Kapitel 11
Die Vollendung der Virāj und das siebenfach genabelte Opfer
Ein Streitgespräch zwischen Sucitta Śailana und König Janaka führt in die Lehre von den drei Virājs – der göttlichen, der opferlichen und der menschlichen –, während die Geistererscheinung des Asita Daivala vor den Gefahren einer übervollzogenen Virāj warnt. Mehrere Lehrer, darunter Āruṇi und Śāṭyāyani, erörtern den 'Trivṛt-Vajra', der Tag für Tag durch die Welten zieht, bevor der Abschnitt mit der offen sexuellen Deutung des Trivṛt-Stoma als Erzeuger des 'siebenfach genabelten Opfers' schließt.
tad āhur yat pavamānavanto ’nye yajñakratavo ’tha kenaiṣāṃ rātriḥ pavamānavatī bhavatīti. rathantareṇa saṃdhineti brūyāt. etena ha vai rātriḥ pavamānavatī bhavati. tena sakṛd dhiṃkṛtena parācā stuvate. sakṛd dhy eva parastāt trivṛte hiṃkurvanti yat prāyaṇaṃ tad udayanam asad iti. retassiktir ha tvai pūrvas trivṛt prajāpatir uttaraḥ. ātmā vai prajā paśava etāni tṛcāni. prajāpatir vai rathantaram. yathā reta eva siktaṃ syān na prajāyeta tādṛk tad yat sakṛd dhiṃkṛtais stuvīran. tad yat tṛcāyatṛcāya hiṃkurvanti prajātyā eva. bahur bhavati prajāyate ya evaṃ veda. atho haiṣām eka eva paryāya āyatanavān syāt. āyatanau dvau syātāṃ yat sakṛd dhiṃkṛtais stuvīran. tad yat tṛcāyatṛcāya hiṃkurvanti tenaivaiṣāṃ sarvarātrir āyatanavatī pavamānavatī bhavati. yathā vā ahas tathā rātrir yathā rātris tathāhaḥ. pūrvāhṇo madhyaṃdino ’parāhṇaḥ pūrvarātro madhyarātro ’pararātraḥ. tad yat tṛcāyatṛcāya hiṃkurvanty ahorātrayor eva vidhṛtyai
Dazu sagt man: Da andere Opferriten ein Pavamāna besitzen, wodurch besitzt dann ihre Nacht ein Pavamāna? Man sollte antworten: durch die Rathantara-Verknüpfung. Durch sie eben besitzt die Nacht ein Pavamāna, rückwärts gesungen, mit einem einzigen Hiṃkāra. Denn nur einmal, vorab, lässt man beim Trivṛt den Hiṃkāra ertönen, [im Gedanken]: »Was der Ausgangspunkt ist, das sei auch der Zielpunkt.«
Der vorangehende Trivṛt ist ein Ausgießen des Samens, der folgende ist Prajāpati [selbst]. Selbst, Nachkommenschaft, Vieh – das sind diese Dreiverse. Das Rathantara ist Prajāpati. Es wäre, wie wenn Samen ausgegossen würde, ohne dass Nachkommenschaft entstünde, sängen sie mit nur einmal ertönendem Hiṃkāra. Dass sie bei jedem einzelnen Dreivers den Hiṃkāra ertönen lassen, dient eben der Zeugung. Wer dies weiß, wird zahlreich und zeugt Nachkommenschaft.
Auch hätte, sängen sie mit nur einmal ertönendem Hiṃkāra, nur eine einzige Runde eine Grundlage – es gäbe nur zwei Grundlagen. Dass sie bei jedem einzelnen Dreivers den Hiṃkāra ertönen lassen, dadurch eben besitzt ihre ganze Nacht eine Grundlage, besitzt ein Pavamāna.
Wie der Tag, so die Nacht; wie die Nacht, so der Tag: Vormittag, Mittag, Nachmittag; erste Nachthälfte, Mitternacht, letzte Nachthälfte. Dass sie bei jedem einzelnen Dreivers den Hiṃkāra ertönen lassen, dient eben der [je eigenen] Erhaltung von Tag und Nacht.
tad āhur yad ekaviṃśam anu sarve yajñakratavas saṃtiṣṭhante ’ty u vā ekaviṃśāny ukthāni rātrir ety atha kenaiṣām ekaviṃśam anu rātris saṃtiṣṭhata iti. sa brūyād yad evaita ekaviṃśatiś ca trivṛto bhavanti nava caikaviṃśā iti. atha ha smāha bhāllaveyaḥ ka u svid anyobhayato jyotiṣā yajñakratunā yakṣyata iti. eṣa ha vā ubhayatojyotir yajñakratur yad atirātras trivṛt purastād bahiṣpavamānaṃ bhavati. trivṛd upariṣṭād rāthantaras saṃdhiḥ. agnir vai pūrvas trivṛd āditya uttaraḥ. agninā vā ayaṃ loko jyotiṣmān ādityenāsau. ubhayato jyotiṣāsya yajñakratuneṣṭaṃ bhavati jyotiṣmān asmiṃśa ca loke ’muṣmiṃś ca bhavati ya evaṃ veda. tau vā etau brahma caiva kṣatraṃ ca. brahma vai trivṛt kṣatraṃ pañcadaśaḥ. tad etad brahma ca kṣatraṃ ca saṃdhāya rātriṃ vahataḥ. tad etad brahma ca kṣatraṃ ca saṃdhāyāntataḥ pāpmānam apahatas tad yad etau stomāv antataḥ kriyete. pāpmānaṃ hate ya evaṃveda. tau yad gāyatrīṃ saṃpadyete - tejo vai brahmavarcasaṃ gāyatrī -- tejasy eva tad brahmavarcase pratitiṣṭhati. atho yajamānam eva tad āyuṣi pratiṣṭhāpayati sarvāyuṣṭvāya. prāṇo(prāṇau?) hi gāyatrī. sarvam āyur eti ya evaṃ veda
Dazu sagt man: Da alle Opferriten mit der Einundzwanzig zum Abschluss kommen und die Nacht durch einundzwanzigfache Ukthas verläuft – wodurch kommt dann ihre Nacht mit der Einundzwanzig zum Abschluss? Man sollte antworten: weil dies einundzwanzig und dreifach wird, neun und einundzwanzig.
Dazu pflegte Bhāllaveya zu sagen: »Wer sonst würde je mit einem doppelt-lichten Opferritus opfern?« Dies nämlich ist der doppelt-lichte Opferritus: dass beim Atirātra der Trivṛt zuerst, als Bahiṣpavamāna, steht, und der Trivṛt danach, obenauf, als Rathantara-Verknüpfung. Der frühere Trivṛt ist Agni, der spätere Āditya; durch Agni ist diese Welt hier licht, durch Āditya jene dort. Durch diesen doppelt-lichten Opferritus wird ihm [das Opfer] wohlvollzogen; licht wird er in dieser Welt wie in jener, wer dies weiß.
Die beiden [Trivṛt-Setzungen] sind die heilige und die königliche Macht: Der Trivṛt ist die heilige Macht, der Fünfzehnfache die königliche Macht. Indem sie heilige und königliche Macht zusammenfügen, tragen die beiden [Stomas] die Nacht. Indem sie heilige und königliche Macht zusammenfügen, schlagen sie am Ende das Übel fort – eben dadurch, dass diese beiden Stomas am Ende ausgeführt werden. Er schlägt das Übel fort, wer dies weiß.
Dass die beiden in der Gāyatrī gipfeln – die Gāyatrī ist ja Glutkraft, priesterliche Glutkraft –, dadurch steht man fest eben in dieser Glutkraft, dieser priesterlichen Glutkraft. Zudem gründet dies den Opferherrn im vollen Lebensalter, zur Erlangung eines vollständigen Lebens. Die Gāyatrī ist ja der Atem. Er erlangt ein vollständiges Leben, wer dies weiß.
