Paṭala 7: 7. Khaṇḍa: Vārāhī-krama
Khaṇḍa 7: Der Vārāhī-Ritualablauf
Das Ritual der Kola-mukhī/Vārāhī (der "Eberköpfigen"), die als daṇḍa-nāyikā, Stab-Trägerin und Disziplinar-Instanz im Hofstaat der Kaiserin Lalitā fungiert: nächtliches Mitternachtsritual mit ausführlicher bhūta-śuddhi (S.6), Buchstabenreihen- und Elementen-Nyāsa (S.7-13), Aufbau des Kola-mukhī-Rades mit Eber-Insel-Sockel (S.14-20), vollständige Āvaraṇa-Pūjā mit sechs Umhüllungen: Dreieck, Fünfeck, Sechseck (mit der bemerkenswerten Zuordnung der sieben Körpergewebe an die Ḍākinī-Rākiṇī-Gruppe der "kleinen Mütter", S.28), Achtblatt, Hundertspeichen- und Tausendspeichen-Rad mit umfassendem vedischen Götterkatalog und zehn Bhairava-Formen (S.29-32); ein Speiseopfer mit rohem Büffelfleisch und blutrotem Reis (S.34); und schließlich der explizite śakti-pūjā-Ritus mit drei lebenden jungen Frauen als Verkörperung der Göttin-Triade Vārtālī/Krodhinī/Stambhinī (S.36), ein Kernbeleg vāmācāra-tantrischer Kaula-Praxis, der hier ohne Beschönigung wiedergegeben wird.
Nachdem man so den mit seinem Gliederwerk versehenen, im Gesang rezitierten Buchstabenreihen-Ablauf (den Śyāmā-Krama) verehrt hat, verehre man vorschriftsmäßig die Kola-mukhī (die "Eberschnäuzige", Vārāhī), die anstelle der Stab-Trägerin (daṇḍa-nāyikā) der auf dem Löwenthron des Bewusstseins thronenden großen Königin Lalitā fungiert, deren Befehlskreis (ājñā-cakra) ungehindert die Bösen bezwingt und die Rechtschaffenen begünstigt, die Hüterin der Verabredungszeichen der Bündnisse (samaya-saṅketā). Hierbei ist dies der Ablauf: in der großen Nacht (um Mitternacht) erwachend, im höchsten Äther des eigenen Herzens den tönenden, ungeschlagenen Klang (anāhata-dhvani), der kraftvolle Wonne verleiht, erwägend,
[Anm.: Vārāhī übernimmt hier eine dritte höfische Funktion neben Lalitā (Königin) und Śyāmā (Hauptministerin): die der Disziplinar-Instanz, die Strafe und Gnade verwaltet – ein weiteres Beispiel der durchgängigen Hof-Metaphorik dieses Textes.
"Verehrung den heiligen Gurus, angefangen bei Śiva" (sprechend) binde man die gefalteten Hände ans Haupt. Nachdem man "Vāk" und "Glauṃ" ausgesprochen hat, sind in diesem Ablauf alle Mantras (mit diesen beiden Silben versehen) zu rezitieren. Mit den sechs Mantras, beginnend beim Wurzelmantra, läutere man, wie es dem jeweiligen Mantra entspricht, den feinstofflichen Körper (liṅga-deha).
"Vom Wurzel-Dreieck aus, auf dem Suṣumnā-Pfad, vereinige ich das Jīva-Śiva mit dem höchsten Śiva, Svāhā" – "Yaṃ, den zusammengezogenen Körper trockne aus, trockne aus, Svāhā" – "Raṃ, den zusammengezogenen Körper verbrenne, verbrenne, koche, koche, Svāhā" – "Vaṃ, den höchsten Śiva-Nektar regne herab, regne herab, Svāhā" – "Laṃ, den Śāmbhava-Körper erzeuge, erzeuge, Svāhā" – "Haṃsaḥ so'ham, steige herab, steige herab vom Śiva-Zustand, o Jīva, tritt auf dem Suṣumnā-Pfad ein ins Wurzel-Dreieck, erblühe, erblühe, entflamme, entflamme, entflamme völlig, entflamme völlig, Haṃsaḥ so'ham, Svāhā" – so die Elementen-Läuterung (bhūta-śuddhi) vollziehend,
[Anm.: Diese ausführlichere bhūta-śuddhi-Formel des Vārāhī-Krama variiert die bereits in Khaṇḍa 6.9 begegnete fünfgliedrige Struktur (Austrocknen-Verbrennen-Nektar-Regnen-Neuerschaffen-Belebung) mit eigenem Wortlaut.
