Kapitel 3
Bhṛgus Jenseitsreise und die Sterberiten des Opferers
Im Zentrum steht die berühmte Vision des hochmütigen Bhṛgu Vāruṇi, der auf seiner Jenseitsreise sechs rätselhafte Bilder von Vergeltung und Seligkeit erblickt, die sein Vater Varuṇa als Folgen richtiger und falscher Agnihotra-Praxis deutet. Es folgen die Lehre vom Agni Vaiśvānara, der sich durch Sonne, Gewitter, Erde, Mensch und Frau bis zur Zeugung hindurchzieht, sowie die genaue Beschreibung von Sterbe-, Bestattungs- und Jenseits-Befragungsriten; der Abschnitt schließt mit den ersten Fällen von Sühne bei Pannen am Opferfeuer.
athopamārṣṭi. sa yat prathamam upamārṣṭi tena gandharvāpsarasaḥ prīṇāti. taṃ gandharvāpsarasa āhuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yad dvitīyam upamārṣṭi tena grahāṃś ca pitṝṃś ca prīṇāti. taṃ grahāś ca pitaraś cāhuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yad dvir aṅgulyā prāśnāti sa yat prathamaṃ prāśnāti tena prāṇāpānau tṛpyataḥ. taṃ prāṇāpānāv āhatuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yad dvitīyaṃ prāśnāti tenodānāpānau tṛpyataḥ. tam udānāpānāv āhatuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yat srucā prāśnāti tena samānavyānau ca garbhāṃś ca prīṇāti. taṃ samānavyānau garbhāś cāhuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yat srucaṃ niraśnāti tena devajanān prīṇāti. ta devajanā āhuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yat srucas saṃkṣālanaṃ ninayati tena vayāṃsi prīṇāti. taṃ vayāṃsy āhuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yā etās sruco nirṇijyodīcīr apa utsiñcati tena ṛṣīn prīṇāti. tam ṛṣaya āhuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yat sthālīsaṃkṣālanaṃ ninayati tena sarpajanān prīṇāti. taṃ sarpajanā āhuś śraddhā te mā vigāt sarvaiḥ kāmais tṛpya svargaṃ lokam āpnuhīti. atha yat paścād vā purastād vā parikramya dakṣiṇato ’gnīnām āste prajāpatir eva tad bhūtvāste kam aham asmi kaṃ mama iti
Dann wischt man sich ab. Womit man sich zuerst abwischt, damit erfreut man die Gandharven und Apsaras. Zu ihm sprechen dann die Gandharven und Apsaras: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Womit man sich zum zweiten Mal abwischt, damit erfreut man die Grahas und die Väter (Pitṛs). Zu ihm sprechen dann die Grahas und Väter: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Wenn man mit zwei Fingern isst: Womit man zuerst isst, damit werden Einatem und Ausatem gesättigt. Zu ihm sprechen dann Einatem und Ausatem: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Womit man zum zweiten Mal isst, damit werden Aufwärtsatem und Ausatem gesättigt. Zu ihm sprechen dann Aufwärtsatem und Ausatem: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Womit man mit dem Löffel isst, damit erfreut man den ausgleichenden Atem und den Zwischenatem sowie die Keime im Mutterleib. Zu ihm sprechen dann der ausgleichende Atem, der Zwischenatem und die Keime: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Womit man den Löffel gänzlich ausisst, damit erfreut man das göttliche Volk. Zu ihm spricht dann das göttliche Volk: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Womit man das Spülwasser des Löffels ausgießt, damit erfreut man die Vögel. Zu ihm sprechen dann die Vögel: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Womit man diese gereinigten Löffel nach Norden hin ausgießt, damit erfreut man die Seher (Ṛṣis). Zu ihm sprechen dann die Ṛṣis: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Womit man das Spülwasser des Gefäßes ausgießt, damit erfreut man das Schlangenvolk. Zu ihm spricht dann das Schlangenvolk: »Der Glaube verlasse dich nicht; sättige dich an allen Wünschen; erlange die Himmelswelt!«
Und dass man dann, nach hinten oder nach vorn herumgehend, südlich von den Feuern sitzt: Eben dadurch, dass man Prajāpati geworden ist, sitzt man da: »Ka [Wer/Prajāpati] bin ich, ka [wem/Prajāpati] gehöre ich?«
[Anm.: Der Schlusssatz spielt mit "ka" – zugleich Fragewort ("wer?") und alter Beiname Prajāpatis, vgl. bereits 1.18.]
bhṛgur ha vāruṇir anūcāna āsa. sa hāty eva pitaraṃ mane ’ti devān aty anyān brāhmaṇān anūcānān. sa ha varuṇa īkṣāṃcakre na vai me putraḥ kiṃ cana prajānāti. hantainaṃ prajñāpayānīti. tasya ha prāṇān abhijagrāha. sa ha tatām. sa ha tāntaḥ paraṃ loka jagāma. sa hāmuṣmin loka ājagāma. puruṣa eva puruṣaṃ saṃvṛścyāthainaṃ jaghāsa. sa hovācābhūd batedaṃ kiṃ svid idam iti. taṃ hocuḥ pitaraṃ varuṇaṃ pṛcchāsi sa ta idaṃ pravakteti. dvitīyaṃ hājagāma. puruṣa eva puruṣam ākrandayantaṃ jaghāsa. sa hovācābhūd batedaṃ kiṃ svid idam iti. taṃ hocuḥ pitaraṃ varuṇaṃ pṛcchāsi sa ta idaṃ pravakteti. tṛtīyaṃ hājagāma. puruṣa eva puruṣaṃ tūṣṇīm avyāharantaṃ jaghāsa. sa hovācābhūd batedaṃ kiṃ svid idam iti. taṃ hocuḥ pitaraṃ varuṇaṃ pṛcchāsi sa ta idaṃ pravakteti. caturthaṃ hājagāma. dve striyau mahad vittaṃ jugupatuḥ. sa hovācābhūd batedaṃ kiṃ svid idam iti. taṃ hocuḥ pitaraṃ varuṇaṃ pṛcchāsi sa ta idaṃ pravakteti. pañcamaṃ hājagāma. lohitakulyāṃ ca ghṛtakulyāṃ ca prabāhuk syandamāne. sā yā lohitakulyās tāṃ kṛṣṇo nagnaḥ puruṣo musalī jugopa. atha yā ghṛtakulyā tasyai hiraṇmayāḥ puruṣā hiraṇmayaiś camasais sarvān kāmān udacire. sa hovācābhūd batedaṃ kiṃ svid idam iti. taṃ hocuḥ pitaraṃ varuṇaṃ pṛcchāsi sa ta idaṃ pravakteti. ṣaṣṭhaṃ hājagāma. pañca nadīḥ puṣkariṇīḥ puṇḍarīkiṇīr madhūdakās syandamānāḥ. tāsu nṛttagītaṃ vīṇāghoṣo ’psarasāṃ gaṇās surabhir gandho mahān ghoṣo babhūva. sa hovācābhūd batedaṃ kiṃ svid idam iti. taṃ hocuḥ pitaraṃ varuṇaṃ pṛcchāsi sa ta idaṃ pravakteti
Bhṛgu, der Sohn Varuṇas, war ein Gelehrter. Er hielt sich für bedeutender als seinen Vater, ja für bedeutender als die Götter und alle anderen gelehrten Brahmanen. Da dachte Varuṇa: »Mein Sohn weiß ja in Wahrheit nichts. Wohlan, ich will ihn es erkennen lehren!« Und er ergriff seinen Atem. Der lag da wie tot; er ging in jene Welt hinüber und gelangte dorthin.
