Kapitel 16
Die dreifache Weltschöpfung und die Affen-Erzählung der Naimiṣīyas
Das Kāṇḍa gipfelt in der berühmten Kosmogonie, nach der Prajāpati durch dreifache Erhitzung aus den drei Welten die drei Lichter Agni, Vāyu und Āditya, aus diesen die drei Veden und aus den Veden schließlich die drei Vyāhṛtis Bhūr-Bhuvaḥ-Svaḥ als Allheilmittel für jedes missglückte Opfer hervorgehen lässt. Nach einem Rätsel um das rechte 'Mitpressen' während einer Sattra-Sitzung und einer Sühneformel für nächtlichen Samenerguss schließt das Buch mit der Erzählung, wie der große Indra in Affengestalt den Opferkuchen der Naimiṣīya-Weisen zerstört und ihr Priester Śitibāhu die Vyāhṛtis als Sühne dafür findet.
atha prajāpatiḥ prājijaniṣata. sa tapo ’tapyata. sa aikṣata hanta nu pratiṣṭhāṃ janaye tato yāḥ prajās sṛkṣye tām etad eva pratiṣṭhāsyanti nāpratiṣṭhitāś carantīḥ pradarṣiṣyanta iti. sa imaṃ lokam ajanayad antarikṣalokam amuṃ lokam iti. tān imāṃs trīn lokān janayitvābhyaśrāmyat. tān samatapat. tebhyas saṃtaptebhyas trīṇi śukrāṇy udāyann agniḥ pṛthivyā vāyur antarikṣād ādityo divaḥ. sa etāni śukrāṇi punar abhy evātapat. tebhyas saṃtaptebhyas trīṇy eva śukrāṇy udāyann ṛgveda evāgner yajurveda vāyos sāmaveda ādityāt. sa etāni śukrāṇi punar abhy evātapat. tebhyas saṃtaptebhyas trīṇy eva śukrāṇy udāyan bhūḥ ity evargvedāt bhuvaḥ iti yajurvedāt svaḥ iti sāmavedāt. tad dha vai trayyai vidyāyai śukram. etāvad idaṃ sarvam. sa yo vai trayīṃ vidyāṃ viduṣo lokas so ’sya loko bhavati ya evaṃ veda
Da wünschte sich Prajāpati, sich fortzupflanzen. Er übte Askese. Er erwog: »Wohlan, lass mich einen festen Grund schaffen; dann werden die Geschöpfe, die ich aussenden werde, eben in diesem ihren Halt finden – sonst würden sie, haltlos umherirrend, zugrunde gehen.«
Er erschuf diese Welt hier, die Zwischenraum-Welt und jene Welt dort. Nachdem er diese drei Welten erschaffen hatte, erschöpfte er sich. Er erhitzte sie durch und durch. Aus ihnen, so erhitzt, stiegen drei lichte Wesenheiten empor: Agni aus der Erde, Vāyu aus dem Zwischenraum, Āditya aus dem Himmel.
Diese lichten Wesenheiten erhitzte er noch einmal. Aus ihnen, so erhitzt, stiegen wiederum drei lichte Wesenheiten empor: der Ṛgveda aus Agni, der Yajurveda aus Vāyu, der Sāmaveda aus Āditya.
Diese lichten Wesenheiten erhitzte er noch einmal. Aus ihnen, so erhitzt, stiegen wiederum drei lichte Wesenheiten empor: »Bhūr« aus dem Ṛgveda, »Bhuvaḥ« aus dem Yajurveda, »Svaḥ« aus dem Sāmaveda.
Das eben ist die lichte Wesenheit der dreifachen Wissenschaft. So viel ist dieses Ganze. Wessen Welt die dessen ist, der die dreifache Wissenschaft kennt, die wird zu seiner eigenen Welt, wer dies weiß.
