Kapitel 14
Prajāpatis Selbstschöpfung und die Feinregeln der großen Sāman-Paare
Höhepunkt dieses Abschnitts ist Prajāpatis große kosmogonische Selbstidentifikation, in der er sich nacheinander in Agni, Erde, Gewässer, Geist, Sprache und schließlich in den 'Namen' selbst verwandelt, durch den sich die Geschöpfe erst gegenseitig erkennen. Daneben stehen zahlreiche, oft von Śāṭyāyani entschiedene Lehrstreitigkeiten benannter Meister über die rechte Ausführung von Bṛhat, Rathantara und Vāmadevya sowie über das Für und Wider des 'getrennten' Singens der Dhur-Verse.
trīṇi ha vai yajñasyodarāṇi gāyatrī bṛhaty anuṣṭup. atra hy evāvapanty ata uddharanti. tad u yathāyaṃ madhyena puruṣas suhito vā syād aśanāyed vā tathā tat. atha yathetarāṇy aṅgāni sthitāny evam anyāni stotrāṇi sthitāny eva. catvāry u ha vai sāmāny ekarcebhyo tasthānāni bṛhadrathantare vāmadevyaṃ yajñāyajñīyam iti. tāni yatra kva cānupariplaveraṃs tāni tṛceṣv eva kalpayen naikarceṣu. atha ha vai naikarcakalpī syāt. avīrya iva vā eṣa yad ekarcaḥ. ayaṃ vai loka ekarcaḥ. avacchinna iva vā ayam ābhyāṃ lokābhyām. vīryasaṃtatatara iva tṛcaḥ. trayo vā ime lokāḥ. ime hi lokās tṛcaḥ. trayo vā ekasmād vīryavattarāḥ. etasmād dha vā idaṃ bhūyasvī kanīyasvinam atimanyate. yā hi bhūyasī gavyūtir bhūyasy ṛddhis tāṃ tṛcenardhnoti. atha yā kanīyasī gavyūtiḥ kanīyasy ṛddhis tām ekarcenardhnoti. ekarco ha tvāva tṛcāj jyāyān. ekarca iti trīṇya akṣarāṇi tṛca iti dve. yo ha tvāvaitāny ṛktṛcāṃś cākṣaratṛcāṃś ca vedobhaye me tṛcāḥ kṛtā bhavantīty ubhe haivāsya tṛcāḥ kṛtā bhavanti. atho yad evarksāma hiṃkāras tenāsya tṛcāḥ kṛtā bhavanti. atho yad eva prastāvaḥ pratihāro nidhanaṃ teno eva tṛcebhyo naiti
Drei sind wahrlich die Bäuche des Opfers: Gāyatrī, Bṛhatī, Anuṣṭubh. Denn eben hier legt man ein, von hier nimmt man heraus. Dies ist, wie dieser Mensch durch seine Mitte bald wohlgenährt, bald hungrig ist – ebenso verhält es sich damit. Doch so wie die übrigen Glieder feststehen, so stehen auch die übrigen Lobgesänge fest.
Vier Sāmans nun stehen den Einzelversen fern: Bṛhat, Rathantara, Vāmadevya, Yajñāyajñīya. Wo immer man diese im Umlauf anwenden wollte, soll man sie nur bei Tṛcas einsetzen, nicht bei Einzelversen. Man soll überhaupt kein Einzelvers-Anwender sein. Kraftlos gleichsam ist ja dieser Einzelvers. Diese Welt hier ist der Einzelvers; wie abgeschnitten ist sie von jenen beiden anderen Welten. Kraftvoller hingegen, gleichsam fortlaufender, ist der Tṛca. Drei nämlich sind diese Welten; diese Welten sind der Tṛca. Drei sind kraftvoller als eines. Deshalb blickt das Größere auf das Kleinere herab. Denn welche größere Weide, welch größeres Gedeihen es gibt, das erlangt man durch den Tṛca; welche kleinere Weide, welch kleineres Gedeihen es gibt, das erlangt man durch den Einzelvers.
Der Einzelvers aber ist, in anderer Hinsicht, größer als der Tṛca: Das Wort »Einzelvers« hat drei Silben, das Wort »Tṛca« zwei. Wer diese sowohl als Vers-Tṛcas wie als Silben-Tṛcas kennt und denkt: »Beiderlei Tṛcas sind mir zuteil geworden« – dem werden wahrhaftig beiderlei Tṛcas zuteil. Zudem: Insofern der Hiṃkāra Vers-und-Weise zugleich ist, werden ihm dadurch seine Tṛcas vollständig; und insofern es Prastāva, Pratihāra und Nidhana gibt, weicht er eben dadurch nicht vom Tṛca ab.
[Anm.: Der Bauch (udara) dient hier als Bild für die drei Versmaße Gāyatrī, Bṛhatī, Anuṣṭubh als flexibel einsetzbare, nährende Elemente des Opfers, im Unterschied zu den übrigen, fest stehenden Lobgesängen. Die abschließende Pointe beruht auf einem Silbenspiel: Das Sanskrit-Wort für ›Einzelvers‹ (ekarca) hat drei Silben, das Wort für ›Tṛca‹ (Dreiervers-Einheit) nur zwei – ein für dieses Textgenre typisches Wortspiel, das dem an sich kleineren Einzelvers auf der Wortebene eine eigene Überlegenheit zuspricht.]
prajāpatir ha vā etat prātassavane prajāḥ prajanayaṃs tiṣṭhati yad etad bahiṣpavamānam. sa ha saiva devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido lokaḥ. athāgneyam ājyam. sa ha so ’bhijid eva stomaḥ. agnir eva saḥ. sa hīdaṃ sarvam abhyajayat. sa ha saiva (devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido) lokaḥ. atha maitrāvaruṇ ājyam. sa ha sa viśvajid eva stomaḥ. ahorātre eva te. ahar vai mitro rātrir varuṇaḥ. tad ye ke cādityād arvāñco lokās tān ha sarvān ahorātre evāpnutaḥ. te u ha tv evaṃvido lokaṃ nāpnutaḥ. sa ha saiva (devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido) lokaḥ. athaindraṃ ājyam. sa ha sa sarvajid eva stomaḥ. indra eva saḥ. sa hīdaṃ sarvam ajayat. sa ha saiva (devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido) lokaḥ. athaindrāgnam ājyam. sa ha sa udbhid eva stomaḥ. indrāgnī eva tau. tau hīdaṃ sarvam ājisṛtyāyām udabhinttām. sa ha saiva (devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido) lokaḥ
Prajāpati steht wahrlich, Geschöpfe erzeugend, bei der Morgenpressung da: Das eben ist dieser Bahiṣpavamāna. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann die Āgneya-Opferschmalzspende. Das ist eben der Abhijit-Stoma, der Allbezwingende. Das ist eben Agni; denn er bezwang dieses Weltall. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann die Maitrāvaruṇa-Opferschmalzspende. Das ist eben der Viśvajit-Stoma, der Allesbezwingende. Diese beiden sind eben Tag-und-Nacht; Tag nämlich ist Mitra, Nacht ist Varuṇa. Welche Welten diesseits der Sonne auch liegen, sie alle erreichen eben Tag-und-Nacht; die Welt dessen aber, der so weiß, erreichen diese beiden nicht. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann die Aindra-Opferschmalzspende. Das ist eben der Sarvajit-Stoma, der alles Bezwingende. Das ist eben Indra; denn er bezwang dieses Weltall. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann die Aindrāgna-Opferschmalzspende. Das ist eben der Udbhid-Stoma, der Aufbrechende. Diese beiden sind eben Indra-und-Agni; denn sie beide durchbrachen im Wettlauf dieses Weltall. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
[Anm.: Die wiederkehrende Formel »Er, zu eben dieser Gottheit geworden…« steht im Sanskrit nach der ersten vollständigen Nennung nur noch in stark verkürzter Form – eine in vedischen Rezitationstexten übliche Abkürzungskonvention, die der Herausgeber der zugrunde liegenden Ausgabe jeweils in Klammern zum vollen Wortlaut ergänzt hat. Zur besseren Lesbarkeit wird die Formel hier jedes Mal vollständig wiedergegeben; dasselbe gilt für 1.313. Die Namen der Stomas sind jeweils durch eine kleine, im Text selbst mitgelieferte Wurzeletymologie motiviert.]
atha mādhyaṃdina pavamānaḥ. sa ha sa dhanajid eva stomaḥ. vāyur eva saḥ. sa hīdaṃ prāṇo bhūtvā sarvaṃ dhanam ajayat. tad yad vai kiṃ ca prāṇī jīyate tasmin sarvasminn apitvī bhavati ya evaṃ veda. ( sa ha saiva devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāye lokas sa haivaṃvido ) lokaḥ. rathantaraṃ vā bṛhad vā pṛṣṭham. sa ha sa śrīr eva stomaḥ. śrīr hi pṛṣṭham. sa ha saiva devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido lokaḥ. atha vāmadevyam. sa ha sā śāṃtir eva stomaḥ. āpa eva tāḥ. yad dha vā imāṃ pṛthivīm agnir vaiśvānaro dadāha taṃ hādbhir eva śamayāṃcakruḥ. ubhā u ha vā etau vaiśvānarau yan nidāghaś ca śiśiraś ca. tad yad antareṇa varṣā vyavahitāś śāntyā eva. sa ha saiva (devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido) lokaḥ. atha naudhasaṃ vā śyaitaṃ vā brahmasāma. saha sa sarvacchandā eva stomaḥ. brahmaiva tat. brahma hi sarvāṇi chandāṃsi. sa ha saiva (devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāye lokas sa haivaṃvido) lokaḥ. atha kāleyam. sa ha sa rasa eva stomaḥ. annam eva tat. sa yo hānnasya rasasya lokas so ’sya loko bhavati ya evaṃ veda. sa ha saiva ( devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido) lokaḥ. athārbhavaḥ pavamānaḥ. sa ha so ’sita eva stomaḥ. diśa eva tāḥ. diśo ha vai vyutkrāmanti pāpmā na siṣāya. na hainaṃ pāpmā sinoti ya evaṃ veda. sa ha saiva ( devatā bhūtvaitam āstāvam āsīdati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido) lokaḥ. atha yajñāyajñīyam. sa ha sa nāka eva stomaḥ. āditya eva saḥ. eṣa hi na kasmai canākam udayati. sa ha saiva devatā bhūtvaitam āstāvam āsādati. yo haitasyai devatāyai lokas sa haivaṃvido lokaḥ. etad dha vai stomendriyam. ete ha vai stomānām indriyāvantaḥ. indriyavān bhavaty apitvy asmin sarvasmin bhavati ya evaṃ veda
Nun der Mādhyaṃdina-Pavamāna. Das ist eben der Dhanajit-Stoma, der Reichtum-Bezwingende. Das ist eben Vāyu; denn er, zum Atem geworden, bezwang allen Reichtum. Woran auch immer unter den atmenden Wesen Gewinn erlangt wird, daran hat teil, wer dies weiß. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Das Pṛṣṭha ist Rathantara oder Bṛhat. Das ist eben der Śrī-Stoma, der Glanzvolle; Glanz nämlich ist das Pṛṣṭha. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann das Vāmadevya. Das ist eben der Śānti-Stoma, der Befriedende; die Gewässer nämlich sind dieser. Als Agni Vaiśvānara einst diese Erde verbrannte, da besänftigten sie ihn eben mit den Gewässern. Diese beiden, die Sommerglut und der Winterfrost, sind ja eben Vaiśvānara; was zwischen ihnen liegt, die Regenzeit, ist eben durch Befriedung von ihnen geschieden. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann das Brahma-Sāman, Naudhasa oder Śyaita. Das ist eben der Sarvacchandas-Stoma, der alle Versmaße Umfassende; das ist eben das Brahman, denn das Brahman ist ja alle Versmaße. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann das Kāleya. Das ist eben der Rasa-Stoma, der Saft. Das ist eben die Speise. Welche Welt dem Saft der Speise gehört, das wird seine Welt, wer dies weiß. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann der Ārbhava-Pavamāna. Das ist eben der Asita-Stoma, der Ungebundene; die Himmelsrichtungen nämlich sind dieser. Die Himmelsrichtungen ziehen ja auseinander; das Böse hat sie nicht gebunden. Ihn bindet das Böse nicht, wer dies weiß. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dann das Yajñāyajñīya. Das ist eben der Nāka-Stoma, der Schmerzlose; das ist eben Āditya, die Sonne. Denn diese geht für niemanden als Schmerz auf. Er, zu eben dieser Gottheit geworden, geht ein in diesen Lobgesang. Welche Welt dieser Gottheit gehört, das wird die Welt dessen, der so weiß.