die mit der Buchstabenreihe umhüllte Zweifach-Tārī (Dvitārī, Hrīṃ) an beiden Augen, Ohren, Nase, Wangen, Lippen, Zähnen, Scheitel, Mund, Armen, Fuß-Gelenkspitzen, beiden Seiten, Rücken, Nabel, Bauch, Herz, Armwurzeln, hinterem Hals, Achseln, Herz usw., beiden Hand- und Fußpaaren, Bauch (und) Gesicht setzend; die mit "Andhe" beginnenden fünf Siebensilben-Mantras von Daumen bis kleinem Finger (setzend); mit "Vāk, Verehrung der Erhabenen" beginnend, mit dreizehn Silben das Herz, mit sechs das Haupt, mit zehn den Haarschopf, mit je sieben Panzer, Augen (und) Waffe setzend,
[Anm.: Die genaue Zuordnung einzelner Körperstellen-Begriffe (insbesondere "kânanavṛtta") bleibt aufgrund der stark komprimierten Aufzählung in S.7 unsicher [?].
mit Duftstoffen usw. geschmückt, läutere man das Arghya-(Wasser). Vor sich selbst, auf einer mit Kuhdung bestrichenen Stelle, mit Wasser, das mit dem Auslöser-Stoff vermischt ist, Viereck, Kreis, Sechseck, Dreieck, ineinander verschachtelt, zeichnend, mit den im Śyāmā-Ablauf genannten Arghya-Läuterungs-Mantras die Grundlage- und Arghya-Gefäße läuternd, allgemein verehrend, jenes Arghya mit "Vaṣaṭ" herausnehmend, mit "Svāhā" aufstellend, mit "Huṃ" umhüllend, mit "Vauṣaṭ" zu Nektar machend, mit "Phaṭ" schützend, mit "Namaḥ" eine Blüte hineinwerfend, mit dem Wurzelmantra betrachtend, mit dessen Spritzern die Verehrungsgegenstände reinigend,
(1) An Kopf, Mund, Herz, Scham und Füßen die zuvor genannten fünf Siebensilben-Mantras setzend; (2) die Wissenschaft (vidyā) in acht Teile zerlegend, an Fuß, ab Fuß bis Knie, ab Knie bis Hüfte, ab Hüfte bis Nabel, ab Nabel bis Herz, ab Herz bis Hals, ab Hals bis Augenbrauenmitte, ab Augenbrauenmitte bis Stirn, ab Stirn bis Scheitel die Teile von einunddreißig, sieben, sieben, sieben, sieben, sieben (und) fünfunddreißig (Silben mit) elf Silben (verteilend); (3) an den Buchstabenreihen-Stellen die Worte des Wurzelmantras setzend; die zuvor genannten acht Teile je einmal rezitierend, an den zuvor genannten Stellen: "Hlāṃ, Verehrung dem Śarva, dem Herrn des Erd-Elements" – "Hlīṃ, dem Bhava, dem Herrn des Wasser-Elements" – "Hlūṃ, dem Rudra, dem Herrn des Feuer-Elements" – "Hlaiṃ, dem Ugra, dem Herrn des Wind-Elements" – "Hlauṃ, dem Īśāna, dem Herrn des Sonnen-Elements" – "Soṃ, dem Mahādeva, dem Herrn des Mond-Elements" – "Haṃ, dem Mahādeva, dem Herrn des Opferherren-Elements" – "Auṃ, dem Bhīma, dem Herrn des Äther-Elements, Verehrung" – so die Elementen-Auflegung (tattva-nyāsa).
[Anm.: Die Zahlenangaben in S.12 (31/7/7/7/7/7/35 Silben, weiter unterteilt in Elfergruppen) summieren sich nicht ohne Weiteres eindeutig zur genannten Achtteilung der vidyā; hier wörtlich, ohne Glättung, der Quelle folgend wiedergegeben [?].
mit dem ganzen Wurzelmantra (den eigenen Körper) durchdringend machend, die Göttin meditierend; vor sich das für das Auge erfreuliche Kola-mukhī-Rad errichtend, hergestellt aus Tuch, Seide, Gold, Silber, Kupfer, Sandelholz-Sockel usw., gekennzeichnet durch Viereck, Dreitausendblatt, Hundertblatt, Achtblatt, Sechseck, Fünfeck, Dreieck (und) Punkt,
[Anm.: "traya-sahasra-patra" ("Dreitausendblatt") statt des sonst tantrisch üblichen Tausendblatts ist auffällig; möglicherweise Textverderbnis oder bewusste Steigerung gegenüber dem Śrīcakra [?].
