Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 23

Anuvāka 4 Der Gürtel (mekhalā) aus Śara-Gras und seine Dreifachheit; Ursprung von Opfer und Opferlohn, Indras Geburt; die Hornspitze (viṣāṇā) zum Kratzen; der Stab als Rest der Rede.

aṅgiraso vai svargaṃ lokaṃ yantas te mekhalās saṃnyakiran

Die Aṅgiras streuten auf dem Weg zur Himmelswelt ihre Gürtel zusammen (hin).

tataś śara udatiṣṭhat

Daraus erhob sich das Śara-Rohr.

yac charamayī mekhalā bhavati

Daß der Gürtel aus Śara-Rohr ist,

tām eva mekhalām ālabhate

damit ergreift er eben jenen Gürtel.

devā vai yatrorjaṃ vyabhajanta tataś śara udatiṣṭhat

Wo die Götter die Nahrungskraft (ūrj) verteilten, daraus erhob sich das Śara-Rohr.

yac charamayī mekhalā bhavati

Daß der Gürtel aus Śara-Rohr ist,

tām evorjam ālabhate

damit ergreift er eben jene Nahrungskraft.

ūrg vai mekhalā

Nahrungskraft ist der Gürtel.

madhyaṃ prati parivyayati

Er umwindet (sie) um die Mitte;

ūrjam eva madhyato dadhāti yajamāne ca prajāsu ca

die Nahrungskraft setzt er in die Mitte, in den Opferherrn und in die Nachkommenschaft.

tasmān madhyataḥ prajā ūrg ūrjayati

Darum kräftigt die Nahrungskraft die Geschöpfe von der Mitte her.

nābhiṃ prati parivyayati

Bis zum Nabel umwindet er (den Gürtel).

ūrdhvaṃ vai puruṣasya nābhyā medhyam avācīnam amedhyam

Oberhalb des Nabels ist am Menschen das Reine, unterhalb das Unreine;

medhyasya cāmedhyasya ca vyāvṛttyai

zur Scheidung des Reinen und Unreinen.

trivṛtā vai stomena prajāpatiḥ prajā asṛjata

Mit dem dreifachen Stoma erschuf Prajāpati die Geschöpfe.

tṛvṛd vajras

Dreifach ist der Donnerkeil (vajra);

vajram eva bhrātṛvyāya praharati

den Donnerkeil schleudert er eben auf den Rivalen.

indro vai vṛtrāya vajraṃ prāharat

Indra schleuderte auf Vṛtra den Donnerkeil.

tasya yat prāśīryata sa śaro 'bhavat

Was von ihm zerbrach, das wurde Śara-Rohr.

tac charasya śaratvam

Das ist das Śara-Sein des Śara.

vajro vai śaras

Ein Donnerkeil ist das Śara-Rohr.

yac charamayī mekhalā bhavati

Daß der Gürtel aus Śara ist,

vajram eva bhrātṛvyāya praharati

damit schleudert er den Donnerkeil auf den Rivalen.

yaṃ dviṣyāt taṃ parivyayan dhyāyet

Wen er haßt, an den soll er beim Umwinden denken;

vajreṇaivainam̐ samarpayati

mit dem Donnerkeil trifft er ihn eben.

mekhalā pum̐so bhavati yoktram̐ striyās

Der Gürtel ist des Mannes, das Zugseil (yoktra) der Frau [?].

mithunam eva yajñamukhe viparyūhete

das Paar stellen sie am Anfang des Opfers gegenübergestellt hin [?],

kṣud udaraṃ pāpmā bhrātṛvyas

Hunger, Leib, Unheil, Rivale.

yan mekhalāṃ parivyayate

Daß er den Gürtel umlegt,

vajreṇaiva pāpmānaṃ bhrātṛvyam apahate ‖

damit schlägt er mit dem Donnerkeil das Unheil, den Rivalen, weg.

yajño vai deveṣv āsīd dakṣiṇā pitṛṣu

Das Opfer war bei den Göttern, der Opferlohn (dakṣiṇā) bei den Vätern.

sa yajño dakṣiṇām abhyakāmayata

Dieses Opfer begehrte den Opferlohn.

deveṣu no bhāgadheyam iccheti

„Suche uns unter den Göttern einen Anteil (bhāgadheya)!“

tṛtīyasavanabhāgā asann iti

„Sie sollen das dritte Pressen (tṛtīyasavana) zum Anteil haben.“

tasmāt pitṛbhyas tṛtīyasavanaṃ kriyate

Darum wird den Vätern das dritte Pressen gemacht.

