Quellen der Menschheit

Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 7: Śatapatha-Brāhmaṇa 14,2,2 (Kaṇḍikā 31-40) Die sieben Atem-Opfergüsse: Pūṣan, Preßsteine, Widerhaller, Väter, Himmel-Erde, All-Götter, Rudra

Fortsetzung von ŚB 14,2,2 (Kaṇḍikā 31-40 von 55). Behandelt: die Opferung mit den Śākala-Bruchstücken als Sitz der Atemkräfte, eine Serie von sieben Svāhā-Opfergüssen (Pūṣan, Preßsteine, Widerhaller, Väter, Himmel-und-Erde, All-Götter, Rudra), die jeweils mit den Atemkräften bzw. Ein-/Ausatem identifiziert werden, die besondere, stumme Behandlung der Väter- und Rudra-Gaben (ohne Blickkontakt, aus Furcht bzw. aus Achtung), die abschließende Deutung dieser sieben Güsse als die sieben Öffnungen des Hauptes, und das Zurückgießen der Gefäßreste als Vereinigung zweier Lichter.

atha śākalair juhoti prāṇā vai śākalāḥ prāṇān evāsminn etad dadhāti || svāhā pūṣṇe śarasa iti ayam vai pūṣā yo 'yam pavate eṣa hīdaṃ sarvam puṣyaty eṣa u prāṇaḥ prāṇam evāsminn etad dadhāti tasmād āha svāhā pūṣṇe śarasa ity avaraṃ svāhākāraṃ karoti parāṃ devatām asāv eva bandhur hutvā madhyame paridhāv upaśrayati || svāhā grāvabhya iti prāṇā vai grāvāṇaḥ prāṇān evāsminn etad dadhāti hutvā madhyame paridhāv upaśrayati || svāhā pratiravebhya iti prāṇā vai pratiravāḥ prāṇān hīdaṃ sarvam pratiratam prāṇān evāsminn etad dadhāti hutvā madhyame paridhāv upaśrayati

Dann opfert er mit den Śākala-Bruchstücken: Atemkräfte nämlich sind die Śākalas; eben die Atemkräfte legt er damit in ihn [den Opferherrn]. „Svāhā dem Pūṣan, dem Pfeilschützen!“ — dieser [Wind], der da weht, ist nämlich Pūṣan, denn dieser nährt all dies hier, und eben dieser ist der Atem; eben den Atem legt er damit in ihn. Deshalb spricht er: „Svāhā dem Pūṣan, dem Pfeilschützen!“ — den Svāhā-Ruf setzt er niedriger, die Gottheit höher — eben das ist die [mystische] Verknüpfung; nach dem Opfern lehnt er sich an die mittlere Einfriedung an. „Svāhā den Preßsteinen!“ — Atemkräfte nämlich sind die Preßsteine; eben die Atemkräfte legt er damit in ihn. Nach dem Opfern lehnt er sich an die mittlere Einfriedung an. „Svāhā den Widerhallern!“ — Atemkräfte nämlich sind die Widerhaller, denn durch die Atemkräfte ist all dies hier ausgedehnt; eben die Atemkräfte legt er damit in ihn. Nach dem Opfern lehnt er sich an die mittlere Einfriedung an.

Wort für Wort
śākalāḥ
die Śākala-Bruchstücke
prāṇāḥ
die Atemkräfte
pūṣā śaras
Pūṣan, der Pfeilschütze/Beschützer
grāvāṇaḥ
die Preßsteine
pratiravāḥ
die Widerhaller
paridhau upaśrayati
er lehnt sich an die Einfriedung an

Die wiederkehrende Identifikation verschiedenster Ritualelemente mit 'den Atemkräften' (prāṇāḥ) bereitet die abschließende Deutung in Kaṇḍikā 39 vor, wonach die sieben Güsse dieser Serie den sieben Öffnungen des Hauptes entsprechen.

svāhā pitṛbhya ūrdhvabarhirbhyo gharmapāvabhya iti ahutvaivodaṅṅīkṣamāṇo dakṣiṇārdhe barhiṣa upagūhati yajñasya śīrṣacinnasya [raso vyakṣarat sa] pitṝn agacchat trayo vai pitaras tān evaitat prīṇāty atha yan na prekṣate sakṛd u hy eva parāñcaḥ pitaraḥ

„Svāhā den Vätern mit aufgerichtetem Barhis-Gras, den Gharma-Trinkern!“ — ohne [tatsächlich] zu opfern, nach Norden blickend, verbirgt er [die Gabe] in der südlichen Hälfte des Barhis-Grasbündels; [als] dem enthaupteten Opfer der Saft entströmte, gelangte er zu den Vätern; drei nämlich sind die Väter[-Gruppen] — eben diese erfreut er damit. Und dass er dabei nicht hinschaut: denn nur einmal wenden sich [die Lebenden] den fortgewandten Vätern zu.

