Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 26

Anuvāka 2 Über die Upasad-Feiern, die Entlassungsverse (Vaisarjana) an den drei Feuern Gārhapatya, Āgnīdhra und Āhavanīya und die Einführung des Soma.

upasadbhir vai devā imāṃl lokān abhyajayan

Mit den Upasad-Feiern [Anm.: Zwischenriten des Somaopfers] besiegten die Götter diese Welten;

tān vaisarjanair abhivyasṛjanta yathā grāmas saṃgrāmād visṛjyate

sie entließen sie mit den Entlassungsversen, wie ein Dorfverband aus dem Kampf entlassen wird.

tad vaisarjanānāṃ vaisarjanatvam

Darin liegt das Wesen der Entlassungsverse.

prāñcam̐ somam ime praṇayanti

Diese (Priester) führen den Soma nach Osten vor;

prācīṃ patnīm udānayanti

die Gattin führen sie nach Osten herauf.

imān evaital lokān abhiprayanti

Diesen Welten also gehen sie entgegen.

agninā vai mukhena devā imāṃl lokān abhyajayan gārhapatyenemam āgnīdhreṇāntarikṣam āhavanīyenāmum

Mit Agni als Mund besiegten die Götter diese Welten: mit dem Gārhapatya diese (Erde), mit dem Āgnīdhra den Luftraum, mit dem Āhavanīya jene (Himmelswelt).

imaṃ tena lokam abhijayati

damit besiegt er diese Welt;

svargāya vā eṣa lokāya prahriyate

Dieser (Soma) wird nämlich zur Himmelswelt hingetragen.

dvābhyāṃ gārhapatye juhoti

Mit zwei (Versen) opfert er am Gārhapatya;

asyām evainam ākramayati

auf dieser (Erde) lässt er ihn also schreiten.

yad āgneyyāgnīdhre juhoti

Dass er mit dem an Agni gerichteten Vers am Āgnīdhra opfert,

antarikṣa evainam ākramayati

damit lässt er ihn im Luftraum schreiten.

yad viṣṇavyāhavanīye juhoti

Dass er mit dem an Viṣṇu gerichteten Vers am Āhavanīya opfert,

svargam evainaṃ lokaṃ gamayati

damit lässt er ihn in die Himmelswelt gehen,

svargo hi loka āhavanīyas

denn der Āhavanīya ist die Himmelswelt.

rakṣām̐si vā etam etarhi jighām̐santi pracyutam ito 'prāptam adas

Die Rakṣas wollen ihn jetzt nämlich töten, da er von hier abgegangen (und) jenes noch nicht erreicht hat.

tvam̐ someti saumyā gārhapatye juhoti

Mit dem Vers „Du, o Soma …“, dem Soma-Vers, opfert er am Gārhapatya.

saumīr imāḥ prajāḥ

Diese Geschöpfe gehören dem Soma.

prajābhya evainaṃ prāha

Für die Geschöpfe also spricht er ihn aus.

aptum evainaṃ kṛtvemām atinayati

Zum Aptṛ [?] macht er ihn und führt ihn über diese (Erde) hinaus.

yad āgneyyāgnīdhre juhoti

Dass er mit dem Agni-Vers am Āgnīdhra opfert,

agnim evainaṃ kṛtvāntarikṣam atinayati

damit macht er ihn zu Agni und führt ihn über den Luftraum hinaus.

yad vaiṣṇavyāhavanīye juhoti

Dass er mit dem Viṣṇu-Vers am Āhavanīya opfert,

svargam evainaṃ lokaṃ gamayati

damit lässt er ihn in die Himmelswelt gehen,

svargo hi loka āhavanīyas

denn der Āhavanīya ist die Himmelswelt.

sarvebhyo vā eṣa āhriyate manuṣyebhyaḥ pitṛbhyo devebhyas

Dieser (Soma) wird nämlich für alle herbeigetragen: für die Menschen, die Väter, die Götter.

tvam̐ someti saumyā gārhapatye juhoti

Mit dem Vers „Du, o Soma …“, dem Soma-Vers, opfert er am Gārhapatya.

saumīr imāḥ prajāḥ

Diese Geschöpfe gehören dem Soma.

prajābhya evainaṃ prāha

Für die Geschöpfe also spricht er ihn aus.

