Kapitel 6
Gāyatra-Feinregeln, die Ājya-Mythen und die Geburt der Bṛhatī
Feinregeln zu Hiṃkāra und Nidhana des Gāyatra-Gesangs verschränken sich mit einer Reihe von Devāsura-Mythen: dem Wettrennen, in dem Agni den Göttern ihren Anteil am Opfer sichert, der Herleitung des Vaṣaṭ-Rufs aus zwei Silben der Gāyatrī, die zugleich die Räder von Indras Donnerkeil sind, und dem Āmahīyava, mit dem Prajāpati seine hungernden Geschöpfe zugleich nährt und sich Ehrerbietung verschafft. Den Abschluss bildet die Erzählung, wie aus der um vier Opfertiere erweiterten Anuṣṭubh das Versmaß Bṛhatī entstand.
tad āhur hiṃkāreṇa vai prajāpatiḥ prajābhyo ’nnādyam asṛjata. yan na hiṃkuryād aśanāyukāḥ prajās syuḥ. hiṃkuryād eva... bhūḥ iti. yan hiṃkāraṃ visṛjati tena reto vicchinatti na hiṃkāram antaretīti. tad u vā āhuḥ mamṛdīya iva vā ato reto dāruṇatara iva. hiṃkāro ’pi vainad vālena vicchindyāt. hiṃkārasyaiva kāle hiṃkāraṃ manasā dhyāyet. tan na reto vicchinatti na hiṃkāram antaretīti. bhūḥ iti nidhanaṃ karoti. prajāpatir yad agre vyāharat sa bhūḥ ity eva vyāharat. sa imām asṛjata. sa yat bhūḥ iti nidhanaṃ karoty asyām evaitad retaḥ pratiṣṭhāpayaty atho enat tad bhūtim eva gamayati
Dazu sagt man: Mit dem Hiṃkāra-Laut schuf Prajāpati den Geschöpfen Speise. Würde man den Hiṃkāra nicht anstimmen, würden die Geschöpfe hungrig werden. Man sollte ihn also anstimmen ... »Bhūḥ«. Wenn man den Hiṃkāra zu abrupt loslässt, schneidet man dadurch den Samen ab – man sollte also den Hiṃkāra nicht überspringen. Dazu sagt man aber auch: Dadurch werde der Same gleichsam zermalmt, gleichsam noch härter mitgenommen als zuvor. Schon der Hiṃkāra allein könnte, um Haaresbreite, den Samen abschneiden. Man sollte daher genau im Augenblick des Hiṃkāra den Hiṃkāra nur im Geiste bedenken. So schneidet man weder den Samen ab, noch überspringt man den Hiṃkāra. »Bhūḥ« macht man zum Nidhana, dem Schlusswort des Gesangs. Was Prajāpati zuallererst äußerte, das war eben »Bhūḥ«; damit schuf er diese Erde. Dass man »Bhūḥ« zum Nidhana macht, damit gründet man eben den Samen in ihr, der Erde; und damit führt man ihn zugleich zum Gedeihen.
[Anm.: Nidhana bezeichnet den festen Schlussteil eines Sāman-Gesangs; das Bild vom "Abschneiden des Samens" bei falscher Ausführung des Hiṃkāra führt das schon in 1.100 eingeführte Motiv der rituellen Zeugungssymbolik fort.]
gāyatrīṃ gāyati. prāṇo vai gāyatrī. tasyai dve akṣare vyatiṣajati. prāṇāpānāv eva tad vyatiṣajati. tasmāt prāṇāpānau vyatiṣaktau prajā anusaṃcarata ā ca parā cāyātayāmānau. sat iti nidhanaṃ karoti. prāṇo vai san. prāṇa eva tat pratitiṣṭhati. triṣṭubhaṃ gāyati. cakṣur vai triṣṭup. tasyai dve akṣare dyotayati. cakṣuṣī eva tad dadhāti. tasmād yukte iva cakṣuṣī. jyotiḥ iti nidhanaṃ karoti. cakṣur vai jyotiḥ. cakṣuṣy eva tat pratitiṣṭhati. jagatīṃ gāyati. śrotraṃ vai jagatī. tasyai catvāry akṣarāṇi dyotayati. śrotram eva tad dadhāti. śrotre dve pariśravaṇe dve. tasmāt samānatra san sarvā anudiśaś śṛṇoty api parāṅ yan paścād vadaś śṛṇoti. iḷā iti nidhanaṃ karoti. paśavo vā iḍā. paśuṣv etat pratitiṣṭhati. anuṣṭubhaṃ gāyati. vāg vā anuṣṭup. tām arvācīm abhinudan gāyati vāco ’napakramāya. yat parācīm apanudan gāyed vācaṃ pradhamed vāg asmād apakrāmukā syāt. tāṃ yad arvācīm abhinudan gāyaty ātmann eva tad vācaṃ pratiṣṭhāpayati. tasyai niruktaṃ cāniruktaṃ ca pade gāyati. niruktena vai vāco bhuñjate. niruktam asyā upajīvanīyam. bhuṃkte vācopa caināṃ jīvati ya evaṃ veda. sa yan niruktam eva gāyed vadeyur eva prajā na tūṣṇīm āsīran. atha yad aniruktaṃ gāyet tūṣṇīm eva prajā āsīran na vadeyuḥ. yasmān niruktaṃ cāniruktaṃ ca pade gāyati tasmāt prajā vadanti ca tūṣṇīṃ cāsate. vāk iti nidhanaṃ karoti. vāg vai brahma. vācy eva tad brahman pratitiṣṭhati. paṃktiṃ gāyati. ṛtavo vai paṃktiḥ. tasyai ṣaḍ akṣarāṇi dyotayati. ṣaḍ vā ṛtavaḥ. ṛtuṣv eva tat pratitiṣṭhati
Man singt die Gāyatrī. Der Atem nämlich ist die Gāyatrī. Für sie verschränkt man zwei Silben ineinander; damit verschränkt man eben Atem und Ausatem miteinander. Deshalb wandern Atem und Ausatem, ineinander verschränkt, in den Geschöpfen umher, vorwärts und rückwärts, ohne je zu ermatten. »Sat«, das Seiende, macht man zum Nidhana; der Atem nämlich ist das Seiende – der Atem selbst wird dadurch gegründet.
Man singt die Triṣṭubh. Das Augenlicht nämlich ist die Triṣṭubh. Für sie lässt man zwei Silben aufleuchten; damit setzt man eben die beiden Augen ein. Deshalb sind die beiden Augen gleichsam zusammengejocht. »Licht« macht man zum Nidhana; das Augenlicht nämlich ist das Licht – im Augenlicht wird dies dadurch gegründet.
Man singt die Jagatī. Das Gehör nämlich ist die Jagatī. Für sie lässt man vier Silben aufleuchten; damit setzt man eben das Gehör ein. Das Gehör hat zwei Öffnungen zum Hören und zwei weitere; deshalb hört man, an einem Ort verweilend, aus allen Richtungen, sogar von hinten, was hinter dem Rücken gesprochen wird. »Iḷā«, die Nährende, macht man zum Nidhana; das Vieh nämlich ist Iḷā – im Vieh wird dies dadurch gegründet.
Man singt die Anuṣṭubh. Die Rede nämlich ist die Anuṣṭubh. Man singt sie, sie zu sich hin drängend, damit die Rede nicht entweiche. Würde man sie, von sich fortdrängend, singen, würde man die Rede von sich fortblasen, und sie würde dazu neigen, sich zu entfernen. Dass man sie zu sich hin drängend singt, damit gründet man die Rede eben in sich selbst. Für sie singt man an einer ausgesprochenen und an einer unausgesprochenen Stelle. Durch das Ausgesprochene nämlich zehrt man von der Rede; das Ausgesprochene ist das, wovon man lebt. Wer dies weiß, genießt die Rede und lebt von ihr. Würde man nur das Ausgesprochene singen, würden die Geschöpfe nur reden und nie schweigen; würde man nur das Unausgesprochene singen, würden die Geschöpfe nur schweigen und nie reden. Weil man an einer ausgesprochenen und einer unausgesprochenen Stelle singt, reden die Geschöpfe und schweigen zugleich. »Rede« macht man zum Nidhana; die Rede nämlich ist das heilige Wort – im heiligen Wort, in der Rede, wird dies dadurch gegründet.