Dies eben ist die Vitalkraft der Stomas; diese sind es, die den Stomas ihre Vitalkraft verleihen. Mit Vitalkraft ausgestattet wird, an alldem teilhaftig wird, wer dies weiß.
prajāpatir vāvedam agra āsīt. so ’kāmayatāham evedaṃ sarvaṃ syām aham idam abhibhaveyam iti. so ’agnir eva bhūtvā pṛtanā asahata. bhūmir bhūtvā bhūtaṃ bhavyam abhavat. āpo bhūtvā sarvam āpnot. mano bhūtvā sarvam amanuta. vāg bhūtvā sarvaṃ vyabhavat. cakṣur bhūtvā sarvaṃ vyapaśyat. śrotraṃ bhūtvā sarvam aśṛṇot. vāyur bhūtvā prajānāṃ prāṇo ’bhavat. antarikṣaṃ bhūtvā divam astabhnot. dyaur bhūtvā sarvam anuvyabhavat. virāḍ bhūtvādityo ’bhavat. kāmo bhūtvānanto ’bhavat. ananto bhūtvā mṛtyurabhavat. saṃvatsaro bhūtvā nādasyat. na ha dasyati ya evaṃ veda. candramā bhūtvārdhamāsān paryagṛhṇāt. parjanyo bhūtvā prajānāṃ janitram abhavat. yajño bhūtvā devān bibharti. tā asyemāḥ prajāsaḥ sṛṣṭā na samajānata. tā nāma bhūtvānuprāviśat. tā etā nāmnā saṃjānate ’sau vā ayam amuṣya putra iti. sa eṣa vāgniṣṭomo ya eṣa tapaty eṣa indra eṣa prajāpatir eṣa evedaṃ sarvam ity upāsitavyam
Prajāpati allein war dies alles im Anfang. Er wünschte: »Möge ich allein dies ganze All sein, möge ich dies überwältigen.« Zu Agni geworden, bestand er Heerscharen. Zur Erde geworden, wurde er Gewesenes und Künftiges. Zu den Gewässern geworden, erlangte er alles. Zum Geist geworden, erdachte er alles. Zur Sprache geworden, entfaltete er sich zu allem. Zum Auge geworden, erblickte er alles. Zum Ohr geworden, vernahm er alles. Zu Vāyu geworden, wurde er der Atem der Geschöpfe. Zum Luftraum geworden, stützte er den Himmel. Zum Himmel geworden, durchdrang er alles. Zur Virāj geworden, wurde er die Sonne. Zum Verlangen geworden, wurde er das Endlose. Zum Endlosen geworden, wurde er der Tod. Zum Jahr geworden, ermattete er nicht – nicht ermattet, wer dies weiß. Zum Mond geworden, umfasste er die Halbmonate. Zu Parjanya geworden, wurde er der Erzeuger der Geschöpfe. Zum Opfer geworden, erhält er die Götter.
Diese seine Geschöpfe aber, einmal erschaffen, erkannten ihn nicht. Da wurde er zum Namen und ging in sie ein. Seither erkennen sie einander durch den Namen: »Dies da ist der Sohn von jenem.«
Dies eben ist das Agniṣṭoma – das, was dort brennt, das ist Indra, das ist Prajāpati, das ist eben dies ganze All: So soll man es verehren.
retasyāṃ gāyati. reto vai retasyā. retasas saṃtatyā avyavacchedāya. ahiṃkṛtāṃ gāyati. vajro vai hiṃkāraḥ. yad dhiṃkuryād vajreṇa hiṃkāreṇa reto vicchindyāt. sa yadya ekāhas syāt tasminn ahiṃkṛtāṃ gāyet. ekaṃ hi tad ahaḥ. yadi dvyaha ubhayor ahnor ahiṃkṛtāṃ gāyet. prāyaṇaṃ hi tayor anyatarad udayanam anyatarat. yadi tryahas tasmin mīmāṃsante hiṃkuryā3n iti. tad dhaika āhuḥ kāmam evāpy anvahaṃ saṃvatsaraṃ retasyām ahiṃkṛtāṃ gāyet. saṃvatsaraṃ vai siktam abhikriyate. retas evābhikṛtyā iti. tad u hovāca śāṭyāyanir yad vāva prathamāhan retas sicyate sa garbhas saṃbhavati. atha yat ta ( ta ) s sicyate ’muyaiva tat parāsicyata iti. tasmād u prathamāhann eva retasyām ahiṃkṛtāṃ gītvā hiṃkṛtām uttareṣv ahassu gāyet. atho annaṃ vai hiṃkāraḥ -- annena vai garbho ’bhivardhate --abhivṛddhyā eveti. tām udayane gāyed yat prāyaṇaṃ tad udayanam asad iti
Man singt die Retasyā, den Samen-Vers. Same nämlich ist die Retasyā; dies geschieht zur ununterbrochenen Fortdauer des Samens. Man singt sie ohne Hiṃkāra. Der Vajra nämlich ist der Hiṃkāra; würde man den Hiṃkāra anstimmen, so würde man mit dem Vajra, dem Hiṃkāra, den Samen zerschneiden.
Wäre es ein Eintagsopfer, so sänge man sie an diesem einen Tag ohne Hiṃkāra; denn das ist ein einziger Tag. Wäre es ein Zweitagsopfer, so sänge man sie an beiden Tagen ohne Hiṃkāra; denn der eine von beiden ist der Aufbruch, der andere die Ankunft. Wäre es ein Dreitagsopfer, so erörtert man darüber: »Sollte man am mittleren Tag den Hiṃkāra anstimmen?« Dazu sagen manche: Man könne, sofern man wolle, die Retasyā sogar Tag für Tag, ein ganzes Jahr lang, ohne Hiṃkāra singen; denn ein Jahr lang wird das Vergossene immer erneut gewirkt – zur Erneuerung des Samens, so sagt man.
Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Was am ersten Tag an Samen vergossen wird, das wird zum Keim; was aber danach vergossen wird, das wird eben in dasselbe Ziel vergeblich hineinvergossen. Deshalb solle man die Retasyā nur am ersten Tag ohne Hiṃkāra singen, an den folgenden Tagen aber mit Hiṃkāra. Speise nämlich ist ja der Hiṃkāra – durch Speise wächst der Keim heran –, zu seinem Heranwachsen, so sagt man. Man singe sie am Tag der Ankunft erneut, auf dass das, was Aufbruch war, nun auch zur Ankunft werde.
[Anm.: Der Streit dreht sich darum, an wie vielen Tagen eines mehrtägigen Opfers die besondere, Hiṃkāra-lose Form der Retasyā gesungen werden soll; Śāṭyāyani entscheidet sich für eine vermittelnde Lösung, die nur den ersten Tag der Empfängnis ohne, die folgenden Tage des Wachstums aber mit Hiṃkāra singen lässt. Die Pluti-Markierung in »hiṃkuryā3n« folgt derselben, schon in 1.298 angemerkten Konvention.]
tā haitā gaḷunā ārkṣākāyaṇaś śālāpatya āruṇer adhy adhijage. tā etā āruṇeyā dhuraḥ. tad āhuḥ kiṃ chando retasyeti. bṛhatīti brūyāt. kathaṃ bṛhatīti. mano hi retasyeti brūyāt. no manaso barhīyaḥ ki canāsti. atho sarve prāṇā mano ’bhisaṃpannāḥ. sarvāṇi chandāṃsi bṛhatīm abhisaṃpannāni. tasmād bṛhatī retasyeti. sā kena vṛddhety āhuḥ. vṛddhā teneti brūyād yad retasyā. retasyo hīdaṃ sarvaṃ vṛddham. vṛddhā tena yan mano vṛddhā tena yac candramā eṣā devateti. sā haiṣā candramā eva yad retasyā. sa eṣa retasaḥ pratirūpo devabhakṣas somo rājā. sarvasyāsya rasas samudūḍhaḥ. taṃ sarve devā upajīvanti. tasmād āhus soma eva rājā brahma sarve hy enaṃ devā upajīvanti. sā haiṣā brahmaiva yad retasyā. brahmaṇā hāsya stutaṃ bhavati ya evaṃ vidvān retasyayā stute
Diese hier erhielt Gaḷu Ārkṣākāyaṇa Śālāpatya von Āruṇi überliefert. Dies sind die Āruṇi-Dhurs. Dazu fragt man: »Welches Versmaß hat die Retasyā?« Man sollte antworten: »Bṛhatī.« »Wieso Bṛhatī?« Man sollte antworten: »Weil die Retasyā ja der Geist (manas) ist. Denn nichts ist umfassender als der Geist. Zudem sind alle Lebenskräfte im Geist enthalten, [wie] alle Versmaße in der Bṛhatī enthalten sind. Deshalb ist Bṛhatī [das Versmaß] der Retasyā.«
Man fragt: »Wodurch ist sie gewachsen?« Man sollte antworten: »Gewachsen ist sie durch eben das, was die Retasyā ist; durch den Samen nämlich wächst dies ganze [All]. Gewachsen ist sie durch den Geist, gewachsen ist sie durch den Mond – dieser ist ihre Gottheit.« Sie, die Retasyā, ist ja eben der Mond selbst. Dieser aber ist das Gegenstück des Samens, die Speise der Götter, Soma, der König. Der Saft dieses ganzen [Alls] ist in ihm zusammengetragen; von ihm leben alle Götter. Deshalb sagt man: »Soma allein ist König, ist Brahman, denn alle Götter leben ja von ihm.« Sie, die Retasyā, ist eben Brahman selbst. Durch Brahman wird der gepriesen, der, dies wissend, mit der Retasyā preist.
[Anm.: Der Name Bṛhatī wird hier volksetymologisch mit der Wurzel bṛh, ›groß, umfassend sein‹, verknüpft. Gaḷu Ārkṣākāyaṇa Śālāpatya ist sonst nicht näher bekannt.]
gāyatrīṃ gāyati. prāṇo vai gāyatrī. tasyai dve akṣare vyatiṣajati. o3rvāṇo aśiśrā de3yurva devāya dā iti vyatiṣajati. sa prāṇaḥ. sa vāyuḥ. triṣṭubhaṃ gāyati. cakṣur vai triṣṭup. tasyai dve akṣare dyotayati. ṣodhā ity ete dyotayati. tad idaṃ cakṣu. so ’sāv ādityaḥ. jagatīṃ gāyati. śrotraṃ vai jagatī. tasyai catvāry akṣarāṇi dyotayati. somāś śukrāḥ iti śukravatī pade dyotayati. tad idaṃ śrotram. tā imā diśaḥ. anuṣṭubhaṃ gāyati. vāg vā anuṣṭup. tāma arvācīm abhinudan gāyati. o3 vājaṃ vājy akrāmā3 iti niruktaṃ padaṃ gāyati. nuṣam̐ḥ iti nirāha. sā vāk. sa prajāpatiḥ. paṃkti gāyati. ṛtavo vai paṃktiḥ. tasyai ṣaḍ akṣarāṇi dyotayati. pavasvā sūryā iti sūryavatī pade dyotayati
Er singt die Gāyatrī. Der Atem nämlich ist die Gāyatrī. Für sie webt er zwei Silben ein: »o3rvāṇo aśiśrā de3yurva devāya dā« – dies webt er ein. Das ist der Atem, das ist Vāyu.
Er singt die Triṣṭubh. Das Auge nämlich ist die Triṣṭubh. Für sie lässt er zwei Silben aufleuchten: »ṣoḍhā« [sechsfach] lässt er aufleuchten. Das ist dieses Auge hier, das ist jene Sonne dort.
Er singt die Jagatī. Das Gehör nämlich ist die Jagatī. Für sie lässt er vier Silben aufleuchten: »somāḥ śukrāḥ« [die hellen Somas] lässt er in der »śukravatī«-Versviertel aufleuchten. Das ist dieses Gehör hier, das sind diese Himmelsrichtungen.
Er singt die Anuṣṭubh. Die Sprache nämlich ist die Anuṣṭubh. Er singt sie, indem er sie herwärts drängt. Das deutlich artikulierte Versviertel singt er: »o3 vājaṃ vājy akrāmā3« [der Preisgewinner ist zum Kampfpreis geschritten]. »nuṣam̐ḥ« spricht er deutlich aus. Sie ist die Sprache, er ist Prajāpati.
Er singt die Paṅkti. Die Jahreszeiten nämlich sind die Paṅkti. Für sie lässt er sechs Silben aufleuchten: »pavasvā sūryāḥ« [reinigt euch, ihr Sonnen] lässt er in der »sūryavatī«-Versviertel aufleuchten.