tam ahvayat tāṃ hūto 'dhāvat

Es rief sie; gerufen lief er zu ihr.

tasmāt pumān striyā hūto dhāvati

Darum läuft der Mann, von der Frau gerufen, hin.

tasmāc chrotriyas strīkāmatamas

Darum ist der Vedakundige (śrotriya) am meisten den Frauen zugeneigt.

sa hi yajñasya nediṣṭhī tām̐ samabhavat

Denn er, dem Opfer am nächsten (zunächst), vereinigte sich mit ihr.

yo vā ito janiṣyate sa evedaṃ bhaviṣyatīti

„Wer von hier geboren wird, der wird dies (alles) sein.“

taṃ yoniṃ prāviśat

In diesen Schoß drang er ein;

sa punaḥ pratyavaikṣata

Er blickte wieder zurück.

yo vā ito 'paro janiṣyate sa me sapatno bhaviṣyatīti

„Wer von hier als anderer geboren wird, der wird mein Nebenbuhler (sapatna) sein.“

tam anuhāya niveṣṭyācchinat

Ihm nachfolgend, ihn umhüllend, zerschnitt er ihn [?].

sā viṣāṇābhavat

Das wurde die Hornspitze (viṣāṇā).

yad viṣāṇā bhavati

Daß eine Hornspitze da ist,

yajñasyaiva reta indrasya yoniṃ dakṣiṇāyā yonim ālabhate

damit ergreift er des Opfers Same, Indras Schoß, den Schoß des Opferlohns.

pañcabhir hi sa tāṃ niveṣṭyācchinat

Denn mit fünf (Wicklungen) umhüllte er sie und zerschnitt sie.

indrasya yonir asīti

„Du bist Indras Schoß“ –

indrasya hy eṣā yoniḥ

denn dies ist Indras Schoß.

kṛṣyai tvā susasyāyā iti

„Für den Anbau, für gute Frucht dich“ –

tasmāt kṛṣṭaṃ pacyate

darum reift das Bestellte.

tasmād ūrdhvā oṣadhaya utpadyante

darum wachsen die Pflanzen aufwärts empor.

yajuṣā kaṇḍūyate

Mit einem Opferspruch kratzt er sich;

ayajuṣā hi manuṣyāḥ kaṇḍūyante

denn die Menschen kratzen sich ohne Opferspruch.

yad ayajuṣā kaṇḍūyeta varuṇavat kaṇḍūyetāpi garbhāḥ pāmanā jāyeran

Wenn er sich ohne Opferspruch kratzte, kratzte er sich varuṇahaft; auch würden Kinder mit Räude (Krätze) geboren.

vāg vai devān manuṣyān praviśanty ait

Die Rede ging in die Götter, dann in die Menschen ein [?].

tasyā yad atyaricyata tad vanaspatīn prāviśat

Was von ihr übrigblieb, das drang in die Bäume ein.

saiṣā vanaspatiṣu vāg vadati yā dundubhau yā nāḍyāṃ yā tūṇave

Diese Rede spricht in den Bäumen: die in der Pauke, die im Rohr (Flöte), die im Saiteninstrument [?].

vāca evātiriktam avarunddhe

damit gewinnt er den Überschuß der Rede.

taṃ maitrāvaruṇāya prayacchati

Diesen übergibt er dem Maitrāvaruṇa (Priester),

vācam evāsmai tat prayacchati

damit gibt er ihm eben die Rede.

tām̐ śaśvad ṛtvigbhyo vibhajati

Diese verteilt er immer wieder unter die Priester.

tasmād asya vāṅ nopadasyati

Darum geht seine Rede nicht zur Neige.

āsyadaghnaḥ kāryas

Er soll bis zum Mund reichend gemacht werden;

tāvatī hīyaṃ vāg vadati

denn soweit spricht diese Rede.

atho etāvati hi vācā vīryaṃ kriyate

Auch wird nur bis dahin durch die Rede Kraft (vīrya) gewirkt.

yo vṛkṣaḥ phalagrahis tasya kuryāt phalagrahir asānīti ‖

Von dem Baum, der Früchte trägt, soll er ihn machen: „Fruchttragend möge ich sein.“