[Anm.: Dieser dreistufige Erhitzungs-Mythos – von den drei Welten über die drei Elemente Agni, Vāyu und Āditya und die drei Veden bis zu den drei Vyāhṛtis Bhūr, Bhuvaḥ, Svaḥ – gehört zu den bekanntesten kosmogonischen Grundtexten der Brāhmaṇa-Literatur und findet sich in enger Parallele auch im Śatapatha-Brāhmaṇa, etwa 11,5,8, und in der Chāndogya-Upaniṣad.]
sa vai khalu prajāpatir yajñaṃ sṛṣṭvordhva udakrāmat. sa devān abravīd etena yūyaṃ trayeṇa vedena yajñaṃ tanudhvam iti. te devā anena trayeṇa vedena yajamānā apa pāpmānam aghnata pra svargaṃ lokam ajānan. te ’bruvan yan nu vayam anena trayeṇa vedena yajamānā apa pāpmānam avadhiṣmābhi pra svargaṃ lokam ajñāsiṣma. yan nu no ’dyāyaṃ yajño bhreṣaṃ nīyāt kenainaṃ bhiṣajyāmeti. tān prajāpatir abravīd yad vā etasya trayasya vedasya te indriyaṃ vīryaṃ rasa āsīd idaṃ vā ahaṃ tat samudayaccham ity etā vyāhṛtīḥ prayacchann etābhir enaṃ bhiṣajyātheti. sa yadi yajña ṛkto bhreṣaṃ nīyāt bhūs svāhā iti gārhapatye juhavātha. saiva tatra prāyaścittiḥ. atha yadīṣṭipaśubandheṣu vā darśapūrṇamāsayor vā bhuvas svāhā ity anvāhāryapacane juhavātha. saiva tatra prāyaścittiḥ. atha yady anupasmṛtāt kuta idam ajanīti bhūr bhuvas svas svāhā ity āhavanīye juhavātha. saiva tasya sarvasya prāyaścittiḥ. tad yathā śīrṇaṃ tat parvaṇa parva saṃdhāya bhiṣajyed evam evaivaṃ vidvāṃs tat sarvaṃ bhiṣajyati. atha yasyaitad avidvān prāyaścittiṃ karoti yathā śīrṇena śīrṇaṃ saṃdadhyāc chīrṇe vā bharam adhyadadhyāt tādṛk tat. tasmād u haivaṃvidam eva prāyaścittiṃ kārayeta. tad āhur yad ṛcā hotṛtvaṃ kriyate yajuṣādhvaryavaṃ sāmnodgītho ’tha kena brahmatvaṃ kriyata iti. anayā trayyā vidyayeti ha brūyāt. tasmād u yam eva brahmiṣṭhaṃ manyeta taṃ brahmāṇaṃ kurvīta. sa ha vāva brahmā ya evaṃ veda
Prajāpati nun, nachdem er das Opfer geschaffen hatte, stieg nach oben empor. Er sprach zu den Göttern: »Mit diesem dreifachen Veda vollzieht das Opfer!« Diese Götter, mit diesem dreifachen Veda opfernd, schlugen das Böse ab und erkannten die Himmelswelt. Sie sprachen: »Da wir nun, mit diesem dreifachen Veda opfernd, das Böse abgeschlagen und die Himmelswelt erkannt haben – sollte nun heute dieses unser Opfer ins Straucheln geraten, womit sollen wir es dann heilen?«
Prajāpati sprach zu ihnen: »Was auch die Vitalkraft, die Manneskraft, der Saft dieses dreifachen Veda war – eben dies habe ich zusammengefasst.« So sprechend, überreichte er ihnen diese Vyāhṛtis: »Mit diesen sollt ihr es heilen.«
Sollte das Opfer auf der Ṛc-Seite ins Straucheln geraten, so sollt ihr mit »Bhūḥ, svāhā!« im Gārhapatya-Feuer opfern. Das eben ist dort die Sühne. Sollte es aber bei den Iṣṭi-Tierbindungen oder bei Neumond-und-Vollmond-Opfer ins Straucheln geraten, so sollt ihr mit »Bhuvaḥ, svāhā!« im Anvāhāryapacana-Feuer opfern. Das eben ist dort die Sühne. Sollte es aber aus Unbedachtem geraten, sodass man fragt: »Woher ist dies entstanden?«, so sollt ihr mit »Bhūr, bhuvaḥ, svaḥ, svāhā!« im Āhavanīya-Feuer opfern. Das eben ist die Sühne für all dies.
