreden und dadurch den Kopf des Opfers nicht zur Vollendung bringen, so sage man zu ihm: »Du Verderber des Opfers, dein Kopf wird zerbersten!«
[Anm.: Fortsetzung und Abschluss der in 1.254 begonnenen Verwünschungsreihe.]
ete ha vai prativyāharāḥ na haivaṃvid yajñiyām ārtim ārchati. ya evainam upavadati sa ārtim ārchati. sa ya enam upavadet taṃ brūyāt pūrṇam evāham etaṃ sāṅgaṃ satanuṃ sarvaṃyajñaṃ veda sa yat tvam atronaṃ vettha tat tvayaivāpidadhānīti. sa evārtim ārchati ya evaṃ vidvāṃsam upavadati. sa eṣa prajāpatir agniṣṭomo ’mūm ekaviṃśīṃ yajñāyajñīyasyāsu bahiṣpavamānīṣu navasu pratyupadhāya śaya etā dviṣṭanā virājo duhānaḥ pañca pañcadaśāni pañca saptadaśāni. tā eva pañca dvātriṃśinīr virājaḥ duhe ha vai virājaṃ sarvān kāmān ya evaṃ veda. sa haivaṃ vido ’nṛtaṃ cana vadato yajñas sravati. sravati ha vā anṛtaṃ vadato yajño ’tho ha pūyati. no ha tv evaṃvido yajñas sravati na pūyati. tasmāt kurupañcālā dviṣṭanāṃ na duhre. prajāpater ha sā. tasmād v anya udantā duhre. nahi te tāṃ viduḥ. tasmād v anya udantā aśanāyukatarā iva. sa eṣa prajāpatir agniṣṭomaḥ --
Dies sind die Gegenformeln. Ein solcher Wissender gerät nicht in Opfer-Not. Wer ihn aber schmäht, der gerät in diese Not. Wer ihn schmähen wollte, dem sage man: »Ich kenne dieses vollständige Opfer, mit allen Gliedern, mit allem Leib, ganz und gar; was du an ihm für unvollständig hältst, das verschließe ich eben mit dir selbst!« Eben der gerät in Not, der einen solchen Wissenden schmäht.
Dieses Agniṣṭoma ist Prajāpati: Er hat jenes einundzwanzigfache Yajñāyajñīya auf diese neun Bahiṣpavamāna-Verse zurückgelegt und liegt so da, diese sich dehnenden Virājs melkend – fünf Pañcadaśas, fünf Saptadaśas. Eben diese, als fünf zweiunddreißigfache Virājs, melkt er. Die Virāj aller Wünsche melkt, wer dies weiß.
Auch wenn ein solcher Wissender einmal Unwahres spräche, sollte sein Opfer nicht verderben – denn: Das Opfer dessen, der Unwahres spricht, verrinnt, ja es verdirbt sogar. Doch das Opfer eines solchen Wissenden verrinnt nicht, es verdirbt nicht.
Deshalb melken die Kuru-Pañcālas nicht die ›sich dehnende‹ Virāj – sie gehört Prajāpati. Deshalb melken die Udantas eine andere; denn jene [besondere] kennen sie nicht. Deshalb sind die Udantas, die nur diese andere haben, gleichsam hungriger.
Dieses Agniṣṭoma ist Prajāpati –
[Anm.: Der Ausdruck »dviṣṭanā« (hier als ›sich dehnende‹ Virāj wiedergegeben) ist unsicher; die Rechnung dahinter ist jedoch klar: 5 Pañcadaśas (5×15) und 5 Saptadaśas (5×17) werden als 5 Paare zu je 32 (15+17) umgedeutet. »Udantāḥ« ist, wie 1.262 zeigt, kein allgemeines Wort für ›die Gewöhnlichen‹, sondern ein Eigenname – vermutlich eine Gruppe/ein Volk neben den Kuru-Pañcālas. Auch der Satz über das Unwahre-Sprechen ist im Sanskrit knapp und leicht elliptisch; die Übersetzung folgt dem durch die beiden folgenden Sätze gesicherten Sinn. Der Satz bricht ab und wird in 1.257 fortgesetzt.]
--parimaṇḍalo bhūtvānanto bhūtvā śaye. tadanukṛtīdam apy anyā devatāḥ parimaṇḍalāḥ parimaṇḍala ādityaḥ parimaṇḍalaś candramāḥ. parimaṇḍalā dyauḥ parimaṇḍalam antarikṣaṃ parimaṇḍaleyaṃ pṛthivī. api yad idaṃ puruṣe divyaṃ tatparimaṇḍalam. etasyaiva nyaṅgam anunyañjānaḥ parimaṇḍalāṃ mahatīm anantāṃ śriyaṃ jayati ya evaṃ veda. sa eṣa yajña ūrdhva eva puruṣam anvāyattaḥ. tasya pādāv eva bahiṣpavamānam. imāny eva catvāry ūrvaṣṭhīvāny ājyāni. yad arvācīnaṃ nābhes sa trichandā mādhyaṃdinaḥ. pṛṣṭhāny eva pṛṣṭhāni. ayam ārbhava idam agniṣṭomasāma. tad dha nagariṇaṃ dālbhyaṃ brāhmaṇaḥ papraccha kadryaṅ yajña iti. sa hovācordhva eva puruṣam anvāyatta iti. evaṃ ha tad uvāca. sa ya evam etad ūrdhvam ātman yajñaṃ tāyamānaṃ vedordhv eva prajayā paśubhī rīhanna(rohann) eti. ya u enaṃ pratyañcaṃ veda pratyaṅa bhūtiṃ bhavati. tasyedam eva bahiṣpavamānam imāny ājyāny ayaṃ mādhyaṃdinaḥ pṛṣṭhāny eva pṛṣṭhāny ayam ārbhavaḥ pratiṣṭhaiva yajñāyajñīyam. pratyaṅ bhūtiṃ bhavati. ya evam etāv ātman yajñau tāyamānau vedopa hainaṃ yajñau namataḥ
– der, rund geworden und endlos geworden, so daliegt. Ihm nachgebildet sind auch die anderen Gottheiten rund: Rund ist die Sonne, rund ist der Mond, rund ist der Himmel, rund ist der Luftraum, rund ist diese Erde. Sogar was im Menschen göttlich ist, auch das ist rund. Wer eben diesem in seiner Gestalt nachfolgt, gewinnt runden, großen, endlosen Glanz, wer dies weiß.
Dieses Opfer ist, aufwärts gerichtet, an den Menschen gebunden. Seine beiden Füße sind eben das Bahiṣpavamāna; diese vier Ūrvaṣṭhīva sind die Ājya-Verse; was unterhalb des Nabels ist, das, aus drei Versmaßen bestehend, ist die Mittagspressung; die Rückenwirbel sind eben die Pṛṣṭhas; dies ist der Ārbhava, dies das Agniṣṭoma-Sāman.
Dazu fragte ein Brahmane den Nagari Dālbhya: »In welche Richtung geht das Opfer?« Er sprach: »Aufwärts, an den Menschen gebunden.« So sprach er es.
Wer dieses Opfer so, aufwärts in seinem Selbst ausgespannt, kennt, geht aufwärts, mit Nachkommenschaft und Vieh wachsend. Wer es aber rückwärts gewandt kennt, dem widerfährt ein rückwärts gewandtes Gedeihen: Ihm ist eben dies das Bahiṣpavamāna, diese die Ājya-Verse, dies die Mittagspressung, die Rückenwirbel eben die Pṛṣṭhas, dies der Ārbhava, der feste Grund selbst das Yajñāyajñīya. Ein rückwärts gewandtes Gedeihen wird ihm zuteil. Wer diese beiden, so in seinem Selbst ausgespannten Opfer kennt, dem neigen sich beide Opfer zu.
[Anm.: Setzt die in 1.256 begonnene Beschreibung Prajāpati-Agniṣṭomas als runde, endlose kosmische Gestalt fort und überträgt sie auf den Opferkörper: von den Füßen (Bahiṣpavamāna) aufwärts bis zum Kopf (Agniṣṭoma-Sāman). Die ›rückwärts gewandte‹ Zuordnung im zweiten Teil ist im Sanskrit stark verknappt; die Übersetzung folgt der naheliegenden Spiegelung der ersten Aufzählung.]
tasyaiṣa ślokaḥ yad asya pūrvam aparaṃ tad asya yad v asyāparaṃ tad v asya pūrvam. aher iva sarpaṇaṃ śākalasya na vijānāmi yatarat purastāt. iti. śakalo ha gaupāyano yajñaṃ mimāna iyāya. sa ha smaitan na vijānāti katarad yajñasya pūrvaṃ katarad aparaṃ katarad aṇīyaḥ katarat sthavīya iti. tad āhuḥ kuto yajñasyāṇiṣṭham iti. yato variṣṭham iti. kuto variṣṭham iti. yato ’ṇiṣṭham iti. bahiṣpavamānaṃ vāva prati yajño ’ṇiṣṭhaḥ. tad idaṃ pādāv avocat. pādau vai prati puruṣo ’ṇiṣṭhaḥ. tad vai variṣṭhaḥ. padbhyāṃ hy eti. kuto variṣṭha iti. yato ’ṇiṣṭha iti. yajñāyajñīyaṃ vāva prati yajño ’ṇiṣṭhaḥ. tad idaṃ śiro ’vocat. śiro vai prati puruṣo ’ṇiṣṭhaḥ. tad vai variṣṭhaḥ. akṣibhyāṃ hi paśyann eti. tad āhur yad ūrdhvo yajñas tāyeta devā eva jīveyurna manuṣyāḥ. yad arvāṅ tāyeta manuṣyā eva jīveyur na devā iti. ūrdhvaś ca ha vai yajñas tāyate ’rvāṅ cātho ha tiryaṅ. tad yat pṛccheyuḥ kadryaṅ yajña ity ūrdhva iti brūyād atho ’rvāṅ ity atho tiryaṅṅ iti. sarvā eva diśa iti brūyāt. sarvā u ha vai diśa evaṃvido yajñas tato bhavati. kurupañcālā ha brahmodyam ūdire. te ha śvānaṃ saṃveṣṭitaṃ śayānam upeyuḥ. te hocur asmin nv eva no vijayo ’dhy astv iti. te ha pañcālāḥ kurūn papracchuḥ kim asya yajñasyeveti. tad dha na pratyūcuḥ. sa hovāca vasiṣṭhaś caikitāneyo yathā vā asāv ado ’mūm ekaviṃśīṃ yajñāyajñīyasyāsu bahiṣpavamānīṣu navasu pratyupadhāya śaya evaṃ vā ayam idam ubhāv antau saṃdhāya śaye. tasya vā ayaṃ yajñakrator anayā śayyayo rūpaṃ nigacchatīti. tasmād idam anarthyaṃ santaṃ bibhṛteti. tena ha jigyuḥ
Dazu gibt es diesen Spruch: ›Was sein Vorderes ist, das ist sein Hinteres; und was sein Hinteres ist, das ist auch sein Vorderes. Wie das Kriechen einer Schlange – bei der Sache des Śakala weiß ich nicht, welches Ende vorne ist.‹
Śakala Gaupāyana schritt einher, das Opfer ausmessend. Dabei wusste er dies nicht: welches Teil des Opfers vorne, welches hinten, welches das Feinste, welches das Gröbste sei. Dazu sagt man: »Woher kommt das Feinste des Opfers?« – »Von dort, woher das Gröbste.« – »Woher das Gröbste?« – »Von dort, woher das Feinste.«
Gegenüber dem Bahiṣpavamāna ist das Opfer am feinsten. Das erklärte er für die beiden Füße. Gegenüber den Füßen ist der Mensch am feinsten – und doch ist das zugleich das Gröbste, denn mit den Füßen geht man ja.
»Woher das Gröbste?« – »Von dort, woher das Feinste.« Gegenüber dem Yajñāyajñīya ist das Opfer am feinsten. Das erklärte er für den Kopf. Gegenüber dem Kopf ist der Mensch am feinsten – und doch ist das zugleich das Gröbste, denn mit den Augen sehend geht man ja.
Dazu sagt man: Würde das Opfer nur aufwärts ausgespannt, so lebten nur die Götter, nicht die Menschen. Würde es nur abwärts ausgespannt, so lebten nur die Menschen, nicht die Götter. Nun wird das Opfer aber aufwärts ausgespannt und abwärts, und zudem auch querhin. Wenn man also fragt: »In welche Richtung geht das Opfer?«, sage man: »Aufwärts«, und auch »abwärts«, und auch »querhin«. Man sage: »In alle Richtungen zugleich.« Denn in alle Richtungen erstreckt sich in der Tat das Opfer dessen, der dies weiß.
