Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 26

Anuvāka 8 Regeln für die Anuvākyā-Verse bei der Feuererzeugung und die Vorbereitung des Opfertiers: Seil, Bindung, Besprengung, Āghāra und Zusammenfügen der Glieder.

sāvitrīm anvāha

Er spricht die an Savitṛ gerichtete [Anuvākyā] nach [Anm.: anvāha, anubrūyāt: die Einladungsverse (anuvākyā) werden dem Opferakt vorangehend rezitiert].

savitṛprasūta evainaṃ prajanayati

Von Savitṛ angetrieben zeugt er ihn (Agni).

ekadevatyām anvāha

Er spricht eine [Formel] mit einer einzigen Gottheit nach.

ekadhaivainaṃ prajanayati

Auf einfache Weise zeugt er ihn.

yad dvidevatyām anubrūyād bhrātṛvyam asmai dvitīyaṃ janayet

Wenn er eine [Formel] mit zwei Gottheiten nachspräche, würde er ihm einen zweiten Nebenbuhler erzeugen.

dyāvāpṛthivyām anvāha

Er spricht die an Himmel und Erde gerichtete nach,

prajānāṃ prajātānāṃ parigṛhītyai

zum Umfassen der [neu] geborenen Geschöpfe.

na dhūmavatīm anubrūyāt

Er soll nicht die rauchbehaftete nachsprechen.

indro vai yad vṛtram aham̐s tasya yatrayatra vyṛddham āsīt tato dhūma udāyata

Als Indra den Vṛtra erschlug, stieg von [allen Stellen] an ihm, wo immer etwas zerstört [vyṛddha: verfehlt, zugrunde gerichtet] war, Rauch auf.

vyṛddhād vā eṣa jātas

Aus dem Zerstörten ist dieser [Rauch] wahrlich entstanden.

vyardhukam asmai bhavati

Für ihn entsteht Unheil [vyardhuka: Verfehlung, Fehlschlag].

yadi mathyamāno na jāyeta rakṣoghnīm anubrūyāt

Wenn [Agni], gerieben, nicht geboren würde, soll er die rakṣas-tötende [Formel] nachsprechen,

anavānam anubrūyāt

Er soll [sie] ohne Atemholen [anavānam] nachsprechen [?],

avānaṃ vā anu yajñaṃ rakṣām̐si jighām̐santi

denn hinter dem Atemholen her [avāna] suchen die Rakṣas das Opfer zu erschlagen [?].

rakṣobhya evātīrthaṃ karoti

Den Rakṣas eben macht er es ohne Zugang [atīrtha: ohne Furt, unzugänglich].

gāyatrīṃ brāhmaṇasyānubrūyāt

Die Gāyatrī soll er für den Brāhmaṇa nachsprechen,

gāyatro hi brāhmaṇas

denn der Brāhmaṇa gehört zur Gāyatrī;

triṣṭubhaṃ rājanyasya

die Triṣṭubh für den Rājanya,

traiṣṭubho hi rājanyas

denn der Rājanya gehört zur Triṣṭubh;

jagatīṃ vaiśyasya

die Jagatī für den Vaiśya,

jāgato hi vaiśyas

denn der Vaiśya gehört zur Jagatī –

yathāchandasam eva ‖

genau nach dem jeweiligen Versmaß.

devasya tvā savituḥ prasava iti raśanām ādatte

„Auf Antrieb des Gottes Savitṛ [nehme ich] dich“ – mit diesen [Worten] nimmt er das Seil (raśanā) [Anm.: Seil zum Anbinden des Opfertiers] auf.

savitṛprasūta evaināṃ devatābhir ādatte

Von Savitṛ angetrieben nimmt er es mit den Gottheiten auf.

ṛtasya tvā devahaviḥ pāśena pratimuñcāmīti

„Mit der Fessel des ṛta [der Ordnung] lege ich dich an, du Opfergabe der Götter“ – so.

yo vai yajñiyo medhyas sa ṛtasya pāśas

Was opferwürdig und rein ist, das ist die Fessel des ṛta.

tenaivainam ālabhate

Mit dieser ergreift er ihn eben [ālabhate: berührt/ergreift das Tier zur Tötung].

yasyā eva devatāyā ālabhate tasyā eva juṣṭaṃ karoti

welcher Gottheit er es eben ergreift, dieser macht er es genehm.

dharṣā mānuṣam̐ iti

„Bezwinge die Menschen“ – so [heißt es].

vajro vai yūpaḥ paśavo mānuṣās

Der Opferpfosten (yūpa) ist wahrlich der Donnerkeil, die Tiere gehören den Menschen.

vajreṇaivāsmai paśūn yacchati

Mit dem Donnerkeil bietet er ihm die Tiere dar [?].

