Quellen der Menschheit

Jaiminīya-Brāhmaṇa · Kāṇḍa 1

Kapitel 5 Das Bahiṣpavamāna: Soma-Läuterung und der Streit der Götter und Asuras

Der Abschnitt beschreibt das gefährliche 'Kriechen' der Priester beim äußeren Läuterungsgesang Bahiṣpavamāna und bietet einen umfangreichen Katalog von Pratipad-Anfangsversen für nahezu jeden erdenklichen Wunsch – von Nachkommenschaft über Sieg in der Schlacht bis zur Heilung von Krankheit. Den Rahmen bildet der Mythos vom Waffen-Mann, den die Götter aus Furcht in drei Teile zerlegen, bevor sie den Menschen Schlaf, Zorn und Begierde auferlegen, um ihn am Einholen der Götter zu hindern.

sa yat prathamam apāhan sā kṛṣṇāvir abhavat. yad dvitīyam apāhan sā dhūmrāvir abhavat. yat tṛtīyam apāhan sā phālguny avir abhavat. sa yaṃ kāmayeta pāpīyān syād iti kṛṣṇam asya pavitre ’pyasyet pāpīyān eva bhavati. atha yaṃ kāmayeta nārvāṅ na paras syād iti dhūmram asya pavitre ’pyasyen naivārvāṅ na paro bhavati. atha yaṃ kāmayeta śreyān syād rucam aśnuvīteti phālgunam asya pavitraṃ kuryāc chreyān eva bhavati rucam aśnute. asti hi tatrāpy ādityasya nyaktam. tad antareṣe avahṛtya saṃmārṣṭi vasavas tvā saṃmṛjantu gāyatreṇa chandasā. rudrās tvā saṃmṛjantu traiṣṭubhena chandasā. ādityās tvā saṃmṛjantu jāgatena chandasā iti. tad udīcīnadaśaṃ pavitravatyā vitanoti pavitraṃ te vitataṃ brahmaṇas pate iti samaṣṭyai. tapoṣ pavitraṃ vitataṃ divas pade iti svargakāmasya. arūrucad uṣasaḥ pṛśnir agrayuḥ iti prajākāmasya. sarvābhir eva vitanuyād eteṣāṃ sarveṣāṃ kāmānām upāptyai. rājānam ānayati. tam abhimantrayate sa pavasva sudhāmā devānām abhi priyāṇi dhāma. trir devebhyo ’pavathās trir ādityebhyas trir aṅgirobhyaḥ. yena turyeṇa brahmaṇā bṛhaspataye ’pavathās tena mahyaṃ pavasva. sa naḥ pavasva śaṃ gave śaṃ janāya śam arvate. śaṃ rājann oṣadhībhyaḥ. iti. śam evodgātre bhavati śaṃ yajamānāya śaṃ prajābhyaḥ. adhvaryur āgrāyaṇaṃ grahaṃ gṛhnan hiṃkaroti. tad eva hiṃkṛtaṃ bhavati. athodgātraikarco gāyatraṃ gāyati uccā te jātam andhasā iti. sa udityeveto devebhyo havyaṃ vahati divi sad bhūmy ā dade ity amuto vṛṣṭim ācyāvayati. tāv imau lokau savāsinau karoti. tāv asmai kāmaṃ pinvāte. kāmam asmā imau lokau pinvāte ya evaṃ veda

Was man zuerst absonderte, das wurde das schwarze Vlies; was man als Zweites absonderte, das wurde das rauchfarbene Vlies; was man als Drittes absonderte, das wurde das phalgunifarbene Vlies. Wen man sich wünscht: »Er möge schlechter werden«, für den werfe man das schwarze Vlies in seinen Läuterungsfilter (pavitra); er wird dann tatsächlich schlechter. Wen man sich aber wünscht: »Er möge weder näher noch ferner sein [als bisher]«, für den werfe man das rauchfarbene Vlies in seinen Filter; er wird dann weder näher noch ferner. Wen man sich aber wünscht: »Er möge vortrefflicher werden, er möge Glanz erlangen«, für den mache man das phalgunifarbene Vlies zu seinem Filter; er wird dann tatsächlich vortrefflicher, erlangt Glanz. Denn auch darin ist ein Anteil Ādityas, der Sonne, verborgen. Das bringt man herab und reinigt es gründlich: »Euch sollen die Vasus reinigen mit dem Versmaß Gāyatrī. Euch sollen die Rudras reinigen mit dem Versmaß Triṣṭubh. Euch sollen die Ādityas reinigen mit dem Versmaß Jagatī.« Das breitet man dann, mit der nach Norden gerichteten Spitze, mittels des mit dem Filter versehenen Sprengarms aus: »Ausgebreitet ist dein Filter, o Brahmaṇaspati« – das für die Gesamtheit aller Wünsche. »Ausgebreitet ist der Filter der Askese, im Sitz des Himmels« – das für den, der sich den Himmel wünscht. »Aufgeleuchtet ist die Morgenröte, die erste, die gesprenkelte« – das für den, der sich Nachkommenschaft wünscht. Mit allen zugleich sollte man ihn ausbreiten, um alle diese Wünsche zu erlangen. Man führt den König Soma herbei. Man spricht ihn mit folgendem Spruch an: »Läutere dich, du gute Wohnstatt der Götter, hin zu den lieben Sitzen. Dreimal hast du dich für die Götter geläutert, dreimal für die Ādityas, dreimal für die Aṅgiras'; mit welcher vierten heiligen Rede du dich für Bṛhaspati geläutert hast, mit eben dieser läutere dich für mich. Läutere dich für uns zum Heil der Kuh, zum Heil des Menschen, zum Heil des Pferdes; zum Heil, o König, für die Kräuter.« So wird es zum Heil für den Udgātṛ, zum Heil für den Opferherrn, zum Heil für die Nachkommen. Der Adhvaryu stößt, indem er den Āgrayaṇa-Trank ergreift, den Hiṃkāra-Laut aus; damit ist eben jenes »Hiṃ« vollzogen. Dann singt der Udgātṛ einen einzelnen Vers im Gāyatra-Ton: »Hoch ist dein Wachstum, geboren aus dem Trank.« Damit führt er, gleichsam von den Göttern aufgehend, ihnen die Opfergabe zu: »Im Himmel sitzend nehme ich sie auf der Erde entgegen« – damit lässt er von dort den Regen herabfallen. Diese beiden Welten macht er dadurch zu Wohngefährten, wie ein zusammenlebendes Paar. Ihm gewähren die beiden seinen Wunsch; jedem Wunsch gewähren diese beiden Welten Erfüllung, der dies so weiß.

[Anm.: Die drei Vliesfarben des Soma-Läuterungsfilters (pavitra) – schwarz, rauchfarben, phalguniartig (rötlich-gesprenkelt) – werden hier als Mittel eines an den jeweiligen Wunsch gebundenen Rituals gedeutet: Schadenszauber, Zauber der Stagnation und Zauber der Beförderung.]

krūram iva vā etad yajñasya kurvanti yad dhavirdhāne grāvabhis somaṃ rājānaṃ hatvā bahiṣpavamānaṃ sarpanti. kā tasya prāyaścittir ity āhur apa upaspṛśeyuḥ. āpo vai sarvasya śāntiḥ. adbhir evainat tac chamayanti. vāg vā etasmā agre ’dhvane ’tandrāyata bahiṣpavamānaṃ sarpantī. tāṃ prajāpatir abravīd bhāgadheyaṃ te karomy atha sarpeti. bahiṣpavamānaṃ sarpsyan homaṃ juhuyāt juṣṭo vāco bhūyāsaṃ juṣṭo vācaspatyuḥ. devi vāg yat te vāco madhumat tasmin mā dhāḥ. svāhā sarasvatyai iti. yat sarasvatyai svāhā iti juhuyād vācaṃ sarasvatīṃ svāhākāreṇa parigṛhṇīyāt. atha yat svāhā sarasvatyai iti juhoti vācaṃ tad uttarāṃ svāhākārād dadhāti. tayā parigṛhītayā yajñaṃ tanute. vācā hy ūrdhvo yajñas tāyate. vekurā nāmāsi preṣitā divyāya karmaṇe śivā nas suyamā bhava. satyāśīr yajamānāya svāhā iti vā juhuyāt. vāg vai vekurā. brahma vāk. brahmaṇa evaṃ tad vāce homaṃ hutvā sarpati nārtim ārchati

Wie grausam handeln sie gleichsam am Opfer: Wenn sie im Havirdhāna, dem Wagenschuppen für die Soma-Gefäße, mit den Presssteinen den König Soma erschlagen haben und danach das Bahiṣpavamāna, das äußere Läuterungslied, entlangkriechen. Was ist da die Sühne dafür? – so fragt man. Man berühre Wasser; Wasser ist ja die Befriedung von allem, eben mit Wasser besänftigt man das. Die Rede nämlich wurde einst, am Anfang dieses Weges, müde, als sie das Bahiṣpavamāna entlangkroch. Zu ihr sprach Prajāpati: »Ich gebe dir einen Anteil – so krieche weiter.« Wer das Bahiṣpavamāna entlangkriechen will, bringe eine Spende dar: »Möge ich der Rede willkommen sein, möge ich dem Herrn der Rede willkommen sein. Göttin Rede, was an dir honigsüß ist, das lege in mich. Svāhā der Sarasvatī!« Indem man »Svāhā der Sarasvatī« spendet, umfasst man damit die Rede – als Sarasvatī – mittels des Svāhā-Rufs; und indem man dies spendet, setzt man die Rede eben hinter den Svāhā-Ruf. Mit ihr, so umfasst, breitet man das Opfer aus, denn durch die Rede wird das Opfer nach oben ausgespannt. »Vekurā ist dein Name, ausgesandt zum göttlichen Werk; sei uns gnädig, leicht zu lenken. Wahrer Segen sei dem Opferherrn, svāhā!« – so kann man auch spenden. Vekurā nämlich ist die Rede, die Rede das heilige Wort (brahman). Da man so der Rede als dem heiligen Wort eine Spende dargebracht hat, kriecht man weiter, ohne in Not zu geraten.