[Anm.: Die in Anführungszeichen wiedergegebenen Silbenfolgen sind wörtliche Gesangs- beziehungsweise Melodiefragmente mit Dehnungszeichen (Pluti, hier als hochgestellte ›3‹ übernommen); einige lassen sich versuchsweise deuten, andere – wie das erste Gāyatrī-Fragment und »nuṣaṃḥ«, das vermutlich lautlich auf »anuṣṭubh« anspielt – bleiben in ihrer genauen Wort- und Satzgrenze unsicher und werden daher unübersetzt im Original belassen.]
te ṣaḍ ṛtavaḥ. ṣaḍ ḍhura etā devatāḥ. etābhis tad devā asurān adhūrvan. yad adhūrvaṃs tasmād dhuro ’bhavan. etābhir asya sarvābhir devatābhis stutaṃ bhavati ya evaṃ veda. tābhya u eva sarvābhyo devatābhya āvṛścyate ya evaṃ vidvāṃsam upavadati. tāṃ haitām ete paṃkti vigāyanti nāvikṛtā garbhā jāyanta iti vadantaḥ sāṃjagmāno dāyivā kovā pavasvā sūryāḥ iti. tad u hovāca śāṭyāyanir etāṃ vigāyanti tata idaṃ garbhā muhyanti. yato vai garbhāḥ prasāryante ’tha jāyante. tasmād eṣā gāyatram eva prasṛtā geyeti. tad āhus sa cādya dhuro vigāyed ya enās saṃgātuṃ vidyād iti. tad dhaika āhur bahiṣpavamāne vāva vayaṃ vigāyantas saṃgāyāmaḥ yado ovā iti vāṅnidhanāḥ kurmas tenaiva nas saṃgītā bhavantīti. tenājyeṣv ādriyante na pavamānayoḥ. atha haika āhur ājyeṣv eva vayaṃ vigāyantas saṃgāyāma iti. jagatīṃ hotur ājye. jāgato hi hotā
Jene [sechs Silben] sind die sechs Jahreszeiten. Sechs Dhurs sind diese Gottheiten. Mit diesen schädigten die Götter einst die Asuras; weil sie sie damit schädigten (adhūrvan), wurden sie zu »Dhuraḥ«. Durch alle diese Gottheiten wird gepriesen, wer dies weiß; von allen diesen Gottheiten aber wird abgeschnitten, wer einen so Wissenden schmäht.
Diese Paṅkti nun singen manche getrennt, indem sie sprechen: »Auf dass keine missgestalteten Keime geboren werden« – [und dabei den Spruch] »sāṃjagmāno dāyivā kovā pavasvā sūryāḥ« [anstimmen]. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Sie singen sie getrennt, und eben dadurch geraten die Keime in Verwirrung. Denn woher die Keime ausgestreckt werden, von dort werden sie geboren. Deshalb solle diese, als Gāyatra ausgestreckt, gesungen werden.
Dazu sagt man: Auch heute noch mag einer die Dhurs getrennt singen, wer es versteht, sie [wieder] zu vereinen. Manche sagen dazu: Wir singen zwar beim Bahiṣpavamāna getrennt, singen aber doch zusammen, insofern wir »o vā« zum Sprach-Nidhana machen; eben dadurch werden unsere Gesänge für uns vereint. Deshalb schenken sie den Ājya-Gesängen besondere Sorgfalt, nicht den beiden Pavamānas. Andere wiederum sagen: Wir singen getrennt und doch zusammen gerade bei den Ājya-Gesängen. Die Jagatī gehört zum Ājya des Hotṛ; denn der Hotṛ ist von Jagata-Art.
[Anm.: Der Name »Dhur« wird hier – anders als in der Lehre von den Dhur-Versen in 1.270–1.273 – von der Wurzel dhvṛ, ›schädigen‹, hergeleitet; solche mehrfachen, einander nicht widersprechenden Etymologien desselben Wortes sind für dieses Textgenre typisch. Der zitierte Spruch »sāṃjagmāno dāyivā kovā pavasvā sūryāḥ« bleibt im Wortlaut unsicher und wird daher unübersetzt wiedergegeben.]
saiṣā bhavati agna ā yāhi vītaye iti. gāyatrīṃ maitrāvaruṇasya. gāyatro hi maitrāvaruṇaḥ. saiṣā bhavati ā no mitrāvaruṇā iti. triṣṭubhaṃ brāhmaṇācchaṃsinaḥ. traiṣṭubho hi brāhmaṇācchaṃsī. saiṣā bhavati ā yāhi suṣumā hi te iti. anuṣṭubham acchāvākasya. ānuṣṭubho hy acchāvākaḥ. tasyaiṣā bhavati indrāgnī ā gataṃ sutam iti. tad u hātraiva yathārūpaṃ gītā bhavanti. atha ya enāḥ prātassavane gītvā mādhyaṃdine ca savane tṛtīya savane ca gāyati tasya haiva yathāyatanaṃ gītā bhavanti. idaṃ vā enā eṣa tad āyatanāc cyāvayati ya enā mādhyaṃdināyatanāś ca satīs tṛtīyasavanāyatanāś cātha prātassavana eva gāyati. atha ya evaināḥ prātassavane gītvā mādhyaṃdine ca savane tṛtīya savane ca gāyati sa evainā āyataneṣu pratiṣṭhāpayati. tā asyāyatanavatīr gītā bhavanty atraivaitās saṃgītā bhavanti
Dies ist es: »Agni, komm herbei zum Mahl« – ein bekannter Vers. Die Gāyatrī gehört dem Maitrāvaruṇa; denn der Maitrāvaruṇa ist von Gāyatra-Art. Dies ist es: »Zu uns, Mitra-und-Varuṇa« – [so heißt sein Vers]. Die Triṣṭubh gehört dem Brāhmaṇācchaṃsin; denn der Brāhmaṇācchaṃsin ist von Traiṣṭubha-Art. Dies ist es: »Komm, denn dein ist die gute Somapressung« – [so heißt sein Vers]. Die Anuṣṭubh gehört dem Acchāvāka; denn der Acchāvāka ist von Ānuṣṭubha-Art. Sein ist dies: »Indra-und-Agni, kommt zum gepressten [Soma]« – [so heißt sein Vers]. So werden sie eben hier, jede in ihrer eigenen Gestalt, gesungen.
Wer aber diese, nachdem er sie bei der Morgenpressung gesungen hat, auch bei der Mittagspressung und bei der dritten Pressung singt, dem werden sie eben an ihrem rechten Platz gesungen. Wer sie hingegen, obwohl sie der Mittagspressung und der dritten Pressung als Stätte zugehören, nur bei der Morgenpressung singt, der verrückt sie eben von dieser ihrer Stätte. Wer aber diese, nachdem er sie bei der Morgenpressung gesungen hat, auch bei der Mittagspressung und bei der dritten Pressung singt, der stellt sie eben fest an ihren [rechten] Stätten auf. Für ihn werden diese, mit rechter Stätte versehen, gesungen; eben hierin werden sie [wahrhaft] vereint gesungen.
[Anm.: »Agne ā yāhi vītaye« ist eine der bekanntesten vedischen Anrufungsformeln (vgl. Ṛgveda 1,1 und zahlreiche Parallelstellen); auch die übrigen drei Zitate folgen erkennbar geläufigen Ṛgveda-Anrufungsmustern für Mitra-und-Varuṇa beziehungsweise Indra-und-Agni, ohne dass sich jede einzelne Stelle mit letzter Sicherheit identifizieren ließe.]
iti ha smāhāddhiyas sātyayajñir ṛddhukam asmai svāyāṃ janatāyāṃ bhavati ya evaṃ vidvān dhuro na vigāyatīti. tasmād yadītarā dhuro vigāyed vy evājyadhuraś ca pavamānadhuraś ca gāyed iti. tad u hovāca śāṭyāyanir vikarṣanta ete dhuro ye vigāyanti. yadi triṣṭubho mādhyaṃdine yo rasas taṃ prātassavane dadhāti. yadi rathantaravarṇāṃ gāyati yo rathantarasya pṛṣṭheṣu rasas taṃ prātassavane dadhāti. yadi jagatīṃ gāyati yo jagatyai tṛtīya savane rasas taṃ prātassavane dadhāti. yady anuṣṭubhaṃ gāyati--vāg vā anuṣṭup--tāṃ prātassavane dadhāti. seyaṃ vāg anuṣṭup prātassavane baddhā na kasmai canālaṃ bhavati. yady apy āgneyam evājyam apivahec chūnye amū savane yātayāmnī syātām. yady u vai samāne yas samāne yajñakratau dvedhā jigāsati viṣiktā ime rasā yātayāmāno bhavanti. tad u tad vikṛṣṭam u eva sādhv etasyai nopapādo ’sti. tasmāt ovā ovā ity eva gāyet. atho dve eva dhurau manaś caiva vāk ca. manaso hi vāk prajāyate. sā manonetrā vāg bhavati. tan mano vācam abhipravahati. vāg u punar mana evābhipravahati. sa yo manasaś ca vācaś svaro jāyate-
So pflegte einst Addhi Sātyayajñi zu sagen: Wohlergehen wird dem in seinem eigenen Volk zuteil, der, dies wissend, die Dhurs nicht getrennt singt. Deshalb solle man, wenn man die übrigen Dhurs getrennt singen wolle, wenigstens die Ājya-Dhur und die Pavamāna-Dhur je für sich getrennt singen.
Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Diese, die getrennt singen, zerren die Dhurs auseinander. Singt man die Triṣṭubh, so legt man denjenigen Saft, der der Mittagspressung zukommt, [schon] in die Morgenpressung. Singt man in Rathantara-Art, so legt man denjenigen Saft, der den Pṛṣṭha-Gesängen des Rathantara [bei der Mittagspressung] zukommt, [schon] in die Morgenpressung. Singt man die Jagatī, so legt man denjenigen Saft, der der Jagatī bei der dritten Pressung zukommt, [schon] in die Morgenpressung. Singt man die Anuṣṭubh – die Sprache nämlich ist die Anuṣṭubh –, so legt man auch sie [nur] in die Morgenpressung. Diese Sprache, die Anuṣṭubh, an die Morgenpressung gebunden, wird für nichts und niemanden mehr hinreichend. Selbst wenn man die Āgneya-Ājya-Spende noch recht ausführte, blieben jene beiden anderen Pressungen leer, ihr [eigentlicher] Saft verbraucht und schal. Wenn nämlich innerhalb ein- und desselben Opferwerks [derselbe Saft] in zwei Richtungen zugleich strebt, werden diese versprengten Säfte verbraucht und schal. Das ist ein Auseinanderreißen und taugt nichts; dafür gibt es keine Rechtfertigung. Deshalb singe man einfach mit »ovā ovā«.
Es gibt aber in Wahrheit nur zwei Dhurs: den Geist und die Sprache. Denn aus dem Geist wird die Sprache geboren; so wird die Sprache vom Geist geleitet. Der Geist trägt die Sprache voran, und die Sprache wiederum trägt den Geist voran. Der Ton aber, der aus Geist und Sprache [zugleich] entsteht –
[Anm.: Der Name des hier zitierten Gelehrten (im Sanskrit etwa »addhiyas sātyayajñiḥ«) ist morphologisch unsicher; er wird hier probeweise als Patronymikon zu dem bereits aus 1.264 und 1.285 bekannten Satyayajña Pauluṣi verstanden. Der Satz über den ›Ton aus Geist und Sprache‹ bricht am Abschnittsende ab und wird in 1.321 fortgeführt.]
-sa indraḥ. indras sarve devāḥ. sa haiva devalokaṃ gamayati ya evaṃ vidvān udgāyati. atha hānye gandharvalokaṃ vā pitṛlokaṃ vā gamayanti. atho hāsyai tābhyām eva dhūrbhyāṃ sarvā dhura upāptā bhavanti. prajāpatir yajñam asṛjata. taṃ devebhyaḥ prāyacchat. gāyatreṇaiva prātassavanaṃ prāyacchat sāmabhir mādhyaṃdinaṃ savanaṃ tṛtīyasavanaṃ ca. āmahīyavapratipad eva mādhyaṃdinaṃ savanam āsīt saṃhitapratipat tṛtīyasavanam. tenāyajanta. teṣāṃ yad eva gāyatraṃ śira āsīt tat samabhavat. te devāḥ prajāpatim upetyābruvann ekaṃ vāva kila sāmāsa gāyatram eva. yad vāva no gāyatraṃ śiro ’bhūt tat samabhūt. tathā na idaṃ yajñaṃ vidhehi yathā sarvaṃ eva sāṅgās satanavo ’amṛtās saṃbhavāmeti. sa etasmād eva prātassavanāt ṣaḍ gāyatrāṇy udakhidat. trīṇi mādhyaṃdinaṃ savanam avaharat trīṇi tṛtīyasavanam. tam abruvan yata idam ādithāḥ kim aha bhaviṣyatīti. so ’bravīc chandāṃsy atra prativapsyāmi chandobhir etā ā( yāyiṣyanta iti. yad abravīc chandāṃsy atra prativapsyāmi chandobhir etā ākhyāyiṣyanta iti tasmād etā gāyatrīsa satīś chandobhir ākhyāyante. athopagītanaiva te ’yajanta. te sarva eva sāṅgās satanavo ’mṛtās samabhavan. sarvo haiva sāṅgas satanur amṛtas saṃbhavati ya evaṃ veda. etasmin tad yad vidvān śreyān bhavatīti ha smāha śāṭyāyaniḥ
– das ist Indra. Indra ist alle Götter. Er führt einen wahrhaftig zur Götterwelt, wer, dies wissend, den Udgītha singt. Andere hingegen führen nur zur Gandharven-Welt oder zur Väterwelt. Zudem werden durch eben diese beiden Dhurs, Geist und Sprache, alle Dhurs mit umfasst.