Man singt die Paṅkti. Die Jahreszeiten nämlich sind die Paṅkti. Für sie lässt man sechs Silben aufleuchten; sechs nämlich sind die Jahreszeiten – in den Jahreszeiten wird dies dadurch gegründet.
tad āhus samadam iva vā etac chandobhyaḥ kurvanti yad gāyatre sati prātassavane sarvāṇi chandāṃsy abhigīyante yodhukāḥ prajā bhavantīti. sa yaḥ kāmayeta śāntāḥ prajā edherann iti na dhuro vigāyet. apaśīrṣāṇaṃ tu yajñaṃ yajamānasya kuryād anṛtena dakṣiṇāḥ pratigṛhṇīyāt. brahma vai karad iti vai yajamāno dakṣiṇā dadāti. sa tathaiva cikīrṣed yathā nāpaśīrṣāṇaṃ yajñaṃ yajamānasya kuryān nānṛtena dakṣiṇāḥ pratigṛhṇīyān. vi eva gāyet. yas tvā enā vijigāsan na śaknoti vigātum ārtim ārchati. yadi retasyāṃ na śaknoti vigātum aretaska ātmanā bhavaty aretaskā garbhā jāyante. yadi gāyatrīṃ na śaknoti vigātuṃ pramāyuka ātmanā bhavati mṛtā garbhā jāyante. yadi triṣṭubha na śaknoti vigātuṃ vadhira ātmanā bhavati vadhirā garbhā jāyante. yadi paṃktiṃ na śaknoti vigātum ṛtavo lubhyanti. sa ya enā nāśaṃseta vigātuṃ parokṣeṇaivainās sa rūpeṇa gāyet. ubhayena tvāva retasyā gīyate
Dazu sagt man: Gleichsam einen Wettstreit veranstalten sie mit den Versmaßen, wenn beim Gāyatra-Gesang während der Morgenpressung alle Versmaße zugleich besungen werden – die Folge ist, dass die Nachkommenschaft streitlustig wird. Wer sich wünscht: »Meine Nachkommen mögen friedlich gedeihen«, der singe die Dhur-Verse nicht auseinandergerissen. Wer dies dennoch tut, macht das Opfer für den Opferherrn gleichsam kopflos und nimmt die Opfergaben unter Vortäuschung entgegen. »Der Brahmanpriester möge es recht machen« – mit diesem Gedanken gibt der Opferherr ja die Opfergabe. Der Priester sollte also so handeln, dass er das Opfer des Opferherrn nicht kopflos macht und die Opfergaben nicht unter Vortäuschung entgegennimmt.
Dennoch soll man an der rechten Stelle auseinandergerissen singen. Wer, dies beabsichtigend, nicht imstande ist, richtig auseinandergerissen zu singen, gerät in Not. Ist er nicht imstande, dies bei der Retasyā, dem Samen-Gesang, zu tun, wird er selbst zeugungsunfähig, und zeugungsunfähige Leibesfrüchte werden ihm geboren. Ist er nicht imstande, dies bei der Gāyatrī zu tun, wird er selbst kurzlebig, und totgeborene Leibesfrüchte werden geboren. Ist er nicht imstande, dies bei der Triṣṭubh zu tun, wird er selbst taub, und taube Leibesfrüchte werden geboren. Ist er nicht imstande, dies bei der Paṅkti zu tun, geraten die Jahreszeiten in Unordnung.
Wer sich nicht zutraut, richtig auseinandergerissen zu singen, singe diese Verse eben verdeckt, der äußeren Form nach, ungetrennt. Bei der Retasyā jedoch wird auf beide Weisen zugleich gesungen.
[Anm.: Das "auseinandergerissene" Singen (vi gāyati), bei dem bestimmte Verspaare getrennt vorgetragen werden, gilt hier als heikle, nur von Geübten sicher zu beherrschende Technik; für jedes der vier Versmaße wird ein eigenes Missgeschick bei fehlerhafter Ausführung benannt.]
gāyatryāṃ prastutāyāṃ gāyatram eva gāyan pṛthivīṃ manasā gacchet. prāṇyāpānyānyāt. sat iti nidhanaṃ karoti. parokṣeṇaivainān tad rūpeṇa gāyati. triṣṭubhi stutāyāṃ gāyatram eva gāyann antarikṣaṃ manasā gacchet. didṛkṣetaivākṣibhyām. jyotiḥ iti nidhanaṃ karoti. parokṣeṇaivainān tad rūpeṇa gāyati. jagatyāṃ prastutāyāṃ gāyatram eva gāyan diśaḥ paśūn manasā gacchet. śuśrūṣetaiva karṇābhyām. iḷā iti nidhanaṃ karoti. parokṣeṇaivainān tad rūpeṇa gāyati. anuṣṭubhi prastutāyāṃ gāyatram eva gāyan divaṃ manasā gacchet parokṣeṇaivainān tad rūpeṇa gāyati. oṣam evaitad uttamaṃ tṛcaṃ gāyati. prajanano vā eṣa tṛcaḥ. oṣam eva prajayā paśubhiḥ prajāyate ya evaṃ veda. prajāpatir yat prajā asṛjata tā etenaiva tṛcenāsṛjata. pavamānasya te kave vājin sargā asṛkṣata iti sargaśa evāsṛjata. asṛgraṃ vāre avyaye iti cāsṛjata. tāsāṃ sṛṣṭānāṃ parāvāpād abibhet. sa etām uttamāṃ samudravatīm apaśyat. tayaināḥ acchā samudram indavaḥ ity eva samudreṇa samantaṃ pariṇyadadhāt. tā asya na paropyanta. nāsya vittaṃ paropyate ya evaṃ veda. agmann ṛtasya yonim ā iti. grahā ha vā ṛtasya yoniḥ. etasya ha vā idam akṣarasya kṛto jātāḥ prajā gacchanti cā ca gacchanti
Wenn die Gāyatrī vorgetragen wird, während man selbst im Gāyatra-Ton singt, gehe man mit dem Denken zur Erde; man atme dabei ein und aus. »Sat« macht man zum Nidhana. So singt man sie verdeckt, der äußeren Form nach.
Wenn die Triṣṭubh gepriesen wird, während man im Gāyatra-Ton singt, gehe man mit dem Denken zum Luftraum; man wünsche zu sehen, mit den Augen. »Licht« macht man zum Nidhana. So singt man sie verdeckt, der äußeren Form nach.
Wenn die Jagatī vorgetragen wird, während man im Gāyatra-Ton singt, gehe man mit dem Denken zu den Richtungen und dem Vieh; man wünsche zu hören, mit den Ohren. »Iḷā« macht man zum Nidhana. So singt man sie verdeckt, der äußeren Form nach.
Wenn die Anuṣṭubh vorgetragen wird, während man im Gāyatra-Ton singt, gehe man mit dem Denken zum Himmel. So singt man sie verdeckt, der äußeren Form nach.
Ganz und gar singt man diesen obersten Dreivers. Zeugungskräftig ist dieser Dreivers; ganz und gar vermehrt sich mit Nachkommen und Vieh, wer dies weiß.
Als Prajāpati die Geschöpfe schuf, schuf er sie eben mit diesem Dreivers. »Des Läuternden, o Seher, sind die siegreichen Ströme entsprungen« – damit schuf er Strom um Strom. »Entsprungen sind sie auf dem ewigen Vlies« – auch damit schuf er. Vor deren Zerstreuung, kaum geschaffen, fürchtete er sich. Da erblickte er diesen obersten Versteil, den meerbegleiteten. Mit ihm – »zum Meere hin, ihr Tropfen« – umgab er sie ringsum mit dem Meer. Sie zerstreuten sich ihm daraufhin nicht. Sein Besitz zerstreut sich nicht, wer dies weiß. »Sie gelangten zum Mutterschoß der Weltordnung« – die Trankopfer nämlich sind der Mutterschoß der Weltordnung. Aus dieser Silbe geboren, gehen die Geschöpfe fort und kehren zurück.