[Anm.: Havirdhāna – der Wagenschuppen, in dem die Soma-Gefäße zwischen Pressung und Verwendung stehen; Bahiṣpavamāna – das "äußere" Läuterungslied, das die Priester außerhalb der Halle, auf dem Weg dorthin, gehend vortragen; dieses "Entlangkriechen" ist wörtlich gemeint (sarpati, "er kriecht") und wird im Folgenden mehrfach als gefahrvoller Übergang gedeutet. Vekurā ist ein sonst seltener Name für die Rede (Vāc).]

araṇyam iva vā ete yanti ye bahiṣpavamānaṃ sarpanti. tān īśvaro rakṣo vā hantor anyā vā naṃṣṭrā. atha dvitīyāṃ juhoti sūryo mā devo divyebhyo rakṣobhyaḥ pātu vāta āntarikṣebhyo ’gniḥ pārthivebhyas svāhā iti. ya evaiṣāṃ lokānām adhipatayas tebhya evaitad ātmānaṃ paridāya sarpati nārtim ārchati. prajāpatir yad yajñam asṛjata taṃ havirdhāna evāsṛjata. sa sṛṣṭa udaṅ prādravat. tam etad atrāptvāstuvan. yatraitad udñcayitvā bahiṣpavamānena stuvanti yajñam evaitad āptvā stuvanti. yo vai daivyaṃ vājinaṃ veda vājī bhavati. yajño vāva daivyo vājī. ya in nu mānuṣaṃ vājinam aśāntam asaṃmṛṣṭam ārohati tam in nu sa hinasti vā pra vā kṣiṇoti. atha kiṃ yo daivyaṃ vājinam aśāntam asaṃmṛṣṭam ārohāt

Wie in die Wildnis gehen ja jene, die das Bahiṣpavamāna entlangkriechen. Über sie könnte ein Unhold walten, ein Rakṣas, ihnen Schaden zuzufügen, oder ein anderes Verderben. Da spendet man eine zweite Gabe: »Der Gott Sūrya schütze mich vor den himmlischen Unholden, Vāta vor den luftischen, Agni vor den irdischen – svāhā!« Indem man sich so eben diesen Herren dieser Welten überantwortet, kriecht man weiter, ohne in Not zu geraten. Als Prajāpati das Opfer aussandte, sandte er es eben als das Havirdhāna aus. Ausgesandt, lief es nach Norden davon. Dort holten sie es ein und priesen es. Wo man es, nach Norden getrieben, mit dem Bahiṣpavamāna preist, da holt man eben damit das Opfer ein und preist es. Wer den göttlichen Rennhengst kennt, wird selbst ein Rennhengst; das Opfer nämlich ist der göttliche Rennhengst. Wer aber einen menschlichen, noch ungezähmten, ungestriegelten Rennhengst besteigt, den verletzt oder vernichtet dieser. Wie aber ist es mit dem, der den göttlichen, noch ungezähmten, ungestriegelten Rennhengst besteigt?

[Anm.: Das Opfer wird hier als "göttlicher Rennhengst" (vājin) gedeutet, den die Priester im Ritual "besteigen"; die folgenden Abschnitte 1.84 lösen die hier aufgeworfene Frage.]

adhvaryuḥ prastaraṃ haran sarpati. tam anumantrayate etad ahaṃ daivyaṃ vājinaṃ saṃmājmi iti. saṃsṛṣṭam evainaṃ śāntam ārohati nārtim ārchati. devakṣetraṃ vā eṣo ’dhyavasyati yas somasyodgāyati. ya in nu mānuṣāya kṣetrapataye procyāvasyati tam in nu sa hinasti vā pra vā yāpayati. atha kiṃ yo daivyāya kṣetrapataye procyāvasyāt. somodgāyodgāya soma ity āha. somo vai devānāṃ kṣetrapatiḥ. somāyaiva tad devānāṃ kṣetrapataye procyodgāyati nārtim ārchati. mahyaṃ tejase mahyaṃ brahmavarcasāya mahyam annādyāya mahyaṃ bhūmne mahyaṃ puṣṭayai mahyaṃ prajananāya prajānāṃ bhūmne prajānāṃ puṣṭayai prajānāṃ prajananāya somasya rājño rājyāya mama grāmaṇeyāya iti. grāvo ha smāha maitreyaḥ kiṃ mama ekasmā āgāsyāmi kim ekasmā iti. etena ha sma vai sa tad āha somodgāyodgāya somedam amuṣmā idam amuṣmai iti. te ha smāsmai kāmās samṛdhyante. devapāśā vā ete vitāyante yad dhiṣṇyā agnayo vihniyante. tān yo vidvān abhyavaiti devapāśān pratimuñcate. eṣā vai yajñasya dvār yad antarāgnīdhraṃ ca cātvālaṃ ca. tayābhyaveyāt. tayodeyāt. dhā vai nāma vediḥ. tām abhyavayan brūyāt dhā asi sudhāṃ me dhehi. āyuṣmantas tvad varcasvanta udgeṣma iti. na devapāśān pratimuñcate nārtim ārchati

Der Adhvaryu, der die Streu (prastara) trägt, kriecht dabei und spricht darüber den Spruch: »Eben diesen göttlichen Rennhengst striegle ich.« So besteigt er ihn gezähmt und gestriegelt, ohne in Not zu geraten. Ein göttliches Feld nimmt in Besitz, wer über den Soma den Udgītha singt. Wer aber für einen menschlichen Feldherrn als Verwalter auftritt, den verletzt oder vertreibt dieser. Wie aber ist es mit dem, der für den göttlichen Feldherrn als Verwalter auftritt? Er singt: »Soma, singe empor, singe, o Soma« – Soma nämlich ist der Feldherr der Götter; eben für Soma als den Feldherrn der Götter singt er so, ohne in Not zu geraten. »Mir zu Ansehen, mir zu heiliger Glut, mir zu Speise und Trank, mir zu Fülle, mir zu Gedeihen, mir zu Zeugungskraft; den Nachkommen zu Fülle, den Nachkommen zu Gedeihen, den Nachkommen zu Zeugungskraft; dem König Soma zu seiner Königsherrschaft, mir, dem Dorfältesten, zu meinem Amt.« Grāvan Maitreya soll gesagt haben: »Was soll ich immer nur für einen Einzelnen herbeirufen? Was hat der Einzelne davon?« Deshalb sprach er es so: »Soma, singe empor, singe, o Soma – dies dem einen für jenen, jenes diesem für den anderen.« So gehen allen gemeinsam ihre Wünsche in Erfüllung. Wie Fallstricke der Götter werden diese ausgespannt, wenn die Dhiṣṇya-Feuer, die einzelnen Feuerstellen der Priester, auseinandergeführt werden. Wer dies weiß und sich ihnen dennoch nähert, verfängt sich in den Fallstricken der Götter. Dies aber ist die Tür des Opfers: der Raum zwischen der Āgnīdhra-Feuerstelle und dem Cātvāla, der Opfergrube. Durch diese soll man sich nähern, durch diese hindurchgehen. »Dhā« ist ja der Name des Altars (vedi). Sich ihr nähernd, spreche man: »Dhā bist du, gib mir Wohlergehen; langlebig und voller Glanz mögen wir aufsingen.« So verfängt er sich nicht in den Fallstricken der Götter, gerät nicht in Not.

[Anm.: Dhiṣṇya – die kleinen Nebenfeuerstellen mehrerer Priester zwischen Havirdhāna und Āhavanīya; Āgnīdhra – die Feuerstelle des Agnīdh-Priesters; Cātvāla – eine ausgehobene Grube nordöstlich des Hauptaltars. Der Wortspiel-Anruf "dhā" knüpft an den Namen der Vedi (des Altars) an.]

prāṇān vai tat saṃtatya svarga lokaṃ sarpanti yad antar havirdhāne grahān gṛhītvā bahiṣpavamānaṃ sarpanti. saṃtatās sarpanti. saṃtata iva vai svargo lokaḥ. svargasyaiva lokasya saṃtatyā avyavacchedāya. prāvabhrā iva sarpanti. pratikūlam iva vā itas svargo lokaḥ. tad yathā vā adaḥ pratikūlam udyan prāvabhra iva bhavaty evam evaitat. svargasya lokasya samaṣṭyā anapavyādhāya. adhvaryuḥ prathamas sarpati prāṇo yajñasya. tasmād yad avacchidyeran prāṇād avacchidyeran pramāyukās syuḥ. prastotā dvitīyas sarpati mukhaṃ sāmnaḥ. tasmād yad avacchidyeran mukhyām ārtim ārcheyuḥ. udgātā tṛtīyas sarpati sarvadevatyaḥ prajāpatiḥ. tasmād yad avacchidyeran sarvajyāniṃ jīyeran. pratihartā caturthas sarpati turīyaṃ sāmnaḥ. tasmād yad avacchidyeraṃs turīyeṇātmano yātayeyuḥ. yajamānaḥ pañcamas sarpati. pāṃkto yajñaḥ pāṃktāḥ paśavaḥ. tasmād yad avacchidyeran yajñāt paśubhyo ’vacchidyeran