juṣāṇo aptur iti

„Erfreut, o Aptṛ [?] …“

pitṛbhya evainaṃ prāha

Für die Väter also spricht er ihn aus.

yad āgneyyāgnīdhre juhoti

Dass er mit dem Agni-Vers am Āgnīdhra opfert:

devatābhya evainaṃ prāha ‖

für die Gottheiten also spricht er ihn aus.

vaiṣṇavo vai somas

Der Soma gehört nämlich Viṣṇu.

taṃ devatayā vyardhayati yad anyāmanyāṃ devatāṃ karoti

Man würde ihn (den Soma) um seine Gottheit bringen, wenn man eine jeweils andere Gottheit ansetzt.

yad vaiṣṇavyāhavanīye juhoti

Dass er mit dem Viṣṇu-Vers am Āhavanīya opfert,

svayaivainaṃ devatayā samardhayati

damit lässt er ihn mit seiner eigenen Gottheit gedeihen.

sarvān vā etad varuṇo gṛhṇāti yad dīkṣite manuṣyān pitṝn devān

Varuṇa ergreift nämlich alle, wenn der Opferherr geweiht ist: die Menschen, die Väter, die Götter.

tvam̐ someti saumyā gārhapatye juhoti

Mit dem Vers „Du, o Soma …“, dem Soma-Vers, opfert er am Gārhapatya.

saumīr imāḥ prajāḥ

Diese Geschöpfe gehören dem Soma;

prajā eva varuṇapāśān muñcati

die Geschöpfe also löst er aus Varuṇas Fesseln.

juṣāṇo aptur iti

„Erfreut, o Aptṛ [?] …“

pitṝn eva varuṇapāśān muñcati

Die Väter also löst er aus Varuṇas Fesseln.

yad āgneyyāgnīdhre juhoti

Dass er mit dem Agni-Vers am Āgnīdhra opfert:

devatā eva varuṇapāśān muñcati

die Götter also löst er aus Varuṇas Fesseln.

so 'nṛṇa imāṃl lokān abhivisṛjamāna eti

Schuldenfrei geht er, diese Welten (nach und nach) entlassend, dahin.

tad vaisarjanānāṃ vaisarjanatvam ‖

Darin liegt das Wesen der Entlassungsverse.

tasmād āhur api vā etarhy āraṇyebhyaḥ paśubhyo visṛjata iti

Daher sagt man: „Auch jetzt gibt er (der Opferherr) sich von den wilden Tieren frei.“ [?]

āgnīdhre grāvavāyavyāni sādayati

Am Āgnīdhra stellt er die Pressstein-Gefäße und die Vāyu-Gefäße bereit.

prāñcam̐ somaṃ praṇayati

Er führt den Soma nach Osten vor.

etair vā etaṃ ghnanti

Mit diesen (Geräten) erschlägt man ihn (den Soma).

hantṛbhir evainaṃ vyāvartayati

Durch (diese) Erschläger also bringt er ihn (den Opferherrn) von (Unheil) ab [?].

na hantṝn pratipadyate ya evaṃ veda

Er gerät nicht an die Erschläger, der so weiß.

na purastāt pratipadyeta

Man soll nicht von vorn (von Osten) her eintreten.

rudro vā agniḥ paśavo 'm̐śavas

Agni ist nämlich Rudra, die Somastängel sind das Vieh;

rudrāya paśūn apidadhyād apaśus syāt

würde er dem Rudra das Vieh vorlegen, so würde er ohne Vieh sein.

paścāt prāñcaḥ prapadyante

Von hinten (Westen) treten sie nach Osten ein.

paścād iva prāṅ śriyam āpnoti

von hinten her, nach Osten hin, gewinnt er das Glück.

tasmāt paścāt prācīḥ prajāḥ kṣetrāṇy abhijayantīr yanti

Daher ziehen die Geschöpfe von hinten nach Osten, die Felder erobernd.

purastād gataśrīḥ prapadyeta

Wer sein Glück eingebüßt hat, soll von vorn eintreten;

purastād eva pratyaṅ śriyam āpnoti

von vorn also gewinnt er nach Westen hin das Glück,

imam eva lokam abhi pratitiṣṭhati

und er findet Halt gerade in dieser Welt.