Dort sah er, wie ein Mann einen anderen Mann zerstückelte und ihn dann verzehrte. Er sprach: »Ach, was mag das nur sein?« Man sagte ihm: »Frage deinen Vater Varuṇa danach; er wird es dir erklären.«
Er gelangte zu einem zweiten Ort. Dort verzehrte ein Mann einen anderen Mann, der laut schrie. Er sprach: »Ach, was mag das nur sein?« Man sagte ihm: »Frage deinen Vater Varuṇa danach; er wird es dir erklären.«
Er gelangte zu einem dritten Ort. Dort verzehrte ein Mann einen anderen Mann, der schweigend nichts sagte. Er sprach: »Ach, was mag das nur sein?« Man sagte ihm: »Frage deinen Vater Varuṇa danach; er wird es dir erklären.«
Er gelangte zu einem vierten Ort. Dort hüteten zwei Frauen einen großen Schatz. Er sprach: »Ach, was mag das nur sein?« Man sagte ihm: »Frage deinen Vater Varuṇa danach; er wird es dir erklären.«
Er gelangte zu einem fünften Ort. Dort flossen ein Blutstrom und ein Ghee-Strom dahin. Den Blutstrom hütete ein schwarzer, nackter Mann mit einer Keule; dem Ghee-Strom aber schöpften goldene Männer mit goldenen Schalen alle gewünschten Wünsche heraus. Er sprach: »Ach, was mag das nur sein?« Man sagte ihm: »Frage deinen Vater Varuṇa danach; er wird es dir erklären.«
Er gelangte zu einem sechsten Ort. Dort flossen fünf Flüsse dahin, voller Lotos- und Seerosenblüten, mit Honigwasser; auf ihnen war Tanz und Gesang, Lautenklang, Scharen von Apsaras, wohlriechender Duft, gewaltiger Schall. Er sprach: »Ach, was mag das nur sein?« Man sagte ihm: »Frage deinen Vater Varuṇa danach; er wird es dir erklären.«
[Anm.: Diese Erzählung von Bhṛgu Vāruṇis Jenseitsreise – eine der berühmtesten Erzählungen des JB – ist eine der frühesten indischen Visionen von postmortalischer Vergeltung; eine verwandte Fassung findet sich im Śatapatha-Brāhmaṇa (11.6.1). Die folgenden Abschnitte 1.43–1.44 deuten jedes der sechs Bilder als Konsequenz eines bestimmten Fehlverhaltens beim Agnihotra-Opfer.]
sa ha tata evāvavṛte. sa ha varuṇam evājagāma. taṃ hovācāgas tātā iti. āgāṃ tateti. adarśas tātā iti. adarśaṃ tateti. kiṃ tateti. puruṣa eva puruṣaṃ saṃvṛścyāthainam aghad iti. om iti hovāca. ye vā asmin loke ’gnihotram ajuhvato naivaṃvido vanaspatīn saṃvṛścyābhyādadhati tān vā amuṣmin loke vanaspatayaḥ puruṣarūpaṃ kṛtvā pratyadanti. tasya kā niṣkṛtir iti. yad evaitat samidham abhyādadhāti sā tasya niṣkṛtis tayā tad atimucyata iti. kiṃ dvitīyam iti. puruṣa eva puruṣam ākrandayantam aghad iti. om iti hovāca. ye vā asmin loka ’gnihotram ajuhuhvato naivaṃvidaḥ paśūn ākrandayataḥ pacante tān vā amuṣmin loke paśavaḥ puruṣarūpaṃ kṛtvā pratyadanti. tasya kā niṣkṛtir iti. yad evaitad vācā pūrvām āhutiṃ juhoti sā tasya niṣkṛtis tayā tad atimucyata iti. kiṃ tṛtīyam iti. puruṣa eva puruṣaṃ tūṣṇīm avyāharantam aghad iti. om iti hovāca. ye vā asmin loke ’gnihotram ajuhvato naivaṃvido vrīhiyavāṃs tūṣṇīm avyāharataḥ pacante tān vā amuṣmin loke vrīhiyavāḥ puruṣarūpaṃ kṛtvā pratyadanti. tasya kā niṣkṛtir iti. yad evaitan manasottarām āhutiṃ juhoti sā tasya niṣkṛtis tayā tad atimucyata iti. kiṃ caturtham iti. dve striyau mahad vittam ajugupatām iti. om iti hovāca. śraddhā ca vai te aśraddhā cābhūtām. ye vā asmin loke ’gnihotram ajuhvato naivaṃvido ’śraddadhānā yajante tad aśraddhāṃ gacchati yac chraddadhānās tac chraddhām. tasya kā niṣakṛtir iti. yad evaitad aṅgulyā prāśnāti sā tasya niṣkṛtis tayā tad atimucyata iti
Er kehrte von dort zurück und gelangte zu Varuṇa selbst. Er sprach zu ihm: »Ich bin angekommen, Vater.« – »Du bist angekommen, mein Sohn.« – »Ich habe etwas gesehen, Vater.« – »Was hast du gesehen, mein Sohn?« – »Ein Mann zerstückelte einen anderen Mann und verzehrte ihn dann.« – »Ja«, sprach er. »Wer in dieser Welt das Agnihotra nicht darbringt und, ohne dies zu wissen, Bäume fällt, ohne sie [durch das Feuerholz-Auflegen] darzubringen: die werden in jener Welt, nachdem die Bäume Menschengestalt angenommen haben, von ihnen zurückverzehrt. Was ist die Abhilfe dafür?« – »Eben dass man das Brennholz [beim Agnihotra] aufeinanderlegt, das ist seine Abhilfe; dadurch entrinnt man dem.«
»Was war das Zweite?« – »Ein Mann verzehrte einen anderen Mann, der laut schrie.« – »Ja«, sprach er. »Wer in dieser Welt das Agnihotra nicht darbringt und, ohne dies zu wissen, schreiende Tiere schlachtet und kocht: die werden in jener Welt, nachdem die Tiere Menschengestalt angenommen haben, von ihnen zurückverzehrt. Was ist die Abhilfe dafür?« – »Eben dass man die erste Spende mit der Rede darbringt, das ist seine Abhilfe; dadurch entrinnt man dem.«
»Was war das Dritte?« – »Ein Mann verzehrte einen anderen Mann, der schweigend nichts sagte.« – »Ja«, sprach er. »Wer in dieser Welt das Agnihotra nicht darbringt und, ohne dies zu wissen, Reis und Gerste schweigend kocht: die werden in jener Welt, nachdem Reis und Gerste Menschengestalt angenommen haben, von ihnen zurückverzehrt. Was ist die Abhilfe dafür?« – »Eben dass man die zweite Spende mit dem Denken darbringt, das ist seine Abhilfe; dadurch entrinnt man dem.«
»Was war das Vierte?« – »Zwei Frauen hüteten einen großen Schatz.« – »Ja«, sprach er. »Glaube und Unglaube waren das. Wer in dieser Welt das Agnihotra nicht darbringt und, ohne dies zu wissen, ohne Glauben opfert: der gelangt zum Unglauben; wer gläubig opfert, gelangt zum Glauben. Was ist die Abhilfe dafür?« – »Eben dass man mit dem Finger [die Speisereste] berührt, das ist seine Abhilfe; dadurch entrinnt man dem.«
kiṃ pañcamam iti. lohitakulyāṃ ca ghṛtakulyāṃ ca prabāhuk syandamāne. sā yā lohitakulyābhūt tāṃ kṛṣṇo nagnaḥ puruṣo musalī jugopa. atha yā ghṛtakulyā tasyai hiraṇmayāḥ puruṣā hiraṇmayaiś camasais sarvān kāmān udacanta iti. om iti hovāca. ye vā asmin loke ’gnihotram ajuhvato naivaṃvido brāhmaṇasya lohitam utpīḍayanti sāsā lohitakulyā. atha ya enāṃ kṛṣṇo nagnaḥ puruṣo musaly ajugupat krodhas sa tasyo tad evānnam iti. tasya kā niṣkṛtir iti. yad evaitat srucā prāśnāti sā tasya niṣkṛtis tayā tad atimucyata iti. atha yā etās sruco nirṇijyodīcīr apa utsiñcati sāsā ghṛtakulyā. tasyai hiraṇmayāḥ puruṣā hiraṇmayaiś camasais sarvān kāmān udacanta iti. kiṃ ṣaṣṭham iti. pañca nadīḥ puṣkariṇīḥ puṇḍarīkiṇīr madhūdakās syandamānāḥ. tāsu nṛttagītaṃ vīṇāghoṣo ’psarasāṃ gaṇās surabhir gandho mahān ghoṣo ’bhūd iti. om iti hovāca. mamaivaite lokā abhūvann iti. te kenābhijayyā iti etenaiva pañcagṛhītena pañconnīteneti. sa hovāca na vai kilānyatrāgnihotrāl lokajityā avakāśo’sti. adyaiva me agnyādheyasyopavasatha iti. tasya ha tathā cakruḥ. sa ya evaṃ vidvān agnihotraṃ juhoti nainam amuṣmin loke vanaspatayaḥ puruṣarūpaṃ kṛtvā pratyadanti na paśavo na vrīhiyavā nāsyeṣṭāpūrte śraddhāṃ cāśraddhāṃ ca gacchato ’pahate lohitakulyām avarunddhe ghṛtakulyām
