Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 23

Anuvāka 1 Salbung, Gewandanlegung, Augensalbe und Läuterung des Dīkṣita mit Darbha-Halmen.

havir vai dīkṣitas

Eine Opfergabe (havis) ist der Geweihte (dīkṣita);

na havir anabhighṛtaṃ medham aśnute

eine nicht mit Ghee begossene Opfergabe erlangt keine Opferreinheit (medha) [?] –

abhy evainaṃ ghārayati

damit begießt er ihn (mit Ghee).

ghṛtaṃ devānāṃ niṣpakvaṃ manuṣyāṇām āyutaṃ gandharvāṇām̐ svayaṃvilīnam ādityasya

Ghee ist der Götter (Speise), gar gekocht der Menschen, ‚vermischt‘ [?] der Gandharven, von selbst zerlaufen des Āditya.

naitad devatrā na manuṣyatrā yan navanītam

Frische Butter gehört weder unter die Götter noch unter die Menschen,

naiṣa devatrā na manuṣyatrā yo dīkṣitaḥ

(und) dieser, der Geweihte, weder unter die Götter noch unter die Menschen:

pracyuto 'smāl lokād aprāpto 'mum

er ist aus dieser Welt herausgefallen, hat jene noch nicht erreicht.

yan navanītenābhyaṅkte

Daß er mit frischer Butter gesalbt wird,

agnes tūṣaḥ pitṝṇāṃ nīvir oṣadhīnāṃ praghāto vāyor vātapā viśveṣāṃ devānām otavaś ca tantavaś ca nakṣatrāṇām atīrokās

(Das Gewand ist) Agnis Fransenrand [?], der Väter Gürtelfalte, der Pflanzen Schlag [?], Vāyus Windfang, der All-Götter Einschlag und Kettfäden, der Sterne Saum [?].

sarvadevatyaṃ vāsas sarvadevatyo dīkṣitas

Das Gewand gehört allen Gottheiten, dem alle Gottheiten gehört auch der Geweihte;

sarvābhir evainaṃ devatābhis samardhayati

mit allen Gottheiten stattet er ihn eben aus.

indraṃ vai vṛtraṃ jaghnivām̐saṃ rakṣām̐sy asacanta

Als Indra den Vṛtra erschlagen hatte, hefteten sich die Rakṣas (Unholde) an ihn.

tāny añjanagiriṇāntaradhatta

Diese schied er durch den Salbenberg [?] von sich ab.

rakṣām̐sy etam̐ sacante yo dīkṣate

Die Rakṣas heften sich an den, der die Weihe (dīkṣā) auf sich nimmt;

bhavati hi

denn er wird (zu etwas Besonderem) [?].

rakṣasām antarhityai

(geschieht) zur Abwehr der Rakṣas.

indro vai vṛtram ahan

Indra erschlug den Vṛtra.

tat trikakubhaṃ prāviśat

dieses drang in den Trikakubh (den dreigipfligen Berg) ein.

tasyaiva cakṣuṣo 'varuddhyai

(geschieht) zur Wiedergewinnung eben dieses Auges.

dvir dakṣiṇam āṅkte sakṛt savyam

Zweimal salbt er das rechte (Auge), einmal das linke.

mukhata eva yajñam ālabhate

vom Mund (Anfang) her ergreift er das Opfer.

trir dakṣiṇam āṅkte dvis savyam

Dreimal salbt er das rechte, zweimal das linke.

pāṅkto yajñas

Fünffach (pāṅkta) ist das Opfer;

dakṣiṇaṃ pūrvam āṅkte

Das rechte salbt er zuerst;

savyam̐ hi pūrvaṃ manuṣyā āñjate

denn die Menschen salben zuerst das linke.

yajuṣāṅkte

Mit einem Opferspruch (yajus) salbt er;

ayajuṣā hi manuṣyā āñjate

denn die Menschen salben ohne Opferspruch.

parācīnam ānakti

Nach außen gerichtet streicht er die Salbe auf;

ācaparācam̐ hi manuṣyā āñjate

Denn die Menschen salben hin und her [?].

iṣīkayāṅkte

Mit einem Rohrstäbchen (iṣīkā) salbt er;

śalalyā hi manuṣyā āñjate

denn die Menschen salben mit einem Stachel (Stäbchen) [?].

satūlā bhavati

Es (das Stäbchen) ist mit Watte (tūla) versehen.

maitrī vai satūlā vāruṇī pariśīrṇā maitro dīkṣitas

Mit Watte versehen ist mitrahaft, ohne (abgefallene) Watte varuṇahaft [?]; mitrahaft ist der Geweihte.

