Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 26

Anuvāka 7 Über die Sādhyas und das Feuerreiben, das Tieropfer und seine Himmelsrichtungen, die Zurüstung des Opfertiers mit Zweig und Barhis sowie die Reibhölzer.

sādhyā vai nāma devā āsan pūrve devebhyas

Es gab Götter namens Sādhyas, früher als die (jetzigen) Götter.

teṣāṃ na kiṃcana svam āsīt

Sie hatten nichts Eigenes.

te 'gniṃ mathitvāgnau juhvata āsata

Sie saßen da, rieben Feuer und opferten ins Feuer.

tasmād bandhoḥ paśavo 'jāyanta

Daher wurde aus dem Bund (mit ihnen) Vieh geboren [?].

tasmād āgneyās sarve paśava ucyante

Daher heißt alles Vieh dem Agni zugehörig.

yad agniṃ mathitvā paśum ālabhate

Dass er, nachdem er Feuer gerieben hat, das Opfertier berührt [Anm.: ālabh, „(rituell) anfassen, zum Opfer ergreifen“],

prajātam evainam ālabhate

damit ergreift er es als ein (eben) geborenes.

atho yathāpūrvam eva karoti

Zudem tut er es ganz wie ehedem.

tad āhuḥ paśum ālabhyāgnir mathitavya iti

Dazu sagt man: „Nachdem man das Tier ergriffen hat, muss das Feuer gerieben werden.“

sarvā eva devatāḥ paśavas

alle Gottheiten sind das Vieh;

ālabdhāya janayati

für das ergriffene (Tier) erzeugt er (das Feuer).

paśunā sarvāṇi savanāni paśumanti vīryāvanti kartavyāni

Mit dem Tier sind alle Pressungen mit Vieh und Manneskraft zu versehen.

yad vapayā prātassavane caranti

Dass man bei der Morgenpressung mit dem Netzfett [Anm.: vapā, Bauchfell-Fett des Tieres] verfährt,

tena tat paśumad vīryāvat

dadurch ist sie mit Vieh und Manneskraft versehen;

yad dakṣiṇābhir madhyandine

dass man bei der Mittagspressung mit den Opferlohn-Gaben (verfährt),

tena tat paśumad vīryāvat

dadurch ist sie mit Vieh und Manneskraft versehen;

yad itareṇa paśunā tṛtīyasavane

dass man bei der dritten Pressung mit einem anderen Tier (verfährt),

tena tat paśumad vīryāvat

dadurch ist sie mit Vieh und Manneskraft versehen.

sarvāṇy asya savanāni paśumanti vīryāvanti bhavanti ya evaṃ veda ‖

Alle Pressungen dessen sind mit Vieh und Manneskraft versehen, der so weiß.

sarvābhyo vā eṣa digbhya ṛddhyā ālabhyate yat paśur

Das Tier wird nämlich zum Gedeihen aus allen Himmelsrichtungen ergriffen.

yat prāñcam āprīṇanti

Dass man es (das Tier) nach Osten mit Āprī-Versen [Anm.: Preisversen an die Götter] erfreut,

devalokaṃ tenābhijayati

damit besiegt er die Götterwelt.

yad udañcam āprītaṃ nayanti

Dass man das erfreute (Tier) nach Norden führt,

manuṣyalokaṃ tenābhijayati

damit besiegt er die Menschenwelt.

yad dakṣiṇataḥ parihṛtyāvadyanti

Dass man (es) auf der Südseite herumgetragen (in Stücken) abschneidet,

pitṛlokaṃ tenābhijayati

damit besiegt er die Väterwelt.

yat pratīcīnam̐ samavattam̐ haranti

Dass man das zusammengeschnittene (Fleisch) nach Westen trägt,

etāṃ tena diśam abhijayati

damit besiegt er diese (westliche) Himmelsrichtung.

yad ūrdhvas tiṣṭhañ juhoti

Dass er aufrecht stehend opfert,

svargaṃ tena lokam abhijayati

damit besiegt er die Himmelswelt.

paśunā vai devās svargaṃ lokam āyan

Mit dem Tier gelangten die Götter in die Himmelswelt.

te śarīram adhūnvata

Sie schüttelten den Leib ab [?].

yad vapayā prātassavane caranti

dass man bei der Morgenpressung mit dem Netzfett verfährt,

svargasya lokasya samaṣṭyai

(geschieht) zur Erlangung der Himmelswelt.

yad itareṇa paśunā tṛtīyasavane

Dass man bei der dritten Pressung mit einem anderen Tier (verfährt),

śarīrasya niṣkrītyai

(geschieht) zum Loskauf des Leibes.

yārdrā bahuparṇā tayopākuryāt

Mit dem (Zweig), der feucht und reich belaubt ist, soll er (das Tier) zurüsten [Anm.: upākaroti, „zum Opfer herrichten, heranführen“].

oṣadhayo vai vanaspatayaḥ paśava oṣadhayaḥ

Die Bäume sind nämlich Pflanzen, die Pflanzen sind Vieh;

paśubhir evainam̐ samardhayati

mit Vieh also lässt er ihn gedeihen.

yā śuṣkāparṇā tayopākuryād yaṃ dviṣyāt tasya

Mit dem (Zweig), der dürr und blattlos ist, soll er (es) zurüsten für den, den er hasst.

oṣadhayo vai vanaspatayaḥ

Die Bäume sind nämlich Pflanzen,

paśubhir evainaṃ vyardhayati ‖

um das Vieh also bringt er ihn.