»Was war das Fünfte?« – »Ein Blutstrom und ein Ghee-Strom flossen dahin. Den Blutstrom hütete ein schwarzer, nackter Mann mit einer Keule; dem Ghee-Strom schöpften goldene Männer mit goldenen Schalen alle gewünschten Wünsche heraus.« – »Ja«, sprach er. »Wer in dieser Welt das Agnihotra nicht darbringt und, ohne dies zu wissen, einem Brahmanen Blut auspresst: eben das ist jener Blutstrom. Und dass ihn ein schwarzer, nackter Mann mit einer Keule hütete – das war der Zorn; ihm ist das eben Speise. Was ist die Abhilfe dafür?« – »Eben dass man mit dem Löffel isst, das ist seine Abhilfe; dadurch entrinnt man dem. Und dass man diese gereinigten Löffel nach Norden hin ausgießt – das ist eben jener Ghee-Strom; ihm schöpfen goldene Männer mit goldenen Schalen alle gewünschten Wünsche heraus.«
»Was war das Sechste?« – »Fünf Flüsse flossen dahin, voller Lotos- und Seerosenblüten, mit Honigwasser; auf ihnen war Tanz und Gesang, Lautenklang, Scharen von Apsaras, wohlriechender Duft, gewaltiger Schall.« – »Ja«, sprach er. »Mein waren diese Welten.« – »Wodurch sind sie zu gewinnen?« – »Eben durch dieses Fünffach-Genommene, Fünffach-Emporgehobene.« Er sprach: »Es gibt wahrhaftig keinen anderen Weg, diese Welten zu gewinnen, als durch das Agnihotra. Noch heute soll bei mir die Nachtwache für die Feuerlegung stattfinden.« Und man tat es für ihn so.
Wer so wissend das Agnihotra darbringt, den verzehren in jener Welt weder die Bäume, nachdem sie Menschengestalt angenommen haben, noch die Tiere, noch Reis und Gerste; er gerät bei seinen Opfergaben nicht zwischen Glaube und Unglaube; abgewehrt ist ihm der Blutstrom, gewonnen der Ghee-Strom.
[Anm.: "Fünffach-Genommene, Fünffach-Emporgehobene" bezieht sich vermutlich auf die fünfteiligen rituellen Handgriffe des Agnihotra selbst (vgl. etwa das fünffache Ausgießen in 1.41); Bhṛgu erhält damit die Antwort, dass allein das rechte Agnihotra-Opfer den Zugang zu den paradiesischen Welten der sechsten Vision eröffnet.]
Dieser hier, der da glüht, ist der Agni Vaiśvānara. Sein Brennholz ist die Nacht, sein Licht der Tag, seine Strahlen, sein Rauch die Sternbilder, seine Funken [die Meteore], seine Kohlen der Mond. In diesem Agni Vaiśvānara opfern die Götter Tag für Tag den unsterblichen Trank; aus dieser dargebrachten Spende entsteht der Somakönig.
Der Donner selbst ist der Agni Vaiśvānara. Sein Brennholz ist der Himmel, sein Licht der Blitz, sein Rauch die Wolken, seine Funken die Freudenrufe [des Donners], seine Kohlen der Blitzstrahl. In diesem Agni Vaiśvānara opfern die Götter Tag für Tag den Somakönig; aus dieser dargebrachten Spende entsteht der Regen.
Die Erde selbst ist der Agni Vaiśvānara. Ihr Brennholz ist der Luftraum, ihr Licht das [irdische] Feuer, ihr Rauch der Wind, ihre Funken die Lichtstrahlen, ihre Kohlen die Himmelsrichtungen. In diesem Agni Vaiśvānara opfern die Götter Tag für Tag den Regen; aus dieser dargebrachten Spende entsteht die Speise.
Der Mensch selbst ist der Agni Vaiśvānara. Sein Brennholz ist die Rede, sein Licht das Auge, sein Rauch der Atem, seine Funken das Denken, seine Kohlen das Ohr. In diesem Agni Vaiśvānara opfern die Götter Tag für Tag die Speise; aus dieser dargebrachten Spende entsteht der Same.
Die Frau selbst ist der Agni Vaiśvānara. Ihr Brennholz ist der Schoß, ihr Licht die Gebärmutter, ihr Rauch das Werben, ihre Funken das Willkommenheißen, ihre Kohlen die Berührung. In diesem Agni Vaiśvānara opfern die Götter Tag für Tag den Samen; aus dieser dargebrachten Spende entsteht ein Mensch.
So wird hier in dieser fünften Aussendung ein Mensch aus den Göttern geboren; in dieser fünften Aussendung reden die göttlichen Gewässer mit menschlicher Stimme.
Und wenn er dann in jene Welt eingeht –
[Anm.: Diese Lehre von den fünf (mit 1.46 sechs) ineinander übergehenden Erscheinungsformen des Agni Vaiśvānara – Sonne, Gewitter, Erde, Mensch, Frau, zuletzt der Leichenbrand – ist eine frühe Parallele zur später in Chāndogya-Upaniṣad 5.4–10 und Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad 6.2 ausgearbeiteten Fünf-Feuer-Lehre (Pañcāgni-vidyā).]
--tasyāgnir evāgnir vaiśvānaraḥ. tasyauṣadhayaśca vanaspatayaś ca samit. jyotir eva jyotiḥ. dhūma eva dhūmaḥḥ. viṣphuliṅgā eva viṣphuliṅgāḥ. aṅgārā evāṅgārāḥ. tasminn etasminn agnau vaiśvānare ’harahar devāḥ puruṣaṃ juhvati. tasyā āhuter hutāyai puruṣo ’muṃ lokaṃ saṃbhavati. so ’sya lokaḥ punarutthāyai bhavati. tasya haitasya devasyāhorātre ardhamāsā māsā ṛtavas saṃvatsaro goptā ya eṣa tapati. ahorātre pracare. taṃ hartūnām eko yaḥ kūṭahasto raśminā pratyavetya pṛcchati ko ’si puruṣeti. sa kiṃ vidvān pravṛñjyāt. tasya ha praharati. kasya ha pratirāddhasya tredhā sādhu kṛtyā vinaśyati. sa tṛtīyam ādatte. diśo ’nu tṛtīya vyeti. tṛtīyena sahemaṃ lokam abhyavaiti. sa yo hāsya dānajito loko bhavati tasmin niramate. tam u ha vai tato mṛtyur evāntata āpnoti. anavajito hāsya punarmṛtyur bhavati sa ya evaṃvit syāt. sa yadopatāpī syād yatrāsya samaṃ subhūmispaṣṭaṃ syāt tad brūyād iha me ’gniṃ manthateti. īśvaro hāgado bhavitoḥ. yady u tan na yad asmāl lokāt preyād athainam ādadīran. nānāsthālyor agnī opya hareyuḥ. anvāhāryapacanād ulmukam ādadīran yajñapātrāṇi sarpir apo dāruṇy anustaraṇīṃ kṣuraṃ nakhanikṛntanam. te yanti yatrāsya samaṃ subhūmispaṣṭaṃ bhavati. tad asyāgnīn viharanti
– dann ist ihm eben das Feuer [selbst] der Agni Vaiśvānara. Sein Brennholz sind Pflanzen und Bäume, sein Licht eben das Licht, sein Rauch eben der Rauch, seine Funken eben die Funken, seine Kohlen eben die Kohlen. In diesem Agni Vaiśvānara opfern die Götter Tag für Tag den Menschen; aus dieser dargebrachten Spende entsteht der Mensch in jener Welt. So wird ihm diese [Welt] zu seiner Welt, um von neuem aufzustehen.