Wort für Wort
ūrdhvabarhis
mit aufgerichtetem Opfergras
gharmapāvāḥ
die Gharma-Trinker [Beiname der Väter]
upagūhati
er verbirgt/vergräbt
na prekṣate
er schaut nicht hin

Vgl. bereits Kaṇḍikā 11 und 14 dieses Kapitelabschnitts (14,2,2) zum selben Väter-Motiv; das Verbergen ohne Blickkontakt unterscheidet die Väter-Gabe deutlich von den übrigen, offen dargebrachten Svāhā-Güssen dieser Serie.

svāhā dyāvāpṛthivībhyām iti prāṇodānau vai dyāvāpṛthivī prāṇodānāv evāsminn etad dadhāti hutvā madhyame paridhāv upaśrayati || svāhā viśvebhyo devebhya iti prāṇā vai viśve devāḥ prāṇān evāsminn etad dadhāti hutvā madhyame paridhāv upaśrayati || svāhā rudrāya rudrahūtaya iti ahutvaiva dakṣiṇekṣamāṇaḥ pratiprasthātre prayacchati taṃ sa uttarataḥ śālāyā udañcaṃ nirasyaty eṣā hy etasya devasya dik tasyāṃ evainam etad diśi prīṇāty atha yan na prekṣate nen mā rudro hinasad iti

„Svāhā Himmel und Erde!“ — Einatem und Ausatem nämlich sind Himmel und Erde; eben Einatem und Ausatem legt er damit in ihn. Nach dem Opfern lehnt er sich an die mittlere Einfriedung an. „Svāhā allen Göttern!“ — Atemkräfte nämlich sind die All-Götter; eben die Atemkräfte legt er damit in ihn. Nach dem Opfern lehnt er sich an die mittlere Einfriedung an. „Svāhā dem Rudra, dem von Rudra Gerufenen!“ — ohne tatsächlich zu opfern, nach Süden blickend, reicht er die Gabe dem Pratiprasthātṛ-Priester; dieser wirft sie nördlich der Opferhalle nach Norden hinaus; denn dies ist die Himmelsrichtung dieses Gottes [Rudra] — in eben dieser Richtung erfreut er ihn damit. Und dass er dabei nicht hinschaut: „damit mich Rudra nicht verletze“ [ist der Grund].

Wort für Wort
prāṇodānau
Ein- und Ausatem
dyāvāpṛthivī
Himmel und Erde
viśve devāḥ
die All-Götter
rudraḥ rudrahūtiḥ
Rudra, der von Rudra Gerufene
pratiprasthātā
der Pratiprasthātṛ-Priester
nen mā rudro hinasat
damit mich Rudra nicht verletze

Rudra, der gefürchtete Gott des Nordens, erhält seine Gabe – wie die Väter – ohne direkten Blickkontakt, hier jedoch ausdrücklich aus Furcht vor Verletzung statt aus Pietät.

sapta etā āhutayo bhavanti sapta vai ime śīrṣan prāṇās tān evāsminn etad dadhāti || atha mahāvīrād upayamanyām pratyānayati svāhā saṃ jyotiṣā jyotir iti jyotir vā itarasmin payo bhavati jyotir itarasyāṃ te hy etad ubhe jyotiṣī saṅgacchete avaraṃ svāhākāraṃ karoti parāṃ devatām asāv eva bandhuḥ

Sieben sind diese Opfergüsse [Kaṇḍikā 32-38]; sieben nämlich sind diese Atemkräfte im Haupt [d. h. die sieben Kopföffnungen: zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, ein Mund]; eben diese legt er damit in ihn. Dann gießt er [die Reste] aus dem Mahāvīra-Gefäß zurück in den Melkeimer: „Svāhā, Licht mit Licht vereint!“ — Licht nämlich ist die Milch im einen Gefäß, Licht im anderen; denn diese beiden Lichter vereinigen sich hierbei. Den Svāhā-Ruf setzt er niedriger, die Gottheit höher — eben das ist die [mystische] Verknüpfung.

Wort für Wort
sapta śīrṣan prāṇāḥ
die sieben Atemkräfte/Öffnungen des Hauptes
upayamanī
der Melkeimer
saṃ jyotiṣā jyotiḥ
Licht mit Licht vereint

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