Die Atemkräfte gleichsam ausdehnend, kriechen sie zur himmlischen Welt, wenn sie, nachdem sie im Havirdhāna die Trankopfer genommen haben, das Bahiṣpavamāna entlangkriechen. Ausgedehnt kriechen sie, denn wie ausgedehnt ist die himmlische Welt – zur Ausdehnung, zur Ununterbrochenheit eben der himmlischen Welt. Wie vorwärtsgebeugt kriechen sie: Gleichsam gegen die Neigung ist von hier aus die himmlische Welt; so wie man dort, gegen die Neigung aufsteigend, gleichsam vorwärtsgebeugt wird, ebenso ist es auch hier. Zur Gesamterlangung der himmlischen Welt, damit sie nicht zerrissen werden. Der Adhvaryu kriecht als Erster – er ist der Atem des Opfers; würden sie daher abgeschnitten, würden sie vom Atem abgeschnitten, kämen sie vorzeitig zu Tode. Der Prastotṛ kriecht als Zweiter – er ist der Mund des Sāman; würden sie daher abgeschnitten, erlitten sie Schaden am Mund. Der Udgātṛ kriecht als Dritter – er ist, allen Göttern zugehörig, Prajāpati selbst; würden sie daher abgeschnitten, verlören sie alles. Der Pratihartṛ kriecht als Vierter – er ist das vierte Teil des Sāman; würden sie daher abgeschnitten, büßten sie ein Viertel ihrer selbst ein. Der Opferherr kriecht als Fünfter – fünfgliedrig ist das Opfer, fünfgliedrig das Vieh; würden sie daher abgeschnitten, würden sie vom Opfer, vom Vieh abgeschnitten.

[Anm.: "Vorwärtsgebeugt" gibt das seltene Wort prāvabhra wieder, das den Text zufolge die Körperhaltung beim Aufstieg auf einer gegenläufig geneigten Bahn meint; die genaue Bildvorstellung bleibt unsicher.]

brahmā ṣaṣṭhas sarpati. ṣaḍ vai chandāṃsi. chandobhir eva tad rakṣaḥ pāpmānam apaghnate. sarvaṃ vāvaitad brahma. yad brahmā paścād bhavati brahmaṇaiva tad rakṣaḥ pāpmānam apahatya svargaṃ lokaṃ sarpanti. prastaraṃ harantas sarpanti. yajamāno vai prastaro barhiḥ prajāḥ. yad uparyupari barhiḥ prastaraṃ haranti yajamānam eva tat prajāsv adhyūhanti. tasmād yajamāna uparyupary evānyāḥ prajāḥ. yad upāsyet svargaloko yajamānas syād avāsmāl lokāc chidyeta. yad atyasyed asmin loke pratitiṣṭhed ava svargāl lokāc chidyeta. tad āhur ardhātmā vā eṣa yajamānasya yat patnī. yat sā bahirvedi bhavati tenāsmāl lokān nāvacchidyate. upaivāsyed ity uta vai patnī na bhavati. atho yady api syād upaivānyad asyed aty anyad asyet. yad upāsyati tena svargaloko yad atyasyati tenāsmāl lokān nāvacchidyate

Der Brahmanpriester kriecht als Sechster – sechs sind ja die Versmaße; eben mit den Versmaßen wehren sie den Unhold, das Übel, ab. Dieser Priester ist ja das heilige Wort in seiner Gesamtheit. Da der Brahmanpriester zuletzt kommt, kriechen sie, nachdem sie eben mit dem heiligen Wort den Unhold, das Übel, abgewehrt haben, zur himmlischen Welt. Sie kriechen, indem sie die Streu tragen. Der Opferherr nämlich ist die Streu, das Barhis, die Nachkommen. Wenn sie die Streu Schicht um Schicht darüberlegen, häufen sie damit eben den Opferherrn über seine Nachkommen; deshalb ist der Opferherr stets über die anderen Nachkommen gestellt. Würde er sie zu nah heranlegen, würde der Opferherr ganz zur himmlischen Welt und von dieser Welt hier abgeschnitten. Würde er sie zu weit hinauswerfen, sodass sie fest in dieser Welt zu stehen käme, würde er von der himmlischen Welt abgeschnitten. Dazu sagt man: Die Gattin ist gleichsam die Hälfte des Selbst des Opferherrn; weil sie der äußere Altar (bahirvedi) ist, wird er durch sie nicht von dieser Welt abgeschnitten. Man könnte meinen, man solle die Streu ganz nahe bei ihr niederlegen – doch dann wäre sie ja keine eigenständige Gattin mehr [sondern bloß ein Altarplatz]. Und selbst wenn dies so wäre, sollte er einen Teil nahe daranlegen und einen Teil darüber hinauswerfen: Durch das, was er nahe daranlegt, gehört ihm die himmlische Welt; durch das, was er darüber hinauswirft, wird er nicht von dieser Welt abgeschnitten.

[Anm.: Diese Stelle über die Platzierung der Streu (prastara) im Verhältnis zur Gattin des Opferherrn an ihrem Platz auf der äußeren Vedi ist im Sanskrit ausgesprochen knapp und lässt mehrere Deutungen zu; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten.]

ādityo vā etad atrāgra āsīd yatraitac cātvālam ado ’gniḥ. sa idaṃ sarve prātapat. tasya devāḥ pradāhād abibhayuḥ. te ’bruvan sarvaṃ vā ayam idaṃ pradhakṣyati vīmau pariharāmeti. tam atas tisṛbhir ādadata tisṛbhir antarikṣāt tisṛbhir divam agamayan. sa tataḥ parāṅ evātapat. ta etad āvad uttamam akṣaram apaśyan. tenainam arvāñcam akurvan. tata etad arvāṅ tapati. aitano evāvatākṣareṇāgnim asmin loke ’dadhuḥ. sa yaṃ kāmayeta yajamānas svargalokas syād iti cātvālam evainam avakhyāpyodgāyet. tam atas tisṛbhir evādadate tisṛbhir antarikṣāt tisṛbhir divaṃ gamayanti. svargaloko yajamāno bhavati. īśvaro ha tu pramāyuko bhavitoḥ. parācībhis stuvanti. sadaiva sarvābhis stuyur athottamām agre brūyād athāvarām athāvarām. tās sarvā arvācīḥ. tad u vā āhus satraitat pratyavaruḍhaṃ svargakāmyā vai yajat iti. yad evāda āvad uttamam akṣaraṃ bhavati tenāsmāl lokān nāvacchidyate

Āditya, die Sonne, war einst hier vorn, wo jetzt dieser Cātvāla und jenes Feuer sind. Er versengte damals alles ringsum. Die Götter fürchteten sich vor seiner Glut. Sie sprachen: »Dieser wird alles hier verbrennen – lasst uns die beiden Welten vor ihm bewahren.« Da nahmen sie ihn von dort mit drei Versen, mit drei aus dem Luftraum, mit drei ließen sie ihn zum Himmel gelangen. Von da an brannte er nur noch abgewandt. Da erblickten sie diese letzte Silbe »āvat«, noch unverzehrt; mit ihr machten sie ihn uns wieder zugewandt. Seither scheint er uns zugewandt. Eben durch diese Silbe »āvat« setzten sie das Feuer in dieser Welt ein. Wer sich wünscht: »Der Opferherr soll einer werden, dessen Welt der Himmel ist«, der lasse ihn eben auf den Cātvāla blicken und singe. Dann nehmen sie ihn von dort mit drei Versen, mit drei aus dem Luftraum, mit drei lassen sie ihn zum Himmel gelangen: Der Opferherr wird einer, dessen Welt der Himmel ist. Doch der Priester wäre dabei dem vorzeitigen Tod ausgeliefert! Deshalb singen sie die Verse rückwärtsgewandt: Man sollte stets alle Verse in umgekehrter Reihenfolge vortragen, also zuerst den letzten sprechen, dann den vorletzten, dann den davor. So werden sie alle wieder uns zugewandt. Dazu sagt man auch: »Dies ist in der Opfersitzung ganz zurückgewendet worden; aus Verlangen nach dem Himmel opfert man ja.« Weil eben jene letzte Silbe »āvat« nun am Anfang steht, wird er dadurch nicht von dieser Welt abgeschnitten.