ṛkṣo vā eṣa taṣṭo 'medhyas

Rauh [ṛkṣa: Lesung unsicher] und zugehauen ist dieser wahrlich, unrein [amedhya: für das Opfer untauglich],

yat paśuṃ niyunakti

dadurch, dass er das Tier anbindet.

medhyam evainaṃ yajñiyaṃ karoti ‖

Rein und opferwürdig macht er ihn eben.

purastād vai paśavo medham upatiṣṭhante

Im Osten stehen die Tiere wahrlich zum Opferstück [medha] bereit [?].

devatā etasmin prāṇās

Die Gottheiten sind in diesem [Tier] die Lebenshauche.

yat purastāt pratyañcam āprīṇanti

Dass man vorn, [dem Tier] zugewandt, die Āprī-Verse spricht [āprīṇanti: besänftigt, erfreut; Anm.: die Āprī-Verse sind Anrufungen der Opferbestandteile],

devatānām evainam ardham āprīṇanti

damit erfreut man ihn eben als Hälfte der Gottheiten [?].

adbhyas tvauṣadhībhya iti

„Dich den Wassern, den Pflanzen [besprenge ich]“ – so.

adbhyo vā eṣa oṣadhibhya ālabhyate yat paśus

Aus den Wassern, den Pflanzen wird dieser ergriffen, nämlich das Tier.

adbhya evainam oṣadhibhyaḥ prokṣati

Aus den Wassern und Pflanzen eben besprengt er ihn.

anu tvā mātā manyatām anu piteti

„Es stimme dir zu die Mutter, es stimme zu der Vater“ – so.

pitā ca hy etasya mātā cānumantārau

Denn Vater und Mutter sind dessen Zustimmende.

āpo vai sarvā devatās

Die Wasser sind alle Gottheiten,

sarvadevatyaḥ paśus

das Tier gehört allen Gottheiten.

sarvābhir evainaṃ devatābhis samardhayati

Mit allen Gottheiten lässt er ihn eben gedeihen [samardhayati: gelingen lassen, ausstatten].

bahu vā eṣo 'medhyam ayajñiyaṃ nigacchati yat paśus

Viel Unreines, Opferunwürdiges gerät wahrlich an dieses, an das Tier.

āpo medhyā yajñiyās

Die Wasser sind rein, opferwürdig.

medhyam evainaṃ yajñiyaṃ karoti

macht er ihn rein und opferwürdig.

apāṃ perur asīty apa upagṛhṇāti

„Der Wasser peru [Lesung/Bedeutung unsicher: Labung?] bist du“ – so ergreift er Wasser [?].

yāny antarato 'vadānāni tāni tan medhyāni karoti

Was an inneren abgeschnittenen Stücken [avadāna] da sind, die macht er damit rein.

svāttam̐ havyaṃ devebhyo ghṛtavad ity uraḥ pratyupokṣati

„Wohlgeschmeckt [ist] die butterreiche Opfergabe für die Götter“ – so besprengt er die Brust dazu.

yāny adhastād avadānāni tāni tan medhyāni karoti

Was an unteren abgeschnittenen Stücken da sind, die macht er damit rein.

sarvata evainaṃ medhena samardhayati

Ringsum lässt er ihn eben mit Opferreinheit [medha] gedeihen.

śiro vā etad yajñasya yad āghāra ātmā paśus

Das Haupt des Opfers ist der Āghāra [Anm.: der Butterguss ums Feuer], der Leib das Tier.

yad āghāram āghārya paśum̐ samanakti

Dass er, nachdem er den Āghāra gegossen hat, das Tier salbt,

śira eva yajñasyātman pratidadhāti

setzt er dem Leib des Opfers das Haupt an.

saṃ te vāyuḥ prāṇena gacchatām iti

„Es vereine sich dein Wind mit dem Lebenshauch“ – so.

vāyum evāsya prāṇaṃ gamayati

Den Wind eben lässt er seinen Lebenshauch erreichen.

saṃ yajatrair aṅgānīti

„Es vereinen sich mit den Opferwürdigen deine Glieder“ – so.

devatā vai yajatrās

Die Yajatras sind wahrlich die Gottheiten.

devatā evāsyāṅgāni gamayati

Zu den Gottheiten lässt er seine Glieder gelangen.

saṃ yajñapatir āśiṣeti

„Es vereine sich der Opferherr mit dem Segenswunsch“ – so.

āśiṣaiva yajamānam̐ samardhayati ‖

Mit dem Segenswunsch eben lässt er den Opferherrn gedeihen.