Paṭala 6: 6. Khaṇḍa: Śyāmā-krama
Khaṇḍa 6: Der Śyāmā-Ritualablauf
Das Ritual der Śyāmā, der "Hauptministerin" (pradhāna-sacivā) der Kaiserin Lalitā, durch deren Gunst man die der Königin selbst erlangt: Morgenritual mit bhūta-śuddhi (Elementen-Läuterung durch imaginäre Austrocknung/Verbrennung/Neuerschaffung des Körpers, S.9) und Prāṇāyāma (S.10), 17-facher Mātṛkā-Körperauflegung (S.11-13), Weihe einer Vier-Tor-Pavillonhalle mit elf Lokapālas/Wächtergottheiten (S.14), Konstruktion des "Cakra-Rāja" mit Feuer-, Sonnen- und Mond-Kalā-Listen zur Kalaśa-Weihe (S.16-19, strukturell parallel zu Khaṇḍa 3.21-24, jedoch mit eigenen Namenslisten), Anrufung der Göttin Gīśvarī/Śyāmalā und Glied-Göttinnen (S.20), die vollständige Āvaraṇa-Pūjā mit Liebesgott-Dreieck und fünf Blumenpfeil-Bījas (S.23-24), der aṣṭamātṛkā-Ring, ein 16-Śakti-Ring, der aṣṭa-bhairava-Ring und ein Catur-dala mit Siddhalakṣmī-Formen (S.25-28), Gaṇapati/Durgā/Baṭuka/Kṣetrapāla im Viereck (S.29), Guru-Linie und Pādukā-Verehrung (S.31-32), abschließende Opfergaben mit der bemerkenswerten "Pfeilschuss-Geste" (nārāca-mudrā, S.35), und ein ausführlicher Verhaltenskodex für den Mantra-Rezitierenden (S.38-39) mit Schutzgeboten für Frauen und Sänger sowie der ausdrücklichen Einschränkung, die pañca-makāra nicht eigenmächtig ohne Ermächtigung zu praktizieren.
Sie eben, die große Wissenschaft (vidyā), ist die Löwenthron-Herrin, die Kaiserin (Lalitā); ihr Amt als Hauptministerin (pradhāna-sacivā) bekleidet Śyāmā; deren Ritualablauf (krama) ist darum stets zu erwägen und zu vollziehen. Denn durch die Hauptministerin die Gunst der Herrscherin zu erlangen, ist der rechte Weg.
[Anm.: Das Bild vom Zugang zur Königin über deren Minister überträgt ein höfisches Hierarchiemodell auf die Götterverehrung – Śyāmā (auch Mātaṅgī) als "zweite" Zugangsgottheit neben der Haupt-Iṣṭadevatā Lalitā.
In der Brahma-Stunde (der letzten Nachtstunde vor Sonnenaufgang) aufgestanden, noch im Bett verweilend, die heilige Fußspur (pādukā) verehrend, den Atem zügelnd, von der Wurzel(-stütze) bis zum zwölften (Punkt) jenseits (dvādaśânta, über dem Scheitel) das lodernde höchste Bewusstsein erwägend, im Geiste das Wurzelmantra dreimal murmelnd, nach draußen tretend, Kot und Urin entleerend, Zähneputzen, Zungenschaben, Schleim-Auswurf, Nasenreinigung und zwanzig Mundspülungen vollziehend,
das gewünschte Bad mit Mantra, Asche und Wasser vollziehend, Kleidung anlegend; die Dämmerungsriten (sandhyā) verehrend, in der Sonnenscheibe die Göttin mit ihrer Umhüllung (āvaraṇa) erwägend, mit dem Wurzelmantra dreimal Wasseropfer (arghya) darbringend, nach Vermögen die Wassergüsse (tarpaṇa) vollziehend,