Dieses Gottes, der da glüht, Tag und Nacht, Halbmonate und Monate, Jahreszeiten und Jahr sind die Hüter. In Tag und Nacht bewegt er sich. Einer der Boten, mit hammerartiger Hand, tritt ihm auf einem Sonnenstrahl entgegen und fragt: »Wer bist du, Mensch?« Was soll da, wer dies weiß, erwidern? [?] Er schlägt nach ihm. Wessen [Antwort] ihm entgegengehalten wird [?], dessen gute Taten gehen dreifach zugrunde. Er [der Wissende aber] nimmt den dritten Teil und geht damit in diese Welt ein; er gelangt mit dem dritten Teil zu jener Welt hinüber. Wessen Welt dabei die des durch Gaben Gewonnenen ist, der ergötzt sich in ihr; doch am Ende erreicht ihn dort dennoch der Tod. Keinen Wiedertod aber hat, wer dies weiß.
Wenn er dann erkrankt und sich an einem Ort befindet, dessen Boden eben, gut und offen ist, so spreche er: »Man churne mir hier das Feuer.« So wird er gewiss genesen.
Sollte er aber nicht aus dieser Welt scheiden [an diesem Ort], so hole man ihn [dennoch dorthin]. Man verbinde die Feuer aus zwei [getrennten] Gefäßen und trage sie [zu ihm]; man nehme vom Anvāhāryapacana-Feuer ein Holzscheit sowie die Opfergeräte, Ghee, Wasser, Holzstücke, die Unterlegehaut, ein Rasiermesser, den Nagelschneider. Man gehe damit dorthin, wo der Boden für ihn eben und gut zugänglich ist; dort verteile man seine Feuer.
[Anm.: Der Abschnitt über die Befragung durch den "Boten mit hammerartiger Hand" ist im Wortlaut an mehreren Stellen unsicher überliefert; dem Sinn nach geht es um eine erste, noch unvollständige Jenseitsprüfung, deren endgültige, rechte Antwort erst in 1.50 gegeben wird.]
Dann gräbt man in dieser Richtung eine Grube und schert Haare und Bart [des Sterbenden] hinein. Nach dem Scheren schneidet man die Nägel. Nach dem Nägelschneiden entleert man die Eingeweide; danach den Kot. Man bedeckt diesen [Inhalt der Grube] mit Erde – eben damit verdeckt man sein Übel. Man wäscht die Eingeweide, legt sie zurück und bringt ihn dann [zwischen die Feuer]. Nachdem man ihn zwischen den Feuern niedergelegt hat, schmilzt man Ghee am Gārhapatya, läutert es, nimmt eine vierfach gefasste Portion und opfert sie, mit Brennholz versehen, an den Āhavanīya gewandt: »Dieser hier bist du, von dir stammt er. Dies ist sein Mutterschoß, du bist sein Mutterschoß.
Vater, schaffe dem Sohn eine Welt, Jātavedas; führe ihn dorthin, wo die Welt der Guttäter ist. Aus diesem bist du geboren, aus diesem soll jener geboren werden, svāhā!« So entsteht er, aus der Opferspende bestehend, aus Denken, aus Atem, aus Auge, aus Ohr, aus Rede, aus dem Ṛc-Vers, aus dem Opferspruch, aus dem Sāman, aus dem Brahman, aus Gold bestehend, unsterblich.
[Anm.: Die abschließende Formel wiederholt wörtlich die Unsterblichkeits-Formel des täglichen Agnihotra aus 1.2 – das letzte Feueropfer am Lebensende wird damit ausdrücklich als letztes, endgültiges Agnihotra gedeutet.]
Dann schichtet man den Scheiterhaufen auf und legt ihn darauf. Man lege ihm die beiden Sruva-Löffel an die Nasenlöcher, die Juhū-Kelle in die rechte Hand, die Upabhṛt-Kelle in die linke, die Dhruvā-Kelle auf die Brust, die Agnihotra-Opferkelle an den Mund, den Camasa-Becher an den Kopf, das Iḍā-Gefäß an die Ohren, das Prāśitra-Gefäß [an die entsprechende Stelle], die Schale und das Saṃvartadhānī-Gefäß auf den Bauch, die beiden Presssteine an die Hoden, den Jochpflock an das Glied, die schwarze Antilopenhaut über den Rücken, das Sphya-Schwert an die Seiten, Stößel und Worfelkorb an die Füße, den Mörser [ebenso]. Die übrigen Opfergeräte legt man daneben. Die tönernen [Gefäße] bringt man ins Wasser, die metallenen verschenkt man. Dann füllt man ihn mit Ghee; man gießt Ghee über die Opfergeräte.
[Anm.: Diese detaillierte Zuordnung der Opfergeräte zu den Körperteilen des Toten gehört zur vedischen Bestattung eines Opferherrn, der zeit seines Lebens die drei Feuer unterhalten hat; ähnliche Beschreibungen finden sich in den Śrauta-Sūtras.]
athaitām anustaraṇīm ānayanti. tāṃ prokṣya trir apasalīṃ paryāṇāyya kūṭena hanyāt. pradakṣiṇaṃ haike paryāṇayanti. tad u tathā na kuryāt. tasyai vapām utkhidya śīrṣṇi parivayanti hastayor matasnī hṛdaye hṛdayaṃ bāhvor bāhū. yathāṅgam evetarāṇy aṅgāni vicinvanti. athainaṃ carmaṇā prorṇvanti svayā tanvā samṛdhyasva iti. saṃstīryopādīpayanti. sa tathaiva cikīrṣed yathainam āhavanīyaḥ prathamo gacchet. tad enaṃ devalokaḥ pratyāgacchati. atha yathānvāhāryapacanas tad enaṃ pitṛlokaḥ pratyāgacchati. atha yathā gārhapatyas tathāsmin loke prajayā ca paśubhiś ca pratitiṣṭhati. tasyopādīptasya dhūma eva śarīraṃ dhunoti. sa yad dhunoti tasmād dhunaḥ. dhuno ha vai nāmaiṣaḥ. taṃ dhūma iti parokṣam ācakṣate parokṣeṇaiva. parokṣapriyā iva hi devāḥ. dhūmād va rātrim apyeti rātriyā ahar ahno ’pochantāpakṣam apochantīpakṣād āpūryamāṇapakṣam āpūryamāṇapakṣān māsam. te atra māse śarīraṃ cāsuś ca saṃgacchāte. taṃ hartūnāma eko yaḥ kūṭahasto raśminā pratyavetya pṛcchati ko ’si puruṣeti
Dann bringt man die Unterlegehaut herbei. Man besprengt sie, dreht sie dreimal gegen die Sonne und schlägt mit der Faust darauf. Manche drehen sie im Sonnenlauf; das aber soll man nicht so tun. Man nimmt das Bauchfell [eines mitgeopferten Tieres] heraus und legt es um den Kopf, die Nieren um die Hände, das Herz auf das Herz, die Vorderläufe um die Arme – Glied für Glied verteilt man so die übrigen Teile. Dann bedeckt man ihn mit der Haut: »Mit deinem eigenen Leib mögest du gedeihen!«
Man schichtet weiter auf und zündet an. Man richte es so ein, dass ihn der Āhavanīya zuerst erreicht; dann kommt ihm die Götterwelt entgegen. Und wie [ihn] das Anvāhāryapacana-Feuer [erreicht], so kommt ihm die Väterwelt entgegen; und wie der Gārhapatya, so ist er in dieser Welt mit Nachkommenschaft und Vieh gegründet.