dort eine Blütenhandvoll streuend: "Verehrung dem goldenen Wall, dem Nektarozean, der Eberinsel, dem Eber-Sockel" – "Āṃ, der Trägerkraft; Kuṃ, der Schildkröte; Kaṃ, dem Wurzelstock; Aṃ, Verehrung dem endlosen Schlangen-Stängel" – so mit den mit Dharma usw. verbundenen sechzehn Mantras auf dem Sockel verehrend; "Verehrung dem Lotossitz mit drei-, fünf-, sechsspeichigen Blättern, dem Achtfachen, dem Hundert- und Tausendspeichigen" – mit diesem Rad-Mantra das Rad verehrend; "Verehrung der Feuerscheibe, der Sonnenscheibe, der Mondscheibe" – dies die drei Eigenschafts-Mantras; die Selbst-Mantras sind vier – so ist dies Siebenundzwanzigfache auf dem Sockel zu verehren.
"Hauṃ, Verehrung dem Leichnam-Lotossitz, dem Sadāśiva" – so die Erwägung des Sitzes der Göttin oberhalb des Rades; "Ḹ Ṣā Ī, der Vārāhī-Gestalt, Ṭhaḥ Ṭhaḥ Ṭhaḥ Ṭhaḥ Huṃ Phaṭ" – von Vāk-Glauṃ beginnend bis Glauṃ-Vāk endend, dies ist das gestaltbildende Mantra (mūrti-karaṇī).
[Anm.: Der "Leichnam-Lotossitz" (preta-padmâsana, Śiva als leblose Unterlage der aktiven Göttin) ist ein Standardmotiv śākta-tantrischer Ikonographie, das an die bekannte Kālī-Śava-Symbolik erinnert.
mit dem Wurzelmantra Anrufung, Feststellung, Vergegenwärtigung, Bindung, Zuwendung, Umhüllung, Verehrung (und) die Kuh-Yoni-Geste bindend; das sechsgliedrige und fünfgliedrige (Mantra-Set) an den Gliedern der Göttin auflegend; am Ende der Bereitung der sechzehn Ehrengaben – Fußwasser, Arghya, Mundwasser, Bad, Kleid, Duft, Blüte, Räucherwerk, Licht, Lichterschwenken, Sonnenschirm, Fächer, Spiegel, Schutzband, (nochmals) Mundwasser, Speiseopfer, Trinkwasser (und) Betel –,
die Meditation der Göttin: wolkendunkel, mit gekrümmten Hauern, bernsteinfarbenen Augen, mit dichter Brust-Rundung, in den Händen Diskus, Schwert, Keule, Furchtlosigkeits-Geste, Muschel, Schild, Pflug (und) Gnaden-Geste, auf dem Lotos sitzend – so ist die Vārtālī zu meditieren. Zehnfach vollziehe man ihre Wassergüsse.
[Anm.: "Vārtālī" wird hier – wie im gesamten Khaṇḍa – als Beiname der eberköpfigen Vārāhī/Kola-mukhī gebraucht.
try-asre jambhinī-mohinī-stambhinyaḥ || Parks_7.26 || pañcâre andhinī-rundhinyau tāś ca || Parks_7.27 || ṣaṭ-koṇe ā kṣā ī brahmāṇī, ī lā ī māheśvarī, ū hā ī kaumārī, ṝ sā ī vaiṣṇavī, ai śā ī indrāṇī, au vā ī cāmuṇḍā tasyaivâgreṣu madhye ca ya-ma-ra-yūṃ yāṃ yīṃ yūṃ yaiṃ yauṃ yaḥ yākini jambhaya jambhaya mama sarva-śatrūṇāṃ tvag-dhātuṃ gṛhṇa gṛhṇa aṇimā-''di-vaśaṃ kuru kuru svāheti | anyāsāṃ dhātu-nāthānām apy evaṃ bīje nāmani dhātau tv ārādhana-karmaṇi mantra-sannāmaḥ | ra-ma-ra-yūṃ rākiṇi rakta-dhātuṃ piba piba la-ma-ra-yūṃ lākini māṃsa-dhātuṃ bhakṣaya bhakṣaya ḍa-ma-ra-yūṃ ḍākini medo-dhātuṃ grasa grasa ka-ma-ra-yūṃ kākini asthi-dhātuṃ jambhaya jambhaya sa-ma-ra-yūṃ sākini majjā-dhātuṃ gṛhṇa gṛhṇa ha-ma-ra-yūṃ hākini śukra-dhātuṃ piba piba aṇimā-''di-vaśaṃ kuru kuru svāhā - iti dhātu-nātha-yajanam || Parks_7.28 ||