Die Kuru-Pañcālas hielten ein Lehrgespräch ab. Sie trafen auf einen zusammengerollt daliegenden Hund. Sie sprachen: »Von diesem hier soll nun unser Sieg abhängen!« Da fragten die Pañcālas die Kurus: »Was ist dies, auf das Opfer bezogen?« Darauf gaben diese keine Antwort. Da sprach Vasiṣṭha Caikitāneya: »So wie jener dort, jenes Einundzwanzigfache des Yajñāyajñīya auf diese neun Bahiṣpavamāna-Verse zurückgelegt, daliegt, ebenso liegt auch dieser hier, beide Enden zusammengefügt. Dieser gelangt durch dieses Liegen zur Gestalt des Opferwerks!« Deshalb hält man dieses Tier, obwohl es sonst wertlos ist. Dadurch gewannen sie.
[Anm.: Ein Lehrgespräch (Brahmodya) der Kurus und Pañcālas: Vasiṣṭha Caikitāneya erkennt in der Schlafhaltung des zusammengerollten Hundes – Kopf und Schwanzende berühren sich – ein Abbild der in 1.256 f. beschriebenen Lage Prajāpati-Agniṣṭomas, der das Ekaviṃśa des Yajñāyajñīya auf die neun Bahiṣpavamāna-Verse ›zurücklegt‹. Die Erzählung endet mit einer volksetymologisch anmutenden Erklärung, warum der sonst gering geachtete Hund dennoch gehalten wird.]
dvir ha vai yajamāno jāyate mithunād anyaj jāyate yajñād anyat. tad yan mithunāj jāyate tad asmai lokāya jāyata. atha yad yajñāj jāyate tad amuṣmai lokāya jāyate gandharvalokāya jāyate devalokāya jāyate svargalokāya jāyate. yajño vai yajamāno yajñas somo rājā. tad yad dhavirdhāne grāvabhis somaṃ rājānam abhiṣuṇvanti yajamānam eva tad retaḥ kurvanti. prajāpatir eṣa yad udgātā. sa tvaṣṭā sa retasas sektā sa rūpāṇāṃ vikartā. tad yad bahiṣpavamāna retasyāṃ gāyati yajamānam eva tad retobhūtaṃ siñcati. yad ṛcam asāmnīṃ gāyed asthy eva jāyeta na māṃsam. yat sāmānṛcaṃ gāyen māṃsam eva jāyeta nāsthi. ṛcaṃ sāmnābhiliptāṃ gāyati. tasmāl lomnā tvacā māṃsena puruṣo ’bhilipto jāyate. tasyāṃ na hiṃkuryāt. yad dhiṃkuryād vajreṇa hiṃkāreṇa reto vicchindyāt. yo hi tad api bālena vīyāt sa evainad vicchindyāt. tām adhīyan gāyet. yad anadhīyan gāyed aretaskā garbhā jāyeran. aretaskā ha vai durudgātur vartanyāṃ garbhā jāyante
Zweifach wird der Opferherr geboren: Das eine wird aus der Vereinigung geboren, das andere aus dem Opfer. Was aus der Vereinigung geboren wird, das wird für diese Welt geboren. Was aber aus dem Opfer geboren wird, das wird für jene Welt geboren – für die Gandharva-Welt wird es geboren, für die Götterwelt wird es geboren, für die Himmelswelt wird es geboren.
Das Opfer ist der Opferherr; das Opfer ist König Soma. Wenn man daher im Havirdhāna mit den Presssteinen König Soma auspresst, macht man eben dadurch den Opferherrn selbst zu Samen. Der Udgātṛ, das ist Prajāpati; er ist der Gestalter, er ist der Samengießer, er ist der Former der Gestalten. Wenn er beim Bahiṣpavamāna den Samen-Vers singt, ergießt er eben dadurch den Opferherrn selbst, zu Samen geworden.
Sänge er einen Vers ohne die zugehörige Melodie, würde nur Knochen entstehen, kein Fleisch. Sänge er eine Melodie ohne den zugehörigen Vers, würde nur Fleisch entstehen, kein Knochen. Er singt den Vers, mit der Melodie überzogen. Deshalb wird der Mensch mit Haar, Haut und Fleisch überzogen geboren.
Dabei soll man nicht zusätzlich den Hiṃkāra anstimmen. Täte man es, so würde man mit dem Hiṃkāra, wie mit einem Vajra, den Samen zerschneiden. Denn selbst wer dies nur mit einem Haar leicht durchzöge, der würde es damit schon zerschneiden. Man singe es nur, während man es studiert hat. Sänge man es, ohne es studiert zu haben, würden samenlose Keime geboren. Samenlos nämlich werden die Keime geboren, die auf dem Weg eines schlechten Udgātṛ zur Welt kommen.
[Anm.: Das Wort »bālena« (›mit einem Haar‹ oder auch ›mit einem Kind‹) ist doppeldeutig; da vom ›Durchziehen/Weben‹ die Rede ist, liegt die Bedeutung ›Haar/Faden‹ näher und wurde hier gewählt. Die Reproduktionsbilder (Same, Geburt, Knochen aus Vers, Fleisch aus Melodie) werden bewusst unverblümt wiedergegeben, wie im Original.]
gāyatrīṃ gāyati. prāṇo vai gāyatrī. tasyai dve akṣare vyatiṣajati. prāṇāpānāv eva tad vyatiṣajati. tasmāt prāṇāpānau tad vyatiṣaktau prajā anusaṃcarata ā ca parā cāyātayāmānau. tām adhīyan gāyet. yad anadhīyan gāyen mṛtā garbhā jāyeran. mṛtā ha vai durudgātur vartanyāṃ garbhā jāyante. triṣṭubhaṃ gāyati. cakṣur vai triṣṭup. tasyai dve akṣare dyotayati. cakṣuṣī eva tad dadhāti. tasmād yukte iva cakṣuṣī. tām adhīyan gāyet. yad anadhīyan gāyed andhā garbhā jāyeran. andhā ha vai durudgātur vartanyāṃ garbhā jāyante. jagatīṃ gāyati. śrotraṃ vai jagatī. tasyai catvāry akṣarāṇi dyotayati. śrotram eva tad dadhāti. śrotre dve pariśravaṇe dve. tasmāt samānatra san sarvā anudiśaś śṛṇoti. api parāṅ yan paścād vadataś śṛṇoti. tām adhīyan gāyet. yad anadhīyan gāyed badhirā garbhā jāyeran. badhirā ha vai durudgātur vartanyāṃ garbhā jāyante. anuṣṭubhaṃ gāyati. vāg vā anuṣṭup. tām arvācīm abhinudan gāyati vāco ’napakrāmāya. yat parācīm apanudan gāyed vācaṃ pradhamed vāg asmād apakrāmukā syāt. tāṃ yad arvācīm (?) abhinudan gāyaty ātmann eva tad vācaṃ pratiṣṭhāpayati. tasyai niruktaṃ cāniruktaṃ ca pade gāyati. niruktena vai vāco bhuñjate ’niruktam asyā upajīvanīyam. bhuṃkte vācopa cainaṃ jīvati ya evaṃ veda. sa yan niruktam eva gāyed vadeyur eva prajā na tūṣṇīm āsīran. atha yad aniruktaṃ gāyet tūṣṇīm eva prajā āsīran na vadeyuḥ. yasmān niruktaṃ cāniruktaṃ ca pade gāyati tasmāt prajā vadanti ca tūṣṇīṃ cāsate
Er singt die Gāyatrī. Die Gāyatrī ist der Atem. Ihr fügt er zwei Silben verwoben ein. Damit verwebt er eben Einatem und Ausatem. Deshalb ziehen Einatem und Ausatem, so verwoben, mit den Geschöpfen mit, kommend und gehend, ohne je zu ermatten. Man singe sie, während man sie studiert hat. Sänge man sie ungestudiert, würden tote Keime geboren. Tot nämlich werden die Keime geboren, die auf dem Weg eines schlechten Udgātṛ zur Welt kommen.
Er singt die Triṣṭubh. Die Triṣṭubh ist das Auge. Ihr lässt er zwei Silben aufleuchten. Damit setzt er eben die beiden Augen ein. Deshalb sind die beiden Augen wie zusammengespannt. Man singe sie, während man sie studiert hat. Sänge man sie ungestudiert, würden blinde Keime geboren. Blind nämlich werden die Keime eines schlechten Udgātṛ geboren.
Er singt die Jagatī. Die Jagatī ist das Gehör. Ihr lässt er vier Silben aufleuchten. Damit setzt er eben das Gehör ein. Die beiden Ohren haben zwei Weisen des Rings-um-Hörens. Deshalb hört einer, an einem Ort befindlich, aus allen Zwischenrichtungen; sogar wenn er sich abgewandt hat, hört er den, der hinter ihm spricht. Man singe sie, während man sie studiert hat. Sänge man sie ungestudiert, würden taube Keime geboren. Taub nämlich werden die Keime eines schlechten Udgātṛ geboren.
Er singt die Anuṣṭubh. Die Anuṣṭubh ist die Sprache. Er singt sie, sie nach innen stoßend, damit die Sprache nicht von ihm weiche. Sänge er sie, sie nach außen stoßend, so würde er die Sprache forttreiben; die Sprache würde ihm entweichen wollen. Wenn er sie, nach innen stoßend, singt, verankert er damit die Sprache eben im Selbst.
Ihr singt er das Ausgesprochene und das Unausgesprochene in ihren beiden Versfüßen. Denn vom Ausgesprochenen zehrt die Sprache; das Unausgesprochene an ihr ist ihre Nährreserve. Er zehrt mit der Sprache und lebt von ihr, wer dies weiß. Sänge er nur das Ausgesprochene, würden die Geschöpfe nur sprechen und nie schweigend dasitzen. Sänge er nur das Unausgesprochene, säßen die Geschöpfe nur schweigend und würden nicht sprechen. Weil er also das Ausgesprochene und das Unausgesprochene in ihren Versfüßen singt, deshalb sprechen die Geschöpfe und sitzen auch schweigend.
[Anm.: Der Abschnitt zur Jagatī und zum Gehör (›deshalb hört einer ... der hinter ihm spricht‹) wiederholt fast wörtlich eine Aussage aus 1.254 – vermutlich eine bewusste Wiederaufnahme, wie sie in diesem Text mehrfach vorkommt. An der Stelle »sie nach innen (arvācīm) stoßend« markiert bereits die Sanskrit-Vorlage selbst diese Lesung mit einem Fragezeichen als unsicher.]
tāṃ balavad upabdimatīṃ nighātaṃ gāyet. nighnad ava ha khalu vā etac chando yad anuṣṭup. anuṣṭubhā vai vācā chandasā devā asurān avāco ’vāghnan. tāṃ yad balavad upabdimatīṃ nighātaṃ gāyati -- bhrātṛvyo vai pāpmā -- bhrātṛvyam etat pāpmānaṃ vācam avahanti śriyam ātmanāśnute. tām adhīyan gāyet. yad anadhīyan gāyed ajihvā garbhā jāyeran. ajihvā ha vai durudgātur vartanyā garbhā jāyante. paṃktiṃ gāyati. ṛtavo vai paṃktiḥ. tāṃ gāyatrīm eva prasṛtāṃ gāyati. tasmād garbhā jāyamānāḥ prasāryante. tām adhīyan gāyet. yad anadhīyan gāyet sāmi garbhāḥ pateyuḥ. sāmi ha vai durudgātur vartanyāṃ garbhāḥ patanti. atha yad etad uttamaṃ tṛcaṃ janmaiva tat. praiva tena janayati. mano vai retasyā prāṇo gāyatrī cakṣus triṣṭup śrotraṃ jagatī vāg anuṣṭup. sa yo mano retasyeti vidvān udgāyati mahāmanā manasvy asmād ājāyate. atha yaḥ prāṇo gāyatrīti vidvān udgāyati mahāmanā manasvy asmād ājāyate. atha yaḥ prāṇo gāyatrīti vidvān udgāyati mahāmanā manasvy asmād ājāyate. atha yaḥ prāṇo gāyatrīti vidvān udgāyati sarvam āyur eti. atha yo ’smād ājāyate sa sarvam āyur eti. atha yaś cakṣus triṣṭub iti vidvān udgāyaty ahrītamukhī paśyo dṛṣṭyāsmād ājāyate darśanīyaḥ. atha yaś śrotraṃ jagatīti vidvān udgāyati śuśrūṣuś śrotriyeṇāsmād ājāyate śravaṇīyaḥ. atha yo vāg anuṣṭub iti vidvān udgāyati śastodgātā vācorārddhy asmād ājāyate --
Man singe sie stark, klangvoll, wie einen Niederschlag. Denn dieses Versmaß, die Anuṣṭubh, schlägt ja nieder. Mit der Anuṣṭubh, dem Sprach-Versmaß, schlugen die Götter die sprachlosen Asuras nieder. Wenn er sie also stark, klangvoll, wie einen Niederschlag singt – der Rivale ist ja das Böse –, schlagen sie damit diesen bösen Rivalen mit der Sprache nieder; er selbst erlangt Glanz.