[Anm.: Dieser Dreivers wird mit dem Ursprung der Schöpfung aus dem Soma-Strom verknüpft, dessen Zerstreuung durch das "Meer"-Bild der letzten Verszeile aufgefangen wird.]
devāsurā vā eṣu lokeṣv aspardhantāsmin bhuvane. te devā akāmayantemān lokān jayemāsurān spardhāṃ bhrātṛvyān iti. ta etānya ājyāni stotrāṇy apaśyan. tair astuvata. tair imān lokān ājayan. imam eva lokam āgneyenājayann antarikṣaṃ maitrāvaruṇenāmum aindreṇa diśa evaindrāgnena. tad yad imān lokān ājayaṃs tad ājyānām ājyatvam. emān lokān jayati spardhāṃ dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. te devā abruvan vīmāni bhajāmahā iti. teṣāṃ ha vibhāge na samapādayan. te ’bruvann ājim eṣām ayāma giriṃ kāṣṭhāṃ kṛtveti. yad abruvann ājim eṣām ayāmeti tad eṣāṃ dvitīyam ājyatvam. yad u giriṃ kāṣṭhām akurvan tasmād asau giriḥ kāṣṭho nāma
Die Götter und die Asuras stritten in diesen Welten, in dieser Schöpfung. Die Götter wünschten sich: »Mögen wir diese Welten den Asuras, unseren streitenden Rivalen, abgewinnen.« Sie erblickten diese Ājya-Sprüche, die Ghee-Lobgesänge; mit ihnen sangen sie. Mit ihnen gewannen sie diese Welten. Diese Welt gewannen sie mit dem Āgneya-Spruch, den Luftraum mit dem Maitrāvaruṇa-Spruch, jene Welt mit dem Aindra-Spruch, die Richtungen eben mit dem Aindrāgna-Spruch. Dass sie damit diese Welten gewannen, das ist die eine Herkunft des Namens der Ājya-Sprüche. Diese Welten gewinnt, seinen streitenden, hassenden Rivalen, wer dies weiß.
Die Götter sprachen: »Lasst uns dies unter uns aufteilen.« Die Aufteilung unter ihnen ging jedoch nicht gleichmäßig auf. Sie sprachen: »Lasst uns ein Wettrennen unter ihnen veranstalten, mit einem Berg als Wendemarke.« Dass sie sprachen: »Lasst uns ein Wettrennen unter ihnen veranstalten«, das ist die zweite Herkunft des Namens der Ājya-Sprüche. Und dass sie den Berg zur Wendemarke machten, deshalb trägt jener Berg den Namen Kāṣṭha.
[Anm.: Der Text leitet den Namen der Ājya-Sprüche, der bei den Morgenpressungs-Lobgesängen verwendeten Ghee-Verse, auf zwei verschiedene Weisen her – von "ji", siegen, und von "ājí", Wettrennen –, ein für die Brāhmaṇa-Literatur typisches doppeltes Wortspiel.]
teṣāṃ paccho ’sṛjyanta. teṣām agniḥ prathama udajayat. atha mitrāvaruṇāv athendraḥ. athaikam anujjitam āsīt. tad indro ’ved agnir vāvedam ujjeṣyatīti. so ’bravīd agne yatara āvayor idam ujjayāt tan nau sahāsad iti. tatheti. tad agnir udajayat. tad enayos sahābhavad adhyardham anyasya stotram adhyardham anyasya. aindrāgno yajñaḥ. sa ya evam etā devānām ujjitīr veda yatra kāmayata ud iha jayeyam ity ut tatra jayati. tad āhur yad ājyāni sarvāṇi samānanidhanāni kenājāmi kriyanta iti. nānādevatyānīti brūyāt tenājāmīti. atho yan nānārūpāṇīti brūyāt teno eveti. te vā ete paśava eva. yad ājyāny antassadasaṃ stuvanti tasmād grāmyāḥ paśavo ’ntar grāme nyokasaḥ. parācīṣu punar abhyāvartan. tasmād grāmyāḥ paśavaḥ parāñcaḥ prātaḥ prerate te sāyaṃ samāvartante. nānārūpāsu stuvanti. tasmād grāmyāḥ paśavo nānārūpāḥ. nānādevatyāsu stuvanti. tasmād grāmyāḥ paśavo nānā. te yathāyathaṃ sāyaṃ gṛhān abhyupāyanti
Ihre Beine wurden zugleich für alle Rennenden freigegeben. Unter ihnen gewann Agni als Erster. Dann Mitra-und-Varuṇa, dann Indra. Dann blieb noch ein Rennen ungewonnen übrig. Indra erkannte: »Agni wird auch dieses hier gewinnen.« Er sprach: »O Agni, welcher von uns beiden dies hier gewinnt, das soll uns beiden gemeinsam gehören.« – »So sei es.« Da gewann Agni es. Da wurde es zwischen den beiden geteilt: anderthalb Anteile dem Lobgesang des einen, anderthalb dem des anderen. Aindrāgna, Indra-und-Agni gemeinsam, ist seither das Opfer. Wer diese Siege der Götter so kennt, gewinnt, wo immer er sich wünscht: »Möge ich hier gewinnen.«
Dazu sagt man: Da alle Ājya-Sprüche denselben Nidhana-Schluss haben, wodurch werden sie dann einzeln unterschieden? Man sollte sagen: »Durch ihre verschiedenen Gottheiten« – dadurch werden sie unterschieden. Und würde man sagen: »Durch ihre verschiedenen Formen«, so wäre auch das richtig.
Diese sind aber geradezu das Vieh selbst. Weil man die Ājya-Sprüche innerhalb des Sadas, des Versammlungszeltes, besingt, deshalb bleiben die Dorftiere im Dorf, dort heimisch. Man wendet sich beim Gesang wieder zurück, in rückwärtsgewandten Versen; deshalb ziehen die Dorftiere morgens fort und kommen abends wieder zusammen. Man singt in verschiedenen Formen; deshalb haben die Dorftiere verschiedene Formen. Man singt mit verschiedenen Gottheiten; deshalb sind die Dorftiere von verschiedener Art. Jedes für sich kehrt abends zu seinem Haus zurück.
[Anm.: Dieser Abschnitt bildet ein Gegenstück zur Ätiologie der Wildtiere in 1.89: Dieselben Gesangstechniken erklären hier, warum sich Dorf- beziehungsweise Haustiere abends wieder im Dorf versammeln, statt wie die Wildtiere in der Wildnis zu verbleiben.]
devāsurās saṃyattā jyoṅ na vyajayanta. teṣv asureṣv idaṃ sarvam āsīt. athaikam evākṣaraṃ deveṣv āsīt. vāg eva. so ’gnir abravīd ahaṃ vā idam adarśaṃ yathedaṃ jeṣyāmīti. tad vai brūhīty abruvan. so ’bravīd akṣareṇaivedaṃ sarvaṃ saṃnidhāya dhurādhuram āsajāmeti. yad abravīd akṣareṇaivedaṃ sarvaṃ saṃnidhāya dhurādhuram āsajāmeti tad ājyadhurām ājyadhūstvam. te ’kṣareṇaivedaṃ sarvaṃ saṃnidhāya dhurādhuram āsajan. tān ajayan. jayati spardhāṃ dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. sa yadītarā dhuro vigāyed vy evājyadhuro gāyet. sa yo haivaṃ vidvān saṃgrāmayos saṃnihitayor brūyād akṣareṇa tvā saṃnidadhāmīti paraṃ grāmaṃ sa haiva taṃ grāmaṃ jayati. atho yasminn evaṃ vid grāme bhavati sa u haiva taṃ grāmaṃ jayati. te devā abruvan vīmāni bhajāmahā iti. tasmād u giriḥ kāṣṭho nāma
Die Götter und Asuras, im Kampf verbunden, entschieden lange Zeit nichts. Bei jenen Asuras war zunächst dies alles. Bei den Göttern aber war nur eine einzige Silbe – eben die Rede. Da sprach Agni: »Ich habe gesehen, wie wir dies gewinnen werden.« – »So sprich es denn«, sagten sie. Er sprach: »Lasst mich mit eben dieser einen Silbe dies alles zusammenbringen und Joch an Joch fügen.« Dass er sprach: »Lasst mich mit eben dieser einen Silbe dies alles zusammenbringen und Joch an Joch fügen«, das ist die Joch-Kraft der Ājya-Joch-Sprüche. Sie brachten mit eben dieser einen Silbe dies alles zusammen und fügten Joch an Joch. Sie besiegten sie damit. Seinen streitenden, hassenden Rivalen besiegt, wer dies weiß.