Prajāpati schuf das Opfer. Er übergab es den Göttern. Mit dem Gāyatra allein übergab er die Morgenpressung, mit den [übrigen] Sāmans die Mittagspressung und die dritte Pressung. Das Āmahīyava war der Eröffnungsvers der Mittagspressung, das Saṃhita der der dritten Pressung. Damit opferten sie. Was von ihnen das Gāyatra-Haupt war, das war vollständig geworden.
Diese Götter traten vor Prajāpati und sprachen: »Wir hatten ja nur ein einziges Sāman, das Gāyatra allein. Nur das, was unser Gāyatra-Haupt war, ist vollständig geworden. Richte uns dieses Opfer so ein, dass wir alle, mit allen Gliedern, verkörpert, unsterblich werden.« Da zog er eben aus dieser Morgenpressung sechs Gāyatra-Verse heraus. Drei brachte er zur Mittagspressung hinüber, drei zur dritten Pressung. Sie sprachen zu ihm: »Da du dies nun so genommen hast – was wird nun daraus werden?« Er sprach: »Ich werde hier [andere] Versmaße einsäen; durch diese Versmaße werden diese [Verse] benannt werden.« Weil er sprach: »Ich werde hier Versmaße einsäen; durch die Versmaße werden diese benannt werden«, deshalb werden diese, obwohl sie Gāyatrī sind, durch [andere] Versmaße benannt.
Danach opferten sie mit dem so ergänzten Gesang. Sie alle wurden, mit allen Gliedern, verkörpert, unsterblich. Ganz, mit allen Gliedern, verkörpert, unsterblich wird, wer dies weiß. »Darin eben besteht es, dass der Wissende überlegen ist« – so pflegte Śāṭyāyani zu sagen.
[Anm.: Der Mythos erklärt, warum manche ursprünglich zur Gāyatrī gehörigen Verse in der Mittags- und der dritten Pressung unter dem Namen anderer Versmaße geführt werden: Prajāpati habe sechs Gāyatra-Verse aus der Morgenpressung herausgelöst und anderswo eingefügt, ihnen dabei aber die Bezeichnung der jeweils neuen Umgebung gegeben.]
athaitad āmahīyavaṃ prājāpatyaṃ savanamukhe kriyate. tad etat svayaṃ praśastaṃ yat prajāpatyam. tasminn u praśasta eva saty eṣā bhūyasī praśaṃsā kriyate yad etad om ity ādatte. asau vā āditya etad akṣaram. tad etat trayasya vedasyāpīḷitam akṣaram. sa yad om ity ādatte ’muma evaitad ādityaṃ mukha ādhatte. sa yathā madhunā lājān prayuyād evam evaitenākṣareṇa sāman rasaṃ dadhāti. tad āpyāyayati. tenāsyāpīnena rasavatā stutaṃ bhavati. pratihriyamāṇaṃ sāmāvasīdatīty āhuḥ kuravas sa yad ūrdhvaṃ pratihārād udgṛhṇāti tad utthāpayatīti. sāmānn evedaṃ sāmābhigāyāmīty eva tad vidyāc chreṣṭhatām anena svānāṃ gamiṣyāmīti. punānas soma dhārayā iti prastauti. apo vasāno arṣasi ity aṣṭākṣarāṇi. ā ratnadhā yonim ṛta-ity aṣṭena tāni ṣoḍaśa. -sya sīdasi iti catvāri. tato yāni ṣoḍaśa sa eva ṣoḍaśakalaḥ paśuḥ. atha yāni catvāri ta etasya paśos stanāḥ. sa yathā paśuṃ staninaṃ prattaṃ duhītaivam evaitena gītenaitad duhe yaṃ kāmaṃ kāmayate. tat paśavyam iti ha smāha sucittaś śailanas sa paśumān bhavati ya evaṃ vidvān rauravaṃ gāyatīti
Nun wird dieses Āmahīyava, das Prajāpati gehört, am Beginn der Pressung vollzogen. Dies, weil es Prajāpati gehört, ist aus sich selbst heraus vortrefflich. Doch obwohl es schon vortrefflich ist, wird ihm eine noch größere Auszeichnung zuteil, indem man hier die Silbe »Om« aufnimmt. Diese Silbe ist ja jene Sonne dort; sie ist die verdichtete Silbe der drei Veden. Indem er »Om« aufnimmt, legt er sich damit eben jene Sonne in den Mund. So wie man geröstetes Korn mit Honig vermengt, ebenso legt er durch diese Silbe dem Sāman seinen Saft bei. Dies lässt es anschwellen; dadurch, angeschwollen und saftreich, wird es [recht] gepriesen.
»Das Sāman sinkt in sich zusammen, während es zurückgeholt wird [beim Pratihāra]«, so sagen die Kurus; »indem man es aber wieder nach oben, aus dem Pratihāra heraus, hebt, richtet man es wieder auf.« [Dabei] soll er wissen: »Auf dem Sāman selbst singe ich dieses Sāman; dadurch werde ich zum Vorrang unter den Meinigen gelangen.«
Er beginnt den Prastāva mit: »Dich reinigend, o Soma, mit einem Strom«, »in Wasser gehüllt strömst du« – das sind acht Silben. »Zum schätzespendenden Schoß der Wahrheit« – mit diesen acht sind das sechzehn. »… setzt du dich« – das sind vier. Von diesen sind die sechzehn eben das sechzehnteilige Opfertier; die vier übrigen aber sind die Zitzen dieses Tieres. So wie man ein gegebenes, zitzentragendes Tier melkt, ebenso melkt er mit diesem Gesang, was immer er sich wünscht, heraus. »Das ist viehträchtig«, so pflegte Sucitta Śailana zu sagen. Reich an Vieh wird, wer, dies wissend, das Raurava singt.
[Anm.: Das Zitat »Dich reinigend, o Soma, mit einem Strom …« folgt der geläufigen Grundformel unzähliger Soma-Pavamāna-Verse (vgl. den Beginn des neunten Ṛgveda-Maṇḍala); die genaue Verszuordnung bleibt hier offen. Die Zahl Sechzehn spielt auf die sprichwörtlichen ›sechzehn Teile‹ des kosmischen Menschen (Puruṣa) an.]
prastūyamānaṃ sāma prajākāmo ’bhyudgāyed vihṛte prastāve kṣatrakāmaḥ. pratihriyamāṇam eva paśukāmo ’bhyudgāyet. nidhanam eva svaram upayan brahmavarcasaṃ dhyāyeta. brahmavarcasaṃ hi sva (raḥ). te catvāras sāman kāmā iti ha smāha jānaśruteyaḥ. atha ha smāha vaitahavyas traya eva sāman kāmāḥ. yad eva vācā karoti sā prajā. manaso hi vāk prajāyate. sa yad vācā karomi-prajā ma eṣā-prajāvān etena bhaviṣyāmīty eva tad vidyāt. atha yad ṛcaṃ gāyati te paśavaḥ. paśavo hy ṛk. sa yad ṛcaṃ gāyāmi-paśavo ma ete-paśumān etena bhaviṣyāmīty eva tad vidyāt. atha yan nidhanaṃ svaram upaiti tad brahmavarcasam. brahmavarcasaṃ hi svaram upaimi-brahmavarcasaṃ ma etat-brahmavarcasy etena bhaviṣyāmīty eva tad vidyāt. atraivaite sarve kāmā upāpyanta evaṃ viduṣa iti. tad etat satyam akṣaraṃ yad om iti. vajrā ha khalu vā ete yad yaudhājayasya sāmno nidhanāni. te devā etena satyenābhigīya om ity etair yaudhājayasya nidhanair asurān pāpmānaṃ bhrātṛvyān aghnan. evam evaivaṃ vidvān etena satyenābhigīya om ity etair yaudhājayasya nidhanair dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyaṃ hanti. tat triṇidhanaṃ bhavati. trayo vā ime lokāḥ. vajrā ete yan nidhanāni. ebhyo lokebhya etair vajrais sarvaṃ pāpmānam apahate. atho hāsyaita eva vajrā eṣu lokeṣu sarvaṃ pāpmānam apahatya om ity eva svarge lokam ārohati
Wer sich Nachkommenschaft wünscht, soll mitsingen, während das Sāman begonnen wird; wer sich Kṣatra wünscht, wenn der Prastāva [voll] entfaltet ist. Wer sich Vieh wünscht, soll gerade während des Zurückholens [beim Pratihāra] mitsingen. Wer sich heilige Glut wünscht, soll meditieren, während er sich, beim Nidhana, dem Ton nähert; denn der Ton ist ja heilige Glut. »Dies sind die vier Wünsche des Sāman«, so pflegte Jānaśruteya zu sagen. Vaitahavya hingegen pflegte zu sagen: »Nur drei sind die Wünsche des Sāman.«
Was man durch die Sprache bewirkt, das ist Nachkommenschaft; denn aus dem Geist wird die Sprache geboren. Er soll wissen: »Was ich durch die Sprache bewirke, das ist meine Nachkommenschaft; dadurch werde ich reich an Nachkommen werden.« Was er aber als Vers singt, das ist Vieh; denn der Vers ist ja Vieh. Er soll wissen: »Was ich als Vers singe, das ist mein Vieh; dadurch werde ich reich an Vieh werden.« Und was, als Nidhana, sich dem Ton nähert, das ist heilige Glut. Er soll wissen: »Was ich, als heilige Glut, dem Ton nähere, das ist meine heilige Glut; dadurch werde ich voller heiliger Glut sein.« Eben hierin werden alle diese Wünsche erfüllt, für den, der so weiß.
Dies ist die wahre Silbe: »Om«. Vajras nun, fürwahr, sind die Nidhanas des Yaudhājaya-Sāman. Die Götter, mit dieser Wahrheit, mit »Om«, mitsingend, erschlugen mit diesen Nidhanas des Yaudhājaya die Asuras, das Böse, die hassenden Rivalen. Ebenso erschlägt auch der Wissende, mit dieser Wahrheit, mit »Om«, mitsingend, mit diesen Nidhanas des Yaudhājaya seinen hassenden, bösen Rivalen. Dies wird eine Dreifach-Nidhana-Einheit. Drei nämlich sind diese Welten; Vajras sind diese Nidhanas. Aus diesen Welten vertreiben sie mit diesen Vajras alles Böse. Und eben diese Vajras, nachdem sie in diesen Welten alles Böse vertrieben haben, steigen, mit »Om«, zur Himmelswelt empor.
[Anm.: Der Text nennt zunächst vier Wünsche (Nachkommenschaft, Kṣatra, Vieh, heilige Glut) nach Jānaśruteya, führt dann aber, Vaitahavyas abweichender Zählung von nur drei Wünschen folgend, nur drei davon (Nachkommenschaft, Vieh, heilige Glut) mit eigener Merkformel aus; der Kṣatra-Wunsch bleibt in der Ausführung unberücksichtigt.]
athaitad auśanaṃ traiṣṭubham. tad yatra devāsurās saṃyattā āsaṃs tad eṣv avravīt trir ahaṃ ṣṭub asmīti. yad abravīt trir ahaṃ ṣṭub asmīti tasmāt triṣṭup. te devā etayā tris stutvā dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyam aghnan. evam evaivaṃ vidvān etayā trisstutvā dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyaṃ hanti. tasya triḥ prarohati. traiṣṭubho vā asāv ādityaś śuklaṃ kṛṣṇaṃ puruṣaḥ. traiṣṭubham idaṃ cakṣuś śuklaṃ kṛṣṇaṃ puruṣaḥ. tac chreṣṭhayā devatayā saṃpādyodgāyati. sa śreṣṭhatāṃ svānām aśnute ya evaṃ vidvān auśanaṃ gāyatīti
Nun dieses Auśana-Traiṣṭubha. Als einst Götter und Asuras im Kampf aneinandergeraten waren, sprach er unter ihnen: »Dreifach bin ich der Stubh-Ruf!« Weil er sprach: »Dreifach bin ich der Stubh-Ruf«, [heißt es] deshalb Triṣṭubh. Die Götter, nachdem sie mit diesem dreifach gepriesen hatten, erschlugen ihren hassenden, bösen Rivalen. Ebenso erschlägt auch der Wissende, nachdem er mit diesem dreifach gepriesen hat, seinen hassenden, bösen Rivalen. Ihm spross es dreifach.
Von Traiṣṭubha-Art ist jene Sonne dort: hell, dunkel, ein Mensch [darin]. Von Traiṣṭubha-Art ist dieses Auge hier: hell, dunkel, ein Mensch [darin]. Nachdem er dies durch die vortrefflichste Gottheit vollendet hat, singt er den Udgītha. Den Vorrang unter den Seinigen erlangt, wer, dies wissend, das Auśana singt.