[Anm.: Die Formulierung ›doppelt-lichter Opferritus‹ (ubhayatojyotis) fasst prägnant zusammen, wie der Atirātra durch die doppelte Trivṛt-Setzung sowohl das irdische Licht Agnis als auch das himmlische Licht der Sonne (Āditya) in sich vereint.]
virāṭsaṃpadaiva yajñena yajetetya āhuḥ. annaṃ vai virāṭ. annaṃ ha vai devānāṃ somo rājā. annam eva tat kṛtvā devebhyas somaṃ rājānaṃ prayacchati. na ha vā eṣo ’nabhiṣuto devānām annam. tam etad abhiṣutyānnaṃ kṛtvā devebhyaḥ prayacchati. yad dha vā iha devebhyaḥ karoti tad asmai devāḥ kurvanti. ta enaṃ samṛddhāḥ prajayā paśubhir annādyena samṛddhayanti. virāṇ nātiyaṣṭavyety āhuḥ. yo ha vai virājam atiyajate punar ha so ’muṣmin loke yajamāna āste. sa rūkṣaḥ puruṣo virājaṃ saṃpipādayiṣnn īpsann anāpnuvann āste. kva hi tad āpsyati yad ito nāptvā praiti. puruṣān iva hāsīnān asito daivala uvāca ka eta āsata iti. ye virājam atyayajāmahīti hocuḥ. tān hābhyuvāda sa rathād avapadyate--
Dazu sagt man: Man solle das Opfer eben mit der [rechten] Vollendung der Virāj vollziehen. Die Virāj ist ja Speise; Speise ist ja König Soma für die Götter. Eben dadurch, dass man ihn zu Speise macht, gibt man den Göttern König Soma. Solange er ungepresst ist, ist er nämlich noch nicht Speise für die Götter; erst nachdem man ihn gepresst und zu Speise gemacht hat, gibt man ihn den Göttern. Was man hier für die Götter tut, das tun die Götter für einen; sie, selbst gedeihend, lassen ihn mit Nachkommenschaft, Vieh und Speisemacht gedeihen.
Man solle die Virāj aber nicht übervollziehen, sagt man. Denn wer die Virāj übervollzieht, der bleibt, als Opfernder, immer wieder in jener Welt zurück. Ein solcher Mensch, ausgezehrt, sitzt da, die Virāj zur Vollendung bringen wollend, sie begehrend, sie nicht erreichend. Denn wo sollte er das noch erreichen, was er von hier, ohne es erreicht zu haben, mit sich fortträgt?
Asita Daivala, der [dort Gestalten] wie Menschen sitzen sah, sprach: »Wer sitzt hier?« Sie sagten: »Wir sind die, die die Virāj übervollzogen haben.« Er sprach weiter zu ihnen; [er erzählte ihnen dies:] »Er steigt vom Wagen –«
-- puraś cakraṃ pathyo bile. taṃ cakram abhivartate yo ’saṃpannena yajate. pāko yajñena devayur yad dadāti tad evāsya na lokam abhigacchati. iti. pākās santo ’vijānanto ’devāyata iti haināṃs tad uvāca ye virājam atyayajadhvam iti. tad āhuḥ kuto yajñam atathāḥ kvainaṃ pratyatiṣṭhipa iti. yata evainam atasīti brūyāt tad evainaṃ pratyatiṣṭhipam iti. puruṣād dha vai yajñas tāyate puruṣe pratitiṣṭhati. atha ha hṛtsvāśayā āllakeyo mahāvṛṣo rājā putraṃ dīkṣayāṃcakāra. tasya ha somaśuṣmas sātyayajñir udgīthāyoḍha āsa. tam u ha mahāvṛṣāṇāṃ dūtā āsasrur āgaccha samitir vā iyam iti. tad dha pradhāvayann uvācodgātar etaṃ te putraṃ paridadānīti. sa heṣṭvā punar ājagāma. sa hovācodgātaḥ kva yajñaṃ pratyatiṣṭhipaḥ kva yajamānaṃ kvāsya paśūn iti. tad dha na pratyuvāca. sa hovāca punar me putraṃ dīkṣayata na vai vidma yatra me putram akṛd iti. ta m aha punar dīkṣayāṃcakruḥ. tasya ha svayam evojjagau. sa yat pratyavakṣyad yajamāna eva yajñaṃ pratyatiṣṭhipaṃ yajamānaṃ vāmadevye rathantare ’sya paśūn iti
»– das Rad voran, im Loch des Weges.« Jenes Rad überkommt den, der mit Unvollendetem opfert. Was ein Einfältiger, den Göttern zugetan, durch das Opfer gibt – das erreicht dann eben nicht seine [bestimmte] Welt.« [So sprach er.] »Einfältig, ohne Verständnis, seid ihr nicht zu den Göttern gelangt«, sprach er weiter zu ihnen, die gesagt hatten: »Wir haben die Virāj übervollzogen.«
Sie sprachen: »Woher hast du das Opfer [wieder] zurechtgebracht? Wo hast du es wiederhergestellt?« Man sollte antworten: »Eben von dort, wo du es hast abirren lassen, dort habe ich es wiederhergestellt.« Vom Menschen nämlich wird das Opfer ausgespannt, im Menschen wird es wiederhergestellt.
Einst nun ließ Hṛtsvāśaya Āllakeya, der König der Mahāvṛṣas, seinen Sohn weihen. Dessen Udgātṛ-Priester, für den Udgītha bestellt, war Somaśuṣma Sātyayajñi. Da kamen Boten der Mahāvṛṣas zu ihm gelaufen: »Komm, es ist eine Versammlung!« Eilends fortlaufend sprach er: »Udgātṛ, ich übergebe dir hiermit diesen deinen [Schützling]!« Er, nachdem er [dort] das Nötige getan hatte, kam wieder zurück. Da sprach er: »Udgātṛ, wo hast du das Opfer wiederhergestellt? Wo den Opferherrn? Wo sein Vieh?« Doch der gab ihm darauf keine Antwort.
Da sprach er [der König]: »Weiht meinen Sohn noch einmal – wir wissen ja nicht, wohin er meinen Sohn gebracht hat!« Sie weihten ihn darauf noch einmal. Diesmal sang er selbst den Udgītha. Und als er nun antwortete, sprach er: »Der Opferherr selbst hat das Opfer wiederhergestellt: den Opferherrn im Vāmadevya, sein Vieh im Rathantara.«
[Anm.: Diese Episode – Asita Daivala begegnet den ruhelosen Geistern derer, die das Ritual übertrieben haben, und belehrt sie über dessen Wiederherstellung – illustriert die vorangehende abstrakte Lehre (›vom Menschen wird das Opfer ausgespannt, im Menschen wiederhergestellt‹) mit einer konkreten, an einen realen Herrscher (König der Mahāvṛṣas) und einen namentlich genannten Priester (Somaśuṣma Sātyayajñi) geknüpften Beispielgeschichte – ein für diesen Textabschnitt seltener, fallgeschichtenartiger Erzählstil.]
etad dha vai paramaṃ vācaḥ krāntaṃ yad daśeti. etāvad dha paramaṃ vāk cakrame. tad yat paramaṃ vācaḥ krāntaṃ tat sarvam āpnavānīti. atha yad ata ūrdhvaṃ viṃśatiś śataṃ sahasram ity aṅgāny evāsyai tāni parvāṇi. vāca eva sā prabhūtiḥ. tad u hātraiva sarvāṃ virājam āpnoti. puruṣasaṃpad dha khalu vā eṣā daśākṣarā virāṭ. daśa puruṣe prāṇāḥ. sā vā eṣaitāsām eva navatiśatasya stotriyāṇāṃ praśaṃsā. navatiśataṃ hy evaiṣo ’gniṣṭomaḥ. saṃskṛtastotriyā bhavanti. kṛtaṃ tad yad aśītiśataṃ kṛtam idaṃ daśakṛtaṃ sat. tad u ha kurava āhur dvāpara eṣa yan navatiśataṃ stotriyās trayāṇām ayānām adhamaḥḥ. kṛtaṃ vai tretādvāparam. dve stotriye upaprastutye. sa kṛtas stomas saṃpadyate. kṛtena taj jayati yaj jigīṣati. kṛtenodbhinatti. atho pakṣāv etau yat pavamānau. tāv eva tat samau karoti. atho viśvajyotir eva yajñakratur bhavati. atho dvyatiṣṭutaḥ. tāv eva virājas stanau. sa dvipād yajamānaḥ pratiṣṭhityai
Dies ist der höchste Schritt der Rede: die Zehn. So weit, bis zum Höchsten, schritt die Rede. »Was der höchste Schritt der Rede ist, das möge ich ganz erreichen!« Was darüber hinausgeht – zwanzig, hundert, tausend –, das sind nur Glieder, Gelenke von ihr; das ist eben dieselbe Fülle der Rede, [nur weitergeführt]. Eben hierdurch erreicht man die ganze Virāj.
Diese zehnsilbige Virāj entspricht ja dem Menschen: Zehn sind die Atemkräfte im Menschen. Dies ist die Verherrlichung eben dieser hundertneunzig Stotriyas – denn dieser Agniṣṭoma umfasst ja hundertneunzig [Stotriyas]. Die Stotriyas werden [dadurch rituell] vollendet. Ein ›Kṛta‹-Wurf ist das, was hundertachtzig ist, dies ›Zehnfach-Gemachte‹.