Man singe sie, während man sie studiert hat. Sänge man sie ungestudiert, würden zungenlose Keime geboren. Zungenlos nämlich werden die Keime eines schlechten Udgātṛ geboren.
Er singt die Paṅkti. Die Paṅkti sind die Jahreszeiten. Er singt sie als die ausgedehnte Gāyatrī selbst. Deshalb strecken sich die Keime bei der Geburt aus. Man singe sie, während man sie studiert hat. Sänge man sie ungestudiert, fielen die Keime halbfertig zu Boden. Halbfertig nämlich fallen die Keime, die auf dem Weg eines schlechten Udgātṛ zur Welt kommen.
Nun ist dieser letzte Tṛca die Geburt selbst; eben dadurch erzeugt er ihn. Der Geist ist der Samen-Vers, der Atem die Gāyatrī, das Auge die Triṣṭubh, das Gehör die Jagatī, die Sprache die Anuṣṭubh.
Wer, ›der Geist ist der Samen-Vers‹ wissend, den Udgītha singt, von dem wird ein Großgesinnter, ein Verständiger geboren. Und wer, ›der Atem ist die Gāyatrī‹ wissend, den Udgītha singt, von dem wird ein Großgesinnter, ein Verständiger geboren. Und wer, ›der Atem ist die Gāyatrī‹ wissend, den Udgītha singt, von dem wird ein Großgesinnter, ein Verständiger geboren. Und wer, ›der Atem ist die Gāyatrī‹ wissend, den Udgītha singt, der erlangt die volle Lebensspanne; und wer von ihm geboren wird, der erlangt die volle Lebensspanne.
Und wer, ›das Auge ist die Triṣṭubh‹ wissend, den Udgītha singt, von dem wird einer geboren mit unverzagtem Gesicht, scharfsichtig im Blick, ansehnlich. Und wer, ›das Gehör ist die Jagatī‹ wissend, den Udgītha singt, von dem wird einer geboren, hörbereit, in der heiligen Überlieferung bewandert, hörenswert. Und wer, ›die Sprache ist die Anuṣṭubh‹ wissend, den Udgītha singt, ein gepriesener Udgātṛ, durch Rede gedeihend, von dem wird geboren –
[Anm.: Der Satz ›wer, der Atem ist die Gāyatrī, wissend, den Udgītha singt, von dem wird ein Großgesinnter, ein Verständiger geboren‹ steht im Sanskrit wortgleich zweimal hintereinander, bevor eine dritte, leicht abgewandelte Fassung (›erlangt die volle Lebensspanne‹) folgt – wie schon mehrfach in diesem Text wird eine solche Wiederholung hier beibehalten, nicht stillschweigend geglättet.]
-- sabheyaḥ. evaṃ hy etat kurupañcālā aviduḥ. tasmāt kurupañcāleṣu sarvair vīrais saha vīra ājāyate. atha yarhy etad udantāḥ purā nāvediṣus tasmād udanteṣu purā sarvair vīrais saha vīro nājani. atha yata idam udantān evaṃvidaś ca sacanta evaṃvidaś cainān yājayanti tato harvācīnam udanteṣu sarvair vīrais saha vīra ājāyate. kurupañcālā ha brahmodyam ūdire. te ha pañcālāḥ kurūn papracchuḥ kiṃ vayaṃ tad yajñe ’kurma yenāsmāsu sarvair vīrais saha vīra ājāyata iti. tad dha na pratyūcuḥ. tena hainān jigyuḥ. te yat pratyavakṣyan yasmād vayam evaṃvidaś ca sma evaṃvidaś ca no yājayanti tenāsmāsu sarvair vīrais saha vīra ājāyata iti. sarvair ha vā asmād vīrais saha vīra ājāyate ya evaṃ veda. tad āhur vigeyā dhurā na vigeyā iti. vigeyā ity āhuḥ --
– einer, der der Versammlung würdig ist. Denn so wussten es die Kuru-Pañcālas. Deshalb wird bei den Kuru-Pañcālas ein Held zusammen mit allen [anderen] Helden geboren. Als aber die Udantas dies früher nicht kannten, wurde bei den Udantas früher kein Held zusammen mit allen Helden geboren. Seitdem sich nun die Udantas an Wissende halten und Wissende für sie opfern, wird von da an auch bei den Udantas ein Held zusammen mit allen Helden geboren.
Die Kuru-Pañcālas hielten ein Lehrgespräch ab. Die Pañcālas fragten die Kurus: »Was haben wir da im Opfer getan, wodurch bei uns ein Held zusammen mit allen Helden geboren wird?« Darauf gaben diese keine Antwort. Dadurch besiegten jene sie. Was sie hätten antworten sollen, war dies: »Weil wir Wissende sind und Wissende für uns opfern, deshalb wird bei uns ein Held zusammen mit allen Helden geboren.« Zusammen mit allen Helden wird ein Held von dem geboren, wer dies weiß.
Dazu sagt man: »Sollen die Dhur-Verse getrennt gesungen werden, oder nicht getrennt?« »Getrennt«, sagen –
[Anm.: Bestätigt rückwirkend, dass »Udantāḥ« (in 1.256 unsicher als ›die Gewöhnlichen‹ übersetzt) tatsächlich ein Eigenname ist – vermutlich eine Volksgruppe neben den Kuru-Pañcālas. Die »Dhur«-Verse (wörtlich ›Joch‹) werden erst in 1.270 als ›Götterjoch‹ und ›Menschenjoch‹ näher erklärt; die hier beginnende Streitfrage, ob sie getrennt (vigeya) oder ungetrennt zu singen seien, zieht sich bis 1.266 hin.]
--kuravaḥ. gāyatraṃ vai prātassavanaṃ traiṣṭubhaṃ mādhyaṃdinaṃ savanaṃ jāgataṃ tṛtīyasavanam. tad evānuṣṭub anvāyattā. sa yad gāyatre sati prātassavane gāyatrīṃ gāyati -- brahma vai gāyatrī brahma prātassavanaṃ -- sva eva tad āyatane brahma dadhāti. atha yat triṣṭubhaṃ gāyati -- kṣatraṃ vai triṣṭup. enāni vai kṣatre śilpāni hastiniṣko ’śvatarīratho ’śvaratho rukmaḥ kaṃsaḥ -- tāny eva tad āhṛtya brahmaṇy anakti. atha yaj jagatīṃ gāyati - - viḍ vai jagatī. etāni vai viśi śilpāni go’śvaṃ hastihiraṇyam ajāvikaṃ vrīhiyavās tilamāṣās sarpiḥ kṣīraṃ rayiḥ puṣṭiḥ -- tāny eva tad āhṛtya brahmaṇy anakti. tad evānuṣṭub anvāyattā. atha yad anuṣṭubhaṃ gāyati -- ānuṣṭubho vai śūdraḥ -- śūdrād eva tad āhṛtya brahmaṇy anakti
– die Kurus. Die Morgenpressung ist gāyatrischer Natur, die Mittagspressung triṣṭubhischer Natur, die dritte Pressung jagatischer Natur. Die Anuṣṭubh hängt daran mit dran.
Wenn er nun, da die Morgenpressung gāyatrisch ist, die Gāyatrī singt – die Gāyatrī ist ja das Brahman, die Morgenpressung ist das Brahman –, dann legt er eben dadurch das Brahman in seinen eigenen Sitz.
Wenn er die Triṣṭubh singt – die Triṣṭubh ist ja das Kṣatra, und dies sind die dem Kṣatra eigenen Schmuckstücke: der Elefanten-Halsschmuck, der Maultierwagen, der Pferdewagen, das Goldstück, die Metallschale –, dann holt er eben diese herbei und salbt sie dem Brahman an.
Wenn er die Jagatī singt – die Jagatī ist ja der Vaiśya-Stand, und dies sind die diesem Stand eigenen Güter: Rinder und Pferde, Elefanten und Gold, Ziegen und Schafe, Reis und Gerste, Sesam und Bohnen, Butterschmalz, Milch, Reichtum, Gedeihen –, dann holt er eben diese herbei und salbt sie dem Brahman an.
Die Anuṣṭubh hängt daran mit dran. Wenn er die Anuṣṭubh singt – der Śūdra ist ja von Anuṣṭubh-Art –, dann holt er eben vom Śūdra herbei und salbt es dem Brahman an.
tad yathā tūṣṇīṃ kaśanair vihanyād evam evaitāni sarvāṇi śilpāny āhṛtya brahmaṇy anakti. tasmād vigeyā iti. yato ha vā idam etā vigīyante tato hedaṃ brāhmaṇā jīyante. atha yarhy etā na vijagur annādyā ha brāhmaṇā āsuḥ. ekāpaccādevā (ekāpaścādevā?) harvāśata ekaśakaṭe vaśe hasmad amathitvā satyayajñaḥ pauluṣir yāti. atha yata idam etā vigīyante tato haitāni śilpāni brāhmaṇeṣv adhigamyante. gāyatrīṃ purastād gāyati gāyatrīm upariṣṭāt. brahma vai gāyatrī. brahmaṇaiva tad etāny ubhayataś śilpāni parigṛhṇāti. brahmaṇā hainam etāny ubhayataś śilpāni parigṛhītāny upatiṣṭhante ya evaṃ veda. na vigeyā ity āhuḥ pañcālāḥ. svayaṃ vigītā vā etā yad dhuraḥ. anusavanaṃ vā etā vigāyann abhyārohati. atha yad enān pāpī kīrttir anutiṣṭhati vyagāsiṣur iti. yau vai yudhyete yāv ṛtīyete tāv āhur vyagāsiṣṭhām iti. atho ye rāṣṭre pyavabhindāne --
So wie man gleichsam lautlos mit Peitschenhieben [Vieh] zusammentreibt, ebenso holt er all diese Schmuckstücke herbei und salbt sie dem Brahman an. Deshalb heißt es: getrennt gesungen.
Weil man diese nun getrennt singt, deshalb – so sagt man – werden die Brahmanen besiegt. Als man sie einst nicht getrennt sang, waren die Brahmanen reich an Speise. Damals hieß es: Ohne zu buttern, auf einem einzigen Karren, zieht Satyayajña Pauluṣi umher.
Aber weil man diese jetzt getrennt singt, werden diese Schmuckstücke bei den Brahmanen erlangt. Er singt die Gāyatrī voran, die Gāyatrī hinterher. Die Gāyatrī ist ja das Brahman. Eben durch das Brahman umfasst er so diese Schmuckstücke von beiden Seiten. Durch das Brahman stehen ihm diese Schmuckstücke, von beiden Seiten umfasst, zur Verfügung, wer dies weiß.
»Nicht getrennt [zu singen]«, sagen die Pañcālas. Denn diese Dhur-Verse sind ja von sich aus schon getrennt. Pressung für Pressung besteigt er sie ja, sie getrennt singend. Wenn nun ein übler Ruf sie befällt, sagt man: »Sie haben sich auseinandergesungen [sich entzweit]!« Von zweien, die kämpfen, die sich befehden, sagt man: »Die beiden haben sich auseinandergesungen.« Und die in einem Reich, die sich abspalten, [von denen sagt man, sie] –
[Anm.: Der Satz über Satyayajña Pauluṣi ist im Original lückenhaft und nur andeutungsweise verständlich (offenbar das Bild bitterer Armut: ein einziger Karren, ungebuttert). Die Argumentation wechselt hier zwischen zwei Positionen: Zunächst wird ein Einwand referiert (das jetzige getrennte Singen schade den Brahmanen), dann eine Gegenposition (gerade das getrennte Singen verschafft den Brahmanen die Schmuckstücke) – vermutlich Streitpunkt zwischen Kurus (für vigeya) und Pañcālas (dagegen). Das Verb »vigā« (auseinandersingen) wird hier bildlich auf Streit und Zwietracht übertragen.]