yāga-gṛhaṃ praviśyâsane ādhāra-śakti-kamalâsanāya nama - ity upaviśya || Parks_6.6 || samasta-prakaṭa-gupta-siddha-yoginī-cakra-śrī-pādukābhyo nama iti śirasy añjalim ādhāya sva-guru-pādukā-pūjāṃ ca vidhāya || Parks_6.7 || aiṃ hraḥ astrāya phaṭ ity astra-mantreṇa aṅguṣṭhâdi-kaniṣṭhântaṃ kara-talayoḥ kūrparayoḥ dehe ca vyāpakatvena vinyasya || Parks_6.8 ||
den Opferraum betretend, mit (den Worten) "Verehrung dem Lotossitz der Trägerkraft (ādhāra-śakti)" sich auf den Sitz niedersetzend; mit den Worten "Verehrung den heiligen Fußspuren aller offenbaren, verborgenen und vollendeten Yoginī-Kreise" die gefalteten Hände ans Haupt legend und die Verehrung der Fußspur des eigenen Guru vollziehend; mit dem Waffenmantra "Aiṃ Hraḥ Astrāya Phaṭ" von Daumen bis kleinem Finger, an beiden Handflächen, an den Ellbogen und durchdringend am ganzen Körper die Berührung (nyāsa) setzend,
mit (der Silbe) "Yaṃ" den Windhauch durch die Piṅgalā(-Nāḍī) einziehend, den Körper austrocknend; mit "Raṃ" den Windhauch einziehend, den Körper verbrennend; mit "Vaṃ" den Windhauch einziehend, die Asche des verbrannten Körpers mit Nektar besprengend; mit "Laṃ" den Windhauch einziehend, (den Körper) festigend; mit "Haṃsa" den Windhauch einziehend, das Śiva-Bewusstsein hervorbringend,
[Anm.: Dies ist die klassische bhūta-śuddhi (Elementen-Läuterung) des Körpers durch imaginäre Austrocknung, Verbrennung, Besprengung mit Nektar-Asche und Neuerschaffung – ein Standardelement tantrischer Sādhanā, hier mit den fünf Bīja-Silben Yaṃ-Raṃ-Vaṃ-Laṃ-Haṃsa verknüpft.
das Wurzelmantra einmal rezitierend den Windhauch einziehend, dreimal rezitierend anhaltend, einmal rezitierend ausatmend – so Ausatmung, Einatmung und Anhalten (recaka-pūraka-kumbhaka) drei-, sieben-, zehn- oder sechzehnfach vollziehend, werde man von glanzhafter, feuriger Gestalt (tejomaya).
die sechsgliedrige (ṣaḍaṅga), mit Bālā vereinte Buchstaben-Reihe (mātṛkā) sowie Rati, Prīti und Manobhava an Wurzel, Herz und Mund setzend; das Wurzelmantra in siebzehn Teile zerlegend: sechs am Brahma-Loch (Scheitel), drei an der Stirn, vier zwischen den Brauen, sechs und acht am rechten und linken Auge, sieben am Mund, je eins am rechten und linken Ohr und Hals, acht (und) zehn an rechter und linker Schulter, zehn am Herzen, acht (und) acht an rechter und linker Brust, neun am Nabel, zweimal am Svādhiṣṭhāna, sechs an der Wurzel(-stütze, ādhāra) – so setzend; wiederum von der Wurzel(-stütze) bis zum Brahma-Loch die siebzehn Teile an den genannten Stellen setzend,
[Anm.: Die genaue Zählung und Zuordnung der siebzehn Mantra-Teile auf die zahlreichen Körperstellen folgt der Quelle wörtlich; einzelne Zahlenangaben und ihre Summierung bleiben trotz Prüfung unklar [?].