Dazu sagen die Kurus: Dieses Hundertneunzig der Stotriyas ist ein ›Dvāpara‹-Wurf, der niedrigste der drei [höheren] Würfe. Kṛta und Tretā [zusammen ergeben gleichsam] den Dvāpara. Zwei Stotriyas sind die ›zusätzlich Rezitierten‹. So wird der Stoma zu einem ›Kṛta‹. Mit dem Kṛta gewinnt er, was immer er zu gewinnen sucht; mit dem Kṛta durchbricht er [Hindernisse].
Zudem sind diese beiden Pavamāna-Teile wie zwei Flügel; dadurch macht man die beiden gleich. Zudem wird der Opferritus alllichtvoll; zudem wird er zweifach überhöht gepriesen. Diese beiden [Elemente] sind die zwei Zitzen der Virāj; so [gewinnt] der zweifüßige Opferherr [Halt] zu seiner Festigung.
[Anm.: Die Zahl ›hundertneunzig‹ (navatiśata) für die Gesamtzahl der Stotriya-Verse des Agniṣṭoma ist eine reale, in der Śrauta-Ritualliteratur bezeugte Rechengröße. Bemerkenswert ist die Übertragung der Würfelspiel-Terminologie – Kṛta, Tretā, Dvāpara, Kali, die vier abgestuften Würfe des altindischen Würfelspiels und zugleich später die Namen der vier Weltzeitalter – auf diese rituelle Zahlensymbolik: Der Stoma wird durch geeignete Ergänzung vom niedrigeren ›Dvāpara‹-Wert zum höchsten, dem ›Kṛta‹, aufgewertet.]
tad u ha smāha kahoḷaḥ kauṣītakeyo dīrghastanī bata teṣāṃ virāṭ yeṣāṃ stotriye virājas stanāv iti. api nūnam etāṃ virājaṃ prativeśato duhra iti ha smāha. akṣayyām evaitāṃ saṃpadaṃ devā upāsata. tām ṛṣaya upāsata. tām u eva vayaṃ paro ’vara upāsmahe. etāsām eva navatiśatasya stotriyāṇāṃ pañca ca sahasrāṇy ā catvāriṃśatāni dvāsaptatir akṣarāṇi. tad ye eva te dvāsaptatitame akṣare tāv eva virājas stanau. sa dvipād yajamānaḥ pratiṣṭhityā iti. tad āhur yad dvāparas stomo ’tha kena kṛtas stoma iti. akṣarair iti brūyāt. atho stotrair iti. atho stutaśastrair iti. atho yad daśakṛtam iti brūyāt teno eva kṛtas stoma iti. ayaṃ ha vāva daśakṛtam upāpnoti
Dazu pflegte Kahoḷa Kauṣītakeya zu sagen: »Langbrüstig fürwahr ist die Virāj für die, denen die beiden Stotriyas die Brüste der Virāj sind!« Und weiter pflegte er zu sagen: »Gewiss melken sie diese Virāj von jeder Seite her!« Diese unerschöpfliche Vollendung verehrten die Götter; sie verehrten die Seher; und eben sie verehren nun auch wir, die späteren gegenüber den früheren.
Von eben diesen hundertneunzig Stotriyas gibt es fünftausend, vierzig und zweiundsiebzig Silben. Diese beiden, die an der zweiundsiebzigsten Silbe stehen, das eben sind die zwei Brüste der Virāj – zur Festigung des zweifüßigen Opferherrn.
Dazu sagt man: Da der Stoma [von sich aus nur] ein Dvāpara ist, wodurch wird der Stoma dann zu einem Kṛta gemacht? Man sollte antworten: durch die Silben. Und auch durch die Stotras. Und auch durch die besungenen und rezitierten Verse. Und sagte man auch: »Weil er zehnfach gemacht ist« – auch dadurch eben wird der Stoma zu einem Kṛta. Eben dieses ›Zehnfach-Gemachte‹ erlangt der, [der dies weiß].
āpo vā idam agre mahat salilam āsīt. tad apām evaiśvaryam āsīt. yad apām evaiśvaryam āsīd apāṃ rājyam apām annādyaṃ tad agnir abhyadhyāyan mamedam aiśvaryaṃ mama rājyaṃ mamānnādyaṃ syād iti. sa etām agniṣṭomasaṃpadam apaśyat. tayemā apo vyudauhad ūrdhvāś cāvācīś ca. sa etam eva dinardinaṃ stomaṃ gāyan kevalīdam annādyam akuruta. sa navabhir ekaviṃśair amūr ūrdhvā udatabhnot. tāḥ pareṇa divaṃ paryauhat. tā etāḥ paryūḍhā ṛtuśo varṣantīs tiṣṭhanti. ekaviṃśatyā trivṛdbhir imā avācīr abhyatiṣṭhat. tāḥ pareṇa pṛthivīṃ paryauhat. tā etāḥ paryūḍhā anūtkhāyaika upajīvanti --
Am Anfang war dies hier großes Gewässer, ein Ozean. Das war allein die Herrschaft der Gewässer. Da nun die Herrschaft, das Königtum, die Speisemacht allein den Gewässern gehörte, dachte Agni bei sich: »Möge diese Herrschaft, dieses Königtum, diese Speisemacht mir gehören!« Er erschaute diese Agniṣṭoma-Vollendung. Damit teilte er diese Gewässer auseinander, in aufwärts gerichtete und abwärts gerichtete.
Diesen einen Stoma Tag für Tag singend, machte er diese Speisemacht ganz zu seiner eigenen. Mit neun Einundzwanzigfachen stützte er jene aufwärts gerichteten empor; er trug sie, umher geführt, über den Himmel hinaus. Diese, so umher geführt, stehen dort und regnen, den Jahreszeiten entsprechend. Mit einundzwanzig Dreifachen trat er auf jene abwärts gerichteten. Er trug sie, umher geführt, über die Erde hinaus. Diese, so umher geführt, [leben] die einen, indem man von ihnen schöpft –
[Anm.: Dieser Schöpfungsmythos erklärt auf anschauliche Weise den Ursprung des Regens (die ›aufwärts geführten‹, über den Himmel hinausgetragenen Gewässer) sowie stehender und fließender Gewässer auf der Erde (die ›abwärts geführten‹).]
--tiṣṭhantīr eke sravantīr eke. sa evam etā apo vyūhya vinudyāsmin loke ’nnam ādat. tā nālpakaṃ na madhyamaṃ na mahad ivānnādyam abhyatiricyata. evam eva dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ vyūhya vinudyāsmin loke ’nnam atti taṃ nālpakaṃ na madhyamaṃ na mahad ivānnādyam abhyatiricyate ya evaṃ veda. tam etam annaṃ jigīvāṃsaṃ sarve devā abhisamagacchanta. te vai tan nāvindanta. yā hy asau yajñāyajñīyasyaikaviṃśī tām āsu bahiṣpavamānīṣu navasu pratyupadhāya śaye ’nanto bhūtvā parigṛhyaitad annādyam. atho yathā pātre ’ṅgārā optās syur evam evaiṣu lokeṣu dṛśe ’nanta āsa. tān avindamānān abravīt stuta meti
– die anderen still stehend, die anderen fließend. So, nachdem er diese Gewässer auseinandergeteilt und verteilt hatte, nahm er sich in dieser Welt Speise. Weder ein wenig noch mittelmäßig noch übermäßig viel Speise überstieg sie. Ebenso isst, wer dies weiß, nachdem er den hassenden Rivalen auseinandergeteilt und verteilt hat, in dieser Welt Speise; weder wenig noch mittelmäßig noch übermäßig viel Speise übersteigt ihn.