Würde er die übrigen Joch-Verse auseinandergerissen singen, sollte er die Ājya-Joch-Verse dennoch zusammenhängend singen. Wer, dies wissend, wenn zwei Heere einander gegenüberstehen, spräche: »Mit dieser Silbe füge ich dich zusammen«, und dabei das gegnerische Dorf meint, der gewinnt eben jenes Dorf. Und auch wer, dies wissend, in einem Dorf lebt, gewinnt eben jenes gegnerische Dorf. Die Götter sprachen: »Lasst uns dies unter uns aufteilen« – deshalb trägt jener Berg den Namen Kāṣṭha.
[Anm.: Diese zweite, davon unabhängige Fassung derselben Devāsura-Erzählung überträgt das Bild des Joch-an-Joch-Fügens auf militärische Rituale gegen ein feindliches Dorf oder Heer – vergleichbar der politisch-magischen Anwendung des Droṇakalaśa in 1.79.]
sa teṣāṃ sakṛd evaṃ sarveṣām asṛjyanta. teṣām agnir evodajayat. tasyāpagamanam agatasyākṣo ’chidyata. tasya rathacakraṃ patitvā kṛṣṇādhikāṃ kośāntena paryavartata. tam abruvann īkṣitvānnādo vā ayaṃ śreṣṭho bhaviṣyati pāpmā vā asya paryavartīti. sa yo haivaṃ vidvān parivartayate ’nnāda eva śreṣṭhas svānāṃ bhavaty atho hāsya taṃ pāpmānam eva parivartayanti. so ’gnir ujjitya prādravat. tam indro ’bravīt saha nāv astv iti. nety abravīt. yad vā eko gṛhyāṇāṃ vindate sarveṣāṃ vai tat saha bhavati. sahaiva nāv astv iti. nety evābravīt. sa vai mābhi cid avekṣasveti. tam abhyavaikṣata. so ’bravīt sāntvāya mābhyavaikṣiṣṭhās saha nāv abhūd iti. yaṃ yaṃ nv evāham abhyavekṣiṣya ity abravīt tenatenaiva me saha bhaviṣyatīti. nety evābravīt. sāntvāya vai mā tvam enad abhyavaikṣiṣṭhās sahaiva nāv abhūd iti
Er ließ sie alle zugleich, auf dieselbe Weise, laufen. Unter ihnen gewann Agni als Erster. Ihm brach, im Weggehen vom Ziel, die Achse. Sein Wagenrad, gefallen, drehte sich, mit überwiegend schwarzer Seite, an seiner Felge weiter. Sie sprachen, dies beobachtend: »Entweder wird dieser hier ein vortrefflicher Speiseesser werden, oder sein Unheil hat sich nur umgewendet.« Wer, dies wissend, ein Rad dreht, wird als vortrefflicher Speiseesser der Erste der Seinen; zugleich wendet man ihm dabei eben jenes Unheil ab.
Jener Agni, nachdem er gewonnen hatte, lief davon. Indra sprach zu ihm: »Es sei uns beiden gemeinsam.« – »Nein«, sprach er. »Was einer allein von den Berechtigten gewinnt, das gehört doch allen gemeinsam. So sei es uns beiden gemeinsam.« – »Nein«, sprach er wiederum. »So blicke doch wenigstens zu mir herüber.« Er blickte zu ihm herüber. Er sprach: »Nur aus Höflichkeit hast du mich angeblickt; deshalb ist es nicht dadurch uns beiden gemeinsam geworden.« – »Nun, worauf immer ich blicken werde«, sprach er, »das wird mir eben dadurch gemeinsam sein.« – »Nein«, sprach er wiederum. »Nur aus Höflichkeit hast du dies angeblickt; es ist nicht uns beiden gemeinsam geworden.«
tau vai pṛcchāvahā iti. tau prajāpatāv apṛcchetām. sa prajāpatir abravīt sāntvāya vai vāṃ tvam etam abhyavaikṣiṣṭhās sahaiva vāma abhūd iti. tatheti. tad enayos sahābhavad adhyardham anyasya stotram adhyardham anyasya. aindrāgno yajñaḥ. tau mitrāvaruṇau prāṇāpānau paśubhyo ’pākrāmatām anuvī manyamānau nāvābhyām anuvībhyāṃ paśavaḥ prāṇiṣyantīti. te paśavo ’prāṇanta ādhmāyamānā aśerata. tad ābhyām ācakṣatāpa mitrāvaruṇau prāṇāpānau paśubhyo ’tāmiṣṭhāṃ ta ime ’prāṇanta ādhmāyamānāś śerata iti. tāv ādrutyābrūtāṃ prāṇantu nau yuvābhyāṃ paśava iti. nāvābhyām anuvībhyām ity abrūtām. tābhyām etaṃ maitrāvaruṇam ājyam avākalpayan. tato vai tābhyāṃ paśavaḥ prāṇan. sa ya evam etām agner ujjitiṃ veda yatra kāmayata ud iha jayeyam ity ut tatra jayati. ya u evaitām indrasyārdhitāṃ veda yatra kāmayate ’rdhī ha syām ity ardhī tatra bhavati. ya u evaitāṃ mitrāvaruṇayor avaklṛptiṃ veda yatra kāmayate ’va ma iha kalpetety avāsmai tatra kalpate
»So lasst uns fragen gehen«, sprachen die beiden. Sie fragten Prajāpati. Prajāpati sprach: »Nur aus Höflichkeit hast du dies für ihn angeblickt – so ist es euch beiden doch gemeinsam geworden.« – »So sei es.« Da wurde es zwischen den beiden geteilt: anderthalb Anteile dem Lobgesang des einen, anderthalb dem des anderen. Aindrāgna ist das Opfer.
Mitra-und-Varuṇa, als Atem-und-Ausatem, zogen sich vom Vieh zurück, im Gedanken: »Ohne uns beide, die Nachfolgenden, werden die Tiere doch ohnehin atmen.« Da hörten jene Tiere auf zu atmen und lagen aufgebläht darnieder. Man sprach zu den beiden: »Ihr, Mitra-und-Varuṇa, Atem-und-Ausatem, habt euch von diesen zurückgezogen; sie hier atmen nicht mehr und liegen aufgebläht da.« Die beiden sprachen eilends: »Die Tiere sollen durch uns beide wieder atmen!« – »Nicht durch uns beide, die Nachfolgenden«, sprachen sie noch einmal. Für die beiden richtete man dieses Maitrāvaruṇa-Ājya-Opfer ein. Daraufhin atmeten die Tiere durch die beiden wieder.
Wer so diesen Empor-Sieg Agnis kennt, gewinnt, wo immer er sich wünscht: »Möge ich hier gewinnen.« Und wer diesen Anteilserwerb Indras kennt, wird, wo immer er sich wünscht: »Möge ich Anteilseigner sein«, dort Anteilseigner. Und wer diese Einrichtung von Mitra-und-Varuṇa kennt, dem fügt es sich, wo immer er sich wünscht: »Möge es sich mir hier fügen«.