ūnam iva vā etac chidram iva yac cakṣur

Mangelhaft gleichsam und wie ein Loch ist dieses, das Auge;

tāsāṃ yā yajñiyā medhyā āsan

Was von ihnen (den Wassern) opferwürdig und rein war,

yat tejas te darbhās

Was Glanz (tejas) (war), das sind die Darbha-Halme;

tasmāt te pavitram

darum sind sie Läuterungsmittel (pavitra);

tasmād darbhair apaḥ punanti

darum läutert man Wasser mit Darbha-Halmen.

yad darbhapiñjūlaiḥ pāvayati

Daß er mit Darbha-Büscheln läutert,

apām evainam oṣadhīnāṃ tejasā pāvayati

damit läutert er ihn mit dem Glanz der Wasser und Pflanzen.

dve satyaṃ cānṛtaṃ ca

zwei sind Wahrheit und Unwahrheit;

satyenaivāsyānṛtaṃ pāvayati

durch die Wahrheit läutert er sein Unwahres.

dvau prāṇaś cāpānaś ca

Zwei sind auch Einatem (prāṇa) und Ausatem (apāna).

triṣatyā hi devās

denn dreifach wahr sind die Götter;

atho trayo hi prāṇāḥ prāṇo vyāno 'pānas

und drei sind die Lebenshauche: prāṇa, vyāna, apāna.

tān eva yajamāne dadhāti

Diese legt er eben in den Opferherrn.

yāvān evāsyātmā taṃ pāvayati

sein ganzes Selbst läutert er.

cchandobhir evainaṃ pāvayati

mit den Metren läutert er ihn.

nava prāṇāḥ

neun sind die Lebenshauche (Öffnungen);

prāṇair evainaṃ pāvayati

mit den Lebenshauchen läutert er ihn.

ekavim̐śatyā pāvayati

Mit einundzwanzig läutert er;

ekavim̐śo vai puruṣo daśa hastyā aṅgulayo daśa padyā ātmaikavim̐śas

einundzwanzigfach ist der Mensch: zehn Finger der Hände, zehn Zehen der Füße, das Selbst ist der einundzwanzigste;

yāvān evāsyātmā taṃ pāvayati

sein ganzes Selbst läutert er.

citpatis tvā punātv iti

„Der Herr des Denkens (citpati) soll dich läutern“ (sagt er);

brahma vai citpatis

das heilige Wort (Brahman) ist der Herr des Denkens;

brahmaṇaivainaṃ pāvayati

durch das Brahman läutert er ihn.

vākpatis tvā punātv iti

„Der Herr der Rede (vākpati) soll dich läutern“ –

devas tvā savitā punātv iti

„Der Gott Savitṛ soll dich läutern“ –

savitṛprasūta evainaṃ devatābhiḥ pāvayati

auf Savitṛs Antrieb läutert er ihn mit den Gottheiten.

acchidreṇa pavitreṇeti

„Mit einem lückenlosen Läuterungsmittel“ –

acchambaṭkāram evainaṃ pāvayati

ohne Zischlaut (chambaṭkāra) [?], ohne Fehler läutert er ihn.

sūryasya raśmibhir iti

„Mit den Strahlen der Sonne“ –

ādityasyaivainaṃ tanvā pāvayati

mit dem Leib Ādityas läutert er ihn.

tasya te pavitraprate pavitreṇeti

„Von dir, o Herr des Läuterungsmittels, mit dem Läuterungsmittel“ –

yajño vai pavitrapatis

das Opfer ist der Herr des Läuterungsmittels;

yajñāyaivaitat punīte

für das Opfer läutert er dies.

yasmai kaṃ pune tac chakeyam iti

„Wofür ich läutere, das möge ich vermögen“ –

yajñam̐ śakeyam ity evaitad āha

„das Opfer möge ich vermögen“, sagt er damit.

anvañcaṃ pāvayati

Der Richtung nach (entlang) läutert er,

anvaṅ vai puruṣaṃ prāṇas

denn dem Menschen folgt (entlang) der Lebenshauch.

yadā vai prāṇas tiryaṅ bhavaty atha pramīyate

Wenn der Lebenshauch quer geht, dann stirbt man.

yat tiryañcaṃ pāvayet tiryañcam asya prāṇaṃ kuryāt pramīyeta

Wenn er quer läutern würde, würde er seinen Lebenshauch quer machen, und er müßte sterben.

anvātmam evāsya prāṇaṃ karoti

Dem Selbst entlang macht er ihm den Lebenshauch.

bahiṣ pāvayati

Nach außen (draußen) läutert er;

manuṣyaloka evainaṃ pāvayitvā pūtaṃ devalokaṃ praṇayati ‖

in der Menschenwelt ihn läuternd, führt er ihn geläutert in die Götterwelt.