--tiṣṭhata iti. gāyatraṃ vai prātassavanaṃ traiṣṭubhaṃ mādhyaṃdinaṃ savanaṃ jāgataṃ tṛtīyasavanam. tad evānuṣṭub anvāyattā. sa yad gāyatre sati prātassavane gāyatrīṃ gāyati -- brahma vai gāyatrī -- brahmaiva tad brāhmaṇasya sve ’nvābhajati. so ’syāditsata upajihīrṣate. atho ’syaiva tat. svena hy enam ābhajati. atha yat triṣṭubhaṃ gāyati -- kṣatraṃ vai triṣṭup -- kṣatriyam eva tad brāhmaṇasya sve ’nvābhajati. so ’syāditsata upajihīrṣate. atho ’syaiva tat. svena hy enam ābhajati. atha yaj jagatīṃ gāyati -- viḍ vai jagatī -- vaiśyam eva tad brāhmaṇasya sve ’nvābhajati. so ’syāditsata upajihīrṣate. atho ’syaiva tat. svena hy enam ābhajati. tad evānuṣṭub anvāyattā. atha yad anuṣṭubhaṃ gāyati -- ānuṣṭubho vai śūdraḥ -- śūdram eva tad brāhmaṇasya sve ’nvābhajati. so ’syāditsata upajihīrṣate. atho ’syaiva tat. svena hy enam ābhajati. yady āvṛṅ (āvir?) nātho pāke naiva lipsate. tasmān na vigeyā iti. yato ha vā idam etā vigīyante tato hedaṃ brāhmaṇā jīyante. atha yarhy etā na vijagur ajeyā ha brāhmaṇā āsuḥ
– »stehen [auseinander]«, sagt man.
Die Morgenpressung ist gāyatrischer Natur, die Mittagspressung triṣṭubhischer Natur, die dritte Pressung jagatischer Natur. Die Anuṣṭubh hängt daran mit dran.
Wenn er nun, da die Morgenpressung gāyatrisch ist, die Gāyatrī singt – die Gāyatrī ist ja das Brahman –, dann teilt er eben das Brahman selbst dem Brahmanen in sein Eigenes zu. Es wünscht, sich ihm zu geben, ihm zuzufallen. Und das ist ja auch sein Eigenes: Durch sein Eigenes teilt er es ihm ja zu.
Wenn er die Triṣṭubh singt – die Triṣṭubh ist ja das Kṣatra –, dann teilt er eben den Kṣatriya selbst dem Brahmanen in sein Eigenes zu. Er wünscht, sich ihm zu geben, ihm zuzufallen. Und das ist ja auch sein Eigenes: Durch sein Eigenes teilt er ihn ihm zu.
Wenn er die Jagatī singt – der Vaiśya ist ja von Jagatī-Art –, dann teilt er eben den Vaiśya selbst dem Brahmanen in sein Eigenes zu. Er wünscht, sich ihm zu geben, ihm zuzufallen. Und das ist ja auch sein Eigenes: Durch sein Eigenes teilt er ihn ihm zu.
Die Anuṣṭubh hängt daran mit dran. Wenn er die Anuṣṭubh singt – der Śūdra ist ja von Anuṣṭubh-Art –, dann teilt er eben den Śūdra selbst dem Brahmanen in sein Eigenes zu. Er wünscht, sich ihm zu geben, ihm zuzufallen. Und das ist ja auch sein Eigenes: Durch sein Eigenes teilt er ihn ihm zu.
Deshalb: nicht getrennt zu singen. Weil man diese nun getrennt singt, deshalb werden die Brahmanen besiegt. Als man sie nicht getrennt sang, waren die Brahmanen unbesiegbar.
[Anm.: Wiederholt, mit einer wichtigen Wendung, das Schema aus 1.263: Nicht mehr die Insignien der Stände werden dem Brahmanen angeeignet, sondern die Standesvertreter selbst (Kṣatriya, Vaiśya, Śūdra) gelten als ihm ›zugeteilt‹. Der Satz »yady āvṛṅ (āvir?) nātho pāke naiva lipsate« ist schon in der Vorlage durch ein Fragezeichen als unsicher markiert und bleibt unübersetzt/unklar. Der Schlusssatz variiert die Formel aus 1.264 (dort: die Brahmanen waren »reich an Speise«; hier: »unbesiegbar«) – ein Beispiel für die im Text verbreiteten Formel-Varianten mit auswechselbarem Schlusswort.]
gāyatraṃ vai prātassavanaṃ traiṣṭubhaṃ mādhyaṃdinaṃ savanaṃ jāgataṃ tṛtīyasavanam. tad evānuṣṭub anvāyattā. sa yad gāyatraṃ sat prātassavanaṃ sarvam eva gāyatraṃ gāyati brahmaṇa eva taṃ kevalam uddhāram uddharati. so ’sya brahmaṇaḥ kevala uddhāra uddhṛto bhavati. atha yat traiṣṭubhaṃ san mādhyaṃdinaṃ savanaṃ gāyatreṇaivānupratipadyate brāhmaṇam eva tat kṣatriyasya sve ’nvābhajati. so ’smai ditsati śraddhayā karmaṇopacāreṇa. yadā vai kṣatriyaṃ śraddhā vindati brāhmaṇaṃ vāva sa tarhīchati. so ’smai dadāti. atha yaj jāgataṃ sat tṛtīyasavanaṃ gāyatreṇaivānupratipadyate brāhmaṇam eva tad vaiśyasya sve ’nvābhajati. so ’smai ditsati śraddhayā karmaṇopacāreṇa. yadā vai vaiśyaṃ śraddhā vindati brāhmaṇaṃ vāva sa tarhīchati. so ’smai dadāti. tad evānuṣṭub anvāyattā. atha yad anuṣṭubhaṃ gāyati -- ānuṣṭubho vai śūdraḥ -- brāhmaṇam eva tac chūdrasya sve ’nvābhajati. so ’smai ditsati śraddhayā karmaṇopacāreṇa. yadā vai śūdraṃ śraddhā vindati brāhmaṇaṃ vāva sa tarhīchati. so ’smai dadāti. kevalaṃ svaṃ kurute ’pitvī kṣatre bhavaty apitvī viśi. yāty antasthāntasthāyāṃ jīyate. upa hainaṃ śataṃ pariskandās tiṣṭhante ’tho bhūyāṃso ya evaṃ vidvān dhuro na vigāyatīti. sa yadi vigāyed ado vidvān vigāyet. yad u na vigāyed idaṃ vidvān na vigāyet. ārtis sā yo ’nyatarad eva vedeti ha smāha śāṭyāyaniḥ
Die Morgenpressung ist gāyatrischer Natur, die Mittagspressung triṣṭubhischer Natur, die dritte Pressung jagatischer Natur. Die Anuṣṭubh hängt daran mit dran.
Wenn er nun, da die Morgenpressung gāyatrisch ist, sie ganz und gar als Gāyatra singt, dann gewinnt er für das Brahman eben jenen alleinigen, ausschließlichen Anteil. Das wird zum alleinigen, ausschließlichen Anteil dieses Brahman.
Wenn aber die Mittagspressung, obwohl triṣṭubhisch, eben durch die Gāyatrī mit-eingeleitet wird, dann teilt er eben den Brahmanen selbst dem Kṣatriya in sein Eigenes zu. Der wünscht ihm zu geben, durch Glauben, durch dienende Zuwendung im Tun. Denn wenn der Glaube einen Kṣatriya erfasst, dann sucht er eben einen Brahmanen. Er gibt ihm.
Wenn aber die dritte Pressung, obwohl jagatisch, eben durch die Gāyatrī mit-eingeleitet wird, dann teilt er eben den Brahmanen selbst dem Vaiśya in sein Eigenes zu. Der wünscht ihm zu geben, durch Glauben, durch dienende Zuwendung im Tun. Denn wenn der Glaube einen Vaiśya erfasst, dann sucht er eben einen Brahmanen. Er gibt ihm.
Die Anuṣṭubh hängt daran mit dran. Wenn er die Anuṣṭubh singt – der Śūdra ist ja von Anuṣṭubh-Art –, dann teilt er eben den Brahmanen selbst dem Śūdra in sein Eigenes zu. Der wünscht ihm zu geben, durch Glauben, durch dienende Zuwendung im Tun. Denn wenn der Glaube einen Śūdra erfasst, dann sucht er eben einen Brahmanen. Er gibt ihm.
So macht er das Alleinige zu seinem Eigenen; er bleibt unvermischt im Kṣatra, unvermischt im Vaiśya-Stand. Wer sich zu den Dazwischenstehenden hält, geht unter unter den Dazwischenstehenden. Hundert Gefolgsleute stehen ihm bereit, und noch mehr, wer, dies wissend, die Dhur-Verse nicht getrennt singt. Sollte er sie getrennt singen, so singe er sie als Wissender getrennt; sollte er sie nicht getrennt singen, so singe er sie als Wissender nicht getrennt. »Das eben ist die Not: wer nur das eine von beidem kennt« – so pflegte Śāṭyāyani zu sagen.
[Anm.: Ein dritter Durchlauf durch dasselbe Schema (nach 1.263 und 1.265), diesmal mit dem Gedanken, dass der Brahmane, indem er stets zuerst die Gāyatrī voranstellt, seinen eigenen Anteil unvermischt behält, während Kṣatriya, Vaiśya und Śūdra ihm aus freien Stücken, durch Glauben, geben. »Die Dazwischenstehenden« (antastha) bleibt inhaltlich unbestimmt – vermutlich eine Randgruppe zwischen den Ständen. Der Schluss löst den seit 1.262 geführten Streit, ob die Dhur-Verse getrennt zu singen seien, auf pragmatische Weise: Śāṭyāyani zufolge liegt der Fehler nicht in der einen oder anderen Praxis, sondern darin, nur eine von beiden zu kennen.]
retasyāṃ gāyati. retas tat siñcati. tad retas siktaṃ gāyatryodvardhayati varṣīyasā chandasā. tat triṣṭubhodvardhayati varṣīyasā chandasā. taj jagatyodvardhayati varṣīyasaiva chandasā. tad yad varṣīyasā chandasodvardhayati tasmād vardhamānasya bhūyobhūyo vīryaṃ bhavati. anuṣṭubhāṇiṣṭhaṃ gacchati hrasīyasaiva chandasā. tasmād uttaravayase pratitarām ivāvavardhate. paṃktyāṇiṣṭhāṃ gacchati. tasmāt pañcame māsi garbhā vikriyante. anuṣṭubhā vācāṇiṣṭhāṃ gacchati. tasmād u jīrṇasya vācaṃ śuśrūṣante. śiro vā etad yajñasya yad bahiṣpavamānam. tad vai tat. retasyaivāpi sarva ātmā. sa yad bahiṣpavamāne --
Er singt den Samen-Vers. Er ergießt damit Samen. Diesen ausgegossenen Samen lässt er durch die Gāyatrī wachsen, durch ein größeres Versmaß; durch die Triṣṭubh lässt er ihn wachsen, durch ein größeres Versmaß; durch die Jagatī lässt er ihn wachsen, durch ein noch größeres Versmaß. Weil er ihn durch ein je größeres Versmaß wachsen lässt, deshalb hat der Wachsende immer mehr Kraft.
Durch die Anuṣṭubh gelangt er zu seinem Kleinsten, durch ein kleineres Versmaß. Deshalb nimmt man im höheren Lebensalter zunehmend ab. Durch die Paṅkti gelangt er zu seinem Kleinsten. Deshalb wandeln sich die Keime im fünften Monat. Durch die Anuṣṭubh, durch die Sprache, gelangt er zu seinem Kleinsten. Deshalb hört man aufmerksam auf die Rede eines Betagten.
Das Bahiṣpavamāna ist der Kopf des Opfers. So ist es. Der Samen-Vers aber ist das ganze Selbst. Wenn er nun beim Bahiṣpavamāna –
[Anm.: Die Silbenzahlen wachsen von der Gāyatrī (24) über die Triṣṭubh (44) zur Jagatī (48) und nehmen dann über die Anuṣṭubh (32) zur Paṅkti ab – ein Bild für Wachstum und Alterung. Dass hier das Bahiṣpavamāna als »Kopf« des Opfers bezeichnet wird, steht scheinbar in Spannung zu 1.254/1.257, wo der Kopf dem Yajñāyajñīya, die Füße dem Bahiṣpavamāna zugeordnet werden; 1.268 löst dies auf, indem es innerhalb des Bahiṣpavamāna selbst dessen Gāyatrī-Teil mit dem Kopf gleichsetzt.]