[Anm.: Der genaue Ablauf des kurzen Wechselgesprächs zwischen Mitra-Varuṇa und den übrigen Göttern über das "Nicht durch uns beide" bleibt im überlieferten Sanskrit-Text an dieser Stelle unsicher; die Übersetzung gibt den wahrscheinlichen Gesamtsinn wieder.]
tāni vā etāny aindrāgnāny eva sarvāṇi yad ājyāni. āgneyīṣu stuvanti. tenāgneyaṃ gāyatrī chandas tenāgneyaṃ pañcadaśastomas tenaindram. tad etad aindrāgnam eva maitrāvaruṇīṣu stuvanti. tena maitrāvaruṇaṃ gāyatrī chandas tenāgneyaṃ pañcadaśastomas tenaindram. tad etad aindrāgnam evaindrīṣu stuvanti. tenaindraṃ gāyatrī chandaḥ. aindrāgnam evaindrāgnīṣu stuvanti. tenaindrāgnaṃ gāyatrī chandas tenāgneyaṃ pañcadaśastomas tenaindram. tad etad aindrāgnam evaindrāgnīṣu stuvanti. tenaindrāgnaṃ gāyatrī chandas tenāgneyaṃ pañcadaśastomas tenaindram. tad etad aindrāgnam eva. indrāgnī yajñasya devatā. svāyām evaitad devatāyāṃ prātassavane yajñaṃ pratiṣṭhāpayanti
Diese Ājya-Sprüche insgesamt sind eben ganz und gar Aindrāgna. Man besingt sie mit den Āgneya-Versen: dadurch Āgneya im Versmaß Gāyatrī, dadurch Āgneya im Pañcadaśa-Stoma, dadurch Aindra. Eben dieses Aindrāgna besingt man dann wieder mit den Maitrāvaruṇa-Versen: dadurch Maitrāvaruṇa im Versmaß Gāyatrī, dadurch Āgneya im Pañcadaśa-Stoma, dadurch Aindra. Eben dieses Aindrāgna besingt man mit den Aindra-Versen: dadurch Aindra im Versmaß Gāyatrī. Aindrāgna besingt man mit den Aindrāgna-Versen: dadurch Aindrāgna im Versmaß Gāyatrī, dadurch Āgneya im Pañcadaśa-Stoma, dadurch Aindra. Eben dieses Aindrāgna besingt man wiederum mit den Aindrāgna-Versen: dadurch Aindrāgna im Versmaß Gāyatrī, dadurch Āgneya im Pañcadaśa-Stoma, dadurch Aindra. Dies alles ist eben Aindrāgna. Indra-und-Agni sind die Gottheit des Opfers; in eben dieser Gottheit gründen sie das Opfer bei der Morgenpressung.
prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā aprāṇā asṛjata. tābhya etenaiva sāmnā prāṇam adadhāt. prāṇo vai gāyatram. sarvam āyur eti ya evaṃ veda. tāḥ prāṇaṃ vividānā rakṣāṃsy anvasacanta. tā etad eva sāma gāyann atrāyata. yad gāyann atrāyata tad gāyatrasya gāyatratvam. trāyata enaṃ sarvasmāt pāpmano ya evaṃ veda tad ūrdhvam iva geyam. ūrdhvo vai svargo lokaḥ. svargasyaiva lokasya samaṣṭyai. tryāvṛd geyam. trayo vā ime lokāḥ. eṣāṃ lokānām āptyai. trayudāsaṃ geyam. trayo vai prāṇāpānavyānāḥ. teṣāṃ saṃtatyai. sam asmai prāṇāpānavyānāstāyante ya evaṃ veda. tryāvṛd geyam. trayo vā ime lokāḥ. eṣāṃ lokānāṃ saṃtatyai. sam asmā ime lokās tāyante ya evaṃ veda
Prajāpati schuf die Geschöpfe. Er schuf sie ohne Atem. Für sie legte er mit eben diesem Sāman den Atem ein. Der Atem nämlich ist das Gāyatra. Sein volles Leben erreicht, wer dies weiß.
Sie, den Atem gewonnen habend, wurden von den Rakṣas, den Unholden, verfolgt. Sie schützten sich, eben dieses Sāman singend. Dass sie, singend, sich schützten, das ist die Schutzkraft des Gāyatra, seine "Gāyatra-heit". Vor jedem Übel schützt er den, der dies weiß.
Gleichsam nach oben gerichtet soll man singen; nach oben nämlich liegt die himmlische Welt – zur Gesamterlangung der himmlischen Welt. Das Tryāvṛt soll man singen; drei nämlich sind diese Welten – zur Erlangung dieser Welten. Das Tryudāsa soll man singen; drei nämlich sind Atem, Ausatem und Zwischenatem – zu deren Fortdauer. Atem, Ausatem und Zwischenatem dauern für ihn zusammen fort, wer dies weiß. Das Tryāvṛt soll man singen; drei nämlich sind diese Welten – zu deren Fortdauer. Diese Welten dauern für ihn zusammen fort, wer dies weiß.
pitṛdevatyaṃ tv asya nopaśavastavā ity āhuḥ. etad dha vā asya pitṛdevatyaṃ yat tāntākaroti. yadi sāmitāmye madhya ṛco vānyān. prāṇo vā ṛk prāṇo gāyatram. prāṇasyaitan madhye prāṇaṃ samānayati. yady u ca iyāt prāṇāpānavyānān gāyet. prāṇa iti dve akṣare apāna iti trīṇi vyāna iti trīṇi. tad aṣṭau saṃpadyante. aṣṭākṣarā gāyatrī. tena gāyatryai naiti. sāmno ’ntar araṇyanāpatyaṃ. yo ha vai sāmno ’ntar araṇyam avaiti sarvajyāniṃ vā jīyate pra vā mīyate. etad dha vai sāmno ’ntar araṇyaṃ yat prastutam anabhisvaritam ādīyate. svareṇa saṃpādyodgāyet. etad vai sāmnas svaṃ yat svaraḥ. svenaivainat tat samṛddhayati. etad vai sāmno ’nnādyaṃ yat svarāḥ. annādyenaivainat tat samṛddhayati. etad vai sāmna āyatanaṃ yat svaraḥ. āyatanenaivainat tat samṛddhayati. etad vai sāmnaḥ priyaṃ dhāma yat svaraḥ. priyeṇaivainat tad dhāmnā samṛddhayati
Dazu sagt man: Dies gehört nicht zur Ahnen-Gottheit, was das begleitende Nachsingen betrifft. Dies eben ist seine Ahnen-Zugehörigkeit, dass er einen gedehnten Ton bildet – sei es in der Mitte des Ṛc-Verses, sei es an anderer Stelle. Der Atem nämlich ist der Ṛc-Vers, der Atem das Gāyatra. In der Mitte eben dieses Atems vereinigt man den Atem mit sich selbst. Und wenn man fortführe, sollte man mit Atem, Ausatem und Zwischenatem singen. »Prāṇa« hat zwei Silben, »apāna« drei, »vyāna« drei; das ergibt zusammen acht. Achtsilbig ist die Gāyatrī. Dadurch gelangt man zur Gāyatrī.
Es gibt eine Wildnis innerhalb des Sāman. Wer die Wildnis innerhalb des Sāman betritt, erleidet entweder gänzlichen Verlust oder geht gänzlich zugrunde. Dies eben ist die Wildnis innerhalb des Sāman: wenn das schon Angestimmte fortgeführt wird, ohne im rechten Ton intoniert zu sein. Man singe den Udgītha erst, nachdem man es mit dem rechten Ton vollendet hat. Dies eben ist das Eigene des Sāman: der Ton. Durch sein Eigenes eben lässt man es gedeihen. Dies eben ist die Speise des Sāman: die Töne. Durch die Speise eben lässt man es gedeihen. Dies eben ist die Wohnstatt des Sāman: der Ton. Durch die Wohnstatt eben lässt man es gedeihen. Dies eben ist die liebe Stätte des Sāman: der Ton. Durch die liebe Stätte eben lässt man es gedeihen.