[Anm.: Die Silbe "āvat" bezeichnet hier das letzte Wort eines bestimmten Sāman-Verses; das Zurückverlesen der Verse in umgekehrter Reihenfolge (parācī) ist eine in der sāmavedischen Ritualliteratur bezeugte Rezitationstechnik, mit der eine sonst gefährliche Wirkung – hier: der endgültige Abschied von dieser Welt – abgemildert wird.]

rathantaravarṇām uttamāṃ gāyanti. iyaṃ vai rathantaram. asyām evaitat pratitiṣṭhiti. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā enaṃ sṛṣṭā annakāśinīr abhitas samantaṃ paryaviśan. tābhyo hiṃkāreṇānnādyam asṛjata. tad oṃkāreṇa sṛṣṭam avārayata. prajāpatir eṣa yad udgātā tam etat prajā annakāśinīr abhitas samantaṃ pariviśanti. tābhyo hiṃkāreṇaivānnādyaṃ sṛjate. tad oṃkāreṇa sṛṣṭaṃ vārayate. sa yad dhiṃkṛtyenoṃkuryāt parāṅ devānnādyam iyāt. yat sāma prathamam abhivyāharet kṣatraṃ balam ṛcchet. kṣatraṃ hi sāma. yad ṛcaṃ prathamam abhivyāhared viśaṃ balam ṛcchet. viḍ ḍhay ṛk. yad yajuḥ prathamam abhivyāharati-brahma vai yajuḥ-brahmavarcasam etat karoti. bhūr bhuvas svaḥ. madhu kariṣyāmi. madhu janayiṣyāmi. madhu bhaviṣyati. bhadraṃbhadram. iṣam ūrjam iti. yad bhūr bhuvas svaḥ ity etad vai brahmaitad yajuḥ. yat madhu kariṣyāmi iti-prajā vai madhu-tā eva tat karoti. yat madhu janayiṣyāmi iti praivainās taj janayati. yat madhu bhaviṣyati iti bhūtim evainās tad gamayati. bhadraṃbhadram iti - yad vai puruṣasya vit tad bhadraṃ gṛhā bhadraṃ prajā bhadraṃ paśavo bhadraṃ - tad evaitenāvarunddhe. iṣam ūrjam iti - varṣe vā iṣe yad upariṣṭād varṣasyaidhate tad ūrje - tad evaitenāvarunddhe

Man singt die letzte Strophe im Rathantara-Ton; diese Erde nämlich ist das Rathantara, auf ihr eben ist alles gegründet. Prajāpati schuf die Geschöpfe. Diese, kaum geschaffen, umringten ihn von allen Seiten, ihn gleichsam als Nahrung ansehend. Für sie schuf er mit dem Hiṃkāra-Laut Speise; die so geschaffene Speise hielt er mit dem Oṃkāra-Laut zurück. Prajāpati eben ist der Udgātṛ; ihn umringen dann eben diese Geschöpfe von allen Seiten, ihn als Nahrung ansehend. Für sie schafft er eben mit dem Hiṃkāra Speise; die so geschaffene hält er mit dem Oṃkāra zurück. Würde er, nachdem er den Hiṃkāra angestimmt hat, den Oṃkāra unterlassen, würde sich die Götterspeise wieder abwenden. Würde man zuerst den Sāman-Ton anstimmen, würde die Kṣatra-Macht Schaden nehmen – Sāman nämlich ist die Kṣatra-Macht. Würde man zuerst den Ṛc-Vers anstimmen, würde das Volk Schaden nehmen – Ṛc nämlich ist das Volk. Stimmt man aber zuerst das Yajus-Wort an – Yajus nämlich ist das heilige Wort –, bewirkt man dadurch heilige Glut: »Bhūr, bhuvaḥ, svaḥ. Süße will ich bereiten. Süße will ich hervorbringen. Süße wird sein. Segen über Segen. Speise und Kraft.« »Bhūr bhuvaḥ svaḥ« – das eben ist das heilige Wort, das Yajus. »Süße will ich bereiten« – die Geschöpfe nämlich sind die Süße; sie eben bereitet er damit. »Süße will ich hervorbringen« – eben sie bringt er damit hervor. »Süße wird sein« – zum Gedeihen eben bringt er sie damit. »Segen über Segen« – was des Menschen Segen ist, Haus, Nachkommen, Vieh, das erlangt er eben damit. »Speise und Kraft« – was im Regen, in der Erntezeit, die nach dem Regen heranreift, an Kraft enthalten ist, das erlangt er eben damit.

[Anm.: Diese Passage erklärt zwei Elemente des Sāman-Gesangs ätiologisch: den einleitenden Hiṃkāra- und den abschließenden Oṃkāra-Laut als Prajāpatis Mittel, seine hungrigen Geschöpfe zugleich zu nähren und sich vor ihnen zu schützen; die abschließende Yajus-Formel mit "bhūr bhuvaḥ svaḥ" und den Madhu-Wendungen ist auch aus anderen Brāhmaṇas bekannt.]

prajāpatiṃ kalpayitvodgāyet. yo ha vai prajāpatiṃ kalpayitvodgāyati kalpate ’smai diśaḥ pradiśa ādiśo vidiśa uddiśo diśa iti. diśo vai prajāpatiḥ. prajāpatim eva tat kalpayitvodgāyati. kalpate ’smai ya evaṃ veda. kapivano ha smāha bhauvāyanaḥ kiṃ te yajñaṃ gacchanti yad eva somasyābhakṣayitvā pra vā sarpanti pra vā dhāvayantīti. bahiṣpavamānam upasanneṣu brūyād yaṃ brahmāṇaṃ śucim iva manyetāharahas tam iti. tena samupahūyāthānumantrayeta. yo devānām iha somapītho ’smin yajñe barhiṣi vedyām. tasyedaṃ bhakṣayāmasi. iti. yadi ca ha pradhāvayati yadi ca nātha hāsya bhakṣita eva devas somo bhavati. etadāyatanā vā āraṇyāḥ paśavaḥ. yad bahiṣpavamānam araṇye stuvanti tasmād āraṇyāḥ paśavo ’raṇyaṃ sacante. parācīṣu stuvanti. tasmād āraṇyāḥ paśavo ’raṇyād evāraṇyam abhiprerate. ekarūpāsu stuvanti. tasmād āraṇyāḥ paśava ekarūpāḥ. āvad uttamam akṣaraṃ bhavati. tasmād ekaiko ’nyo ’calo grāme ’dhigamyate. atho araṇye hataṃ grāmam abhyavaharanti. stutvoddravanti. yajamānam eva tat svargaṃ lokaṃ gamayanti. bāhūn udgṛhṇanti. yajamānam eva tat svarge loke samādadhati. te vai tad anṛtaṃ kurvanti ye martyaṃ santam amṛtatvaṃ gamayanti. te rūpeṇa varcasā vyṛdhyante. sa ya etad evānya uttiṣṭhet tam uttiṣṭhantam ārabhyānūttiṣṭhet. na rūpeṇa varcasā vyṛdhyante. sa ya etad evānya uttiṣṭhet tam uttiṣṭhantam ārabhyānūttiṣṭhet. na rūpeṇa varcasā vyṛdhyate nārtim ārchati. bhaviṣyad vijānīyāt. yady etāḥ prajā dodruvā iva syur dodruvo yogakṣemo bhaviṣyati. tayāyam udgātodagāsīditi vidyāt. yady u śāntā iva syuś śānto yogakṣemo bhaviṣyati. tathāyam udgātodagāsīd iti vidyāt. eṣo ha viśaḥ

Man singe, nachdem man Prajāpati im Geiste gebildet hat. Wer, nachdem er so Prajāpati gebildet hat, singt, dem gelingen die Anrufungen: »Die Richtungen, die Zwischenrichtungen, die Nahrichtungen, die Querrichtungen, die Fernrichtungen, die Richtungen.« Die Richtungen nämlich sind Prajāpati; eben Prajāpati bildet er damit. Es gelingt dem, der dies so weiß. Kapivana Bhauvāyana soll gesagt haben: »Was nützt ihnen das Opfer, wenn sie, ohne auch nur vom Soma gekostet zu haben, vorwärtskriechen oder davonlaufen?« Zu denen, die sich zum Bahiṣpavamāna eingefunden haben, spreche man: Man wähle denjenigen Brahmanpriester, den man gleichsam als rein ansehen möchte, entsprechend dem jeweiligen Tag. Nachdem man ihn so herbeigerufen hat, richte man an ihn den Spruch: »Welcher Soma-Trank hier den Göttern in diesem Opfer, auf dem Barhis, auf dem Altar zukommt – den verzehren wir hiermit.« Und ob nun der Soma verrinnt oder nicht, ob es dafür einen Schutzherrn gibt oder nicht – der Gott Soma gilt gleichwohl als verzehrt. Dies sind die Wohnstätten der wildlebenden Tiere. Weil man das Bahiṣpavamāna in Richtung der Wildnis singt, halten sich die wildlebenden Tiere deshalb an die Wildnis. Man singt die Verse rückwärtsgewandt; deshalb ziehen die wildlebenden Tiere nur von einer Wildnis zur anderen. Man singt sie in gleichbleibender Form; deshalb sind die wildlebenden Tiere, je nach Art, von gleichbleibender Gestalt. Die Silbe »āvat« steht am Anfang dieser Verse; deshalb wird ein einzelnes, für sich bleibendes Tier gelegentlich im Dorf angetroffen. Auch bringt man in der Wildnis erlegtes Wild zum Dorf zurück. Nach dem Gesang stürmen sie davon; damit lassen sie eben den Opferherrn zur himmlischen Welt gelangen. Sie heben die Arme empor; damit vereinen sie eben den Opferherrn mit der himmlischen Welt. Nun begehen ja Unwahrheit, die einen noch Sterblichen zur Unsterblichkeit erheben; sie verlieren an Gestalt und Glanz. Wer danach als ein anderer aufsteht, dem soll, sowie jener aufsteht, gleich hinterher wieder aufgestanden werden – so verlieren sie nicht an Gestalt und Glanz, geraten nicht in Not. Wer danach als ein anderer aufsteht, dem soll, sowie jener aufsteht, gleich hinterher wieder aufgestanden werden – so verlieren sie nicht an Gestalt und Glanz, geraten nicht in Not. Man erkenne das Kommende: Sollten diese Geschöpfe gleichsam aufgescheucht sein, wird Wohl und Wehe unstet sein – so, wisse man, hat dieser Udgātṛ gesungen. Sollten sie aber gleichsam ruhig sein, wird Wohl und Wehe friedlich sein – so, wisse man, hat dieser Udgātṛ gesungen. Dies gehört zur Lehre vom Volk.