-- gāyatrīṃ gāyati prāṇo vai gāyatro gāyatraṃ śira eva. tadāyatano vai prāṇaḥ. yac chiras sva eva tad āyatane prāṇaṃ dadhāti. triṣṭubhaṃ gāyati. cakṣur vai triṣṭup. tām eva tad āhṛtya śīrṣan niyunakti. yan niyunakti tasmān niyuktam iva cakṣuḥ. tām anyatrāyatanāṃ satīṃ niyunakti. tasmād uta jīvata eva cakṣur apakrāmati. jagatīṃ gāyati. śrotraṃ vai jagatī. tām eva tad āhṛtya śīrṣan niyunakti. yan niyunakti tasmān niyuktam iva śrotram. tām anyatrāyatanāṃ satīṃ niyunakti tṛtīyasavanāyatanāṃ vā. tāṃ yad anyatrāyatanāṃ satīṃ niyunakti tasmād uta jīvata eva śrotram apakrāmati. anuṣṭubhaṃ gāyati. vāg vā anuṣṭup. tām eva tad āhṛtya śīrṣan niyunakti. yan niyunakti tasmān niyukteva vāk. tām anyatrāyatanāṃ satīṃ niyunakti tṛtīyasavanāyatanāṃ vā sarvāyatanāṃ vā. tāṃ yad anyatrāyatanāṃ satīṃ niyunakti tasmād uta jīvata eva vāg apakrāmati. avānye prāṇāḥ krāmanti na prāṇaḥ
– die Gāyatrī singt: Der Atem ist ja gāyatrischer Art, das Gāyatra ist eben der Kopf. Das ist der eigene Sitz des Atems. Weil es der Kopf ist, legt er dadurch den Atem in seinen eigenen Sitz.
Er singt die Triṣṭubh. Die Triṣṭubh ist ja das Auge. Eben dieses holt er herbei und spannt es dem Kopf an. Weil er es anspannt, ist das Auge gleichsam angespannt: Er spannt es an, obwohl es anderswo seinen Sitz hat. Deshalb versagt das Auge schon zu Lebzeiten.
Er singt die Jagatī. Die Jagatī ist ja das Gehör. Eben dieses holt er herbei und spannt es dem Kopf an. Weil er es anspannt, ist das Gehör gleichsam angespannt: Er spannt es an, obwohl es anderswo seinen Sitz hat – oder seinen Sitz in der dritten Pressung. Weil er es anspannt, obwohl es anderswo seinen Sitz hat, deshalb versagt das Gehör schon zu Lebzeiten.
Er singt die Anuṣṭubh. Die Anuṣṭubh ist ja die Sprache. Eben diese holt er herbei und spannt sie dem Kopf an. Weil er sie anspannt, ist die Sprache gleichsam angespannt: Er spannt sie an, obwohl sie anderswo ihren Sitz hat – oder ihren Sitz in der dritten Pressung, oder überall ihren Sitz hat. Weil er sie anspannt, obwohl sie anderswo ihren Sitz hat, deshalb versagt die Sprache schon zu Lebzeiten.
Die anderen Lebenskräfte weichen [schon zu Lebzeiten], nicht aber der Atem.
tad āhuḥ kiṃ tad yajñe kriyate yasmāj jīvata evānye prāṇā apakrāmanti na prāṇa iti. sa brūyād yasmāt sva āyatane gāyatrīṃ gāyati tasmād yāvaj jīvati tāvat prāṇo nāpakrāmatīti. atha ha vai dhurāṃ vijñāś ca saṃjñāś ca. māno vai retasyā prāṇo gāyatrī cakṣus triṣṭup śrotraṃ jagatī vāg anuṣṭup. manasā suhārdasaṃ ca durhārdasaṃ ca vijānāti. prāṇena surabhi cāsurabhi ca vijānāti. cakṣuṣā darśanīyaṃ cādarśanīyaṃ ca vijānāti. śrotreṇa śravaṇīyaṃ cāśravaṇīyaṃ ca vijānāti. vācā svādu cāsvādu ca vijānāti. etā iha vijñāḥ. vi ha vai jñāyate śreyān bhavati ya evaṃ veda. tā u eva saṃjñāḥ. mano vai retasyā prāṇo gāyatrī cakṣus triṣṭup śrotraṃ jagatī vāg anuṣṭup. retasyāyāṃ prastutāyāṃ yasya kāmayeta -
Dazu fragt man: Was wird da im Opfer bewirkt, dass die anderen Lebenskräfte schon zu Lebzeiten weichen, nicht aber der Atem? Man antworte: Weil er die Gāyatrī in ihrem eigenen Sitz singt, deshalb weicht der Atem nicht, solange man lebt.
Nun gibt es aber, was die Dhur-Verse betrifft, sowohl Unterscheidungs-Erkenntnisse als auch Verbindungs-Erkenntnisse. Der Geist ist der Samen-Vers, der Atem die Gāyatrī, das Auge die Triṣṭubh, das Gehör die Jagatī, die Sprache die Anuṣṭubh.
Mit dem Geist unterscheidet man den Gutgesinnten vom Übelgesinnten. Mit dem Atem unterscheidet man das Wohlriechende vom Übelriechenden. Mit dem Auge unterscheidet man das Ansehnliche vom Unansehnlichen. Mit dem Gehör unterscheidet man das Hörenswerte vom Nicht-Hörenswerten. Mit der Sprache unterscheidet man das Schmackhafte vom Geschmacklosen. Dies hier sind die Unterscheidungs-Erkenntnisse. Wer unterscheiden kann, wird trefflicher, wer dies weiß.
Eben dieselben sind aber auch die Verbindungs-Erkenntnisse. Der Geist ist der Samen-Vers, der Atem die Gāyatrī, das Auge die Triṣṭubh, das Gehör die Jagatī, die Sprache die Anuṣṭubh. Wenn der Samen-Vers angestimmt ist, für wen man auch immer etwas begehrt –
-- tasya manasā mano dhyāyet. gāyatryāṃ prastutāyāṃ yasya kāmayeta tasya prāṇena prāṇaṃ dhyāyet. triṣṭubhi prastutāyāṃ yasya kāmayeta tasya cakṣuṣā cakṣur dhyāyet. jagatyāṃ prastutāyāṃ yasya kāmayeta tasya śrotreṇa śrotraṃ dhyāyet. anuṣṭubhi prastutāyāṃ yasya kāmayeta tasya vācā vācaṃ dhyāyet. etā u ha saṃjñāḥ. saṃ ha vai tena jānīte yena kāmayate ’nena saṃjānīyeti ya evaṃ veda. athaitā devadhuraś ca manuṣyadhuraś ca saṃdadhati. mano vai manuṣyadhur āpo devadhuraḥ. retasyāyāṃ prastutāyāṃ manasāpas saṃdadhyāt. tad antarā yajamānasya mano ’vayātayet. prāṇo vai manuṣyadhūr vāyur devadhūḥ. gāyatryāṃ prastutāyāṃ prāṇena vāyuṃ saṃdadhyāt. tad antarā yajamānasya prāṇam avayātayet. cakṣur vai manuṣyadhūr ādityo devadhūḥ. triṣṭubhi prastutāyāṃ cakṣuṣādityaṃ saṃdadhyāt. tad antarā yajamānasya cakṣur avayātayet. śrotraṃ vai manuṣyadhūr diśo devadhūḥ. jagatyāṃ prastutāyāṃ śrotreṇa diśas saṃdadhyāt. tad antarā yajamānasya śrotram avayātayet. vāg vai manuṣyadhūḥ pṛthivī devadhūḥ. anuṣṭubhi prastutāyāṃ vācā pṛthivīṃ saṃdadhyāt. tad antarā yajamānasya vācam avayātayet. etad vai devadhuraś ca manuṣyadhuraś ca saṃdadhāte. tad vai devadhuraś ca manuṣyadhuraś ca saṃdhāya taṃ mṛtyuṃ tarati yas svargaloke. na haivaṃvit punar mriyate. devatāsva ātmanam upasaṃdadhāti
– dessen Geist soll man mit dem eigenen Geist bedenken. Wenn die Gāyatrī angestimmt ist, für wen man auch immer etwas begehrt, dessen Atem soll man mit dem eigenen Atem bedenken. Wenn die Triṣṭubh angestimmt ist, für wen man auch immer etwas begehrt, dessen Auge soll man mit dem eigenen Auge bedenken. Wenn die Jagatī angestimmt ist, für wen man auch immer etwas begehrt, dessen Gehör soll man mit dem eigenen Gehör bedenken. Wenn die Anuṣṭubh angestimmt ist, für wen man auch immer etwas begehrt, dessen Sprache soll man mit der eigenen Sprache bedenken. Dies eben sind die Verbindungs-Erkenntnisse. Denn eben durch das, womit man begehrt, verbindet man sich mit dem anderen – »ich will mich mit ihm verbinden«, wer dies weiß.
Nun verbinden diese eben das Götterjoch und das Menschenjoch miteinander. Der Geist ist das Menschenjoch, die Gewässer sind das Götterjoch. Wenn der Samen-Vers angestimmt ist, soll man mit dem Geist die Gewässer verbinden; dabei bewahre man den Geist des Opferherrn davor, zu ermatten.
Der Atem ist das Menschenjoch, Vāyu ist das Götterjoch. Wenn die Gāyatrī angestimmt ist, soll man mit dem Atem Vāyu verbinden; dabei bewahre man den Atem des Opferherrn davor, zu ermatten.
Das Auge ist das Menschenjoch, die Sonne ist das Götterjoch. Wenn die Triṣṭubh angestimmt ist, soll man mit dem Auge die Sonne verbinden; dabei bewahre man das Auge des Opferherrn davor, zu ermatten.
Das Gehör ist das Menschenjoch, die Himmelsrichtungen sind das Götterjoch. Wenn die Jagatī angestimmt ist, soll man mit dem Gehör die Himmelsrichtungen verbinden; dabei bewahre man das Gehör des Opferherrn davor, zu ermatten.
Die Sprache ist das Menschenjoch, die Erde ist das Götterjoch. Wenn die Anuṣṭubh angestimmt ist, soll man mit der Sprache die Erde verbinden; dabei bewahre man die Sprache des Opferherrn davor, zu ermatten.
Dies eben ist es, wodurch Götterjoch und Menschenjoch miteinander verbunden werden. Indem er Götterjoch und Menschenjoch so miteinander verbindet, überquert er jenen Tod, der in der Himmelswelt ist. Ein solcher Wissender stirbt nicht wieder. Er fügt sein Selbst in die Gottheiten hinein.
[Anm.: Löst auf, was mit den seit 1.262 erwähnten »Dhur«-Verse (wörtlich ›Joch‹-Verse) gemeint ist: ein ›Menschenjoch‹ (Geist, Atem, Auge, Gehör, Sprache) und ein ihm jeweils entsprechendes ›Götterjoch‹ (Gewässer, Vāyu, Sonne, Himmelsrichtungen, Erde), die durch die fünf Verse miteinander verbunden werden.]
athaiteṣāṃ mahatāṃ brāhmaṇānāṃ samuditam āruṇer jīvalasya kārīrāder aṣāḍhasya sāvayasasyendradyumnasya bhāllaveyasyeti. jīvalaś ca ha kārīrādir indradyumnaś ca bhāllaveyas tau hāruṇer ācāryasya sabhāga ājagmatuḥ. te hāṣāḍhasya gṛheṣu śiśyire. sa hovācāṣāḍha ām āruṇe yat sahaiva brahmacaryam acarāva sahānvābravīvahy atha kenedaṃ tvam asmān atyanūciṣe. yad idaṃ tvam iyatpriyaḥ kīrtter iyatpriyaś cakṣuṣa iyatpriyas saner asi kena tvam idaṃ prāpitheti. sa hovāca dhūrṣva evāhaṃ tad upāsa iti. kiṃ tvaṃ tad dhūrṣūpāssa iti. priyam iti. ya āsāṃ priyam upāste kiṃ sa bhavatīti. priya eva sa kīrtteḥ priyaś cakṣuṣaḥ priyas saner bhavatīti. evam eva tvam asīti hocuḥ. atha hocur jīvalaṃ kārīrādiṃ yad idaṃ tvam eva tasyārdhasya śreṣṭho ’si yasminn asy api tvā rājāno ’dhastād upāsate kena tvam idaṃ prāpitheti. sa hovāca dhūrṣv evāhaṃ tad upāsa iti. kiṃ tvaṃ tad dhūrṣūpāss iti. śriyam iti. ya āsāṃ śriyam upāste kiṃ sa bhavatīti. yasminn evārdhe bhavati tasya śreṣṭho bhavaty apy enaṃ rājāno ’dhastād upāsata iti. evam eva tvam asīti hocuḥ. atha hocur aṣāḍhaṃ sāvayasaṃ yat tvaṃ śārkarākṣāṇāṃ vāva grāmaṇy evāsi kena tvam idaṃ prāpitheti. sa hovāca dhūrṣv evāhaṃ tad upāsa iti. kiṃ tvaṃ tad dhūrṣūpāssa iti. jātam iti. ya āsāṃ jātam upāste kiṃ sa bhavatīti. yatraiva sajāto bhavati tad grāmaṇīr bhavatīti. evam eva tvam asīti hocuḥ. atha hocur indradyumnaṃ bhāllaveyaṃ yad idaṃ tavoparyuparya anyān kīrttiś carati vivacanam evāsi kena tvam idaṃ prāpitheti. sa hovāca dhūrṣv evāhaṃ tad upāsa iti. kiṃ tvaṃ tad dhūrṣūpāssa iti. yaśa iti. ya āsāṃ yaśa upāste kiṃ sa bhavatīti. uparyupary evānyān kīrttiś carati vivacanam eva bhavatīti. evam eva tvam asīti hocuḥ. te hocur itthaṃ ced idam abhūd etedaṃ saṃprabravāmahā iti
Nun gab es eine Zusammenkunft dieser großen Brahmanen: des Āruṇi, des Jīvala Kārīrādi, des Aṣāḍha Sāvayasa und des Indradyumna Bhāllaveya. Jīvala Kārīrādi und Indradyumna Bhāllaveya kamen, um mit dem Lehrer Āruṇi zusammenzukommen. Sie nahmen Quartier im Haus des Aṣāḍha.