[Anm.: Die genaue technische Bedeutung der einleitenden, sehr knapp formulierten Regeln zur "Ahnen-Zugehörigkeit" des gedehnten Tons bleibt unsicher. Die zentrale Warnung – dass falsch intonierter, unkorrekt fortgeführter Gesang eine gefährliche "Wildnis innerhalb des Sāman" öffnet – gehört zu einem in der vedischen Ritualliteratur verbreiteten Thema, dem auch die spätere, aus grammatischer Tradition bekannte Anekdote von der falsch betonten Form "indraśatru" zuzurechnen ist, die Tvaṣṭṛs Opferabsicht ins Gegenteil verkehrte.]
devān vai yajñasyāhutir nāgacchat. sa prajāpatir aikṣata kathaṃ nu devān yajñāsyāhutir gacched iti. sa ete dve akṣare gāyatryā udakhidat. sa eva dvayakṣaro vaṣaṭkāro ’bhavat tato vai devān yajñasyāhutir agacchat. annaṃ vai vaṣaṭkāraḥ. atty annaṃ ya evaṃ veda. indro vṛtrāya vajram udayacchat. tasyaite akṣare cakrāv āstām. vajro vā eṣaḥ. ya ete nispṛśed vajraṃ nispṛśet. yo vai dugdhād dugdham upaiti na sa āpyāyate. atha yo ’dugdhād dugdham upaiti sa āpyāyate. adugdhād vā eṣa dugdham upaiti ya ete akṣare upaiti. tasmād ete akṣare nopotye. yasya vai sarvā gāyatrī gīyate sarvam asya gṛhe adhigamyate. yasyo nāgīyata īśvaro rūkṣo bhavitoḥ. anyatarad akṣaram avagṛhya vācaṃ caturviṃśīm upāyān. nāsyonā gāyatrī gīyate ni ca spṛśati na ca
Die Opfergabe des Opfers erreichte die Götter nicht. Prajāpati erwog: »Wie könnte doch die Opfergabe des Opfers die Götter erreichen?« Da presste er diese beiden Silben aus der Gāyatrī heraus. Eben diese zweisilbige Lautfolge wurde der Vaṣaṭ-Ruf. Von da an erreichte die Opfergabe des Opfers die Götter. Speise nämlich ist der Vaṣaṭ-Ruf; Speise verzehrt, wer dies weiß.
Indra erhob die Waffe gegen Vṛtra. Ihre beiden Räder waren eben diese beiden Silben. Dies eben ist die Waffe. Wer diese beiden berührte, würde die Waffe selbst berühren. Wer von schon Gemolkenem noch einmal Gemolkenes nimmt, gedeiht nicht dadurch; wer aber von noch Ungemolkenem Gemolkenes nimmt, gedeiht dadurch. Von Ungemolkenem nimmt eben Gemolkenes, wer diese beiden Silben in rechter Weise nutzt. Deshalb sollte man diese beiden Silben nicht gedankenlos, wiederholt in Anspruch nehmen.
Wem die Gāyatrī vollständig gesungen wird, dem wird alles im Hause zuteil. Wem sie unvollständig gesungen wird, der ist dazu bestimmt, zu verarmen. Nachdem man die eine oder die andere Silbe zurückgehalten hat, gehe man zur vierundzwanzigsilbigen Rede über. So wird seine Gāyatrī nicht unvollständig gesungen; und doch berührt man jene beiden Silben nicht, berührt sie wahrhaftig nicht.
[Anm.: Der Vaṣaṭ-Ruf, mit dem die Opfergabe ins Feuer gegeben wird, wird hier auf zwei aus der Gāyatrī herausgelöste Silben zurückgeführt, die zugleich mit den beiden Rädern von Indras Vajra gegen Vṛtra identifiziert werden – eine unmittelbare Berührung dieser gefährlichen Silben soll offenbar vermieden, ihre Wirkung aber dennoch genutzt werden.]
yo vā aṃśum ekākṣaraṃ vedānnāda eva śreṣṭhas svānāṃ bhavati. atho saha eva tasyai janatāyā udgāyati. vāg vā aṃśur ekākṣaraḥ. tad eva gāyatram. gāyatryai prastutāyai yad ādir uttaram akṣaraṃ sa sthāṇuḥ. yas tad udgāyann ārabhate sthāṇum ārabhate. ya enaṃ nirharati gāyatrīṃ chidrāṃ karoti. gāyatrīṃ chidrām anu yajñas sravati. yajñam anu yajamāno yajamānam anu prajāḥ. sadhryaśvo ha smāha taigmāyudhiḥ ka u svid adya rasadihāv urasi nimṛdiṣyata iti. ete ha vai rasadihau ye ete gāyatryā uttame akṣare. yas te udgāyann ārabhate rasadihāv urasi nimṛdate. ya u ene nirharati gāyatrīṃ chidrāṃ karoti. gāyatrīṃ chidrām anu yajñas sravati yajñam anu yajamāno yajamānam anu prajāḥ
Wer den Aṃśu, den Soma-Halm, als eine einzige Silbe kennt, wird als Speiseesser der Erste der Seinen; zudem singt er dann gemeinsam mit eben jener Gemeinschaft den Udgītha. Die Rede nämlich ist der Aṃśu, als eine einzige Silbe; das eben ist das Gāyatra. Wenn die Gāyatrī angestimmt wird, ist die Silbe, die zugleich die erste und doch die ihr folgende ist, der feste Pfosten. Wer, den Udgītha singend, mit ihr beginnt, ergreift den Pfosten. Wer sie wegnimmt, macht die Gāyatrī löchrig. Der löchrigen Gāyatrī folgend, verrinnt das Opfer; dem Opfer folgend der Opferherr, dem Opferherrn folgend die Nachkommen.
Sadhryaśva Taigmāyudhi soll gesagt haben: »Wer wird heute wohl die beiden Nager an der Brust zerdrücken?« Dies sind eben die beiden Nager – nämlich die beiden letzten Silben der Gāyatrī. Wer, den Udgītha singend, mit ihnen beginnt, zerdrückt die beiden Nager an der Brust. Wer sie aber wegnimmt, macht die Gāyatrī löchrig. Der löchrigen Gāyatrī folgend, verrinnt das Opfer; dem Opfer folgend der Opferherr, dem Opferherrn folgend die Nachkommen.
[Anm.: Die Bezeichnung der beiden letzten Silben der Gāyatrī als "Nager" (rasadihau, wörtlich "Saft-Lecker") und die paradoxe Formulierung von der "ersten und doch folgenden" Silbe für den festen Ausgangspunkt des Gesangs gehören zu den technischen Rätselformulierungen der sāmavedischen Fachliteratur.]
tāni sarvāṇy akṣarāṇy uddhṛtya vācaṃ dadhyāt. vāg vai brahma. tad yathā carmaṇā kṛtikaṇṭakān prāvṛtyātīyād evam evaitad vācā brahmaṇā yajñasthāṇuṃ pramṛdya svasty atikrāmati nārtim ārchati. ava vā etat pratihartā sāmnaś chidyate yad gāyatrasya na pratiharati. prastūyamānaṃ manasā pratihiṃkuryāt. apānya vāk iti brūyāt. tathā sāmno nāvacchidyate nārtim ārchati. yo vā akṣaram aṃśumad veda vahanty enam aṃśumatīs saṃyuktāḥ. vāg vā akṣaram. tasyai prāṇa evāṃśuḥ. vahanty enam aṃśumatīs saṃyuktā ya evaṃ veda
Nachdem man alle diese Silben herausgelöst hat, sollte man die Rede wieder einsetzen. Die Rede nämlich ist das heilige Wort. So wie man, in eine Haut gehüllt, sicher an dornigem Gestrüpp vorbeikäme, ebenso geht man mit der Rede, dem heiligen Wort, am Opferpfosten vorbei, ihn glättend, wohlbehalten weiter, ohne in Not zu geraten.