[Anm.: Die Erklärung, warum wildlebende Tiere sich an die Wildnis halten, einzeln umherziehen und eine gleichbleibende Gestalt haben, gehört zu den ätiologischen Naturdeutungen, wie sie für Brāhmaṇa-Texte typisch sind; einzelne Wendungen (etwa zum vereinzelt im Dorf angetroffenen Tier) bleiben im Wortlaut unsicher. Der Satz über das "Wieder-Aufstehen" nach einem als unsterblich Besungenen erscheint im Sanskrit-Text tatsächlich zweifach, fast wortgleich hintereinander – vermutlich eine alte Doppelung der Textüberlieferung, die hier mitübersetzt wird, statt sie stillschweigend zu tilgen. Der Schlusssatz ("eṣo ha viśaḥ") ist als knappe Zuordnung dieser Lehre zum Themenkreis des Volkes (viś) verstanden, könnte aber auch eine Schul- oder Lehrer-Zuschreibung sein.]

upāsmai gāyatā naraḥ iti grāmakāmo bhūtikāmaḥ prajananakāmaḥ pratipadaṃ kurvīta. asyai vāvedam upagāyanti. upa vāvedam asyāṃ sarvam. upaivāsyāṃ prajayā paśubhiḥ prajāyate ya evaṃ veda. naro ha vai devaviśaḥ kṣatraṃ soma induḥ. viśaṃ caivaitena kṣatraṃ cāvarunddhe. abhidevaṃ iyakṣate iti sarvā evaitena devatā anantarāyam abhiyajate. upo ṣu jātam apturam iti prajākāmaḥ pratipadaṃ kurvīta. upeva vā ātman prajayā paśubhiḥ prajāyate. etām evāparedyuḥ pratipadaṃ kurvīta. apturam iti hy asyā āptvā śreyāṃsaṃ vasīyān ātmanā bhavati. gobhir bhaṅgaṃ pariṣkṛtam iti. yajño vai gobhir bhaṅgaḥ paśavaḥ pariṣkṛtaḥ. yajñaṃ caivaitena paśūṃś cāvarunddhe. induṃ devā ayāsiṣuḥ iti. yajamāno vai somo rājendus stomā devāḥ. stomā evainaṃ svarge lokaṃ gamayanti

»Singt ihm zu, ihr Männer« – wer sich eine Dorfgemeinschaft, Gedeihen, Nachkommenschaft wünscht, soll dies zur Pratipad, dem einleitenden Vers, machen. Ihr singt man damit ja zu; ihr gilt eben dies alles. Ihr, mit Nachkommen und Vieh, vermehrt sich, wer dies so weiß. Die »Männer« nämlich sind das Göttervolk, die Kṣatra-Macht ist Soma, der Trankstropfen. Damit sichert er sich sowohl das Volk als auch die Kṣatra-Macht. »Er begehrt, allen Göttern zu opfern« – damit opfert er ausnahmslos allen Gottheiten. »Auf, es ist geboren, das Vollendete« – wer sich Nachkommenschaft wünscht, soll dies zur Pratipad machen. Durch sich selbst eben vermehrt er sich mit Nachkommen und Vieh. Denselben Vers soll er auch am folgenden Tag zur Pratipad machen; denn »das Vollendete« bedeutet: Nachdem er dies erlangt hat, wird er durch sich selbst besser und wohlhabender als zuvor. »Mit Kühen das Opfer geschmückt« – das Opfer nämlich ist durch Kühe, durch Vieh geschmückt. Damit sichert er sich sowohl das Opfer als auch das Vieh. »Zum Somatropfen gingen die Götter« – der Opferherr nämlich ist Soma, der König, der Tropfen; die Stomas, die Lobgesänge, sind die Götter. Eben die Stomas führen ihn zur himmlischen Welt.

pavasva vāco agriyaḥ iti śraiṣṭhayakāmaḥ pratipadaṃ kurvīta. prajāpatiḥ prajā asṛjata. tā enaṃ sṛṣṭā nāpācāyan. so ’kāmayata śraiṣṭhayam āsāṃ prajānāṃ gaccheyam iti. sa etāṃ pratipadam apaśyat. tayāstuta. tato vai sa tāsāṃ prajānāṃ śraiṣṭhayam agacchat. gacchati svānāṃ śraiṣṭhayaṃ ya evaṃ veda. eṣo ha vai samṛddhā stotriyā yasyai pavasva ityārambhaḥ. samṛddhayaivāsya stotriyayā stutaṃ bhavati. yo vai daivyaṃ mithanuṃ veda pra mithunena jāyate. pavasva iti ca vācaḥ iti ca daivyaṃ mithunam. pra mithunena jāyate ya evaṃ veda. sarveṣāṃ vā eṣā trayāṇāṃ sāmnāṃ pratipat -- pavasva iti vāmadevyasya vācaḥ iti rathantarasya agriyaḥ iti bṛhataḥ. sarveṣām asya sāmnāṃ pratipadā stutaṃ bhavati. soma citrābhir ūtibhiḥ iti -- somo vai devānāṃ citraṃ -- somenaiva devānāṃ citreṇa bahur bhavati prajāyate. abhi viśvāni kāvyā iti viśvam evaitena kāvyam avarunddhe

»Läutere dich, du Erster der Rede« – wer sich den Vorrang unter denen der Rede wünscht, soll dies zur Pratipad machen. Prajāpati schuf die Geschöpfe. Diese, kaum geschaffen, erwiesen ihm keine Ehrerbietung. Er wünschte sich: »Möge ich den Vorrang vor diesen Geschöpfen erlangen.« Er erblickte diese Pratipad; mit ihr sang er. Dadurch erlangte er den Vorrang vor jenen Geschöpfen. Den Vorrang vor den Seinen erlangt, wer dies so weiß. Dies ist ja eine wohlgelungene Stotriya-Strophe, die Hauptstrophe, deren Einleitung »Läutere dich« ist; durch die wohlgelungene Stotriya ist der Gesang wohlgelungen. Wer das göttliche Paar kennt, wird durch Paarung vervielfacht. »Läutere dich« und »der Rede« sind das göttliche Paar; durch Paarung vervielfacht sich, wer dies so weiß. Diese Pratipad gilt für alle drei Sāmans zugleich: »Läutere dich« gehört zum Vāmadevya, »der Rede« zum Rathantara, »der Erste« zum Bṛhat. Mit ihr ist der Gesang all dieser Sāmans zugleich vollzogen. »Soma, mit wunderbaren Hilfen« – Soma nämlich ist das Wunder der Götter; eben durch Soma, das Wunder der Götter, wird man zahlreich, vermehrt sich. »Auf alle dichterischen Weisheiten gerichtet« – damit sichert er sich alle dichterische Weisheit zur Gänze.

pavasvendo vṛṣā sutaḥ iti jane pratiṣṭhākāmaḥ pratipadaṃ kurvīta. kṛdhī no yaśaso janaḥ iti hy asyai yaśasy eva jane bhavati. vṛṣā sutaḥ iti vṛṣeva vai prajanitevādhipatir iva tasyāṃ janatāyāṃ bhavati yasyām ṛdhyate. vṛṣevaiva prajanitevādhipatir iva tasyāṃ janatāyāṃ bhāti yasyāṃ bhavati ya evaṃ veda. sarvo ha vai jane bubhūṣate ’rātīyati. viśvā apa dviṣo jahi iti viśvā evaitena dviṣo ’pahate. tayā pavasva dhārayā iti saṃgrāmaṃ saṃyatiṣyamāṇasya pratipadaṃ kuryāt. yayā gāva ihāgaman janyāsa upa no gṛhān iti janyā vā eṣa gā ājihīrṣati yas saṃgrāmaṃ saṃyatate. ā janyā gā harati. etām eva pratipadaṃ kurvīta saniṃ praiṣyan. janyā vā eṣa gā ājihīrṣati yas saniṃ praiti. ā janyā gā haraty upainaṃ janyā gāvo namanti ya evaṃ veda. agna āyūṃṣi pavase ity āmayāvinaḥ pratipadaṃ kuryāt. agniṃ vā etasya śarīram apyeti vāyuṃ prāṇaḥ. agninaivāsya pavamānena śarīraṃ prāṇena saṃdadhāti. etām evaṃ pratipadaṃ kurvīran yeṣāṃ dīkṣitānāṃ pramīyeta. apūtā iva vā ete ’medhyā manyante yeṣāṃ dīkṣitānāṃ pramīyate. agninaivainān pavamānena pūtān medhyān karoti. etām eva pratipadaṃ kurvīta-

