Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 26

Anuvāka 10 Der Upāṃśu-Graha: wie die Götter durch ihn das Opfer abschlossen, die Zahl der Pressungen und der Lebenshauch als Seiher.

devāś ca vā asurāś ca samāvad eva yajñe 'kurvata

Götter und Asuras taten im Opfer wahrlich ganz dasselbe.

yad eva devā akurvata tad asurā akurvata

Was immer die Götter taten, das taten die Asuras.

tato devā etam upām̐śum apaśyan

Daraufhin sahen die Götter diesen Upāṃśu [Anm.: der „leise“ Schöpfbecher (graha), dessen Formeln flüsternd gesprochen werden].

ta etasmin yajñam̐ sam̐sthāpyam apaśyan

Sie sahen in ihm, dass das Opfer [dort] abzuschließen sei.

tasminn eva yajñam̐ samasthāpayan

In ihm eben schlossen sie das Opfer ab.

aṣṭau kṛtvo 'bhyaṣuṇvan

Achtmal pressten sie [den Soma] zu,

gāyatrīṃ tac chanda āpnuvan

damit erlangten sie das Versmaß Gāyatrī;

trir vyagṛhṇan

dreimal teilten sie [den Soma] auseinander,

savanāny eva tad āpnuvan

damit erlangten sie die Pressungen (savana).

te devā yāvān eva yajñas taṃ parigṛhyopodatiṣṭhan hotum

Die Götter erhoben sich, das Opfer, so groß es war, ganz umfassend, um zu opfern.

te 'surā apaśyañ juhvati vai devā iti

Die Asuras sahen: „Die Götter opfern!“

tān vajram udyatyābhyapatan

Den Donnerkeil erhebend, fielen sie sie an.

tān devā antaryāmenāntaradadhataibhyo lokebhyas

Diese [die Asuras] trennten die Götter durch den Antaryāma [Anm.: ein weiterer Schöpfbecher] von diesen Welten ab.

tato devā abhavan parāsurā abhavan

Daraufhin siegten die Götter, die Asuras unterlagen.

yasyaivaṃ viduṣa upām̐śuṃ juhvati yaś caivaṃ vidvāñ juhoty ebhya eva lokebhyo bhrātṛvyam antardhatte bhavaty ātmanā parāsya bhrātṛvyo bhavati

Für den, der dies weiß, für den man den Upāṃśu opfert, und wer dies wissend opfert, der trennt den Nebenbuhler von diesen Welten ab; er selbst gedeiht, sein Nebenbuhler unterliegt.

atha ha smāhāruṇa aupaveśiḥ

Nun sagte Āruṇa Aupaveśi:

kim u sa yajeta ya upām̐śau yajñaṃ sam̐sthāpyaṃ na vidyād iti

„Wie soll der opfern, der nicht weiß, dass das Opfer im Upāṃśu abzuschließen ist?“

aṣṭau kṛtvo 'bhiṣuṇoti

Achtmal presst er zu,

gāyatrīṃ tac chanda āpnoti

damit erlangt er das Versmaß Gāyatrī;

savanāny eva tad āpnoti

damit erlangt er die Pressungen.

upām̐śā evaitad yajñam̐ saṃsthāpya tena sam̐sthitenāriṣṭenāghātyena pracarati

Im Upāṃśu eben schließt er dieses Opfer ab und vollzieht dann mit dem so abgeschlossenen, unversehrten, unschlagbaren [Opfer] die [weiteren] Handlungen [?].

aṣṭāaṣṭā abhiṣuṇuyād brahmavarcasakāmasya

Je achtmal soll er zupressen für den, der Glanz des heiligen Wortes wünscht.

aṣṭākṣarā gāyatrī

Acht Silben hat die Gāyatrī.

gāyatrīm eva yajñamukhe 'dhi viyātayati

Die Gāyatrī ordnet er am Antlitz des Opfers an.

gāyatryām evaitat tejasi sve yonau svarge loke yajñamukhaṃ tāyate

In der Gāyatrī, im Glanz, im eigenen Schoß, in der Himmelswelt, wird so das Antlitz des Opfers ausgespannt.

mukhyo bhavati ya evaṃ veda

Zum Ersten [Vordersten] wird, wer dies weiß.

nopayāmagṛhīto 'sīti brūyāt

Er soll nicht sprechen: „Du bist mit dem Upayāma [Anm.: Upayāma-Formel: ‚Du bist gefasst mit einer Stütze‘] gefasst.“

iyaṃ vā upayāmas

Der Upayāma ist wahrlich diese [Erde] [?].

anayā prāṇān apihanyāt

Mit ihr würde er die Lebenshauche verschließen [apihanyāt: verstopfen [?]].

na pavitraṃ vitanvanti

Man spannt keinen Seiher (pavitra) aus.

antarikṣeṇa prāṇān parigṛhṇīyāt pramīyeta

Würde er mit dem Luftraum die Lebenshauche umfassen, würde er sterben.

ayaṃ vāva yaḥ pavate sa prāṇas

Dieser, der weht (pavate), ist eben der Lebenshauch.

tasyedam apagrāhaṃ prāṇimas

Von diesem her atmen wir [prāṇimas] ohne Zugriff [apagrāha] [?].

yan nopayāmagṛhīto 'sīty āha na pavitraṃ vitanvanti

Dass er „nicht bist du mit dem Upayāma gefasst“ sagt, [dadurch] spannen sie keinen Seiher aus.

tasmād ayam aparigṛhītaḥ kāmam itthaṃ cetthaṃ ca pavate

Daher weht dieser ungefasst nach Belieben, so und so.

tasmāt kāmaṃ prāṇimaḥ

Daher atmen wir nach Belieben.

prāṇapavitro vā upām̐śuḥ

Der Upāṃśu hat wahrlich den Lebenshauch als Seiher.

prāṇair evainaṃ pāvayati

Mit den Lebenshauchen läutert er ihn eben.

ṣaḍ am̐śūn parigṛhṇāti

Sechs Soma-Halme (aṃśu) nimmt er zusammen.

tasmāt ṣaṭ prāṇā dvandvaṃ pāvayati

Daher läutert er die sechs Lebenshauche paarweise [?].

tasmāt prāṇā dvandvam

Daher sind die Lebenshauche paarweise.

upām̐śusavanād upām̐śuṃ nigṛhṇāti

Vom Upāṃśu-Presstein her hält er den Upāṃśu fest.

prāṇo vā upām̐śusavanaḥ

Der Lebenshauch ist wahrlich der Upāṃśu-Presstein.

prāṇa upām̐śuḥ

Der Lebenshauch ist der Upāṃśu.

prāṇād eva prāṇaṃ nigṛhṇāti

Vom Lebenshauch her hält er den Lebenshauch fest.

uttara upām̐śusavano bhavaty adhare 'm̐śavaḥ

Der obere ist der Upāṃśu-Presstein, unten sind die Halme.

prāṇo vā upām̐śusavanaḥ prajā am̐śavaḥ

Der Lebenshauch ist wahrlich der Upāṃśu-Presstein, die Geschöpfe sind die Halme.

prajāsv eva prāṇaṃ dadhāti

In die Geschöpfe legt er den Lebenshauch.

tasmāt prāṇa uttamaḥ ‖

Daher ist der Lebenshauch der oberste.