Wenn er so entzündet ist, lässt allein der Rauch seinen Leib erzittern; weil er ihn erzittern lässt (dhunoti), heißt er »der Zitternde« (dhuna) – so lautet sein [eigentlicher] Name. Man nennt ihn »Rauch« (dhūma) auf verhüllte, indirekte Weise – denn die Götter lieben ja gleichsam das Verhüllte. Vom Rauch gelangt er zur Nacht, von der Nacht zum Tag, vom Tag zur dunklen Monatshälfte, von der dunklen zur hellen Monatshälfte, von der hellen Monatshälfte zum Monat. In diesem Monat vereinigen sich sein Leib und sein Lebenshauch. Da tritt ihm einer der Boten, mit hammerartiger Hand, auf einem Sonnenstrahl entgegen und fragt: »Wer bist du, Mensch?«
taṃ pratibrūyāt -- vicakṣaṇād ṛtavo reta ābhṛtam ardhamāsyaṃ prasutāt pitryāvataḥ. iti. yad ado vicakṣaṇaṃ somaṃ rājānaṃ juhvati tat tat. taṃ mā puṃsi kartary erayadhvam iti. puṃsi hy enam etat kartary erayante. pusaḥ kartur mātary āsiṣikta iti. mātari hy enam āsiñcati. sa upajāyopajāyamānas trayodaśena dvādaśopamāsaḥ iti. eṣa trayodaśo ya eṣa tapati. saṃ tad vide prati tad vide ’ham. taṃ martavo ’mṛta ānayadhvaṃ dvādaśatrayodaśena pitrā. tayā mātrā tayā śraddhayā tenānnādyena tena satyena. ahar me pitā rātrir mātā. satyam asmi. te martavo ’mṛta ānayadhvam. iti. taṃ hartava ānayante. yathā vidvān vidvāṃsaṃ yathā jānan jānantam evaṃ hainam ṛtava ānayante. taṃ hātyarjayante. sa haiṣa na manuṣyo ya evaṃ veda. devānāṃ ha vai sa eko ya evaṃvit. taṃ ha vai manojavasaḥ pitaraś ca pitāmahāś ca pratyāgacchanti tataḥ kiṃ na āhārṣīr iti. tān pratibrūyād yat kiṃ ca puṇyam akare tad yuṣmākam iti. tasya putrā dāyam upayanti pitaras sādhukṛtyāṃ dviṣantaḥ pāpakṛtyām. sa evam etat tredhā vibhajyaitasya salokatām apyeti ya eṣa tapati
Diesem soll er erwidern: »Vom Leuchtenden her ist durch die Jahreszeiten der Same herbeigebracht, ein Halbmonat, entsandt vom Väterlichen. Den setzt ihr in den Mann als Erzeuger; vom Erzeuger wird er in die Mutter eingegossen. So wird er, immer wieder neu erzeugt, mit dem dreizehnten zum zwölfmonatigen Zusatz. Das eben ist jener Dreizehnte, der dort glüht. Ebenso weiß ich es, weiß ich es wiederum: Mich, ihr Sterblichen, führt unsterblich hinüber, mit dem zwölf-dreizehnten Vater, mit jener Mutter, mit jenem Glauben, mit jener Speise, mit jener Wahrheit. Der Tag ist mein Vater, die Nacht meine Mutter; ich bin die Wahrheit. Mich, ihr Sterblichen, führt unsterblich hinüber!«
So führen ihn die Jahreszeiten, den man zu holen gekommen ist. Wie ein Wissender einen Wissenden, wie ein Kundiger einen Kundigen führt, so führen sie ihn. Sie geleiten ihn hindurch. Dieser ist kein Mensch mehr, wer dies weiß; einer der Götter ist er, wer dies so weiß.
Ihm kommen die gedankenschnellen Väter und Großväter entgegen: »Was hast du uns mitgebracht?« Er erwidere ihnen: »Was immer ich an Verdienst getan habe, das ist euer.« Seine Söhne erhalten sein Erbe, seine Väter das Wohlgetane, seine Feinde das Übelgetane. So teilt er dies dreifach und geht ein in die Gemeinschaft mit diesem, der dort glüht.
dīrghasattraṃ ha vā eta upayanti ye ’gnihotraṃ juhvati. etad dha vai sattraṃ jarāmūrīyam. jarayā vā hy evāsmān mucyate mṛtyunā vā. tad āhur yad etasya dīrghasattriṇo ’gniṃ juhvato ’gnīn antareṇa yuktaṃ vā viyāyāt saṃ vā careyuḥ kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. vajro vai cakraḥ. vajro vā etasyāgnīn anvati yasyāntareṇa yuktaṃ vā viyāti saṃ vā caranti. kurvīta haiva niṣkṛtim api heṣṭyā yajeta. tad u tathā na vidyāt. imān vā eṣa lokān anuvitanute yo ’gnīn ādhatte. tasyāyam eva loko gārhapatyo bhavaty antarikṣaloko ’nvāhāryapacano ’sāv eva loka āhavanīyaḥ. kāmaṃ vā eṣu lokeṣu yuktaṃ cāyuktaṃ ca vayāṃsi ca caranti. sa vidyād yadi me ’pi grāma evāgnīn antareṇāyāsīn naiva ma ārtir asti na riṣṭiḥ kā caneti. trayo ha tvai grāmyāḥ paśavo ’juṣṭā durvarāha eḍakaś śvā. teṣāṃ yadi kaś cid antareṇa sannejīyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti
Ein langes Opfersession treten ja die an, die das Agnihotra darbringen. Diese Sitzung währt bis ins Greisenalter (jarāmūrīya); durch das Alter nämlich wird man davon frei, oder durch den Tod.
Dazu fragt man: Wenn bei einem, der so die lange Opfersitzung hält und das Feuer darbringt, ein angeschirrtes Gespann zwischen die Feuer gerät und sich löst, oder Tiere dazwischen umherlaufen – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Der Wagenreif ist der Vajra, die Donnerkeule; der Vajra verfolgt ja die Feuer dessen, zwischen die etwas Angeschirrtes gerät und sich löst oder umherläuft. Man vollziehe eine Sühnehandlung, opfere selbst noch nachträglich. Das aber muss man nicht so ansehen: Wer die Feuer legt, breitet sich damit ja eben diese Welten aus.