»Läutere dich, o Tropfen, du ausgegossener Stier« – wer sich eine feste Stellung im Volk wünscht, soll dies zur Pratipad machen. »Mache uns ansehnlich, o Volk« – dadurch wird ihm das Volk voller Ansehen. »Ein ausgegossener Stier« – wie ein Stier, wie ein Erzeuger, wie ein Gebieter erscheint er in jener Gemeinschaft, in der er gedeiht; wie ein Stier, wie ein Erzeuger, wie ein Gebieter erscheint, wer dies so weiß, in der Gemeinschaft, in der er lebt. Denn jeder möchte im Volk etwas gelten, und jeder ist dabei dem anderen abgünstig. »Schlage alle Hasser fort« – damit schlägt er alle Hasser fort. »Mit jenem Strom läutere dich« – für den, der sich in eine bevorstehende Schlacht begeben will, soll man dies zur Pratipad machen. »Durch den die Kühe hierher gekommen sind, die fremden, zu unseren Häusern« – wer in die Schlacht zieht, möchte ja die Kühe des fremden Volkes erbeuten; er bringt damit die fremden Kühe herbei. Dieselbe Pratipad soll man auch für den machen, der auf Beutezug auszieht; denn auch wer auf Beutezug auszieht, möchte die fremden Kühe erbeuten. Er bringt die fremden Kühe herbei, und ihm neigen sich die fremden Kühe zu, wer dies so weiß. »Du läuterst die Lebensjahre, o Agni« – für den Kranken soll man dies zur Pratipad machen. In Agni nämlich geht dessen Leib ein, in Vāyu der Atem; eben durch Agnis läuternde Kraft vereint er den Leib, durch Vāyu den Atem wieder. Dieselbe Pratipad soll man auch für Geweihte machen, die zu sterben drohen. Wie unrein, wie opferuntauglich gelten geweihte Sterbende; eben durch Agnis läuternde Kraft macht er sie rein und opfertauglich. Eben diese Pratipad soll man machen –

-brahmavarcasakāmaḥ. agnir vai devānāṃ brahmā. agninaiva devānāṃ brahmaṇā varcasī bhavati. etām eva pratipadaṃ kurvītābhicaran. agnir vai devānāṃ brahmā. agninaiva devānāṃ brahmaṇā yaṃ dveṣṭi taṃ stṛṇute. etām eva pratipadaṃ kurvītānnādyakāmaḥ. ā suvorjam iṣaṃ ca naḥ iti hy asyā iṣaṃ caivaitenorje cāvarunddhe. etām eva pratipadaṃ kurvītābhicaryamāṇaḥ. yo vā abhicarati yo ’bhidāsati yaḥ pāpaṃ kāmayate sa vai ducchunaḥ. āre bādhasva ducchunām ity ārād evaitena dviṣantaṃ pāpmānaṃ bhrātṛvyam avāñcam apabādhate. davidyutatyā rucā iti brahmavarcasakāmaḥ pratipadaṃ kurvīta. davidyutatī vai gāyatrī. gāyatrī brahmavarcasam ojo vīrye triṣṭup prajananaṃ jagatī. brahmavarcasy ojasvī vīryavān prajayā paśubhir jāyate ya evaṃ veda. pariṣṭobhantyā kṛpā somāś śukrā gavāśiraḥ iti. yajño vai somāś śukrāḥ paśavo gavāśiraḥ. yajñaṃ caivaitena paśūṃś cāvarunddhe. asya pratnām anu dyutam iti pratipadaṃ kurvīta yasya pitā vā pitāmaho vā śreyān syād athātmanā pāpīyān iva manyeta. yaivāsya pitryā paitāmahī śrīs tām evāśnute. śukraṃ duduhne ahrayaḥ iti. yajño vai śukraḥ paśavo ’hrayaḥ. yajñaṃ caivaitena paśūṃś cāvarunddha. payas sahasrasām ṛṣim iti. payasvān eva bhavaty āsya sahasrasā vīro jāyate

– für den, der sich heilige Glut (brahmavarcas) wünscht. Agni nämlich ist der Brahmanpriester der Götter; durch Agni, den Brahmanpriester der Götter, wird man voller Glanz. Eben diese Pratipad soll man auch für den machen, der Zauber gegen einen Feind übt. Agni nämlich ist der Brahmanpriester der Götter; durch Agni, den Brahmanpriester der Götter, streckt man den nieder, den man hasst. Eben diese Pratipad soll man auch für den machen, der sich Speise wünscht: »Bringe uns Kraft und Nahrung her« – damit sichert er sich beides, Nahrung und Kraft. Eben diese Pratipad soll man auch für den machen, gegen den Zauber geübt wird. Wer Zauber übt, wer bedroht, wer Böses will, der ist Ducchunā, das personifizierte Unheil, selbst. »Halte das Unheil fern« – damit hält er den hassenden, Böses wollenden Rivalen weit von sich fern. »Mit blitzendem Glanz« – für den, der sich heilige Glut wünscht, soll man dies zur Pratipad machen. Blitzend ist die Gāyatrī; Gāyatrī gibt heilige Glut und Kraft, Triṣṭubh Manneskraft, Jagatī Nachkommenschaft. Voller heiliger Glut, Kraft und Manneskraft wird geboren, mit Nachkommen und Vieh, wer dies so weiß. »Bei der Begleitstrophe die hellen Soma-Tränke, mit Milch gemischt« – das Opfer nämlich sind die hellen Soma-Tränke, das Vieh die Milchmischung; damit sichert er sich beides, Opfer und Vieh. »Nach seinem alten Glanz« – für den, dessen Vater oder Großvater vortrefflicher war, er selbst sich aber im Vergleich für geringer hält, soll man dies zur Pratipad machen. Eben jenen väterlichen und großväterlichen Glanz erlangt er dann selbst. »Hell gemolken, unverzagt« – das Opfer nämlich ist hell, das Vieh unverzagt; damit sichert er sich beides, Opfer und Vieh. »Tausendgewinnender Seher« – reich an Milch und Kraft wird er, und ihm wird ein tausendfach gewinnender Sohn geboren.

[Anm.: "Rivale" gibt hier wie schon in 1.65 und 1.77 das Wort bhrātṛvya wieder, wörtlich "Vetter, Sohn des Onkels väterlicherseits" – die vedische Ritualsprache verwendet diesen Verwandtschaftsbegriff stehend für den rivalisierenden Konkurrenten, da Erbstreitigkeiten und rituelle Rivalität typischerweise innerhalb der Vetternschaft ausgetragen wurden.]

ete asṛgram indavaḥ iti bahūnāṃ saṃyajamānānāṃ pratipadaṃ kuryāt. ete ity evainān jyaiṣṭhayāyābhivadati chandasaivainān rūpiṇā samāvadbhājaḥ karoti. samāvaty enān yajñasyāśīr āgacchati. prajāpatir yat prajā asṛjata tā enayaiva pratipadāsṛjata. ete ity eva devān asṛjata asṛgram iti manuṣyān indavaḥ iti pitṛn tiraḥ pavitram iti grahān āśavaḥ iti stomān viśvāni ity ukthāni abhi saubhagā ity evainān jātān saubhāgyenābhyānak. prajāpatir eva bhūtaḥ prajās sṛjate ya evaṃ vidvān etayā pratipadodgāyati. atho hainās tat saubhāgyenaivābhyānakti. asṛkṣata pra vājinaḥ iti trayāṇāṃ saṃyajamānānāṃ pratipadaṃ kuryāt. chandasaivainān rūpiṇā samāvadbhājaḥ karoti. samāvaty enān yajñasyāśīr āgacchati. gavyā somāso aśvayā iti goaśvam evaibhya etenāvarunddhe. śukrāso vīrayāśavaḥ iti-yajño vai śukraḥ prajā vīraḥ-yajñaṃ caivaibhya etena prajāṃ cāvarunddhe. yuvaṃ hi sthaḥ svaḥpati iti dvayos saṃyajamānayoḥ pratipadaṃ kuryāt. chandasaivainau rūpiṇā samāvadbhājau karoti. samāvaty enau yajñasyāśīr āgacchati

»Diese hier sind ausgeströmt, die Somatropfen« – für viele, die gemeinsam opfern, soll man dies zur Pratipad machen. Mit »diese« spricht er sie eben im Sinne des Altersvorrangs an; durch das Versmaß, das für alle gleich ist, macht er sie zu Teilhabern eines gemeinsamen Anteils. Weil sie einen gemeinsamen Anteil haben, kommt ihnen der Segen des Opfers zu. Als Prajāpati die Geschöpfe schuf, schuf er sie eben mit dieser Pratipad. Mit »diese« schuf er die Götter, mit »ausgeströmt« die Menschen, mit »die Somatropfen« die Ahnen, mit »durch den Filter« die Trankopfer, mit »die raschen« die Stomas, mit »alle« die Lobsprüche (uktha). Mit »hin zum Glück« verlieh er ihnen dann, den Geborenen, Glück. Prajāpati selbst, zum Udgātṛ geworden, schafft die Geschöpfe, wer, dies wissend, mit dieser Pratipad den Udgītha singt; und eben damit verleiht er ihnen Glück. »Diese sind hervorgeströmt, die Rennstuten« – für drei, die gemeinsam opfern, soll man dies zur Pratipad machen. Durch das gleichförmige Versmaß macht er sie zu Teilhabern eines gemeinsamen Anteils; durch den gemeinsamen Anteil kommt ihnen der Segen des Opfers zu. »Somas, mit Kühen, mit Rossen« – damit sichert er ihnen sowohl Rinder als auch Pferde. »Helle, mannhafte, rasche« – das Opfer nämlich ist hell, die Nachkommenschaft mannhaft; damit sichert er ihnen sowohl Opfer als auch Nachkommenschaft. »Denn ihr beide seid Herren des Wohlergehens« – für zwei, die gemeinsam opfern, soll man dies zur Pratipad machen. Durch das gleichförmige Versmaß macht er die beiden zu Teilhabern eines gemeinsamen Anteils; durch den gemeinsamen Anteil kommt ihnen der Segen des Opfers zu.