Inmitten des Nektarozeans, auf der Juweleninsel, eine mit Perlenschnur-Girlanden geschmückte, mit vier Toren versehene Pavillonhalle sich vorstellend, an deren vier Toren, beginnend im Osten: "Sāṃ, Verehrung der Sarasvatī; Lāṃ, der Lakṣmī; Śaṃ, dem Muschelschatz; Paṃ, dem Lotosschatz" – "Lāṃ, dem Indra, dem Blitzkeulen-Träger, dem Herrn der Götter, dessen Reittier der Elefant Airāvata ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Rāṃ, dem Agni, dem Speer-Träger, dem Herrn des Glanzes, dessen Reittier der Ziegenbock ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Ṭāṃ, dem Yama, dem Stab-Träger, dem Herrn der Verstorbenen, dessen Reittier der Büffel ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Kṣāṃ, der Nirṛti, der Schwert-Trägerin, der Herrin der Rākṣasas, deren Reittier der Mensch ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Vāṃ, dem Varuṇa, dem Schlingen-Träger, dem Herrn der Gewässer, dessen Reittier das Makara-Ungeheuer ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Yāṃ, dem Vāyu, dem Banner-Träger, dem Herrn des Lebensatems, dessen Reittier die Antilope ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Sāṃ, dem Soma, dem Muschel-Träger, dem Herrn der Sternbilder, dessen Reittier das Pferd ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Hāṃ, dem Īśāna, dem Dreizack-Träger, dem Herrn des Wissens, dessen Reittier der Stier ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Oṃ, dem Brahmā, dem Lotos-Träger, dem Herrn der Wahrheitswelt, dessen Reittier der Schwan ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Śrīṃ, dem Viṣṇu, dem Rad-Träger, dem Herrn der Schlangen, dessen Reittier Garuḍa ist, samt Gefolge, Verehrung" – "Oṃ, Verehrung dem Brahmā, dem Herrn des Bauplatzes (vāstu-pati)" – so verehre man in elf Richtungen elf Gottheiten.
[Anm.: Diese elf Wächtergottheiten (die klassischen Lokapālas, erweitert um Vāstupati, Sarasvatī, Lakṣmī und die beiden Schätze Śaṅkha-/Padmanidhi) sind ein Standardbestandteil tantrischer Maṇḍala-Konsekrationen und finden sich strukturell ähnlich in vielen anderen Tantras.
Am Anfang der Mantras des Śyāmā-Ablaufs steht die Verbindung mit der Tritārī und Kumārī, oder (nur) mit der Kumārī; die Tritārī ist die zuvor genannte (Aiṃ-Hrīṃ-Śrīṃ), die Kumārī ist Bālā; das Übrige ist offenkundig (uttāna). Mit duftenden Substanzen den Körper gesalbt, den Mund mit Betel wohlriechend gemacht, heiteren Sinnes geworden, auf einer Scheibe aus Gold, Silber, Kupfer oder Sandelholz den "Cakra-Rāja" (den "König der Kreise") zeichnend, bestehend aus Punkt, Dreieck, Fünfeck, Achtblatt, Sechzehnblatt, (nochmals) Achtblatt, Vierblatt und Viereck,
mit dem dreimal rezitierten Wurzelmantra durch reines Wasser, mittels der Fisch-Geste (matsya-mudrā), Viereck, Kreis, Sechseck, Dreieck (und) Punkte eintretend, (das Gefäß) bereitend: "Aṃ, Verehrung dem Ātma-Tattva, der Trägerkraft" – so die Grundlage (ādhāra) errichtend; Dhūmrārciḥ, Ūṣmā, Jvalinī, Jvālinī, Visphuliṅginī, Suśrīḥ, Surūpā, Kapilā, Havyavāhā, Kavyavāhā – dies als die Feuer-Kalās verehrend; "Uṃ, Verehrung dem Vidyā-Tattva, dem Lotosgesichtigen" – so das Gefäß errichtend; Tapinī, Tāpinī, Dhūmrā, Marīci, Jvālinī, Ruci, Suṣumnā, Bhogadā, Viśvā, Bodhinī, Dhāriṇī, Kṣamā – dies im Gefäß als die Sonnen-Kalās verehrend; "Maṃ, Verehrung dem Śiva-Tattva, der Mondscheibe" – so mit reinem Wasser (das Gefäß) füllend; Amṛtā, Mānadā, Pūṣā, Tuṣṭiḥ, Puṣṭiḥ, Ratiḥ, Dhṛtiḥ, Śaśinī, Candrikā, Kāntiḥ, Jyotsnā, Śrīḥ, Prītiḥ, Aṅgadā, Pūrṇā, Pūrṇâmṛtā – dies als die Mond-Kalās verehrend, in Feuer-, Īśa-, Asura- und Vāyu-(Richtung) sowie in der Mitte und den (Haupt-)Richtungen die sechs Glieder (ṣaḍaṅga) setzend, mit der Waffe schützend, mit dem Panzer umhüllend, das Kuh-Yoni-Zeichen zeigend, mit dem Wurzelmantra siebenmal beschwörend, mit den Wassertropfen davon den Opferraum und die Opfergeräte besprengend,
[Anm.: Diese Feuer-, Sonnen- und Mond-Kalā-Listen entsprechen strukturell der Kalaśa-Konsekration in Khaṇḍa 3 (Parks_3.21-24), tragen hier jedoch eigene, im Śyāmā-Kontext spezifische Namenslisten. "dhenu-yonī pradarśya" (Zeigen des Kuh-Yoni-Zeichens) ist eine feste tantrische Ritualgeste zur Heiligung von Flüssigkeit; ihre genaue körperliche Ausführung bleibt in der Quelle unspezifiziert [?].