So wie man Gebrochenes heilt, indem man Glied an Glied fügt, ebenso heilt, wer dies weiß, all dies. Wer aber, ohne dies zu wissen, die Sühne vollzieht, bei dem ist es, als würde man Gebrochenes an Gebrochenes fügen, oder dem Gebrochenen noch eine Last auflegen – so verhält es sich damit. Deshalb soll man die Sühne stets von einem vollziehen lassen, der genau dies weiß.
Dazu sagt man: Wenn durch den Ṛc das Hotṛ-Amt vollzogen wird, durch den Yajus das Adhvaryu-Amt, durch das Sāman der Udgītha – wodurch wird dann das Brahman-Amt vollzogen? »Durch eben diese dreifache Wissenschaft«, so sollte man antworten. Deshalb soll man denjenigen, den man für den Brahman-kundigsten hält, zum Brahman-Priester machen. Er ist wahrhaftig der Brahman-Priester, wer dies weiß.
tad āhur yat pūrvapakṣaṃ manuṣyās sunvanty aparapakṣaṃ devā atha sattriṇa ubhau pūrvapakṣāparapakṣau sunvanta āsate. yo nvāvaikena manuṣyeṇa saṃsunoti taṃ nv eva paricakṣate. atha kiṃ ya ubhayair devamanuṣyaiḥ. kathaṃ teṣāṃ tad asaṃsutaṃ bhavatīti. sa brūyād amuṃ vai lokaṃ manuṣyāḥ pūrvapakṣe vardhayanty amum āpyāyayanty amuṃ prajanayanti. pūrvapakṣe yajamāno vidyād amum idaṃ lokaṃ vardhayāmy amum āpyāyayāmy amuṃ prajanayāmi devānām anuṣeṇo ’smīti. yo vai śreyaso ’nuṣeṇo bhavati vai sa riṣyati. imam u vai lokaṃ devā aparapakṣe vardhayantīmam āpyāyayantīmaṃ prajanayanti. aparapakṣe yajamāno vidyād idam imaṃ lokaṃ vardhayāmīmam āpyāyayāmīmaṃ prajanayāmi manuṣyāṇām anuṣeṇo ’smīti. yo vai śreyaso ’nuṣeṇo bhavati na vai sa riṣyati
Dazu sagt man: In der ersten Monatshälfte pressen die Menschen, in der zweiten die Götter – doch die Sattra-Teilnehmer sitzen und pressen durch beide, die erste wie die zweite Monatshälfte hindurch. Wer nun zusammen mit einem einzelnen Menschen presst, den bezeichnet man eben als richtig Mitpressenden. Was aber ist mit denen, die mit beiden, Göttern und Menschen, pressen? Wie ist das bei ihnen kein Mitgepresstsein?
Man sollte antworten: Jene Welt dort lassen die Menschen in der ersten Monatshälfte wachsen, lassen sie gedeihen, bringen sie zur Geburt. In der ersten Monatshälfte soll der Opferherr wissen: »Ich lasse jene Welt wachsen, lasse sie gedeihen, bringe sie zur Geburt; ich bin ein Gefolgsmann der Götter.« Wer eben Gefolgsmann des Überlegenen wird, der kommt zu Schaden.
Diese Welt hier aber lassen die Götter in der zweiten Monatshälfte wachsen, lassen sie gedeihen, bringen sie zur Geburt. In der zweiten Monatshälfte soll der Opferherr wissen: »Ich lasse diese Welt hier wachsen, lasse sie gedeihen, bringe sie zur Geburt; ich bin ein Gefolgsmann der Menschen.« Wer eben Gefolgsmann des Überlegenen wird, der kommt nicht zu Schaden.