[Anm.: Der Name Triṣṭubh wird volksetymologisch aus »tri« (drei) und dem Lautwort »stubh« (Ruf, Donnerlaut) hergeleitet. Die Trias ›hell, dunkel, ein Mensch darin‹ beschreibt sowohl die Sonnenscheibe als auch das Auge, dessen dunkle Pupille das winzige gespiegelte ›Menschlein‹ zeigt – ein auch anderswo in der vedischen Literatur bezeugtes Bild.]
atha nirbādhāpastambhau. sāmno hiṃkriyamāṇa etāṃ diśaṃ yaṃ dviṣyāt taṃ manasā nirbādheta. tata eva sa parābhavati. pratihriyamāṇa etām u eva diśaṃ yaṃ dviṣyāt taṃ manasāpastabhnuyāt. tata u eva sa parābhavati. atho trayas sāmnas svargās trayo nārakāḥ. prastute purādes sa nārakaḥ. tad dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ pātayitvādis svargo lokaḥ. tasmin ātmānaṃ dadhyāt. pratihṛte puropadravāt sa nārakaḥ. tad dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ pātayitvopadravas svargo lokaḥ. tasminn ātmānaṃ dadhyāt. upadrute purā nidhanāt sa nārakaḥ. taṃ dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ pātayitvā nidhanaṃ svargo lokaḥ. tasminn ātmānāṃ dadhyāt. tad u hovāca śāṭyāyanir apahatapāpmaitat sāmno yad ūrdhvaṃ prastāvāt svarga eṣu lokaḥ. kas tasmin dviṣantaṃ bhrātṛvyam ābhajeta. prastuta eva purādes sa evaiko nārakaḥ. tad dviṣantaṃ bhrātṛvyam pātayitvā sarvasminn eva sāmann ātmānaṃ dadhyāt. atho yajamānam. so ’pahatya pāpmānaṃ svargaṃ lokam eti. etat tad yat kṛtvā śreyān manyata iti
Nun das Niederdrücken und das Festhalten. Während der Hiṃkāra des Sāman angestimmt wird, soll er in Gedanken die Himmelsrichtung, [in der] den, den er hasst, [befindet], niederdrücken; eben dadurch unterliegt jener. Während zurückgeholt wird [beim Pratihāra], soll er ebenso in Gedanken dieselbe Richtung, [in der] den, den er hasst, [befindet], festhalten; auch dadurch unterliegt jener.
Zudem hat das Sāman drei himmlische und drei höllische [Punkte]. Während des Prastāva, vor dessen eigentlichem Beginn, das ist der höllische [Punkt]; nachdem er dort seinen hassenden Rivalen hat fallen lassen, ist der Beginn selbst die Himmelswelt – dorthinein soll er sich selbst versetzen. Während des Pratihāra, vor dessen eigentlichem Einsetzen, das ist der höllische [Punkt]; nachdem er dort seinen hassenden Rivalen hat fallen lassen, ist das Einsetzen selbst die Himmelswelt – dorthinein soll er sich selbst versetzen. Während des Upadrava, vor dem Nidhana, das ist der höllische [Punkt]; nachdem er dort seinen hassenden Rivalen hat fallen lassen, ist das Nidhana selbst die Himmelswelt – dorthinein soll er sich selbst versetzen.
Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Was am Sāman oberhalb des Prastāva liegt, ist bereits vom Bösen befreit; die Himmelswelt liegt in diesen [höheren Teilen]. Wer würde dorthinein seinen hassenden Rivalen versetzen wollen? Allein während des Prastāva, vor dessen Beginn, das allein ist der höllische Punkt. Dort soll er seinen hassenden Rivalen fallen lassen und sich selbst dann im ganzen übrigen Sāman versetzen – und ebenso den Opferherrn. So geht er, nachdem er das Böse vertrieben hat, zur Himmelswelt ein. Dies eben ist es, wodurch, wer es getan hat, sich für überlegen hält.
[Anm.: Śāṭyāyani vereinfacht die zuvor genannte Dreiteilung in je drei höllische und himmlische Punkte zu einem einzigen kritischen Übergang zu Beginn des Prastāva; alles Weitere gilt ihm bereits als vom Bösen befreiter, himmlischer Bereich.]
yo vā ṛksāmābhyām āyatanavadbhyām ārtvijyaṃ karoty āyatanavān bhavati. prastāva evarcas sāmann āyatanam. yad ūrdhvaṃ prastāvāc channaṃ gāyati tat sāmna ṛcy āyatanam. pratihāra evarcas sāmann āyatanam. yad ūrdhvaṃ pratihārāc channaṃ gāyati tat sāmna ṛcy āyatanam. nidhanam evarcas sāmann āyatanam. yan nidhanam atisvarati tat sāmna ṛcy āyatanam. sa ya evam etābhyām ṛksāmābhyām āyatanavadbhyām ārtvijyaṃ karoty āyatanavān eva bhavati. tad vā etad dvayam evark ca sāma ca. tayor yat satyaṃ prajāsu bhavati jayati taṃ lokaṃ yas satyena jeyaḥ. vāg vā ṛcas satyaṃ manas sāmnaḥ. ete ha vā ṛksāmayos satye. satyaṃ prajāsu bhavati jayati taṃ lokaṃ yas satyena jeyaḥ. ( ṛcas) satyena sāma gāyāt sāmnās satyenarcam. ṛksāmne u ha vai svargasya lokasyeśāte. taṃ ha vā ete svarge lokaṃ gamayataḥ. sa svargasya lokasyeśe ya ene evaṃ gāyati. tasmād evam eva geye
Wer mit Vers-und-Weise, beiden mit rechter Stätte versehen, das Priesteramt versieht, wird selbst mit rechter Stätte versehen. Der Prastāva ist die Stätte des Verses innerhalb der Weise. Was er, oberhalb des Prastāva, verhüllt singt, das ist die Stätte der Weise innerhalb des Verses. Der Pratihāra ist die Stätte des Verses innerhalb der Weise. Was er, oberhalb des Pratihāra, verhüllt singt, das ist die Stätte der Weise innerhalb des Verses. Das Nidhana ist die Stätte des Verses innerhalb der Weise. Was über das Nidhana hinaus ertönt, das ist die Stätte der Weise innerhalb des Verses. Wer so mit diesen beiden, Vers-und-Weise, beiden mit rechter Stätte versehen, das Priesteramt versieht, wird eben dadurch selbst mit rechter Stätte versehen.
Dies nun ist ein Zweifaches: der Vers und die Weise. Was von diesen beiden bei den Geschöpfen Wahrheit ist, dadurch erobert man jene Welt, die durch Wahrheit zu erobern ist. Die Sprache ist die Wahrheit des Verses, der Geist die Wahrheit der Weise. Dies eben sind die Wahrheiten von Vers-und-Weise; Wahrheit ist bei den Geschöpfen, [durch sie] erobert man jene Welt, die durch Wahrheit zu erobern ist. Mit der Wahrheit des Verses soll man die Weise singen, mit der Wahrheit der Weise den Vers. Vers-und-Weise nämlich beherrschen die Himmelswelt; sie beide führen zur Himmelswelt. Wer diese beiden so singt, beherrscht die Himmelswelt. Deshalb soll man sie eben so singen.
rathantareṇa stoṣyamāṇaḥ pṛthivīm abhimṛśati namo mātre pṛthivyai rathantara mā mā hiṃsīḥ iti. atha mahimnas saṃbharati yas te agnau mahimā yas te apsu rathe yas te mahimā stanayitnau ya u ta vāte yas te mahimā tena saṃbhava rathantara draviṇasvan na edhi iti. atha vāmadevyaṃ purastāc chāntim abhivyāharaṃti prajāpatir asi vāmadevyaṃ brahmaṇaś śaraṇa tan mā pāhi iti. athaitā amṛtavyāhṛtīr abhivyāharati bhūr bhuvas svaḥ. ka idam udgāsyati sa idam udgāsyati iti. prajāpatir vai kaḥ. tam evādāv ārtvijyāya vṛṇīte. sa ya evaṃ tad udgāyati vācaivāsya kṛtaṃ bhavaty anṛṇa ātmanā bhavati. athābhyaniti. prāṇe vai śāntir agnir vai bṛhadrathantare. te prāṇena śamayati. atha ye śānte bṛhadrathantare gāyati te haite yuvānaś śrotriyāḥ pramīyante svayam upariṣṭād vāmadevyam
Wer mit dem Rathantara preisen will, berührt die Erde: »Verehrung der Mutter Erde! Rathantara, schade mir nicht, schade mir nicht!« Dann sammelt er die Größe ein: »Welche Größe dein in Agni ist, welche dein im Wasser, im Wagen, welche deine Größe im Donner, und welche dein im Wind – mit dieser [Größe] sei da, Rathantara! Reich an Gut, sei uns gewogen!«
Dann sprechen sie vor dem Vāmadevya einen Friedensspruch: »Du bist Prajāpati, o Vāmadevya, die Zuflucht des Brahman – darin beschütze mich!« Dann spricht er diese unsterblichen Vyāhṛtis: »Bhūr, Bhuvaḥ, Svaḥ. Wer wird dies hier den Udgītha singen? Der wird dies hier den Udgītha singen.« Prajāpati nämlich ist ›Wer‹ [Ka]. Eben ihn wählt man damit von vornherein zum Priesteramt. Wer so den Udgītha singt, dem wird durch die Sprache allein [sein Werk] vollbracht; er wird in sich selbst schuldenfrei.
Dann haucht er hin. Im Atem nämlich ist der Friede, in Bṛhat-und-Rathantara ist Agni. Diese besänftigt er durch den Atem. Diejenigen aber, die Bṛhat-und-Rathantara [erst] singen, wenn sie [schon] besänftigt sind, jene, mögen sie auch jung und schriftgelehrt sein, sterben von selbst dahin; man singe daher das Vāmadevya erst danach, obenan.
[Anm.: »Wer wird dies hier den Udgītha singen?« knüpft an das schon aus 1.290 bekannte Motiv an, dass »Ka« (›Wer?‹) ein Name Prajāpatis ist, dem berühmten Kehrvers des Ṛgveda-Hymnus 10,121 entsprechend. Der letzte Satz über die früh sterbenden jungen Schriftgelehrten ist im Sanskrit knapp und elliptisch formuliert; die Übersetzung ergänzt den naheliegend gemeinten Sinn, dass das Vāmadevya erst nach der Besänftigung durch den Atemhauch gesungen werden sollte.]
sa yathā gharmaṃ taptaṃ śaphābhyāṃ parigṛhya hared evam evaitad bṛhadrathantare vāmadevyābhyāṃ parigṛhya harati. te enaṃ nodoṣataḥ. sa sarvam āyur eti ya evaṃ vidvān bṛhadrathantare gāyati. iyaṃ vai rathantaram. tasyā asau vatso yo ’sau tapati. sa yat bhā bhā iti stobdhy etam eva tad ādityaṃ rathantaraṃ duhe yaṃ kāmaṃ kāmayate. śrīr vai rathantaram. tasyā ime stobhā yad asyāṃ pṛthivyām adhi. saiṣā śrīr nānyatrākṣarebhya āptavyā. sa yad akṣareṣu stobdhy etām eva tac chriyam āptvaitasyāṃ pratitiṣṭhati. sā haiṣaikasthā śrīr yad akṣareṣu. tasmād akṣareṣu stobdhavyam
So wie man einen erhitzten Gharma-Topf mit einer Zange fasst und trägt, ebenso trägt man Bṛhat-und-Rathantara, indem man sie mit dem Vāmadevya [zu beiden Seiten] fasst. Diese verletzen ihn dann nicht. Die volle Lebensspanne erreicht, wer, dies wissend, Bṛhat-und-Rathantara singt.
Diese Erde hier ist das Rathantara; ihr Kalb ist jener, der dort brennt [die Sonne]. Indem er den Stobha-Ruf »bhā bhā« anstimmt, melkt er eben dieses Āditya-Rathantara nach jedem Wunsch, den er sich wünscht. Glanz (Śrī) ist das Rathantara; seine Stobhas sind alles, was auf dieser Erde ist. Dieser Glanz ist nirgends anders als durch die [rechten] Silben zu erlangen. Indem er den Stobha innerhalb der Silben anstimmt, erlangt er eben diesen Glanz und wird darin fest gegründet. Denn dieser Glanz, der in den Silben liegt, ist an einem einzigen Ort vereint. Deshalb soll man den Stobha innerhalb der Silben anstimmen.