paścāt somaṃ prapādayanti

Von hinten lassen sie den Soma eintreten,

purastād yajamānaḥ prapadyate

von vorn tritt der Opferherr ein;

ubhayata evāsmai śriyaṃ parigṛhṇāti

von beiden Seiten also fasst er für ihn das Glück ein.

urv antarikṣaṃ vīhīti

„Weit ist der Luftraum; komm heran!“

antarikṣadevatyo hy eṣa etarhi

Denn dieser (Soma) gehört jetzt dem Luftraum als Gottheit.

adityās tvag asy adityās sadane sīdeti

„Du bist die Haut der Aditi; setze dich auf Aditis Sitz.“

ādityo vai somaḥ pṛthivy aditiḥ

Der Soma ist nämlich Āditya, die Erde ist Aditi;

pṛthivyā anas saṃbhṛtam

von der Erde ist der Karren (mit dem Soma) herbeigebracht;

sva evainaṃ yonau dadhāti ‖

in den eigenen Mutterschoß also setzt er ihn.

deva savitar eṣa te soma iti

„O Gott Savitṛ, dies ist dein Soma.“

savitā vai devānām adhipatis

Savitṛ ist nämlich der Oberherr der Götter;

manuṣyā etam ataḥ prācīnaṃ gopāyanti

die Menschen hüten ihn (den Soma) von hier an nach Osten hin.

tasmā evainam̐ saṃprayacchati

Ihm also übergibt er ihn,

etat tvaṃ deva soma devān upāgā iti

„Du, Gott Soma, bist zu den Göttern gekommen.“

devo hy eṣa devān upaiti

Denn dieser Gott kommt zu den Göttern.

idam ahaṃ manuṣyān saha prajayā saha rāyaspoṣeṇeti

„Ich (komme) zu den Menschen, mitsamt Nachkommenschaft, mitsamt Wohlstand an Reichtum.“

sahaiva prajayā paśubhir imaṃ lokam upāvartate

Zusammen mit Nachkommenschaft und Vieh kehrt er in diese Welt zurück.

namo devebhyas svadhā pitṛbhya iti

„Verehrung den Göttern, Svadhā den Vätern.“

namo hi devānām̐ svadhā pitṝṇām

Denn Verehrung gebührt den Göttern, Svadhā den Vätern.

nir druho nir varuṇasya pāśān mukṣīyeti

„Möge ich von der Tücke, möge ich aus Varuṇas Fesseln frei werden.“

druha evainaṃ varuṇapāśān muñcati

Aus der Tücke also und aus Varuṇas Fesseln löst er ihn.

svar abhivyakhyam iti

„Das Licht [Anm.: svar, auch „Himmel“] möge ich erblicken.“

ime vai lokās svar

Diese Welten sind nämlich das Licht;

imān eva lokān abhivipaśyati

diese Welten also schaut er an.

agne vratapā iti

„O Agni, Hüter der Observanz …“

agninā vā eṣa tanvaṃ viparidhatte tānūnaptre

Mit Agni legt er nämlich den Leib um, im Tānūnaptra-Ritus [Anm.: Ritus der Leib-Bündnis-Beschwörung; Deutung unsicher];

sainam īśvarā him̐sitor

sie (die Gottheiten) wären imstande, ihn zu verletzen.

agninaivaitat tanvaṃ yathāyathaṃ kurute

Mit Agni also richtet er den Leib gehörig her.

etarhi vā eṣa devais tanvaṃ visṛjate

Jetzt gibt er nämlich den Göttern gegenüber den Leib frei [?].

tad vaisarjanānāṃ vaisarjanatvam

Darin liegt das Wesen der Entlassungsverse.

yātmanas tāṃ pūrvāṃ brūyāt

Was (der Vers) für sich selbst ist, den soll er zuerst sprechen.

yad itarasya pūrvāṃ brūyād īśvaro nikamas

Spräche er den für den anderen zuerst, so wäre (dieser) fähig, (ihm) nach Belieben (zu schaden) [?].

yaṃ dviṣyāt tasyottarāṃ brūyāt

Auf wen er Hass hat, für den soll er den zweiten (Vers) sprechen.

rudrāyaivainam apidadhāti tājak pradhanvati ‖

dem Rudra also legt er ihn vor; alsbald läuft (dieser) davon [?].