Da sprach Aṣāḍha: »Nun, Āruṇi, da wir doch gemeinsam die Schülerzeit durchlebt und gemeinsam rezitiert haben – wodurch hast du uns jetzt so überflügelt? Da du doch so beliebt bist wegen deines Rufes, so beliebt wegen deines Ansehens, so beliebt wegen deines Gewinns – wodurch hast du das erlangt?« Er sprach: »Eben durch die Dhur-Verse pflege ich das zu erlangen.« »Was pflegst du denn in den Dhur-Versen zu pflegen?« »Das Liebe [Priya].« »Wer das Liebe an ihnen pflegt, was wird der?« »Der wird eben beliebt wegen des Rufes, beliebt wegen des Ansehens, beliebt wegen des Gewinns.« »Genau das bist du«, sagten sie.
Dann sagten sie zu Jīvala Kārīrādi: »Da du doch der Beste jener Landeshälfte bist, in der du lebst – sogar Könige erweisen dir sitzend von unten Ehre –, wodurch hast du das erlangt?« Er sprach: »Eben durch die Dhur-Verse erlange ich auch das.« »Was pflegst du darin zu pflegen?« »Die Herrlichkeit [Śrī].« »Wer die Herrlichkeit an ihnen pflegt, was wird der?« »Der wird der Beste, in welcher Landeshälfte er auch sei; sogar Könige erweisen ihm sitzend von unten Ehre.« »Genau das bist du«, sagten sie.
Dann sagten sie zu Aṣāḍha Sāvayasa: »Da du doch der Dorfälteste der Śārkarākṣas bist, wodurch hast du das erlangt?« Er sprach: »Eben durch die Dhur-Verse erlange ich auch das.« »Was pflegst du darin zu pflegen?« »Die Verwandtschaft [Jāta].« »Wer die Verwandtschaft an ihnen pflegt, was wird der?« »Wo immer er Verwandte hat, dort wird er Dorfältester.« »Genau das bist du«, sagten sie.
Dann sagten sie zu Indradyumna Bhāllaveya: »Da doch dein Ruf immer höher und höher über andere hinauszieht – du bist geradezu der Inbegriff überragender Rede –, wodurch hast du das erlangt?« Er sprach: »Eben durch die Dhur-Verse erlange ich auch das.« »Was pflegst du darin zu pflegen?« »Das Ansehen [Yaśas].« »Wer das Ansehen an ihnen pflegt, was wird der?« »Sein Ruf zieht immer höher und höher über andere hinaus; er wird geradezu der Inbegriff überragender Rede.« »Genau das bist du«, sagten sie.
Da sprachen sie: »Wenn es sich so verhält, so lasst uns dies nun [dem Lehrer] gemeinsam vortragen!«
[Anm.: Die vier Weisen deuten hier jeweils nur einen einzigen Aspekt der ›Dhur‹-Lehre gemäß ihrem eigenen erlangten Vorzug; ihre gemeinsame Erkenntnis führt in 1.272 zum Lehrer Āruṇi, in 1.273 zur überlegenen Einsicht des Vasiṣṭha Caikitāneya, der eine sie alle umfassende Dhur erkennt.]
te hāruṇim ūcus tvaṃ vai na ācāryo ’si tvaṃ prathamo brūṣveti. sa hovāca gāyatrīm evāhaṃ priyam upāsa iti. prāṇo vai gāyatrī prāṇo vai priyam. na vai prāṇāt preyaḥ kiṃ canāsti. sa ya evam etāṃ gāyatrīṃ priyam upāste yathā priya eva prāṇa ātmana evaṃ priya eva sa kīrtter evaṃ priyaś cakṣuṣa evaṃ priyassaner bhavatīti. atha hovāca jīvalaḥ kārīrādis triṣṭubham evāhaṃ śriyam upāsa iti. kṣatraṃ vai triṣṭup kṣatraṃ vai śrīḥ. sa ya evam etāṃ triṣṭubhaṃ śriyam upāste yasminn evārdha bhavati tasya śreṣṭho bhavaty apy enaṃ rājāno ’dhastād upāsata iti. atha hovācāṣāḍhas sāvayaso jagatīm evāhaṃ bhūmānaṃ prajātim upāsa iti. bhūmā vai prajātir jagatī chandasām. sa ya evam etāṃ jagatīṃ bhūmānaṃ prajātim upāste bhūmānam eva prajayā paśubhir gacchati yatraiva sajāto bhavati tad grāmaṇīra bhavatīti. atha hovācendradyumno bhāllaveyo ’nuṣṭubham evāhaṃ yaśa upāsa iti. vāg vā anuṣṭup vāg u vai yaśaḥ. vāg uparyupary anyān kīrttiś carati. sa ya evam etām anuṣṭubhaṃ yaśa upāsta eṣaivāsya vāg anuṣṭub uparyupary evānyān kīrttir viharanty eti vivacanam eva bhavatīti
Sie sprachen zu Āruṇi: »Du bist ja unser Lehrer – sprich du zuerst!« Er sprach: »Ich pflege eben die Gāyatrī als das Liebe. Der Atem ist ja die Gāyatrī, der Atem ist ja das Liebe. Denn nichts ist lieber als der Atem. Wer so diese Gāyatrī als das Liebe pflegt: Wie der Atem dem Selbst lieb ist, ebenso wird er dem Ruf lieb, ebenso dem Ansehen lieb, ebenso dem Gewinn lieb.«
Da sprach Jīvala Kārīrādi: »Ich pflege eben die Triṣṭubh als die Herrlichkeit. Die Triṣṭubh ist ja das Kṣatra, das Kṣatra ist ja die Herrlichkeit. Wer so diese Triṣṭubh als die Herrlichkeit pflegt, wird der Beste, in welcher Landeshälfte er auch sei; sogar Könige erweisen ihm sitzend von unten Ehre.«
Da sprach Aṣāḍha Sāvayasa: »Ich pflege eben die Jagatī als Fülle und Nachkommenschaft. Fülle ist ja Nachkommenschaft, die Jagatī ist die [umfangreichste] der Versmaße. Wer so diese Jagatī als Fülle und Nachkommenschaft pflegt, gelangt zu Fülle an Nachkommenschaft und Vieh; wo immer er Verwandte hat, dort wird er Dorfältester.«
Da sprach Indradyumna Bhāllaveya: »Ich pflege eben die Anuṣṭubh als das Ansehen. Die Anuṣṭubh ist ja die Sprache, die Sprache ist ja das Ansehen. Die Sprache zieht ja immer höher und höher über andere hinaus. Wer so diese Anuṣṭubh als das Ansehen pflegt – eben diese seine Sprache, die Anuṣṭubh, zieht immer höher und höher über andere hinaus, verbreitet Ruf; er wird geradezu der Inbegriff überragender Rede.«
te ha vai te tathaikaikenaivāsuḥ. atha ya evam etāni sarvāṇy ekadhā vedaivaṃ hy etāni sarvāṇy ekadhā bhavanty ekadhaiva śreṣṭhas svānāṃ bhavati. tad u hovāca vāsiṣṭhaścaikitāneyaḥ paścaivānubudhya dhuro ha vā ime brāhmaṇā mīmāṃsamānās tām eva dhuraṃ nāvāgman yasyām etā dhuri sarvā adhīti. retasyāṃ ha vai sa tad uvāca. yāṃ ha vā āhur ekā dhūr iti retasyā ha vai sā dhurāṃ dhūḥ. annaṃ tad dhurām. alaṃkaraṇaṃ surabhirgandho gāyatryai darśanīyas triṣṭubhaś śravaṇīyo jagatyai. yad eva vācā puṇyaṃ vadati tad anuṣṭubhaḥ. sa ha vā enā annam ādadhāti ya enā etais samṛddhayati. tā enam annādyamānā annādaṃ śreṣṭhaṃ svānāṃ kurvanti. annādaś śreṣṭhas svānāṃ bhavati ya evaṃ veda
Diese also waren, ein jeder für sich, jeweils durch ein Einziges [ausgezeichnet]. Wer aber all dies als eines weiß – denn so wird all dies eins –, wird eben durch diese Einheit allein der Beste der Seinigen.
Dazu sprach Vasiṣṭha Caikitāneya, es erst nachträglich begreifend: »Diese Brahmanen, die über die Dhur nachsannen, sind gar nicht zu jener [einen wahren] Dhur gelangt, in der all dies enthalten ist!« Er sagte dies mit Bezug auf den Samen-Vers. Was man ›die eine Dhur‹ nennt, das ist der Samen-Vers – die Dhur der Dhur-Verse. Speise ist das der Dhur-Verse. Der Schmuck – der wohlriechende Duft – gehört der Gāyatrī, das Ansehnliche der Triṣṭubh, das Hörenswerte der Jagatī. Was immer man Gutes mit der Sprache spricht, das gehört der Anuṣṭubh. Er verschafft diesen [Versen] Speise, wer sie mit diesen [Eigenschaften] zum Gedeihen bringt. Diese, mit Speise genährt, machen ihn zum Speiseesser, zum Besten der Seinigen. Zum Speiseesser, zum Besten der Seinigen wird, wer dies weiß.
[Anm.: Vasiṣṭha Caikitāneya – schon in 1.258 als kluger Schiedsrichter eines Lehrgesprächs aufgetreten – erkennt hier eine übergeordnete, alle vier Einzelaspekte (Priya/Śrī/Jāta/Yaśas) umfassende ›Dhur‹ im Samen-Vers (retasyā). Die Zuordnung Ansehnlich/Triṣṭubh und Hörenswert/Jagatī variiert leicht gegenüber ähnlichen Zuordnungen in 1.261; solche Variationen sind in diesem Textgenre nicht ungewöhnlich.]
trayo ha vā ete samudrā yat pavamānā agnir vāyur asāv ādityaḥ. taiś channair udgāyet. sa yarhi vai prajāpatiḥ prajābhyo vṛṣṭim annādyaṃ prayacchati chādyanta ete tarhi. prajāpatir eṣa saḥ. yad udgāsyan pavamānaiś cānyair udgāyati chādayaty eva yajamānam annādyena chādayaty ātmānaṃ chādayati prajā bahuvarṣī tatra parjanyo bhavatīti ha smāha kūṭaś śailano yatrāham udgāyāmīti. yatra vai bahuvarṣī parjanyo bhavati kalyāṇo vai tatra balīvardo ’śvataro hastī niṣkaḥ puruṣaḥ. rūpaṃrūpaṃ vāva tatra kalyāṇam ājāyata ity etad dha tad vidvān uvāca. yo vai devāṃś ca manuṣyāṃś ca vyāvartayati vi pāpmanā vartate. devā vai pavamānāḥ prajāḥ pṛṣṭhokthāni. taiśchannaiḥ parokṣam aniruktaiḥ pavamānair udgāyet. channā iva hi parokṣam aniruktā iva devāḥ prajāḥ pṛṣṭhokthāni. tair acchannaiḥ pratyakṣaṃ niruktair udgāyet. acchannā iva hi pratyakṣaṃ niruktā iva manuṣyāḥ. etadvai devāṃś ca vyāvartayati vi pāpmanāvartate ya evaṃ veda
Diese drei, die Pavamānas – Agni, Vāyu, jene Sonne –, sind in der Tat Ozeane. Mit diesen, verhüllt, soll man den Udgītha singen. Denn wann immer Prajāpati den Geschöpfen Regen und Speise gewährt, sind eben diese dabei verhüllt: Er, [der Udgātṛ,] ist dann Prajāpati. Wenn er, im Begriff den Udgītha zu singen, mit den Pavamānas und anderen [Versen] singt, verhüllt er eben dadurch den Opferherrn mit Speise, verhüllt sich selbst, verhüllt die Nachkommenschaft; reichlicher Regen kommt dort zustande – so pflegte Kūṭa Śailana zu sagen: »Dort, wo ich den Udgītha singe …« Denn wo reichlicher Regen fällt, dort gibt es einen prächtigen Ochsen, ein prächtiges Maultier, einen prächtigen Elefanten, ein prächtiges Goldstück, einen prächtigen Menschen. »Gestalt um Gestalt von Schönheit entstand dort« – dies sagte er, dies wissend.