Alle Götter versammelten sich gegen ihn, der diese Speise gewonnen hatte; doch sie konnten sie nicht erlangen. Denn jene einundzwanzigste Strophe des Yajñāyajñīya hatte er diesen neun Bahiṣpavamāna-Versen angefügt und lag da, endlos geworden, diese Speisemacht ganz umfassend. Wie in einem Gefäß verstreute Kohlen, so war er, endlos, in diesen Welten zu sehen. Zu ihnen, die sie nicht fanden, sprach er: »Besingt mich!«
taṃ vasavo gāyatryā chandasā gāyatreṇa sāmnā prātassavanenāstuvan. tāṃs tasminn eva savana upāhvayata. taṃ rudrās triṣṭubhā chandasā traiṣṭubhena sāmnā mādhyaṃdinena savanenāstuvan. tāṃs tasminn eva savana upāhvayata. tam ādityā jagatyā chandasā jāgatena sāmnā tṛtīyasavanenāstuvan. tāṃs tasminn eva savana upāhvayata. taṃ viśve devā vāṅ manaś ca prajāpatir anuṣṭubhā chandasā yajñāyajñīyena sāmnāstuvan. tāṃs tasminn eva stotra upāhvayata. evam ete devā etaṃ yajñakratum anvāyatanta. atha ya enaṃ nānvāyatanta --
Ihn besangen die Vasus mit dem Gāyatrī-Versmaß, dem Gāyatra-Sāman, bei der Morgenpressung. Er lud sie eben zu dieser Pressung ein. Ihn besangen die Rudras mit dem Triṣṭubh-Versmaß, dem Traiṣṭubha-Sāman, bei der Mittagspressung. Er lud sie eben zu dieser Pressung ein. Ihn besangen die Ādityas mit dem Jagatī-Versmaß, dem Jāgata-Sāman, bei der dritten Pressung. Er lud sie eben zu dieser Pressung ein. Ihn besangen die All-Götter, zusammen mit Rede und Denken und Prajāpati, mit dem Anuṣṭubh-Versmaß, dem Yajñāyajñīya-Sāman. Er lud sie eben zu diesem Stotra ein. So schlossen sich diese Götter diesem Opferritus an. Die aber, die sich ihm nicht anschlossen –
--śaśvad dha te parābhūtā devānām aśanayā. atha ya enam anvāyatanta ima etarhi pariśiṣṭāḥ. ta u evāparyuṣibhavitāraḥ. sa haiṣa vaiśvadevas stomaḥ. viśveṣāṃ haiva devānāṃ purā stoma āsa. tena yad agnim astuvan sāsyāgniṣṭomatā. agniṃ hainenāstuvan. stuvate hainena svā stuvate ’raṇā. stuvate hainena jane svā ya evaṃ veda. sa haiṣa navaikaviṃśān abhisaṃpadyate dvādaśa māsāḥ pañcartavas traya ime lokā asāv āditya ekaviṃśaḥ. ekā stotriyātiricyate. yajamāno haiva so ’tiricyate yo vaivaṃ veda. yathā ha girau jyotir bhāyād evaṃ tasyāṃ janatāyāṃ bhāti yasyāṃ bhavati ya evaṃ veda. sa u evaikaviṃśatas trivṛto ’bhisaṃpadyate. agnir vai trivṛt. tad yad vai kiṃ ca trivṛt tat sarvam agnim evābhisaṃpadyate. yāś ca ha mahtayas saṃpado yāś ca kṣallikās tā ha sarvā evaṃvidam abhisaṃpadyante. sarva enaṃ kāmā abhisaṃpadyante ya evaṃ veda. sa eṣa ekaviṃśatyā trivṛdbhir amuṣminn āditye pratiṣṭhito navabhir asāv ekaviṃśair asmin. tāv etāv evam anyonyasmin pratiṣṭhitau. pratitiṣṭhati ya evaṃ veda
– die bleiben für immer bezwungen, dem Hunger der Götter preisgegeben. Die sich ihm aber anschlossen, sind die, die jetzt noch übrig sind; sie eben werden nicht ›über Nacht schal‹ werden. Dies eben ist der Vaiśvadeva-Stoma. Er war einst der Stoma aller Götter gemeinsam. Dass sie damit Agni besangen, das ist seine Agniṣṭoma-Eigenschaft [Agnis Stoma]; sie besangen Agni damit. Für den, der damit singt, singen die Seinen mit, und selbst Fremde singen mit; für den, der dies weiß, singen die Seinen mit im ganzen Volk.
Dies gipfelt in neun-und-einundzwanzig: zwölf Monate, fünf Jahreszeiten, diese drei Welten, jene Sonne als das Einundzwanzigste. Eine Stotriya bleibt übrig; der Opferherr selbst ist eben dieser Überschuss, wer dies weiß. Wie ein Licht auf einem Berg leuchten würde, so leuchtet er in dem Volk, in dem er lebt, wer dies weiß.
Er gipfelt zudem im Einundzwanzigfachen und im Dreifachen. Der Trivṛt ist Agni; was immer also dreifach ist, das gipfelt eben ganz in Agni. Welche großen Vollendungen es gibt und welche kleinen, sie alle gipfeln in dem, der dies weiß; alle Wünsche gipfeln in ihm, der dies weiß.
Er, mit dem Einundzwanzigfachen und dem Dreifachen, ist in jener Sonne gegründet; und jene [Sonne] ist, mit dem Neunfachen und dem Einundzwanzigfachen, in diesem [Agni] gegründet. So sind diese beiden wechselseitig ineinander gegründet. Wer dies weiß, wird [selbst so] gegründet.
[Anm.: Ein eindrucksvoller kosmologischer Schlussgedanke: Agni auf Erden und Āditya, die Sonne am Himmel, gründen sich wechselseitig ineinander – ein passender Abschluss für diesen Abschnitt über die gegenseitige Durchdringung von irdischem und himmlischem Licht.]
nāsāv astam eti nāyam anugacchati. imam evāsāv abhy astam eti. tad asyāstatvam. imaṃ hy evāsāv abhy astam ety amum evāyam abhyanugacchati. tad amuṣyāmutvam. amuṃ hy evāyam abhyanugacchati na hāstam eti nānugacchati ya evaṃ veda. te haite savāsinyau devate. gacchati haitābhyāṃ savāsitvam. atho hāsyaite eva devate. eṣu lokeṣu sarvapāpmānam apaghnatyau tiṣṭhataḥ. yāvad u ha vā ayam agnir asmin loke dīpyate tāvad amuṣmin loka ādityaḥ na haiva tāvad evaṃvido lokaḥ kṣayyaḥ. yathā ha vā idam āyatanam āyatanīṃ prepsed evam imaṃ lokam āpaḥ prepsanti yāś cāmūr yāś cemāḥ. tāyanna saṃbhindanty etasyaiva stomasya kratoḥ. eṣa evainās stomo ’pidadate. sa yo nvāvaikasya rājyasya trātā dvayor yas trayāṇāṃ lokī vāva sa tena manyeta. antye tu saloky asad yas teṣām eko ’sad ye ’sya lokasya trātāraḥ. asya ha sa lokasya trātṝṇām eko bhavati ya evaṃ veda. tena lokī saḥ. yāvad dha vā apy evaṃvido brāhmaṇā bhavitāro na haiva tāvad yāś cāmūr āpo yāś cemās tā ubhayīs saṃpadyemaṃ lokaṃ nirmṛṣṭāraḥ
Jener [die Sonne] geht nicht unter, und dieser [das Feuer] folgt nicht. Vielmehr geht jener nur diesem hier entgegen nach Hause – das ist dieses Feuers Zuhause-Sein. Denn jener geht ja diesem entgegen nach Hause, und dieser folgt jenem entgegen – das ist jenes Jenseitig-Sein. Denn dieser folgt ja jenem entgegen. Für den, der dies weiß, geht jener weder unter, noch folgt dieser – im gewöhnlichen Sinn.
Diese beiden sind die »Zusammenwohnenden« [savāsinyau] Gottheiten. Durch sie erlangt man Zusammenwohnen. Und sie sind eben seine, des Wissenden, Gottheiten: In diesen Welten stehen sie da und schlagen alles Böse nieder.
Solange dieses Feuer in dieser Welt leuchtet und die Sonne in jener Welt, so lange wird die Welt dessen, der dies weiß, nicht erschöpft. Wie eine Wohnstätte nach ihrer Gefährtin verlangen möchte, so verlangen die Wasser – die dortigen wie die hiesigen – nach dieser Welt. Sie zogen dahin, ohne doch die Macht eben dieses Stomas zu durchbrechen. Eben dieser Stoma hält sie verschlossen.
Wer nun Beschützer eines Königreichs ist, oder zweier, oder dreier, der halte sich eben dadurch für einen Weltbesitzer. Doch am Ende wäre er nur ein Mitbewohner, einer unter denen, die Beschützer dieser, seiner eigenen, Welt sind. Er wird tatsächlich einer der Beschützer dieser Welt, wer dies weiß. Dadurch ist er ein Weltbesitzer.
Solange es Brahmanen geben wird, die dies wissen, so lange werden weder jene Wasser dort noch diese hier, beide zusammen, imstande sein, diese Welt hinwegzuwischen.
[Anm.: Das Satzpaar spielt mit der Doppelbedeutung von »asta« (Heim / Sonnenuntergang) und den Pronomen »asau« (jener, die Sonne) und »ayam« (dieser, das Feuer): Weil die Sonne abends ›heimgeht‹ zum Feuer, ist das Feuer ihr ›Zuhause‹; weil das Feuer dem Sonnenaufgang ›entgegenfolgt‹, ist die Sonne das ›Jenseitige‹. Der Satz »tāyanna saṃbhindanty etasyaiva stomasya kratoḥ« (›sie zogen dahin, ohne die Macht des Stomas zu durchbrechen‹) ist syntaktisch unsicher überliefert; ebenso das Bild der Wohnstätte, die nach einer ›Wohnstätte-Gefährtin‹ verlangt.]