[Anm.: Die genaue Logik hinter dem asymmetrischen Ausgang – Schaden im einen, kein Schaden im anderen Fall, obwohl beide Male von einem »Gefolgsmann des Überlegenen« die Rede ist – bleibt im knappen Sanskrit-Text nur angedeutet; vermutlich ist gemeint, dass der Mensch, der sich in der den Menschen eigenen ersten Monatshälfte zum Gefolgsmann der überlegenen Götter erklärt, über seinen eigenen Stand hinausgreift, während er in der den Göttern eigenen zweiten Monatshälfte, als Gefolgsmann der Menschen, innerhalb seines eigenen Standes bleibt.]
atha ha smāha bhāllaveya imaṃ ha vai lokaṃ devā aparapakṣe vardhayantīmam āpyāyayantīmaṃ prajanayanti tasmāt pra pūrvāḥ prajāḥ paśava oṣadhayo vanaspatayo darghyaṃ(dapyantya?) tathāparāḥ kalyāṇītarāḥ pratidhīyantīti. etad dhi tad vidvān uvāca. tad āhur yad rathāhvayaṃ vā nadīṃ vā giribhidam asaṃsavaṃ manyante ’tha sattriṇas sāmānyāṃ śālāyāṃ bahavas sunvanta āsate. yadi vai te manyante nānedaṃ yajāmahā iti saṃ tarhi sunvanti. yady u vai manyante gṛhapatim idaṃ yājayāma ity antaritās tarhi yajñād bhavanti. kathaṃ teṣāṃ tan nāneṣṭaṃ bhavati katham asaṃsutam iti sa brūyāt --
Dazu pflegte Bhāllaveya zu sagen: »Diese Welt hier lassen die Götter in der zweiten Monatshälfte wachsen, lassen sie gedeihen, bringen sie zur Geburt; deshalb schwinden die früheren Geschöpfe, das Vieh, die Pflanzen, die Bäume, während danach andere, noch schönere, an ihre Stelle treten.« Dies eben sprach er, der es wusste.
Dazu sagt man: Wenn sie einen Wagenwettruf oder einen Fluss namens ›Bergspalter‹ für nicht-mitgepresst halten – die Sattra-Teilnehmer aber sitzen doch zu vielen in derselben Halle und pressen gemeinsam. Wenn sie nun der Meinung sind: »Wir opfern dies nicht auf dieselbe Weise«, so pressen sie dennoch gemeinsam. Wenn sie aber der Meinung sind: »Wir opfern dies allein für den Hausherrn«, so werden sie eben dadurch vom Opfer ausgeschlossen. Wie ist es dann bei ihnen verschieden geopfert, wie nicht-mitgepresst? – so sollte er antworten: –
[Anm.: An der im Sanskrit-Text selbst als unsicher überlieferten Stelle über das Schicksal der früheren Geschöpfe folgt die Übersetzung dem aus dem Zusammenhang erschließbaren allgemeinen Sinn einer Generationenfolge. Der ›Bergspalter‹ genannte Fluss wird erst in 1.361 aufgelöst.]