Ihm wird eben diese Welt hier zum Gārhapatya-Feuer, die Luftraum-Welt zum Anvāhāryapacana, jene Welt dort zum Āhavanīya. Nach Belieben mögen in diesen Welten Angeschirrtes und Nicht-Angeschirrtes und Vögel umherziehen. Er wisse: »Selbst wenn mir mitten im Dorf etwas zwischen die Feuer geriete, trifft mich doch kein Schaden, kein Leid.«
Drei zahme Tiere freilich gelten als unwillkommen: Hausschwein, Schaf, Hund. Wenn eines von ihnen zwischen die Feuer liefe – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es?
tad u haike chādimuṣṭim eva nivapanto yanti. gārhapatyād āhavanīyān ninayann iyāt idaṃ viṣṇur vicakrame ity etayarcā. tad u tathā na kuryāt. yo ha tatra brūyād āsān nvā ayaṃ yajamānasyāvāpsīt kṣipre paramāsān āvapsyate jyeṣṭhagṛhyaṃ rotsyatīti tathā haivaṃ syāt. ittham eva kuryāt udapātraṃ vaivodakamaṇḍaluṃ vādāya gārhapatyād āhavanīyān ninayann iyāt idaṃ viṣṇur vicakrame ity etayaivarcā. devapavitraṃ vā etad yad ṛg devapavitram etad yad āpaḥ. tad yad evātra yajñasyāśāntaṃ bhavati yad amedhyam āpo vai tasya sarvasya śāntiḥ. adbhir evainaṃ tac chamayanti
Manche gehen dann hin und streuen eine Handvoll Deckstreu aus, indem sie Feuer vom Gārhapatya zum Āhavanīya überführen, mit dem Vers »Dies durchschritt Viṣṇu«. Das aber soll man nicht so tun. Denn wer dabei spräche: »Da hat er doch dem Opferherrn etwas von seinem Sitz weggenommen; bald wird er ihm den höchsten Sitz nehmen« – so würde es auch tatsächlich eintreffen.
Vielmehr tue man Folgendes: Man nehme ein Wassergefäß oder einen Wasserkrug und gehe, indem man Feuer vom Gārhapatya zum Āhavanīya überführt, eben mit demselben Vers »Dies durchschritt Viṣṇu«. Läuterungsmittel der Götter ist ja der Vers, Läuterungsmittel der Götter ist auch das Wasser. Was am Opfer da ungesühnt, was unrein ist – für all das ist Wasser die Sühne. Eben durch Wasser besänftigt man das.
[Anm.: Der zitierte Vers "idaṃ viṣṇur vicakrame" ("Dies durchschritt Viṣṇu") ist Ṛgveda 1.22.17 und verwandten Stellen entnommen und begleitet traditionell rituelle Schritte.]
tad āhur yad etasya dīrghasattriṇo ’gnihotraṃ juhvato ’gnihotraṃ duhyamānaṃ skandet kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. yad eva tatra sthālyāṃ pariśiṣṭaṃ syāt tena juhuyāt. yady u nīcī sthālī syād api vā bhidyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. skannaprāyaścittyai vābhimṛśya askann adhita iti. atha yad anyad vindet tena juhuyāt. yadā vai skandaty atha dhīyate. reto vai payo yonir iyam. yonyām evaitad retaḥ pratiṣṭhāpayati. anuṣṭhyāsya retas siktaṃ prajāyate ya evaṃ veda. amuto vai parjanyas skandatīhauṣadhayo vanaspatayo jāyante. puruṣād retas skandati paśubhyaḥ. tata idaṃ sarvaṃ prajātam. sa vidyād upa mā devāḥ prābhūvan prajātir me bhūyasy abhūc chreyān bhaviṣyāmīti. tathā haiva syāt. atho yatraitad vibhinnaṃ tad udapātraṃ vaivodakamaṇḍaluṃ vopaninayet bhūr bhuvas svaḥ ity etābhir vyāhṛtibhiḥ. etā vai vyāhṛtayas sarvaprāyaścittayaḥ. tad anena sarveṇa prāyaścittiṃ kurute
Dazu fragt man: Wenn bei einem, der so das Agnihotra darbringt, die Agnihotra-Milch beim Melken verschüttet wird – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Was da im Gefäß übrig geblieben ist, damit bringe man das Opfer dar.
Wenn aber das Gefäß umkippte oder gar zerbräche – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Man berühre es zur Sühne des Verschütteten mit den Worten: »Unverschüttet ist es hingesetzt.« Findet man dann etwas anderes an Milch, opfere man damit.
Wenn es sich verschüttet, wird es doch zugleich gesetzt: Same ist ja die Milch, diese Erde ihr Mutterschoß. Eben in diesen Mutterschoß setzt man damit den Samen; nachdem sein Same so eingegossen ist, pflanzt er sich fort, wer dies weiß. Von dort oben verschüttet sich ja der Regengott Parjanya – daraus entstehen Pflanzen und Bäume; vom Menschen verschüttet sich der Same, ebenso vom Vieh – daraus ist all dies hier gezeugt. Er wisse: »Die Götter sind mir hierbei zu Hilfe gekommen; reicher ist meine Nachkommenschaft geworden, besser werde ich dastehen.« So wird es auch tatsächlich sein.
Und wo es sich ganz verstreut hat, dorthin bringe man ein Wassergefäß oder einen Wasserkrug, mit den Vyāhṛtis »Bhūr, Bhuvaḥ, Svaḥ«. Diese Vyāhṛtis sind ja All-Sühnemittel; mit ihnen allen zusammen vollzieht man die Sühne.
[Anm.: Diese Deutung des verschütteten Agnihotra-Trankes als Same, der im "Mutterschoß" der Erde gesät wird, verbindet die technische Sühnefrage mit der kosmischen Vorstellung von Regen, Same und Zeugung als demselben Grundvorgang.]
athaitāni kapālāni saṃcintya yatrāhavanīyasya bhasmoddhṛtaṃ syāt tad upanikiret. etad evātra karma. atho khalv āhur yat prāca uddrutasya skandet kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. yad eva tatra sruci pariśiṣṭaṃ syāt tena juhuyāt. yady u nīcī sruk syād api vā bhidyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. tasyoktaḥ pratyabhimarśaḥ. tad u haike tata eva pratyetyonnayanti. tad u tathā na kuryāt. yo ha tatra brūyād yad anenāgnihotreṇācikīrṣīn nyavṛtat tasmān nāsyedaṃ svargyam iva bhaviṣyatīti tathā haiva syāt. itthama eva kuryāt. yatraiva skandet tad upaviśet. athāsmin sthālīm ahareyus sruvaṃ ca srucaṃ ca nirṇijya. tad ada evāsyonneṣyāmīty uktaṃ bhavati. atha yathonnītam unnīya samidham ādāya prāk preyāt. tad yathāpratyutthāyāmitrān paced evam evaitad avṛttiṃ pāpmānam apahatyāhutiṃ prāpnoti. tad u haika upeva labhante. ahutaṃ tasya yasyāgnihotrocchiṣṭhena juhvati yātayāmaṃ hy etad iti vadantaḥ. tad u tathā na vidyāt. yadā vā etad ayātayāmaṃ bhavaty athaitasyāpi havirātañcanaṃ kurvanti
Dann sammle man die Scherben ein und schütte sie dort hin, wo die Asche des Āhavanīya-Feuers herausgenommen wird. Das ist hier die rechte Handlung.
Und man fragt weiter: Wenn es verschüttet wird, während man den Löffel nach Osten trägt – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Was da im Opferlöffel übrig geblieben ist, damit bringe man das Opfer dar.
Wenn aber der Opferlöffel umkippte oder gar zerbräche – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Dafür ist schon die Gegenberührung wie oben genannt worden.
Manche kehren dann von eben dort um und heben die Spende von neuem. Das aber soll man nicht so tun. Denn wer dabei spräche: »Was er mit diesem Agnihotra beabsichtigte, davon ist er zurückgewichen; deshalb wird ihm dies nicht himmlisch zugutekommen« – so würde es auch tatsächlich eintreffen.
Vielmehr tue man Folgendes: Wo es verschüttet wurde, dort setze man sich nieder. Dann bringe man ihm das Gefäß, nachdem man Löffel und Schöpflöffel gereinigt hat; damit ist gesagt: »Von eben hier werde ich es erneut emporheben.« Dann trage man, nachdem man es wie sonst emporgehoben hat, das Brennholz und schreite nach Osten. Es ist, wie wenn man, ohne sich erst zurückzuziehen, den Feinden entgegenkocht: Ebenso vertreibt man damit das Missgeschick, das Übel, und erlangt dennoch die Opferspende.