ghoro vā anyo vajraś śivo 'nyas

Grauenvoll ist nämlich der eine Donnerkeil, freundlich der andere:

yaś śuṣkas sa ghoro ya ārdras sa śivas

der dürre ist der grauenvolle, der feuchte der freundliche;

ya eva śivas tenopākaroti

mit dem freundlichen also rüstet er zu.

barhiṣopākaroti

Mit dem Barhis (der Opferstreu) rüstet er zu.

paśubhir evāsmai paśūn upākaroti

mit Vieh also rüstet er ihm Vieh zu.

upa devān daivīr viśaḥ prāgur iti

„Zu den Göttern sind die göttlichen Stämme hingegangen.“

daivīr vā etā viśo yat paśavaḥ

Diese göttlichen Stämme sind nämlich das Vieh;

paśūn evāsmā upākaroti

das Vieh also rüstet er ihm zu.

ṛtvijo vai vahnaya uśijas

Die Fahrer, die Eifrigen sind nämlich die Priester;

ṛtvigbhya evainān upākaroti

für die Priester also rüstet er sie zu.

bṛhaspate dhārayā vasūnīti

„O Bṛhaspati, halte die Güter fest!“

brahma vai bṛhaspatir

Bṛhaspati ist nämlich das heilige Wort;

brahmaṇaḥ prajāḥ prajāyante

vom heiligen Wort werden die Geschöpfe gezeugt;

brahmaṇaivaināḥ prajanayati

mit dem heiligen Wort also zeugt er sie.

deva tvaṣṭar vasu raṇeti

„O Gott Tvaṣṭṛ, (schenke) Gut, erfreue [?]!“

tvaṣṭā vai rūpāṇāṃ vikartā

Tvaṣṭṛ ist nämlich der Gestalter der Formen;

so 'smai rūpāṇi vikaroti

der gestaltet ihm Formen.

brahma vai bṛhaspatiḥ paśavo ravatīs

Bṛhaspati ist das heilige Wort, das Vieh die Reichen [?];

brahmaṇaivāsmai paśūn yacchati

mit dem heiligen Wort also gibt er ihm das Vieh.

agner janitram asīti

„Du bist Agnis Zeugungsstätte.“

agner hy etaj janitram

Denn das ist Agnis Zeugungsstätte.

na hy amuṣkāḥ prajāḥ prajāyante

Denn Geschöpfe ohne Hoden werden nicht gezeugt;

urvaśy asy āyur asi purūravā asīti

„Urvaśī bist du, Āyu (Leben) bist du, Purūravas bist du.“

mātā vā urvaśy āyur garbhaḥ pitā purūravā reto ghṛtam

Urvaśī ist nämlich die Mutter, Āyu der Keim, Purūravas der Vater, der Same die Schmelzbutter;

yad ghṛtenāraṇī samanakti

dass er die beiden Reibhölzer mit Schmelzbutter salbt,

mithuna eva reto dadhāti

damit legt er in der Paarung den Samen nieder.

gāyatraṃ chando 'nuprajāyasva traiṣṭubhaṃ jāgatam iti

„Zeuge nach dem Gāyatra-Metrum, dem Triṣṭubh, dem Jagatī-Metrum hin.“

etāvanti vai chandām̐si

So viele Metren gibt es nämlich;

cchandobhī reto hitaṃ prajāyate

durch die Metren wird der eingelegte Same gezeugt.

chandobhir evāsmai reto hitaṃ prajanayati ‖

Durch die Metren also lässt er ihm den eingelegten Samen zeugen.

dakṣiṇā vartayati

Nach rechts (Süden) lässt er (es) rollen [?].

eṣā vā ādityasya prajaniṣṇus tanūs

Das ist nämlich der zeugungskräftige Leib des Āditya;

tām evānuprajāyate

dem folgend also wird man gezeugt.

agnī vā etarhi yajamānam abhisaṃdhattas

Die beiden Feuer(-Hölzer) verbinden jetzt nämlich den Opferherrn (mit dem Opfer).

samanasā evainau karoti

Einmütig also macht er die beiden.

mā him̐siṣṭaṃ yajñapatiṃ mā yajñaṃ jātavedasā iti

„Verletzt nicht den Opferherrn, nicht das Opfer, ihr beiden Jātavedas-Feuer!“

ātmano 'him̐sāyai

(so spricht er) zur Unverletztheit seiner selbst.

śivau bhavatam adya na iti

„Freundlich seid heute uns!“

śivā evainau kurute

Freundlich also macht er die beiden.

rakṣasāṃ vā ete 'navajayāya paridhīyante yat paridhayas

Die Umlegehölzer [Anm.: paridhi, Hölzer, die um das Feuer gelegt werden] werden nämlich umgelegt, damit die Rakṣas nicht besiegt werden [?].

yad uparyupari prahared rakṣobhyas tīrthaṃ kuryāt

Wenn er (die Gabe) immer weiter oben hineinwürfe, würde er den Rakṣas eine Furt schaffen.

saṃdhinā vā praharaty agreṇa vā

Er wirft sie an der Fuge oder an der Spitze hinein.

atīrthenaiva sruveṇa juhoti

Ohne Furt also opfert er mit dem Sruva-Löffel;

saṃjagmānābhyām evābhyāṃ bhāgadheyam apidadhāti ‖

den beiden, die zusammengekommen sind, legt er also den Anteil vor.