Im Dreieck (verehre man) Jambhinī, Mohinī (und) Stambhinī. Im Fünfeck Andhinī und Rundhinī, sowie jene (drei zuvor genannten). Im Sechseck: "Ā Kṣā Ī" Brahmāṇī, "Ī Lā Ī" Māheśvarī, "Ū Hā Ī" Kaumārī, "Ṝ Sā Ī" Vaiṣṇavī, "Ai Śā Ī" Indrāṇī, "Au Vā Ī" Cāmuṇḍā – an deren Spitzen und in der Mitte: "Ya-Ma-Ra-Yūṃ Yāṃ Yīṃ Yūṃ Yaiṃ Yauṃ Yaḥ, o Yākinī, zermalme, zermalme das Haut-Gewebe all meiner Feinde, ergreife, ergreife (es), mache, mache (sie) den Kräften wie Aṇimā usw. untertan, Svāhā" – bei den anderen Gewebe-Herrinnen ebenso, wobei im Bīja der Name (der Gewebe-Herrin) und im Gewebe die Verehrungshandlung mantrisch angepasst wird: "Ra-Ma-Ra-Yūṃ, o Rākiṇī, das Blut-Gewebe trinke, trinke" – "La-Ma-Ra-Yūṃ, o Lākinī, das Fleisch-Gewebe verzehre, verzehre" – "Ḍa-Ma-Ra-Yūṃ, o Ḍākinī, das Fett-Gewebe verschlinge, verschlinge" – "Ka-Ma-Ra-Yūṃ, o Kākinī, das Knochen-Gewebe zermalme, zermalme" – "Sa-Ma-Ra-Yūṃ, o Sākinī, das Mark-Gewebe ergreife, ergreife" – "Ha-Ma-Ra-Yūṃ, o Hākinī, das Samen-Gewebe trinke, trinke, mache (sie) den Kräften wie Aṇimā usw. untertan, Svāhā" – so die Verehrung der Gewebe-Herrinnen (dhātu-nātha).
[Anm.: Ein bedeutsamer Textabschnitt: die sieben klassischen Körpergewebe (sapta-dhātu: Haut, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Samen) werden hier je einer der sieben "kleinen Mütter" (Ḍākinī, Rākiṇī, Lākinī, Kākinī, Sākinī, Hākinī, Yākinī – ein aus der Haṭha-Yoga- und Kuṇḍalinī-Literatur bekanntes Set, wo sie üblicherweise die Cakras bewohnen) zugeordnet, mit der wörtlichen Aufforderung, das jeweilige Gewebe der Feinde zu "trinken", "verzehren" oder "verschlingen". Dies ist erkennbar feindzerstörerische (abhicāra-)Magie in expliziter körperlich-kannibalistischer Bildsprache – eine dokumentierte, auch in anderen Tantras belegte Symbolik, hier gemäß der Projektmethodik ohne Beschönigung übersetzt.
Danach, zu beiden Seiten des Sechsecks, Krodhinī und Stambhinī, die Fächerträgerinnen; ebendort: "Verehrung der mit der Keulen-Waffe Lähmenden, der mit der Pflug-Waffe Anziehenden" – außerhalb des Sechsecks, vor der Göttin: "Kṣrauṃ Krauṃ, Verehrung dem Caṇḍoccaṇḍa" – so deren Verehrung. Im Achtblatt (verehre man) die fünf: Vārtālī, Vārāhī, Varāhamukhī, Andhinī usw.; außerhalb davon: "Verehrung dem großen Büffel, dem Reittier der Göttin."