[Anm.: »Gharma« bezeichnet den bei bestimmten Riten (etwa dem Pravargya) verwendeten, stark erhitzten Milchtopf; das Bild vom Tragen mit der Zange veranschaulicht, wie das gefährlich-heiße Bṛhat-und-Rathantara-Paar durch das schützend dazwischentretende Vāmadevya handhabbar gemacht wird.]
tad etad amūlaṃ rathantaraṃ yad anyatrākṣarebhyaḥ. etasmād dhīdam āyatanāt pracyavante ye ’nyatrākṣarebhyas stobhanti. atha yo ’kṣareṣu stobdhi sva eva tad āyatane pratitiṣṭhati. tasmād akṣareṣv eva stobdhavyam. devatāgāyinaḥ kurupañcālā āyatanād acyavanteti ha smāha śāṭyāyaniḥ. mano vai pūrvam atha vāk. mano vai bṛhad vāg rathantaram. tad yatra bṛhadrathantare ājim aitāṃ tad bṛhad udajayad rathantaraṃ hīyamānam amanyata. tad yat kṣipraṃ rathantaraṃ gāyati manaś ca vai tad vācaṃ ca same karoti. tad idaṃ rathantaram īkṣate yo mām anena samam akṛd dhantāyaṃ kṣipre pāpmānaṃ nijahātv iti. sa kṣipre pāpmānaṃ vijahāti ya evaṃ vidvān kṣipraṃ rathantaraṃ gāyati
Dieses Rathantara wird wurzellos, wenn es anderswo als innerhalb der Silben [angestimmt wird]. Von dieser Stätte fallen eben diejenigen ab, die anderswo als innerhalb der Silben den Stobha anstimmen. Wer aber innerhalb der Silben anstimmt, bleibt in seiner eigenen Stätte fest gegründet. Deshalb soll man den Stobha nur innerhalb der Silben anstimmen. »Die Kuru-Pañcālas, die für die Gottheiten in dieser [falschen] Weise singen, fallen von ihrer Stätte ab« – so pflegte Śāṭyāyani zu sagen.
Der Geist ist das Frühere, dann die Sprache. Der Geist nämlich ist das Bṛhat, die Sprache das Rathantara. Als Bṛhat-und-Rathantara einst zum Wettlauf gingen, da siegte das Bṛhat, und das Rathantara, ins Hintertreffen geraten, war betrübt. Dass man nun das Rathantara rasch (kṣipram) singt, dadurch macht man eben Geist und Sprache einander gleich. Dieses Rathantara betrachtet es so: »Wer mich dadurch mir [Bṛhat] gleichgemacht hat – wohlan, der werfe rasch das Böse von sich ab!« Rasch wirft das Böse von sich ab, wer, dies wissend, das Rathantara rasch singt.
tat pūrṇamukhena pradhūnvan kṣipraṃ gāyet. śrīr eṣā yad rathantaram. śriyam etad ātman dhatte. atho agnir eṣa yad rathantaram. tasmāt kṣipraṃ mumukṣitavyam. yatra vā agnir upatiṣṭhamāno dahati dūra iva vai tatrauṣadhayaḥ prajāyante. yatropadhūnvann eti kṣipraṃ tatrauṣadhayaḥ prajāyante. kṣipraṃ prajayā paśubhiḥ prajāyā iti pratihārepratihāra udgātā iḷ iti brūyāt. paśavo vā iḷāyatanaṃ rathantaram. āyatana eva tad etān paśūn pratiṣṭhāpayati. tad dhaitad eka ekarūpam eva bhā bhā iti stobhanti. asau vā ādityo bhā iti. tad u hovāca śāṭyāyanir amithunam etad aprajananaṃ yad ekarūpam. bhago vā asau bhid iyam. pumān vā asau strīyam. yadā vā asau varṣaty atheyaṃ prajāyate. yado vai pumān yoṣāyāṃ retas siñcaty atha sā prajāyate. tasmāt abhubhābhibhabhebhama ity evaṃ mithunaṃ prajananaṃ stobdhavyam. yāvat stobhet tāvat pṛthivyāṃ hastau syātāṃ devarathasyānapavyādhāya
Man singe es rasch, mit vollem Mund, [den Kopf] schüttelnd. Dieses Rathantara ist Glanz; damit legt man sich Glanz in das eigene Selbst. Zudem ist dieses Rathantara Agni; deshalb soll man rasch danach trachten, [den Ton] wieder freizugeben. Denn wo Agni, sich nähernd, brennt, dort wachsen die Pflanzen gleichsam nur in der Ferne; wo er aber, flackernd, rasch vorüberzieht, dort wachsen die Pflanzen [auch in der Nähe]. »Rasch, mit Nachkommenschaft, mit Vieh, möge ich mich fortpflanzen« – so [denkend] soll der Udgātṛ bei jedem Pratihāra »Iḷ« sprechen. Vieh nämlich ist Iḷā, das Rathantara die Stätte der Iḷā; eben dadurch gründet er dieses Vieh in seiner [rechten] Stätte.
Manche stimmen dazu den Stobha »bhā bhā« nur in einer einzigen, gleichförmigen Gestalt an. »Bhā« nämlich ist jene Sonne dort. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Dies, gleichförmig, ist kein [taugliches] Paar und daher unfruchtbar. Jenes ist das männliche Teil, dieses das weibliche. Wenn jener [Himmel] regnet, dann bringt diese [Erde] hervor; wenn der Mann in die Frau Samen ergießt, dann bringt sie hervor. Deshalb soll man den Stobha als gepaarten, zeugungskräftigen anstimmen, etwa so: »abhubhābhibhabhebhama«. Solange man den Stobha anstimmt, sollen die Hände dabei die Erde berühren, damit der göttliche Wagen [des Gesangs] nicht auseinanderbreche.
[Anm.: Die genaue Lautfolge des zweiten, ›weiblichen‹ Stobha-Elements neben »bhā« ist im Sanskrit unsicher überliefert; die Übersetzung gibt den klar erkennbaren Sinn – ein männlich-weibliches Lautpaar anstelle eines einförmigen Rufs – wieder, ohne die genaue Lautform zu rekonstruieren. Die Anweisung, die Hände auf die Erde zu legen, knüpft an die Wagen-Metaphorik des Rathantara (›Wagen-groß‹) an.]
ṣoḍaśākṣarāṇi stobhati. ṣoḍaśakalo vai puruṣaḥ. kalāśa eva tad yajamānam etasyāṃ devayonyāṃ siñcati. sa etasyai devayonyai jāyate devān adhi. caturdaśacaturdaśottarayoḥ. tato yāni daśa sā virāḍ annaṃ virāṭ. atha yāni catvāri ta eva catuṣpādāḥ paśavaḥ. catuṣpadaḥ paśūn avarunddhe. ṣoḍaṇākṣarāṇi stobhati. tato yāni pañcadaśa sa vajraḥ pañcadaśaḥ. atha yat ṣoḍaṣam akṣaraṃ sa indraḥ. indro vajrasyodyantā ṣoḍaśaḥ. tam indraṃ yajamānam akṛt. tad udgātā yajamānasya pañcadaśena vajreṇa dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyaṃ stṛṇāti. caturdaśa-caturdaśottarayoḥ. sa ha sa vajra ūno nārambhaṇaḥ. tad udgātā yajamānasya bhrātṛvyāyatane bhrātṛvyaṃ vitakṣṇoti bhrātṛvyāyayatane bhrātṛvyaṃ vināśaṃ nayati. na hāsya kaś cana bhrātṛvyo bhavati ya evaṃ veda. ṣoḍaśākṣarāṇi stobhati. caturdaśacaturdaśottarayoḥ. tāni catuścatvāriṃśad akṣarāṇi saṃpadyante. catuścatvāriṃśadakṣarā triṣṭup. traiṣṭubha indraḥ. sa ha sa indraś chandasāṃ madhyata prāvasito bahūni chandāṃsi purastād bahūny upariṣṭāt
Er stimmt den Stobha mit sechzehn Silben an. Der Puruṣa nämlich hat sechzehn Teile. Eben mit diesen Teilen sät er den Opferherrn in diesen göttlichen Mutterschoß ein; aus diesem göttlichen Mutterschoß wird er, über die Götter hinaus, geboren. [Dies gilt] für die beiden [Verse], die je vierzehn zusätzliche [Silben] haben. Von diesen sind zehn die Virāj – Speise ist die Virāj –, die übrigen vier aber sind eben die vierfüßigen Tiere; dadurch sichert er sich vierfüßiges Vieh.
Er stimmt den Stobha mit sechzehn Silben an. Von diesen sind fünfzehn der fünfzehnfache Vajra; die sechzehnte Silbe aber ist Indra. Indra, der Sechzehnte, ist der Erheber des Vajra. Damit macht er den Opferherrn zu diesem Indra. Damit erschlägt der Udgātṛ, mit dem fünfzehnfachen Vajra des Opferherrn, den hassenden, bösen Rivalen. [Dies gilt] für die beiden mit je vierzehn zusätzlichen [Silben] – doch jener Vajra ist [dabei] unvollständig und ohne [rechten] Griff. Damit zerspaltet der Udgātṛ den Rivalen an dessen eigener Stätte, führt den Rivalen an dessen eigener Stätte ins Verderben. Kein Rivale bleibt dem, der dies weiß.
Er stimmt den Stobha mit sechzehn Silben an, [dazu] die beiden mit je vierzehn zusätzlichen: Das ergibt zusammen vierundvierzig Silben. Die vierundvierzigsilbige [Einheit] ist die Triṣṭubh; Indra ist von Traiṣṭubha-Art. Dieser Indra, inmitten der Versmaße, ist gleichsam eingehüllt: viele Versmaße vor ihm, viele hinter ihm.
[Anm.: Die Rechnung 16 + 14 + 14 = 44 entspricht genau der tatsächlichen Silbenzahl der Triṣṭubh (vier Versfüße zu je elf Silben); die Zuordnung von fünfzehn Silben zum ›fünfzehnfachen Vajra‹ knüpft an den schon früher (etwa in 1.256–260) begegneten Pañcadaśa-Stoma an.]
chandāṃsi vai sarve stomās sarve paśavas sarve devās sarve lokās sarve kāmāḥ. tat sarvān stomān sarvān paśūn sarvān devān sarvān lokān sarvān kāmān āpnoti. agnir eṣa yad rathantaram. agnir vai mṛtyuḥ. sa yo ’nyatrākṣarebhyas stobdhi sa evodgātā yajamānaṃ mṛtyor āsye ’pyasyati. atho yo ’kṣareṣu stobdhi-annam u vai stobhaḥ -stobhenastobhenaiva mṛtyor āsyam apidhāyaitaṃ mṛtyum atitarati. atho samudra eṣa yad rathantaram. atha yo ’nyatrākṣarebhyas stobdhi sa evaitaṃ samudraṃ praviśati. atha yo ’kṣareṣu stobdhi yathā nāvā vā plavena vā dvīpād dvīpaṃ saṃkrāmed evam evaitaṃ samudram atitarati. svardṛśam iti nirāha. yadā vai svar gacchaty athāmṛto bhavati. taṃ sarvebhyo devebhyas sarvebhyo bhūtebhyaḥ prāha svar ayaṃ brāhmaṇo ’gann amṛto ’bhūd iti. sarve devās sarvāṇi bhūtāny anuvudhyante
Die Versmaße nämlich sind alle Stomas, alles Vieh, alle Götter, alle Welten, alle Wünsche. Dadurch erlangt man alle Stomas, alles Vieh, alle Götter, alle Welten, alle Wünsche.
Dieses Rathantara ist Agni; Agni aber ist der Tod. Wer, als Udgātṛ, den Stobha anderswo als innerhalb der Silben anstimmt, der wirft eben damit den Opferherrn in den Rachen des Todes. Wer ihn aber innerhalb der Silben anstimmt – Speise nämlich ist der Stobha –, der verstopft eben mit dem Stobha den Rachen des Todes und überwindet so diesen Tod.
Zudem ist dieses Rathantara der Ozean. Wer den Stobha anderswo als innerhalb der Silben anstimmt, der taucht eben in diesen Ozean ein. Wer ihn aber innerhalb der Silben anstimmt, der überquert, wie man mit einem Boot oder einem Floß von Insel zu Insel übersetzt, eben diesen Ozean.
Er spricht deutlich »svardṛśam« [den Himmel schauend] aus. Denn wenn man zum Himmel gelangt, wird man unsterblich. Er verkündet ihn allen Göttern, allen Wesen: »Dieser Brahmane ist zum Himmel gegangen, ist unsterblich geworden.« Alle Götter, alle Wesen nehmen davon Kenntnis.
athaitad vāmadevyam. ā pratihārād anavānaṃ geyam. prāṇo hi vāmadevyam. prāṇān ned avacchidyā iti. no hānyasyānuvartma geyam. īśvaro hopajīvī bhavitor yo ’nyasyānuvartma gāyati. svadhūr eva geyam. tad dha smāha vrahmadattaś(brahmadattaś) caikitāneyo rūkṣitam ivaitad yad vāmadevyaṃ nirdhūtam iva. sāmāni hy asmāt sṛṣṭāni yathā jaratkośo vā syād aśvatarā vā vicchidvahā. pṛṣṭhaṃpṛṣṭhaṃ hi prativahatīti. tasmin pṛṣṭharūpaṃ vā gāyed etā vā vyāhṛtīr vyāhṛtyodgāyed goś cāśvaś cājā cāviś ca vrīhiś ca yavaś ceti. gaur eva rathantaram aśvo bṛhad ajā vairūpam avir vairājaṃ vrīhayaś śakvaryo yavā revatayaḥ. tad ye ’smād rasāt sṛṣṭā bhavanti tān asmin dadhāti. tad āpyāyayati. tenāsyāpīnena rasavatā stutaṃ bhavati. sa yadi vṛṣṭikāmas syāt āpo vāyur āpo vāyuḥ iti purastād vyāhṛtya vāmadevyena stuvīta. tatho haivāsmai varṣati. atho paśavo vai vāmadevyam. sa paśumān bhavati ya evaṃ vidvān vāmadevyena stute. tad dha vai sugītaṃ brahmasāmno yad enad brahmalokais saṃpādyodgāyati. sapta kṛtvo brahmasāmnaḥ prarohati. saptam u loke brahma. vāso māndāno vā iti catuḥ prārukṣat āndhāsā bhī vātsān no vā iti triḥ. tat sapta saṃpadyate
Nun dieses Vāmadevya. Bis zum Pratihāra soll es ununterbrochen gesungen werden; Atem nämlich ist das Vāmadevya, [und man denke dabei]: »Möge ich die Atemzüge nicht abschneiden.« Auch soll es nicht in den Spuren eines anderen gesungen werden; wer in den Spuren eines anderen singt, ist dazu bestimmt, ein Abhängiger zu werden, kein Herr. Als eigene Dhur soll es gesungen werden.