Der Pratihartṛ wird ja vom Sāman abgeschnitten, wenn er dem Gāyatra nicht mit dem Pratihāra antwortet. Während die Melodie angestimmt wird, sollte er im Geiste stumm mit dem Hiṃkāra antworten und sprechen: »Die Rede des Ausatems.« So wird er nicht vom Sāman abgeschnitten, gerät nicht in Not.
Wer die vom Aṃśu begleitete Silbe kennt, den tragen die wohlgefügten, vom Aṃśu begleiteten Gesänge. Die Rede nämlich ist die Silbe; für sie ist eben der Atem der Aṃśu. Die wohlgefügten, vom Aṃśu begleiteten Gesänge tragen ihn, wer dies weiß.
[Anm.: Die kurze Formel "die Rede des Ausatems", mit der der Pratihartṛ im Geiste antworten soll, bleibt in ihrer genauen technischen Bedeutung unsicher.]
marutvatīḥ pratipado bhavanti. marutvantaṃ grahaṃ gṛhṇanti. marutvānvā indro vṛtram ahan vārtrahatyāya. uccā te jātam andhasā ity andhasvatīr bhavanti. ahar vā andhaḥ. ahnā eva rambhaḥ. yajño vā andhaḥ. yajñasyaivārambhaḥ. trīṇi yajñe ’ndhāṃsīti ha sma pūrve brāhmaṇā mīmāṃsante uccā te jātam andhasā. vasor mandānam andhasaḥ. purojitī vo andhasaḥ iti. trayaḥ paśuṣu bhogāḥ prātar madhyaṃdine sāyam. tān evaitenāvarunddhe. ime vai lokā saha santau vyaitām. tayor na kiṃ cana samapatat. te devamanuṣyā aśanāyan. itaḥ pradānād dhi ta devā jīvanty amutaḥ pradānān manuṣyāḥ. sa etāḥ prajāpatir iti copaśyād uccā te jātam andhasā iti. sa udityeveto devebhyo havyam avahat divi sad bhūmy ādade ity amuto vṛṣṭim acyāvayat. tāv imau lokau savāsināv akarot. tāv asmai kāmam apinvātām. kāmam asmā imau lokau pinvāte ya evaṃ veda. tāsu gāyatram uktabrāhmaṇam
Die Marutvatī-Verse werden zu Pratipads, wenn man den Marutvat-Trank ergreift. Marut-begleitet nämlich erschlug Indra den Vṛtra, zur Vernichtung Vṛtras. »Hoch ist dein Wachstum, geboren aus dem Trank« – damit werden sie »Andhasvatī«, vom Andhas, dem Soma-Trank, begleitet. Der Tag nämlich ist der Andhas; vom Tag hat er seinen Ausgang. Das Opfer nämlich ist der Andhas; vom Opfer hat er seinen Ausgang. »Drei Andhas-Anteile sind im Opfer« – so pflegten die alten Brahmanen zu erörtern, im Blick auf die Verse »Hoch ist dein Wachstum, geboren aus dem Trank«, »des Berauschenden, gütigen Trankes« und »eures zuerst siegreichen Trankes«. Drei sind die Genüsse beim Vieh: morgens, mittags, abends. Eben diese sichert man sich damit.
Diese beiden Welten, obwohl zusammengehörig, trennten sich einst. Zwischen ihnen traf nichts mehr zusammen. Götter und Menschen hungerten; denn von hier aus, durch die Gabe, leben die Götter, von dort aus, durch die Gabe, die Menschen. Da erblickte Prajāpati diese Geschöpfe in ihrer Not und sang: »Hoch ist dein Wachstum, geboren aus dem Trank.« So trug er, gleichsam aufsteigend, von hier den Göttern die Opfergabe zu: »Im Himmel sitzend nehme ich sie auf der Erde entgegen« – damit ließ er von dort den Regen herabfallen. Diese beiden Welten machte er zu Wohngefährten. Ihm gewährten die beiden seinen Wunsch; jedem Wunsch gewähren diese beiden Welten Erfüllung, der dies so weiß. Bei diesen Versen vollzieht man den Gāyatra-Gesang gemäß der überlieferten Lehre.
[Anm.: Dieser Abschnitt greift wörtlich auf den Vers und Mythos aus 1.81 zurück ("Hoch ist dein Wachstum, geboren aus dem Trank", die Vereinigung von Himmel und Erde als Wohngefährten) und bestätigt damit dessen zentrale Stellung im Ritual der Morgenpressung.]
athāmahīyavam. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā anaśanā asṛjata. tā aśanāyantīr anyānyām ādan. sa prajāpatir aikṣata kathaṃ nu ma imāḥ prajā nāśanāyeyur iti. sa etat sāmāpaśyat. tenābhyo ’nnādyaṃ prāyacchad varṣam evāpanidhanena. tābhyo ’varṣad eva nodagṛhṇāt. sa etan nidhanam apaśyat. tad upait. tata ābhya udgṛhṇāt. etasya ha vā idaṃ sāmnaḥ kṛto varṣati ca parjanya uc ca gṛhṇāti. yo vṛṣṭikāmas syād etenaivāpanidhanena stuvīta. varṣuko hāsmai parjanyo bhavati. sa yady atīva varṣed etad eva nidhanam upeyād ud ahāsmai gṛhṇāti. varṣati ca hāsmai parjanya uc ca gṛhṇāti ya evaṃ veda. tā yad enaṃ prajās suhitā aśitā āmahīyanta tad āmahīyavasyāmahīyavatvam. ainaṃ bhāryās suhitās suhitaṃ mahīyante ya evaṃ veda. tā enam annaṃ vividānā nāpācāyan. sadhamādam ivaivāsan. annaṃ hi śrīḥ. so ’śocat. sa nāmahīyata. sa aikṣata kathaṃ nv imā ahaṃ prajās sṛjeya tā mā sṛṣṭā nāpacāyeyur iti. sa etat sāmāpaśyat. tenāstuta
Nun zur Āmahīyava-Formel. Prajāpati schuf die Geschöpfe. Er schuf sie ohne Speise. Hungernd fraßen sie einander auf. Prajāpati erwog: »Wie könnten doch diese meine Geschöpfe aufhören zu hungern?« Da erblickte er dieses Sāman. Damit verschaffte er ihnen Speise, nämlich den Regen, eben durch das Nidhana. Es regnete ihnen, doch der Regen wurde nicht wieder aufgenommen. Da erblickte er dieses weitere Nidhana. Er fügte es hinzu. Von da an wurde ihnen der Regen auch wieder aufgenommen. Kraft dieses Sāman regnet Parjanya und nimmt zugleich wieder auf. Wer sich Regen wünscht, singe mit eben diesem ersten Nidhana; Parjanya wird ihm dann zu einem, der reichlich regnet. Sollte es zu sehr regnen, greife er zu eben diesem zweiten Nidhana; dann nimmt er es ihm wieder auf. Es regnet ihm und nimmt ihm zugleich wieder auf, wer dies weiß.
Dass diese Geschöpfe, wohlgenährt und gesättigt, ihn hoch ehrten, das ist die Āmahīyava-Kraft des Āmahīyava. Seine Frauen, wohlgenährt, ehren ihn, selbst wohlgenährt, wer dies weiß.