(1) Im Hundertspeichen-(Rad), vor der Göttin, an den Blattverbindungen der Jambhinī: "Verehrung dem Indra, den Apsaras, den Siddhas, den zwölf Ādityas, dem Agni, den Sādhyas, den Viśvedevas, den Göttern, dem Viśvakarman, dem Yama, den Müttern, den Rudra-Dienern, den Rudras, der Mohinī, der Nirṛti, den Rākṣasas, den Mitras, den Gandharvas, den Bhūta-Scharen, dem Varuṇa, den Vasus, den Vidyādharas, den Kinnaras, dem Vāyu, der Stambhinī, dem Citraratha, dem Tumburu, dem Nārada, den Yakṣas, dem Soma, dem Kubera, den Göttern, dem Viṣṇu, dem Īśāna, dem Brahmā, den beiden Aśvins, dem Dhanvantari, den Vināyakas" – so den Gottheitenkreis verehrend; (2) außerhalb davon: "Auṃ Kṣauṃ, Verehrung dem Kṣetrapāla" – "Verehrung dem besten Löwen, dem Reittier der Göttin" – dies beides verehre man; außerhalb davon: "Verehrung dem großen Schwarzen, dem Tierkönig, dem Reittier der Göttin" – dessen Verehrung. (1) Im Tausendspeichen-(Rad), achtfach geteilt: "Verehrung dem Airāvata, Puṇḍarīka, Vāmana, Kumuda, Añjana, Puṣpadanta, Sārvabhauma, Supratīka" – so deren Verehrung, außerhalb, oder am Nektarozean; (2) an den acht äußeren Wall-Richtungen, unten und oben, sind die mit "Hetuka" usw. beginnenden, mit den Worten "Bhairava" und "Kṣetrapāla" verbundenen (Gottheiten), je mit "Kṣauṃ" usw. zu verehren; dies die zehn Bhairavas: Hetuka, Tripurântaka, Agni, Yamajihva, Ekapāda, Kāla, Karāla, Bhīmarūpa, Hāṭakeśa (und) Acala.
[Anm.: Der umfangreiche vedische Götterkatalog des Hundertspeichen-Rades (S.31) integriert nahezu das gesamte vedische Pantheon (Ādityas, Vasus, Rudras, Aśvins usw.) in das tantrische Śrīvidyā-System – ein weiteres Beispiel der vedisch-tantrischen Synthese, wie sie bereits in Khaṇḍa 3 mit den wörtlichen Ṛgveda-Zitaten begegnete.
So die sechs Umhüllungen (āvaraṇa) verehrt habend, wiederum die Göttin dreifach mit Wassergüssen und allen Ehrengaben verehrend; vor sich, zur linken Seite, eine Handbreite mit Wasser bestrichen, aus blutrotem Reis, Kurkuma-Reis, Büffelfleisch, Grütze, Zucker, den drei Auslöser-Früchten, Honig, den drei Mungbohnen, Bohnenmehl, Dickmilch, Milch und Ghee reinen gekochten Reis vermengend, zehn Klumpen von der Größe eines Fußwaffen-Eis formend, dort niederlegend, dazu einen Klumpen von der Größe einer Kapittha-Frucht und daneben einen Becher mit erstem, zweitem (und) mittlerem Anteil hinstellend, die zehn Klumpen den Gottheiten Hetuka usw., den mittleren Klumpen und Becher dem Caṇḍoccaṇḍa mit den jeweiligen Mantras darbringend, die Schar (der Gottheiten) verehrend; nach Vermögen den heiligen Guru erfreuend,
[Anm.: Dieser Speiseopfer-Abschnitt (rohes Büffelfleisch, blutgefärbter Reis) an die zornigen Wächtergottheiten ist typisch für die "wilden" Ausgestaltungen tantrischer Verehrung und wird ohne Euphemismus wiedergegeben.
Drei in voller Jugendblüte stehende, mit (günstigen) Kennzeichen versehene, vor Liebesverlangen berauschte Kräfte (śakti, d.h. junge Frauen als rituelle Partnerinnen) herbeirufend, dazu einen jungen Baṭuka, (sie alle) verehrend, badend, mit Duftstoffen usw. schmückend – die eine Kraft in der Mitte als Vārtālī gedacht, die beiden anderen zu den Seiten als Krodhinī und Stambhinī gedacht, den Baṭuka vorn als Caṇḍoccaṇḍa aufgestellt, mit allen Gaben erfreuend, spreche man zu ihnen: "Möge mir die Vollendung des heiligen Vārtālī-Mantras zuteilwerden" – und sie mögen erwidern: "Es mögen die (in euch weilenden) Übergottheiten gnädig sein."
[Anm.: Dies ist ein zentraler, unverhüllt wiederzugebender Beleg für rituelle Kaula-Praxis mit lebenden Frauen als Verkörperung der Göttinnen (śakti-pūjā mit menschlichen Trägerinnen) – ein Kernelement vāmācāra-tantrischer Rituale, das die Quelle explizit beschreibt und das hier gemäß der Projektmethodik ohne Beschönigung übersetzt wird.
So die großzügige, ebergesichtige (Göttin) samt Gefolge erfreuend, nach hunderttausendfacher Vor-Rezitation (puraścaraṇa) davon ein Zehntel mit Tāpiccha-Blüten opfernd, vollende man das Mantra. Und danach, die verehrte Göttin in sich selbst vereinigend, frei umherwandelnd, in der Befehlsgewalt (ājñā) vollendet, wandle man glücklich umher. So ist es heilig.