mit diesen (Wassertropfen) ein mit dem Buchstaben Ī gekennzeichnetes Dreieck-Kreis-Viereck-Maṇḍala bereitend, darauf Blüten streuend, wie zuvor die Grundlage errichtend, die Feuer-Kalās verehrend, das Gefäß errichtend, in diesem Gefäß (den Spruch): "Hrīṃ Aiṃ, o große Lakṣmī-Herrin, höchste Gebieterin, die du nach oben in die Leere strömst, die du Mond, Sonne und Feuer verzehrst, du im höchsten Äther Strahlende, komm, komm, tritt ein, tritt ein, nimm das Gefäß an, nimm es an, Huṃ Phaṭ Svāhā" – dies sprechend, eine Blütenhandvoll streuend, die Sonnen-Kalās verehrend: "Aus dem ungeteilten Welten-Ei entstanden, mit allem Saft erfüllt – bringe das große, gefüllte Gefäß, den Nektar-Trank, herbei" – so das erste (Gefäß) füllend, das zweite hineinlegend, in den drei mit A-Ka-Tha-(Reihen-)Dreifachlinien gekennzeichneten Winkeln "Ha-La-Kṣa" und in der Mitte "Haṃsa" zeichnend, mit dem Wurzelmantra zehnfach beschwörend, die Mond-Kalās verehrend, in Feuer-, Īśa-, Asura-, Vāyu-(Richtung), Mitte und (Haupt-)Richtungen die sechs Glieder setzend, mit der Waffe schützend, mit dem Panzer umhüllend, das Kuh-Yoni-Zeichen zeige man.
In der Mitte des Kreises "Śrīmātā" sprechend, "Verehrung der Gīśvarī-Gestalt" – so die Gestalt (der Göttin) gestaltend, wiederum "Śrīmātā" sprechend: "Der Gīśvarī Nektar-Bewusstsein rufe ich herbei" – so anrufend, mit sechzehn Ehrengaben verehrend; in den Richtungen Āśuśukṣaṇi, Tryakṣa, Rakṣaḥ (und) Prabhañjana sowie um das Haupt der Göttin herum sind die Glied-Göttinnen zu verehren; deren Mantras beginnen mit "sarva-jana" usw., bestehen aus acht, sieben, elf, zehn, wiederum zehn (und) achtundzwanzig Teilen, mit Tritārī, Kumārī, Vāk usw. verbunden, derselben Art, mit dem gemeinsamen Grundmantra versehen.
[Anm.: Die genauen Zahlenangaben der Mantra-Silbenzahlen (8/7/11/10/10/28) und die Identität der vier hier genannten Richtungsnamen (traditionell Feuer-/Südost-, Nordwest-, Südwest- und Nordost-Assoziationen) bleiben unsicher [?]; hier wörtlich der Quelle folgend wiedergegeben.