Diesem Agniṣṭoma nun entspricht die Morgenpressung der Gāyatrī, die Mittagspressung der Triṣṭubh, die dritte Pressung der Jagatī. Dies ist die von selbst vollendete Morgenpressung: Sie ist ganz und gar gāyatrischer Natur.
Nun hat die Mittagspressung vier Versmaße: Gāyatrī, Bṛhatī, Kakubh, Triṣṭubh. Von dieser Kakubh, die achtundzwanzig Silben hat, legt man zwanzig Silben der Gāyatrī bei: Sie wird zur Triṣṭubh. Und die acht Silben, die von der Kakubh übrigbleiben, legt man der Bṛhatī bei: Sie wird ebenfalls zur Triṣṭubh. Eine echte Triṣṭubh ist diese Triṣṭubh.
Nun hat die dritte Pressung sechs Versmaße: Gāyatrī, Uṣṇih, Kakubh, Anuṣṭubh, Jagatī, Bṛhatī. Von dieser Gāyatrī, die vierundzwanzig Silben hat, legt man zwanzig Silben der Kakubh bei: Sie wird zur Jagatī. Und die vier Silben, die übrigbleiben, legt man der Uṣṇih bei: Sie wird zur zweiunddreißigsilbigen Anuṣṭubh. Eine echte Anuṣṭubh ist diese Anuṣṭubh.
Man teilt sie in zwei Hälften. Die eine Hälfte, sechzehn Silben, legt man der Anuṣṭubh bei: Sie wird zur Jagatī – von sich aus ist sie geradewegs schon Jagatī. Und die anderen sechzehn, die übrigbleiben, legt man der Bṛhatī des Yajñāyajñīya bei: Sie wird zur zweiundfünfzigsilbigen Jagatī.
Vier Silben überschreiten das Maß der Jagatī – das sind die vierfüßigen Tiere. Zugleich sind sie die Euter, der Milchertrag der Virāj. Und sie sind ein fester Grund: Wie ein Vierfüßer fest steht, so steht dies. Das geht eben hierin restlos auf – nichts bleibt übrig.
In das Manko des Vāmadevya legt man drei Silben –
[Anm.: Es folgt eine Rechnung mit Vers-Silbenzahlen (Gāyatrī 24, Uṣṇih 28, Anuṣṭubh 32, Kakubh 28, Bṛhatī 36, Triṣṭubh 44, Jagatī 48 Silben), die kosmologisch gedeutet wird; die einzelnen Fälle prüfen sich rechnerisch (z. B. 28+20=48). Der Satz »svayam eva parastāj jagatī« (›von sich aus ist sie geradewegs schon Jagatī‹) ist unsicher. Der Satz bricht ab und wird in 1.243 fortgesetzt.]
--yajñāyajñīya ekam. gāyatraṃ vai prātassavanaṃ traiṣṭubhaṃ mādhyaṃdinaṃ savanaṃ jāgataṃ tṛtīyasavanam. brahmaṇo ’sya sataḥ kṣatrasyeva prakāśo bhavati vaiśyasyeva rayiḥ puṣṭir ya evaṃ veda. tasyo evākṣaraśo gāyatrīm eva prātassavanaṃ saṃpadyante triṣṭubhaṃ mādhyaṃdinaṃ savanaṃ jagatīṃ tṛtīyasavanam. ekānnasaptatiḥ prātassavanasya stotriyāṣ ṣaṣṭis triṣṭubho mādhyaṃdinaṃ savanaṃ caturviṃśatiś ca jagatīs tṛtīyasavanam. ekā ca kakup. puruṣo vai kakup. sa ha sa yajamāna evaitasyāṃ saṃpady adhyūḍhaḥ. tad v atraivānuvyeti. na kiṃ canātiricyate. ekasyai kakubho ’ṣṭāviṃśatyakṣarāyai catvāry akṣarāṇy ādāya vāmadevyasya nyūne trīṇy upadadhāti yajñāyajñīya ekam. atha yā gāyatrī pariśiṣyate tām ada ekānnasaptatyāṃ prātassavanasya stotriyāsu pratyupadadhāti. tad u hānantam. anantāṃ śriyaṃ jayati ya evaṃ veda
– eine in das Yajñāyajñīya. Die Morgenpressung ist gāyatrischer Natur, die Mittagspressung triṣṭubhischer Natur, die dritte Pressung jagatischer Natur. Da dieses Opfer, obwohl es seinem Wesen nach brahmanisch ist, für den, der dies weiß, einen Glanz wie den des Kṣatra und Reichtum und Gedeihen wie das des Vaiśya hervorbringt –
von diesem Opfer, Silbe für Silbe, wird die Morgenpressung eben zur Gāyatrī, die Mittagspressung zur Triṣṭubh, die dritte Pressung zur Jagatī. Neunundsechzig sind die Stotriya-Verse der Morgenpressung, sechzig Triṣṭubhs die Mittagspressung, und vierundzwanzig Jagatīs die dritte Pressung. Und eine ist Kakubh. Die Kakubh ist ja der Mensch – eben der Opferherr selbst ist in dieser Entsprechung erhoben. Das geht eben hierin restlos auf; nichts bleibt übrig.
Von dieser einen Kakubh, die achtundzwanzig Silben hat, nimmt man vier Silben und legt drei in das Manko des Vāmadevya, eine in das Yajñāyajñīya. Und die Gāyatrī, die übrigbleibt, die legt man nun wieder unter die neunundsechzig Stotriya-Verse der Morgenpressung. Das ist dann endlos. Endlose Fülle gewinnt, wer dies weiß.
[Anm.: Setzt die in 1.242 begonnene Silbenrechnung fort. »Kakubh« ist grammatisch feminin, wird hier aber mit dem Puruṣa (dem Menschen bzw. Urmenschen) gleichgesetzt.]
tasyo eva dve savane bṛhatīṃ saṃpadyete. yathaiva purā tṛtīyasavanaṃ tathā tṛtīyasavanam. ekānnasaptatiḥ prātassavanasya stotriyāḥ. tāṣ ṣaṭcatvāriṃśad bṛhatyas saṃpadyante. yā hi tisro gāyatryas te dve bṛhatyau. na tāṣ ṣaṭcatvāriṃśad bṛhtyas saṃpadyante. tad etad āyad eva prātassavanaṃ bṛhatīm abhisaṃpadyate. yasmād āyad eva prātassavanaṃ bṛhatīm abhisaṃpadyate tasmād brāhmaṇo jāyamāna eva lokī jāyate. taṃ vā tvai caraṇena bhūyāṃsaṃ kurute taṃ vā kanīyāṃsam. athaitad dvau mādhyaṃdinaṃ savanaṃ saṃpādayata udgātā ca hotā ca. catvāri chandāṃsy udgātā yunakti. tāni ca hotānuśaṃsaty upa ca trīṇy āharaty anuṣṭubhaṃ paṃktīṃ jagatīm. gāyatrī ca jagatī ca te dve bṛhatyau. bṛhaty eva bṛhatī. yasmād etad dvau mādhyaṃdinaṃ savanaṃ saṃpādayatas tasmād rājanyasya kāryo loka iṣṭāpūrtena śraddhayā brahmaṇyatayā. atha yasmād yathaiva purā tṛtīyasavanaṃ tasmād u brāhmaṇāc ca rājanyāc ca vaiśyo lokī. itaro na hi tathā lokī yathā brāhmaṇaś ca rājanyaś ca
Diesem Opfer nun entsprechen zwei Pressungen der Bṛhatī; und wie zuvor, so bleibt die dritte Pressung die dritte Pressung. Die neunundsechzig Stotriya-Verse der Morgenpressung werden zu sechsundvierzig Bṛhatīs – denn drei Gāyatrīs sind zwei Bṛhatīs. Doch nicht als bloß sechsundvierzig einzelne Bṛhatīs kommen sie zustande: Vielmehr wird diese Morgenpressung, indem sie eben dahin gelangt, zu einer Bṛhatī. Weil die Morgenpressung, eben dahin gelangend, zur Bṛhatī wird, deshalb wird ein Brahmane, kaum geboren, schon als Weltbesitzer geboren. Doch durch seinen Wandel macht man ihn größer, oder man macht ihn kleiner.
Nun bringen diese beiden, der Udgātṛ und der Hotṛ, die Mittagspressung zustande. Vier Versmaße spannt der Udgātṛ ein; und diese rezitiert der Hotṛ im Anuśaṃsā-Vers nach, und er bringt drei weitere hinzu: Anuṣṭubh, Paṅkti, Jagatī. Die Gāyatrī und die Jagatī zusammen sind zwei Bṛhatīs. Eine echte Bṛhatī ist diese Bṛhatī.