--prāṇo vai somo rājā. tad yad dhavirdhāne grāvabhis somaṃ rājānam abhiṣutya nānāgrahān gṛhṇanti nānāpravarān pravṛṇate nānā yajanti tenaivaiṣāṃ tan nāneṣṭaṃ bhavati. atho yad evaiṣāṃ samānā satā devatā nānā prajāsu pratiṣṭhitāto no asaṃsutam iti. yo ha tvai saṃsave saṃsavaṃ veda sa haiva saṃsunvator abhibhavati. ayam eva yo ’yaṃ pavata eṣa eva saṃsave saṃsavaḥ. etaṃ hi sarve devā anuyanti. tasmād yām eva diśaṃ vāti tāṃ diśam oṣadhayo vanaspatayo ’nupratihate. sa eṣa vā āpo yadā hy eṣa ṛcchati. atha varṣās tiṣṭhanti. sa eva tāv antareṇāvakāśaḥ. saiva sā nadī giribhid bhavaty asaṃsavāya. tasmād u haiva vidvān apy utkāśe dīkṣeta. sa haiva saṃsunvator abhibhavati. sa etāṃ devatām upatiṣṭheta śivo ’si pra tvāpadye namas te astu mā mā hiṃsīḥ. yo māṃ dveṣṭi sa ārtim ārchatu iti. yo haivaivaṃvida dveṣṭi sa ārtim ārchati
– König Soma nämlich ist der Atem. Dass sie nun im Havirdhāna, nachdem sie mit den Presssteinen König Soma ausgepresst haben, verschiedene Trankopfer-Becher nehmen, verschiedene Ahnenanrufe wählen, verschieden opfern – eben dadurch wird dies für sie zu einem verschieden Geopferten. Doch weil ihre Gottheit ein und dieselbe ist, mag sie auch verschieden unter den Geschöpfen gegründet sein – deshalb ist es für uns eben nicht nicht-mitgepresst.
Wer im Mitgepresstsein das wahre Mitpressen kennt, der eben überwältigt die beiden Mitpressenden. Eben dieser hier, der weht, das eben ist das Mitpressen im Mitgepresstsein; ihm nämlich folgen alle Götter nach. Deshalb neigen sich, wohin er auch weht, die Pflanzen und Bäume in eben diese Richtung. Er selbst wird zu Wasser, wenn er hinstürmt; dann stehen die Regen. Eben dieser ist der Zwischenraum zwischen beiden. Eben dieser wird zu jenem Fluss ›Bergspalter‹, zum Zeichen des Nicht-Mitgepresstseins. Deshalb mag, wer dies weiß, sich sogar an erhabener Stelle weihen lassen; er eben überwältigt die beiden Mitpressenden.
Er soll dieser Gottheit huldigen: »Gütig bist du; ich nahe mich dir; Verehrung sei dir; verletze mich nicht, mich nicht. Wer mich hasst, der gerate ins Unglück.« Wer immer den hasst, der dies weiß, der gerät ins Unglück.
[Anm.: Die Gottheit, der hier gehuldigt wird, ist – wie aus dem Kontext, »der weht«, hervorgeht – Vāyu, der Wind; die Gleichung Soma = Atem = Vāyu verbindet die eingangs aufgeworfene Sattra-Frage mit dem abschließenden Windmythos, in dem der Fluss ›Bergspalter‹ aus 1.360 als Bild für die verborgene Einheit hinter scheinbarer Vielfalt gedeutet wird.]
tad āhuḥ katidhāvakīryamāṇaḥ praviśatīti. caturdheti brūyāt. caturdhā ha vā eṣa praviśati yo ’vakīryate. indraṃ balena marutaḥ prāṇena bṛhaspatiṃ brahmavarcasenāgnim evetareṇa sarveṇa. athāśukraḥ pariśiṣyate. tasyaiṣā prāyaścittiḥ. amāvāsyāṃ rātrim agnim upasamādhāya paristīrya pariṣicyaite āhutī juhuyāt kāmāvakīrṇo ’smy avakīrṇo ’smi kāma kāmāya svāhā. kāmābhidrugdho ’smy abhidrugdho ’smi kāma kāmāya svāhā iti. so ’ñjaliṃ kṛtvā trir