Danach vollziehe man die Umhüllungs-Verehrung (āvaraṇa-pūjā). Die Verehrungen aller Kreis-Gottheiten vollziehe man, indem man mit der rechten Hand ungeschälten Reis und Blüten wirft, vermengt mit dem ersten Tropfen aus dem heiligen Gefäß, der zusammen mit dem zwischen Daumen und Ringfinger der linken Hand gehaltenen zweiten Teil (des Gefäßinhalts) niederfällt. Im Dreieck (verehre man) Rati, Prīti und Manobhava. An der Wurzel der fünf Speichen, in der zuvor genannten Reihenfolge: "Drāṃ, dem Betörungs-Pfeil" – "Drīṃ, dem Austrocknungs-Pfeil" – "Klīṃ, dem Fesselungs-Pfeil" – "Blūṃ, dem Verwirrungs-Pfeil" – "Saḥ, Verehrung dem Wahnsinns-Pfeil" – davor (verehre man), verbunden mit Māyā, Kāma, Vāk und Blūṃ, die "Strīm", umgeben von Kāma, Manmatha, Kandarpa, Makaraketana und Manobhava (den Liebesgöttern).
[Anm.: Der genaue Ritualhandgriff in S.22 (Daumen-Ringfinger-Klemmgriff bei gleichzeitigem Tropfen-Fall) bleibt in der Formulierung unklar [?]. Die fünf Blumenpfeile des Liebesgottes (pañca-bāṇa) mit ihren Bīja-Silben sind ein Standardmotiv der Śrīvidyā-Erotiksymbolik.
An der Wurzel des Achtblatts (verehre man) Brāhmī, Māheśvarī, Kaumārī, Vaiṣṇavī, Vārāhī, Māhendrī, Cāmuṇḍā (und) Caṇḍikā, verbunden mit dem Anusvāra und je einem Vokalpaar am Ende; davor Lakṣmī, Sarasvatī, Rati, Prīti, Kīrti, Śānti, Puṣṭi (und) Tuṣṭi. Im Sechzehnblatt (verehre man) Vāmā, Jyeṣṭhā, Raudrī, Śāntā, Śraddhā, Sarasvatī, Kriyāśakti, Lakṣmī, Sṛṣṭi, Mohinī, Pramathinī, Āśvāsinī, Vīcī, Vidyunmālinī, Surānandā (und) Nāgabuddhikā. Im (zweiten) Achtblatt sind Asitâṅga, Ruru, Caṇḍa, Krodhana, Unmatta, Kapālin, Bhīṣaṇa (und) Saṃhāra – verbunden mit "Daṇḍin" und je einem Vokalpaar, endend auf "Bhairava" – sich vorzustellen. Im Vierblatt (verehre man) die mit "Mā" verbundene Taṅgī und Siddhalakṣmī, sowie die mit "Mahā-Mā" verbundene (Taṅgī) und Mahāsiddhalakṣmī.
[Anm.: In S.25 die acht Mütter (aṣṭamātṛkā), bereits aus dem Gaṇapati-Kapitel (Khaṇḍa 2) bekannt; in S.27 die acht Bhairava-Formen (aṣṭa-bhairava), ein Standard-Set zorniger Śiva-Manifestationen. Bedeutung und genaue Lesung von "Taṅgī" in S.28 bleiben unsicher [?].
"Gaṃ" Gaṇapati, "Duṃ" Durgā, "Baṃ" Baṭuka, "Kṣaṃ" die Feldhüter (Kṣetrapālas) – im Viereck sind sie zu verehren. Von "Sāṃ, Verehrung der Sarasvatī" angefangen bis "Verehrung dem Brahmā, dem Herrn des Bauplatzes" wiederum ebendort verehrend; die Guru-Linie der Überlieferung – von der Schwanengestalt (dem Urlehrer), über den höchsten Glanz, den Vollen, den Ewigen, bis zum Mitleidsvollen reichend – an der östlichen Linie des Vierecks verehrend; auf dem eigenen Haupt die allgemeine und die besondere Fußspur (pādukā) verehre man.