Weil diese beiden die Mittagspressung zustande bringen, deshalb ist dem Adligen eine Welt zu erwirken durch Opfer und milde Gaben, durch Glauben, durch Ergebenheit gegenüber den Brahmanen. Und weil die dritte Pressung bleibt, wie sie zuvor war, deshalb ist, nach dem Brahmanen und dem Adligen, auch der Vaiśya ein Weltbesitzer – doch nicht in derselben Weise ein Weltbesitzer, wie es Brahmane und Adliger sind.
[Anm.: 3 Gāyatrīs (3×24) = 2 Bṛhatīs (2×36) = 72 Silben – die Rechnung geht auf. Die drei Pressungen werden hier den drei oberen Ständen zugeordnet: Morgenpressung/Brahmane (Weltbesitz von Geburt an), Mittagspressung/Adliger (Weltbesitz durch Ritushandeln), dritte Pressung/Vaiśya (nachrangiger Weltbesitz).]
klṛptaṃ ha vai lokaṃ yajamāno ’bhijāyate. paśūn eva prathamasya tṛcasya prathamayā stotriyayā jayati bhūmiṃ dvitīyayāgniṃ tṛtīyayā. antarikṣam eva dvitīyasya ca tṛcasya prathamayā stotriyayā jayati vāyuṃ dvitīyayā prāṇaṃ tṛtīyayā. divam eva tṛtīyasya tṛcasya prathamayā stotriyayā jayaty ādityaṃ dvitīyayā nakṣatrāṇi tṛtīyayā. navaitā bahiṣpavamānyo bhavanti nava devalokāḥ. tān evaitābhir āpnoti. tā etās tisro virājo daivī yajñiyā mānuṣī. etāsu ha sucittaś śailano janakaṃ vaidehaṃ samūde. sa hovāc śraddhām āvidad ṛtvijo me hvayantv iti. tasmai ha kurupañcālān ṛtvija ūhuḥ. teṣu hāgateṣu śailano bibhayāṃcakāra gacchad brāhmaṇā ivodantāyaṃ vāhana laghūyed iti. sa hovāca samrāḍ vākyam evam astīti. tisro vā imā virājo tṛṣyantīs sarvakāmā annābhidhānāḥ. tāsu sma tvā yo ’ntar avadadhāti tasmai vodgātāraṃ vṛṇīṣva. sa vāva teṣāṃ kāmānām abhivoḍhā. ya etāsu kāmās sa u eva punarmṛtyor ativoḍhā ya evaṃ vedeti
Der Opferherr wird in eine bereits zugeteilte Welt hineingeboren.
Durch den ersten Stotriya-Vers des ersten Tṛca gewinnt er das Vieh, durch den zweiten die Erde, durch den dritten Agni. Durch den ersten Stotriya-Vers des zweiten Tṛca gewinnt er den Luftraum, durch den zweiten Vāyu, durch den dritten den Atem. Durch den ersten Stotriya-Vers des dritten Tṛca gewinnt er den Himmel, durch den zweiten die Sonne, durch den dritten die Gestirne.
Diese neun Verse sind die Bahiṣpavamāna-Verse, und sie sind die neun Götterwelten. Eben diese erlangt er durch sie.
Dies sind die drei Virājs: die göttliche, die opferliche und die menschliche. Darüber stritt einst Sucitta Śailana mit Janaka von Videha. Der sprach: »Vertrauen ist gefunden – man rufe meine Opferpriester herbei!« Da holte man ihm die Priester aus Kuru-Pañcāla.
Als diese eingetroffen waren, bekam Śailana Angst zu denken: »Diese heranziehenden Brahmanen – die Kunde wird sich verbreiten, mein Ansehen wird leicht wiegen.« Da sprach er: »Großkönig, die Sache verhält sich so: Diese drei Virājs sind, immer dürstend, voller aller Wünsche, ›Speise‹ genannt. Wen von ihnen du in sie hineinversetzt findest, den wähle dir zum Udgātṛ. Er ist es ja, der jene Wünsche herbeiträgt. Wer die Wünsche kennt, die in diesen Virājs liegen, der trägt den Opferherrn über den Wiedertod hinaus, wer dies weiß.«
[Anm.: Die Zuordnung der wörtlichen Rede »Vertrauen ist gefunden – man rufe meine Opferpriester herbei« ist unsicher; ebenso gut könnte hier statt Janaka Vaideha (dem klassischen Veranstalter von Lehrgesprächen) Sucitta Śailana selbst der Sprecher sein. Der Satz über Śailanas Furcht (»gacchad brāhmaṇā ivodantāyaṃ vāhana laghūyet«) ist im Sanskrit sehr unsicher überliefert; die Übersetzung gibt nur den vermuteten Sinn (Furcht vor Bloßstellung) wieder.]
atha ha pradhāvayāṃcakāra. tasmin ha praiṣyannaimān ha sma pṛcchaty āsāṃ virājām ṛddhim. te ha smānābhyāvayanti ya u ha smābhyāvayantīti. yāṃ ha smaikām abhyāvayanti sa ha smāt te brāhmaṇaṃ batāhaṃ brāhmaṇam etāsu mīmāṃsamānam apaśyaṃ mac ca dhāvata śailanam iti. tad vyacaraṃ hāsa yathā śailana iyeṣa. tā etās tisro virājo daivī yajñiyā mānuṣī. saiṣā daivī virāḍ yad ime lokāḥ. sā nyūnā. yajamānāvadhānāyaiva tan nyūnā. tad antar yajamānam avadadhāti. tasyā etasyai candramā evāpidhānam. etad dhi devānāṃ pratyakṣam annādyaṃ yac candramāḥ. athaiṣā yajñiyā virāḍ yad etā bahiṣpavamānyaḥ. sā nyūnā. yajamānāvadhānāyaiva tan nyūnā. tad antar yajamānam avadadhāti. tasyā etasyai hiṃkāra evāpidhānam. hiṃkāreṇa hy eva devebhyo ’ntato ’nnādyaṃ pradīyate. athaiṣā mānuṣī virāḍ yad ime puruṣe prāṇāḥ. sā nyūnā. sa u eva yajamānapratyakṣam. tasyā etasyā annam evāpidhānam. nābhir vā etās tisro virājaḥ. abhi ha tān kāmān āpnoti ya etāsu kāmā api tv iha teṣu bhavaty ati ha punarmṛtyu mucyate bahupuruṣam asmin loke ’nnam atti. na hy etad ekapuruṣāyānnādyaṃ yad etāsu. yad dha vai kiṃ cedam asmin loka ātmanvat tad dha sarvaṃ mṛtyur evābhivyādāya tiṣṭhati. sa yo ha sa mṛtyus saṃvatsara eva saḥ. tasya hartava eva mukhāni. tad yad vai kiṃ ca mriyate na hāsyānṛtau mriyate ya evaṃ veda. ṛtuṣu vāva prajāyate prajayā paśubhir ya evaṃ veda
Da machte er sich davon. Während er dahineilte, fragte man ihn nach dem Gedeihen dieser Virājs – man kam dem nicht nahe; nur die, die dem wirklich nahekamen, [hörten ihn sagen]: »Ach, ich sah einen Brahmanen, der über diese nachsann, und Śailana lief mir davon.« So ging ich umher, wie Śailana es gewollt hatte.
Dies sind die drei Virājs: die göttliche, die opferliche, die menschliche. Diese göttliche Virāj, das sind eben diese Welten. Sie ist unvollständig – einzig um des Opferherrn willen ist sie unvollständig: Dadurch versetzt sie den Opferherrn in sich hinein. Ihr Deckel ist eben der Mond, denn der Mond ist der Götter sichtbare Speise.
Diese opferliche Virāj, das sind eben diese Bahiṣpavamāna-Verse. Sie ist ebenfalls unvollständig – einzig um des Opferherrn willen ist sie unvollständig: Dadurch versetzt sie den Opferherrn in sich hinein. Ihr Deckel ist eben der Hiṃkāra, denn durch den Hiṃkāra wird den Göttern letztlich die Speise gegeben.
Diese menschliche Virāj, das sind eben diese Atemzüge im Menschen. Sie ist ebenfalls unvollständig, und sie ist eben dem Opferherrn selbst sichtbar. Ihr Deckel ist eben die Speise.
Diese drei Virājs sind gleichsam eine Nabe. Er erlangt eben jene Wünsche, die in diesen liegen; ja, er hat noch hier an ihnen teil; er wird vom Wiedertod befreit; er isst Speise, wie für viele Menschen, in dieser Welt – denn diese Speise, die in ihnen liegt, ist nicht für einen einzelnen Menschen bestimmt.
Denn was auch immer hier in dieser Welt beseelt ist, das alles hält der Tod, mit weit aufgesperrtem Rachen, bereit zu verschlingen. Und der, welcher der Tod ist, er ist eben das Jahr; seine Mäuler sind eben zum Zupacken da. Darum: Was auch immer stirbt, es stirbt für den, der dies weiß, nicht zur Unzeit. Er wird zur rechten Jahreszeit geboren, mit Nachkommenschaft und Vieh, wer dies weiß.