Wer Götter und Menschen [in ihrer Eigenart] auseinanderhält, hält sich vom Bösen fern. Die Pavamānas sind ja die Götter, die Pṛṣṭha-Ukthas die Geschöpfe. Mit jenen, verhüllten, verborgenen, unausgesprochenen Pavamānas soll man den Udgītha singen – denn verhüllt, verborgen, gleichsam unausgesprochen sind die Götter. Mit diesen, unverhüllten, offenkundigen, ausgesprochenen [Pṛṣṭha-Ukthas] soll man den Udgītha singen – denn unverhüllt, offenkundig, gleichsam ausgesprochen sind die Menschen. Dies hält eben Götter und Menschen auseinander; er hält sich vom Bösen fern, wer dies weiß.
[Anm.: Führt die für die folgenden Abschnitte (bis 1.279) grundlegende Entsprechung ein: Pavamāna-Verse = Götter (verhüllt, unausgesprochen), Pṛṣṭha-Uktha-Verse = Menschen/Geschöpfe (offenkundig, ausgesprochen). Kūṭa Śailana ist sonst nicht näher bekannt.]
daivīṃ ha vā eṣa saṃsadam eti yaḥ pavamānair udgāyati. sa yathā śreyāṃsam abhyāyann evaṃ śikṣann evopaśikṣann ivopanamasyann iva. saṃsiddhaiś śaknuvann upahanyamāna udgāyet. yathāyantam āmived yathā yad yācet tad dadyāt tādṛk tat. atha ya etair asaṃsiddhair aśaknuvann upahanyamāna udgāyed yathāyantaṃ pratimived yathā yad yācettan na dadyāt tādṛg u tat. tad u hātraiva yajñasya samṛddhaṃ ca vyṛddhaṃ ca vijñāyate. atihāryā ha vā eṣā yat pavamānā. yo vā atihāryām asaṃvīto ’tigāhate mṛdā vai sa lipyata āyati vā. atha yas saṃvīto ’tigāhate na mṛdā lipyate nāyati. evam iva vai pavamānā upacaryāḥ. tad āhur yad anyāni stotrāṇi stotriyapratipado ’tha kasmāt pavamānā astotriyapratipada iti. sa brūyāt prāṇā vai pavamānāḥ prāṇā u pāvamānyaḥ. tad yat pavamānān pāvamānībhir evānupratipadyeran parāñca eva prāṇān nirmṛjyur iti. tān yad anuṣṭubhānupratipadyante - vāg vā anuṣṭup. vācy apāno niyataḥ -- vācaiva tad apānaṃ dadhāra
Zur göttlichen Versammlung gelangt, wer mit den Pavamānas den Udgītha singt. Er singe so, wie man sich einem Höherstehenden nähert: lernend, gleichsam nachlernend, gleichsam sich verneigend. Mit vollendeten [Weisen], fähig, [doch] bedrängt, soll er singen: wie man einem Ankömmling, einem Gast, gibt, worum er auch bittet – so ist es damit bestellt. Wer aber mit unvollendeten [Weisen], unfähig, bedrängt, singt: wie man einem Ankömmling gleichsam abweisend begegnet, ihm nicht gibt, worum er bittet – so ist es damit bestellt. Eben daran erkennt man, hier schon, das Gelingen und das Misslingen des Opfers.
Diese, die Pavamāna, ist etwas, das mit größter Sorgfalt hinübergetragen werden muss. Wer unbedeckt/ungeschützt in etwas eintaucht, das mit Sorgfalt getragen werden muss, der besudelt sich mit Schlamm, oder es ergeht ihm übel. Wer aber geschützt eintaucht, besudelt sich nicht mit Schlamm, dem ergeht es nicht übel. Ebenso müssen die Pavamānas behandelt werden.
Dazu fragt man: Da doch die anderen Lobgesänge einen Stotriya-Vers und einen Antwort-Vers [Pratipad] haben, warum haben dann die Pavamānas keinen Stotriya-Antwort-Vers? Man antworte: Die Pavamānas sind ja die Atemzüge, und die Pāvamānī-Verse sind auch die Atemzüge. Würde man die Pavamānas eben mit Pāvamānī-Versen beantworten, so würde man damit geradezu die auswärts gerichteten Atemzüge auswischen/tilgen. Wenn man sie stattdessen mit der Anuṣṭubh beantwortet – die Anuṣṭubh ist ja die Sprache, an der Sprache hängt der Ausatem –, dann trägt eben die Sprache den Ausatem –
tad āhur aśāntam iva vā etat stotraṃ yat stotriyeṇa nānupratipadyante. kenaiṣāṃ stotriyapratipado ’nitaṃ bhavatīti. s brūyād vāg vā anuṣṭub vācy u vai sarvāṇi chandāṃsi. yad āgneyam aindraṃ pavamānaṃ tenaiṣāṃ stotriyapratipado ’nitaṃ bhavati. jayā ha vai nāmaite stomā yat pavamānāḥ. pavamānair vai devā asurān parāñca eva jayanta āyan. tad yat pavamānāḥ parāñca eva bhavanti yathā parāṅ eva jayann iyāt tādṛk tat. tān yad anuṣṭubhānupratipadyante -- vāg vā anuṣṭub vāg u vai vācayitrī -- vācā vā āha prehi jayābhikrāma māpakramīr iti. sa yathā vācā brūyād prehi jayābhikrāma māpakramīr iti tādṛk tat. devā vai pavamānāḥ. (tāni) devānāṃ stotrāṇi. tāni devā anvāyattāḥ. prajāḥ pṛṣṭhokthāni. tāni prajānāṃ stotrāṇi. tāni prajā anvāyattāḥ. tad yatpavamānaiḥ parācīnair eva stuvate tasmāt parāñco devāḥ. parāṅ āditya eti parāṅ candramāḥ parāñci nakṣatrāṇi parāṅ agnir dahann eti. atha yasmāt pṛṣṭhokthaiḥ parācīnaiś cārvācīnaiś ca stuvate tasmād u parācīś cārvācīś ca prajāḥ. parāñcaḥ prātaḥ prerate. te sāyaṃ samāvartante. parāg retas siktam. tad arvāk prajāyate
Dazu sagt man: Gleichsam unbefriedet/unberuhigt ist dieser Lobgesang, da er nicht mit einem Stotriya-Vers beantwortet wird. Wodurch wird ihr fehlender Stotriya-Antwort-Vers denn ausgeglichen? Man antworte: Die Anuṣṭubh ist ja die Sprache, und in der Sprache liegen ja alle Versmaße beschlossen. Durch das Āgneya-und-Aindra-Pavamāna wird ihr fehlender Stotriya-Antwort-Vers ausgeglichen.
›Die Siegreichen‹ nämlich heißen diese Stomas, die Pavamānas. Mit den Pavamānas haben die Götter, auswärts gewandt, die Asuras besiegt und sind so [siegreich] fortgezogen. Dass die Pavamānas auswärts gerichtet sind, ist so, als zöge einer siegend geradewegs auswärts. Wenn man sie mit der Anuṣṭubh beantwortet – die Anuṣṭubh ist ja die Sprache, die Sprache ist ja die Antreiberin –, so sagt man gleichsam mit der Sprache: »Zieh aus, schreite zum Sieg, weiche nicht zurück!« So, wie man mit der Sprache sagen würde: »Zieh aus, schreite zum Sieg, weiche nicht zurück!« – so ist es damit bestellt.
Die Pavamānas sind die Götter; sie sind der Götter Lobgesänge; von ihnen hängen die Götter ab. Die Pṛṣṭha-Ukthas sind die Geschöpfe; sie sind der Geschöpfe Lobgesänge; von ihnen hängen die Geschöpfe ab. Weil man mit den Pavamānas, die auswärts gerichtet sind, preist, deshalb sind die Götter auswärts gewandt: Auswärts geht die Sonne, auswärts der Mond, auswärts die Gestirne, auswärts, brennend, geht Agni. Weil man aber mit den Pṛṣṭha-Ukthas, die sowohl auswärts als auch einwärts gerichtet sind, preist, deshalb sind auch die Geschöpfe sowohl auswärts als auch einwärts gewandt: Auswärts gewandt brechen sie morgens auf; abends kehren sie gemeinsam zurück. Auswärts wird der Same ausgegossen; einwärts [gewandt] wird daraufhin geboren.
[Anm.: Die Bilder von Sonnenlauf, Auszug und Heimkehr, Zeugung und Geburt illustrieren hier die Polarität ›auswärts/einwärts‹, die schon in 1.274 f. für Götter und Menschen eingeführt wurde.]
pṛthur ha vainyo divyān vrātyān papraccha yajñasya dhāma paramaṃ guhāyāṃ nirmitaṃ mahato ’ntarikṣāt. kasmād yanti pavamānāḥ parāñcaḥ kasmād ukthyāḥ punar abhyākanikrati. iti. devā anyāṃ vartanim adhvarasya mānuṣāsa upajīvanty anyām. tasmād yanti pavamānāḥ parāñcam tasmād ukthyāḥ punar abhyākanikrati. iti ha pratyūcuḥ. yo vai devān manuṣyeṣva ābhaktān veda manuṣyān u deveṣv ābhakta eva deveṣu bhavaty ābhakto manuṣyeṣu. gacchati taṃ lokaṃ yatra devā nāsmād devatā apakrāmanti. devā vai pavamānāḥ prajāḥ pṛṣṭhokthāni. sāma vai devāḥ prajāś chandāṃsi. tad yat pavamānasāmāni parāñcy eva bhavanty atheyam anuniveṣṭate. tena devā manuṣyeṣv ābhaktāḥ. atha yad abhyāvartiṣv ṛcaṃ niveṣṭamānāṃ sāmānuniveṣṭe teno manuṣyā deveṣv ābhaktāḥ. sa ya etad evaṃ vedābhakta eva deveṣu bhavaty ābhakto manuṣyeṣu. gacchati taṃ lokaṃ yatra devā nāsmād devatā apakrāmanti
Pṛthu Vainya fragte die himmlischen Vrātyas nach der höchsten Stätte des Opfers, die im Verborgenen errichtet ist, aus dem großen Luftraum: »Warum ziehen die Pavamānas auswärts? Warum brausen die Ukthya-Verse wieder zurück?« Sie antworteten: »Die Götter leben auf dem einen Pfad des Opferwerks, die Menschen auf einem anderen. Deshalb ziehen die Pavamānas auswärts; deshalb brausen die Ukthya-Verse wieder zurück.«
Wer die Götter als unter den Menschen verteilt kennt und die Menschen als unter den Göttern verteilt, der wird selbst unter den Göttern wie unter den Menschen verteilt/aufgenommen. Er gelangt in jene Welt, wo die Götter sind; die Gottheiten weichen nicht von ihm.
Die Pavamānas sind die Götter, die Pṛṣṭha-Ukthas die Geschöpfe. Die Melodie [Sāman] ist die Götter, die bloßen Versworte sind die Geschöpfe. Weil die Pavamāna-Melodien auswärts gerichtet sind, schmiegt sich diese [Erde/Menschenwelt] ihnen nach; dadurch sind die Götter unter den Menschen verteilt. Und weil sich bei den Abhyāvartin-Versen die Melodie dem sich einschmiegenden Versinhalt anschmiegt, dadurch sind die Menschen unter den Göttern verteilt. Wer dies so weiß, wird selbst unter den Göttern verteilt, unter den Menschen verteilt. Er gelangt in jene Welt, wo die Götter sind; die Gottheiten weichen nicht von ihm.
