Quellen der Menschheit

Bṛhad-Āraṇyaka

Kapitel 15: Śatapatha-Brāhmaṇa 14,3,2 (Kaṇḍikā 9-16) Fortsetzung der Heilungsreihe (Sonne, Richtungen, Mond, Sternbilder, Wasser, Varuṇa) und ihr Abschluss in Prajāpati, dem unbestimmten Gott

Fortsetzung von ŚB 14,3,2 (Kaṇḍikā 9-16 von 22). Setzt die in Kapitel 14 begonnene Heilungsreihe von Svāhā-Güssen fort — Sonne, Himmelsrichtungen, Mond, Sternbilder, Wasser, Varuṇa, jeweils als 'Selbst' oder 'Sitz' aller Götter — und schließt mit der letzten, absichtlich unbestimmt ('anirukta') gehaltenen Doppelformel für Nabel und das Reine, die auf Prajāpati selbst verweist: Prajāpati ist das Opfer, und die Gesamtzahl von dreizehn Güssen entspricht den dreizehn Monaten eines Schaltjahres, das seinerseits mit Prajāpati identifiziert wird.

sūryāya svāhā iti sūryo vai sarveṣāṃ devānām ātmā tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || digbhyaḥ svāhā iti diśo vai sarveṣāṃ devānām āyatanaṃ tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || candrāya svāhā iti candro vai sarveṣāṃ devānām ātmā tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya

„Svāhā der Sonne!“ — die Sonne nämlich ist das Selbst aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā den Himmelsrichtungen!“ — die Himmelsrichtungen nämlich sind der Sitz aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā dem Mond!“ — der Mond nämlich ist das Selbst aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. [Anm.: Die wiederkehrende Schlussformel ist im Quelltext ab dieser Kaṇḍikā-Reihe durchgehend mit dem Verweiszeichen '>' abgekürzt und wird hier jeweils nach dem etablierten Muster ausgeschrieben.]

Wort für Wort
sūryaḥ ātmā
die Sonne als Selbst [aller Götter]
diśaḥ āyatanam
die Himmelsrichtungen als Sitz
candraḥ ātmā
der Mond als Selbst

nakṣatrebhyaḥ svāhā iti nakṣatrāṇi vai sarveṣāṃ devānām āyatanaṃ tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || adbhyaḥ svāhā iti āpo vai sarveṣāṃ devānām āyatanaṃ tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya || varuṇāya svāhā iti varuṇo vai sarveṣāṃ devānām ātmā tat sarvābhir evaitad devatābhir bhiṣajyati yat kiṃ ca vivṛḍhaṃ yajñasya

„Svāhā den Sternbildern!“ — die Sternbilder nämlich sind der Sitz aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā den Wassern!“ — die Wasser nämlich sind der Sitz aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist. „Svāhā dem Varuṇa!“ — Varuṇa nämlich ist das Selbst aller Götter; eben durch alle Gottheiten heilt er damit, was auch immer am Opfer beschädigt worden ist.

Wort für Wort
nakṣatrāṇi āyatanam
die Sternbilder als Sitz
āpaḥ āyatanam
die Wasser als Sitz
varuṇaḥ ātmā
Varuṇa als Selbst

Die gesamte Reihe (Kaṇḍikā 3-14) durchmisst systematisch das Pantheon und den Kosmos — Geist, Erde, Agni, Luftraum, Vāyu, Himmel, Sonne, Richtungen, Mond, Sternbilder, Wasser, Varuṇa — bevor sie in der abschließenden, absichtlich unbenannten Prajāpati-Formel gipfelt.

nābhyai svāhā pūtāya svāhā iti aniruktam anirukto vai prajāpatiḥ prajāpatir yajñas tat prajāpatim evaitad yajñam bhiṣajyati || trayodaśaitā āhutayo bhavanti trayodaśa vai māsāḥ saṃvatsarasya saṃvatsaraḥ prajāpatiḥ prajāpatir yajñas tat prajāpatim evaitad yajñam bhiṣajyati

„Svāhā dem Nabel! Svāhā dem Reinen!“ — dies bleibt unbestimmt [d.h. ohne ausdrückliche Nennung eines Gottesnamens]; unbestimmt nämlich ist Prajāpati; Prajāpati ist das Opfer; eben durch Prajāpati heilt er damit das Opfer. Dreizehn sind diese Opfergüsse [der gesamten Heilungsreihe seit Kaṇḍikā 3]; dreizehn nämlich sind die Monate des Schaltjahres; das Jahr ist Prajāpati, Prajāpati ist das Opfer; eben durch Prajāpati heilt er damit das Opfer.

Wort für Wort
aniruktam
unbestimmt/unausgesprochen
prajāpatiḥ
Prajāpati, der Allherr
trayodaśa āhutayaḥ
die dreizehn Opfergüsse
saṃvatsaraḥ = prajāpatiḥ
das [Schalt-]Jahr = Prajāpati

Die bewusste begriffliche 'Unbestimmtheit' (anirukta) der letzten Formel spiegelt eine verbreitete vedische Vorstellung von Prajāpati als dem Gott, der gerade durch seine Unbenennbarkeit alle anderen, benannten Götter übersteigt und in sich vereint; die Zahl 13 verweist auf den Schaltmonat, der das Mond- an das Sonnenjahr angleicht.

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