upatiṣṭhatu saṃ mā siñcantu marutas sam indras saṃ bṛhaspatiḥ. saṃ māyam agnis siñcatv āyuṣā ca balena ca. dīrgham āyuḥ kṛṇotu me. iti. sa yad āha saṃ mā siñcantu marutaḥ iti maruta evāsmai tat punaḥ prāṇaṃ dadhati ya evaṃ veda tasmai. sa yad āha sam indraḥ iti indra evāsmai tatpunar balaṃ dadāti ya evaṃ veda tasmai. sa yad āha saṃ bṛhaspatiḥ iti bṛhaspatir evāsmai tad brahmavarcasaṃ dadāti ya evaṃ veda tasmai. sa yad āha sam agni- ity agnir evainaṃ tat sarveṇetareṇa samṛddhayati yenāvakīryamāṇo vyṛdhyate. sa trir abhimantrayate. traya ime lokāḥ. āpnotīmāṃs trīn lokān sarvam āyur ety eva pāpmānaṃ hate gacchati svargaṃ lokam
Dazu sagt man: »Auf wie viele Weisen geht der ein, der von Ausfluss ergriffen wird?« »Auf vierfache Weise«, sollte man antworten. Vierfach nämlich geht der ein, der im Schlaf Samenerguss erleidet: mit Kraft in Indra, mit Atem in die Maruts, mit heiliger Glut in Bṛhaspati, mit allem Übrigen in Agni. Dann bleibt er ohne Samen zurück. Dies ist seine Sühne:
In der Neumondnacht soll er, nachdem er das Feuer entzündet, Gras ausgebreitet und Wasser besprengt hat, diese beiden Spenden darbringen: »Aus Verlangen bin ich dem Ausfluss verfallen, verfallen bin ich; o Verlangen, dem Verlangen, svāhā!« – »Aus Verlangen bin ich mir selbst untreu geworden, untreu bin ich geworden; o Verlangen, dem Verlangen, svāhā!« Mit gefalteten Händen soll er dann dreimal huldigend nahen: »Zusammen sollen mich die Maruts begießen, zusammen Indra, zusammen Bṛhaspati. Zusammen soll mich dieser Agni begießen, mit Lebenskraft und mit Stärke. Langes Leben schaffe er mir.«
Wenn er spricht: »Zusammen sollen mich die Maruts begießen« – die Maruts eben geben ihm dadurch den Atem wieder zurück, wer dies weiß, dem. Wenn er spricht: »Zusammen Indra« – Indra eben gibt ihm dadurch die Kraft wieder zurück, wer dies weiß, dem. Wenn er spricht: »Zusammen Bṛhaspati« – Bṛhaspati eben gibt ihm dadurch die heilige Glut wieder zurück, wer dies weiß, dem. Wenn er spricht: »Zusammen Agni« – Agni eben lässt ihn dadurch an all dem Übrigen gedeihen, wodurch er, vom Ausfluss ergriffen, zu Schaden gekommen war.
Dreimal spricht er es mit Kraft. Dreifach sind diese Welten: Er erlangt diese drei Welten, erreicht die volle Lebensspanne und geht, nachdem er das Böse abgeschlagen hat, zur Himmelswelt ein.
atha ha vai naimiśīyā iti sattriṇas somaśuṣmagṛhapatayas sattraṃ niṣeduḥ. teṣāṃ mahendro vyardhayiṣyan markaṭarūpeṇa puroḍāśaṃ pramamātha. atha haiṣāṃ śitibāhur aiṣakṛto ’dhvaryur anūcānā āsa. sa haitaṃ trayyai vidyāyai śukraṃ rasaṃ pravṛḍhaṃ vidāṃcakāra sarvasya prāyaścittiṃ bhūr bhuvas svaḥ ity etābhir vyāhṛtibhiḥ. etā vai vyāhṛtayas sarvaprāyaścittayaḥ. tad yathā vā adas samudro ’nanto ’pāro ’kṣito dyāvāpṛthivī sarva ime lokā evaṃ vā etā vyāhṛtayo ’kṣitāḥ --
