Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 23

Anuvāka 5 Regeln für den Geweihten: Wiederholungsweihe, Gelübde (vrata), Schlafhaltung, Benetzen mit Wasser, Verhalten gegenüber Agni.

svāhā yajñaṃ manasa iti

„Svāhā! Das Opfer (sei) dem Sinn (übergeben)“ –

manasā vai yajña ālabhyate

durch den Sinn (manas) wird das Opfer ergriffen;

vātayonir yajñas

das Opfer hat den Wind zum Schoß.

divi yajño 'ntarikṣe pṛthivyām

Im Himmel ist das Opfer, im Luftraum, auf der Erde;

atrātra vai yajñas

hier und da eben ist das Opfer;

yatrayatraiva yajñas tata enaṃ manasālabhate

wo immer das Opfer ist, von da ergreift er es mit dem Sinn.

taṃ yatvāste

Ihn (den Opferspruch) sagt er und bleibt sitzen [?].

yajñam eva tad yatvāste

Das Opfer damit vollziehend bleibt er sitzen.

yad visṛjed yajñaṃ visṛjet

Wenn er (die Rede) freigäbe, gäbe er das Opfer frei (preis).

yadi visṛjet punar dīkṣayet

Falls er sie freigibt, soll man ihn erneut weihen.

yat punar dīkṣayed āhutīr atirecayet

Weiht man ihn erneut, soll man die Spenden überzählig machen [?].

gāyatrīṃ vaiṣṇavīm anubrūyāt

Er soll den Viṣṇu-Gāyatrī-Vers nachsprechen.

vācaiva yajñam̐ saṃtanoti

mit der Rede setzt er das Opfer fort.

bārhaspatyām uttarām anubrūyāt

Den folgenden, Bṛhaspati gehörenden Vers soll er nachsprechen.

brahma vai bṛhaspatis

Bṛhaspati ist das heilige Wort (brahman);

brahmaṇā yajñasyārtaṃ niṣkriyate

durch das Brahman wird des Opfers Schaden ausgeheilt.

brahamaṇaiva yajñasyārtaṃ niṣkaroti

Eben durch das Brahman heilt er des Opfers Schaden aus.

tvam agne vratapā asīty agnaye vratapataye 'nubrūyāt

„Du, Agni, bist Hüter des Gelübdes“ – (diesen Vers) soll er für Agni, den Herrn des Gelübdes, nachsprechen.

vratapatiṃ vā etasya vrataṃ gacchati yo dīkṣitas san na vrataṃ carati

Zum Herrn des Gelübdes geht das Gelübde dessen (zurück), der als Geweihter das Gelübde nicht einhält.

agnir devānāṃ vratapatis

Agni ist der Götter Herr des Gelübdes;

vratapater evādhi vratam ālabhate

vom Herrn des Gelübdes ergreift er das Gelübde.

adīkṣiṣṭāyam asā āmuṣyāyaṇa iti trir upām̐śv āha trir uccais

„Geweiht hat sich dieser N.N., der Sohn des N.N. (āmuṣyāyaṇa)“ – dreimal sagt er es leise, dreimal laut.

devebhyaś caiva manuṣyebhyaś ca yajñaṃ prāha

Damit verkündet er das Opfer den Göttern und den Menschen.

nakṣatraṃ dṛṣṭvā vācaṃ visṛjate

Nachdem er einen Stern gesehen hat, gibt er die Rede frei.

divā vai manuṣyā yajñena caranti naktaṃ devās

Bei Tag gehen die Menschen mit dem Opfer um, bei Nacht die Götter.

ahnaiva rātrīm abhisaṃtatya devebhyo yajñam̐ saṃprayacchati

Mit dem Tag die Nacht verbindend, übergibt er den Göttern das Opfer,

vrataṃ kṛṇuteti

„Vollzieht das Gelübde!“ –

yajñaṃ kurutety evaitad āha

„Vollzieht das Opfer!“ sagt er damit.

pāṅkty eṣā vyāhṛtiḥ

Fünfteilig ist diese Ausrufung;

vāca evaitat samyag udyate

so wird dies von der Rede richtig ausgesprochen.

nottāno dīkṣitaś śayīta

Der Geweihte soll nicht auf dem Rücken liegen.