indraś ca soma gopatī īśānā pipyataṃ dhiyaḥ iti. indraś ca vai somaś cākāmayetāṃ sarvāsāṃ prajānām aiśvaryam ādhipatyam aśnuvīvahīti. tāv etāṃ pratipadam apaśyatām. tayāstuvatām. tato vai tau sarvāsāṃ prajānām aiśvaryam ādhipatyam āśnuvātām. aśnute ha vai svānām aiśvaryam ādhipatyam etayā pratipadā tuṣṭuvānaḥ. indrāyendo marutvate iti rājanyabandhoḥ pratipadaṃ kuryāt. aindro vai rājanyo mārutīr viśaḥ. kṣatrāyaiva tad viśam anuvartmānaṃ kurvanti. tasmāt kṣatrasya viḍ anuvartmā. yo jināti na jīyate iti vā jināty eva na jīyate. hanti śatrum abhītya ity anyato vātyevābhītya śatruṃ hanti nainaṃ śatruḥ pratyudyāmī bhavati. sa pavasva sahasrajit iti. yo vai sarvaṃ jayati vijayate saḥ. sarvajit sarvam eva jayati. vijayata etayā pratipadā tuṣṭuvānaḥ

»Indra und Soma, ihr beiden Herren der Kühe, ihr Mächtigen, macht die Gedanken fruchtbar« – Indra und Soma wünschten sich einst: »Mögen wir beide Herrschaft und Oberherrschaft über alle Geschöpfe erlangen.« Sie erblickten diese Pratipad; mit ihr sangen sie. Dadurch erlangten sie beide Herrschaft und Oberherrschaft über alle Geschöpfe. Herrschaft und Oberherrschaft über die Seinen erlangt, wer, mit dieser Pratipad singend, dies so weiß. »Zu Indra, o Tropfen, dem Marut-Begleiteten« – für einen aus dem Rājanya-Stand, dem Kriegeradel, soll man dies zur Pratipad machen. Indra-gleich ist der Rājanya, Marut-gleich die Volksstämme; damit machen sie das Volk zum Gefolgsmann der Kṣatra-Macht. Deshalb ist das Volk der Gefolgsmann der Kṣatra-Macht. »Wer siegt, wird nicht besiegt« – er siegt tatsächlich nur, wird nicht besiegt. »Er erschlägt, ihn anfallend, den Feind« – wie von einer anderen Seite fällt er den Feind an und erschlägt ihn; der Feind wird ihm nicht zum Gegenangreifer. »Läutere dich als tausendfacher Sieger« – wer alles besiegt, alles überwindet, der ist ein Allsieger; einen Allsieg erringt, wer mit dieser Pratipad singend dies weiß.

apaghran pavate mṛdhaḥ ity abhiśasyamānasya pratipadaṃ kuryāt. mṛdho vā etam ajuṣṭās sacante yam abhiśaṃsanti. apa pāpīr mṛdho hate. apa somo arāvṇaḥ iti. arāvāṇa iva hy etaṃ sacante yam abhiśaṃsanti. gacchann indrasya niṣkṛtam iti. anindriyo vā eṣo ’padevo bhavati yam abhiśaṃsanti. indriyāvantam evainam etena sadevaṃ kurvanti. āgnāvāruṇīm āmayāvino jyogāmayāvinaḥ pratipadaṃ kuryāt. agninā vā eṣa varuṇena gṛhīto bhavati ya āmayāvī jyogāmayāvī. agninaivainam āgneyān muñcanti varuṇena vāruṇāt. yasyāṃ varṣīyasyām ṛci hrasīyo hrasīyasyāṃ vā varṣīyas tām ānāyakāmaḥ pratipadaṃ kurvīta. varṣīyasā vā eṣa hrasīyaḥ prepsyatīti hrasīyasā varṣīyaḥ. pra hrasīyasā varṣīya āpnoti ya evaṃ veda. eṣa devo amartyaḥ iti pratipadaṃ kurvīta yaḥ kāmayetāham evaikadhā śreṣṭhas svānāṃ syāṃ rucam aśnuvīyeti. eṣa eṣaḥ ity evaināṃ jyaiṣṭhayāyābhivadati. ekadhaiva śreṣṭhas svānāṃ bhavati rucam aśnute. īśvaro ha tv asyāparaḥ prajāyām etādṛṅ vīro nājanitoḥ. eṣa eva nāto ’nya itīva hy enaṃ vāg abhivadati. tad u tv etan na tathā. devo amartyaḥ iti vā āha. adevaś ca ha vai sa martyaś ca yasya vīrasya sato vīro vīryavān nājayate. atha ha vai sa eva devas so ’martyo yasya vīrasya sato vīro vīryavān ājāyate. ā hāsya vīrasya sato vīro vīryavān jāyate saṃdhīyate prajayā na vyavacchidyate

»Fortschlagend läutert er sich von den Feinden« – für den zu Unrecht Beschuldigten soll man dies zur Pratipad machen. Feinde nämlich begleiten, unwillkommen, den, den man beschuldigt. »Er schlägt die bösen Feinde fort« – damit werden eben die bösen Feinde fortgeschlagen. »Fort von den Missgünstigen ist Soma« – wie Missgünstige begleiten ja den, den man beschuldigt. »Zu Indras Wohnstatt gehend« – kraftlos, gottverlassen wird ja, wer beschuldigt wird; damit machen sie ihn kraftvoll, den Göttern zugehörig. »Āgnāvāruṇī«, der Agni-und-Varuṇa-Spruch – für den Kranken, den langwierig Kranken, soll man dies zur Pratipad machen. Von Agni und von Varuṇa nämlich ist ergriffen, wer krank, wer langwierig krank ist. Durch Agni lösen sie ihn von dem, was von Agni herrührt, durch Varuṇa von dem, was von Varuṇa herrührt. Für den, der etwas zurückgewinnen will, soll man als Pratipad jenen Vers wählen, der, selbst schwergewichtig im Versmaß, ein leichtgewichtiges Element enthält, oder, selbst leichtgewichtig, ein schwergewichtiges. Denn durch das Schwergewichtige wird er das Leichtgewichtige zu erlangen suchen, durch das Leichtgewichtige das Schwergewichtige. Durch das Schwergewichtige erlangt das Leichtgewichtige, wer dies so weiß. »Dieser Gott ist unsterblich« – für den, der sich wünscht: »Möge ich allein, in einzigartiger Weise, der Vorzüglichste der Meinen werden, möge ich Glanz erlangen«, soll man dies zur Pratipad machen. »Dieser, eben dieser« – damit spricht er sie im Sinne des höchsten Ranges an. In einzigartiger Weise wird er der Vorzüglichste der Seinen, erlangt Glanz. Doch er wäre dem vorzeitigen Tod ausgeliefert, wenn in seiner Nachkommenschaft kein ebensolcher Held mehr geboren würde! »Dieser und kein anderer« – so gleichsam redet ihn die Rede lobend an; doch das ist so nicht ganz richtig. »Ein Gott, unsterblich« – das sagt der Spruch zwar; doch gottlos und sterblich ist der, dessen Heldensohn, obgleich vorhanden, keinen weiteren kraftvollen Heldensohn zeugt. Jener aber ist wahrhaft Gott, unsterblich, dessen Heldensohn, obgleich vorhanden, noch einen weiteren kraftvollen Heldensohn zeugt; denn ihm wird auch der Heldensohn seines Heldensohns geboren, verbunden in ununterbrochener Folge – er wird nicht durch Nachkommenlosigkeit abgeschnitten.

[Anm.: Der Gedanke, dass wahre "Unsterblichkeit" nicht im eigenen Vorrang, sondern in der ununterbrochenen Kette kraftvoller Nachkommen besteht, gehört zu den zentralen Motiven der brahmanischen Literatur; zugleich mahnt der Text davor, den Vorrang so einseitig zu suchen, dass die eigene Nachkommenschaft darüber verkümmert.]

devāsurā aspardhanta. te devā vajraṃ kṣurapavim asṛjanta puruṣam eva. tam asurān abhyavṛñjan. so ’surān apohya devān abhyāvartata. tasmād devā abibhayuḥ. tam abhipadya tredhā samaśṛṇan. sa tredhā saṃśīrṇa ud evātiṣṭhat. tam ārabhya paryaikṣanta. tasmin devatāś chandāṃsi puruṣe praviṣṭā apaśyan. te ’bruvan devatā vai chandāṃsīmā asmin puruṣe praviṣṭāḥ. asmin vā ayaṃ loke puṇyaṃ jīvitveṣṭāpūrtena tapasā sukṛtenāsmān anvagamiṣyatīti. te vai tathā karavāmety abruvan yathā no nānvāgacchād iti. tasmai va pāpmānam anvavadadhāmeti. tasmā etaṃ pāpmānam anvavādadhuḥ --

Die Götter und die Asuras stritten miteinander. Da schufen die Götter die Waffe mit scharfer Schneide – und zwar als einen Menschen selbst. Mit ihm überwältigten sie die Asuras. Nachdem er die Asuras vertrieben hatte, wandte er sich wieder den Göttern zu. Da fürchteten sich die Götter vor ihm. Sie ergriffen ihn und zerteilten ihn in drei Stücke. Er aber, so in drei Stücke zerteilt, erhob sich dennoch wieder. Sie ergriffen ihn erneut und betrachteten ihn genau. Da sahen sie, wie in diesen Menschen die Gottheiten und die Versmaße eingegangen waren. Sie sprachen: »Die Gottheiten und die Versmaße sind in diesen Menschen hier eingegangen. Durch verdienstvolles Leben in dieser Welt, durch Opfergaben und fromme Werke, durch Askese, durch gute Taten wird er uns nacheilen und uns einholen!« Sie sprachen: »Lasst uns so handeln, dass er uns nicht einholt – lasst uns ihm ein Übel auferlegen.« Da erlegten sie ihm dieses Übel auf –