[Anm.: Der gesamte Rahmenbericht über Śailanas Flucht (von »da machte er sich davon« bis »wie Śailana es gewollt hatte«) ist im Sanskrit außerordentlich unsicher und lückenhaft überliefert; Sprecher- und Personenzuordnung bleiben unklar. Ab »dies sind die drei Virājs« wird die in 1.245 begonnene Lehre klar fortgeführt: Jede der drei Virājs gilt als planmäßig ›unvollständig‹, damit in ihr Platz für den Opferherrn bleibt – ein bekanntes Motiv der Virāj-Deutung. »Nabe« im Sinne von Mittelpunkt/Nabel, vgl. 1.250.]
tā vā etā nava bahiṣpavānyaḥ. tāṣ ṣaḍ bṛhatyaḥ. ṣaḍ u mṛtyor mukhāny ṛtava eva. atha ha vā etāni mṛtyor mukhāni bṛhaty eva prativibhavitum arhati nānyac chandaḥ. sa bṛhatyaivartor mukham apidadhāti. bṛhaty ṛtor bṛhaty ṛtoḥ. sa yathā samena viṣamam atītya pratyavekṣetaivam evaitaṃ mṛtyuṃ parāṅ atītya pratyavekṣate. tam eva taṃ trivṛtaṃ vajram upapravartayati. sa eṣo ’harahar imān lokān anuvartate. tad dha smāha nagarī jānaśruteyo na haiva tāvad devāsuraṃ bhavitā yāvad eva trivṛd vajro ’harahar imān lokān anuvartata iti. ūrdhvo hy ayam agnir dīpyate tiryaṅṅ ayaṃ vāyuḥ pavate ’rvāṅ asāv ādityas tapati. ta ete ’nimeṣam anyonyam īkṣante. katham eteṣv evaṃ satsu devāsuraṃ syād iti. eṣa u evāsya trivṛd vajro ’harahar imān lokān anuvartamānas sarvaṃ pāpmānam apaghnan palyayate ya evaṃ veda
Diese neun Bahiṣpavamāna-Verse, sie sind zugleich sechs Bṛhatīs. Sechs sind ja des Todes Mäuler – eben die Jahreszeiten. Nun ist von diesen Mäulern des Todes nur die Bṛhatī imstande, ihnen zu entsprechen – kein anderes Versmaß. Durch die Bṛhatī also verschließt er jeweils einer Jahreszeit das Maul: eine Bṛhatī je Jahreszeit, eine Bṛhatī je Jahreszeit.
Wie einer, der über Unebenes mittels Ebenem hinweggekommen ist, zurückblickt, so blickt er, diesen Tod hinter sich lassend, abgewandt zurück. Eben diesen Trivṛt-Vajra setzt er dabei in Bewegung. Dieser zieht Tag für Tag durch diese Welten.
Dazu pflegte Nagarī Jānaśruteya zu sagen: »Es wird keinen Kampf zwischen Göttern und Dämonen geben, solange eben der Trivṛt-Vajra Tag für Tag durch diese Welten zieht. Denn aufwärts brennt dieses Feuer, quer weht dieser Wind, abwärts glüht jene Sonne – diese blicken einander an, ohne zu blinzeln. Wie sollte es, da dies so steht, einen Kampf zwischen Göttern und Dämonen geben?«
Eben dieser sein Trivṛt-Vajra ist es, der, Tag für Tag durch diese Welten ziehend, alles Böse niederschlagend, umherzieht, wer dies weiß.
tad āhus sa vādya yajeta sa vānyaṃ yājayed yac catuṣṭomena yājayan sarvastomena yājayati. navaitā bahiṣpavamānyo bhavanti. tāsāṃ saptaviṃśatiḥ padāni. tena triṇavaṃ stomaṃ nāntaryanti. navaivaitā bahiṣpavamānyo bhavanti. caturviṃśatyakṣarā gāyatrī. tat trayastriṃśat. tena trayastriṃśaṃ stomaṃ nāntaryanti. etad vai catuṣṭomena yājayati. yo vai stomānām avamaṃ paramaṃ veda gacchati paramatām. trivṛd vāva stomānām avamas trivṛt paramaḥ. tad u hovāca prakur vārṣṇas trivṛtaṃ stomaṃ trayastriṃśaṃ bhavantam apaśyaṃ tasmād ahaṃ paramatām agaccham iti. gacchati paramatāṃ ya evaṃ veda. atha ha smāhāruṇiḥ kiṃ so ’bhicaret kiṃ vābhicāryamāṇa ādriyeta ya etaṃ trivṛtaṃ vajraṃ tribhṛṣṭim acchidram acchambaṭkāriṇam aharahar imān lokān anuvartamānaṃ veda. svayam abhicarito vāva sa yam evaṃvid dveṣṭi yo vaivaṃvidaṃ dveṣṭīti. eṣa u evainaṃ trivṛd vajras tribhṛṣṭir acchidro ’cchambaṭkāry aharahar imān lokān anuvartamāno ’bhivartate. tasya na bhūty alpikeva canāśāsti parāparaiva bhavatīti
Dazu sagt man: Ob er nun selbst opfert oder einen anderen opfern lässt – wer mit dem Catuṣṭoma, dem Vierfach-Stoma, opfert, der opfert mit dem Sarvastoma, dem Allstoma.
Diese Bahiṣpavamāna-Verse sind neun; ihre Versfüße sind siebenundzwanzig. Damit bleiben sie dem Triṇava-Stoma, dem Stoma der Siebenundzwanzig, nicht unterlegen. Und diese Bahiṣpavamāna-Verse sind, als Zahl, neun; die Gāyatrī hat vierundzwanzig Silben; das macht dreiunddreißig. Damit bleiben sie dem Trayastriṃśa-Stoma, dem Stoma der Dreiunddreißig, nicht unterlegen. Das eben bewirkt er mit dem Catuṣṭoma.
Wer der Stomas Niedrigstes und Höchstes kennt, gelangt zur Höchststellung. Der Trivṛt ist ja der Stomas Niedrigstes, der Trivṛt ist zugleich das Höchste. Dazu sagte Prakur Vārṣṇa: »Ich sah den Trivṛt-Stoma zum Trayastriṃśa werden – deshalb gelangte ich zur Höchststellung.« Zur Höchststellung gelangt, wer dies weiß.
Und Āruṇi pflegte zu sagen: »Was sollte der überhaupt noch verwünschen wollen, oder was sollte den, der verwünscht wird, noch kümmern, wenn er diesen Trivṛt-Vajra kennt – dreischneidig, lückenlos, nicht wankend, Tag für Tag durch diese Welten ziehend? Er selbst wird zum Verwünschten – eben der, den ein Wissender hasst, oder der einen Wissenden hasst.« Eben dieser Trivṛt-Vajra, dreischneidig, lückenlos, nicht wankend, Tag für Tag durch diese Welten ziehend, wendet sich gegen ihn. Für ihn gibt es nicht einmal die geringste Aussicht auf Gedeihen – nur immer weiteren Niedergang gibt es für ihn.
[Anm.: Aufnahme des schon in 1.230 begegneten Gedankens, dass der Trivṛt zugleich der ›niedrigste‹ und der ›höchste‹ der Stomas sei.]