Manche meinen, es sei gleichsam nicht wirklich geopfert, wenn man mit dem Rest des Agnihotra opfert, da dies schon abgestanden sei – so sagen sie. Das aber soll man nicht so ansehen. Denn wenn es noch nicht abgestanden ist, dann vollzieht man auch damit die Ausdehnung der Opfergabe.
tad āhur yad etasya dīrghasattriṇo ’gnihotraṃ juhvato ’gnihotraṃ duhyamānam amedhyam āpadyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. tad u haike hotavyam eva manyante, na vai devāḥ kasmāc cana bībhatsa iti vadantaḥ. tad u tathā na vidyāt. puruṣo nveva bībhatseyād bībhatsate bībhatsāntāi3 devāḥ. ittham eva kuryāt. gārhapatyasyaivoṣṇaṃ bhasma nirūhya tasminn etattūṣṇīṃ ninayet. tan na hutaṃ nāhutam. adbir anuninayet. adbhir evainad āpnoti. atha yad anyad vindet tena juhuyāt. atho khalv āhur yad dugdham amedhyam āpadyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. yeṣv evāṅgāreṣv adhiśrayiṣyan syāt tān eva pratyūhya teṣv evainattūṣṇīṃ ninayet. tan na hutaṃ nāhutam. adbhir anuninayet. adbhir evainad āpnoti. atha yad anyad vindet tena juhuyāt. atho khalv āhur yad adhiśritam amedhyam āpadyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. yeṣv evāṅgāreṣv adhiśritaṃ syāttān eva pratyūhya teṣv evainat tūṣṇīṃ ninayet. tanna hutaṃ nāhutam. yad ahainat teṣu ninayati tena hutaṃ yad v enāṃs teno evānugamayati teno ahutam. adbhir anuninayet. adbhir evainad āpnoti. atha yad anyad vindet tena juhuyāt. atho khalv āhuḥ --
Dazu fragt man: Wenn bei einem, der so das Agnihotra darbringt, die Agnihotra-Milch beim Melken unrein wird – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Manche meinen, man solle sie dennoch opfern, da die Götter vor nichts Abscheu empfänden – so sagen sie. Das aber soll man nicht so ansehen: Wohl mag ein Mensch keinen Abscheu empfinden, doch die Götter empfinden Abscheu.
Vielmehr tue man Folgendes: Man hebe die heiße Asche eben des Gārhapatya heraus und schütte es schweigend hinein. Das ist weder geopfert noch nicht geopfert. Man gieße danach mit Wasser nach; eben durch Wasser erlangt man es wieder rein. Findet man dann etwas anderes, opfere man damit.
Und man fragt weiter: Wenn die schon gemolkene Milch unrein wird – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Man trage eben die Glut, auf der man sie erhitzen wollte, zurück und schütte es schweigend darauf. Das ist weder geopfert noch nicht geopfert. Man gieße mit Wasser nach; eben durch Wasser erlangt man es. Findet man dann etwas anderes, opfere man damit.
Und man fragt weiter: Wenn die schon erhitzte Milch unrein wird – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Man trage eben die Glut, auf der sie erhitzt wurde, zurück und schütte es schweigend darauf. Das ist weder geopfert noch nicht geopfert: Dass man es auf sie schüttet, damit ist es geopfert; dass man ihnen zugleich nachfolgt, damit ist es nicht geopfert. Man gieße mit Wasser nach; eben durch Wasser erlangt man es. Findet man dann etwas anderes, opfere man damit.
--yat prāg uddrutam amedhyam āpadyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. tad u haike hotavyam eva manyante pretam etan naitasyāhomaḥ kalpata iti vadantaḥ. atha haike ’dbhir abhyāsicya parāsiñcanti. tad u tathā na kuryāt. yo ha tatra brūyāt parāṅ vā ayam idam agnihotram asiñcat parāsaṃkṣyate ’yaṃ yajamāna iti tathā haiva syāt. ittham eva kuryāt. āhavanīya eva samidham abhyādhāyāhavanīyasyaivoṣṇaṃ bhasma nirūhya tasminn enat tūṣṇīṃ ninayet. tan na hutaṃ nāhutam. adbhir anuninayet. adbhir evainad āpnoti. atha yad anyad vindet tena juhuyāt. atho khalv āhur yad avavarṣet kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. sa vidyād upariṣṭānmā śukram āgāt prajātir me bhūyasya abhūc chreyān bhaviṣyāmīti. tathā haiva syāt. atho khalv āhur yatpūrvasyām āhutau hutāyām aṅgārā anugaccheyuḥ kvottarāṃ juhuyād iti. ya eva tatra śakalo ’ntikas syāt tam adhyasyan juhuyāt. dāraudārau hy agniḥ. sa yadi tasyāṃ na tiṣṭhed dhiraṇyam abhijuhuyāt. agner vā etad reto yad dhiraṇyam. ya u vai pitā sa putraḥ. tasmād dhiraṇyam abhijuhuyāt. atho khalv āhuḥ --
Und man fragt weiter: Wenn sie unrein wird, während man den Löffel nach Osten trägt – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Manche meinen, man solle sie dennoch opfern, da dieses schon abgeschieden sei und für dieses kein neues Opfer mehr gelte – so sagen sie. Manche wieder besprengen sie mit Wasser und gießen sie dann fort. Das aber soll man nicht so tun. Denn wer dabei spräche: »Da hat er dieses Agnihotra weggegossen; dieser Opferherr wird selbst vergehen« – so würde es auch tatsächlich eintreffen.
Vielmehr tue man Folgendes: Man lege Brennholz auf den Āhavanīya, hebe eben dessen heiße Asche heraus und schütte es schweigend hinein. Das ist weder geopfert noch nicht geopfert. Man gieße mit Wasser nach; eben durch Wasser erlangt man es. Findet man dann etwas anderes, opfere man damit.
Und man fragt weiter: Wenn es hineinregnet – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Er wisse: »Von oben ist mir reiner Same gekommen; reicher ist meine Nachkommenschaft geworden, besser werde ich dastehen.« So wird es auch tatsächlich sein.
Und man fragt weiter: Wenn nach der ersten Spende die Glut dem Löffel anhaftet – wohin soll man die zweite Spende darbringen? Man lege ein nahegelegenes Holzscheit dazwischen und opfere darauf; aus Holz um Holz nämlich besteht Agni. Steht ihm aber kein solches zur Verfügung, opfere man Gold hinzu: Gold ist ja der Same Agnis; und wer der Vater ist, der ist zugleich der Sohn. Deshalb opfere man Gold hinzu.
Und man fragt weiter:
--yad adhiśrite yajamāno mriyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. paryādhāyaivainad viṣyandayet. etad evātra karma. atho khalv eṣaiva sarveṣāṃ haviryajñānāṃ prāyaścittiḥ. atho khalva āhur yat prācya uddrute yajamāno mriyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. yad evādayaś caturgṛhītam ādiṣṭaṃ syāt tatraivainad abhyunnayet. etad evātra karma. atho khalv āhur yat pūrvasyām āhutau hutāyāṃ yajamāno mriyeta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. tad u haike hotavyam eva manyante. kṛtsnaṃ vā etasyāgnihotraṃ hutaṃ bhavati yasya pūrvā hutāhutir bhavatīti vadantaḥ. tad u tathā na vidyāt. na vai pretasyāgnihotraṃ juhoti. yad evādayaś caturgṛhītam ādiṣṭaṃ syāt tatraivainad abhyunnayet. etad evātra karma
Wenn der Opferherr stirbt, während die Milch bereits erhitzt wird – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Man nehme sie herunter und lasse sie zur Seite abfließen. Das ist hier die rechte Handlung; eben dies ist auch die Sühne für alle übrigen Speiseopfer.