-- svapnaṃ tandrīṃ manyum aśanayām akṣakāmyāṃ strīkāmyām iti. ete ha vai pāpmānaḥ puruṣam asmin loke sacante. ya etad agne tīrtvāsmin loke sādhu cikīrṣāt tat tvam asmin loke dhīpsatād ity agnim asmin loke ’dadhuḥ. vāyum aṃtarikṣa ādityaṃ divi. ugradevo ha smāha rājanir nāhaṃ manuṣyāyārātīyāmi yān asmai trīn devānāṃ śreṣṭhān arātīyato ’śṛṇom. arātītamarātītaṃ hy eva tasmai yasmā etā devatā arātīyantīti. atho hāsmā etā devatā nārātīyanti ya evaṃ veda. atho ha tam eva dhīpsanti ya evaṃ vidvāṃsaṃ dhīpsatīti. te devā abruvan yā evemā devatāś chandāṃsi puruṣe praviṣṭā etābhir evāsurān dhūrvāmaiveti

– Schlaf, Mattigkeit, Zorn, Hunger, die Lust am Würfelspiel, die Lust nach Frauen. Diese Übel eben begleiten den Menschen in dieser Welt. »Wer, dies überwindend, o Agni, in dieser Welt Gutes zu wirken sucht – den sollst du eben hier in dieser Welt zu vereiteln suchen« – so setzten sie Agni in dieser Welt ein, Vāyu im Luftraum, Āditya im Himmel. Ugradeva aus dem Geschlecht der Rājani soll gesagt haben: »Ich bin keinem Menschen missgünstig; denn ich habe gehört, dass eben diese drei, die vorzüglichsten der Götter, dem missgünstig sind, [der die Übel zu überwinden sucht].« Denn wahrhaft der Missgünstigste aller Missgünstigen ist der, dem diese Gottheiten missgünstig sind. Diesen Gottheiten aber ist der nicht missgünstig, der dies so weiß; und sie suchen nur den zu vereiteln, der den zu vereiteln sucht, der dies so weiß. Da sprachen die Götter: »Lasst uns eben mit diesen Gottheiten und Versmaßen, die in den Menschen eingegangen sind, die Asuras überwältigen.«

[Anm.: Dass die Götter dem Menschen Schlaf, Zorn, Hunger und Begierden auferlegen, um zu verhindern, dass er sie durch verdienstvolles Leben "einholt", ist ein frühes Beispiel eines Motivs, das später berühmt aus der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad (1.4.10) bekannt ist: dass die Götter es nicht gerne sehen, wenn Menschen ihnen an Erkenntnis und Rang gleichkommen.]

teṣāṃ prāṇam eva gāyatryāvṛñjata cakṣus triṣṭubhā śrotraṃ jagatyā vācam anuṣṭubhā. asmād evainān lokād gāyatryāntarāyann antarikṣāt triṣṭubhāmuṣmāj jagatyā paśubhyo ’nuṣṭubhā. tān sarvasmād evāntarāyan. tato vai devā abhavan parāsurāḥ. bhavaty ātmanā parāsya dviṣan bhrātṛvyo bhavati ya evaṃ veda. yad devā asurān adhūrvaṃs tad dhurāṃ dhūstvam. dhūrvati dviṣantaṃ bhrātṛvyaṃ ya evaṃ veda. prajāpatir yat prajā asṛjata tā dhūrbhir evāsṛjata. reta eva retasyāsiñcat prāṇaṃ gāyatryā samairayac cakṣus triṣṭubhā śrotraṃ jagatyā vācam anuṣṭubhā. ātmānam eva paṃktyā pratyupādadhāt prajāpatir eva bhūtaḥ prajās sṛjate ya evaṃ vidvān dhūrbhir udgāyati

Ihnen entrissen sie mit der Gāyatrī den Atem, mit der Triṣṭubh das Augenlicht, mit der Jagatī das Gehör, mit der Anuṣṭubh die Rede. Eben damit vertrieben sie sie: mit der Gāyatrī aus dieser Welt, mit der Triṣṭubh aus dem Luftraum, mit der Jagatī aus jener Welt, mit der Anuṣṭubh aus dem Vieh. Aus allem zusammen vertrieben sie sie. Da wurden die Götter zu denen »jenseits der Asuras«. Durch sich selbst wird zu einem, dessen hassender Rivale hinter ihm zurückbleibt, wer dies so weiß. Dass die Götter den Asuras Schaden zufügten – das ist die schädigende Kraft der Dhur-Verse. Seinem hassenden Rivalen fügt Schaden zu, wer dies so weiß. Als Prajāpati die Geschöpfe schuf, schuf er sie eben mit den Dhur-Versen. Samen goss er in den Samen; den Atem versetzte er mit der Gāyatrī in Bewegung, das Augenlicht mit der Triṣṭubh, das Gehör mit der Jagatī, die Rede mit der Anuṣṭubh. Sich selbst setzte er mit der Paṅkti, dem fünfgliedrigen Versmaß, wieder ein. Prajāpati selbst, zum Udgātṛ geworden, schafft die Geschöpfe, wer, dies wissend, mit den Dhur-Versen den Udgītha singt.

[Anm.: Ein Wortspiel zwischen "dhur" (Name der hier gemeinten Verse) und der Wurzel dhvṛ, "schädigen" (adhūrvan, "sie schädigten"), begründet die Wirksamkeit dieser Verse gegen den Rivalen.]

retasyāṃ gāyati. retas tat siñcati. saṃtatam iva gāyati. satatim iva vai retaḥ. parokṣam eva prathame gāyati. parokṣam iva vai retaḥ. narcam upaspṛśet. yad ṛcam upaspṛśed reto vicchindyāt. tryudāsāṃ gāyati. prāṇam eva prathamenodāsena parigṛhṇāty apānaṃ dvitīyena vyānaṃ tṛtīyena. tryudāsāṃ gāyati. ātmānam eva prathamenodāsena parigṛhṇāti jāyāṃ dvitīyena prajāṃ tṛtīyena. tryudāsāṃ gāyati. imam eva lokaṃ prathamenodāsenābhyārohaty antarikṣaṃ dvitīyenāmuṃ tṛtīyena. sa yo haivaṃ vidvāṃs tryudāsāṃ gāyaty abhi ha bhrātṛvyalokāya vijayate. sa yo bhrātṛvyalokaṃ cicchitsed dvayudāsām eva gāyet. oṣam asya dviṣan bhrātṛvyaḥ parābhavati śriyam ātmānāśnute. īśvaro ha tu pramāyuko bhavitoḥ. prāṇebhyo hy eti tryudāsāyai. sa tathaiva cikīrṣed yathā sarvam āyur iyāt. anyena bhrātṛvyalokaṃ cicchitsat. tryudāsām eva gāyet. na hiṃkuryāt. yad dhiṃkuryād vajreṇa hiṃkāreṇa reto vicchindyāt

Er singt, auf den Samen bezogen. Das vergießt eben den Samen. Er singt gleichsam ununterbrochen; gleichsam ununterbrochen nämlich ist der Same. Er singt zunächst gleichsam verborgen; gleichsam verborgen nämlich ist der Same. Er soll dabei keinen Ṛc-Vers berühren; würde er einen Ṛc-Vers rezitieren, würde er den Samen abschneiden. Er singt das Tryudāsa, den dreifachen Absatz. Mit dem ersten Absatz umfasst er den Atem, mit dem zweiten den Ausatem, mit dem dritten den Zwischenatem. Er singt das Tryudāsa. Mit dem ersten Absatz umfasst er sich selbst, mit dem zweiten die Gattin, mit dem dritten die Nachkommenschaft. Er singt das Tryudāsa. Mit dem ersten Absatz besteigt er diese Welt, mit dem zweiten den Luftraum, mit dem dritten jene Welt. Wer, dies wissend, das Tryudāsa singt, obsiegt über die Welt seines hassenden Rivalen. Wer die Welt seines Rivalen zunichtemachen will, soll nur das Dvyudāsa, den zweifachen Absatz, singen. Dann schwindet der hassende Rivale dahin und unterliegt, während der Sänger selbst zu Glanz gelangt. Doch er selbst wäre dabei dem vorzeitigen Tod ausgeliefert, denn er entfernt sich damit von einer der Atemkräfte, die dem Tryudāsa fehlt. Er sollte daher nur so handeln, dass er sein volles Lebensalter erreicht. Will er die Welt des Rivalen auf andere Weise zunichtemachen, soll er dennoch nur das vollständige Tryudāsa singen – doch keinen Hiṃkāra-Laut ausstoßen. Würde er den Hiṃkāra ausstoßen, würde er mit dem blitzgleichen Hiṃkāra den Samen abschneiden.

[Anm.: Tryudāsa ("dreifacher Absatz") und Dvyudāsa ("zweifacher Absatz") sind technische Bezeichnungen für Pausen im Sāman-Gesang; die drei Atemkräfte entsprechen der bereits bekannten Trias Atem (prāṇa), Ausatem (apāna) und Zwischenatem (vyāna).]

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