Dazu pflegte Brahmadatta Caikitāneya zu sagen: Dieses Vāmadevya ist gleichsam aufgerauht, gleichsam zerzaust. Denn die Sāmans entstehen aus ihm wie [Fäden] aus einem alten, brüchigen Kokon, oder wie [Junge] von einem Maultier – Stück für Stück nämlich trägt es weiter. Man soll dabei entweder in Pṛṣṭha-Gestalt singen, oder den Udgītha singen, indem man diese Vyāhṛtis anstimmt: von der Kuh, vom Pferd, von der Ziege, vom Schaf, vom Reis, von der Gerste. Die Kuh nämlich ist das Rathantara, das Pferd das Bṛhat, die Ziege das Vairūpa, das Schaf das Vairāja, der Reis die Śakvarīs, die Gerste die Revatīs. Was aus diesem Saft [des Vāmadevya] hervorgegangen ist, das legt er hierin nieder. Dies lässt es anschwellen; dadurch, angeschwollen und saftreich, wird es [recht] gepriesen.
Wünscht er sich Regen, so soll er, nachdem er zuvor »Wasser! Wind! Wasser! Wind!« ausgesprochen hat, mit dem Vāmadevya preisen; so regnet es ihm dann. Zudem ist das Vāmadevya Vieh; reich an Vieh wird, wer, dies wissend, mit dem Vāmadevya preist. Dies eben ist das Wohlgesungensein des Brahma-Sāman: dass man, es durch die Brahma-Welten vollendend, den Udgītha singt. Siebenfach sprosst das Brahma-Sāman empor; siebenfach nämlich ist das Brahman in der Welt. »vāso māndāno vā« – viermal, »āndhāsā bhī vātsān no vā« – dreimal: das ergibt zusammen sieben.
[Anm.: Die beiden zitierten Sprüche am Abschnittsende sind im Wortlaut so unsicher überliefert, dass sie unübersetzt wiedergegeben werden; ihre genaue Wiederholungszahl (vier- beziehungsweise dreimal) ergibt zusammen die im Text betonte Sieben. Brahmadatta Caikitāneya trägt denselben Sippennamen wie der aus 1.258 und 1.273 bekannte Vasiṣṭha Caikitāneya.]
upodako nāma loko yasminn ayam agnir ṛtadhāma yasmin vāyur aparājito yasminn ādityo ’bhidyur yasmin varuṇaḥ pradyur yasmin mṛtyū rocano yasmin aśayā. viṣṭapa eva saptamo brahmaloko yasminn etad brahma. tat saptamena praroheṇa viṣṭape brahmaloka ātmānaṃ dadhyād atho yajamānam. atho hainad gamayati. yad enat spṛśatīva tad dhainat priyeṇa dhāmnā samṛddhayati. yad dha sma sucittaś śailana udgṛhṇāti svāsārādhiṣu dheno vā ity abhi brahmalokam ārohayati priyeṇa dhāmnā samṛddhayati. tad u hainat samṛddhaṃ priyeṇo eva dhāmnā samṛddhayati. tad v imaṃ lokam āgamayati teno sarvam āyur eti
»Upodaka« [Nahe-den-Gewässern] heißt die Welt, in der dieser Agni als ›Wahrheits-Wohnstatt‹ ist, in der Vāyu als ›Unbesiegter‹, in der Āditya als ›Himmelserheller‹, in der Varuṇa als ›Hervorleuchtender‹, in der der Tod als ›Strahlender‹, in der die ›Ruhende‹ ist. Der siebente aber, das Brahman-Weltall, ist »Viṣṭapa« [der Gipfel], in dem eben dieses Brahman ist.
Durch dieses siebente Emporsprossen soll er sich selbst, und auch den Opferherrn, in Viṣṭapa, dem Brahman-Weltall, niederlassen. So führt er ihn auch dorthin. Indem dies ihn gleichsam berührt, lässt er ihn dadurch mit lieber Wohnstatt gedeihen. Wenn Sucitta Śailana [den Gesang] mit »svāsārādhiṣu dheno vā« aufnimmt, lässt er ihn dadurch zum Brahman-Weltall emporsteigen, lässt ihn mit lieber Wohnstatt gedeihen. Dies, schon gediehen, lässt er durch eben diese liebe Wohnstatt noch mehr gedeihen. Dies eben führt ihn zu dieser Welt; dadurch erreicht er die volle Lebensspanne.
[Anm.: Der von Sucitta Śailana angestimmte Spruch »svāsārādhiṣu dheno vā« bleibt im Wortlaut unsicher und wird daher unübersetzt wiedergegeben; Sucitta Śailana ist bereits aus früheren Lehrgesprächen bekannt (u. a. mit Janaka Vaideha).]
athaitat kāleyaṃ vistṛṇann iva vyavasāyann ivāsaṃrundhann iva gāyet. yathā yavācitaṃ vā svācitaṃ yāyān bhāṣācitaṃ veti ha sma purā kurūṇāṃ brāhmaṇā mīmāṃsanta evam etad yat kāleyaṃ tad vikarṣateva geyam iti. tad dhaitad etad eke rathantarasāmna ūrdhvam iḷām upayanti nakāriṇām oyiḷā iti. tad u hovāca śāṭyāyanir uddhatevaiṣeḷā pracyuteva nitatāmeva. iḷām antata upayan bṛhatsāmno dvitīyasyai stotriyāyai dhoro ity udgṛhṇīyāt. tad eva bṛhato rūpān na yanti. atha haike rathantarasāmnaś caiva bṛhatsāmnaś cordhvām eveḷām upayanty anavadhmātaiṣeḷā svargyeti. tad u hovāca śāṭyāyanir agnir vai rathantaraṃ vāyur vāmadevyam indro naudhasaṃ viśve devāḥ kāleyam. athaiṣa svarga eva loko viśva eva devāḥ. svarga eva tal loke viśveṣu deveṣu pratitiṣṭhati sa ya enāṃs tathā cakruṣo ’anuvyāhared iti veti vā bhaviṣyantīti. tathā haiva syuḥ. tasmād eṣā nitataiveḷāntata upetyā sarvāyuṣṭāyā asya lokasyānuddhātāyeti
Nun soll man dieses Kāleya singen, als breite man etwas aus, als schreite man entschlossen voran, als halte man nichts zurück. »So wie man einen Weg gehen mag, der mit Gerste gebahnt ist, oder einen, der nach eigenem Maß gebahnt ist, oder einen, der im Plaudern gebahnt ist« – so pflegten einst die Brahmanen der Kurus zu erörtern –, »ebenso soll dieses Kāleya gleichsam gedehnt gesungen werden.«
Manche nähern sich dabei der Iḷā oberhalb des Rathantara-Sāman, [mit dem Spruch] »nakāriṇām oyiḷā«. Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Diese Iḷā erscheint dabei wie fortgerissen, wie abgefallen; sie sollte vielmehr fest ausgedehnt sein. Nähert man sich der Iḷā am Ende, für den zweiten Stotriya-Vers des Bṛhat-Sāman, so soll man [den Spruch] »dhoraḥ« aufnehmen; dadurch weicht man nicht von der Gestalt des Bṛhat ab.
Manche wiederum nähern sich der Iḷā oberhalb sowohl des Rathantara- als auch des Bṛhat-Sāman zugleich, [mit den Worten]: »Diese Iḷā, unberührt, ist himmlisch.« Dazu aber sagte Śāṭyāyani: Agni ist das Rathantara, Vāyu das Vāmadevya, Indra das Naudhasa, die All-Götter das Kāleya. Dies eben ist die Himmelswelt selbst, sind die All-Götter selbst. In dieser Himmelswelt, unter den All-Göttern, wird fest gegründet, wer diese, so angeordnet, [richtig] nachspricht – andernfalls aber bliebe es ungewiss. So möge es sich denn verhalten. Deshalb [gilt]: Diese, fest ausgedehnte Iḷā, am Ende angetreten, [verschafft] die volle Lebensspanne, und diese Welt bleibt für ihn unerschüttert.
[Anm.: Die zitierten Sprüche »nakāriṇām oyiḷā« und »dhoraḥ« bleiben im Wortlaut unsicher und werden unübersetzt wiedergegeben. Der Abschnitt setzt die Debatte um die richtige Platzierung der Iḷā beim Kāleya-Gesang fort und schließt mit Śāṭyāyanis Bevorzugung der ›fest ausgedehnten‹ Position am Ende.]
athaitat saṃhitaṃ brahma savanamukhe kriyate. tad etat svayaṃ praśastaṃ yad brahma. tasminn u praśasta eva saty eṣā bhūyasī praśaṃsā kriyate yad etad om ity ādatte. asāv āditya etad akṣaram. tad etat trayasya devasyāpīḷitam akṣaram. sa yad om ity ādatte ’mum evaitad ādityaṃ mukha ādhatte. sa yathā madhunā lājān prayuyād evam evaitenākṣareṇa sāman rasaṃ dadhāti. tad āpyāyati. tenāsyāpīnena rasavatā stutaṃ bhavati. pratihriyamāṇaṃ sāmāvasīdatīty āhuḥ kuravas sa yad ūrdhvaṃ pratihārād ud gṛhṇāti tad utthāpayatīti. sāmann u haivaitat sāmābhigīyate. tad dha vai sugītaṃ yat sāman sāmābhigāyāt. sāmanna evedaṃ sāmābhigāyāmīty eva tad vidyāc chreṣṭhatām anena svānāṃ gamiṣyāmīti
Nun wird dieses Saṃhita-Brahman am Beginn der Pressung vollzogen. Dies, weil es Brahman ist, ist aus sich selbst heraus vortrefflich. Doch obwohl es schon vortrefflich ist, wird ihm eine noch größere Auszeichnung zuteil, indem man hier die Silbe »Om« aufnimmt. Diese Silbe ist jene Sonne dort; sie ist die verdichtete Silbe der drei Götter. Indem er »Om« aufnimmt, legt er sich damit eben jene Sonne in den Mund. So wie man geröstetes Korn mit Honig vermengt, ebenso legt er durch diese Silbe dem Sāman seinen Saft bei. Dies lässt es anschwellen; dadurch, angeschwollen und saftreich, wird es [recht] gepriesen.