yad uttānaś śayīta devalokam upāvarteta

Wenn er auf dem Rücken läge, käme er (sterbend) zur Götterwelt hinüber [?].

na nyaṅ śayīta

Er soll nicht auf dem Gesicht liegen.

yan nyaṅ śayīta pitṛlokam upāvarteta ‖

Wenn er auf dem Gesicht läge, käme er zur Väterwelt.

jano vā itaḥ pitaro dūre

Von hier sind die Menschen (nahe), die Väter fern;

tiryaṅṅ eva śayīta

Nur seitlich (quer) soll er liegen.

antarikṣadevatyo vai dīkṣitas

Der Luftraum ist die Gottheit des Geweihten;

svam eva lokam̐ svamāyatanam upāvṛtya śaye

zu seiner eigenen Welt, seinem eigenen Sitz kehre ich zurück und schlafe.

nāgneḥ parāṅ śayīta

Nicht von Agni abgewandt soll er schlafen.

devatābhya āvṛścyeta

er würde von den Gottheiten abgeschnitten.

agnim evābhyāvṛtya śayīta

Agni zugewandt soll er schlafen.

devatā evābhyāvṛtya śaye

den Gottheiten zugewandt schlafe ich eben.

daivīṃ dhiyaṃ manāmaha iti mārjayate

„Auf die göttliche Einsicht sinnen wir“ – (mit diesem Vers) reinigt (wäscht) er sich [?].

atho āpo me ned dīkṣām avamuṣṇān ity annaṃ vai manuṣyebhya udabībhatsata

Und (damit) die Wasser mir nicht die Weihe wegnehmen. Die Speise ekelte sich vor den Menschen [?].

tad devā ayiyam̐san

Da wollten die Götter sie (die Speise) [?] –

tā āpo 'bruvann upāvartasva vayaṃ ta etān svadayiṣyāma iti

die Wasser sagten: „Kehre zurück, wir wollen dir diese wohlschmeckend machen.“

yad dīkṣito mārjayate

Daß der Geweihte sich reinigt,

annādyasyāvaruddhyai ‖

(geschieht) zur Gewinnung der Speisenutzung (annādya).

tasmād brāhmaṇa āhārya āhṛte hastā avanejīta

Darum soll er, wenn ein Brahmane (Speise) bringt, nach dem Bringen die Hände waschen,

annādyasyāvaruddhyai

zur Gewinnung der Speisenutzung.

na vā etena hutaṃ vratayitavyaṃ nāhutaṃ yo dīkṣitas

Der Geweihte darf nicht Geopfertes noch Nichtgeopfertes als Gelübdespeise nehmen [?].

ye devā manujātā iti vratayati

„Ihr Götter, die aus dem Manas (Sinn) geboren“ – so hält er das Gelübde ein.

prāṇā vai devā manujātās

Die Lebenshauche sind die aus dem Manas geborenen Götter.

svāyām eva devatāyām̐ hutaṃ vratayati

In der eigenen Gottheit opfernd hält er das Gelübde ein.

tenāsya na hutaṃ bhavati nāhutam

Dadurch ist es ihm weder geopfert noch nicht geopfert.

agne tvam̐ su jāgṛhīti svapsyann agnim abhimantrayeta

„Agni, wache du gut!“ – beim Schlafengehen soll er Agni anrufen.

bahu vā eṣa supto vratyaṃ nigacchati

Viel Gelübdewidriges begeht dieser im Schlaf;

agnir devānāṃ vratapatir

Agni ist der Götter Herr des Gelübdes;

vratapataya eva vratam̐ saṃpradāya kāmam ṛdhate

dem Herrn des Gelübdes das Gelübde übergebend, erlangt er den Wunsch.

tvam agne vratapā asīti prabudhyāgnim abhimantrayeta

„Du, Agni, bist Hüter des Gelübdes“ – beim Erwachen soll er Agni anrufen.

vratapataye vā eṣa vratam̐ saṃprayacchati

Dem Herrn des Gelübdes übergibt er das Gelübde.

agnir devānāṃ vratapatis

Agni ist der Götter Herr des Gelübdes;

vratapater evādhi vratam ālabhate ‖

vom Herrn des Gelübdes ergreift er das Gelübde.