Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 23

Anuvāka 3 Das Antilopenfell (kṛṣṇājina) und das Weihegewand: Ṛc und Sāman im dunklen Fell, Ursprung der Metren, Hotṛ-Sprüche und Vaṣaṭkāra, das Fell mit Haaren nach innen oder außen.

yajño vai devebhyo 'pākrāmat kṛṣṇo bhūtvā

Das Opfer entwich den Göttern, indem es schwarz (dunkel) wurde.

tasmāt punar upāvartamānād ṛksāme apākrāmatām

Als es von ihm wieder zurückkehrte, entwichen Ṛc und Sāman [?].

te kṛṣṇaṃ prāviśatāṃ yajñaṃ manyāmāne

Beide drangen in das Dunkle ein, da sie es für das Opfer hielten:

śuklam̐ sāma kṛṣṇam ṛg

hell (weiß) ist das Sāman, dunkel der Vers.

yat kṛṣṇājinena dīkṣate

Daß er sich mit dem Antilopenfell weihen läßt,

ṛksāme evālabhate

damit ergreift er Ṛc und Sāman.

ahorātre vai mithunam̐ samabhavatām

Tag und Nacht bildeten ein Paar;

tayor ojo vīryam apākrāmat

ihre Kraft und Manneskraft entwich;

tat kṛṣṇaṃ prāviśat

das drang in das Dunkle ein.

yat kṛṣṇājinena dīkṣate

Daß er sich mit dem Antilopenfell weihen läßt,

ahorātrayor evaujo vīryam ālabhate

damit ergreift er die Kraft und Manneskraft von Tag und Nacht.

dyāvāpṛthivī vai mithunam̐ samabhavatām

Himmel und Erde bildeten ein Paar;

tayos tejo yajñiyam apākrāmat

ihr opfertauglicher Glanz entwich;

tat kṛṣṇaṃ prāviśat

das drang in das Dunkle ein.

yat kṛṣṇājinena dīkṣate

Daß er sich mit dem Antilopenfell weihen läßt,

dyāvāpṛthivyor eva tejo yajñiyam ālabhate

damit ergreift er den opfertauglichen Glanz von Himmel und Erde.

ṛksāmayoś śilpe stha iti

„Ihr seid die beiden Kunstwerke [?] von Ṛc und Sāman“ (sagt er);

ṛksāme evālabhate

Ṛc und Sāman ergreift er eben.

yathā nāvau tariṣyam̐s te enam̐ saṃpārayatas

Wie einer, der in einem Boot überfahren will, so bringen ihn diese beiden hinüber.

odṛcaś śarmāsi śarma me yaccheti

„Du bist Schutz (śarman) des Emporgesangs [?]; gewähre mir Schutz“ –

devatāś ca vā eṣa yajñaṃ cābhyārohati

die Gottheiten und das Opfer besteigt dieser,

yat kṛṣṇājinam ārohati

wenn er das Antilopenfell besteigt.

yadā vai śreyān kāmayate 'tha pāpīyām̐saṃ pratinudate

Wenn einer Besserer (Höherer) wünscht, dann stößt er den Schlechteren zurück [?];

devatābhyaś caiva yajñāya ca namaskaroti

den Gottheiten und dem Opfer erweist er Verehrung,

apratinodāya

damit er nicht zurückgestoßen werde.

āśumavanti vā anyāni cchandām̐sy āsann anāśum avanty anyāni

Einige Metren waren schnell (āśumat), andere nicht schnell.

yāny āśumavanty āsam̐s tāni pradhakṣyāmaha iti bhīṣā kṛṣṇaṃ prāviśan

„Die schnellen, die es gab, die wollen wir verbrennen“, (dachten die anderen); aus Furcht drangen sie in das Dunkle ein.

tānīmāni yajñaṃ vahanti

Diese sind es, die jetzt das Opfer tragen.

yāny anāśumavanty āsam̐s tān imān vakṣyāmaha iti bhīṣā kṛṣṇaṃ prāviśan

„Die nicht schnellen, die es gab, diese wollen wir tragen [?]“, (dachten die anderen); aus Furcht drangen sie in das Dunkle ein.