Und man fragt weiter: Wenn der Opferherr stirbt, während man den Löffel nach Osten trägt – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Wo eben zuvor die vierfach gefasste Ghee-Portion entnommen wurde, dorthin hebe man es wieder empor. Das ist hier die rechte Handlung.
Und man fragt weiter: Wenn der Opferherr stirbt, nachdem die erste Spende dargebracht ist – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Manche meinen, man solle dennoch die zweite opfern, da bei dem, dessen erste Spende schon dargebracht ist, das ganze Agnihotra als dargebracht gelte – so sagen sie. Das aber soll man nicht so ansehen: Man bringt doch nicht für einen Verstorbenen das Agnihotra dar. Wo eben zuvor die vierfach gefasste Portion entnommen wurde, dorthin hebe man es wieder empor. Das ist hier die rechte Handlung.
tad āhur yad etasya dīrghasattriṇo ’gnihotraṃ juhvato ’gnihotrī duhyamānopaviśet kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. tāma u haike yajuṣotthāpayanti. avṛttiṃ vā eṣā yajamānasya pāpmānaṃ pratidṛśyopaviśati yasyāgnihotrī duhyamānopaviśati. tām utthāpayanti ud asthād devy aditiḥ iti. iyaṃ vai devy aditiḥ. imām evāsmai tad utthāpayanti. āyur yajñapatāv adhāt ity āyur evāsmiṃs tad dadhati. indrāya kṛṇvatī bhāgam itīndriyam evāsmiṃs tad dadhati. mitrāya varuṇāya ca iti -- prāṇāpānau nvai mitrāvaruṇau -- prāṇāpānāv avāsmiṃs tad dadhati. tāṃ tasyām evāhutau hutāyāṃ brāhmaṇāya dadati. yaṃ saṃvatsaram anabhyāgamiṣyanto bhavanty avṛttim asmin pāpmānaṃ niveśayāma iti vadantaḥ
Dazu fragt man: Wenn bei einem, der so das Agnihotra darbringt, die Agnihotra-Kuh sich beim Melken hinsetzt – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Manche richten sie mit einem Opferspruch wieder auf.
Ein Missgeschick, ein Übel des Opferherrn im Blick, setzt sich ja diese hin, dessen Agnihotra-Kuh sich beim Melken hinsetzt. Man richtet sie auf mit: »Aufgestanden ist die Göttin Aditi.« Diese Erde hier ist ja die Göttin Aditi; eben diese richtet man ihm damit auf.
Mit »Leben hat sie dem Opferherrn gegeben« legen sie ihm eben damit Leben hinein. Mit »Für Indra einen Anteil schaffend« legen sie ihm eben damit die Sinneskraft hinein. Mit »Für Mitra und Varuṇa« – Mitra und Varuṇa sind ja Ein- und Ausatem – legen sie ihm eben damit Ein- und Ausatem hinein.
Sie geben sie, sobald jene Spende dargebracht ist, einem Brahmanen, mit den Worten: »Für das Jahr, das wir von nun an nicht mehr mit ihr durchleben werden, wollen wir das Missgeschick, das Übel, in diesen hineinlegen.«
tad u hovāca vājasaneyo ’śraddadhānebhyo haibhyo gaur apakrāmati. avṛttyā hi taṃ vidhyanti. ittham eva kuryāt. daṇḍam eva labdhvā tenaināṃ vipiṣyotthāpayet. tad yathā vā ado dhāvayato ’śvataro gadāyate yukto vā balīvarda upaviśati tena daṇḍaprajitena tottraprajitena yam adhvānaṃ kāmayate taṃ samaśnute. evam evaitayā daṇḍaprajitayā tottraprajitayā yaṃ svargaṃ lokaṃ kāmayate taṃ samaśnute. tām ātmann eva kurvīt. ātmann eva tac chriyaṃ dhatta iti
Dazu sprach jedoch der Vājasaneya: Von den Ungläubigen weicht die Kuh zurück; durch ihr Missgeschick treffen sie sie ja. Man tue vielmehr Folgendes:
Man nehme einen Stock und richte sie, ihn sanft einsetzend, damit auf. Es ist, wie wenn ein laufendes Maultier strauchelt oder ein angeschirrter Ochse sich hinsetzt: Durch den mit Stock und Stachel Angetriebenen erreicht man den Weg, den man sich wünscht. Ebenso erreicht man durch diese, mit Stock und Stachel angetrieben, die Himmelswelt, die man sich wünscht. Man tue dies für sich selbst; damit verschafft man sich selbst Glanz und Gedeihen.
tad āhur yad etasya dīrghasattriṇo ’gnihotraṃ juhvato ’gnihotrīvatso naśyet kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. tad hovācāruṇir dyaur vā agnihotrī tasyā āditya eva vatsa iyam evāgnihotrasthālī. na ha vā evaṃvido ’gnihotrīvatso naśyati. kva hy eṣa naśyet. no vā evaṃvido ’gnihotraṃ duhyamānaṃ skandati. asyāṃ hy evaṃ pratitiṣṭhati. no vā evaṃvido ’gnihotrī duhyamānopaviśati. yadā vā eṣā suspṛṣṭaṃ varṣatya abhinipadya eva batāvarṣīd ity enām āhuḥ. atho khalv āhur yad eṣā lohitaṃ duhīta kiṃ tatra karma kā prāyaścittir iti. avṛttiṃ vā eṣā yajamānasya pāpmānaṃ pratidṛśya duhe yā lohitaṃ duhe. sa vyutkrāmate ’tyuktvānvāhāryapacanaṃ paricchādayitavai brūyāt. tad adhiśritya mekṣaṇaṃ kṛtvā śrapayet. tattad eva tūṣṇīṃ ninayet. anirukto vai prajāpatiḥ. prājāpatyam agnihotram. atho bhūr bhuvas svar ity etābhir vyāhṛtibhiḥ. etā vai vyāhṛtayas sarvaprāyaścittayaḥ. tad anena sarveṇa prāyaścittiṃ kurute. atho khalv āhuḥ ---
Dazu fragt man: Wenn bei einem, der so das Agnihotra darbringt, das Kalb der Agnihotra-Kuh verlorengeht – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Dazu sprach Āruṇi: Der Himmel ist die Agnihotra-Kuh, Āditya eben ihr Kalb, dieses Agnihotra-Gefäß hier ist [die Erde selbst]. Dem, der dies weiß, geht das Kalb der Agnihotra-Kuh gar nicht verloren – wo sollte es denn verlorengehen?
Auch verschüttet sich dem, der dies weiß, das Agnihotra beim Melken nicht – er ist ja darin so fest gegründet. Auch setzt sich dem, der dies weiß, die Agnihotra-Kuh beim Melken nicht hin. Wenn sie aber wohlberührt regnet, sagt man von ihr: »Ach, sie hat sich niedergelassen und geregnet.«
Und man fragt weiter: Wenn sie Blut gibt beim Melken – was ist da zu tun, welche Sühne gibt es? Ein Missgeschick, ein Übel des Opferherrn im Blick, gibt ja Blut, wer Blut gibt. Er trete zurück und spreche, nachdem er den Vorfall verkündet hat, man solle das Anvāhāryapacana-Feuer verhüllen. Man erhitze es darauf, rühre um und koche es; ebendas schütte man dann schweigend hinein.
Unbestimmt ist ja Prajāpati; Prajāpati gehört das Agnihotra. Und man vollzieht die Sühne mit den Vyāhṛtis »Bhūr, Bhuvaḥ, Svaḥ«: Diese Vyāhṛtis sind ja All-Sühnemittel; mit ihnen allen zusammen vollzieht man die Sühne.
Und man fragt weiter: –