Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 26

Anuvāka 9 Die Wahl der Priester als Versmaße, die Āprī-Verse, Prayājas, Anuyājas und Upayajas, und die Erzählung von Śyāparṇa und Aṣāḍha Kaiśina über die beiden Götterscharen.

chandām̐si vā ṛtvijas

Die Priester sind wahrlich die Versmaße.

chandām̐sy eva tad vṛṇīte

Versmaße wählt er damit eben.

tair asya vṛtair yuktair vaṣaṭkārāḥ puro yujyante

Sind diese für ihn gewählt und angeschirrt, so werden die Vaṣaṭ-Rufe voran angeschirrt.

jagatīṃ tac chandasāṃ vṛṇīte

Die Jagatī unter den Versmaßen wählt er damit.

paṅktiṃ tac chandasāṃ vṛṇīte

Die Paṅkti unter den Versmaßen wählt er damit.

adhvaryū vṛṇīte

Die beiden Adhvaryu wählt er.

aticcchandasaṃ tac chandasāṃ vṛṇīte

Das Aticchandas [Übermaß-Versmaß] unter den Versmaßen wählt er damit.

antarā hotāraṃ cādhvaryū cāgnidhaṃ vṛṇīte

In der Mitte zwischen dem Hotṛ und den beiden Adhvaryu wählt er den Agnīdh.

tasmād agnir madhyata oṣadhīḥ praviṣṭas

Daher ist Agni in der Mitte in die Pflanzen eingegangen.

yad uttamas saṃyajati

Dass der Letzte das Saṃyaj [Anm.: die abschließenden Zusammenopfer-Formeln] spricht,

tasmād upariṣṭān mathyamāno jāyate

daher wird er [Agni], gerieben, von oben her geboren.

maitrāvaruṇaṃ vṛṇīte

Den Maitrāvaruṇa wählt er.

gāyatrīṃ tac chadasāṃ vṛṇīte

Die Gāyatrī unter den Versmaßen wählt er damit.

brāhmaṇāccham̐sinaṃ vṛṇīte

Den Brāhmaṇācchaṃsin wählt er.

triṣṭubhaṃ tac chandasāṃ vṛṇīte

Die Triṣṭubh unter den Versmaßen wählt er damit.

uṣṇihaṃ tac chandasāṃ vṛṇīte

Die Uṣṇih unter den Versmaßen wählt er damit.

neṣṭāraṃ vṛṇīte

Den Neṣṭṛ wählt er.

kakubhaṃ tac chandasāṃ vṛṇīte ‖

Die Kakubh unter den Versmaßen wählt er damit.

paścājam iva vā etac chando yad anuṣṭup

Nachgeboren gleichsam ist dieses Versmaß, die Anuṣṭubh.

paścājevaiṣā hotrā yad acchāvākyā

Nachgeboren gleichsam ist dieses Hotṛ-Amt, das des Acchāvāka [Anm.: der Acchāvāka ist der Helfer des Maitrāvaruṇa].

tasmād acchāvākam upaiva hvayante na vṛṇate

Daher ruft man den Acchāvāka nur hinzu und wählt ihn nicht.

prajāpatiḥ prajās sṛṣṭvā sa riricāna ivāmanyata

Prajāpati, nachdem er die Geschöpfe erschaffen hatte, hielt sich für gleichsam entleert.

tābhir ātmānam āprīṇīta

Mit ihnen erquickte er sich selbst.

yajñaḥ prajāpatir yajñātmā yajamānas

Das Opfer ist Prajāpati, der Opferherr hat das Opfer zum Selbst.

yad etāḥ pūrvārdhe yajñasya kriyante

Dass diese in der vorderen Hälfte des Opfers vollzogen werden,

mukhata eva yajamānam āprīṇāti

erquickt er den Opferherrn eben vom Mund her.

prayājān yajati

Er opfert die Prayājas [Anm.: die Vor-Opfer].

prāṇā vai prayājāḥ

Die Prayājas sind wahrlich die Lebenshauche.

prāṇān eva tat prayajati

Die Lebenshauche opfert er damit voran.

tat prayājānāṃ prayājatvam

Das ist das Prayāja-Wesen der Prayājas.

anavānam āprīṇīyād yaṃ kāmayeta sarvam āyur iyād iti

Ohne Atemholen soll er die Āprī-Verse sprechen [?] bei dem, von dem er wünscht: „Er soll sein ganzes Leben erreichen.“

prāṇā vai prayājās

Die Prayājas sind wahrlich die Lebenshauche.

avicchinnān evāsmin prāṇān pratidadhāti

Ununterbrochene Lebenshauche legt er in ihn hinein.