tad u ha smāhopajīvaḥ khāḷāyano ’ham evaitaṃ trivṛtaṃ vajraṃ pratyakṣaṃ veda tasmād yam ahaṃ dveṣmi yo māṃ dveṣṭi tāv ubhau śaśvad eva pāpīyāṃsau bhavata iti. agnir vā asya lokasya vajro vāyur antarikṣasyādityo divaḥ. tad id adhyātmam. yo ’gnir vāg eva sā yo vāyuḥ prāṇa eva sa ya ādityaś cakṣur eva tat. tasmād yad ahaṃ dviṣantam abhivadāmi yad abhiprāṇimi yad abhivīkṣe vajram evāhaṃ tasmai taṃ praharāmi. tasya haraśvemṇetmikeva nāśāsti. etā u evainaṃ devatā dhūrvanti ya evaṃ vidvāṃsaṃ dhūrvatīti. atha ha smāha śvetaketur āruṇeyo yathāśvasya kṛṣṇakarṇasyetthādānītasya rūpaṃ syād evam evāham etasya stomasya rūpaṃ veda. tāvad dṛśenyaṃ tāvad vapuṣeṇyam. tasmād ātmā. ya eva pūrvāhṇe didṛkṣante te ’parāhṇe didṛkṣante. naiva sudṛśenyam iva santaṃ nāhaṃ kadā cana cakṣuṣmantaṃ paryemīti. tad u hovāca śāṭyāyaniḥ ko ’śvaś śvetaḥ kim ekam iti. yathaivāsyāgne rūpaṃ yathā tviṣir yathāsya vāyor yathāmuṣyādityasyaivam evaitasya stomasya rūpam evaṃ tviṣiḥ. tad evaitat prajā abhivārya didṛkṣamāṇās tiṣṭhanti. tasmād bahiṣpavamāne ye ca vijānanti ye ca na te sarve ’nīśānā abhiparivārya didṛkṣamāṇās tiṣṭhantīti. atho haitā yaśa eva. apy anyāsāṃ devatānām. tāsām etad indriyaṃ vīryaṃ rasas tejas saṃbhṛtaṃ yad etā bahiṣpavamānyaḥḥ. sa ya evam etad devatānām indriyaṃ vīryaṃ rasaṃ tejas saṃbhṛtaṃ vedendriyavān eva vīryavān yaśasvī tviṣimān bhavati
Dazu pflegte Upajīva Khāḷāyana zu sagen: »Ich selbst kenne diesen Trivṛt-Vajra unmittelbar vor Augen; deshalb werden, wen ich hasse und wer mich hasst, beide immer weiter zu Schlechterem.«
Agni ist ja dieser Welt Vajra, Vāyu der des Luftraums, Āditya der des Himmels. Das, auf das Selbst bezogen: Was Agni ist, das ist eben die Sprache; was Vāyu ist, das ist eben der Atem; was Āditya ist, das ist eben das Auge. Darum: Wenn ich einen Hasser anrede, wenn ich ihn anatme, wenn ich ihn anblicke, schleudere ich eben diesen Vajra auf ihn. Für ihn gibt es dann keinerlei Hoffnung mehr. Eben diese Gottheiten schädigen den, der den Wissenden schädigt.
Und Śvetaketu Āruṇeya pflegte zu sagen: »So wie man die Gestalt eines schwarzohrigen Pferdes kennt, das man so und so herangeführt hat, ebenso kenne ich die Gestalt dieses Stomas: so sehenswert, so gestaltvoll ist sie – daher gleicht sie dem eigenen Selbst. Wer sie am Vormittag zu sehen wünscht, der wünscht sie auch am Nachmittag zu sehen. Nie gehe ich an einem Sehenden vorüber, als wäre er bloß angenehm anzusehen.«
Dazu sagte Śāṭyāyani: »Was für ein Pferd ist weiß? Was ist das Eine?« – So wie dieses Agnis Gestalt ist, wie sein Glanz, wie dieses Vāyus, wie jenes Ādityas, ebenso ist dieses Stomas Gestalt, ebenso sein Glanz. Das eben ist es, worauf die Geschöpfe, es umringend, ausschauen, es sehen wollend. Deshalb stehen beim Bahiṣpavamāna alle, die es verstehen, wie die, die es nicht verstehen, gleichermaßen ohnmächtig ringsum versammelt und wollen es sehen.
Zudem sind diese Verse eben der Ruhm – auch der anderen Gottheiten. Dies ist deren gesammelte Vitalkraft, Manneskraft, Essenz, Glanz: eben was diese Bahiṣpavamāna-Verse sind. Wer dies so als der Gottheiten gesammelte Vitalkraft, Manneskraft, Essenz und Glanz kennt, der wird vitalkraftvoll, manneskräftig, ruhmreich und glanzvoll.
[Anm.: Der Satz über die »beiden, die immer weiter zu Schlechterem werden« meint vermutlich nicht den Sprecher selbst, sondern die beiden möglichen Gegner (den von ihm Gehassten und den ihn Hassenden). Ein kurzer Ausdruck nach »keinerlei Hoffnung mehr« (»haraśvemṇetmikeva«) ist textlich unsicher/vermutlich verderbt und wurde sinngemäß wiedergegeben. Auch der Satz »nie gehe ich an einem Sehenden vorüber, als wäre er bloß angenehm anzusehen« ist im Sinn nicht ganz sicher.]
tad āhur yat puruṣo yoṣāṃ saṃbhaviṣyan parokṣaṃ nilayanam icchate ’nta evānye paśavo ’nyonyasya skandanti kiṃ tad yajñe kriyate yasmāt tat tatheti brūyād yasmāt trivṛt stomo bahiṣpavamāne prāṅ ivotkramya dhiṣṇyebhyo nilīya gāyatrīṃ skandati madhya evānya ṛtvijo dhiṣṇyānāṃ yad anta āsate tasmāt tat tatheti. trivṛtaṃ hi stomaṃ puruṣo ’nvāyatto dhiṣṇyān anye paśava iti. tad v evāhur yat sa trivṛt stomo gāyatrīṃ skandati kiṃ sā tataḥ prajanayatīti. iḷāntaṃ yajñaṃ saptanābhim iti brūyāt. gāyatrī garbhaṃ dhatte. sā puronuvākyāṃ prajanayati. puronuvākyā yājyā yājyā vaṣaṭkāraṃ vaṣaṭkāra āhutīr āhutayo dakṣiṇā dakṣiṇās svargaṃ lokam. tad yathā vittaṃ pravāhaṃ kṣipraṃ pravahed evam evainam etā devatās svargāya lokāya pravahanti. trivṛd evainaṃ stomo gāyatryai prayacchati gāyatrī puronuvākyāyai puronuvākyā yājyāyai yājyā vaṣaṭkārāya vaṣaṭkāra āhutībhya āhutayo dakṣiṇābhyo dakṣiṇāssvargaṃ lokaṃ gamayanti. sa eṣa iḷānto yajñas saptanābhiḥ. tasya ha trivṛd eva stomo nābhir gāyatrī nābhiḥ puronuvākyā nābhir yājyā nābhir vaṣaṭkāro nābhir āhutayo nābhir dakṣiṇā nābhiḥ. upa hainam eṣa yajño namati ya evaṃ veda
Dazu fragt man: Wenn ein Mann, im Begriff, sich mit einer Frau zu vereinigen, verborgenen Rückzug sucht, während andere Tiere einander ganz offen bespringen – was wird davon im Opfer nachvollzogen? Man antworte: »Es verhält sich so, weil« – weil der Trivṛt-Stoma beim Bahiṣpavamāna gleichsam nach vorn hin von den Dhiṣṇya-Feuern weggetreten, sich verbergend, die Gāyatrī bespringt, während die anderen Priester mitten unter den Dhiṣṇyas sitzen, am Rand – deshalb ist es so. Denn an den Trivṛt-Stoma ist der Mensch gebunden, an die Dhiṣṇyas die anderen Tiere.
Dazu fragt man auch: Wenn dieser Trivṛt-Stoma die Gāyatrī bespringt, was bringt sie daraufhin zur Welt? Man antworte: »Das mit Iḷā endende, siebennabelige Opfer.« Die Gāyatrī empfängt einen Keim. Sie gebiert die Puronuvākyā, die Einladungsformel; die Puronuvākyā die Yājyā, die Opferformel; die Yājyā den Vaṣaṭ-Ruf; der Vaṣaṭ-Ruf die Opfergüsse; die Opfergüsse die Priestergaben; die Priestergaben die Himmelswelt. So wie man eine güterbeladene Strömung rasch forttrüge, so tragen ihn eben diese Gottheiten zur Himmelswelt fort.
Eben der Trivṛt-Stoma übergibt ihn der Gāyatrī, die Gāyatrī der Puronuvākyā, die Puronuvākyā der Yājyā, die Yājyā dem Vaṣaṭ-Ruf, der Vaṣaṭ-Ruf den Opfergüssen, die Opfergüsse den Priestergaben; die Priestergaben lassen ihn zur Himmelswelt gelangen.
Dies also ist das mit Iḷā endende, siebennabelige Opfer. Von diesem ist ja der Trivṛt-Stoma ein Nabel, die Gāyatrī ein Nabel, die Puronuvākyā ein Nabel, die Yājyā ein Nabel, der Vaṣaṭ-Ruf ein Nabel, die Opfergüsse ein Nabel, die Priestergaben ein Nabel. Diesem neigt sich das Opfer zu, wer dies weiß.
[Anm.: Die eingangs gestellte Frage vergleicht menschliches Sexualverhalten (verborgene Vereinigung) unverhüllt mit dem der Tiere (offene Begattung) und deutet dies als Vorbild für die Stellung des Trivṛt-Stoma, der sich beim Ritual von den offen sitzenden Priestern zurückzieht, um die Gāyatrī gleichsam zu ›bespringen‹ – ein bewusst unverblümtes Bild. Die sieben Nabel sind: Trivṛt-Stoma, Gāyatrī, Puronuvākyā, Yājyā, Vaṣaṭ-Ruf, Opfergüsse, Priestergaben.]