Quellen der Menschheit

Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 13: Śatapatha-Brāhmaṇa 14,3,1 (Kaṇḍikā 25-32, Abschluss) Besprengung mit Wasser, Freundschaftsstiftung am Cātvāla, Auszug ins Licht, der Dadhigharma-Trank und die Priestergabe für den Brahman

Abschluss von ŚB 14,3,1 (Kaṇḍikā 25-32, letzter Abschnitt dieses Kapitels). Behandelt: die dreifache Besprengung mit Wasser zur Befriedung/Abkühlung, das Vārṣāhara-Sāman, die Waschung und magische Freundschafts- bzw. Feindschaftsstiftung am Cātvāla-Grubenplatz mittels Wasser als Vajra, den symbolischen Auszug 'jenseits des Dunkels' zum Licht der Sonne, den Dadhigharma-Trank (Sauermilch-Gharma-Mischung) bei der Mittags-Somapressung als erneute Kopf-Anfügung an das Opfer, die abschließende Genuss-Formel mit Bitte um Sinneskraft, Geschicklichkeit und Willenskraft, und die Priestergabe von hundert Māna Gold an den Brahman-Priester, womit dieses Kapitel und Kaṇḍikā 14,3,1 enden.

athainam adbhiḥ pariṣiñcati śāntir vā āpaḥ śamayaty evainam etat sarvataḥ pariṣiñcati sarvata evainam etac camayati triṣ kṛtvaḥ pariṣiñcati trivṛddhi yajñaḥ || athāha vārṣāharaṃ sāma gāyati eṣa vai vṛṣā harir ya eṣa tapaty eṣa u pravargyas tad etam evaitat prīṇāti tasmād āha vārṣāharaṃ sāma gāyati

Dann besprengt er ihn [den Altarbereich] mit Wasser: Befriedung nämlich ist das Wasser; damit beruhigt er ihn ringsum; von allen Seiten kühlt er ihn damit ab; dreimal besprengt er ihn — denn dreifach vermehrt ist das Opfer. Dann sagt er: „Singe das Vārṣāhara-Sāman!“ — dieser [Gharma], der da glüht, ist nämlich der 'Stier-Falbe'; und eben dieser ist der Pravargya; damit erfreut er eben diesen; deshalb spricht er: „Singe das Vārṣāhara-Sāman!“

Wort für Wort
pariṣiñcati
er besprengt
śāntiḥ
die Befriedung
camayati
er kühlt ab
vṛṣā hariḥ
der Stier-Falbe [Gharma-Beiname]
vārṣāharaṃ sāma
das Vārṣāhara-Sāman

atha cātvāle mārjayante sumitriyā na āpa oṣadhayaḥ santv ity añjalinā apa upācati vajro vā āpo vajreṇaivaitan mitradheyaṃ kurute durmitriyās tasmai santu yo 'smān dveṣṭi yaṃ ca vayaṃ dviṣma iti yām asya diśaṃ dveṣyaḥ syāt tāṃ diśaṃ parāsiñcet tenaiva tam parābhāvayati || atha prāṅ ivodaṅṅ utkrāmati udvayaṃ tamasas parīty pāpmā vai tamaḥ pāpmānam eva tamo 'pahate svaḥ paśyanta uttaram ity ayaṃ vai loko 'dbhya uttaro 'sminn eva loke pratitiṣṭhati devaṃ devatrā sūryam aganma jyotir uttamam iti svargo vai lokaḥ sūryo jyotir uttamaṃ svarga eva loke 'ntataḥ pratitiṣṭhaty anapekṣam ety āhavanīye samidham abhyādadhāti samid asi tejo 'si tejo mayi dhehīty āśiṣam evaitad āśāste