Sie aber, nachdem sie Speise erlangt hatten, erwiesen ihm keine Ehrerbietung; sie waren ihm gleichsam nur Tischgenossen. Speise nämlich ist Glanz und Fülle. Da grämte er sich. Er wurde nicht geehrt. Er erwog: »Wie könnte ich doch diese Geschöpfe so schaffen, dass sie mich, einmal geschaffen, ehren?« Da erblickte er dieses weitere Sāman. Mit ihm sang er.
sa stauṣe ity eva nidhanam upait tā atoṣayat. tā asya vaśam āyan. toṣayati dviṣato bhrātṛvyān vaśam asya svā āyanti ya evaṃ veda. sa yad āmahīyamānā apaśyat tad āmahīyavasyāmahīyavatvam. yad v evainā vaśe kṛtvāmahīyata tad v evāmahīyavasyāmahīyavatvam. ā svān vaśe kṛtvā mahīyate ya evaṃ veda. tad ye ’sya svā avaśīkṛtā iva syur etad evaiṣāṃ madhya āsīno ’dhīyīta. vaśa evainānkurute. uttarakuravo hāhur avaṣaṭkṛtasyaiva somasya kurupañcālā bhakṣayantīti. ekaikasyai devatāyai hotā vaṣaṭkaroti sarvābhya udgātā. sarvadevatyo hy udgātā. āmahīyavasya nidhanena vaṣaṭ kuryād iti. vaṣaṭkṛtasyaiva somasya bhakṣayanti. tad u ha smāha mārjaś śailano bhrātṛvyān vāva nidhanena toṣayatīti. purastād eva nidhanasya vaṣaṭkuryāt vauṣaḍ bhūmī o dadā iti. vaṣaṭkṛtasyaiva somasya bhakṣayati
Beim Erreichen des Nidhana »sa stauṣe« stimmte er sie damit gnädig. Sie kamen unter seine Gewalt. Seine hassenden Rivalen stimmt gnädig, und die Seinen kommen unter seine Gewalt, wer dies weiß. Dass er sie hoch geehrt werdend erblickte, das ist ein weiterer Zug der Āmahīyava-Kraft des Āmahīyava. Und dass er, nachdem er sie unter seine Gewalt gebracht hatte, geehrt wurde, auch das ist die Āmahīyava-Kraft des Āmahīyava. Geehrt wird, wer die Seinen unter seine Gewalt gebracht hat, wer dies weiß.
Sollten sich einige der Seinen gleichsam der Gewalt entziehen, so sollte er, in ihrer Mitte sitzend, dies Sāman studieren; damit bringt er sie eben unter seine Gewalt. Die Uttarakurus sollen sagen: »Erst nachdem der Vaṣaṭ-Ruf ergangen ist, verzehren die Kuru-Pañcālas den Soma.« Für jede einzelne Gottheit spricht der Hotṛ den Vaṣaṭ-Ruf, für alle zusammen der Udgātṛ; denn der Udgātṛ gehört ja allen Gottheiten zugleich. »Mit dem Nidhana des Āmahīyava soll man den Vaṣaṭ-Ruf sprechen« – erst den mit dem Vaṣaṭ-Ruf versehenen Soma verzehrt man.
Mārjā Śailana soll dazu gesagt haben: »Eben mit dem Nidhana stimmt man die hassenden Rivalen gnädig.« Schon vor dem eigentlichen Nidhana sollte man den Vaṣaṭ-Ruf sprechen: »Vauṣaṭ! Erde! Ich gebe!« – erst den mit dem Vaṣaṭ-Ruf versehenen Soma verzehrt man.
[Anm.: Der kurze Ausruf "Vauṣaṭ! Erde! Ich gebe!" bleibt im Wortlaut unsicher überliefert und wird hier nur behelfsmäßig wiedergegeben.]
yo vai yajñasyodhar veda duhe yajñam. pavamāno vāva yajñaḥ. tasya gāyatry evodhaḥ. gāyatrīṃ caturṛcāṃ kuryāt. yajñasyaiva tad ūdhar dadhāti duhe yajñam. yo vai yajñasya pratiṣṭhāṃ veda prati yajñaṃ sthāpayati praty ātmanā tiṣṭhati. pavamāno vāva yajñaḥ. tasya gāyatry eva pratiṣṭhā. gāyatrīṃ caturṛcāṃ kuryād. yajñasyaiva tatpratiṣṭhāṃ dadhāti. prati yajñaṃ sthāpayati praty ātmanā tiṣṭhati. uccā te jātam andhasā. asya pratnām anu dyutam. enā viśvāny arya ā ity etāsu gāyatraṃ kuryāt. tāsv āmahīyavam. sa yad dhāyyāṃ caturthīṃ dadhāti tena caturṛcaṃ bhavati. pratitiṣṭhatībhaḥ. prati yajñaṃ sthāpayati praty ātmanā tiṣṭhati
Wer das Euter des Opfers kennt, melkt das Opfer. Der Pavamāna, das Läuterungslied, ist ja das Opfer; sein Euter eben ist die Gāyatrī. Man sollte die Gāyatrī vierversig machen. Damit verleiht man dem Opfer eben sein Euter; man melkt das Opfer. Wer die Grundlage des Opfers kennt, gründet das Opfer und steht selbst durch sich selbst fest. Der Pavamāna ist ja das Opfer; seine Grundlage eben ist die Gāyatrī. Man sollte die Gāyatrī vierversig machen. Damit verleiht man dem Opfer eben seine Grundlage; man gründet das Opfer, steht selbst durch sich selbst fest.
»Hoch ist dein Wachstum, geboren aus dem Trank.« »Nach seinem alten Glanz.« »Diese, alle, o Herr.« Mit diesen sollte man den Gāyatra-Gesang vollziehen; unter ihnen das Āmahīyava. Dass man eine vierte Hāyyā-Strophe hinzufügt, dadurch wird er vierversig. »Den fest Gegründeten« – damit gründet man das Opfer, steht selbst durch sich selbst fest.
trīṇi ha vai chandāṃsi yajñaṃ vahanti gāyatrī triṣṭub jagatī. tad evānuṣṭub āntād anvāyattā. tayā devās svargaṃ lokam ajigāṃsan. tayā na vyāpnuvan. tasyāṃ catuṣpadaḥ paśūn upādadhur gāṃ cāśvaṃ cājāṃ cāviṃ ca. tayā vyāpnuvan. te ’bruvan svargaṃ lokaṃ gatvā bṛhatī vā iyam abhūd yayedaṃ vyāpāmeti. tad eva bṛhatyai bṛhatītvam. na tataḥ purā bṛhatī nāma chanda āsa. sā vā eṣā paśava eva yad bṛhatī. yena nidhanam upayanti. tena prastauti. teno eva punar ādim ādatte. tasmāt paśavo yata eva prajāyante tatassaṃbhavanti. te tata eva punaḥ prajāyante. na bṛhatyā vaṣaṭkuryāt paśūnām apravargāya. yad bṛhatyā vaṣaṭkuryād vajreṇa vaṣaṭkāreṇa paśūn pravṛñjyāt
Drei Versmaße tragen ja das Opfer: Gāyatrī, Triṣṭubh, Jagatī. Die Anuṣṭubh aber ist ihnen als Anhang am Ende zugeordnet. Mit ihr wollten die Götter zur himmlischen Welt gelangen. Mit ihr allein vermochten sie es nicht. Da fügten sie ihr die vierfüßigen Tiere hinzu: Rind, Pferd, Ziege und Schaf. Mit ihr vermochten sie es nun. Sie sprachen: »Zur himmlischen Welt gelangt, ist diese hier zur ›Großen‹, zur Bṛhatī, geworden, durch die wir dies vermochten!« Das eben ist die Bṛhatī-Kraft der Bṛhatī; zuvor gab es kein Versmaß namens Bṛhatī. Dies eben, die Bṛhatī, ist geradezu das Vieh selbst. Wodurch man zum Nidhana gelangt, damit beginnt man den Prastāva, das Vorspiel; mit eben demselben nimmt man auch wieder den Anfang auf. Deshalb entstehen die Tiere, von wo auch immer sie geboren werden, gerade von dort; von dort werden sie auch wieder geboren. Man sollte mit der Bṛhatī nicht den Vaṣaṭ-Ruf sprechen, damit die Tiere nicht vertrieben werden. Würde man mit der Bṛhatī den Vaṣaṭ-Ruf sprechen, würde man mit dem blitzgleichen Vaṣaṭ-Ruf die Tiere vertreiben.
[Anm.: Die Herleitung des Namens "Bṛhatī" (die Große, Weite) von der erweiterten, durch die vier Haustiere ergänzten Anuṣṭubh schließt den in 1.66–69 begonnenen Kreis der Versmaß-Ätiologien; Prastāva (Vorgesang) und Nidhana (Schlussgesang) bilden gemeinsam den Rahmen jedes Sāman-Vortrags.]