»Das Sāman sinkt in sich zusammen, während es zurückgeholt wird«, so sagen die Kurus; »indem man es aber wieder nach oben, aus dem Pratihāra heraus, hebt, richtet man es wieder auf.« Auf dem Sāman selbst eben wird dieses Sāman mitgesungen. Dies eben ist wohlgesungen: dass man ein Sāman auf dem Sāman [selbst] mitsinge. [Dabei] soll er wissen: »Auf dem Sāman selbst singe ich dieses Sāman; dadurch werde ich zum Vorrang unter den Meinigen gelangen.«
[Anm.: Dieser Abschnitt wiederholt fast wörtlich die Om-Lehre aus 1.322, nun auf das Saṃhita-Brahman statt auf das Āmahīyava bezogen; auffällig ist die Lesart »der drei Götter« anstelle von »der drei Veden« aus 1.322 – möglicherweise eine Textvariante.]
athaite uṣṇikkakubhāv ā pratihārād anavānaṃ geye. saṃśīrṇam ivaitac chandaḥ puruṣachandasam uṣṇikkakubhau. tad dha śamastomī bālākis sāyakaṃ jānaśruteyam antevāsinam udgāpayan svayajñe ’nuvyājahāra. tathā nvā ayaṃ jānaśruteyam sāmāgāsīd yathāsyedānīṃ rudhiram utpatiṣyatīti. atha hājinavāsino yudhyamānās sadaḥ prapeduḥ. tasya ha daṇḍaḥ patitvā rudhiram utpātayāṃcakāra. sa hovācātha kathaṃ gāyed iti. tasmai haitad uvāca asṛk ity eva na nirdyotayet ho ity eva gāyet. no ha sarvaṃ tṛtīyasavanaṃ channaṃ gāyet. yo hainaṃ chādayantaṃ brūyād adhakṣan vā ayam udgātātmānaṃ ca yajamānaṃ ceti tathā haiva syād dṛṃhyām eva nirdyotayed dṛṃhīmānīti vai paśantya santi. athaitac chyāvāśvam. aiho vā ehi yā ity evaite gāyanti. vāg eṣā vāg anuṣṭub vācy etad vācā pratitiṣṭhāmeti. tad dha tathā gāyantaṃ brahmadattaṃ caikitāneyaṃ gaḷunā ārkṣākāyaṇo ’nuvyājahāra tathā tvā ayaṃ dālbhyaś śyāvāśvam agāsīd yathainaṃ svaḥ pāmābhyārokṣyatīti. tad u hetaro ’nubudhyovāca tatho vāva sa vāmadevyam agāyad yathā rūkṣa evāpaśuś cariṣyatīti. atha ha brahmadattaṃ caikitāneyaṃ brahmadattaḥ prāsenajitaḥ -
Nun sollen diese beiden, Uṣṇih-und-Kakubh, bis zum Pratihāra ununterbrochen gesungen werden. Dieses Versmaß, das menschliche Versmaß, Uṣṇih-und-Kakubh, ist gleichsam brüchig. Dazu geschah es: Śamastomin Bālāki, der seinen Schüler Sāyaka Jānaśruteya bei seinem eigenen Opfer den Udgītha singen ließ, hielt ihm hinterher vor: »So also hast du für diesen Jānaśruteya das Sāman gesungen, dass ihm jetzt gleich Blut hervorschießen wird!« Da stürmten die Ājinavāsins, im Kampf begriffen, in die Opferhalle; einem von ihnen entfuhr ein Stock, der, niederfallend, Blut hervorschießen ließ. Er [der Schüler] sprach: »Wie soll man denn [dann richtig] singen?« Da sagte er ihm dies: Man solle nicht deutlich »Blut« [asṛk] aussprechen, sondern einfach »ho« singen. Auch solle man nicht die ganze dritte Pressung verhüllt singen; wer ihn, während er so verhüllt, sagen wollte: »Dieser Udgātṛ verbrennt sich selbst und den Opferherrn!« – dem erginge es tatsächlich so. Man solle vielmehr deutlich »dṛṃhi« [festige] aussprechen; denn man sagt, die festigenden Worte gehören zu dem, was offen zutage liegt.
Nun dieses Śyāvāśva. Man singt es so: »aiho vā ehi yā«. [Dabei denke man:] »Dies ist Sprache; Sprache ist die Anuṣṭubh; in der Sprache, durch die Sprache, stehe ich fest.« Als Brahmadatta Caikitāneya so sang, hielt ihm Gaḷu Ārkṣākāyaṇa vor: »So also hast du für diesen Dālbhya das Śyāvāśva gesungen, dass ihm morgen ein Ausschlag aufbrechen wird!« Der andere aber erwiderte, nachdem er die Herausforderung erkannt hatte: »Nun, ebenso hat er [du selbst] das Vāmadevya gesungen, dass [einer] rauhäutig und ohne Vieh umhergehen wird!« Da sprach zu Brahmadatta Caikitāneya Brahmadatta Prāsenajita –
[Anm.: Die Ājinavāsins (›die in Tierfelle Gekleideten‹) sind sonst nicht näher bekannt. Der letzte Satz über die ›offen zutage liegenden‹ festigenden Worte bleibt im Sanskrit knapp und in seinem genauen Bezug unsicher. Der Satz über Brahmadatta Prāsenajita bricht ab und wird in 1.338 fortgeführt; Sāyaka Jānaśruteya trägt denselben Sippennamen wie der aus 1.323 bekannte Jānaśruteya.]
- kausalyo rājā puro dadhe. tasya ha putraḥ prācyavad babhāṣe. sa hovāca prameyo vā ayam. yukta me punar yāsyāmīti. sa ha prayayau. atha hāsya jaimavaṃ sajātaṃ vaiḷūnaya āninyire. teṣāṃ ha samitim ājagāma. sa ha sa tṛṇebhyo ’nūttasthau. utpatati ha sma purā. taṃ ha bahu pradāya bahnādhetau samājagmatuḥ. sa hovācetthaṃ ced idam abhūd ehīdaṃ saṃprabravāvahā iti. sa hocāca gaḷunāś śyāvāśvaṃ vā ārcanānasaṃ samiddhāraṃ paretaṃ pratisattriṇo hitvā svargaṃ lokam āyan. taṃ hainaṃ śyāvāśvenaiva aiho vā ehi yā ity udāhnayan. hīna ivaiṣa yat sajātaḥ. sa yat ai ho vā ehi yā iti gāyati svenaivainat tat pāpmanābhyārohayata iti. tasmai haitad uvāca ohoiyā ity eva gāyet. oho vai nāmendraḥ. ya evāsau tapaty eṣa evendraḥ. sa u eva saḥ. tasyai sarve devā anuvartmānaḥ. sarve hāsya svā anuvartmāno bhavanti ya evaṃ vidvān śyāvāśvaṃ gāyatīti
– der König von Kosala, ihn, Brahmadatta Caikitāneya, an die erste Stelle. Da trat dessen Sohn hervor und sprach. Er sagte: »Dies ist eine offene Frage. Wenn es sich gehört, werde ich später wiederkommen.« Da ging er fort.
Dann brachten sie ihm seinen Sippenverwandten aus der Jaimava-Familie der Vaiḷūnayas. Er kam zu ihrer Versammlung. Von den Grassitzen erhob er sich; früher pflegte er [dabei stets] aufzuspringen. Nachdem sie ihm viel geschenkt hatten, kamen die beiden Bahnādheyas zu ihm. Er sprach: »Wenn es sich wirklich so verhält, so komm, lass uns dies gemeinsam besprechen.«
Er sagte: Die Gaḷus zogen einst, nachdem sie den Śyāvāśva – oder war es Ārcanānasa? – ihren verstorbenen Feueranzünder, samt ihren Mit-Opferern zurückgelassen hatten, zur Himmelswelt. Ihn, den Verstorbenen, riefen sie eben mit dem Śyāvāśva-Gesang an: »aiho vā ehi yā«. Wie ein Zurückgebliebener ist ja dieser Verwandte. Dass man »ai ho vā ehi yā« singt – dadurch lädt man sich damit selbst das Böse auf sich. Ihm sagte er darauf: Man solle einfach »ohoiyā« singen. »Oho« nämlich ist ein Name Indras. Der dort brennt, das eben ist Indra; er ist eben jener selbst. Ihm folgen alle Götter nach. Alle die Seinigen folgen ihm nach, wer, dies wissend, das Śyāvāśva singt.
[Anm.: Die Erzählung um die Gaḷus, ihren verstorbenen Feueranzünder und die Herkunft des Śyāvāśva-Gesangs bleibt in Einzelheiten (etwa der Identität von ›Ārcanānasa‹ und den ›Bahnādheyas‹) unklar; sie wird hier so wörtlich wie möglich wiedergegeben. Gaḷu Ārkṣākāyaṇa ist derselbe, der schon in 1.316 und 1.337 auftritt.]
athaitad āndhīgavaṃ madhyenidhanaṃ pratiṣṭhāyai. tad yad evātra yajñasya duṣṭutaṃ duśśastaṃ vidhuraṃ tad evaitenānuvaste. athaitasya kāvasya pañca kṛtvaḥ prarohati. pañcadaśo vai paṃktiḥ pāṃktāḥ paśavaḥ paśavo jagatī. tān etān paśuṣu paśūn vitanoti. tat paśavyam iti ha smāha sucittaś śailanas sa paśumān bhavati nāsya tantiḥ kulāc chidyate ya evaṃ vidvān kāvaṃ gāyatīti. tantir iti ha smaitad gītam ācaṣṭe ’tho svargasya lokasya vyāptir iti. iyaṃ vai gāyatry antarikṣaṃ triṣṭub asau jagatī. tat tṛtīyena praroheṇa svargaṃ lokam ārohati. tat paśavyaṃ svargyam iti ha smāha. etāv ubhau kāmāv upāpnoti
Nun dieses Āndhīgava mit seinem Mitte-Nidhana, zur Festigung. Was immer hier am Opfer schlecht gepriesen, schlecht rezitiert, mangelhaft ist, das gleicht man eben damit aus. Dieses Kāva sprosst nun fünffach empor. Fünfzehnfach ist die Paṅkti, der Paṅkti gehört das Vieh, dem Vieh die Jagatī; eben diese breitet er unter dem Vieh als Vieh aus. »Das ist viehträchtig«, so pflegte Sucitta Śailana zu sagen. Reich an Vieh wird, dessen Sippenfaden nicht von seinem Geschlecht abreißt, wer, dies wissend, das Kāva singt. »Faden«, so nennt man diesen Gesang, und auch »Durchdringung der Himmelswelt«. Diese Erde hier ist ja die Gāyatrī, der Luftraum die Triṣṭubh, jene Welt dort die Jagatī. Durch dieses dritte Emporsprossen steigt man zur Himmelswelt empor. »Das ist viehträchtig und himmlisch«, so pflegte er zu sagen. Beide diese Wünsche erlangt man dadurch.
yau vai yajñasyodhar veda prattaṃ yajñaṃ duhe. yajñāyajñīyaṃ vāva yajñasyodhaḥ. tasyaite stanā gāyatraṃ ca rathantaraṃ ca bṛhac ca vāmadevyaṃ ca. tad gāyatram iva prastuyād rathantarasyeva stobhān stobhed bṛhata iva rohān rohet. hiṃkāro vāmadevyaṃ svayam eva yajñāyajñīyam. etad vai yajñaṃ yajamāno duhe. sa heṣṭvaiva śreyān bhavati. tasya daśa kṛtvaḥ prarohati. ṣaṭ kṛtvaḥ pūrvayoś catur uttamāyai. te daśa prarohās saṃpadyante. daśākṣarā virāḍ annaṃ virāṭ. ya evāsau tapaty eṣa eva virāṭ. etasminn eva tat svarge loke ’ntataḥ pratitiṣṭhanti. athokthāni channamiśrāṇīva gāyet. ahno hy ukthāni. atha rātrim āvir eva gāyet. channevāhno rātriḥ. tad āhuḥ udgātar ahan rātrim agāsī rātryām ahā3ḥ iti. ubhayam iti brūyāt ahann eva rātrim agāsiṣaṃ rātryām ahaḥ iti. āvir vā ahaḥ. tasmin yac channaṃ gāyati mithunam eva tat prajananaṃ dadhāti. channā vai rātriḥ. tāṃ yad āvir gāyati yathā tamasi jyotir dadhyāt tādṛk tat. tasmād rātryā eva rūpeṇāhar gāyed ahno rūpeṇa ratrim
Wer die beiden Euter des Opfers kennt, melkt das dargebrachte Opfer. Das Yajñāyajñīya nämlich ist das Euter des Opfers; seine Zitzen sind das Gāyatra, das Rathantara, das Bṛhat und das Vāmadevya. Man soll [das Yajñāyajñīya] beginnen, als wäre es das Gāyatra, seine Stobhas anstimmen, als wären es die des Rathantara, seine Steigerungen steigern, als wären es die des Bṛhat. Der Hiṃkāra entspricht dem Vāmadevya; von selbst ist es das Yajñāyajñīya. Damit melkt der Opferherr das Opfer. Wer so geopfert hat, wird überlegen.
Ihm sprosst es zehnfach empor: sechsmal für die beiden ersten, viermal für die letzte [Zitze] – zusammen ergeben diese zehn Sprossungen. Die zehnsilbige [Einheit] ist die Virāj, die Virāj ist Speise; der dort brennt, das eben ist die Virāj. Eben in dieser werden sie am Ende in der Himmelswelt fest gegründet.
Nun soll man die Ukthas gleichsam verhüllt und vermischt singen; denn die Ukthas gehören dem Tag. Die Nacht [dagegen] soll man ganz offen singen; denn die Nacht ist, im Vergleich zum Tag, gleichsam verhüllt. Dazu sagt man: »Udgātṛ, du hast am Tag die Nacht gesungen, in der Nacht den Tag!« Man sollte antworten: »Beides« – »Ich habe am Tag die Nacht gesungen, in der Nacht den Tag.« Der Tag nämlich ist offenkundig; was man in ihm verhüllt singt, das stiftet eben eine zeugungskräftige Paarung. Die Nacht aber ist verhüllt; dass man sie offen singt, ist, als würde man ein Licht in die Finsternis setzen. Deshalb soll man den Tag in der Gestalt der Nacht singen, die Nacht in der Gestalt des Tages.
[Anm.: Das Bild der beiden ›Euter‹ des Opfers steht neben dem verwandten Bild der drei ›Bäuche‹ aus 1.311; beide dienen als Nahrungsmetaphern für zentrale Bestandteile des Opfers. Die abschließende Tag/Nacht-Lehre setzt das schon mehrfach begegnete Prinzip fort, ein Element jeweils in der ihm entgegengesetzten Weise (verhüllt/offen) zu behandeln, um eine fruchtbare Paarung herzustellen.]