Dann waschen sie sich am Cātvāla-Grubenplatz: „Freundlich mögen uns die Wasser und die Pflanzen sein!“ — mit hohler Hand schöpft er Wasser; die Wasser sind nämlich der Vajra (Donnerkeil); eben durch den Vajra bewirkt er damit diese Freundschaftsstiftung: „unfreundlich mögen sie dem sein, der uns hasst, und dem wir hassen“ — in welcher Richtung sich der Verhasste befinden sollte, in diese Richtung soll er das Wasser ausgießen; eben dadurch bringt er ihn zu Fall. Dann tritt er gleichsam nach Osten, nach Norden hinaus: „Wir entkommen empor, jenseits des Dunkels“ — Übel nämlich ist das Dunkel; eben das Übel, das Dunkel, vertreibt er damit; „den Himmel erblickend, empor zum Höheren“ — diese [irdische] Welt ist nämlich höher als die Wasser; auf eben dieser Welt findet er festen Stand; „zum Gott unter den Göttern, zur Sonne sind wir gelangt, dem höchsten Licht“ — die Himmelswelt nämlich ist die Sonne, das höchste Licht; eben in der Himmelswelt findet er am Ende festen Stand; ohne zurückzublicken geht er fort. Am Āhavanīya-Feuer legt er ein Brennscheit nach: „Du bist Brennholz, du bist Glut; verleihe mir Glut!“ — eben damit erbittet er einen Segenswunsch.

Wort für Wort
cātvāle mārjayante
sie waschen sich am Cātvāla
vajraḥ = āpaḥ
der Donnerkeil = das Wasser
durmitriyāḥ
unfreundlich [für den Feind]
tamas
das Dunkel [= das Übel]
svargaḥ lokaḥ = sūryaḥ
die Himmelswelt = die Sonne

Die Wasser-als-Vajra-Zeremonie mit gezielter Ausgießung 'in Richtung des Verhassten' ist eine der wenigen Stellen im Pravargya-Ritual mit explizit aggressiv-apotropäischer, gegen konkrete menschliche Feinde gerichteter Magie.

atha prasute dadhigharmeṇa caranti yajño vai somaḥ śiraḥ pravargyo yajña evaitac chiraḥ pratidadhāti mādhyandine savana etad vā indrasya niṣkevalyaṃ savanaṃ yan mādhyandinaṃ savanaṃ sva evainam etad bhāge prīṇāti stute mādhyandine pavamāne prāṇo vai mādhyandinaḥ pavamānaḥ prāṇam evāsminn etad dadhāty agnihotrahavaṇyā mukham vā etad yajñānāṃ yad agnihotraṃ śīrṣaṃs tan mukhaṃ dadhāti || sa ānīyamāna āha hotar vadasva yat te vādyam iti vadate hy atra hotāthopottiṣṭhann āha śrātaṃ havir iti śrātaṃ hi bhavaty atikramyāśrāvyāha dadhigharmasya yajeti vaṣaṭkṛte juhoty anuvaṣaṭkṛta āharati bhakṣaṃ taṃ yajamānāya prayacchati

Wenn dann [der Soma] ausgepresst ist, vollziehen sie das Ritual mit dem Dadhigharma [Sauermilch-Gharma-Gemisch]: das Opfer nämlich ist der Soma, das Haupt ist der Pravargya; damit setzt er eben dem Opfer selbst dieses Haupt wieder an. Bei der Mittags-Somapressung — dies ist ja Indras Niṣkevalya-Sonderpressung, nämlich die Mittagspressung — erfreut er eben diesen mit seinem eigenen Anteil; wenn das Mittags-Pavamāna-Lied rezitiert ist: Atem nämlich ist das Mittags-Pavamāna; eben den Atem legt er damit in ihn hinein; mit der Agnihotra-Spendeformel — Mund nämlich ist dies der Opfer, denn das Agnihotra ist das Haupt; damit verleiht er ihm den Mund. Während er [der Trank] herbeigebracht wird, spricht er [der Adhvaryu]: „Hotṛ, sprich, was du zu sprechen hast!“ — denn hier spricht ja der Hotṛ-Priester seinen Teil. Dann, sich erhebend, spricht er: „Gekocht ist die Opfergabe!“ — denn sie ist tatsächlich gekocht; er überspringt die Anuvākyā und ruft „Höre!“: „Opfere des Dadhigharma-Trank!“ — und beim Vaṣaṭ-Ruf opfert er; nach dem Anuvaṣaṭ-Ruf bringt er den restlichen Bhakṣa-Trank herbei und reicht ihn dem Opferherrn.