Wiederum die Göttin verehrend, mit (dem Mantra der) Bālā die sechzehn Ehrengaben vollziehend; mit reinem Wasser ein Dreieck-Kreis-Viereck bereitend, ein mit halb Speise gefülltes Wassergefäß, mit erstem, zweitem und mittlerem Anteil, mit wohlriechender Blüte, samt Unterlage niedersetzend; "Śrīmātā" sprechend: "O Gīśvarī, nimm dieses Opfer an, nimm es an, Huṃ Phaṭ Svāhā" – "Śrīmātā" sprechend: "O Gīśvarī, mich, den Zuflucht-Suchenden, rette, rette, Huṃ Phaṭ Svāhā" – "O Herr Kṣetrapāla, nimm dieses Opfer an, nimm es an, Phaṭ Svāhā" – mit diesen drei Mantras, begleitet von der "Pfeilschuss-Geste" (nārāca-mudrā, bei der man mit der linken Ferse aufstampft, in die Hände klatscht und den Mund vorstreckt), das Opfer darbringend; die dunkelgrüne Kraft Śyāmalā herbeirufend, sie mit (dem Mantra der) Bālā verehrend, in deren Hand den ersten und zweiten Anteil legend, das Speiseelement läuternd, den Rest davon annehmend, zusammen mit den Würdigen den Opferrest sich aneignend. So die tägliche Verehrung vollziehend, nach hunderttausendfacher Rezitation (lakṣa-japa) vollziehe man im Verhältnis eines Zehntels davon Feueropfer, Wasserspende und Brahmanenspeisung.
[Anm.: Die genaue körperliche Ausführung der "nārāca-mudrā" (Pfeilschuss-Geste) mit Fersenstampfen und Handklatschen ist eine seltene, konkret beschriebene rituelle Aktion, die im Text sonst kaum ihresgleichen findet.
etan-manu-jāpī na kadambaṃ chindyāt girā kālîti na vadet vīṇā-veṇu-nartana-gāyana-gāthā-goṣṭhīṣu na parāṅ-mukho gacchet gāyakaṃ na nindyāt || Parks_6.38 || lalitopāsako nekṣu-khaṇḍaṃ bhakṣayet - na divā smared vārtālīṃ - na jugupseta siddha-dravyāṇi - na kuryāt strīṣu niṣṭhuratāṃ - vīra-striyaṃ na gacchet - na taṃ hanyāt - na tad-dravyam apaharet - nâtmecchayā ma-pañcakam urarīkuryāt - kula-bhraṣṭaiḥ saha nâsīta - na bahu pralapet - yoṣitaṃ sambhāṣamāṇām apratisambhāṣamāṇo na gacchet - kula-pustakāni gopāyet - iti śivam || Parks_6.39 ||
Wer dieses Mantra rezitiert, fälle keinen Kadamba-Baum, spreche das Wort "Kālī" nicht leichthin aus, wende sich bei Laute, Flöte, Tanz, Gesang, Lied und geselligen Zusammenkünften nicht abgewandt ab, schmähe keinen Sänger. Der Lalitā-Verehrer esse kein Zuckerrohrstück; er denke tagsüber nicht an schlüpfrige Rede; er verabscheue nicht die vollendeten (rituellen) Substanzen; er übe keine Härte gegen Frauen; er nahe sich nicht der Frau eines "Helden" (vīra, d.h. eines Mit-Initiierten); er töte ihn (den Vīra) nicht; er raube nicht dessen Besitz; er nehme nicht aus eigenem Antrieb die fünf "M"-Substanzen (ma-pañcaka) an sich; er sitze nicht mit aus der Sippe (kula) Gefallenen zusammen; er schwatze nicht viel; wenn eine Frau (mit ihm) spricht, gehe er nicht fort, ohne zu antworten; er hüte die Sippen-Bücher (die geheimen Kaula-Schriften). So ist es heilig.
[Anm.: Dieser abschließende Verhaltenskodex enthält ethisch different zu bewertende Elemente nebeneinander: einerseits Schutzgebote gegenüber Frauen ("keine Härte", "nicht unbeantwortet fortgehen") und Respekt vor Sängern/Kunst, andererseits die ausdrückliche Einschränkung, die pañca-makāra nicht eigenmächtig ("ohne Ermächtigung") zu praktizieren – ein Hinweis auf eine streng guru-kontrollierte Zugangsordnung zu diesen Praktiken. "vīra-striyaṃ na gacchet" (er nahe sich nicht der Frau eines Vīra) und die übrigen Gebote werden hier wörtlich, ohne Glättung, wiedergegeben.