[Anm.: Pṛthu Vainya ist der bekannte mythische König Pṛthu, Sohn des Vena. Die Vrātyas gelten hier als ›himmlische‹, wissende Wanderer. Das Bild vom ›Sicheinschmiegen‹ der Melodie in den Vers (aniviṣṭa/aniveṣṭate) ist bildhaft und nicht ganz eindeutig; die Übersetzung folgt der naheliegenden Deutung eines engen Ineinandergreifens von Ton und Wort.]
yo vai devarūpaṃ ca manuṣyarūpaṃ ca vyāvartayati vi pāpmanā vartate. devā vai pavamānāḥ prajāḥ pṛṣṭhokthāni. tad yat pavamānān pāvamānīṣv eva stuvate tasmād devā ekarūpās sarve śuklaḥ. atha yasmāt pṛṣṭhokthair nānārūpā asurāḥ. nānādevatyāsu stuvate. tasmād u prajā nānārūpāś śveto rohitaḥ kṛṣṇaḥ. etad vai devarūpaṃ ca manuṣyarūpaṃ ca vyāvartayati vi pāpmanā vartate ya evaṃ veda. yo vai devānām uddhāraṃ vedod uddhāraṃ harata uddhāryo bhavati. bahiṣpavamānaṃ vāva devānām uddhāraḥ. tena sakṛd dhiṃkṛtena parācā stuvate. tasmāt parāṅ uddhāraḥ. sa eṣa eva devānāṃ śreṣṭhaḥ. tasyoddhāraḥ prajāḥ. prajāpater evod uddhāraṃ harata uddhāryo bhavati ya evaṃ veda. tam etaṃ yajñasya rasaṃ pravṛhya parān yasmāt prajāpataye prayacchati tasmād bahiṣpavamānena stoṣyantaḥ prahvārā iva prakupitā iva sarpanti. evam iva vai śreyasa upacāraḥ. tasmād u tasya stotreṇa vyāharet. ko hi śreyasaḥ pariveṣaṇam upavaditum arhati. yo vai śreyasaḥ pariveṣaṇam upavadati yayā vai sa tam ārtyā kāmayate tayainaṃ ninayati. atha yat tato ’dhvaryus saṃpraiṣān vadati prajāpataya eva tad yajñasya rasaṃ pradāya tam āpyāyayati. tenāsyāpīnena rasavatā stutaṃ bhavati
Wer Götter-Gestalt und Menschen-Gestalt [in ihrer Eigenart] auseinanderhält, hält sich vom Bösen fern. Die Pavamānas sind die Götter, die Pṛṣṭha-Ukthas die Geschöpfe. Weil man die Pavamānas eben in den Pāvamānī-Versen [allein, einheitlich] besingt, deshalb sind die Götter von einer einzigen Gestalt: weiß. Weil man aber mit den Pṛṣṭha-Ukthas mit verschiedenen Gottheiten [zugleich, vielgestaltig] besingt, deshalb sind auch die Geschöpfe vielgestaltig: weiß, rot, schwarz. Dies eben hält Götter-Gestalt und Menschen-Gestalt auseinander; er hält sich vom Bösen fern, wer dies weiß.
Wer der Götter besondere Auslese [Uddhāra] kennt, der trägt eben diese Auslese davon, wird selbst auslesenswert. Das Bahiṣpavamāna ist ja der Götter Auslese. Mit ihm, einmal mit Hiṃkāra angestimmt, preist man auswärts gewandt; deshalb ist die Auslese auswärts gerichtet. Dies eben ist der Götter Bestes; seine [weitere] Auslese sind die Geschöpfe. Wer eben Prajāpatis Auslese davonträgt, wird selbst auslesenswert, wer dies weiß.
Weil er diesen Saft des Opfers herausgezogen hat und ihn weiter, hinüber, an Prajāpati übergibt, deshalb kriechen die, die mit dem Bahiṣpavamāna preisen wollen, wie Gebeugte, wie Erzürnte. So eben ist der [rechte] Umgang mit einem Höherstehenden. Deshalb spreche man mit dessen eigenem Lobgesang über ihn. Denn wer ist berechtigt, die Verteilung eines Höherstehenden zu tadeln? Wer die Verteilung eines Höherstehenden tadelt, den führt eben jene Not, die er ihm wünscht, selbst ins Verderben. Wenn danach der Adhvaryu die Ritualansagen spricht, lässt er, eben dadurch, dass er Prajāpati selbst den Saft des Opfers gegeben hat, ihn anschwellen. Dadurch wird [das Opfer], geschwellt, saftvoll, [in rechter Weise] gepriesen.
[Anm.: Die Zuordnung ›weiß/rot/schwarz‹ zu den vielgestaltigen Geschöpfen wechselt im Sanskrit unvermittelt von den ›Geschöpfen‹ zu den ›Asuras‹ als vielgestaltigen Wesen und zurück; die Übersetzung folgt dem Text, ohne diesen Wechsel zu glätten. Das Bild der wie Erzürnte kriechenden Priester ist wörtlich zu nehmen: eine gebeugte, gedrängte Körperhaltung beim Bahiṣpavamāna-Gesang.]
yo vai devayaśasaṃ ca manuṣyayaśasaṃ ca veda yaśa eva deveṣu gacchati yaśo manuṣyeṣu. pavamānā vai devayaśasam. te ha te prāṇā eva. ta enaṃ deveṣu nivedayante. abhyāvartā manuṣyayaśasam. te ha te ’pānā eva. ta enaṃ manuṣyeṣu nivedayante. etad vai devayaśasaṃ ca manuṣyayaśasaṃ ca. sa ya evam etaddevayaśasaṃ ca manuṣyayaśasaṃ ca veda yaśa eva deveṣu gacchati yaśo manuṣyeṣu. yo vai mitaṃ cāmitaṃ ca veda mitaṃ ca hāsyāmitaṃ ca bahu bhavati. devā vai pavamānāḥ prajāḥ pṛṣṭhokthāni. sāma vai devāḥ prajāś śastrāṇi. tad vā etat. eta evāpi sarve devā yatstotrāṇi. tad yan mitāni stotrāṇi bhavanti tasmān mitā devāḥ. aṣṭau vasava ekādaśa rudrā dvādaśādityāḥ. atha yasmād amitāni śastrāṇi tasmād v amitāḥ prajāḥ. na tān vidma yāvanto brāhmaṇā yāvanto rājanyā yāvanto vaiśyā yāvantaś śūdrā iti. etad vai mitaṃ cāmitaṃ ca. mitaṃ hāsyāmitaṃ ca bahu bhavati ya evaṃ veda. ye arvāñcas taṃ u parāca āhur ye parāñcastaṃ u arvāca āhuḥ. indraś ca yā cakrathus somaś ca tāni dhurā niyuktā rajaso vahanti. iti. pavamānā vai parāñcaḥ. teṣāṃ camasā arvāñcaḥ. te ha te prāṇā eva. tasmāt prāṇyāpānituṃ śaknoti. abhyāvartā arvāñcaḥ. teṣāṃ parāñcaś camasāḥ. te ha te ’pānā eva. tasmād v apānya prāṇituṃ śaknoti
Wer den Götter-Ruhm und den Menschen-Ruhm kennt, dem kommt Ruhm bei den Göttern zu, Ruhm bei den Menschen. Die Pavamānas sind der Götter-Ruhm; sie sind eben die Einatemzüge; sie machen ihn bei den Göttern bekannt. Die Abhyāvartin-Verse sind der Menschen-Ruhm; sie sind eben die Ausatemzüge; sie machen ihn bei den Menschen bekannt. Dies eben ist der Götter-Ruhm und der Menschen-Ruhm. Wem beides so zukommt, dem kommt Ruhm bei den Göttern zu, Ruhm bei den Menschen, wer dies weiß.
Wer das Bemessene und das Unbemessene kennt, dessen Bemessenes und Unbemessenes wird reichlich. Die Pavamānas sind die Götter, die Pṛṣṭha-Ukthas die Geschöpfe; die Melodie ist die Götter, die Śastra-Rezitationen die Geschöpfe. So ist es. Alle diese Götter sind eben, was Lobgesänge betrifft, [dies]: Weil die Lobgesänge bemessen/gezählt sind, sind die Götter bemessen: acht Vasus, elf Rudras, zwölf Ādityas. Weil aber die Śastra-Rezitationen unbemessen sind, sind auch die Geschöpfe unbemessen: Wir wissen nicht, wie viele Brahmanen, wie viele Adlige, wie viele Vaiśyas, wie viele Śūdras es gibt. Dies eben ist das Bemessene und das Unbemessene. Beides wird reichlich, wer dies weiß.
Die Einwärtsgewandten nennen jenen »auswärtsgewandt«; die Auswärtsgewandten nennen jenen »einwärtsgewandt«. »Was ihr beide, Indra und Soma, gewirkt habt – das, an die Deichsel gespannt, trägt den Luftraum« – [so heißt es in einem Spruch]. Die Pavamānas sind auswärtsgewandt; ihre Becher sind einwärtsgewandt – diese sind eben die Einatemzüge; deshalb kann man einatmen und [dann] ausatmen. Die Abhyāvartin-Verse sind einwärtsgewandt; ihre Becher sind auswärtsgewandt – diese sind eben die Ausatemzüge; deshalb kann man ausatmen und [dann] einatmen.
[Anm.: Der Satz »ye arvāñcas taṃ u parāca āhur ...« bleibt rätselhaft; vermutlich ist eine Umkehrung der Blickrichtung zwischen verschiedenen Ritualschulen gemeint. Der folgende Spruch über Indra und Soma, die an die Deichsel gespannt den Luftraum tragen, hat die Form eines echten vedischen Zweier-Anrede-Verses (Dual ›ihr beide‹) und dürfte ein Zitat sein, auch wenn sich die genaue Quelle nicht sicher bestimmen lässt.]
yo vai savanānāṃ jyaiṣṭhyaṃ veda gacchati jyaiṣṭhyaṃ na jyaiṣṭhyād avarohati. gāyatrī vai prātassavanasya jyaiṣṭhyam. tad yat tatrānyadanyac chandaḥ kriyate ’tha tad gāyatram ity ākhyāyate. triṣṭup mādhyaṃdinasya savanasya jyaiṣṭhyam. tad yat tatrānyadanyac chandaḥ kriyate ’tha tat traiṣṭubham ityākhyāyate. jagatī tṛtīyasavanasya jyaiṣṭhyam. tad yat tatrānyadanyac chandaḥ kriyate ’tha taj jāgatam ity ākhyāyate. etad vai savanānāṃ jyaiṣṭhyam. sa ya evam etat savanānāṃ jyaiṣṭhyaṃ veda gacchati jyaiṣṭhyaṃ na jyaiṣṭhyād avarohati. yo vai devānāṃ gṛhān veda gṛhī bhavati vindate gṛhān. chandāṃsi vāva devānāṃ gṛhāḥ. aṣṭākṣarā gāyatry aṣṭau vasavaḥ. gāyatryaiva vasavo gṛhiṇaḥ. ekādaśākṣarā triṣṭub ekādaśa rudrāḥ. triṣṭubhaiva rudrā gṛhiṇaḥ. dvādaśākṣarā jagatī dvādaśādityāḥ. jagatyaivādityā gṛhiṇaḥ. anuṣṭubhaiva viśve devāḥ. savanair indrāgnī. sa ya evam etān devānāṃ gṛhān veda gṛhī bhavati vindate gṛhān. yo vai devānāṃ tṛptīr veda tṛpyaty ātmanā tṛpyaty asya prajā
Wer den Vorrang der Pressungen kennt, gelangt zum Vorrang; er sinkt vom Vorrang nicht herab. Die Gāyatrī ist der Vorrang der Morgenpressung: Welch anderes Versmaß dort auch verwendet wird, es wird dennoch als ›gāyatrisch‹ bezeichnet. Die Triṣṭubh ist der Vorrang der Mittagspressung: Welch anderes Versmaß dort auch verwendet wird, es wird dennoch als ›triṣṭubhisch‹ bezeichnet. Die Jagatī ist der Vorrang der dritten Pressung: Welch anderes Versmaß dort auch verwendet wird, es wird dennoch als ›jagatisch‹ bezeichnet. Dies eben ist der Vorrang der Pressungen. Wer diesen Vorrang der Pressungen so kennt, gelangt zum Vorrang; er sinkt vom Vorrang nicht herab.
Wer die Häuser der Götter kennt, wird ein Hausbesitzer, erlangt Häuser. Die Versmaße sind ja der Götter Häuser. Die Gāyatrī hat acht Silben, es gibt acht Vasus – durch die Gāyatrī eben sind die Vasus Hausbesitzer. Die Triṣṭubh hat elf Silben, es gibt elf Rudras – durch die Triṣṭubh eben sind die Rudras Hausbesitzer. Die Jagatī hat zwölf Silben, es gibt zwölf Ādityas – durch die Jagatī eben sind die Ādityas Hausbesitzer. Durch die Anuṣṭubh eben [sind Hausbesitzer] die All-Götter, durch die Pressungen [insgesamt] Indra-und-Agni. Wer diese Häuser der Götter so kennt, wird ein Hausbesitzer, erlangt Häuser.
Wer der Götter Sättigungen kennt, wird selbst gesättigt; seine Nachkommenschaft wird gesättigt –