yāny ayajñavāhāni tāni svārājyam agacchan

Die, welche das Opfer nicht trugen, gelangten zur Selbstherrschaft (svārājya).

svārājyaṃ gacchati ya evaṃ veda

Zur Selbstherrschaft gelangt, wer dies weiß.

yat kṛṣṇājinena dīkṣate

Daß er sich mit dem Antilopenfell weihen läßt,

āśumavanti caivānāśumavanti cobhayāni cchandām̐sy avarunddhe ‖

damit gewinnt er die schnellen und die nicht schnellen, beide Arten von Metren.

hotrā vai devebhyo 'pākrāman

Die Hotṛ-Sprüche (hotrā) entwichen den Göttern.

tad vaṣaṭkāro 'pyacarat kṛṣṇo bhūtvā

Dorthin ging auch der Vaṣaṭ-Ruf, indem er dunkel wurde [?].

askannaṃ vai vaṣaṭkārād dhavis

Unverspritzt ist durch den Vaṣaṭ-Ruf die Opfergabe.

tasmāt kṛṣṇājine haviṣ pim̐ṣanti

Darum zerreibt man die Opfergaben auf dem Antilopenfell.

havir vai dīkṣitas

Eine Opfergabe ist der Geweihte;

tasmāt kṛṣṇājinam adhyāste

darum sitzt er auf dem Antilopenfell.

haviṣo 'skandāya

damit die Opfergabe nicht verspritzt.

bahiṣṭād vai paśūnāṃ yajñas ca devatāś cāntarān medas

Von außen stehen (dem Menschen) das Opfer und die Götter zu den Tieren [?], innen ist das Fett (Opferrein) [?].

yad bahirlomaṃ kṛṣṇājinaṃ kuryād antarhito yajamāno yajñāc ca devatābhyaś ca syāt

Machte man das Antilopenfell mit den Haaren nach außen, so wäre der Opferherr vom Opfer und von den Göttern abgeschnitten [?].

yad antarlomam antarhito yajño devatābhyas

Mit den Haaren nach innen: abgeschnitten wäre das Opfer von den Göttern [?].

dve samasyed antarmām̐se bahirlomnī

Zwei (Felle) soll er zusammennähen, mit den Fleischseiten innen und den Haarseiten außen;

yady ekam̐ syāt pādaṃ pratiṣīvyet

wenn es nur eines ist, soll er ein Bein (Zipfel) zurücknähen [?].

anantarhito yajamāno yajñāc ca devatābhyaś ca bhavaty anantarhito yajño devatābhyas

So ist der Opferherr nicht abgeschnitten vom Opfer und von den Göttern, nicht abgeschnitten das Opfer von den Göttern.

viṣṇoś śarmāsi śarma yajamānasyeti

„Du bist Viṣṇus Schutz, Schutz des Opferherrn“ –

viṣṇur vai yajño vaiṣṇavo yajamānas

Viṣṇu ist das Opfer, Viṣṇus (Anhänger) der Opferherr;

viṣṇunaiva yajñenātmānam ubhayatas sayujaṃ kurute

mit Viṣṇu, dem Opfer, macht er sich selbst von beiden Seiten verbunden [?].

yajño yad asṛjyata tasyolbam anvaveṣṭata

Als das Opfer erschaffen wurde, umhüllte ihn die Fruchtwasserhaut (ulba).

tad dīkṣitavasanam abhavat

Das wurde das Weihegewand.

yad dīkṣitavasanaṃ paridhatte

Daß er das Weihegewand anlegt,

svenaiva yoninātmānam orṇute

damit bedeckt er sich mit dem eigenen Mutterschoß.

tasmān mahat kāryam

Darum soll es groß gemacht werden.

evam iva hy ulbena garbha āvṛta iva cchanna iva

Denn so (groß) gleichsam ist der Embryo von der Fruchthaut umhüllt, gleichsam bedeckt.

na pratyakṣaṃ vadet

Er soll nicht offen (im Sichtbaren) sprechen [?],

vāco 'yātayāmatvāya ‖

damit die Rede nicht verbraucht (abgestanden) werde.