Wort für Wort
dadhigharmaḥ
der Dadhigharma-Trank
mādhyandinaṃ savanam
die Mittags-Somapressung
niṣkevalyaṃ savanam
Indras Sonderpressung
pavamānaḥ
das Pavamāna-Lied
śrātaṃ haviḥ
gekocht ist die Opfergabe
bhakṣam
der Genuss-Trank

Der Dadhigharma bei der Mittags-Somapressung stellt eine weitere, eigenständige 'Kopf-Anfügung' dar — diesmal nicht für das Pravargya-Vorspiel selbst, sondern für das übergeordnete Soma-Opfer als Ganzes.

sa upahavam iṣṭvā bhakṣayati mayi tyad indriyam bṛhad ity etad vā indriyaṃ bṛhad ya eṣa tapati mayi dakṣo mayi kratur ity etat kratū dakṣāv evātman dhatte gharmas triśug virājatīti gharmo hy eṣa triśug virājati virājā jyotiṣā sahety virājā hy eṣa jyotiṣā saha brahmaṇā tejasā sahety brahmaṇā hy eṣa tejasā saha payaso reta ābhṛtam iti payaso hy etad reta ābhṛtaṃ tasya doham aśīmahy uttarām uttarāṃ samām ity āśiṣam evaitad āśāste 'tha cātvāle mārjayante 'sāv eva bandhuḥ || athāto dakṣiṇānām suvarṇaṃ hiraṇyaṃ śatamānam brahmaṇe dadāti āsīno vai brahmā yaśaḥ śayānaṃ hiraṇyaṃ tasmāt suvarṇaṃ hiraṇyaṃ śatamānam brahmaṇe dadāti

Nachdem er die Anrufung geopfert hat, genießt er davon: „In mir sei jene erhabene Sinneskraft!“ — dies nämlich ist die erhabene Sinneskraft, dieser [Gharma], der da glüht; „in mir sei Geschicklichkeit, in mir sei Willenskraft!“ — damit verleiht er sich selbst eben Willenskraft und Geschicklichkeit; „der Gharma, der Dreifach-Kummer-Überwindende, erstrahlt!“ — dieser Gharma erstrahlt nämlich als solcher; „mit der Virāj, mit dem Licht zusammen!“ — denn dieser ist ja die Virāj, zusammen mit dem Licht; „mit dem Brahman, mit der Glut zusammen!“ — denn dieser ist ja das Brahman, zusammen mit der Glut; „aus der Milch der Same herbeigebracht!“ — denn dies ist ja der aus der Milch herbeigebrachte Same; „möchten wir seinen Milchertrag Jahr für Jahr aufs Neue erlangen!“ — eben damit erbittet er einen Segenswunsch. Dann waschen sie sich am Cātvāla — eben das ist die [mystische] Verknüpfung. Und nun, was die Priestergaben betrifft: er gibt dem Brahman-Priester Gold im Gewicht von hundert Māna; sitzend nämlich verharrt der Brahman [während des Ritus] gleichsam als [dessen] ruhende Würde, [wie] daliegendes Gold; deshalb gibt er dem Brahman-Priester Gold im Gewicht von hundert Māna. [Anm.: Hiermit endet Kaṇḍikā 14,3,1.]

Wort für Wort
indriyam bṛhat
die erhabene Sinneskraft
dakṣaḥ, kratuḥ
Geschicklichkeit, Willenskraft
triśuk
der Dreifach-Kummer-Überwindende
virāj, brahma
die Virāj, das Brahman [Versmaß-Mächte]
dakṣiṇā
die Priestergabe
śatamānam hiraṇyam
Gold im Gewicht von hundert Māna

Der abschließende Vergleich des reglos sitzenden Brahman-Priesters mit 'daliegendem Gold' begründet anschaulich, warum gerade er die Gold-Priestergabe erhält, und beschließt damit diesen langen Abschnitt des Pravargya-Ritus.

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