Einst nun setzten sich die Naimiṣīyas genannten Sattra-Teilnehmer, die ›Soma-Kraft-Hausherren‹, zu einem Sattra nieder. Ihnen wollte der große Indra Schaden zufügen; in Gestalt eines Affen zerstampfte er den Opferkuchen. Nun war ihr Adhvaryu, Śitibāhu Aiṣakṛta, in der Überlieferung wohl bewandert. Er erkannte diesen lichten, mächtigen Saft der dreifachen Wissenschaft als Sühne für alles: »Bhūr, bhuvaḥ, svaḥ« – mit eben diesen Vyāhṛtis. Diese Vyāhṛtis nämlich sind Sühnen für alles. So wie jener Ozean dort unendlich, uferlos, unerschöpflich ist, wie Himmel-und-Erde, wie alle diese Welten – so sind auch diese Vyāhṛtis unerschöpflich –
--adugdhā anantā akṣarā iti. tad yad vai bhūḥ iti tad ayaṃ loko yad bhuvaḥ iti tad idam antarikṣaṃ yat svaḥ iti tad asau lokaḥ. etā vai vyāhṛtayaḥ. etā vai devatā etā vyāhṛtaya ity etad dhi tadviduṣaś śitibāhor aiṣakṛtasya naimiśe markaṭaḥ puroḍāśaṃ pramamātha. sa hovāca caturgṛhītam ājyaṃ gṛhītvā’’ vāharaṃ juhomi veti. sa hovāca tad aha tvam itthaṃ cāmuthā ca yadi tvam anūciṣe markaṭaḥ puroḍāśaṃ pramathiṣyati tasya prāyaścittim iti. sa hovāca tad ahāhaṃ vasīyān bhūyāsaṃ yad aham avvabhravyasamājñātasya prāyaścittim ā vāhara juhomi veti. āharāṇīti hovāca mahauṣīr iti. tam u hājahāra. tad yasyaivaṃ vidvān brahmā bhavati dakṣiṇato hāsyodaṅ yajñaḥ praṇavo bhavati dakṣiṇato hāsyodaṅ yajñaḥ praṇavas saṃtiṣṭhate yasyaivaṃ vidvān brahmā bhavati ya u cainam evaṃ veda ya u cainam evaṃ veda
– unausgemolken, endlos, unvergänglich. Was nun »Bhūḥ« ist, das ist diese Welt hier; was »Bhuvaḥ« ist, das ist dieser Zwischenraum; was »Svaḥ« ist, das ist jene Welt dort. Das eben sind die Vyāhṛtis; das eben sind die Gottheiten, eben diese Vyāhṛtis. Denn eben diesem Wissenden, Śitibāhu Aiṣakṛta, zerstampfte im Naimiṣa-Wald der Affe den Opferkuchen.
Er sprach: »Soll ich, nachdem ich vierfach gefasste Opferschmalz-Spende genommen habe, sie herbeibringen und opfern, oder nicht?« Da sprach jener zu ihm: »Da du nun so und so bewandert bist – wenn ein Affe den Opferkuchen zerstampfen wird, sage mir dessen Sühne!« Da sprach er: »So möchte ich denn umso reicher werden, als ich die Sühne für dieses Unerkannte, Unbekannte künde – soll ich sie herbeibringen und opfern, oder nicht?« »Bring sie her«, sprach jener, »du Trefflicher!« Da brachte er sie herbei.
Wessen Brahman-Priester also ein solcher Wissender ist, dessen Opfer, samt dem Praṇava, steht fest gegründet, südlich von ihm, nach Norden gewandt; dessen Opfer, samt dem Praṇava, findet Bestand, südlich von ihm, nach Norden gewandt – wessen Brahman-Priester ein solcher Wissender ist, und wer dies ebenso weiß, und wer dies ebenso weiß.
[Anm.: Die genaue Bedeutung der Wendung »avvabhravyasamājñātasya« sowie der Anrede am Ende des Wortwechsels bleibt im überlieferten Sanskrit-Text unsicher; die Übersetzung folgt dem aus dem Zusammenhang erschließbaren allgemeinen Sinn eines Prüfungsgesprächs zwischen Śitibāhu und seinem Gegenüber, wohl Indra selbst. Mit der doppelten Schlussformel »und wer dies ebenso weiß« endet das erste Kāṇḍa des Jaiminīya-Brāhmaṇa.]