ātmā vai paśor vapātmā yajamānasyāprīs

Das Selbst des Tieres ist wahrlich die Vapā [Anm.: das Bauchnetz], das Selbst des Opferherrn die Āprī.

yad uttamāprīr vapāṃ pariśaye

Dass mit der letzten Āprī die Vapā ringsum ruht [?],

ātmaivātmānaṃ pariśaye

so ruht das Selbst eben beim Selbst [?],

yajñasya saṃtatyā avicchedāya

zum Zusammenhang und zur Ununterbrochenheit des Opfers.

ekādaśa prayājā ekādaśānuyājā ekādaśopayajas

Elf Prayājas, elf Anuyājas, elf Upayajas [Anm.: Nach- und Zusatzopfer].

etāvatīr vai devatās

So viele sind wahrlich die Gottheiten.

sarvadevatyaḥ paśus

Das Tier gehört allen Gottheiten.

sarvābhir evainaṃ devatābhis samardhayati

Mit allen Gottheiten lässt er ihn eben gedeihen.

trayastrim̐śad vai devatās somapās trayastriṃśad asomapās

Dreiunddreißig Gottheiten sind Soma-Trinker, dreiunddreißig sind es nicht.

aṣṭau vasava ekādaśa rudrā dvādaśādityā vaṣaṭkāraś ca prajāpatiś ca te somapāḥ

Acht Vasus, elf Rudras, zwölf Ādityas, der Vaṣaṭkāra und Prajāpati – diese sind die Soma-Trinker.

prayājā anuyājā upayajas te 'somapās

Die Prayājas, Anuyājas und Upayajas – sie sind die Nicht-Soma-Trinker.

tasmāt te bahiryajñaṃ kriyante

Daher werden sie außerhalb des [eigentlichen] Opfers vollzogen.

somena vai tad devān somapān prīṇāti

Mit Soma erfreut er damit die Soma trinkenden Götter,

paśunāsomapān

mit dem Opfertier die Nicht-Soma-Trinker.

te 'syobhaye prītā yajñe bhavanti

Diese beiden [Scharen] sind ihm im Opfer erfreut.

etad dha vā uvāca śyāparṇas sāyakāyano 'ṣāḍhaṃ kaiśinaṃ yatrainam adas somān nayati

Dies sagte Śyāparṇa Sāyakāyana zu Aṣāḍha Kaiśina, als dieser ihn dorthin zu den Soma[-Opfern] führte [?]:

yadi vai mā somān neṣyasy ubhayair mā devais saha neṣyasi somapaiś cāsomapaiś ca

„Wenn du mich zu den Soma[-Opfern] führen wirst, führst du mich mit beiden Götterscharen, den Soma trinkenden und den nicht Soma trinkenden.

videvas te yajño 'vahāsyate

Götterlos wird dein Opfer sonst verkümmern [avahāsyate: zurückbleiben, ausfallen [?]],

atho yadryañcaṃ mā neṣyanti tatas tvābhītya jyāsyanti iti

und wenn sie mich yadryañc [Lesung/Sinn unsicher [?]] führen werden, dann werden sie dich angreifen und überwältigen.“ – so.

te mīmām̐sitveto no bhayaṃ nāstīti dakṣiṇā pratyañcaṃ ninyus

Sie überlegten [und sagten:] „Von hier droht uns keine Gefahr“ und führten [ihn] nach rechts, [dem Westen] zugewandt [?].

tataḥ kuntayaḥ pañcālān abhītya jinanti

Daraufhin fielen die Kuntis über die Pañcālas her und überwältigten sie.

ya evaṃvidam̐ somān nayaty ubhayair enaṃ devais saha nayati somapaiś cāsomapaiś ca

Wer einen, der dies weiß, zu den Soma[-Opfern] führt, führt ihn mit beiden Götterscharen, den Soma trinkenden und den nicht Soma trinkenden.

videvo 'sya yajño 'vahīyate

Götterlos bleibt sein Opfer zurück [?] [Anm.: nach dem Zusammenhang wäre eine Verneinung zu erwarten; Text so überliefert].

atho yadryañcam enaṃ nayanti tata enam abhītya jinanti ‖

Und wenn sie ihn yadryañc führen [?], dann greifen sie ihn an und überwältigen ihn.